sein rastloses Wirken bedacht zu werden. Ihm ward das seltene Glück zuteil, dass er eine lohnende schöpferische Tätigkeit in einem ausser- gewöhnlichen besonderen Wissensgebiete fand, das seiner Begabung gemäss, das sein Element war und das sonst für den aussenstehenden Privatmann, selbst bei gründlichsten Kenntnissen und glänzendsten Talenten, höchstens ein Lnxusstudium darstellt, aber wohl kaum ein auskömmlicher Broterwerb, oder gar eine Lebensstellung werden kann. Es gehörte die beispiellose Schätzung solchen Wissens und Könnens dazu, wie das englische Volk mit feinem Instinkte sie ihm zuteil werden liess, um solches zu ermöglichen und damit zugleich seine lebendigen erfinderischen und organisatorischen Kräfte' zur Geltung kommen und sie der Nation und der Welt nicht ver loren gehen zu lassen, wie es sonst die Regel wäre und wie es auch ge schehen sein würde, wenn bloss das herbe Urteil der fachmännischen Be amten über ihn entschieden hätte. 1 ) *) Hill selbst nannte sein Los ein glückliches vor andern Reformern und Er findern. Es bedarf das eigentlich kaum eines weiteren Beweises. Aber es ist von Reiz, hier einmal festzustellen, wie es einigen bekannten anderen, meist erfolgreichen Männern ergangen ist, die sich auch im Verkehrswesen reformerisch und erfinderisch betätigten. In England hatte es schon früher einmal ein Nicht Fachmann und Laie, der Theaterunternehmer John Palmer (f 1818) zu einer grossen Stellung, nämlich zum Generalinspektor (Surveyor-General) der Post gebracht, als er unter dem Widerspruch der Postverwaltung, doch von Pitt unterstützt, durch seine Argumente durchsetzte, anstelle der Reitpost die viel sichereren und dazu etwas umzubauenden Personenpost kutschen auch für den Briefverkehr zu benutzen und ihren Gang von S 1 / 2 auf 6 englische Meilen (9,6 km) stündlich zu beschleunigen. Am 24. August 1784 ging die erste Mail coach von London ab und brachte es bald bis auf 8 bis 10 Meilen in der Stunde. Palmer wurde zur Durchführung seiner Vorschläge selbst engagiert und zwar mit einem Gehalt von 1500 und 2 1 / 2 °/o Provision von dem über den alten Reingewinn von 240 000 £ hinausgehenden Uebersohuss. Aber die Ersparnisse der Post erwiesen sich als so gewaltig, dass das Parlament ihm nachher seine Provision nicht mehr bewilligen wollte, ihn 1792 mit 8000 £ jährlich pensionierte und ihm erst nach langem Prozessieren 1813 eine Dotation von 50 000 £ (1 Million Mark) bewilligte. Lustig genug war es, dass bei den Erörterungen seines Planes 1788 eine Amtsperson ihr Bedauern aussprach, dass er sich vorher „nicht wenigstens über die Natur solcher Geschäfte informiert hätte“ und hinzufügte, infolge der Bemühungen der Verwaltung sei das Postwesen „gegenwärtig unbedingt so vollkommen, als es nur irgend sein könnte, ohne die Einnahmen erheblich zu schmälern“, Hill hatte schon von seinem Vater viel von der Palmerschen Reform vernommen, doch gehörte sein erstaunlicher Optimismus dazu, um auf eine ähnliche Stellung für sich zu hoffen. Beiläufig erwähnt sei hier nur, dass Krupp 1843 aus seinem vorzüglichen Guss stahl die ersten Gewehrläufe herstellte und zwei selbstgeschmiedete an das preussische Kriegsministerium zur Probe einsandte. Aber die Sendung kam mit dem Bemerken zuiück, die preussische Waffe sei so vollkommen, dass sie keiner Verbesserung mehr bedürfe (vgl. Blencke, A. Krupp, 1898, S. 14). Gute Gussstahlkanonen baute er seit 1847, aber erst zwölf J ahre später ward ihm in seinem. Vaterlande die erste grössere Be stellung zuteil. Selbst Stephan, im Reichstage einst „der deutsche Rowland Hill“ genannt, der die wunderbare Schöpfung des Weltpostvereins ins Leben rief, drang nicht so schnell durch, wie der Urheber des Pennyportos, obwohl er die höchste Stufe derPost- laufbahn, die Stellung eines Postministers, schnell erklommen hatte, freilich von Anfang an Postbeamter und Fachmann. 1865 entwickelte er in Karlsruhe auf der Postkonferenz — privatim — die Idee der Postkarte, deren Erfinder er ist, aber ohne Erfolg, und die