15 Am 27. April 1907 trat der Abgeordnete Kaempf auch im Reichstage für diese Beschlüsse ein. Endlich beschloss auch der G-esamtausschuss des Han delsvertragsvereins in seiner Sitzung vom 25. November 1908 nach einem vorausgegangenen Vortrage des Verfassers dieser Schrift nachstehende Resolution: „Der Handelsvertragsverein erklärt den heutigen Stand des inter nationalen Portos für Briefe, Postkarten und Drucksachen für dringend reformbedürftig. Als Ziel der zu erstrebenden Reform erachtet er unbedingt die Ausdehnung der heutigen inländischen Portosätze auf den internationalen Postverkehr. Angesichts der an massgebenden Stellen hiergegen bestehenden Bedenken fiskalischer und anderer Natur erachtet er als den gegebenen Weg zu diesem Ziele den Abschluss von besonderen Postkonventionen mit zunächst einem oder zwei postalisch für uns wichtigen Auslandsstaaten und, bei günstigem Ergebnis, deren entsprechende Vermehrung, um so zunächst für den gegenseitigen Verkehr mit diesen Staaten das Inlandsporto einzuführen und die Wirkungen dieser Massnahmen zu erproben. Alsdann wäre tunlichst bei dem nächsten Weltpostkongress die allgemeine Einführung dieser Portosätze zu beantragen. Der Ausschuss beauftragt Vorstand und Geschäftsstelle, im Verein mit dem Referenten die Präge einer eingehenden Bearbeitung zu unterziehen und nach deren Abschluss im angegebenen Sinne bei der Reichsregierung vorstellig zu werden, ferner mit Hilfe der dem H. V. V. nahestehenden führenden wirtschaftlichen Körperschaften des Auslandes dahin zu wirken, dass auch seitens anderer Länder in gleicher Weise vorgegangen wird, endlich die Unterstützung anderer deutscher Interessenvertretungen hierfür zu erwirken und das Interesse der breiten Öffentlichkeit dafür zu erwecken.“ Die Handelsvereinigungen der meisten Länder werden sieb inzwischen gewiss in ähnlicher Weise des Gedankens eines AVelt- Penny-Portos angenommen haben. Auch in der Presse des Aus landes wird zweifellos viel darüber geschrieben worden sein. Ich habe hier natürlich nur über das berichtet, was mir bekannt geworden ist, ohne Vollständigkeit zu beabsichtigen. Am 1. Oktober 1908 ist nun auf Vorschlag Englands ein höchst wichtiger neuer Schritt in der Richtung auf das an gestrebte Ziel geschehen: das ist das seitdem geltende und schon er wähnte transatlantische Ozean-Penny-Porto im Verkehr Englands mit den Vereinigten Staaten von Amerika. 1 Penny oder 2 Cents amerikanisch für eine Unze (28,3 g) 10 ) gelten * W) Vgl. „Deutsche Verkehrs-Zeitung“ 1908, S. 345.