YII hoch, also die Hindernisse später nicht geringer sein würden. Auch wird kaum je ein Moment ein treten, wo alle Postbudgets gleich günstig dastehen. Ich mache kein Hehl daraus, dass ich einen möglichst wohlfeilen Postverkehr, der ja dem Güter- und Menschen verkehr die mächtigsten Impulse verleiht, für durchaus erwünscht halte und in ungenügend be gründeten Verteuerungen Rückschritte erblicke, die oft den Postfinanzen selber überraschenden Abbruch tun. In der letzten Zeit hat es an solchen Rückschritten nicht gefehlt; man konnte in verschiedenen Ländern eine bedenkliche rückläufige Verkehrsbewegung beobachten. Ich habe deshalb versucht, hie und da auch den Wirkungen solcher Massnahmen nachzugehen und ihre schädlichen Polgen aufzudecken. Man findet hier ausführliche Darstellungen der deutschen Ortsporto- und Zeitungsbei lagenverteuerung, aber auch dfer Fahrkarten- und Automohil- steuer. Doch haben solche Verkehrserschwerungen das Gute, dass sie durch ihren Druck allmählich weite Kreise zur Einsicht führen und mit der Zeit gründliche Reformen veranlassen. Dicht bevölkerte alte Länder, deren Grund und Boden nicht grösser wird und in festen Händen ist, müssen ihre stetig zu wachsende Einwohner schaft durch Industrie und Handel ernähren, wenn sie nicht auswaudern soll. Die Post aber ist die Pfadflnderiu des Handelsverkehrs und Welt handels und muss möglichst wenig Hindernisse auf ihren Wegen finden. Im Anhänge meines Buches wird man zum erstenmal eine gründ liche zusammenhängende Darstellung der bereits vorhandenen Sonder- postvereine innerhalb des Weltpostvereins finden, mit allen Tarifen, auch in vergleichbare Münzen umgerechnet, und mit statistischen Zahlen über die Gebietsgrössen. Ganz neu, auch für Fachleute, dürften die zusammen fassenden Zahlen für alle diese Postvereinsgebiete sein. Die neueste Zahl über die Grösse des Weltpostvereins lag mir bei der Niederschrift dieser Teile noch nicht vor, doch die Abweichung von der vorletzten Zahl ist so gering, dass sie kaum in Betracht kommt. Ich habe, wie schon bemerkt, alle Tatsachen möglichst sicheren Quellen ent nommen. Doch ist es natürlich nicht ausgeschlossen, dass hie und da auch ein Fehler sich eingeschlichen hat, was indessen an den Gesamt ergebnissen kaum etwas ändern dürfte. Man wird in dem Buche viele allgemein verständliche und allgemein geniessbare Kapitel finden, aber auch manche, die von statistischen Zahlen stark gefüllt sind, die dem Uneingeweihten vielleicht zum Teil langweilig Vorkommen mögen, für den Kenner und Fachmann aber gerade den inter essantesten und beweiskräftigsten Teil bilden. Denn Zahlen beweisen, sagt Goethe richtig. Wer in diesen Dingen ohne Statistik etwas beweisen will, tappt doch ganz ins Blaue und redet aufs Geratewohl hin. Gewiss kann mit einseitig und ungewissenhaft herausgegriffenen und uubeglaubigten Zahlen viel Unfug getrieben werden, und offenbar nur diesen Sinn können die gelegentlich gefallenen Worte Talleyrands haben: „Es gibt drei Lügen: die gemeine Lüge, die Notlüge und — die Statistik,“ ein Ausspruch, den der jetzige deutsche Staatssekretär Krätke im Dezember 1908 auch zitierte,