XXI Trotzdem bleibt Hill, der übrigens später die Unabhängigkeit seiner Urheberschaft des Pennyportos verteidigte, das grosse Verdienst, dass er zuerst durch wohlüberlegte scharfsinnige Berechnungen die Zweckmässigkeit eines Einheitsportos planmässig und bewusst wissenschaftlich begründete, und dass er seine Reformgedanken in bestimmter Gestalt in ein zusammen hängendes System brachte und mit grossen Opfern dafür wirkte. Ein höchst selten verkommender Glücksfall war es gewiss, dass die Schrift Hills, des unbekannten Laien, alsbald sieben Auflagen erlebte und in 30 000 Exemplaren abgesetzt wurde. Wie ganz anders erging es da einem bedeutenden deutschen Postreformer in Westdeutschland, noch dazu einem gewiegten Eachmann, der 1839 in einer Broschüre für nicht minder dringliche Postreformen in Deutschland eintrat, aber bei einer Auflage von 1500 Exemplaren nyr 32 Stück, absetzen konnte und die andern dann schliesslich unentgeltlich verteilte. Seine weltumfassenden weiteren Pläne sind erst a'/a Jahrzehnte später zur Geltung gekommen, sein Name aber ist noch bis heute fast niemandem bekannt, selbst in Fachkreisen. Die rege Unterstützung, die Rowland Hill beim englischen Volke fand, hat also in der Tat etwas wunderbares an sich, und ich glaube, die Welt hat Ursache, den Engländern dankbar dafür zu sein, denn es fragt sich sehr, ob wir heute schon überall das billige Einheitsporto oder gar die ge waltige Schöpfung des Weltpostvereins hätten, wenn England die Reform damals nicht angenommen und durchgeführt hätte oder wenn eine ähnliche Reformschrift in einem anderen Lande erschienen wäre. Selbst nach der Einführung des englischen Pennj^portos hat es in manchen Ländern lange genug gedauert, bis man diesem Beispiele folgte. In Frankreich z. B. 8, in Italien 13, in Österreich 21, in Norddeutschland 28 Jahre (1868). Es war wirklich etwas sehr Aussergewöhnliches; ein ganz unbe kannter Manu von 42 Jahren schreibt als Dilettant eine Reformbroschüre über ein sehr trockenes Thema, die Briefposttarife; sein Buch wird nicht nur in ein paar Hundert Exemplaren, wie es bestenfalls heute geschähe, sondern sofort in Zehntausenden gekauft und gelesen, das ganze Land hallt davon wider; er wird über Nacht berühmt; Abgeordnete und Handelsstand ermuntern und fördern ihn, inan zieht ihn, den Laien, als Sachverständigen heran; die Volksvertretung macht sich seine Vorschläge schnell zu eigen, setzt sie der Postverwaltung zum Trotz durch und erringt ihm, in dem man eine bedeutende organisatorische Kraft wittert, ohne dass er Abgeordneter war, ein hohes, nach Begriffen anderer Länder erstaunlich gut bezahltes Staatsamt, damit der rechte Mann, obwohl Nichtbeamter, auch auf den rechten Platz komme. Und als er abtreten muss, da ist es wieder die kluge Dankbarkeit dieses britischen Handelsvolkes, die ihm durch ein grosses Ehrengeschenk die materielle Unabhängigkeit und die spätere Fortsetzung seiner Arbeit ermöglicht, und gewerbliche Kreise des Landes bieten ihm, dem ideen reichen Laien, in einem andersartigen Privatunternehmen eine sichere, hoch lohnende Existenz, bis er zum zweiten Male und bald mit einem Minister gehalt und mit erweiterten Befugnissen sein Staatsamt wieder einnimmt, um am Schluss mit einer Nationaldotation und mit hohen Ehrungen für