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        <title>Weltporto-Reform</title>
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            <forname>Arved</forname>
            <surname>Jürgensohn</surname>
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        Das  nahende  Welt-Pennyporto
in  neuer  Beleuchtung

Arved  Jürgensohn

Druck  und  Verlag  Liebheil  &amp;amp;  Thiesen,  Berlin
1909/10
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        Inhalt:

Vorrede  und  Einleitung  (Leben  Rowland  Hills).
I.  Das  Inlandsporto  als  Auslandsporto.
II.  Die  Weltportobewegung  des  letzten  Jahrzehnts.
III.  Der  Entwicklungsgang  des  In-  und  Auslandsportos.
IV.  Der  Siegeszug  des  internationalen  Pennyportos.
V.  Der  Chinesische  Weltpostverein  oder  die  meistbegünstigte ­
  Nation.
VI.  Die  Transitgebühren  im  Weltpostverkehr.
VII.  Welt-Pennyporto  und  Postfinanzen  (in  40  Ländern).
VIII.  Verkehrssteigerungen  nach  Portoermässigungen.
IX.  Einnahmeausfälle  und  Mehrausgaben.  Ausfallsberechnungen ­
  für  50  Länder.
X.  Reformvorschläge.
XI.  Weltverkehr,  Weltbriefmarke  und  Weltmünze
(Grammgewicht).
XII.  (Anhang.)  Die  Sonderpostvereine  im  Weltpostverein ­
  (mit  ihren  Tarifen).
A.  Nachbarpostvereine.
B.  Grenzbezirkspostvereine.
C.  Kolonialreichspostvereine.
D.  Ueberseepostvereine  selbständiger  Länder.

Ausführliches  Inhaltsverzeichnis  im  Buche.

BERLIN  1909-1910.
Verlag  von  Liebheit  3  Thiesen.
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        Weltporto-Reform
Das  nahende  Welt-Pennyporto
in  neuer  Beleuchtung  :::
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        Inhalt.

Seite
Vorrede  und  Einleitung'  I—XXIV
1.  Vorrede.  70jähriges  Jubiläum  des  Pennyportos.  Das  Welt-Pennyporto
  und  seine  Weltwirtschaft!.  Bedeutung.  I.  —  Statistik  seines
Gebiets.  Finanzielles  Risiko  1840  und  jetzt.  II.  —  Symbolische  Bedeutung. ­
  Der  postalische  Weltstaatenbund.  Stoiker.  Stephans
IdeaL  Rowland  Hill,  der  Urheber  des  Pennyportos.  III.  —  Persönliches ­
  Vorwort  des  Verfassers.  Verkehrsstudien,  IV.  —  Aufforderung
des  Handelsvertragsvereins  zu  dieser  Arbeit.  Broschüre  „Welt-Pennyporto“.
  Inhalt  dieses  Baches.  Neue  Gesichtspunkte  und  Tatsachen. ­
  V.  —  Fiskalische  Bedenken.  Stephan.  Krätke.  Absichten
des  Verfassers.  VI.  —  Rückläufige  Verkehrsbewegung.  Tarifverteuerungen ­
  der  letzten  Jahre.  Sonderpost  vereine.  Statistik.  VII.  —
Talleyrand.  Napoleon.  Wirkungen  von  Tarifreformen.  Stadt  und
Band.  Anmerkungen.  Ausfall  Berechnungen  für  50  Länder.  Weltmarke. ­
  Weltmünze.  VIII.  —  Vorbehalt  neuer  Vorschläge  zum  Welt-Pennyporto.
  Rezensionen.  IX.
2.  Einleitung;  Rowland  Hill  (1795-1879).  Hills  Glück.  Schulmeisterzeit. ­
  X.  —  Sein  Patent  der  Rotationsdruckmaschine.  Zeitungsstempel. ­
  Berufswechsel.  Gehalt.  XI.  —  Postreformer.  Studien.
Wallace.  Hills  Postreform-Brosohüre  1887.  XH.  —  Begründung  des
Pennyportos.  Vorausfrankierung.  Verkehrssteigerung.  XIII.  —
6  Auflagen.  Kommissionsbericht.  Pennyportovorlage.  XIV.  —  Annahme. ­
  Gehaltsangebot.  Posten  im  Schatzamt  mit  80  000  M.  Uebergangstarif.
  XV.  —  Hills  Rücktritt  1842.  Cobden.  Hill  Eisenbahndirektor ­
  mit  122  000  M.  Nationale  Subskription  für  ihn  (265  000  M)
1845/46.  Sein  Gegner  Maborly.  XVI.  —  Hills  Wiederanstellung  (1846)
als  Unterstaatssekretär.  Gehalt  40  800  M.  1854.  Ohief-Secretary,
Rücktritt  1864.  Pension.  Nationalgeschenk  von  408000  M.  f  1879.
Ehrungen.  XVII.  —  Seine  Kämpfe.  Gegner.  XVIII.  —  Einwände
der  Fachmänner,  Beamten  und  der  Presse.  Schatzkanzler  Baring.
XIX,  —  Vorurteile.  Reibungen.  Gladstone.  Hills  glückliches  Loos.
Idee  nicht  neu.  Briefmarke.  Knight.  Chalmers,  der  Erfinder  der
aufklebbaren  Briefmarke.  XX.  —  Hills  Broschüre  in  80000  Exemplaren,
7  Auflagen.  Aussergewöhnliche  Unterstützung  durch  das  englische
Volk.  Dankbarkeit.  Betrachtungen.  XXL  —  Andere  Reformer  und
Erfinder:  Palmer.  Krupp.  Stephan.  XXII.  —  Morse.  Michaelsen.
Herrmann.  Akin.  Zeppelin.  Ganswindt.  Henniker  Heaton.  XXIII.  —
Timon  von  Athen.  XXIV.
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        Kap.  I.  Das  Inlandsporto  als  Anslandsporto
Stephans  Ideal  (1885).  1.  —  Henniker  Heatons  Antrag.  Jos.
Michaelsens  (1859)  Wirksamkeit,  v.  Herrfeldt,  der  geistige  Vater  des
Weltpostvereins.  Plan  von  1811.  2.  —  Oesterreichs  gleich  hohes  Inund
  Auslandsporto  im  18.  Jahrhundert.  3.  —  Drückende  Höhe  des
Weltportos.  4.  —  Erhöhung  dos  ‘  Zeittingsbeilagen-Portös  um  1 / 4  Pf.
Verkehrsrückung.  Stephans  Portovorschlag  von  1868  :  20  C.  Sonderpostvereine ­
  mit  ermässigtem  Porto.  5.  —  Kolonialpostvereine.  Heaton.
Die  Nähe  des  Ziels.  6.
Kap.  II.  Die  Weltportobewcgun^  des  letzten  Jahrzehnts  .  .  .
Bestrebungen  der  Weltportoverbilligung  in  Deutschland,
Hasse.  7.  —  Amerikas  Forderung  eines  Ozean-Pennyportos.  Deutsch-Niederländischer
  Postverein  (Broschüre).  Graf  Biilow.  Müller-Meiningen,
  Eickhoff.  Postverein  mit  der  Schweiz.  Mitteleuropäischer ­
  Postveroin  (Ed.  Engel).  Deutsche  Weltportosätze  (Jttrgonsohn).
  8.  —  Der  amerikanische  Generalpostmeister  für  das  Pennyporto
mit  Europa.  9.  —  Auch  Neuseeland  für  ein  Welt-Pennyporto.  England.
Schweiz.  Mexiko.  Welt-Pennyporto-Antrag  der  Aeltestcn  der
Kaufmannschaft  von  Berlin.  1905.  10.  —  Henniker  Heatons  Agitation-Times.
  Pennyporto-Liga.  Denkschrift  der,  Aeltesten  von  Berlin.
Kaempfs  Anregung  im  Reichstag.  Anträge  auf  dem  Weltpostkongress
zu  Rom  1906.  11.  —  Neues  Weltporto  seit  Oktober  1907.  Prozentsatz
der  Briefe  zwischen  15  und  20  g.  Wirkungen  der  deutschen  Briefgewichtserhöhung ­
  (12  Millionen  Mark  Mehreinnahme).  Jürgensohns
Forschung  darüber.  12.  —  Aegyptens  Bereitwilligkeit  zum  Welt-Pennyporto.
  Italien  und  Aegypten.  Neue  Eingabe  der  Aeltesten
der  Kaufmannsclyrft  von  Berlin.  13.  —  Ausspruch  des  englischen
Generalpostmeisters  zugunsten  des  Welt-Pennyportos  1906.  Kundgebung ­
  des  Internationalen  Handelskammerkongresses  1906.  Eingabe ­
  des  Deutschen  Handelstags  1907.  Kaempf  im  Reichstag
dafür.  Resolution  des  Handelsvertragsvereins  November  1908.  Englisch-amerikanisches ­
  Pennyporto  Oktober  1908.  15.  —  Frankreich,
Schweiz.  Deutschland.  Henniker  Heaton.  Ed.  Engel.  16.  —  Deutschamerikanisches ­
  Abkommen:  10  Pf,-Porto  von  1909  ab.  Frankreich.
Norwegen.  Schweden.  Der  Stein  im  Rollen.  Fehlende  Verbindungsbrücken.
  17.
Kap.  III.  Der  Entwicklungsgang  des  In-  und  Auslandsportos  .
Die  englische  Pennyportoreform  von  1840.  Früherer  Tarif.  18.  —
Nachfolge  der  anderen  Länder.  Begriff  des  Welt-Ponnyportos  im
engeren  und  weiteren  Sinne.  19.  —  Der  Deutsch-Oosterreichische
Postverein  von  1850.  Schweizerischer  Postverein  von  1849.  20.  —
Das  Pennyporto  in  anderen  Ländern.  Der  Allgemeine  und  Weltpostverein ­
  1875,  21.  —  Transitgebühren.  Zuschlagsporto.  22.  —  Aeltore
internationale  Brieftarife  im  19.  Jahrhundert.  23.  —  Tarifsätze  vor
1875.  21.  —  Noch  ausserhalb  des  Weltpostvereins  stehende  Staaten.
Abessiniens  Beitritt  1908.  Statistik  der  Entwicklung  des  Weltpostvereins. ­
  25.  —  Gesamtfläche  und  Einwohnerzahl.  Welt-Briefporto
seit  1875  unverändert.  Weltentwicklung  seitdem.  Fortgesetzte  in*
terne  Tarifverbilligungen.  Porti,  26/27.  —  Tabelle  (Statistik)  der
Briefverkehrszunahmo  von  1840—1906  (England,  Frankreich,  Oesterreich, ­
  Preussen,  Deutschland).  28.  —  Analphabeten  1841  und  jetzt.
Eisenbahnnetz  der  Welt  1840—1907.  Ueberseeische  Postlinien  seit
1873,  Welthandel  von  86 1 / 2  auf  131  Milliarden  gestiegen  (1874—1907).,
Auswärtige  Märkte.  Export.  Hemmungen  durch  hohes  Porto.  29.  —

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        Seit  84  Jahren  unverändertes  Weltporto.  Notwendigkeit  der  Verbilligung. ­
  Verbilligungen  der  Xnlandstarife  seit  1840.  80.  —  Deutschland. ­
  Frankreich.  Amerika.  Russland.  Zeitbedürfnis.  31.
Kap.  IV.  Der  Slegeszng  des  internationalen  Pennyportos  .  .
Weltpostverein  1875.  Damalige  Grösse  des  Gesamtgebiets  und
der  wichtigeren  Einzelgebiete.  82.  —  Gegenwärtige  Grösse  des  Weltpostvereins. ­
  Unverändertes  Porto.  Sonderpostvereine  mit  ermässigtem
  Porto.  33,  —  Vordringen  des  Welt-Pennyportos.  Hannibal
ante  portas.  Tarifwirrwarr  durch  Ausnahmetarife.  4  Gruppen  von'
Sonderpostvereinen.  34.  —  lieber  sichten.  Statist.  Tafel  I:  14  europäische ­
  Nachbarpostvereine.  36,  —  Statist.  Tafel  II:  12  aussereuropäische
  Nachbarpostvereine.  39.  —  Summe  von  Areal  und  Einwohnern
aller  Nachbarpostunionen.  41.  —  Statist.  Tafel  III;  Grösse  der  Weltteile ­
  und  ihrer  Nachbarpostvereine.  42.  —  Erläuterungen  der  vorhergehenden ­
  Zahlentafeln.  In  Europa  nur  noch  12,3  °/ 0  des  Gebiets
ausserhalb  der  Postvereine  stehend.  43.  —  Nordamerika  ein  einiges
Postvoreinsgebiet  für  sich;  ebenso  Südafrika  und  Australien,  Russland ­
  und  China.  68,5  °/ 0  des  Weltpostvereins  bilden  Nachbarpostvereino.
  Grössenverhältnisse  zu  den  Weltteilen.  44.  —  Statist.
Tafel  IV:  11  Kolonialreichspostvereine.46.  —  Ihre  Grösse  75°/ 0  des  Weltpostgebiets
  ausmachend.  48.  —  Statist.  Tafel  V:  Ueberseepostveroine
von  16  unabhängigen  Ländern.  49f.  —  Erläuterungen.  Siegeszug  des
transozeanischen  Welt-Pennyportos.  53.  —  Das  britische  Postvereinsgebiet
  5 x / 2  mal  grösser  als  Euroi&amp;gt;a.  Einseitige  Postvereino.  54,  —
.  Statist.  Tafel  VI:  Gesamtgrössc  des  Gebiets  aller  Postvereine  der
Welt  zusammen:  96,3°/ 0  des  Weltpostvereinsareals  einnehmend  und
113,9°/o  seiner  Einwohner.  55.  —  Verblüffende  Tatsachen.  56.
Kap.  V.  Der  Chinesische  Weltpostverein  oder  Die  meistbegünstigte ­
  Nation
Chinas  Staats-  und  Privatposten.  Roichspost.  Billiges  Inlands--
  porto:  4  Pf.  57,  —  Chinas  eigener  Weltpostverein  ein  Sonderpostverein. ­
  Statist.  Tafel  VII:  Chinas  Postvereino  mit  9  Ländern.
Gebiets  an  teile  der  Weltteile  daran.  59.  —  Der  „Chinesische  Weltpostverein“ ­
  grösser  als  der  Weltpostverein  im  Jahre  1888  und
einwohnerreicher  als  der  Weltpostverein  von  heute.  60.  —  China
postalisch  die  meistbegünstigte  Nation.  104  fremde  Weltpostanstnlten
  in  69  Städten  des  Chinesischen  Reiches.  61.  —  China  tatsächlich ­
  dem  Weltpostverein  bereits  angegliedert.  Andere  Mitgliedsländer ­
  dos  Weltpostvereins  mit  ähnlich  wenigen  Postanstalten.
Abessinien  nur  3  Postämter,  doch  als  ganzes  dom  Verein  angeschlossen. ­
  62.  —  Das  Pennyporto  bereits  im  Chinesischen  Weltpostverein ­
  gültig.  Aufzählung  der  Länder  und  der  Portotaxen.
Unterbietungsmöglichkeit  auch  im  übrigen  Weltverkehr.  Bestellgeld. ­
  63.  —  Ganz  China  im  Chinesischen  Weltpostverein.  Grosser
Sieg  des  Pennyportogedankens.  Shanghai.  7  ausländische  Postämter
da.  65.  —  14  deutsche  Postanstalten  in  China.  50  japanische,  18  französische, ­
  12  englische  usw.  66.  —  Fremde  Postämter  früher  auch  in
deutschen  Staaten.  In  Hamburg  ehemals  9  fremde  Postanstalten,
in  Bremen  5.  67.  —  Aehnlicher  Zustand  wie  jetzt  in  China.  Preussische
Postämter  in  fremden  Staaten.  Thurn  und  Taxis.  Gebietsgrösse.
Ablösung.  68.  —  Gehalt  des  Generaldirektors,  Thurn  und  Taxissche
Postämter  in  fremden  Staaten.  Parallele  zu  Chinas  heutigem  Zustand. ­
  69.  —  Handelsinteressen  im  Chinesischen  Reiche.  Chinas
Aussonhandel.  Statistik.  70.  —  Deutschlands  Aussenhandel  und

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Interessen  in  China.  71.  —  Eigentlich  unbegründete  postalische  Meistbegünstigung ­
  Chinas.  72.  —  Differential-Briefzoll.  Europas  Widersprüche. ­
  China  auf  dem  Weltpostkongress.  Beitritt  zum  Weltpostverein. ­
  78.  —  Rückschritte  im  Porto  zu  verhindern.  Das
Welt-Pennyporto  als  Morgengabe  der  Vollendung  des  Weltpostvereins ­
  durch  Chinas  Beitritt.  74.
Kap.  VI.  Die  Transitgebilhren  im  Weltpostrerkehr  75—94
Denkschrift  zum  Weltpöstvertrag  im  Reichstage.  Berechtigung
der  geforderten  Weltportoermässigung.  Lange  Anmerkung  (75—86):
Entwicklungsgeschichte  der  Transitgebühren.  Landtransit.  75.  —
Transitmengen-Statistik.  Gesamtkosten.  Hohe  Gebühren,  höher  als  die
Selbstkosten.  76.  —  Statistik  für  1896.  Gebührensumme  aller  Länder,
gering.  136  Postverwaltungen,  durchschnittlich  auf  jede  71000  Er.
Transitgobühren.  77.  —  Weltporto  und  Transitgebührenhöhe  nicht
von  einander  abhängig  zu  machen.  Nur  bei  1 / 3  der  Transitgebühren
wirkliche  Barzahlung,  bei  2 / 3  Ausgleichung  durch  Leistung  und
Gegenleistung.  Tatsächliche  Barbezahlungen.  78.  —  Porto  allgemein
einheitlich;  nicht  nach  einzelnen  Strecken  verschieden,  je  nach
Selbstkosten.  Andere  Ansicht  vor  100  Jahren.  Stephan.  Neueste
Transitgebührensätze  (1906).  Geschlossener  Landtransit.  79.  —
Rückschritte.  Kleinkrämerhafte  Genauigkeit.  Postpakettransit.
Anträge  auf  Transitverbilligung,  80.  —  Ein  Raumtarif  zu  erwägen.
Transitstatistik  alle  6  Jahre.  Taxen  für  offenen  Transit.  Seetransitgebühren. ­
  Entwicklungsgeschichte.  82  f.  —  Ausgleichung.  Clearing
house  im  Berner  Bureau.  Neueste  Seetransitgebühren  (1906).  Subventionierte ­
  Postdampferlinien.  88  f.  —  Stephan  1878  über  Seetransit.
Jährliche  Raummiete.  Statistik  des  Seetransits  1890  und  1893.  Gebühronsumme.
  Hohe  Sätze.  4000  t  4  Millionen  Franken  Frachtgebühr. ­
  Englands  Subventionen  und  Transitvergütungen.  85.  —  Auch
Transit  ebenso  wie  Subventionen  zu  den  Generalunkosten  des  Betriebs
zu  rechnen.  Defizit  der  subventionierten  Linien.  Neue  Anmerkung
(86—89):  Die  Postdampfersubventionen  von  Frankreich,  England,
Japan,  Oesterreich,  Italien,  Deutschland,  Amerika.  86  f.  —  Deutsche
subventionierte  Linie  (Ostafrika)  und  ihre  Ausgaben  und  Einnahmen,
Japan.  Zolleinnahmen.  Frankreichs  und  Deutschlands  Subventionsausgaben ­
  in  den  letzten  25  Jahren.  Ausgleich  von  Diensten  und
Gegendiensten  bei  subventionierten  Linien.  Ausnahme  bei  nicht
subventionierten  Dampfern.  88.  —  Gegenseitiger  Ausgleich  der  Staaten
bei  Beförderung  eingehender  fremder  Postsendungen  ohne  Vergütung.
Früher  halb  sch  eidliche  Portoteilung.  Englands  Ausgaben  für  Seeposten. ­
  Statistik.  Fehlbetrag  der  englischen  subventionierten
Linien.  89.  —  Beispiele  nicht  vorhandener  gegenseitiger  Ausgleichung
im  Weltpostvorkehr.  Statist.  Uebersicht.  90.  —  Mexiko  und  Uruguay
erhalten  das  Dreifache  dessen,  was  sie  hinausschicken.  Amerikas
aktive  Weltpostbilanz.  76  Millionen  Mehraussendungen.  800  000
Franken  dem  Auslande  nicht  vergütet.  Jahresarbeit  für  700  Briefträger. ­
  91.  —  Ausgabe  912  000  M.  Oesterreichs  passive  Weltpostbilanz. ­
  Mexiko,  Algier,  Oranje-Kolonie  ebenso.  92.  —  Weitherzigkeit
der  Nichtbeachtung  des  Nichtausgleichs;  auch  für  den  Transitverkehr
nachzuahmen.  Notwendige  Unabhängigkeit  des  Weltportos  von  den
Transittaxen.  93  f.
Kap.  VII.  Welt-Demi  yporto  und  Postflnanzen  95—121
Der  finanzielle  Einwand  als  Haupteinwand.  Die  „gegenwärtige
Einanzlage“.  Laienhafte  Ansichten.  Stephans  Irrtum.  95.  —  Fehlbeträge ­
  hei  Subventionen  und  beim  Postwesen  der  Schutzgebiete.
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        Seite

Fostzuschüsse  für  das  flache  Land.  Lange  Anmerkung  (96—101).
Wichtigkeit  des  Exporthandels,  die  Post  seine  Pfadfinderin.  Gross-Berlin
  und  die  östlichen  Provinzen.  Berlins  Posteinnahmen  allein
doppelt  so  gross.  46°/ 0  der  Gesamteinnahme  von  den  Grossstädten
aufgebracht.  Köslins  Posteinnahmen  und  Defizit.  97.  —  Belanglosigkeit ­
  einer  Rentabilität  des  Auslandsverkehrs.  Zuschüsse  für  die
Post  auf  dom  Lande.  Statistisches  Defizit  der  deutschen  und  englischen ­
  Telegraphie.  98.  —  Indirekte  Einnahmen  durch  den  Weltpostverkehr. ­
  Zolleinnahmen.  Nordamerika.  Zuschuss  von  57  Pf.  auf
jedes  deutsche  Telegramm.  Stadt  und  Land.  Fernsprecher  und
Telephonvorlage.  99.  —  Telephonrente:  Zuschuss  von  56  M  jährlich
für  jeden  Fernsprecher  in  Landorten.  3  Millionen  Defizit  bei  den
kleinen  Netzen.  2 1 j 2  Millionen  hei  den  Anschlüssen  bis  zu  200  Teilnehmern. ­
  100.  —  Die  Post  als  Hebel  der  Handels  und  der  Zoll-  und
Eisenbahneinnahmen.  Amerikas  Defizit.  Der  Auslandsbriefverkehr
sehr  gering  im  ganzen  Postverkehr.  Statistik.  Widerspruch,  beim
Weltbriefverkehr  Deckung  aller  Selbstkosten  zu  verlangen  und  im
Inlands  verkehr  nicht.  101.  —  Das  verfassungsmässige  Postdefizit
Amerikas.  364  Millionen  Franken  Postfehlbeträge  in  10  Jahren.
Stephan  gegen  die  hohen  Ueberschüsse  Naglers.  102.  —  Stephans
Maxime,  dass  der  Postüberschuss  nur  10—15  °/ 0  der  Einnahmen  betragen ­
  dürfe.  Ihre  Anwendung  auf  Hills  Pennyporto-Reform  in
England  1840.  Neue  Beleuchtung  der  finanziellen  Wirkungen.  103.  —
Englands  Briefverkehr  und  Postüborschuss  von  1840—1906.  Befreiung
vom  fiskalischen  Joch.  104  f.  —  Postreingewinn  in  Preussen  1857  und
im  Reich  1906/07.  Unterschiede.  105  f.  —  Glänzende  Finanzlage  der
Deutschen  Reichspost  bis  1906.  Legende  vom  Betriebsdefizit.  Anlass
zu  Portoherabsetzungen.  106.  —  Besonders  in  Zeiten  wirtschaftlichen
Niedergangs.  Differential-Briefzölle.  Weltportoreform  notwendig.
Preussische  Eisenbahn  und  Deutsche  Reichspost.  Stephan  über  die
dreimal  zu  hohe  Eisenbahnrechnung.  Unvergüteter  Militärdienst.
Viel  zu  hohe  Ueberschüsse  in  sehr  zahlreichen  Ländern  (bis  77°/ 0
der  Einnahmen).  Kapitalsrente  der  Deutschen  Reichspost.  108.  —
Glänzende  Finanzlage  bis  1906.  Gehaltserhöhungen  1909.  109.  —
Ueberschüsse  und  Fehlbeträge  verschiedener  Postverwaltungen.  110.—
Englands  Welthandel  und  Zolleinnahmen.  111.  —  Statist.  Tabelle  für
40  Länder  über  Postwesen,  Verkehr,  Posteinnahmen,  Ueberschüsse,
Defizit,  Welthandel,  Zolleinnahmen  (1906).  112,113.  —  Dasselbe  für  1907.
114.  —  Handel  und  Zölle  Deutschlands,  Amerikas,  Russlands,  Frankreichs. ­
  Erwünschte  Herabminderung  der  Postüberschüsse.  115.  —
Stephan  über  Naglers  Kampf  mit  den  Finanzbehörden.  Preussische
Postüberschüsse  1825—1835.  Gefährliche  Gewöhnung  der  Staatskasse
an  die  hohen  Posterträge.  Porto  als  Steuer.  Generalpostamt  und
Finanzamt  im  Streit.  116.  —  Goneralpostmeister  Naglers  Klage  über
Einmischung  und  Beschränkung.  Stephans  Hemmungen.  Andeutung
behinderter  Roformlust.  Gründe  seines  Irrtums.  117  f.  —  Briefgewichtserhöhung. ­
  Thielen  und  die  Kritik.  Neuseelands  günstige
Erfahrung  bei  der  Briefgewichtserhöhung.  119.  —  Aufschub  dos  Welt-Pennyportos
  bedeutet  später  vermehrte  Ausfälle.  Steigerung  des
deutschen  Briefverkehrs  in  10  Jahren  und  seit  1877.  Jungs  Statistik.
120.  —  Briefsteigerung  im  Auslandsverkehr  von  1896—1906  in  verschiedenen ­
  Ländern.  Das  Welt-Pennyporto  nicht  mehr  aufzuschieben. ­
  121.
Kap.  VITT  Terkehrssteigerungeu  nach  Portoermässigungen.  .  122—155
Praktische  Wichtigkeit  der  Kenntnis  dessen,  wie  Tarifermässigungen
  oder  Erhöhungen  wirken.  122.  —  Wahrscheinlichkeitsrechnung.
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        Erhöhung  des  deutschen  Ortsportos  (1906)  und  der  Ortskartentaxe.
Statistik.  Veranschlagte  Mehreinnahmen  12  Millionen  Mark.  In
Wirklichkeit  nur  4—5  Millionen.  Rückgang  des  Verkehrs  um  23  °/ 0 .
123.  —  Verteuerung  der  Zeitungsbeilagen  um  1 /4  Pf.  Verkehrsrückgang ­
  um  30°/ 0 -  Misserfolg  der  deutschen  Fahrkartensteuer.  Ihre
Schädlichkeit.  Lange  Anmerkung  (S.  124—133):  Geschichte  der  Steuer.
Die  anfänglichen  Ertragsanschläge  (56  Millionen  Mark)  und  die  wirklichen ­
  Erträge  (17 1 l 2 —19 1 /2  Millionen).  125.  —  Grosse  Enttäuschung.
Statistik.  Verkehrsrückgang  und  Herabsteigen  in  niedrigere  Wagenklassen. ­
  Schädigung  der  preussischen  Staatsbahn  um  15  Millionen
durch  die  Fahrkartensteuer.  Amtliche  Zahlen  dos  Ministers  über
Abwanderungen  und  Verkehrsrückgänge.  Seine  Schätzung  des  Ausfalls. ­
  127.  —  Bestätigung  der  Schädigung  im  amtlichen  Betriebsbericht. ­
  21  Millionen  Mindereinnahme.  128.  —  Die  Fahrkartensteuererträge ­
  in  den  einzelnen  Wagonklassen  und  die  Ausfälle  durch
Abwanderung  nach  unten.  129.  —  Aufhebung  der  Fahrkartensteuor
von  der  Regierung  geplant.  Genügende  Besteuerung  des  deutschen
Verkehrs  ohnehin.  Etwa  300  Millionen  Verkehrssteuern.  Hohe
Eisenbahnrente  Preussens.  Dio  Mindereinnahmen  durch  die  Steuer  in
den  einzelnen  Wagenklassen.  21  Millionen  Mark  Minderzuwachs  bei
den  Einnahmen.  130.  —  Vorausberechnete  und  wirkliche  Einnahmeausfälle ­
  infolge  der  Fahrpreisreform  und  zugleich  infolge  der  Steuer.
131.  —  Genaue  Rechnung.  Aufhebung  der  Steuer  zu  empfehlen.  Eine
neue  Reichssteuer  für  den  Eisenbahnfernverkehr,  zugleich  Zonen-  oder
Staffeltarife.  Verkehrssteigerungen  bis  1500  °/ 0 .  132.  —  Berechnung
dazu.  Schätzung  des  Ertrags  einer  Reichsanteilsteuer  am  Fernverkehr. ­
  Zugleich  Verbilligung  des  Reisens.  trotz  der  Steuer.  133.  —
Automobilsteuer  (vgl,  S.  129—134).  Anmerkung:  Ertragsschätzung
zur  Autosteuer  (3  Millionen).  Wirklicher  Ertrag  nur  l l / 2  Mill.  Zahlen
darüber.  133,  —  Die  Tarifreformwissenschaft  —  noch  unausgebildet.
Neue  Aufgaben.  Dilettantismus.  Schädigungen.  Fehlen  eines  statistischen ­
  Werks  über  Tarifreformen  der  letzten  50—60  Jahre.  Abschaffung ­
  der  Automobilsteuer.  Automobilstatistik  in  Deutschland
und  England.  134.  —  Literatur  über  Tarifreformstatistik.  Stephan.
Reis.  Belloc.  Fachzeitschriften.  Erhöhung  des  einfachen  deutschen
Briefgewichts  von  15  auf  20  g.  Stephans  irrtümliche  Prophezeiung
von  4—5  Millionen  Ausfall.  135.  —  Statistik  darüber.  Tatsächliche
Mehreinnahme  von  12—16,8  Millionen  Mark.  Fachzeitschriften  und
Buchliteratur.  136.  —  Einstellung  von  Staatsmitteln  für  Verkehrstarifreformstatistik ­
  und  Buchpublikationen  darüber.  Internationales
Zusammenarbeiten.  Private  Forscher.  Rückschrittlich-fiskalischer
Zug  im  Verkehrswesen.  137.  —  Minister  Thielen  über  die  Notwendigkeit ­
  der  Kritik,  Interessenunterschied  der  Regierenden  und  Begleiten. ­
  Eine  wissenschaftliche  Zentralstelle  für  Verkehrswesen
und  Tarifreformfragen  durch  die  Organisationen  von  Handel,  Industrie ­
  und  Verkehr  anzustreben.  Buohliteratur  notwendig.  133,  —
Hindernisse  einer  Entwicklung  der  Tarifreformliteratur.  Hoho  Opfer
der  Autoren.  Subskription.  Vermeidung  von  Rückschritten.  Aufklärung ­
  von  Presse  und  Parlament.  Verknüpfung  der  verschiedenen
Verkehrszweige  miteinander.  Beispiele.  Vermehrter  Auslandsverkehr, ­
  vermehrter  Inlandsverkehr.  139.  —  Enttäuschende  Ertragsergebnisse ­
  des  neuen  Zolltarifs.  Hebung  der  Zollerträge  durch  verbilligtes ­
  Weltporto.  Befürchtete  Ausfälle.  Vorkehrsteigerungen.  140.  —
In  Deutschland  und  Frankreich.  Wirkung  der  französischen  Briefportoermässigung
  (1906)  von  15  auf  10  Centimes.  Mehrausgaben.
141  f,  —  Deutsches  10  Pf.-Porto  1868,  Abschätzung  der  Verkehrs-
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        Seite

Steigerung  bei  Einführung  des  Welt-Pennyportos  (10  Pf.-Portos)
aus  einer  Reihe  von  Präzedenzfällen.  Darstellung  verschiedener  Reformen. ­
  143.  —  1.  Das  englische  Kolonialreichsporto  (143—148).  Vorgeschichte ­
  (Stephan  über  Misserfolge  von  älteren  Portoerhöhungen
und  geringe  Ausfälle  bei  Portoermässigungen.  Dänemark.  Oesterreich). ­
  143.  —  Der  englische  Kolonialverkehr.  Kosten  der  Postbeförderung. ­
  Anteil  der  Weltteile.  144.  —  Durchschnittlich  %  Pf.
Seeporto  auf  jede  Sendung  nach  Europa.  Yerkehrszuwachs  infolge
des  Pennyportos  (von  1898—1905)  nach  Indien  um  109  °/ 0 ,  nach  Afrika
um  272  °/ 0 ,  nach  Kanada  um  252  °/ 0 .  Unverkennbare  steigernde
Wirkung  des  billigen  Portos.  145.  —  Zahlentafeln  über  Englands
Briefverkehr  (1894—1907)  nach  dem  Auslunde  und  den  Kolonien  (nach
Gewicht  und  nach  Stückzahlen),  146f.  —  Indiens  Briefverkehr  nach
England  (1893—1907).  Neuseelands  Briefverkehr  nach  England
(1898—1904).  Aegyptens  Briefe  nach  England  (1902—1907).  148f.  —
2,  Das  französische  Kolonialroichsporto  von  1899  (S.  149—150).  Statistik ­
  des  Briefverkehrs  aus  Frankreich  nach  den  Kolonien  (1893  -1907).
Verkehr  aus  Französisch-Indochina  nach  Frankreich  (1893—1907).
149.  —  Aus  Guayana  nach  Frankreich.  10  Centimes-Porto.  150.  —
3.  Das  deutsche  Kolonialroichsporto  von  1899  (S.  150—154).  Entwicklungsgeschichte. ­
  Unruhen  in  China  und  Südwestafrika.  Aussergewöhnlicher
  Verkehr.  Feldpostbriefe.  Briefverkehr  Kiautschous
nach  Deutschlands  (1893—1907)  verzwölffacht.  Umgekehrt  Steigerung
um  1310  °/ 0 .  Nach  Afrika  Zuwachs  um  1400  °/ 0 .  Nach  Australien  um
500  °/ 0 .  151.  —  Statistische  Tabellen  über  den  deutschen  Postvorkehr
nach  und  aus  den  deutschen  Schutzgebieten  (1898—1907)  152f.  —
Statistik  des  Verkehrs  mit  den  deutschen  Postanstalten  in  China
und  mit  dom  übrigen  China.  154.  —  Statistik  dos  Briefverkehrs
zwischen  Deutschland  und  Luxemburg  (Postverein).  155.
Kap.  IX.  Einiiallmeausfülle  uml  Mehrausgaben.  Mit  genauen

Ausfallberechuuugeu  für  50  Länder  156—196
A)  Die  fachmännischen  Finanzeinwände  156—168

Finanzieller  Einwand  des  englischen  Generalpostmeisters.
Ausfall  angeblich  10  Mill.  Fr.  Aehnlicher  Einwand  des  deutschen
Staatssekretärs.  156.  —  Ein  wände  der  halbamtlichen  „Deutschen
Verkohrszeitung 1 *.  Welt-Pennyporto  und  Rentabilität.  Artikel  des
Oberpostinspektors  H.  Herzog  (Berlin)  über  das  10  Pf.-Weltporto.
Inhaltswiedergabo.  157.  —  Seine  Berechnungen  für  den  gesamten
Weltverkehr.  Ausfälle  56  Millionen.  Steigerung  der  Ausgaben.
Höhere  Transitabgaben.  158.  —  Seine  Tabelle  über  Transitkosten.
Einnahmeminderungen  auf  Jahre  hinaus.  Ein  Welt-Pennyporto  in
naher  Zeit  ausgeschlossen.  Ein  Hindernis  die  Transitgebühren.
Dampfersubventionen.  159.  —  Sprunghafte  Entwicklung  unmöglich.
Nur  allmähliches  schrittweises  Vorgehen  ausführbar.  Entgegnungen
dos  Verfassers  auf  diese  fachmännischen  Bedenken.  Hinweise  auf
grosse  Vorkehrssteigorungen  beim  englischen  Kolonial-Pennyporto.
Nach  Canada  Vorkehrszuwachs  um  321  °/ 0  in  8  Jahren,  nach  den  Vereinigten ­
  Staaten  aber  bloss  um  45,8%.  Weitere  Beispiele.  Zuwachs ­
  bis  zii  1400  °/ 0 .  Steigerungsmöglichkeiten.  Nebenwirkung
gesteigerten  Auslandsverkehrs  auf  Verkehrszunahme  im  Inland.  Die
natürliche  Verkehrssteigerung.  Statistik  dos  ganzen  Weltverkehrs.
160.  —  1040  Mill.  Ausländsbriefe;  442  Mill.  Fr.  Ueberschüsse.  40%
aller  Ausländsbriefe  bereits  unter  errnässigten  Postvereinstarifen
stehend.  Theoretischer  Ausfall  aller  Länder  zusammen  66,8  Mill.  Mark
bei  einer  Gosamteinnahme  von  3048  Mill.  und  358  Mill.  Ueberschuss.
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        Die  Ausfälle  der  wichtigsten  Länder  im  einzelnen.  Bei  18  Ländern
63,3  Mill.,  bei  weiteren  37  Ländern  nur  3,55  Mill.  Mark  Ausfall.  162.  —
Die  Steigerung  der  Ausgaben  in  Frankreich  nach  der  Reform  von
1906.  Personalerhöhung.  Deutschlands  Postüberschuss  seit  1877,
stetig  wachsend.  163.  —  Voraussichtlich  geringe  Personalmehrausgaben ­
  bei  wachsendem  Auslandsverkehr  infolge  dos  Welt-Pennyportos, ­
  da  diese  Steigerung  nur  3—6  °/ 0  des  Gesamtverkehrs  betrüge.
Zahlen  darüber.  Entwicklung  des  Ortsverkehrs  seit  der  Portoreform
von  1900.  Ortspostkarten-Statistik.  Tariferhöhung  von  1906.  164.  —
Personalvormehrung  der  Deutschen  Reichspost.  Regelmässiger  Gang.
Statistik  darüber.  Packmaterial.  165.  —  Belanglosigkeit  der  Transitgebühren. ­
  Landtransit  und  subventionierte  Dampfer.  Ueberseeischer
Verkehr  mit  teurem  Transit  verschwindend  klein  im  ganzen.  Nur
3,8°/ 0  der  Ausländsbriefe  nach  dem  überseeischen  Postausland.  166,  —
Zahlentafel  für  8  Länder  über  den  Verkehr  der  Ausländsbriefe
nach  Europa  und  anderen  Weltteilen.  Auch  Verhältniszahlen.  167.  —
Langjährige  grosse  Einnahmeminderung  unwahrscheinlich.  Das
Welt-Pennyporto  muss  aus  zahllosen  Gründen  bald  kommen.
Transit  kein  Hindernis.  Gegen  allzu  schrittweises  Vorgehen.  Die
Nachbarländer  als  Haupt  Schwierigkeit,  nicht  der  Ueberseeverkehr.  168.
B)  Ausfallberechnungen  für  50  Länder  des  Weltpostvereins  .  169—196
Die  Wirkungen  des  Welt-Pennyportos  auf  die  Postfinanzen.
Nach  der  Berner  Statistik  für  1907  berechnet.  40  Kolonial  gebiete  mit
kleinem  Verkehr  unberücksichtigt.  Nur  frankierte  Briefe  gerechnet.
Zu  hohe  Briefzahlen.  Verbilligter  Grenzverkehr.  Durchschnittsgewicht. ­
  Mangelnde  Statistik  für  die  Vereinigten  Staaten,  Russland,
Kanada.  169.  —  Wie  man  sich  hilft.  Postinland  (Postvereinsländer)
und  Postausland.  Schätzungen.  Schema  der  Berechnungen.  Erläuterung ­
  dazu.  Angrenzende  Länder.  Deutschland  speziell.  170.  —
Nettoeinnahme.  Etwaige  Rechenfehler  und  Versehen.  Kleine  Unstimmigkeiten ­
  durch  die  Abrundungen.  Gesamtübersicht  über  die
50  Länder.  171.  —  50  Tabellen  mit  Ausfallberechnungen:
Deutsches  Reich  (mit  Bayern  und  Württemberg),  172.  —  Deutsches
Reichspostgebiet  allein.  173.  —  Berechnung  von  Ausfällen  und  Mehreinnahmen ­
  bei  Steigerung  von  38 1 / ff —250  °/ 0 .  174.  —  Erläuterungen
dazu;  wieviel  Einnahmen  die  Transitabgaben  verzehren.  Landtransit ­
  —  tatsächlich  meist  durch  Gegenleistungen  ohne  erwähnenswerte ­
  Barzahlungen  ausgeglichen.  Statistik  dazu.  175.  —  Seetransit
und  Barzahlung.  Geringer  Ueberseeverkehr.  Transitkosten  jedes
einzelnen  Briefes.  Geringer  Vorkehr  nach  fremden  Weltteilen.
Zahlenangaben  darüber.  Theoretischer  Ausfall  insgesamt  (Deutsche
Reichspost)  9,8  Mill,  Mark.  Bei  40°/ o  Steigerung  bloss  6,8  Mill.  Mark.
Zolleinnahmon  und  Frachten.  Ueberschussrückgang  durch  die
neuen  Beamtenbesoldungen  voraussichtlich  nicht  für  lange.  Vermehrter ­
  Auslandsverkehr,  vermehrter  Inlandsverkehr.  176.  —  Ausfälle ­
  bei  Oesterreich.  Bosnien-Herzegowina.  Ungarn.  Frankreich.
177.  —  Algier.  Tunis.  178.  —  Indochina.  Madagaskar.  Grossbritannien.
179.  —  Kanada.  Britisoh-Indien.  180.  —  Straits  Settlements.  Australien,
181.  —  Neuseeland.  182.  —  Britisch-Südafrika.  183.  —  Aegypten.  Italien.
184.  —  Spanien.  Portugal.  185.  —  Schweiz.  Belgien.  Kongostaat.
Holland.  186.  —  Niederländisch-Indion.  Luxemburg.  Dänemark.  187.  —
Norwegen.  Schweden.  Russland.  188.  —  Rumänien.  Bulgarien.  189.  —
Serbien.  Türkei.  Griechenland.  190.  —  Japan.  Korea.  Vereinigte  Staaten
von  Nordamerika.  191  f.  —  Mexiko.  Salvador.  Chile.  193.  —  Argentinien. ­
  194.  —  General-Uebersicht  über  den  Vorkehr  aller
        <pb n="12" />
        50  Länder,  unter  Hervorhebung  des  Postvereinsverkehrs  aller  u.  ihrer
theoret.  Einnahmeausfälle.  Insgesamt  1044  Mill.  Ausländsbriefe,  davon
419  Mill.  (40  °/ 0 )  nach  Postvereinsländern.  66,5  Mill.  Mark  Ausfälle.  195  f.
Kap.  X.  Reform  Vorschläge.  Die  Wege  zum  Ziele  197—219
Stephans  Ideal.  Seine  Vorgänger  darin.  Die  vorhandenen
53  Postveroine.  40  °/ 0  Postvereinsbriefe.  197.  —  Regellose  Bevorzugung
einzelner  Länder.  Benachteiligung  vieler  Nachbarländer.  Verdoppelung ­
  der  Ausfälle  in  12  Jahren.  Das  Inlandsbriefporto  im  Durchschnitt. ­
  Postkarten-  und  Drucksachenporto.  Die  inneren  Taxen  als
Weltportotaxen.  198.  —  Welt-Pennyporto  im  weiteren  Sinne.  Das
nächste  Ziel:  Briefportoermässigung  auf  10  Centimes.  Grösstes  Bedürfnis ­
  dafür.  Statistik.  199.  —  10  Centimes  für  je  20  g.  Briefgewichtseinheit. ­
  Jetziges  Weltbriefporto.  Noch  nicht  ganz  durchgeführt.
Grosser  Tarifwirrwarr.  Münzverschiedenheiten  und  verschiedene
Briefgewichtseinheiten:  15,  20,  28  g.  201.  —  Dazu  verschiedene  Portotarife ­
  für  die  erste  und  die  weiteren  Gewichtseinheiten.  200.  —  Lange
Anmerkung  (201—208)  über  das  Normalporto  des  Weltpostvereins
und  die  vier  verschiedenen  Brieftarife  sowie  die  Seeportozuschläge
und  die  ungeheuren  Tarifunterschiede.  Vier  Woltbrieftarife.  Seeportozuschläge. ­
  Ein  Dutzend  Portotarife.  Normalporto.  Buntscheckigkeit.
  Uebergangsvorschrift.  201.  —  Tarifkuriosa.  Briefporto
für  283  g  zwischen  1,35  M  und  7,70  M  schwankend.  I.  Tarif  (Normaltarif). ­
  202.  —  Portounterschiede  je  nach  der  Richtung.  Neuseeland.
Aufzählung  der  Länder,  wo  der  Normaltarif  gilt.  3X  Tarif:  je  15  g
25  Centimes.  Wo  er  gilt.  203.  —  Einfache  Briefe  zwischen  25  und
50  Centimes  schwankend.  Differential-Porto,  verschieden  in  beiden
Richtungen.  Australien.  Neuseeland.  Mexiko.  HL  Tarif.  IV.  Tarif.
Ein  zehnfacher  Brief  zwischen  1,35  und  4,10  M  kostend.  Seeportound
  andere  Zuschläge.  204.  —  Buntscheckigkeit  wie  1863.  Portounterschiede ­
  von  400  °/ 0 .  Der  Weltpostvertrag  über  die  Seeportozuschläge. ­
  205.  —  Buntscheckigkeit  und  Notwendigkeit  der  Neuregelung. ­
  Die  Mittel  zum  neuen  Ziele  des  Welt-Penuyportos.
Wünsche  des  Handelsstandes.  Die  Länder,  welche  noch  Soeportozuschläge
  erheben.  206.  —  Regeln  und  Grundsätze  für  eine  Neuregelung ­
  des  Weltportos.  Gefährlichkeit  des  jetzigen  Uebergangszustandes.
  Das  Internationale  Bureau  des  Weltpostvereins  zu  Bern
und  seine  Tätigkeit.  Seine  Statistik.  Mängel  und  Wünsche.  Materialversorgung. ­
  207.  —  Das  20  g-Gewicht.  Wünsche  zur  Berner  Statistik
und  zur  Zeitschrift  „L’Union  postale“.  208.  —  Allmähliche  Weltportoermässigung
  auf  20,  15,  10  Centimes.  Halbheit.  10  Centimes-Porto.  *
Abweichungen.  209,  —  Zeitliche  Ausdehnung  der  stufenweisen  Portoermässigung.
  Portoermässigung  nur  für  angrenzende  Länder.  Kreisoder ­
  Ring-Postvereino.  Hauptausfälle.  Statistischer  Nachweis.  210.  —
Schon  überholt.  Andere  Regel:  Welt-Pennyporto  nur  nach  fremden
Weltteilen.  Finanziell  leichter  durchzuführen.  Logische  Antinomie.
Auch  überholt.  211.  —  Woltteil-Pennyporto.  Auch  teils  schon  übor-Leitende

  Grundsätze  dafür.  Nachbarpostvereine.  Vereine  mit
Handels-  und  Verkehrsländern,  mit  Handelsvertragsstaaten  und  politischen ­
  Bundesgenossen.  Stammverwandtschaften.  Gleichsprachigkeit.
  Ländergruppen,  Postvereinsgruppen.  212.  —  Beispiele.  Allerhand ­
  Kombinationen  für  Gruppenvereinigungen.  Lange  Anmerkung
(213—219):  Hinweis  auf  besonders  zu  erwägende  Postveroins-
        <pb n="13" />
        Seite

zu  Verkehrserleichterungen.  Frankreich  und  der  Deutsch-Oesterreichisohe
  Postverein.  Frankreich.  Belgien.  Schweiz.  Spanien.
Italien.  Italien  und  der  Deutsch-Oosterreichische  Postverein.  215.  —
185  Postverwaltungen.  Ihr  Risiko  und  ihre  Neigung  zum  Welt-Pennyporto.
  Italien.  Schweiz.  Russland.  Deutschland  oder
Deutsch-Oesterreichischer  Postverein.  Ausfallberechnungen.  216.  —
70jähriges  Jubiläum  der  Hillschen  Pennyporto-Reform.  Deutschland. ­
  Schweiz.  Holland.  Belgien.  Dänemark.  Belgien-Holland.
Griechenland.  Türkei.  Aegypten.  Spanien.  Portugal.  Statistiken.
2L7.  —  Luxemburg.  Weltbriefmarke.  Antwortscheine.  Ein  Postverein
Südamerikas.  Aegypten.  Neuseeland.  Nordamerika.  Norwegen.
Schweden.  Afrika,  ein  Weltteilpostverein.  England.  Deutschland.
Frankreich.  218.  —  Tiefere  Bedeutung  des  Welt-Pennyportos.  Inund
  Ausland,  die  ganze  Welt  demselben  Gesotz  untertan.  Rückwirkung ­
  des  Weltpostvertrags  auf  die  Inlandsgesetzgobung.  Grosser
Gedanke  der  Welteinheit.  Vorbehalt  des  Verfassers,  neue  Vorschläge
zu  machen  zur  Durchführung  des'Welt-Pennyportos  ohne  so  grosses
Risiko,  in  bestimmter  begrenzter  Form.  Postverein  Englands  mit
Italien  und  Japan.  Ausfallberechnüngen.  Chinas  Vorzugsstellung
auch  von  anderen  Ländern  gewünscht.  219.
Kap.  XL  Weltverkehr,  Weltbiiefmarke  uud  Weltmünze  .  .  .  220—244
Die  Weltbriefmarke  auf  dem  Weltpostkongress  von  1891.  Anträge ­
  Luxemburgs  und  Amerikas.  Ein  wände.  Vorgeschichte  der
Weltbriefmarke.  Zwecke.  Luxemburg.  Postinspektor  J.  P.  Reis,
Urheber  dos  luxemburgischen  Plans.  220.  —  Stephans  Rede  und
Einwände  1891.  Die  Weltmarke  sein  letztes  Ideal.  Erfordernis
einer  einheitlichen  Weltmünze.  Weltmarke  als  internationales
Papiergeld.  Spekulation.  Arbitrage.  Neue  Erfindungen  seitdem.
Problem  der  Weltmarke  und  Weltmünze  nocli  ungelöst.  Oder  halbgelöst.
  Internationale  Antwortscheine.  221.  —  Mittelding  von  Relourbriefmarke,
  Weltmarke  und  Weltbanknote.  Näheres  darüber.
Jürgensohns  Idee  einer  Retour-  oder  Rückbriefmarke  (1894).  Die  internationalen ­
  Antwortscheine  seit  1.  Oktober  1907.  Ihre  Entstehungsgeschichte, ­
  222.  —  Ihre  tiefere  Bedeutung  als  Anfang  einer  Weltmünze,
  eines  WeltpapiergeltJes.  Zugleich  eine  unvollkommene
Spielart  einer  Weltmarke.  Bedürfnis  der  Weltpost  nach  einer
Weltmünze.  Portounterschiede  der  Weltpostkarton.  Die  Antwortgutscheine
  auf  domWeltpostkongress  zu  Rom  1906.  223.  —  23,4bisB8,S°/ 0
Portounterschiede  bei  den  Weltpostkarten.  Tarifwirrwarr  bei  den
Briefen.  Regellosigkeit  des  Weltportos.  Statistik  der  Antwortgutscheino;
  71  Länder.  Aufschlag  von  3  Centimes.  Arbitragogeschäfte.
  224.  -  Wirkungen  ungleichen  Portos  auf  die  Verkehrsgrösse. ­
  Beispiele.  Zeitungsbeilagen.  Arbitrage  mit  österreichischen
Postkarten  für  Deutschland.  Portoarbitrage  bei  Briefsondungen
aus  Ländern  mit  billigerem  Porto  und  nach  Postvereinsländern.
Frankreich.  England.  Amerika.  225,  —  Hoho  Zeit  einer  einheitlichen ­
  Portoregolung.  Vorbedingung:  ein  gleiches  Gewichts-  und
Münzsystem.  Das  dezimale  metrische  System,  Unpraktische  andere
Systeme.  Englands  Rückständigkeit  darin.  Fouersteinflinton  und
Repetiergewehro.  226.  —  Weltmünz-Bedürfnis  des  internationalen
Welt-  und  Handelsverkehrs.  Welt-Inseratenweson.  Patentwesen.
130  Milliarden  Mark  Welthandelsumsatz.  Internationaler  Geldverkehr, ­
  Geldsendungen  6  Milliarden,  Mühsames  Umrechnen  der
Post.  Vorfall  eines  Patents  wegen  1  Pf.  zu  wenig.  Eisenbahnnetz
der  Erde  957  283  km.  227.  —  1100  Millionen  Weltpostbriefe.  Differentielle ­
  Depeschengebühr  wegen  der  Münzunterschiedo.  Die  244  intor-
        <pb n="14" />
        nationalen  Vereinsorganisationen.  64  internationale  Organisationen
der  Regierungen.  Beispiele.  228.  —  Enge  der  Landesgrenzen.  Ewiges
Geldwechseln.  Altes  Bedürfnis  internationaler  Münzen.  Die  lateinische ­
  Münz-Union  (Franken-Münze)  von  1865.  229.  —  Entstehungsgeschichte ­
  und  Gewicht  der  Franken-Münze.  Ihr  früheres  rundes
Gewicht  von  5  g  Silber.  Jetzt  in  Gold  ein  fünfstelliger  Dezimalbruch. ­
  Dio  Länder  der  Münz-Union.  Ursprung  des  Frankens  von
Caesars  Denaren.  230.  —  Der  jetzige  Franken  im  Widerspruch  zum
metrischen  Gramm-Gewichtssystem.  Nicht  mehr  geeignet  als  Woltmünze.
  Das  deutsche  Mark-Geld.  Entstehung  i}J 3  Taler).  Karls  des
Grossen  Münzen.  1  Livre  =  1  Franken.  231.  —  Auch  die  Reichsmark
ein  mystischer  Bruch,  unmetrisch  und  unpraktisch.  Die  skandinavische ­
  Münz-Union.  Eine  Woltmünz-Union.  Orts-  und  Einheitszeit. ­
  Landes-  und  Weltmünzen.  Gegeninteressen.  Allmählicher
Uebergang.  Anpassungsmöglichkeit.  Vorzüge.  232.  —  Fakultative
Weltmünze  für  gewisse  Dinge.  Anmerkung  (233—235):  Literatur
über  die  Weltmünze.  Aug.  Eggers  1871.  Schriften.  Gründe  für  eine
Woltmünze.  233.  Weltmünze  ein  Stück  Weltsprache.  Friedenswerkzeug.
  Dezimale  metrische  Münzen.  Ansicht  dos  Verfassers.
Th.  Hertzka  (1892)  für  eine  internationale  Münze  im  Auslandsverkohr.
  Seine  Doppelwährung.  Gold  in  Grammgowicht  abgewogen,
behaltbare  runde  Mengen,  geeicht,  all  gemeinverständlich,  deutlich.
Feingehalt  und  Zusatz.  Karl  Pamperls  Grammgeld  (1893).  Für  Silborwährung.
  10  g-Silbermünze.  Oberpostrat  Horstmann  (1907).  Rundes
Rauhgewicht  dem  runden  Feingewicht  vorzuziehen.  Doch  Zweckmässigkeitsfrage. ­
  235.  —  Bei  rundem  Feingewicht  das  Rauhgewicht
ein  Bruch  und  schwierigeres  Rechnen.  Eine  Woltmünze  für  den
internationalen  Auslandsverkehr,  für  Post,  Telegraphie,  Welthandel,
Zollwesen.  Fakultativ.  Das  metrische  Grammgewicht  bei  sonstigen
Waren  und  bei  Briefen.  Warum  nicht  auch  bei  der  wichtigsten
Ware,  dem  Golde?  Noch  vorhandene  Unoinheitlichkeit  des  Feingehaltsverhältnisses. ­
  Doch  800 ; 10 oo  meist  üblich.  Mystische  Geheimzahlen
  beim  Goldgewicht.  Verschleierung  von  Quantum  und  Qualität, ­
  236.  —  Deklarationszwang  für  Geheimmittel.  Eichzwang  beim
Gotränkeausschank.  Nur  beim  Goldmetall  wunderliche  Geheimhaltung. ­
  Die  Haupterfordernisso  beim  Geldmetall.  Verkauf  von
Silber  und  Gold  nach  Gewicht.  Das  Ursprüngliche.  China.  Andere
Länder.  Pfund,  Livre,  Mark.  Das  jetzige  englische  Geldsystem  noch
von  Karl  dem  Grossen  her.  237.  —  Vorzüge  des  praktischen
metrischen  Dezimalsystems  und  Grammgewichts,  alle  Einteilungen
ermöglichend.  Ideales  Mass.  Einteilungen  in  100.  Und  in  1000
(Portugal,  Aegypten).  Miliaronse.  Milreis.  Das  Gramm  als  Haupteinheit. ­
  Centigramm,  Centime,  Cent,  Contesimo.  238.  —  lg  Gold
(2,51  M).  Vorzüge  des  Nichtaufgehens  in  andere  Geldsorten.  Volksrochnung
  nach  längst  abgeschafften  Münzsorten.  Die  Werte  der
vorgoschlagonon  Gramm-Goldmünzen.  Auch  Silbermünzen  sollten
geeicht  sein.  1  g  Gold  ( 9ÜO /iooo)  =  2, :&amp;gt;  M  oder  3  Franken.  Aehnlicho
Werte  in  anderen  Münzen.  239.  —  Tabelle  der  Goldwerte  von  1  Milligramm ­
  bis  1000kg  Gold;  für  feines  Gold  und  für  Gold  von  u  10  Feinheit, ­
  ausgodrückt  in  Mark  und  Franken.  Auszuprägende  Goldmünzen
in  Gramm  (10,  5,  2 1 / 2  g  =  25,  12 1 / 2  und  0 l / 4  M).  Silbermünzen  für  1  g
Gold  (2,51  M  oder  3,1  Fr.),  1 l-&amp;gt;  g,  J / 4  g,  g,  Vio  g-  Scheidemünzen.  240.  —
Nationale  Münznamon  auch  auf  die  Gramm-Münzen  übertragbar.
Allo  Preisfestsetzungen  möglich.  3  Centigramm  Gold  =  7,53  Pf.
oder  9,3  Centimes,  also  fast  10  Centimes.  Geeignet  als  Briefportowort ­
  (Penny).  3  Centigramm  Feingold  =  10,32  Centimes.  241  —
        <pb n="15" />
        I

Seite

Scheidemünzen..  Die  Dreizahl.  Abnutzung  der  Goldmünzen.  Statistik
darüber.  Die  Weltbriofmarke  von  der  Weltmttnze  begünstigt.  Forderung ­
  Stephans.  Die  Antwortscheine  als  Weltbanknoton  in  71  Ländern.
Störender  Aufschlag.  Nächster  Schritt:  die  Weltmünze,  eine  Forderung ­
  des  Welthandels  und  Verkehrs.  242.  —  Bisherige  internationale
Handelsmasse  und  Handelsmünzen.  Ein  Zeichen  des  Bedürfnisses
nach  einer  Weltmünze.  In  Deutschland;  Frankreich;  Oesterreich
(noch  heute  Dukaten  als  Handelsmünze).  Der  amerikanische  Handelsdollar. ­
  Beweis  der  Notwendigkeit  einer  Handels-Weltmünze.
Möglichkeit  eines  Anfangs  mit  einem  10  g-Goldstück.  Der  Wirrwarr
im  Geldwesen  der  Völker  nicht  mehr  zeitgemäss.  Unpraktische  veraltete ­
  Systeme.  243.  —  Dem  dezimalen  metrischen  System  nicht
genügend.  Veraltet  wie  die  römischen  Zahlen.  Internationale  Kongresse ­
  sollen  eine  Weltmünze  fordern.  Einberufung  einer  Münzkonferenz. ­
  Solidarität  des  Menschengeschlechts.  Seneca.  Uebersicht
über  die  wichtigsten  jetzigen  Geldsorten,  mit  zahllosen  Dezimalstellen ­
  des  Goldgehalts.  Kinderspiele  nach  Heraklit:  244.
Kap.  XII.  (Anhang.)  Die  Sonderpostvereiue  im  Weltpostverein  245—312
Vorbemerkungen  (245—251),  Die  Statthaftigkeit  engerer  Postvereine
nach  dem  Weltpostvertrag  245,  —  Normalporto,  Seeportozuschläge.
Portobezug.  Transitgebühren.  Ausgleich  von  Leistung  und  Gegenleistung, ­
  246.  —  Offener  Transit,  Transitstatistik.  Angrenzende
Länder  ohne  Transitzahlungen.  Definition  des  Begriffs  Postverein.
Entstehung  von  Sonderpostvereinen  aus  Bedürfnis  nach  Portoverbilligungen. ­
  Inlandsporto.  247.  —  Vier  Gruppen  von  Postvereinen:
A)  Nachbarpostvereine.  B)  Grenzbezirkspostvereine.  C)  Kolonialreichs-Postvereine. ­
  Militär-  und  Schiffsporto.  248.  —  D)  Ueberseepostvereine
  fremder  Länder.  Die  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  hält
•  baldige  Verwirklichung  eines  Ozoan-Pennyportos  für  ausgeschlossen
(1899  und  1903).  Beginn  solcher  Entwicklung.  249.  —  Transozeanische
Postvereine.  Gute  Uebersicht  über  alle  Postvereine  fehlte  bisher.
Wirrwarr  der  Ausnahmetarife.  Literatur.  Werke  des  Berner  Bureaus.
Sieblist.  250.  —  Prinzipien  der  Darstellung.  Geschichtliche  Angaben.
Quellennachweis.  Statist.  Angaben.  Uebersicht  über  die  Vereine.  251.
A)  Nachbarpostvereine  252—261
1.  Der  Deutsch-Oesterreichische  Postverein  (Statistik  dos
Gebiets,  Portotarife).  252.  —  2.  Der  Deutsch-Luxemburgische  Postverein. ­
  3.  Der  Oesterreichisch-Ungarisch-Montonegrinische  Postverein. ­
  4.  Der  Oestorreichisch-Ungarisch-Serbische  Postverein.  253.  —
6.  Der  Serbisch-Bulgarische  Postverein.  6.  Der  Bulgarisch-Rumänische
  Postvorein.  7.  Der  Portugiesisch-Spanische  Postverein.  254.
8.  Der  Belgisch-Niederländische  Postverein.  9.  Der  Belgisch-Luxemburgische ­
  Postverein.  10.  Der  Skandinavische  Postverein,  255.  —
11.  Der  Nordamerikanische  Postverein.  Anmerkung:  Der  Südamerikanische ­
  Postverein.  256  f.  —  12.  Der  Britische  Antillen-Postverein.
  257.  —  13.  Der  Südafrikanische  Postvorein.  14.  Der  Australische ­
  Postverein.  258  f.  —  15.  Der  Ostindische  Postverein.  16.  Der
Malaiische  Postverein.  260.  —  17.  Der  Postvorein  von  Hongkong.
18.  Postverein  Russlands  mit  China.  19.  Postverein  Chinas  mit  Korea
und  Indo-China.  261.
B)  Grenzverkehrs-Postvereine  2h  1—262
Bestimmungen  des  Weltpostvertrages.  261.  —  Grenzverkehrs-Postvereine
  der  Länder:  Deutschland,  Dänemark,  Belgien,  Holland,
Luxemburg,  Frankreich,  Spanien,  Gibraltar,  Schweiz,  Oesterreich,
Rumänien,  Hongkong.  262,
        <pb n="16" />
        C)  Kolonialreichs-Postvereine  .  .  .  263—274
Vorbemerkungen:  Entstehung  solcher  Vereine.  Durchbrechung
des  einheitlichen  Weltportos.  Buntscheckigkeit.  Polypenarme.
Brücken  von  Land  zu  Land.  263.  —  Forderung  eines  neuen  einheitlichen ­
  Portos,  des  Pennyportos.  Russland,  Türkei,  Japan  als
Kolonialreiche.  Grösse  des  Weltpostvereins  1907  und  1908.  Literatur
über  Sonderpostvereine.  264.  —  1.  Der  Dänische  Kolonialreichs-Postverein. ­
  2.  Der  Italienische  Kolonialreichs-Postverein.  265  f.  —  8,  Der
Britische  Kolonialreichs-Postverein.  (1898.  Henniker  Heaton.  Beitritt
von  Kapland,  Neuseeland,  Australien,  Aegypten.  Wandlungen  des
internen  englischen  Pennyportos.  Zeitungs-  und  Schiffsporto.)  266  f.
—  4.  Der  Niederländische  Kolonialreichs-Postvorein.  268  f.  —  5.  Der
Französische  Kolonialreichs-Postverein  (1899).  269.  —  6.  Der  Deutsche
Kolonialreich  s-Postvorein  (1899).  (Literatur.  Herzog.)  7.  Der  Nordamerikanische ­
  Kolonialreichs-Postverein.  270  f.  —  8.  Der  Portugiesische ­
  Kolonialreichs-Postverein.  9.  Der  Japanische  Kolonialreichs-Postverein.
  (Korea.  Literatur.)  271  f.  —  10.  Das  Russische  Postgebiet
(mit  Vasallenstaaten).  272.  —  11.  Das  Türkische  Postgebiet.  (Fremde
Postämter  in  der  Türkei.  Literatur.)  273  f.
D)  Postvereine  entfernter  fremder  überseeischer  Länder
(Ueberseepostvereine)  274—312
Vorbemerkungen  (274—276).  Begriffsbestimmung.  Deutsche
Verkehrszeitung.  274.  —  Ihre  Erwartungen  übertroffen.  Grosse  Zahl
von  Ueberseepostvereinen.  Ihre  Darstellung  hier.  Prinzip.  Fremde
Postämter  in  Marokko  und  China  als  Vermittler  eines  Postvereinsverhältnisses. ­
  275.  —  Neue  Gesichtspunkte.  Vorzugsstellung  einiger
dem  Weltpostverein  noch  nicht  angeschlossener  Länder.  Der
Chinesische  Weltpostverein.  Wunderlicher  Zustand.  Einseitige
Postveroine.  Amerika.  276.  —  Darstellung:  1.  Italiens  Postvereine
mit  näheren  Ueberseeländern  (Tunis,  Tripolis,  Albanien,  Kreta,
Aegypten).  277  —279.  —  2.  Ueberseepostvereine  der  Türkei  (Albanien
und  Tripolis)  mit  Frankreich  und  Kolonien  sowie  mit  China.
3.  Ueborsoepostvereino  Aegyptens  (mit  China,  Italien  und  Kolonien).
279  f.  —  4.  Spaniens  Postvereine  mit  den  portugiesischen  Kolonien  und
Marokko.  5.  Frankreichs  Ueberseepostvereine  (mit  Tripolis,  Marokko,
China).  280  f.  —  6.  Ueberseepostvereine  der  Vereinigten  Staaten  von
Nordamerika  (mit  Kuba,  Panama,  China,  England,  Deutschland).
7.  Kubas  Postvereine  (mit  Mexiko,  den  Vereinigten  Staaten,
Panama,  Kanada).  281.  —  8.  Panamas  Postvereine  (mit  der  Union
nebst  Kolonien,  mit  Kuba,  Mexiko,  Kanada;  China?).  9.  Mexikos
Postvereine  (mit  Kuba,  Panama,  Kanada,  der  Union,  Neuseeland  —
einseitig  neuseeländisch).  10.  Postverein  Japans  (und  Koreas)  mit
China.  282.  —  11.  Neuseelands  einseitiger  Postveroin  mit  Mexiko.
12.  Portugals  einseitiger  Postverein  mit  Brasilien  (blos  Zeitungsabkommon).
  13.  Englands  Ueberseepostvereine  (mit  Aegypten,  China,
den  Vereinigten  Staaten).  283  f.  —  Näheres  über  den  Englisch-Amerikanischen
  Postverein  vom  1.  Oktober  1908.  Gebietsgrösse.
Kanada  mit  dabei.  Hawai  neuerdings  ebenfalls.  Ausfallschätzungen. ­
  Bedeutung  dieses  Abkommens.  284.  —  Frankreichs
Postvereinsvorschlag  an  England.  Der  englische  Generalpostmeister
über  Verkohrssteigerungen  und  Reineinnahme  und  Mehrausgaben.
Rowland  Hill.  285.  —  1840  und  jetzt,  Ablehnung  eines  Postvereins
mit  Frankreich,  Finanzielle  Gründe.  Statistik.  Schweizerischer
Plan  eines  Postveroins  mit  England.  Vorschlag,  die  englischen
Kolonien  in  den  Postverein  mit  den  Vereinigten  Staaten  mit  herein-
        <pb n="17" />
        zuziehen.  286.  —  Finanzielle  Wirkungen  davon.  14.  Deutschlands
Ueberseepostveroine  (mit  Marokko,  China,  den  Vereinigten  Staaten)
(287—292).  Näheres  über  den  Postverein  Deutschlands  mit  Amerika
vom  1.  Januar  1909  ab.  Gobiotsgrösse.  Portotarif.  Nur  im  direkten
Seeverkehr.  287.  —  Häufigkeit  der  Schnelldampferfahrten  des  Norddeutschen ­
  Lloyd  und  der  Hamburg-Amerika-Linie  nach  New  York.
Deutsche  Initiative  zu  dem  Abkommen.  Kritisches.  288.  —  Verhältniszahlon
  über  den  direkten  Seeverkehr  nach  Amerika.  Leitvermerko.
  Statistik  der  deutschen  und  fremden  Dampfer  zur  Postboförderung
  nach  New  York.  Subventionen  Amerikas.  Gebührensätze. ­
  289.  —  Schifisporto.  Die  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  über
die  Seetransitgebühren  nach  Amerika.  Selbstkosten,  Leitvermerke.
290.  —  Defizit  beim  Uoborseeverkehr.  Welt-Pennyporto  und  Rentabilität ­
  angeblich  unvereinbar.  Klagen  der  Hamburger  Kaufleute.
Entgegnung  bezüglich  der  Transitgebühren  und  Selbstkosten.  Selbstkostendeckung ­
  gar  nicht  in  jedem  Falle  anzustreben.  291.  —  Statistik
dos  deutsch-amerikanischen  Briefverkehrs.  Theoretischer  Ausfall
600  000  M.  Empfehlung  einer  Ausdehnung  des  Voreinsportos  auch
auf  die  deutschen  und  amerikanischen  Kolonien.  15.  Marokkos
Deborseepostvereine  (mit  Spanien,  Gibraltar,  Frankreich  nebst
Algier  und  Tunis,  Tripolis,  Deutschland  und  Kolonien,  China)
(292  —  297).  Näheres  über  die  marokkanischen  Postverhältnisse ­
  und  die  fremden  Postämter  in  Marokko.  Seine  Vorzugsstollung,
  Einwohnerzahl  in  den  Städten  mit  fremden  Postanstalten.
Vereinsporto  mit  Spanien,  Gibraltar,  Frankreich  etc.  294,  —  Mit
Tripolis,  Deutschland.  Innerer  Tarif  in  Marokko.  Wirren.  Goldwährung. ­
  295.  —  Statistik  des  deutsch-marokkanischen  Verkehrs.
Marokko  im  Postveroin  mit  China  (durch  die  fremden  Postanstalten
beiderseits).  298  f.  -  16.  Chinas  Postvereine  (mit  Deutschland  und
Kolonien,  England  und  Kolonien,  Aegypten  nebst  Sudan,  Frankreich
und  Kolonien,  Tripolis,  Japan  und  Korea,  Marokko,  Russland,  den
Vereinigten  Staaten  von  Amerika).  (297—312.)  Chinas  innere  Postverhältnisse. ­
  297.  —  Inlandstarif  der  neuen  chinesischen  Reichspost.
Chinas  Geldverhältnisse.  Der  mexikanische  Dollar  in  Ostasien.
Kurs.  298  f.  —  Chinas  Postvertrüge  mit  fremden  Ländern.  299.  —
Porto  nach  Weltpostvereinsländern.  Fremde  Wolt-Postanstalten  in
China  und  speziell  in  Schanghai.  Kolonialreichs-Tarife.  300.
104  fremde  Postanstalten  in  69  Städten.  Ihre  Zahl  für  die  einzelnen
fremden  Länder.  Angabe  aller  chinesischen  Städte  mit  fremden
Postämtern.  Einwohnerzahl.  301  f.  —  Vorgeschichte.  70  000  Fremde
in  China.  10  Millionen  Einwohner  in  den  Städten  mit  fremden  Postanstalten. ­
  303.  —  Chinas  Gesamtbevölkerung.  Europäer.  Pachtgebiote.
Fremde  Firmen.  Chinesen  im  Auslande  (etwa  13  Millionen).  304  f,  —
Statistik  des  chinesischen  Briefverkehrs  im  In-  und  Auslände.
Nach  Ländern.  305—306.  —  Chinas  postalische  Vorzugsstellung:  ein
chinesischer  Weltpostverein  für  sich,  a)  Chinas  Postverein  mit
Deutschland  und  seinen  Kolonien.  14  deutsche  Postanstalten.  307.
-  7  in  Kiautschou.  Tarif  und  Statistik  für  Kiautschou.  Postverhältnisse ­
  Schantungs.  308.  —  Postzoitungstarif.  Beleuchtung  des
Abkommens.  Die  billigen  internen  Brieftarife  Asiens,  b)  Chinas  Postverein ­
  mit  England  und  seinen  Kolonien.  309  f.  —  c)  Mit  Aegypten,
d)  mit  Frankreich  und  seinen  Kolonien.  310.  —  e)  Mit  Tripolis,
f)  Mit  Japan  und  Korea,  g)  Mit  Marokko,  h)  Mit  Russland.  (Japans
Postämter  in  China  und  Korea).  311.  i)  Chinas  Postverein  mit
Amerika.  312.
Anzeigen

B1B  ff.
        <pb n="18" />
        I

Vorrede  und  Einleitung.

1.  Vorrede.
E in  wichtiger  G-edenktag  wird  demnächst  im  Britischen  Reiche  begangen
werden,  ein  Tag  der  Erinnerung  an  ein  Ereignis  im  Postwesen,  das
nicht  nur  für  England,  sondern  für  alle  Länder,  für  den  ganzen  Weltverkehr ­
  von  allergrösster  Bedeutung  wurde  und  das  Saatkorn  darstellte,  aus
dem  nachher  der  mächtige  Baum  des  Weltpostvereins,  dieser  wunderbaren
völkerrechtlichen  Einrichtung,  emporwuchs.  Am  10.  Januar  1910  werden
es  gerade  70  Jahre  her  sein,  dass  in  Grossbritannien  und  Irland  das  Pennyporto ­
  in  Kraft  trat  und  die  Post  der  Benutzung  des  ganzen  Volkes  erschlossen ­
  wurde.  Ein  Brief  im  Gewicht  von  einer  halben  Unze  (14,17  g)
kostet  seitdem  ohne  jede  Rücksicht  auf  die  Entfernung  nur  noch  einen
Penny  oder  8 ! /a  deutsche  Reichs-Pfennige,  während  man  nach  dem  verworrenen, ­
  vielstufigen  und  unerschwinglich  hohen  alten  Tarif  jeden  einzelnen
noch  so  kleinen  Briefbogen  bei  den  weitesten  Entfernungen  mit  1  Shilling
5  Pence  (1,45  M)  und  selbst  im  Nahverkehr  immer  noch  mit  4  d  (34  Pf.)  bezahlen ­
  musste.
Das  neue  Einheitsporto  galt  in  einem  Lande  von  315  000  qkm  Grösse
mit  Ausdehnungslängen  von  mehr  als  1000  km.  Nach  und  nach  sind  alle
Staaten  diesem  Beispiele  gefolgt,  und  auch  der  im  Sommer  1875  ins  Leben
getretene  Weltpostverein  hat  den  Grundsatz  des  Einheitsportos  ohne  Rücksicht ­
  auf  die  Entfernung  durchgeführt,  wenn  seine  Normaltaxe  auch  -V2mal
höher  ist.
Jetzt  gilt  es  aber,  das  interne  Pennyporto  folgerichtig  endlich  auch
in  der  gesamten  Welt,  im  ganzen  Weltpostverein,  zur  Geltung  zu  bringen
und  die  verkehrshemmende  Schranke  des  erhöhten  Auslandsatzes  vollkommen ­
  wegzuräumen.  Das  ist  eine  Aufgabe  von  viel  umfassenderer  Bedeutung, ­
  als  seinerzeit  die  Durchführung  der  Pennytaxe  in  einem  einzigen
Lande  von  recht  massigen  Ausdehnungen;  das  heisst,  das  Pennyporto  in
einem  Gebiet  von  135  Ländern  mit  114  305  700  qkm  Flächeninhalt  durchführen, ­
  das  also  363  mal  so  gross  ist  'wie  England,  und  das  mit  seinen
1166,7  Millionen  Menschen  die  englische  Bevölkerung  von  1840  (27  Millionen
Einwohner,  heute  45  Millionen)  um  das  432  fache  tibertrifft.  Und  mit  Ein-
        <pb n="19" />
        —  II  —
Schluss  des  Chinesischen  Reiches,  dessen  Eintritt  in  den  Weltpostverein
nahe  ist,  und  das  mit  den  wichtigsten  Ländern  schon  im  Pennyportoverhältnis
  steht,  würden  es  insgesamt  136  Länder,  125  445  000  qkm  und
1497  Millionen  Menschen  sein,  die  als  einheitliches  Postgebiet  für  das  billige
Einheitsbriefporto  in  Frage  kämen.
Noch  genauer  betrachtet  müsste  man  aber  auch  den  grössten  Teil
der  von  den  Postdampfern  der  Welt  durchkreuzten  Wasserfläche  des  Erdballs
(365  400  000  qkml  mit  hinzurechnen,  so  dass  dann  die  ungeheuere  Ausdehnung ­
  von  490  845  000  qkm  oder  das  1558fache  des  Flächenraums  von
Grossbritannien  als  Geltungsbereich  des  Welt-Pennypoitos  herauskäme,  ein
Gebiet  mit  Strecken,  die  allein  in  gerader  Linie  bis  zu  den  Antipoden
schon  über  20  000  km  ergeben,  aber  nach  dem  Laufe  der  wirklichen  Verkehrsstrassen ­
  oft  über  35  000  km  ausmachen,  also  das  35  fache  der  Ausdehnung ­
  Englands.
Während  nun  in  England  der  innere  Briefverkehr,  der  vor  1840  bestand ­
  und  alsdann  zum  Pennyporto  überging,  jährlich  nur  82  Millionen  ausmaohte,
  so  dürfte  der  Internationale  Verkehr  aller  Länder  heute  (1907)
etwa  1100  Millionen  Briefe  aufweisen,  von  denen  allerdings  nahezu  die
Hälfte  infolge  der  bestehenden  Postvereinsabkommen  und  Kolonialposttarife
schon  dem  billigen  Inlandsporto  unterliegt.  Wenn  das  angestrebte  Welt-Pennyporto
  aber  im  ganzen  auch  eine  so  gewaltige  Summe  von  Sendungen
aller  Länder  des  gesamten  Erdballs  trifft,  so  ist  das  finanzielle  Risiko  der
einzelnen  Postverwaltungen  doch  wieder  winzig  klein  im  Verhältnis  zum
Risiko  Englands  von  1840  oder  zu  einer  etwaigen  Portoherabsetzung  des
grossen  Inlandverkehrs.  Darin  besteht  ein  mächtiger  Unterschied  zwischen
heute  und  ehedem.  Im  Gesamtverkehr  der  Länder  des  Weltpostvereins,
der  1907  für  In-  und  Ausland  etwa  39  Milliarden  Briefpostsendungen,
davon  17 2 / 3  Milliarden  Briefe  aufwies,  ist  der  internationale  Briefverkehr
sogar  sehr  klein.
Der  englische  Postüberschuss  von  1839  (1  033  764  £)  wurde  durch
die  Pennyporto-Reform  von  1840  fast  um  70  %  oder  um  1  132  000  £  verringert ­
  und  fiel  auf  500  789  £.  Der  gegenwärtige  englische  Postüberschuss
(1906/07:  5  071  255  £)  würde  durch  Einführung  des  Welt-Pennyportos  nach
allen  anderen  Ländern  aber  höchstens  um  knapp  6—7  %  oder  etwa
350  000  £  vermindert  werden  und  bei  der  zu  gewärtigenden  Verkehrssteigerung ­
  (um  Va)  vielleicht  bloss  um  4  Vs  °/q,  aber  auch  nur  im  ersten  Jahr
(vgl.  S.  1  05  f.  .u.  179),  später  dagegen  sicherlich  um  viel  weniger.
1840  ging  man  von  17  Pence  im  Maximum  und  4  Pence  im  Minimum
allgemein  für  den  ganzen  grossen  Inlands  verkehr  auf  1  Penny  herunter;
heute  handelt  es  sich  aber  bloss  darum,  den  Tarif  für  einen  Teil  des  verhältnismässig ­
  geringen  Auslands  Verkehrs,  der  kaum  i l l-2°lo  der  inländischen
Briefzahl  Englands  ausmacht,  von  2Va  auf  1  Penny  zu  ermässigen.
Wenn  alle  Länder  diesen  Schritt  mitmachen,  so  würden  darauf  in
weit  verstärktem  Masse  die  Worte  Alfred  de  Foville’s  über  den  Weltpostverein ­
  in  seinem  Buche  „La  transformation  des  moyens  de  transport  et  ses
cousequences“  (Paris  1880)  zutreffen.  Er  schrieb  damals:  „Das  Jahr  1875
        <pb n="20" />
        III

wird  in  der  Geschichte  des  Postwesens  eine  grössere  Bedeutung  haben  als
das  Jahr  1840.  Der  Weltpostverein  stellt  ein  Werk  dar,  welches  ebenso
kühn  und  dabei  von  weit  allgemeinerer  Bedeutung  ist  als  die  englische
Postreform.“  i
Aber  das  Welt-Pennyporto  hätte  auch  noch  eine  tiefere  symbolische
Bedeutung.  Es  handelt  sich  nicht  bloss  darum,  den  Brief-Tarif  von  25  auf
10  Centimes,  von  2 1 / 2  auf  1  Penny,  von  20  auf  10  Pf.  herabzusetzen  und
10  Pf.  zu  sparen,  sondern  darum,  dass  künftig  das  Inland  zugleich  zum
postalischen  Ausland,  zum  Weltpostgebiet,  das  ganze  Weltpostgebiet  aber
zum  Inland  wird,  dass  in  diesem  Punkte  zunächst  einerlei  Tarifgesetz  Inund
  Ausland  arrf  dem  ganzen  Erdball  umfasst,  dass  alle  Länder  und  Volke!
der  Welt  postalisch  ineinandergefügt  und  von  einem  gleichen  Bande  umschlungen ­
  werden,  eine  gleiche  Sprache  des  Verkehrs  reden  und  nach  und
nach  immer  mehr  auch  in  der  sonstigen  Postgesetzgebung  durch  den  gegenseitigen ­
  Einfluss  vereinheitlicht  werden.  1  ,v
Der  einige  Weltstaat,  das  Weltbürgertum,  von  dem  die  Menschheit
schon  seit  Jahrtausenden  träumt,  er  würde  wenigstens  auf  dem  Gebiete
des  Postwesens  gewissermassen  zur  Wirklichkeit  werden;  ohne  Grenze
zwischen  In-  und  Ausland.
Schon  Sokrates  und  die  Zyniker  unter  den  alten  Philosophen  wollten
nicht  Bürger  eures  bestimmten  Staates,  sondern  Bürger  der  Welt  sein,  und
die  Weisheit  der  Stoiker  hat  diesen  Gedanken  vertieft  und  weitergebildet.
„Wir  sind  Glieder  eines  grossen  Körpers,“  sagt  Seneca  in  einem  seiner
herrlichen  Briefe.  „Wir  sind  zum  Zusammenwirken  geboren,“  tönt  es  von
den  Lippen  Marc  Aurels.  „Die  Welt  ist  ein  einziges  Gemeinwesen;  gleich
ist  überall  der  Stoff,  aus  dem  sie  gebildet  worden  ist,“  klingt  es  wieder
bei  Epiktet.  Und  ist  der  Weltpostverein  denn  nicht  schon  ein  einziges
Gemeinwesen,  ein  postalischer  Welt-Staatenbund?  Ist  nicht  geradezu  ein
Wunder  in  ihm  verwirklicht?  Wird  dieses  Wunder  nicht  noch  grösser
sein,  wenn  auch  die  jetzigen  Grenzen  zwischen  In-  und  Ausland  im  Tarif
wegfallen?  Ist  das  etwa  ein  unsinniges  Ziel?
„Im  Gegenteil,  das  ist  das  Ideal,  nach  dem  wir  streben,“  sagte
Stephan.  „Wir  hoffen,  noch  dahin  zu  kommen,  dass  wir  den  Weltpostsatz
von  20  Pfennigen  auf  den  internen  von  10  Pfennigen  zurückführen,  so  dass
alles  ein  Hirt  und  eine  Herde  ist,  so  dass  wir  den  gleichen
Portosatz  auf  der  ganzen  Erde  haben.  Das  ist  nicht  widersinnig,
sondern  im  Gegenteil  sehr  tiefsinnig.“
Sind  wir  aber  erst  im  Postwesen  so  weit,  welche  Perspektiven  eröffnen ­
  sich  da  nicht  für  die  weitere  Zukunft  auch  auf  anderen  Gebieten?
Die  '  nationale  interne  englische  Pennyportoreform  von  1840  ist
zweifellos  der  Ausgangspunkt  gewesen  für  die  Entwicklung  zum  Weltpostverein ­
  und  zum  nahenden  Welt-Pennyporto.  Ihr  70jähriges  Jubiläum  kann
aber  nicht  begangen  werden,  ohne  dass  wir  des  Mannes  gedenken,  dessen
Werk  sie  war:  Bowland  Hill’s  (1795—1870).  Ihm  widme  ich  daher  die
unten  folgende  „Einleitung“.  Sein  Leben  ist  noch  heute  für  uns  lehrreich.
Und  es  ist  zugleich  fesselnd  zu  verfolgen,  wie  ein  unbekannter  schlichter
        <pb n="21" />
        IV

Schulmeister,  ein  Dilettant  und  Autodidakt  ohne  Titel,  ohne  äusseres  oder
wissenschaftliches  Ansehen,  ohne  Hochschulbildung,  doch  dafür  ein  ideenreicher ­
  erfinderischer  Kopf  mit  jenen  tiefen  Augen,  die  alles  sehen,  plötzlich ­
  aus  den  Tälern  des  bürgerlichen  Privatlebens  emporsteigt  und,  von
einem  einsichtigen  und  merkwürdig  dankbaren  Volke  gestützt  und  getragen,
in  ein  paar  Jahren  das  alte  Postwesen  umstürzt  und  umgestaltet  und  sich
bald  zum  wirklichen  Lenker  der  Verwaltung  aufschwingt,  um  nach  und
nach  alle  Länder  der  Welt  zur  Nachfolge  zu  zwingen.  Das  ist  ein  Beispiel
der  Macht  des  Gedankens,  wie  er  oft  von  einem  einzigen  Geiste  ausgeht  und
die  bestehenden  Dinge  in  andere  Bahnen  drängt,  als  wenn  er  mit  Nietzsches
Zarathustra  spräche:  „So  sollt  ihr  laufen,  ihr  grossen  und  kleinen  Ströme!“

Ich  habe  alle  diese  Betrachtungen  über  den  Weltpostverein  und  seine
Vorbedingungen  vorairsgeschickt  als  eine  Art  Captatio  benevolentiae.  Ich
möchte  entschuldigt  sein  für  dieses  dicke  Buch,  das  manchem  vielleicht  zunächst ­
  nur  als  ein  Buch  über  die  nüchterne  kleine  Frage,  wie  man  10  Pf.  an
Briefporto  ersparen  kann,  erscheinen  wird.  Auch  die  Worte  des  Moliereschen
Misanthropen  könnte  jemand  mir  verhalten;
„Quel  besoin  si  pressant  avez-vous  de  rimer?
„Et  qui  diantre  vous  pousse  ä  vous  faire  imprimer?“
Aber  der  Vorwurf  der  Pressiertheit  würde  bei  mir  nicht  zutreffen.  Ich
habe  lange  genug  auf  einen  genügenden  Anlass  zu  dieser  Drucklegung  gewartet. ­
  Schon  seit  anderthalb  bis  zwei  Jahrzehnten  verkehrswissenschaftlichen ­
  Problemen,  besonders  Tarifreformfragen  nachgehend,  auch  bei  gegebenen ­
  Gelegenheiten  Zeitungsaufsätze  darüber  veröffentlichend,  habe  ich
in  einzelnen  Spezialgebieten  besonders  eingehende  Porschungen  angestellt.
Das  gilt  namentlich  von  Eisenbahnfahrpreisfragen  und  vom  Kursbuchwesen
sowie  von  den  Telegramm-  und  Posttarifen  aller  möglichen  Länder.
Seit  1894  beschäftigte  mich  das  Problem  einer  Vereinfachung  und
Verbilligung  des  freilich  meist  mit  einem  Defizit  arbeitenden  Telegrammwesens ­
  im  In-  und  Auslandsverkehr,  und  ich  bin  dabei  zu  einem  System
gekommen,  das  manches  auch  für  die  Pachwelt  Neue  enthalten  dürfte,
ohne  deshalb  die  Versuche  und  Fortschritte  des  letzten  Jahrzehnts  unberücksichtigt ­
  zu  lassen.
Etwa  seit  derselben  Zeit  vertiefte  ich  mich  auch  in  die  hier  behandelten ­
  Fragen  der  Weltportoreform,  in  die  Geschichte  des  Postwesens,
in  die  Vorgeschichte  des  Weltpostvereins,  für  die  ich  viel  neues  Material
fand,  u.  dgl.  m.  Ich  schrieb  auch  mancherlei  Studien  nieder,  teils  mehr,
teils  weniger  ausgearbeitet.  Schon  vor  einem  Dutzend  von  Jahren  wollte
ich  eigentlich  dieses  Buch  herausgeben,  beschränkte  mich  dann  aber  auf
Veröffentlichung  des  Werkes  „Zur  Reform  des  Paketportos“  (1898,
anonym)  und  der  Broschüre  „Die  Frage  eines  deutsch-niederländischen ­
  Postvereins“  (1900/1901).  Doch  habe  ich  nachher  öfter  Zeitungsartikel ­
  und  auch  kleinere  Arbeiten  über  die  Weltportofrage  drucken  lassen.
Mein  besonderer  Anlass  zu  diesem  Buche  war  aber  folgender:
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        Im  Spätsommer  1908  wandte  sicli  das  Sekretariat  des  Handelsvertragsvereins'an ­
  mich  mit  der  Aufforderung,  ihm  eine  Flugschrift
über  das  Weltpennyporto  zu  schreiben,  die  dazu  bestimmt  sein  sollte,
diesem  Gedanken  in  weitern  Kreisen  neue  Freunde  zuzuführen.  Allein  bei
nochmaliger  Durcharbeitung  des  inzwischen  weitvermehrten  Materials  fand
ich  so  viele  neue  Gesichtspunkte  und  Tatsachen,  dass  es  mir  nicht  möglich
war.  -die  Arbeit  rechtzeitig  und  in  der  gewünschten  Kürze  herzustellen,
zumal  da  ich  sie  auf  zu  breiter  Basis  begonnen  hatte  und  nach  und  nach
auch  zu  der  ernstlichen  Überzeugung  kam,  dass  den  herrschenden  Bedenken
der  Postverwaltungen  kaum  erfolgreich  oder  zwingend  begegnet  werden
könnte,  wenn  man  nicht  das  gesamte  Tatsachenmaterial  vorführte  und  in
all  die  strittigen  Einzelheiten  genau  einginge.  So  ist  statt  einer  Broschüre
ein  ganzes  Buch  entstanden.  Da  dem  Sekretariat  des  Handelsvertragsvereins ­
  aber  daran  lag,  eine  kurze  Broschüre  zu  haben,  so  stellte  ich  es
ihm  auf  seinen  Wunsch  frei,  nachdem  die  erste  Vereinbarung  auf  mein
Anerbieten  gelöst  worden  war  und  ich  den  Druck  selbst  übernommen  hatte,
aus  den  damals  bereits  gesetzten  sieben  Kapiteln  des  Buches  einen  Auszug ­
  zu  machen  und  in  begrenzter  Ausführlichkeit  andeutungsweise  oder
zum  Teil  auch  wörtlich  die  Hauptgesichtspunkte  meiner  grösseren  Arbeit
darin  wiederzugeben.  Ende  April  1909  ist  dieser  Auszug  unter  dem
Titel  „Welt-Pennyporto“  als  handelspolitische  Flugschrift  des
Handelsvertragsvereins  zu  Berlin  erschienen  (24  Seiten),  mit  einem
Hinweise  auf  die  Quelle.
Wie  der  Leser  sehr  bald  sehen  wird,  geht  der  Inhalt  des  vorliegenden ­
  Buches  weit  hinaus  über  den  engen  Kähmen  des
Titels.  Ich  hatte  zu  vielerlei  zu  sagen  und  hatte  auch  keine  Zeit,  um  —
kürzer  zu  sein.  Denn  die  Fülle  des  spröden  Stoffes,  der  die  ganze  Welt
umfasst,  war  nicht  leicht  zu  bewältigen.  Manche  wichtige  Dinge  werden
öfter  wiederholt,  wenn  der  Zusammenhang  es  erfordert.  Und  ich  meine,
das  kann  nichts  schaden,  auch  wenn  mir  das  vorgehalten  werden  sollte.
Ich  habe  die  Weltportofrage  unter  viele  neue  Gesichtspunkte
gerückt  und  sie  durch  neue  Tatsachen  und  neue  statistische  Ergebnisse ­
  in  einem  andern  Lichte  zeigen  wollen.  Dabei  hatte  ich  freilich
eine  schwere  Arbeit  zu  leisten,  um  zu  diesen  Ergebnissen  zu  gelangen.
Ich  habe  mich  dabei  aber  besonderer  Sorgfalt  befleissigt  und  mich
an  zuverlässige  amtliche,  womöglich  ursprüngliche  Quellen  gehalten,  soweit
das  anging.  Um  anderen  Forschern  die  Nachprüfung  zu  erleichtern,  habe
ich  diese  meine  Quellen,  vorzugsweise  bekanntere  und  leichter  zugängliche
amtliche  und  halbamtliche  deutsche  Quellen,  stets  angegeben.  Die  statistischen ­
  Zahlen,  die  ich  gewonnen  habe,  werfen,  wie  gesagt,  viele  wichtige
neue  Schlaglichter  auf  die  ganze  Frage,  die  dadurch  eigentlich  zum  erstenmal ­
  hier  wissenschaftlich  geklärt  vorgeführt  wird.
In  vielen  Punkten  weiche  ich  ab  von  der  oft  sehr  grossen  finanziellen
Bedenklichkeit  mancher  Postverwaltungen.  Ich  habe  mich  bemüht,  alle
Argumente  unbefangen  und  selbständig  neu  zu  prüfen  und  mich  nicht  auf
        <pb n="23" />
        VI

Autoritäten  zu  verlassen,  die  trotz  grössten  Vertrauens,  das  sie  im  allgemeinen ­
  verdienen,  im  einzelnen  dennoch,  sehr  irren  können.  Ich  möchte
auch  nicht  bloss  überreden,  sondern  überzeugen.  Wieweit  mir  das  den
amtlichen  Stellen  gegenüber  gelingen  wird,  kann  ich  nicht  voraussehen.
Die  Postverwaltungen  haben  ja  so  oft  durch  ihre  Vertreter  in  den
Parlamenten  gegen  das  erstrebte  Weltpennyporto  Bedenken  erhoben,  hauptsächlich ­
  fiskalische  Bedenken.  Aber  an  sich,  so  meine  ich,  muss  jede
Verwaltung  schon  von  Natur  mit  diesem  Ziele  sympathisieren  und  verkehrserleichternden ­
  Heformen  geneigt  sein.  Manche  von  ihnen  wird  daher  im
stillen  vielleicht  ganz  erfreut  darüber  sein,  dass  ich  ihre  Bedenken  mildere  oder
widerlege,  so  wie  oft  ein  sprödes  Mädchen  zwar  nein  sagt,  aber  eigentlich
ja  meint  und  sehr  zufrieden  ist,  so  verstanden  zu  werden.  Schon  aus  einer
Reichstagsrede  Stephans  zu  Ende  Januar  1897  merkte  man,  dass  zwei
Seelen  in  seiner  Brust  wohnten  und  der  Generalpostmeister  eigentlich
anders  fühlte  als  der  Vertreter  der  verbündeten  Regierungen  in  derselben
Person,  der  mit  seinem  nein  nur  einen  sauren  Auftrag  der  Finanzverwaltung
und  Gesamtregierung  ausführte.
Der  gegenwärtige  Staatssekretär  des  deutschen  Reichspostamts  erklärte ­
  Anfang  März  1906  ja  auch,  „dass  es  selbstverständlich  immer  das
Bestreben  der  deutschen  Postverwaltung  ist,  nach  Möglichkeit  die  Verkehrsverhältnisse ­
  mit  dem  Auslande  zu  verbessern,“  brachte  aber  dann
wieder  die  bestehenden  finanziellen  Bedenken  vor,  ebenso  wie  sein  Kollege
in  England.
Über  diese  „Möglichkeit“  gehen  nun  aber  die  Ansichten  gerade  auseinander, ­
  und  ich  hoffe,  dass  die  Postverwaltungen  es  mir  nicht  verübeln
werden,  wenn  ich  ihnen,  gegenüber  den  meist  pessimistischeren  Finanzverwaltungen, ­
  den  Röcken  stärke  und  gerade  die  „Möglichkeit“  durch  alte
und  neue  Argumente  nachzuweisen  versuche,  aber  nicht  bloss  die  Möglichkeit, ­
  sondern  sogar  die  dringende  Notwendigkeit.  Ich  wünsche  durch
mein  Buch  dahin  zu  wirken,  dass  wir  das  allgemeine  Welt-Pennyporto,
  das  Inlandsporto  als  Auslandsporto,  nicht  erst  in
20  Jahren  oder  noch  später  erreichen,  wie  nach  manchen  amtlichen ­
  und  fachmännischen  Äusserungen  und  Aufsätzen  anzunehmen ­
  wäre,  sondern  womöglich  schon  in  einigen  wenigen
Jahren,  sei  es'nun  zum  nächsten  Weltpostkongress  oder  bis  zum
75j  ährigen  Jubiläum  des  englischen  Pennyportos  oder  bis  zum
Eintritt  Chinas  in  den  Verein.  Wie  ich  unten  feststelle,  sind  im  allgemeinen ­
  die  Postfinanzen  meist  sehr  günstig;  bei  der  Mehrzahl  der
wichtigeren  Länder  liefert  die  Post  sogar  bedenklich  hohe  Überschüsse,
deren  Erhaltung  durchaus  nicht  erwünscht  erscheint.  Die  zeitweilige  Geldklemme ­
  mehrerer  grosser  Staaten,  an  deren  Abstellung  aber  nicht  zu
zweifeln  ist,  kann  als  Einwand  nicht  in  Frage  kommen.  Eine  Hinausschiebung ­
  des  Welt  -  Pennyportos  auf  den  imaginären  Zeitpunkt  einer
günstigeren  Finanzlage,  die  manche  Staaten  überhaupt  nicht  erleben,  aber
immer  erträumen,  ist  deshalb  untunlich,  weil  sich  in  10—12  Jahren  der
Verkehr  oft  verdoppelt  und  auch  die  Einnahmeausfälle  dann  doppelt  so
        <pb n="24" />
        YII

hoch,  also  die  Hindernisse  später  nicht  geringer  sein  würden.  Auch  wird
kaum  je  ein  Moment  ein  treten,  wo  alle  Postbudgets  gleich  günstig  dastehen.
Ich  mache  kein  Hehl  daraus,  dass  ich  einen  möglichst  wohlfeilen
Postverkehr,  der  ja  dem  Güter-  und  Menschen  verkehr  die  mächtigsten
Impulse  verleiht,  für  durchaus  erwünscht  halte  und  in  ungenügend  begründeten ­
  Verteuerungen  Rückschritte  erblicke,  die  oft  den  Postfinanzen
selber  überraschenden  Abbruch  tun.  In  der  letzten  Zeit  hat  es  an  solchen
Rückschritten  nicht  gefehlt;  man  konnte  in  verschiedenen  Ländern  eine
bedenkliche  rückläufige  Verkehrsbewegung  beobachten.  Ich  habe
deshalb  versucht,  hie  und  da  auch  den  Wirkungen  solcher  Massnahmen
nachzugehen  und  ihre  schädlichen  Polgen  aufzudecken.  Man  findet  hier
ausführliche  Darstellungen  der  deutschen  Ortsporto-  und  Zeitungsbeilagenverteuerung, ­
  aber  auch  dfer  Fahrkarten-  und  Automohilsteuer.
  Doch  haben  solche  Verkehrserschwerungen  das  Gute,  dass  sie
durch  ihren  Druck  allmählich  weite  Kreise  zur  Einsicht  führen  und  mit
der  Zeit  gründliche  Reformen  veranlassen.
Dicht  bevölkerte  alte  Länder,  deren  Grund  und  Boden  nicht  grösser
wird  und  in  festen  Händen  ist,  müssen  ihre  stetig  zu  wachsende  Einwohnerschaft ­
  durch  Industrie  und  Handel  ernähren,  wenn  sie  nicht  auswaudern
soll.  Die  Post  aber  ist  die  Pfadflnderiu  des  Handelsverkehrs  und  Welthandels ­
  und  muss  möglichst  wenig  Hindernisse  auf  ihren  Wegen  finden.
Im  Anhänge  meines  Buches  wird  man  zum  erstenmal  eine  gründliche ­
  zusammenhängende  Darstellung  der  bereits  vorhandenen  Sonderpostvereine
  innerhalb  des  Weltpostvereins  finden,  mit  allen  Tarifen,  auch
in  vergleichbare  Münzen  umgerechnet,  und  mit  statistischen  Zahlen  über
die  Gebietsgrössen.  Ganz  neu,  auch  für  Fachleute,  dürften  die  zusammenfassenden ­
  Zahlen  für  alle  diese  Postvereinsgebiete  sein.
Die  neueste  Zahl  über  die  Grösse  des  Weltpostvereins  lag  mir  bei
der  Niederschrift  dieser  Teile  noch  nicht  vor,  doch  die  Abweichung  von
der  vorletzten  Zahl  ist  so  gering,  dass  sie  kaum  in  Betracht  kommt.  Ich
habe,  wie  schon  bemerkt,  alle  Tatsachen  möglichst  sicheren  Quellen  entnommen. ­
  Doch  ist  es  natürlich  nicht  ausgeschlossen,  dass  hie  und  da
auch  ein  Fehler  sich  eingeschlichen  hat,  was  indessen  an  den  Gesamtergebnissen ­
  kaum  etwas  ändern  dürfte.
Man  wird  in  dem  Buche  viele  allgemein  verständliche  und  allgemein
geniessbare  Kapitel  finden,  aber  auch  manche,  die  von  statistischen  Zahlen
stark  gefüllt  sind,  die  dem  Uneingeweihten  vielleicht  zum  Teil  langweilig
Vorkommen  mögen,  für  den  Kenner  und  Fachmann  aber  gerade  den  interessantesten ­
  und  beweiskräftigsten  Teil  bilden.  Denn  Zahlen  beweisen,  sagt
Goethe  richtig.  Wer  in  diesen  Dingen  ohne  Statistik  etwas  beweisen
will,  tappt  doch  ganz  ins  Blaue  und  redet  aufs  Geratewohl  hin.  Gewiss
kann  mit  einseitig  und  ungewissenhaft  herausgegriffenen  und  uubeglaubigten
Zahlen  viel  Unfug  getrieben  werden,  und  offenbar  nur  diesen  Sinn  können
die  gelegentlich  gefallenen  Worte  Talleyrands  haben:  „Es  gibt  drei  Lügen:
die  gemeine  Lüge,  die  Notlüge  und  —  die  Statistik,“  ein  Ausspruch,  den
der  jetzige  deutsche  Staatssekretär  Krätke  im  Dezember  1908  auch  zitierte,
        <pb n="25" />
        VIII

indes  ohne  sich  ihm  anzuschliessen.  Von  der  gewissenhaft  und  besonnen
benutzten  Statistik  gilt  dagegen  das  wichtigere  Wort  Napoleons  I.:  „La
statistique  est  le  hudget  des  choses  et  sans  budget  point  de  salut!“  Bei
genauerer  Kenntnis  der  Poststatistik  würden  sicherlich  auch  viele  Missgriffe ­
  der  Gesetzgebung  vermieden  worden  sein,  die  in  letzter  Zeit  im  Postwesen ­
  leider  oft  von  einem  übereilten  Dilettantismus  beeinflusst  worden  ist
und  für  Publikum,  Handel  und  Gewerbe  mancherlei  bedauerliche  Nachteile
im  Gefolge  hatte.
Ich  habe  den  statistischen  Tatsachen  gerade  eine  besondere  Sorgfalt
angedeihen  lassen  trnd  die  Wirkungen  vielerPortoreformen  in  langen
Jahresreihen  genau  verfolgt.  Die  Ergebnisse  sind  oft  sehr  lehrreich  und
beanspruchen  besondere  Beachtung.
Auch  für  den  so  oft  entbrennenden  Streit  der  Vertreter  von  Stadt
und  Land  über  Bevorzugungen  oder  Benachteiligungen  des  einen  oder
anderen  Teiles  im  Verkehrswesen  hat  die  Statistik  das  entscheidende  Wort
zu  sprechen.  Nur  ist  sie  leider  darin  sehr  lückenhaft.  Ich  habe  indessen
durch  Berechnung  doch  manche  wichtigen  Zahlen  gewonnen  und  bin
persönlich  in  diesen  Fragen  durchaus  nicht  Partei.  Bei  näherer  Prüfung
fand  ich  nicht,  dass  die  Städte  im  allgemeinen  bevorzugt  werden.  Beinahe
könnte  man  das  Gegenteil  behaupten.  Doch  es  herrschen  viele  Legenden,
die  nicht  so  leicht  auszurotten  sind.
Das  vorliegende  Buch  möchte  gerade  weitere  Kreise  für  die  wichtigen
Probleme  des  Postverkehrswesens  Interessieren  und  sie  zugleich  darüber
unterrichten;  aber  auch  den  Fachmännern  gegenüber  möchte  es  eine  vielfach ­
  abweichende  Meinung  vertreten  und  begründen.
Es  wird  zur  glatteren  Lektüre  gewiss  beitragen,  wenn  ich  einen
grossen  Teil  des  Beweisstoffes  in  die  Anmerkungen  unter  den  Text  verlegte. ­
  An  sich  sind  solche  Anmerkungen  ja  kein  reizvolles  Beiwerk,  aber
in  einem  vergänglichen  Buche,  das  kein  literarisches  oder  stilistisches
Kunstwerk  sein  will,  sondern  sehr  nüchterne  prosaische  Fragen  behandelt,
wird  man  sie  mir  gewiss  gern  nachsehen.  Wer  voll  überzeugen  will,  darf
es  auch  an  wichtigeren  Nebenbeweismitteln  nicht  fehlen  lassen.  Der  Nichtfachmann ­
  kann  so  ja  gerade  um  so  leichter  darüber  hinweglesen.
Da  das  angestrebte  Welt-Pennyporto  nur  bei  Zustimmung  aller  Länder
des  Weltpostvereins  zustande  kommen  kann,  so  habe  ich  nicht  ermangelt,
für  die  wichtigsten  unter  ihnen,  soweit  statistische  Unterlagen  vorhanden
waren,  genaue  finanzielle  Berechnungen  aufzustellen,  nämlich  für
50  Postverwaltungen,  so  dass  die  Frage  jetzt  nach  dieser  Richtung
übersichtlich  geklärt  dastehen  dürfte.  Eine  Nachprüfung  meiner  Zahlen
kann  mir  nur  erwünscht  sein,  da  kleine  Fehler  auch  bei  wiederholter
Durchsicht  fast  nie  ausbleiben.
Die  Lösung  der  Weltportofrage  und  der  wachsende  Weltverkehr
drängen  aber  auch  zur  Lösung  einer  weiteren  Frage:  der  der  Weltbriefmarke ­
  und  der  Weltmünze.  Auch  diesen  habe  ich  ausführliche  Betrachtungen ­
  und  ebenso  wie  den  Wegen  zum  Welt-Pennyporto  positive
Vorschläge  gewidmet.
        <pb n="26" />
        IX

Ich  bin  mir  wohl  bewusst,  dass  es  trotz  aller  dieser  Argumente  nicht
an  finanziellen  Bedenken  gegen  das  internationale  Pennyporto  fehlen  wird.
Deshalb  behalte  ich  mir  für  später,  sofern  die  Sache  einem  weiteren
Interesse  begegnet,  neue  Vorschläge  vor,  die  auch  diese  Bedenken  zum
grössten  Teil  beseitigen  dürften  und  das  angestrebte  Ziel  wenigstens  in
einer  beschränkten  Form  bald  erreichbar  erscheinen  lassen  würden.
Für  die  Zusendung  von  Besprechungen  dieses  Buches  und
seiner  Probleme  an  die  untenstehende  Adresse  werde  ich  sehr  dankbar,  sein,
da  der  Autor  sonst  oft  nicht  das  geringste  über  wichtige  Einwände  oder
beachtenswerte  kritische  Bemerkungen  erfährt.
Friedenau  bei  Berlin,  Juli  1909.

Arved  Jürgensohn.

Nachschrift.  Die  meisten  Kapitel  dieses  Buches  waren  schon  im
Frühling  d.  J.  beendet  und  gesetzt.  Es  konnten  daher  die  Wirkungen
der  Beichstagsbeschlüsse  vom  13.  Juli,  die  sich  auf  die  Gehaltserhöhungen
der  deutschen  Postbeamten  bezogen,  im  Text  nicht  mehr  eingehend  gewürdigt, ­
  sondern  nur  kurz  erwähnt  werden.
Die  günstigen  Finanzen  der  deutschen  Keichspost  haben  dadurch
zunächst  allerdings  ein  ganz  anderes  Ansehen  bekommen.  Wie  die  halbamtliche ­
  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  (1909,  l(i.  Juli  Nr.  29)  näher  ausführte,
werden  die  Beamten  und  Unterbeamten  der  Beiohspost  nach  dem  Stande
von  1909  über  55  Millionen  Mark  jährlich  mehr  als  bisher  beziehen  und  mit
der  Nachzahlung  für  1908  eine  Summe  von  80  Millionen  Mark  ausgezahlt
erhalten.  Der  im  Postetat  für  1909  veranschlagte  Ueberschuss  von  99,3  Millionen ­
  Mark,  unter  Berücksichtigung  der  rückläufigen  Bewegung  in  der
Einnahmesteigerung  so  angesetzt,  würde  dadurch  auf  44,3  Millionen  Mark
sinken.  Aber  der  Schatzsekretär  vermutete,  dass  der  Ueberschuss  wegen
der  anhaltenden  Depression  um  20  Millionen  niedriger  ausfallen  würde,  als
veranschlagt,  so  dass  dann  blos  24,3  Millionen  nachbleiben  würden.  Nach
den  neuesten  Berichten  bat  jedoch  die  Beichspost  vom  April  bis  Ende
September  1909  schon  eine  Mehreinnahme  von  15,86  Milk  Mark  airfzuwoisen.
A.  J.
        <pb n="27" />
        2.  Einleitung.

R  ow  1  a  n  (1  Hill 1 ).
(1795—1879.)
Der  10.  Januar  1810  war  der  bedeutungsvolle  Tag,  an  dem  das  englische ­
  Pennyporto  in  Kraft  trat,  und  sein  Urheber  pflegte  diesen  Tag  alljährlich ­
  im  Kreise  seiner  Freunde  festlich  zu  begehen.
•  Heute  stehen  wir  am  Vorabend  eines  Pennyportos  für  die  ganze
Welt,  das  den  gesamten  Erdball  zum  postalischen  Inland  machen  soll,  und  es
sind  bald  7  Jahrzehnte  seit  dem.  denkwürdigen  Januartage  des  Jahres  1840
dahingerollt.  Da  darf  die  Nachwelt  sicherlich  auch  einmal  des  Mannes
gedenken,  von  dem  diese  Entwicklung  ausging,  und  sie  wird  bald  auch  der
Männer  gedenken  müssen,  die  den  grossen  postalischen  Weltplan  fassten,
dafür  wirkten  und  ihn,  wie  Stephan,  in  reifer  Ausgestaltung  zur  Vollendung
führten.
Mit  Rowland  Hill,  dem  Reformator  des  englischen  Postwesens  und
der  Posttarife  der  ganzen  Welt,  verknüpft  sich  in  der  Überlieferung  oft  die
Vorstellung  des  armen  Schulmeisterleins,  das  in  der  Welt  auf  unerhörte
Weise  sein  Glück  machte,  fast  so  wie  im  Märchen  das  tapfere  Schneiderlein, ­
  das  schliesslich  eine  Prinzessin  heiratet  und  sogar  König  wird.
Dass  er  Glück  gehabt  hätte,  hat  er  später  selbst  bestätigt.  Aber  es
ist  ihm  nicht  ganz  so  leicht  zugefallen,  wie  es  uns  aus  der  zeitlichen  Feme
bei  ungenauer  Kenntnis  seines  Lebenslaufs  erscheint,  und  er  hat  es  durch
seine  Tüchtigkeit  redlich  verdient.  Zwar  gibt  es  immer  viel  Tüchtigkeit
in  der  Welt;  aber  das  Glück  gelungener  grosser  Werke,  die  den  an  sich
Tüchtigen  vor  der  Welt  erst  gross  erscheinen  lassen,  lächelt  doch  nur
wenigen,  und  der  Platz  an  der  Sonne  ist  eine  seltene  Ausnahme  selbst  für
den  Tüchtigsten,  wenn  es  sich  um  Berufe  handelt,  wie  der,  welcher  sich
dem  Ouitsider  Rowland  Hill  noch  eröffnete,  als  er  die  Mittagshöhe  des
Lebens  schon  hinter  sich  hatte  und  in  der  ersten  Hälfte  der  Vierziger  stand.
Er  war  in  der  Tat  22  Jahre  hindurch  Schullehrer  gewesen;  anfangs,
schon  in  sehr  jugendlichem  Alter,  in  der  Privatschule  seines  Vaters  zu  *
x )  Aus  einer  unveröffentlichten  längeren  handschriftlichen  Lebensbeschreibung
Hills,  die  ich  im  Jahre  1896  nach  englischen  Quellen  angefertigt  hatte.
        <pb n="28" />
        -XI-Birmingham,
  die  66  Schüler  zählte,  später  (seit  1826)  in  einer  selbstbegründeten
  eigenen  Schule  in  Tottenham  bei  London.  Doch  scheint  er
in  recht  auskömmlichen  Verhältnissen  gelebt  zu  haben.  Es  war  nun  eigenartig, ­
  wie  er  überhaupt  zu  postalischen  Studien  kam.  Als  Vorstandsmitglied
der  Gesellschaft  zur  Verbreitung  nützlichen  Wissens  (Society  for  the  diffusion
  of  useful  knowlegde),  die  besonders  die  Schaffung  wohlfeiler  Bücher
austrebte,  beschäftigte  sich  sein  erfinderischer  Kopf  auch  mit  der  Technik
der  Buchdruckerei  und  erfand  eine  zylindrische  Botations-Schnellpresse,  die
von  einer  sich  abwickelnden  Papierrolle  in  der  Stunde  8000  Bogen  bedrucken ­
  konnte,  zehnmal  mehr  als  die  bisherigen  Maschinen.  Sie  ist  1835
auch  als  Nr.  6762  patentiert  worden.  Das  Modell  kann  man  noch  heute  im
South  Kensingtön-Museum  zu  London  sehen.  Hill,  damals  40  Jahre  alt,
hatte  dieser  Erfindung  gemeinsam  mit  seinem  Bruder  ein  ganzes  Jahr  der
Arbeit  gewidmet.  Er  hatte  für  Modelle  und  Patent  2000  £  (40  000  M)
ausgegeben  und  hoffte  natürlich  auf  wirtschaftliche  Erfolge  daraus.  Aber
ihr  Hauptzweck,  dem  Zeitungsdruok  zu  dienen,  wurde  durch  die  damals
bestehende  Stempelsteuer  (S’/a  d)  auf  Zeitungen  vereitelt.  Jeder  Papierbogen
musste  nämlich  vor  dem  Druck  im  Stempelamt  einzeln  gestempelt  werden.
Das  Schatzamt  ging  aber  nicht  auf  Hills  Gesuch  ein,  diese  Stempelung
durch  die  Botationspresse  selbst  besorgen  zu  dürfen,  so  dass  die  Erfindung
damit  überflüssig  war  und  die  Einführung  der  später  vervollkommneten
Rotationsmaschinen  um  Jahrzehnte  verzögert  wurde.  Ähnlich  verderblich
hat  ja  1865  eine  gesetzliche  Bestimmung  auf  die  damals  schon  hoch  entwickelte ­
  Dampfautomobil-Industrie  Englands  gewirkt,  wonach  die  Fahrgeschwindigkeit ­
  auf  4  engl.  Meilen  auf  dem  Lande  und  auf  2  Meilen  in
Ortschaften  beschränkt  wurde  und  ausserdem  jedem  Auto  innerhalb  der
Ortschaften  ein  Mann  mit  einer  roten  Fahne  als  Warnung  für  Fuhrwerke
und  Begegnende  vorausgehen  musste.  Natürlich  war  es  seitdem  mit  dieser
Industrie  zu  Ende  für  30  —  35  Jahre.  Es  war  kein  Wunder,  wenn  Hill
daher  —  schon  seit  1834  —  an  einer  Agitation  zur  völligen  Aufhebung  des
Zeitungsstempels  lebhaften  Anteil  nahm.  Die  Herabsetzung  auf  einen  Penny
folgte  zwar  bald,  die  völlige  Aufhebung  liess  jedoch  noch  25  Jahre  auf
sich  warten.
Des  angreifenden  Schullebens  müde,  oft  sehr  abgearbeitet  und  überhaupt ­
  stets  viel  an  Kopfschmerzen  leidend,  gab  er  schon  1833  seine  langjährige ­
  Lehrerstelluug  auf,  da  sie  ihn  auch  nicht  dauernd  befriedigte  und
er  sich  nach  einem  Beruf  sehnte,  der  sein  Dasein  besser  rechtfertigen  konnte.
Nach  einer  Reise  in  Frankreich  übernahm  er  dann  die  ihm  angetragene  Stelle
eines  Londoner  Geschäftsführers  (Secretary)  der  Gesellschaft  zur  Kolonisierung-Süd-Australiens,
  sein  erstes  öffentliches  Amt,  das  er  4  Jahre  lang,  bis  zum
September  1839,  bekleidet  hat.  Er  bezog  hier  ein  Gehalt  von  500  £
(10  000  M)  jährlich,  ohne  welches  seine  Postreformstudien  und  Veröffentlichungen ­
  ihm  kaum  möglich  gewesen  wären.  Das  arme  Schulmeisterlein
der  Legende  ist  er  also  nicht  gewesen.
Allein  auch  dieser  Posten,  wo  er  sich  immer  noch  nicht  auf  dem
rechten  Platze  fühlte,  befriedigte  ihn  nicht  ganz.  Er  begann  vielmehr  sich
        <pb n="29" />
        -  511

mit  Hoffnungen  auf  ein  Amt  im  Postwesen  zu  tragen,  worin  seine  Brüder
ihn  bestärkten.  Zum  Universitätsstudium,  dem  er  sieb  gern  hingegeben
hätte,  war  es  bereits  zu  spät.
Postreformideen  waren  ihm  schon  früher  durch  den  Kopf  gegangen.
Er  hatte  sich  Gedanken  gemacht  über  eine  Strassenpost,  in  der  die  Briefe
während  der  Pahrt  bereits  sortiert  werden  sollten,  über  einen  pneumatischen
Telegraphenapparat,  eine  Rohrpost  u.  dergl.  Seit  1831  beteiligte  er  sich
dann  an  der  erwähnten  Agitation  gegen  den  Zeitungsstempel.  Er  glaubte,
der  Staat  würde  den  etwaigen  Ausfall  durch  einen  Aufschwung  des  Zeitungswesens, ­
  deren  Inserate  auch  einer  Steuer  unterlagen,  wieder  einholen.
London  war  damals  noch  die  einzige  englische  Stadt  mit  einer  täglichen
Zeitung,  und  nur  sechs  andere  englische  Städte  hatten  Zeitüngen,  die  mehr
als  einmal  wöchentlich  erschienen.
Auch  für  die  bekannte,  vom  Buchhändler  Knight  neu  vorgeschlagene
Idee  der  Stempelkuverts  trat  Hill  1834  in  einem  Zeitungsartikel  ein,  und
an  der  Höhe  des  Briefportos,  erinnerte  er  sich,  hatte  sich  schon  sein  Vater
gestossen.  Eine  Legende  ist  es  jedoch,  dass  er  auf  einer  Reise  in  Schottland ­
  einst  gesehen  hätte,  wie  ein  Mädchen  den  Brief  ihres  Geliebten  nicht
einlöaen  konnte,  weil  sie  den  Schilling  an  Porto  dafür  nicht  zu  bezahlen  vermochte, ­
  und  wie  das  ihn  auf  den  Gedanken  des  Pennyportos  gebracht  hätte.
Im  Jahre  1835  begann  er  sich  noch  reger  mit  der  Portofrage  zu  beschäftigen, ­
  Verwaltungsberichte  der  Post  zu  studieren  und  dabei  Vergleiche
mit  Frankreich  zu  ziehen,  wo  die  Posteinnahmen  in  14  Jahren  um  50  %
gewachsen  waren,  während  sie  in  England  trotz  der  Bevölkerungszunahme
(1815:  19,5  Millionen,  1835:  25,6  Millionen  Einwohner)  Stillständen,  offenbar
wegen  des  abschreckend  hohen  Tarifs.
In  demselben  Jahre  (1835)  hatte  das  englische  Unterhaus  auch  eine
Untersuehungskommission  für  die  Postreformfragen  iComission  of  the  Post
offi.ce  Inquiry  eingesetzt,  deren  Urheber  und  Vorsitzender  der  Abgeordnete
Robert  Wallace  war,  der  der  bisher  für  so  vollkommen  angesehenen  Post
sehr  viel  am  Zeuge  flickte  und  u.  a.  für  eine  billigere  Brieftaxe  mit  den
Höchstsätzen  von  8—9  Pence  eintrat.
Auch  hierdurch  wurde  Hill  zu  seinen  Poststudien  weiter  angeregt,
und  im  Jahre  1836  verfasste  er  eine  Reform-Schrift,  die  er  vorläufig  nur
als  Manuskript  drucken  liess,  um  sie  Anfang  Januar  1837  der  Regierung
zu  überreichen,  nachdem  er  vorher  auch  mit  Wallace,  dem  Führer  der  Postreformkampagne, ­
  bekannt  geworden  war,  der  ihn  nicht  etwa  als  Eindringling ­
  in  seine  Domäne  betrachtete,  sondern,  im  Gegenteil,  freundlich  ermutigte
und  in  jeder  Hinsicht  förderte.
Der  volle  Titel  dieser  ersten  Ausgabe  des  73  Oktav-Seiten  zählenden
Büchleins  lautete:
Private  and  confidential.
Post  Office  Reform;
its  importance  and  practicability.
By  Rowland  Hill.
Privately  printed,  by  W.  Clowes  and  Sons,  Stamford  Street.
1837.
        <pb n="30" />
        xm

Von  der  Stockung  der  Briefposteinnahmen  ausgehend,  während  die
Einnahmen  der  Postkutsche  sich  in  derselben  Zeit  reichlich  verdoppelten,
schliesst  Hill  auf  die  hohe  Portotaxe  als  Ursache.  Aber  die  Einnahmeverluste
seien  hei  Weitem  nicht  ihr  schlimmster  Nachteil.  „Wenn  man  bedenkt“,
so  schreibt  er,  „wie  sehr  der  religiöse  (!),  moralische  und  intellektuelle
Fortschritt  der  Nation  beschleunigt  würde  durch  einen  unbehinderten  Verkehr ­
  von  Briefen  und  vieler  wohlfeiler  und  trefflicher  unpolitischer  Schriften
der  Gegenwart,  so  gewinnt  die  Post  den  neuen  und  wichtigen  Charakter
eines  mächtigen  Werkzeugs  der  Zivilisation  (a  powerful  engine  of  civilization),
das  geeignet  wäre,  einen  hervorragenden  Teil  des  grossen  Werkes  der  Volks-Erziehung
  zu  vollenden,  aber  jetzt  schwach  und  unwirksam  gemacht  wird
durch  verkehrte  fiskalische  Anordnungen“  (erroneous  financial  arrangements)-Er
  versuchte  nun  weiter  die  Selbstkosten  der  englischen  Post  für  die
Briefbeförderung  zu  berechnen.  Für  alle  Sendungen  ergaben  sich  durchschnittlich ­
  84/,oo  Penny  (etwa  7  Pf.),  wovon  aber  nur  1 / 8  auf  die  eigentliche
Beförderung  und  2 / 3  auf  Schalterdienst,  Austragung  und  Portoeinziehung
kamen.  Für  die  Beförderung  eines  Briefes  im  besonderen  ergaben  sich  nur
°/ 100  Penny  ( 3 / 4  Pf.)  Selbstkosten.  Auf  der  400  engl.  Meilen  (640  km)  langen
Strecke  London—Edinburg  waren  die  Selbstkosten  für  die  Beförderung
eines  Briefes  nur  Vao  Penny  (knapp  */ 4  Pf.)
Er  schloss  daraus,  dass  im  Massenverkehr  der  Briefe  die.  Länge  der
Beförderungsstrecke  für  den  einzelnen  Brief  ganz  belanglos  (absolutely
insignificant)  sei  und  eine  Verkehrszunahme  die  Kosten  verhältnismässig
noch  verbilligen  würde.
Die  Festsetzung  des  Portos  nach.  Entfernungsstrecken  erschien  ihm
daher  grundsätzlich  unbegründet  und  verfehlt,  obwohl  scheinbar  ganz
vernünftig,  und  so  kam  er  dazu,  einen  von  der  Entfernrrng  ganz  unabhängigen ­
  einheitlichen  Portotarif  (a  single  uniform  rate)  vorzuschlagen, ­
  ohne  die  kostspielige,  zeitraubende  und  umständliche  Portobereohnung
  bei  der  Auflieferung  am  Schalter  und  ohne  die  nachträgliche
Portoerhebung  vom  Empfänger,  also  mittels  Vorausbezahlung  oder
Frankierung,  die  bei  einem  gesteigerten  Massenverkehr  zur  Notwendigkeit
würde.  Er  empfahl  dazu  Stempelbogen  (a  tell-tale  stamp)  oder  Stempelkuverts, ­
  die  schon  der  Buchhändler  Knight  für  Zeitungen  vorgeschlagen ­
  hatte.
Als  Briefporto  setzte  er  einheitlich  einen  Penny  (S'/s  Pf-)
für  die  Unze  (28,34  g)  im  Verkehr  des  ganzen  Landes  von  Postptt
  zu  Postort  fest  und  1 j 3  Penny  (4,25  Pf.)  für  jede  weitere  halbe
Unze.  Später  begnügte  er  sich  aber  auch  für  die  erste  Gewichtsstufe  mit
einer  halben  Unze  (1  Penny).
Er  hielt  eine  Verkehrssteigerung  um  das  fache,  wie  ihm
zur  Deckung  des  Ausfalles  nötig  erschien,  für  mindestens  wahrscheinlich,
da  zugleich  die  arg  missbrauchte  Portofreiheit  abgeschafft  werden  und
dem  gewaltigen  Brief  Schmuggel  durch  ein  billiges  Pennyporto  der  Boden
entzogen  werden  sollte.  Dieser  Schmuggel  blühte.  Bei  Eröffnung  der
Dampferverbindung  nach  New-York  fanden  sich  z.  B.  im  amtlichen  Brief-
        <pb n="31" />
        XIV

postbentel  nur  5  Briefe,  in  einem  anderen  nichtamtlichen  aber  über  10  000.
Die  Fuhrleute  beförderten  privatim  meist  für  1  Penny  ihnen  anvertraute
Briefe  weiter.
Diese  als  Manuskript  gedruckte  Broschüre  reichte  Hill  nun  Anfang
Januar  1837  der  Regierung  ein;  wie  er  in  seinen  Tagebuchaufzeichnungen
gesteht,  mit  der  sanguinischen  Hoffnung  auf  baldige  Annahme  seines
Planes  und  in  der  Meinung,  dass  es  einer  Veröffentlichung  im  Buchhandel
gar  nicht  erst  bedürfen  würde.
Aber  obwohl  ihn  der  Schatzkanzler  Spring  Rice  ganz  höflich  empfing,
zeigte  sich  doch  bald,  dass  die  Regierung  einer  Einführung  dieser  Vorschlage
  gar  nicht  geneigt  sei.  Einige  befreundete  Abgeordnete  und
Regierungsbeamte  hatte  er  übrigens  auch  mit  der  Schrift  bedacht.
Eine  Genugtuung  war  es  ihm  schon,  als  die  Postreformkommission
ihn  bereits  am  13.  Februar  1837  als  Gutachter  über  die  Londoner  Stadtpostverhältnisse ­
  vernahm  und  u.  a.  seinem  Vorschläge  des  versuchsweisen
Gebrauchs  von  Stempelskuverts  und  aufklebbaren  Briefmarken  zur
Vorausbezahlung  des  Portos  zustimmte.  Die  Regierung  zeigte  sich  einem
solchen  Versuche  im  Londoner  Postbezirk  auch  geneigt.  Aber  dabei  blieb
es,  und  es  geschah  weiter  nichts.
Nun  erst  brachte  Hill  seine  Schrift  in  neuer.  zweiter  Auflage  auch
in  den  Buchhandel,  um  an  das  Publikum  zu  appellieren,  da  ihm  sein
Reformwerk  sehr  am  Herzen  lag.  Und  er  fand  jetzt  ganz  überraschende
Teilnahme.  In  wenigen  Monaten  erschienen  sechs  Auflagen  des
Buches,  und  im  Verlaufe  des  Jahres  trat  fast  die  ganze  Presse  für  seine
Vorschläge  ein.  Am  23.  November  1837  wurde  auf  Antrag  des  Abgeordneten ­
  Wallace  eine  besondere  Kommission  von  15  Mitgliedern
zur  Prüfung  der  Hillschen  Ideen  eingesetzt.  Die  Regierung  hatte
deren  Erwägung  bereits  zugesagt.
Zehn  Monate  vorher  noch  ein  unbekannter  Privatmann,  war  Rowland
Hill  jetzt  eine  berühmte  Persönlichkeit  geworden.  Im  Parlament  folgten
zahlreiche  Erörterungen  seiner  Vorschläge.
Am  5.  Februar  1838  bildete  sich  zu  seiner  Freude  ein  grosser  kaufmännischer ­
  Verein  (Meroantile  Committee),  um  für  die  Einführung  des
Penny-Portos  zu  wirken.  In  der  Parlamentskommission,  die  63  Sitzungen
abhielt,  wurden  83  Zeugen  gehört  und  Hill  selbst  sechs  Tage  laug  vernommen; ­
  aus  dem  Lande  liefen  über  2000  Petitionen  mit  einer  Viertelmillion ­
  Unterschriften  zugunsten  der  Reform  ein,  und  am  17.  Juli  1838
erklärte  sich  ein  Kommissionsbeschluss  bereits  grundsätzlich  für  ein
Einheitsporto,  fasste  aber  zunächst  nur  ein  Porto  von  2  Pence  für  1 / 2  Unze
und  1  Penny  für  jede  weitere  Vs  Unze  ins  Auge.
Zur  Abfassung  des  Kommissionsberichts  wurde  Hill  heraugezogen.
Seine  Gründe  sprachen  aber  mehr  für  1  d  als  für  2  d,  und  Volksversammlungen ­
  und  Zeitungsartikel  unterstützten  den  wohlfeilem  Tarif  lebhaft.
Schon  Ende  Mai  1839  erklärten  sich  der  Premierminister  Lord
Melbourne  und  der  Schatzkanzler  bereit,  eine  Vorlage  zur  Einführung  des
Penny-Portos  auszuarbeiten.  Damals  bereits  gedachten  die  Abgeordneten
        <pb n="32" />
        XY

Warburton  und  Wallace  auch  dahin  zu  wirken,  dass  Hill  mit  der
Ueberwachung  der  Ausführung  seines  Planes  betraut  würde.
Im  Juli  kam  die  Peuny-Porto-Bill  dann  wirklich  vor  das  Unterhaus,
das  sie  mit  grosser  Mehrheit  annahm;  Anfang  August  vor  das  Oberhaus,
und  am  17.  August  1839  wurde  sie  von  der  Regierung  genehmigt.  Hills
■versöhnliches  taktvolles  Wesen  soll  viel  zu  diesem  beispiellosen  Erfolge
beigetragen  haben.  Der  Premierminister  hatte  ihn  inzwischen  einmal  um
seinen  Besuch  gebeten,  und  auf  seinen  Wunsch  war  er  auch  während  der
Debatte  im  Oberhause  anwesend  gewesen.
Seine  Preunde  unter  den  Abgeordneten  aber  meinten  nun:  wenn  die
Regierung  seinen  Plan  angenommen  habe,  so  müsse  sie  ihn  selbst  jetzt
auch  annehmen,  damit  er  bei  der  Durchführung  der  Reform  mitwirken
könne.  Auch  der  neue  Lord  Schatzkanzler  Francis  Baring  hielt  das
für  wünschenswert  und  bat  ihn  deshalb  zu  sich.  Die  Regierung  wollte
ihn  zu  diesem  Zwecke  für  zwei  Jahre  in  Dienst  nehmen,  bot  ihm  aber
kein  höheres  Gehalt  als  das  in  seiner  Stellung  als  Sekretär  der  australischen
Kolonisationsgesellschaft  (500  £).
Hill  nahm  dieses  Anerbieten,  das  ihm  fast  als  Kränkung  erschien,
mit  recht  gemischten  Gefühlen  auf  und  erbot  sich,  da  sein  Vermögen  dazu
gerade  reichte,  die  zwei  Jahre  unentgeltlich  zu  dienen  oder  die  Gehaltsfrage ­
  bis  zur  Beendigung’  des  Experiments  zu  vertagen.  Sein  Bruder
billigte  seine  Auffassung  und  betonte,  dass  er  nicht  in  einer  niedrigeren.
Stellung  als  der  „Seoretary“  (Unterstaatssekretär)  des  General-Postamts
eintreten  könnte,  zumal  da  er  bei  der  vorhandenen  grossen.  Gegnerschaft
gegen  seine  Ideen  unter  den  Beamten  auch  der  Machtbefugnisse  bedürfe.
Ebenso  erfordere  auch  sein  Ansehen  schon  ein  höheres  Gehalt,  denn  die
Engländer  seien  weder  ein  aristokratisches,  noch  ein  demokratisches,
sondern  ein  chrysokratisch.es  Volk.
Am  14.  September  1839  bot  ihm  Baring,  der  diese  Aeusserungen  zur
Kenntnis  erhielt,  dann  endlich  einen  Posten  f im  Schatzamt  für  2  Jahre
mit  1500  £  (etwa  30  000  M)  Gehalt  an,  der  ihm  ohne  unmittelbaren  Einfluss ­
  doch  beständigen  Zugang  zur  Post  gewährte  sowie  möglichste
moralische  Unterstützung  gemessen  sollte.  Das  englische  Post  Office  ist
zwar  ein  selbständiges  Ministerium,  doch  in  finanzieller  Beziehung  dem
Schatzamt  verantwortlich.
Hill  sprach  es  dem  Schatzkanzler  gegenüber  offen  aus,  dass  er  für
später  auf  eine  feste  Stellung  als  Unterstaatssekretär  der  Post  (Secretary)
hoffe,  und  wurde  von  Baring  am  16.  September  1839  in  sein  neues  Amt
eingeführt,  jetzt  zum  ersten  Male  im  Leben  die  inneren  Räume  eines  Postamts ­
  betretend.
Nach  kurzen  Uebergangsbestimmungen  —  einem  Tarif  von  4  d,  in
London  1  d,  vom  5.  Dezember  1839  bis  zum  9.  Januar  1840  —  wmrde  dann
endlich  am  10.  Januar  1840  das  Pennyporto  für  Briefe  im  ganzen
Yereinigten  Königreich,  durohgeführt.
Erst  am  1.  Mai  1840  begann  aber  der  Verkauf  von  Stempelwertzeiohen
  (Stempelkuverts  und  Briefmarken).
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        \

XVI

Das  liberale  Ministerium  Melbourne  musste  nun  aber  am  2.  September  18-11
zurücktreten.  Im  Lande  herrschte  seit  einiger  Zeit  eine  allgemeine  Geschäftsdepression. ­
  Die  Einnahmen  der  Post  gingen  unter  dem  Pennyporto  sehr
zurück  (vgl.  S.  103);  heute  sagen  wir:  Gottlob!,  denn  die  fiskalische  Ueberspannung
  der  alten  Ueberschusswirtschaft  war  eine  schwere  Verirrung
gewesen.  Trotzdem  erklärte  sich  der  neue  Premier  Peel  für  Beibehaltung
des  neuen  Tarifs.  Hills  Posten  war  um  ein  Jahr  verlängert  worden,  doch
er  stiess  jetzt  auf  grosse  Widerstände  auch  beim  neuen  Generalpostmeister,
und  obwohl  er  sich  zu  unentgeltlicher  Weiterarbeit  erbot  und  gern  fest
angestellt  worden  wäre,  um  sein  Werk,  das  nun  ganz  in  den  Händen  von
Gegnern  lag,  fortzuführen,  musste  er  doch  nach  Ablauf  des  dritten  Jahres
(am  14.  September  1842)  abtreten.
Baring  fand  diese  Behandlung  seines  früheren  Untergebenen  sehr
„schäbig“  (shabby).  Aber  auch  an  anderen  Sympathiekundgebungen  fehlte
es  dem  Urheber  des  Pennyportos  nicht.  Der  Abgeordnete  Co  bden  schrieb
ihm  einen  sehr  freundschaftlichen  Brief,  worin  er  die  Hoffnung  aussprach,  dass
Hill  ,  beim  nächsten  Regierungswechsel  wieder  an  das  alte ; Ruder  käme,
und  da  er  zu  dem  Zweck  bis  dahin  unabhängig  bleiben  müsse  und  das
Land  in  seiner  Schuld  stünde,  ein  Arbeiter  aber  seines  Lohnes  wert  sei
so  wäre  eine  Nationalsubskription  zu  seinen  Gunsten  geplant.  Während
der  Amtszeit  hatten  übrigens  Hills  Ausgaben  seine  Einnalunen  bei  weitem
überstiegen.  Er  musste  aber  seine  Familie  unterhalten.
Es  traf  sich  nun  gerade,  dass  damals  die  Brighton-Eisenbahngesellschaft, ­
  deren  Aktien  von  50  auf  35  £  gefallen  waren,  ihre  Betriebsdirektoren ­
  durch  neue  zu  ersetzen  wünschte,  und  man  trug  nun  auch  dem
stellungslosen  Postreformer  einen  solchen  Posten  an.  Er  nahm  an,  wurde
bald  Chairman  (Generaldirektor)  der  Gesellschaft,  hob  ihre  Aktien  bis
1845  auf  75  £  und  hatte  damals  unter  Einschluss  seiner  Aktienanteile  ein
Jahreseinkommen  von  6000  £  (122  400  M).  Seinen  weiten  Blick  zeigte
er  auch  hier.  Er  liess  auf  jedem  Zuge  der  Linie  die  .Post  stets  unentgeltlich ­
  mitgehen  und  täuschte  sich  nicht  in  der  Annahme,  dass  der  Briefverkehr ­
  auch  den  Personenverkehr  heben  würde.  Etwa  vier  Jahre
lang  (1843—1846)  bekleidete  er  diese  Stellung,  dachte  aber  immer  wieder
an  seine  Rückkehr  in  den  Postdienst.
Unterdessen  hatte  der  Kaufmännische  Verein  im  März  1844  öffentlich
eine  Subskription  veranstaltet  und  zu  einem  Ehrengeschenk  (testimonial)
für  Hill  aufgefordert.  Schon  zu  Anfang  1845  ging  ihm  ein  Scheck  über
10  000  £  zu,  und  am  17.  Juni  1846  fand  die  formelle  Überreichung  der
ganzen  Spende  in  Höhe  von  13  000  £  (265  000  M)  statt.
Nach  dem  Rücktritt  der  Toryregierung  forderten  Abgeordnete,  besonders ­
  Warbnrton,  die  Wiederanstellnng  Hills.  Dieser  wollte  aber  keinen
niedrigeren  Posten,  denn  als  „Secretary“  annehmen.  Doch  der  Platz  war
immer  noch  von  seinem  alten  Gegner,  dem  Obersten  Maberly  besetzt,  der
auch  1500  £  Gehalt  bezog,  und  da  nur  ein  Platz  von  1200  £  vakant  was,
entschloss  sich  Hill  erst  nach  langem  Zaudern  und  weil  er  sich  durch  die
Nationalsubskription  verpflichtet  fühlte,  diesen  neben  Maberly  anzunehmen.
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        XVII

Am  5.  Dezember  1846  trat  er  dieses  Amt  an,  als  „Secretary  to  the
Postmaster  General“,  wie  der  Titel  noch,  heute  lautet.  Es  gab  nun  zwei
nebeneinander  stehende  „Sekretäre“,  und  gab  daher  beständig  Reibungen  und
Kompetenzkonflikte  in  dieser  Zwitterstellung,  die  den  stets  zu  Kränklichkeit ­
  geneigten  Hill  arg  aufrieben.
.  Erst  am  21.  April  1854  trat  sein  Widersacher  Maberly  zurück,,  und
Rowland  Hill  wurde  alsbald  mit  dem  Höchstgehalt  von  2000  £
(=  40  800  M)  als  alleiniger  „Chief  Secretary“  angestellt  und  konnte  nun
im  wesentlichen  die  Alleinherrschaft  führen 1 ).  Zum  Generalpostmeister,
wie  es  seiner  Tüchtigkeit  wohl  gebührt  hätte,  ist  er  freilich  nie  gemacht
worden,  obwohl  Cobden  meinte,  in  jedem  weniger  aristokratischen  Lande
als  England  wäre  er  es  sicherlich  geworden.  Doch  im  wesentlichen  war
er  doch  der  wirkliche  Leiter  der  Postverwaltung  und  der  ruhende  Pol  in
der  Erscheinungen  Flucht.  Denn  als  „Secretary“  blieb  er  stets  auf  dem
Posten,  während  die  Generalpostmeister,  deren  er  sehr  viele  erlebte,  mit
jeder  Parteiregierung  wieder  abtraten.  Br  hat  in  seiner  Verwaltungszeit
viele  hunderte  von  Verbesserungsmassregeln  und  Neuerungen  eingeführt
und  soweit  er  konnte,  Ersparnisse  erzielt.
Erst  am  4.  März  1864,  durch  Krankheit  geschwächt  und  durch  Reibungen ­
  mit  dem  Generalpostmeister  Lord  Stanley  besonders  dazu  veranlasst, ­
  gab  Hill,  ein  Siebzigjähriger,  seine  Stelle  endlich  auf,  erhielt  aber
statt  eines  Drittels  sein  volles  Gehalt  von  2000  £  als  Pension,  in  Anbetracht ­
  seiner  besonderen  Verdienste,  die  das  Schatzamt  in  einem  eigenen
Schreiben  an  ihn  hervorhob.
Seine  Freunde  taten  aber  noch  mehr  für  ihn.  Das  Parlament  bewilligte ­
  ihm  auf  ihre  Anregung  im  Juni  1864  als  Nationalgeschenk  eine
Summe  von  20  000  £  (408  000  M),  hauptsächlich  zur  Sicherstellung  seiner
Familie.  Der  frühere  Generalpostmeister  Lord  Clanricarde  rühmte  ihm  bei
dieser  Gelegenheit  nach,  dass  nie  ein  Staatsdiener  eine  öffentliche  Belohnung
mehr  verdient  hätte,  und  dass  sein  Name  ln  allen  Landen  fortleben  würde.
Am  27.  August  1879  Ist  Rowland  Hill  gestorben,  84  Jahre  alt.
Erstaunlich  zahlreich  erscheinen  uns  die  Sympathiebeweise  und
Ehrungen  des  englischen  Volkes,  die  ihm  zuteil  wurden,  und  ganz  ausserordentlich ­
  das  Interesse,  mit  dem  die  Kaufmannschaft  seine  Pläne  begleitete
und  seine  Sache  stützte.  Schon  bei  der  Veröffentlichung  seiner  Broschüre
erboten  sich  mehrere,  deren  Kosten  mit  zu  tragen.  Der  Abgeordnete  Wallaoe
war  stets  sein  guter  Engel.  Die  Einwohner  von  Wolverhampton,  wo  Hill
in  der  Jugend  gelebt  hatte,  stifteten  ihm  schon  im  September  1839  einen
silbernen  Kandelaber  als  Zeichen  der  Anerkennung;  die  von  Glasgow  be-  *
r )  Von  Interesse  mag  die  Feststellung  sein,  dass  der  „Secretary  to  the  Post
Office“  auch  heute  noch  das  gleiche  Gehalt  bezieht  (2000  £j.  der  „Second  Secretary“
1400  £.  die  „Assistant  Seoretaries“  1000—1200  £.  der  Generalpostmeister  aber  2500  £,
der  erste  Lord  des  Schatzes  und  der  Schatzkanzler  je  5000  £,.  Die  deutschen  Gehälter
sind  niedriger;  der  Staatssekretär  des  Beiohspostamts  (Qeneralpostmeister)  empfängt
80  000  M  Gehalt  und  14  000  M  Ropräsentationsgelder,  der  Unterstaatssekretär  („Secretary“)
20  000  M,  die  8  Direktoren  im  Beichspostamt  („Assistant  Secretaries“)  je  15  000  M  (dazu
Wohnungsgeldzuschüsse).
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        XVIII

zeugten  ihre  Dankbarkeit  durch  einen  Weinkühler  in  getriebenem  Silber
(im  Juli  1841);  1000  Liverpooler  stifteten  einen  schönen  silbernen  Untersetzer ­
  (April  1841);  der  Kaufmännische  Verein  überwies  ihm  1845  und  1846
das  erwähnte  Ehrengeschenk  von  13  000  £,  um  seine  Unabhängigkeit  zu
sichern,  und  das  zu  einer  Zeit,  wo  er  noch  arbeitsfähig  und  noch  nicht
vom  Alter  verbraucht  war.  Anssergewöhnlioh  war  es  auch,  dass  ihm,  dem
Tarifreformer  und  Laien,  eine  Eisenbahngesellschaft  gleich  einen  Direktionsposten ­
  gab,  denn  einer  seiner  Kollegen  erklärte  ihm  später,  man  hätte  wohl
befürchtet,  dass  er  auch  hier  vielleicht  irgend  einen  bedenklichen  einheitlichen ­
  Pennyfahrpreis  vorschlagen  könnte.
1857  wurde  Hill  zum  Mitglied  der  Royal  Society  of  Arts  erwählt,
deren  goldene  Albert-Medaille  er  später  erhielt,  und  Anfang  1860  zum  Ritter
(Knight  Commander)  des  Bath-Ordens  ernannt,  womit  der  Adel  verknüpft
war.  Um  1864  sammelte  man  in  Birmingham  zu  einem  Denkmal  für  ihn,
und  in  seinem  Geburtsort  Kidderminster  folgte  man  diesem  Beispiele.  Am
9.  Juni  1864  verlieh  ihm  die  Universität  Oxford  den  Titel  eines  Dr.  jur.
(D.  C.  L.)  honoris  causa,  und  im  selben  Monat  bedachte  ihn  das  Parlament
mit  der  erwähnten  Dotation  von  20  000  £.
Die  Londoner  City  verlieh  ihm  im  Juni  1879  in  einer  feierlichen  Deputation ­
  die  so  seltene  Auszeichnung  des  Ehrenbürgerreohts,  dessen  Urkunde
in  einem  goldenen  Kästchen  überreicht  wurde.
Als  er  bald  darauf  starb,  da  wurden  seine  irdischen  Überreste  in  der
Westminsterabtei,  der  Ruhmeshalle  Grossbritanniens,  beigesetzt.  Eine
Marmorbüste  in  einer  der  Seitenkapellen,  neben  der  Statue  James  Watts,
erinnert  dort  an  Rowland  Hill,  den  Urheber  des  Pennyportos.  Auch  vorder ­
  Londoner  Börse  steht  auf  hohem  Sockel  ein  grosses  ehernes  Standbild
von  ihm.
Trotz  aller  grossen  und  schnellen  Erfolge,  die  er,  der  unbekannte
ehemalige  Schullehrer  und  Dillettant,  mit  seinen  Reformplänen  erzielte,
würde  man  aber  doch  irren,  wenn  man  annähme,  dass  alles  so  leicht  und
glatt  ging-,  wie  es  bei  einer  gedrängten  Darstellung  seines  Lebenslaufs  den
Anschein  hat.  Hill  gewann  wohl  schnell  die  Unterstützung  der  liberalen
und  reformfreundlichen  Abgeordneten,  der  Presse,  der  grossen  Mehrheit  des
englischen  Volkes  und  namentlich  des  Handelsstandes;  aber  die  Postverwaltung, ­
  besonders  die  Beamten  des  Generalpostamts,  blieben  seine
hartnäckigen  Gegner.  Br  fand  diesen  Widerstand  der  Fachmänner,  wie  er
später  erzählte,  ganz  natürlich,  da  seine  weitgehenden  Neuerungen  einen
Umsturz  der  altgewohnten  bestehenden  Ordnung  bedeuteten.  Es  fallen
einem  da  die  Worte  des  Macohiavelli  ein:  „Alle  die,  welche  sich  in  der
alten  Ordnung  der  Dinge  wohl  befanden,  sind  der  neuen  feindlich;  und
diese  hat  nur  laue  Verteidiger  an  denen,  welche  dabei  zu  gewinnen  hoffen:
teils  wegen  der  Furcht  vor  den  Gegnern,  teils  weil  die  Menschen  von  Natur
misstrauisch  sind  und  an  eine  neue  Sache  nicht  glauben,  bis  sie  sie  wirklich
klar  vor  sich  sehen.“
Am  15.  Juni  1837  sprach  der  Generalpostmeister,  der  Earl  of
Lichfield,  bei  einer  Postdebatte  sehr  wenig  schmeichelhaft  von  den
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        XIX

Portoermässigungen,  die  „gewisse  Individuen“  forderten,  und  sagte,  später
deutlicher  werdend:  von  allen  wüsten  und  phantastischen  Plänen,  die  ihm
bekannt  geworden,  sei  der  Hillsche  der  aussergewöhnlichste  („of  all  the
wild  and  visionary  schemes  which  he  had  ever  heard  or  read  of,  it  was  the
most  extraordinary“).  Er  geriet  immer  in  Erregung,  sobald  vom  Pennyporto ­
  die  Hede  war,  sagte  der  Premierminister  Lord  Melbourne  im  Vertrauen ­
  zu  Hill.  Zur  Wiedererzielung  der  alten  Einnahme  erschien  ihm
eine  Steigerung  des  Briefverkehrs  um  das  12  fache  erforderlich.
Der  zweite  Beamte  des  G-eneralpostamts,  Unterstaatssekretär  (Secretary)
  Oberst  Maberly,  war  Hills  Projekten  nicht  minder  gründlich  abgeneigt. ­
  Vor  der  parlamentarischen  Untersuchungskommission,  die  63  mal
tagte  und  an  die  geladenen  Zeugen  etwa  12  000  Prägen  richtete,  erklärte
er,  dass  die  Portosätze  allerdings  auch  ihm  zu  hoch  erschienen,  und  dass
seit  Jahren  schon  jeder  Generalpostmeister  dieser  Ansicht  gewesen  sei.  Ein
Einheitsporto  wäre  ihm  zwar  sympathisch,  aber  er  halte  es  für  gar  nicht
durchführbar  (practicable).  Er  und  andere  vorgeladene  Postbeamte  zweifelten
auch  an  der  Durchführbarkeit  der  Vorausbezahlung  des  Portos,  und  mit
dem  Generalpostmeister  glaubte  er,  dass  das  Publikum  sie  ablehnen  würde.
Der  Briefschmuggel,  so  äusserte  er  sehr  treffend,  könnte  erst  aufhören,
wenn  die  Taxsätze  so  niedrig  seien,  dass  die  Schmuggler  nicht  mehr  erheblich ­
  profitierten.  Das  wollte  aber  Hill  auch  nur.  Die  Stempelwertzeichen,
meinte  Maberly,  wären  bei  der  grossen  Anzahl  von  9  verschiedenen  Briefklassen ­
  ganz  undurchführbar,  auch  befürchtete  man  Fälschungen.
Die  Vertreter  der  Postverwaltung  hielten  aber  auch  nichts  von  der
Brieftaxe  nach  Gewicht,  statt  nach  einzelnen  Briefbogen.  Mit  ihrer  Empfehlung ­
  wäre  Hill  damals  also  nicht  weit  gekommen.
Der  Superintendent  der  Postkutschen  meinte,  diese  würden  die
Briefverkehrssteigerung  gar  nicht  bewältigen  können.  Die  Postkommission
berechnete  aber,  dass  sie  nur  zu  einem  Viertel  ausgenutzt  würden  und  noch
zu  einer  24  fachen  Briefsteigerung  ausreichten.
Maberly  ging  so  weit,  zu  erklären,  schon  bei  der  ersten  Lektüre  der
Hillschen  Schrift  sei  ihm  sein  Plan  völlig  irrig  und  höchst  närrisch  (utterly
fallacious  and  most  preposterous)  vorgekommen,  dazu  ohne  Stütze  von  Tatsachen ­
  und  bloss  auf  Vermutungen  gegründet.  Bei  einer  Portoherabsetzung
auf  1  Penny  würden  die  Einnahmeverluste  in  40  oder  50  Jahren  nicht  gedeckt ­
  werden  (revenue  would  not  recover  itself  for  fourty  or  fifty  years).
Auch  in  der  Presse  gab  es  manche  Gegner  der  Reform.  In  einem
Artikel  der  Quarterly  Review  wandte  sich  noch  vor  ihrer  Einführung
ein  gewisser  Croker  heftig  gegen  Hill  und  seine  Anhänger,  wies  auf  die
Pariser  Stempelumschläge  von  1653  hin,  meinte,  dass  die  Vorausfrankierung
allgemein  für  nichts  weniger  als  bequem  gehalten  werde,  und  behauptete,  dass
das  Pennyporto  —  offenbar  durch  seine  Billigkeit  für  jedermann  —  nur
Aufstände  und  Empörungen  erleichtern  würde  (sedition  made  easy)
Als  Rowland  Hill  dann  für  zwei  Jahre  vom  Schatzamt  engagiert
wurde,  hatte  er  im  Generalpostamt  nicht  bloss  mit  Anfeindungen,  Widerständen ­
  und  Neid  zu  kämpfen,  sondern  auch  der  Schatzkanzler  Baring
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        XX

stand  ilim  anfangs  mit  Vorurteilen  gegenüber.  Er  hatte  sich  den  Gemeinsatz
  in  den  Kopf  gesetzt,  Erfinder  wären  nur  selten  auch  gute  Geschäftsleute, ­
  und  war  ausserdem  schwer  zugänglich.  Aber  allmählich  gewann  er
doch  grosses  Vertrauen  zu  ihm,  nahm  seine  Neuerungsvorschläge  immer
bereitwilliger  an  und  trat  1864,  als  er  längst  nicht  mehr  im  Amt  war,
warm  für  die  erwähnte  Nationaldotation  ein.  „Hill  war  lange  unter
mir  im  Amt,  oder  vielmehr  ich  unter  ihm“  (He  was  long  in  office
under  me,  or  rather  I  under  him),  sagte  er  damals  in  ihn  selbst  ehrender
anerkennender  Weise  von  seinem  früheren  Untergebenen.
In  der  zweiten  Amtsperiode  Hills,  wo  er  anfangs  dem  Maberly  beigeordnet ­
  war,  nahmen  die  Reibungen  und  Kömpetenzkonflikte  gar  kein  Ende,
und  der  damalige  Generalpostmeister  Lord  Hardwioke,  der  anfangs  beide
versöhnen  wollte,  pflegte  nachher  oft  zu  sagen:  „There  cannot  be  two
kings  in  Bentford“.  Erst  mit  Maberlys  Abgang  hörte  dieser  ewige
Streit  auf  (1854);  doch  hatte  Hill  auch  nachher  noch  viel  Feindschaft  der
untergebenen  Postbeamten  zu  erdulden,  weil  er  bei  der  Beförderung  Befähigung ­
  und  Verdienst  allein  entscheiden  liess.  Die  Civil  Service  Gazette,
beeinflusst  von  einem  entlassenen  Postbeamten,  schrieb  oft  gehässig  von
seinen  „Ukasen“,  seinem  „Knebelungssystem“  und  von  den  „weissen  Sklaven
der  Postverwaltung“.
Als  Gladstone  Schatzkanzler  war,  hat  er  Hill  eitrigst  unterstützt,  und
bei  seinem  Tode  widmete  er  ihm  begeisternd  anerkennende  Worte.  Sein
Loos,  meinte  er,  sei  in  mancher  Hinsicht  besonders  glücklich  gewesen;  sein
grosser  Plan  sei  wie  ein  Wildfeuer  (like  wildfire)  drrrch  die  ganze  zivilisierte
Welt  gelaufen,  und  nie  sei  eine  örtliche  Erfindung  und  Verbesserung  noch
bei  Lebzeiten  ihres  Urhebers  zum  Wohl  so  ungeheurer  Massen  seiner  Mitmenschen ­
  zur  Anwendung  gekommen.
Auch  Hill  selbst  —  von  einem  Qeueralpostmeister  als  „der  König
der  Postreform“  bezeichnet  —  betrachtete  sein  Los  trotz  der  vielen
Kämpfe,  Enttäuschungen  und  Kränkungen  als  ein  sehr  glückliches, ­
  wenn  er  es  mit  den  Schicksalen  anderer  Reformer  und
Erfinder  verglich,  die  meist  vergeblich  ihre  Saaten  ausstreuten,
welche  oft  erst  ein  anderes  Zeitalter  erntete.
Und  er  hatte  zweifellos  Recht,  um  so  mehr,  da  sein  grundlegender
Reformgedanke  nicht  einmal  neu  war.  Denn  ein  wohlfeiles  Einheitsporto
für  Briefe  ohne  Rücksicht  auf  die  Entfernung  war  lange  vor  ihm  in
mehreren  Ländern  Europas  bereits  verwirklicht  gewesen,  und  die  englische
Postkommission  von  1835  hatte  schon  in  ihrem  fünften  Berichte  für  Preisverzeichnisse ­
  und  Drucksachen  Stempelpapier,  gestempelt  mit  1  oder  2  Pence,
im  übrigen  aber  Portofreiheit  empfohlen,  Stempelkuverts  waren  auch  schon
1653  in  Paris  üblich  gewesen  und  vom  Verleger  Charles  Knight  1834  für
Zeitungen  —  bei  einem  Tarif  von  1  Penny-  befürwortet  worden.  Die  aufklebbare
  Briefmarke  aber,  die  die  Durchführung  des  Pennyportos  und  der  Vorausfrankieruug
  erst  ermöglichte,  war  vom  Buchhändler  James  Chalmers
(1782—1853)  in  Dundee  erfunden  und  1834  probeweise  hergestellt  worden,  ohne
zunächst  beachtet  zu  werden  und  ohne  den  Erfinder  berühmt  zu  machen
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        XXI

Trotzdem  bleibt  Hill,  der  übrigens  später  die  Unabhängigkeit  seiner
Urheberschaft  des  Pennyportos  verteidigte,  das  grosse  Verdienst,  dass  er
zuerst  durch  wohlüberlegte  scharfsinnige  Berechnungen  die  Zweckmässigkeit
eines  Einheitsportos  planmässig  und  bewusst  wissenschaftlich  begründete,  und
dass  er  seine  Reformgedanken  in  bestimmter  Gestalt  in  ein  zusammenhängendes ­
  System  brachte  und  mit  grossen  Opfern  dafür  wirkte.
Ein  höchst  selten  verkommender  Glücksfall  war  es  gewiss,  dass  die
Schrift  Hills,  des  unbekannten  Laien,  alsbald  sieben  Auflagen  erlebte
und  in  30  000  Exemplaren  abgesetzt  wurde.  Wie  ganz  anders  erging  es  da
einem  bedeutenden  deutschen  Postreformer  in  Westdeutschland,  noch  dazu
einem  gewiegten  Eachmann,  der  1839  in  einer  Broschüre  für  nicht  minder
dringliche  Postreformen  in  Deutschland  eintrat,  aber  bei  einer  Auflage  von
1500  Exemplaren  nyr  32  Stück,  absetzen  konnte  und  die  andern  dann
schliesslich  unentgeltlich  verteilte.  Seine  weltumfassenden  weiteren  Pläne
sind  erst  a'/a  Jahrzehnte  später  zur  Geltung  gekommen,  sein  Name  aber
ist  noch  bis  heute  fast  niemandem  bekannt,  selbst  in  Fachkreisen.
Die  rege  Unterstützung,  die  Rowland  Hill  beim  englischen  Volke  fand,
hat  also  in  der  Tat  etwas  wunderbares  an  sich,  und  ich  glaube,  die  Welt
hat  Ursache,  den  Engländern  dankbar  dafür  zu  sein,  denn  es  fragt  sich
sehr,  ob  wir  heute  schon  überall  das  billige  Einheitsporto  oder  gar  die  gewaltige ­
  Schöpfung  des  Weltpostvereins  hätten,  wenn  England  die  Reform
damals  nicht  angenommen  und  durchgeführt  hätte  oder  wenn  eine  ähnliche
Reformschrift  in  einem  anderen  Lande  erschienen  wäre.  Selbst  nach  der
Einführung  des  englischen  Pennj^portos  hat  es  in  manchen  Ländern  lange
genug  gedauert,  bis  man  diesem  Beispiele  folgte.  In  Frankreich  z.  B.  8,
in  Italien  13,  in  Österreich  21,  in  Norddeutschland  28  Jahre  (1868).
Es  war  wirklich  etwas  sehr  Aussergewöhnliches;  ein  ganz  unbekannter ­
  Manu  von  42  Jahren  schreibt  als  Dilettant  eine  Reformbroschüre
über  ein  sehr  trockenes  Thema,  die  Briefposttarife;  sein  Buch  wird  nicht
nur  in  ein  paar  Hundert  Exemplaren,  wie  es  bestenfalls  heute  geschähe,
sondern  sofort  in  Zehntausenden  gekauft  und  gelesen,  das  ganze  Land  hallt
davon  wider;  er  wird  über  Nacht  berühmt;  Abgeordnete  und  Handelsstand
ermuntern  und  fördern  ihn,  inan  zieht  ihn,  den  Laien,  als  Sachverständigen
heran;  die  Volksvertretung  macht  sich  seine  Vorschläge  schnell  zu  eigen,
setzt  sie  der  Postverwaltung  zum  Trotz  durch  und  erringt  ihm,  in  dem  man
eine  bedeutende  organisatorische  Kraft  wittert,  ohne  dass  er  Abgeordneter  war,
ein  hohes,  nach  Begriffen  anderer  Länder  erstaunlich  gut  bezahltes  Staatsamt,
damit  der  rechte  Mann,  obwohl  Nichtbeamter,  auch  auf  den  rechten  Platz
komme.  Und  als  er  abtreten  muss,  da  ist  es  wieder  die  kluge  Dankbarkeit
dieses  britischen  Handelsvolkes,  die  ihm  durch  ein  grosses  Ehrengeschenk
die  materielle  Unabhängigkeit  und  die  spätere  Fortsetzung  seiner  Arbeit
ermöglicht,  und  gewerbliche  Kreise  des  Landes  bieten  ihm,  dem  ideenreichen ­
  Laien,  in  einem  andersartigen  Privatunternehmen  eine  sichere,  hochlohnende ­
  Existenz,  bis  er  zum  zweiten  Male  und  bald  mit  einem  Ministergehalt ­
  und  mit  erweiterten  Befugnissen  sein  Staatsamt  wieder  einnimmt,
um  am  Schluss  mit  einer  Nationaldotation  und  mit  hohen  Ehrungen  für
        <pb n="39" />
        sein  rastloses  Wirken  bedacht  zu  werden.  Ihm  ward  das  seltene  Glück
zuteil,  dass  er  eine  lohnende  schöpferische  Tätigkeit  in  einem  aussergewöhnlichen
  besonderen  Wissensgebiete  fand,  das  seiner  Begabung  gemäss,
das  sein  Element  war  und  das  sonst  für  den  aussenstehenden  Privatmann,
selbst  bei  gründlichsten  Kenntnissen  und  glänzendsten  Talenten,  höchstens
ein  Lnxusstudium  darstellt,  aber  wohl  kaum  ein  auskömmlicher  Broterwerb,
oder  gar  eine  Lebensstellung  werden  kann.  Es  gehörte  die  beispiellose
Schätzung  solchen  Wissens  und  Könnens  dazu,  wie  das  englische  Volk  mit
feinem  Instinkte  sie  ihm  zuteil  werden  liess,  um  solches  zu  ermöglichen
und  damit  zugleich  seine  lebendigen  erfinderischen  und  organisatorischen
Kräfte'  zur  Geltung  kommen  und  sie  der  Nation  und  der  Welt  nicht  verloren ­
  gehen  zu  lassen,  wie  es  sonst  die  Regel  wäre  und  wie  es  auch  geschehen ­
  sein  würde,  wenn  bloss  das  herbe  Urteil  der  fachmännischen  Beamten ­
  über  ihn  entschieden  hätte. 1 )
*)  Hill  selbst  nannte  sein  Los  ein  glückliches  vor  andern  Reformern  und  Erfindern. ­
  Es  bedarf  das  eigentlich  kaum  eines  weiteren  Beweises.  Aber  es  ist  von  Reiz,
hier  einmal  festzustellen,  wie  es  einigen  bekannten  anderen,  meist  erfolgreichen  Männern
ergangen  ist,  die  sich  auch  im  Verkehrswesen  reformerisch  und  erfinderisch  betätigten.
In  England  hatte  es  schon  früher  einmal  ein  Nicht  Fachmann  und  Laie,  der
Theaterunternehmer  John  Palmer  (f  1818)  zu  einer  grossen  Stellung,  nämlich  zum
Generalinspektor  (Surveyor-General)  der  Post  gebracht,  als  er  unter  dem  Widerspruch
der  Postverwaltung,  doch  von  Pitt  unterstützt,  durch  seine  Argumente  durchsetzte,
anstelle  der  Reitpost  die  viel  sichereren  und  dazu  etwas  umzubauenden  Personenpostkutschen ­
  auch  für  den  Briefverkehr  zu  benutzen  und  ihren  Gang  von  S 1 / 2  auf  6  englische
Meilen  (9,6  km)  stündlich  zu  beschleunigen.  Am  24.  August  1784  ging  die  erste  Mailcoach ­
  von  London  ab  und  brachte  es  bald  bis  auf  8  bis  10  Meilen  in  der  Stunde.
Palmer  wurde  zur  Durchführung  seiner  Vorschläge  selbst  engagiert  und  zwar  mit
einem  Gehalt  von  1500  und  2 1 / 2 °/o  Provision  von  dem  über  den  alten  Reingewinn  von
240  000  £  hinausgehenden  Uebersohuss.  Aber  die  Ersparnisse  der  Post  erwiesen  sich
als  so  gewaltig,  dass  das  Parlament  ihm  nachher  seine  Provision  nicht  mehr  bewilligen
wollte,  ihn  1792  mit  8000  £  jährlich  pensionierte  und  ihm  erst  nach  langem  Prozessieren
1813  eine  Dotation  von  50  000  £  (1  Million  Mark)  bewilligte.  Lustig  genug  war  es,  dass
bei  den  Erörterungen  seines  Planes  1788  eine  Amtsperson  ihr  Bedauern  aussprach,  dass
er  sich  vorher  „nicht  wenigstens  über  die  Natur  solcher  Geschäfte  informiert  hätte“
und  hinzufügte,  infolge  der  Bemühungen  der  Verwaltung  sei  das  Postwesen  „gegenwärtig
unbedingt  so  vollkommen,  als  es  nur  irgend  sein  könnte,  ohne  die  Einnahmen  erheblich
zu  schmälern“,
Hill  hatte  schon  von  seinem  Vater  viel  von  der  Palmerschen  Reform  vernommen,
doch  gehörte  sein  erstaunlicher  Optimismus  dazu,  um  auf  eine  ähnliche  Stellung  für
sich  zu  hoffen.
Beiläufig  erwähnt  sei  hier  nur,  dass  Krupp  1843  aus  seinem  vorzüglichen  Gussstahl ­
  die  ersten  Gewehrläufe  herstellte  und  zwei  selbstgeschmiedete  an  das  preussische
Kriegsministerium  zur  Probe  einsandte.  Aber  die  Sendung  kam  mit  dem  Bemerken
zuiück,  die  preussische  Waffe  sei  so  vollkommen,  dass  sie  keiner  Verbesserung  mehr
bedürfe  (vgl.  Blencke,  A.  Krupp,  1898,  S.  14).  Gute  Gussstahlkanonen  baute  er  seit  1847,
aber  erst  zwölf  J  ahre  später  ward  ihm  in  seinem.  Vaterlande  die  erste  grössere  Bestellung ­
  zuteil.
Selbst  Stephan,  im  Reichstage  einst  „der  deutsche  Rowland  Hill“  genannt,
der  die  wunderbare  Schöpfung  des  Weltpostvereins  ins  Leben  rief,  drang  nicht  so
schnell  durch,  wie  der  Urheber  des  Pennyportos,  obwohl  er  die  höchste  Stufe  derPostlaufbahn,
  die  Stellung  eines  Postministers,  schnell  erklommen  hatte,  freilich  von  Anfang
an  Postbeamter  und  Fachmann.  1865  entwickelte  er  in  Karlsruhe  auf  der  Postkonferenz
—  privatim  —  die  Idee  der  Postkarte,  deren  Erfinder  er  ist,  aber  ohne  Erfolg,  und  die
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        XXIII

Wenn  er  auch  nicht  auf  den  ersten  Platz  kam,  der  ihm  gebührte  —
denn  dafür  ist  das  Wissen  oder  Können  nun  einmal  nicht  entscheidend  —
er  fand  doch  seinen  festen  Punkt,  von  dem  aus  er  die  Welt  aus  den  Angeln
heben  konnte.
Denkschrift  über  einen  Allgemeinen  Postverein  wurde  schon  1868  verfasst,  führte  aber
erst  1874  zu  einem  glücklichen  Ergebnis.  Stephan  hatte  dabei  die  Macht  in  Händen,
ohne  die  selbst  die  besten  Gedanken  meist  erfolglos  bleiben.  Arx  Anerkennung  und  Ehrungen
und  Weltruhm  hat  es  ihm  nicht  gefehlt,  doch  so  reale  Zeichen  der  Dankbarkeit,  wie
Hill  sie  erfuhr,  sind  ihm  nie  zuteil  geworden,  obwohl  er  als  Vater  der  Postkarte  und
Gründer  des  Weltpostvereins  sie  mindestens  so  gut  wie  Hill  verdient  hätte.  5687
Millionen  Postkarten  wurden  1907  in  den  Ländern  des  Weltpostvereins  befördert.  Sie
bedeuten  für  die  Briefschreiber  eine  jährliche  Portoers|Darniss  (je  5  C.)  —  im  Vergleich
zum  Briefporto  (10  0.)  von  etw r a  230  Millionen  Franken  und  für  die  Postverwaltungen
eine  gleich  hohe  Einnahme.
Samuel  Morse  (1791—1872),  ein  amerikanischer  Maler,  der  Erfinder  des  genial
einfachen  Morse-Telegraphen,  wurde  dagegen  1857  auf  Anregung  Napoleons  III.  von
10  Ländern  gemeinsam  für  seine  Verdienste  mit  einer  Dotation  von  400  000  Franken
bedacht,  da  seine  Apparate  in  Euroxm  nicht  patentiert  waren.
Der  dänische  Postreformer  Michaelsen,  der  schon  1859  einen  internationalen
Postverein  anregte,  wurde  1881  vom  dänischen  Reichstag  mit  einer  Jahresdotation  von
1500,  später  2400  Kronen  —  neben  der  Pension  —  geehrt.
Der  Oesterreicher  Emanuel  Herr  mann,  der  Anfang  1869  in  Wien  in  einem
Zeitungsartikel  die  Idee  der  Postkarte  von  neuem  entwickelte  —  allerdings  zunächst
mit  einer  Beschränkung  auf  20  Worte  —  drang  schon  im  Spätherbst  1869  damit  in
Oesterreich  durch,  und  25  Jahre  später  haben  Philatelisten  eine  internationale  Sübkription
  zu  einer  Ehrengabe  für  ihn  eröffnet,  die  aber  nur  —  807  Mark  ergab  und  von
ihm  zur  Anfertigung  eines  für  die  OÖffentlichkeit  bestimmten  Bildnisses  vom  Generalpostdirektor ­
  Frh.  v.  Maly  verwandt  wurde,  der  die  Postkarte  in  Oesterreich  einführte.
Der  Erfinder  des  Kartenbriefs,  dieser  immerhin  recht  beachtenswerten  und
praktischen  Briefabart  oder  Postkartenkombination,  Dr.  Carl  Akin,  ein  Ungar,  erfuhr
lange  Jahre  hindurch  eine  völlige  Nichtbeachtung  seiner  Anregung  und,  hat  sich
schliesslich  1893  mittellos  und  im  Elend  zu  Fiume  mit  Cyankali  vergiftet.
Graf  Zeppelin,  der  Erfinder  des  lenkbaren  Luftschiffes,  hat  es  wohl  erlebt,
dass  ihm  die  Reichsregierung  mit  2150  000  Mark  seine  Aufwendungen  vergütete  und
seine  Modelle  abkauffce,  und  nach  seinem  Unfall  zu  Echterdingen  im  Sommer  1908
ist  ihm  durch  öffentliche  Sammlungen  die  unerhörte  Summe  von  6  Millionen  Mark  zugeflossen, ­
  aber  man  darf  nicht  vergessen,  dass  das  alles  erst  geschah,  nachdem  er
15-20  Jahre  allein  dagestanden,  fast  sein  ganzes  Vermögen  aufgebraucht,  alle  Bitternisse
und  Verzweiflungen  des  Erfinders  durchgekostet  hatte  und  sich  nun  endlich  durch
eigene  Kraft,  ein  Siebziger  an  Jahren,  schon  zu  nachgewdesenem  Erfolg  und  Sieg
durchgerungen  hatte.  Da  aber  heisst  es  ohnehin  stets:  Donec  eris  felix,  multos
numerabis  amicos.  Doch  Zeppelin  ging  es  noch  vortrefflich  im  Vergleich  mit  Ganswindt,
  der  schon  1883  ein  lenkbares  Luftschiff  von  150  m  Länge  und  15  m  Durchmesser
für  100  PS,  mit  14—15  m  Geschwindigkeit  in  der  Sekunde  entwarf  (in  einer  Broschüre
dargestellt).  Aber  das  preussische  Kriegsministerium  schrieb  ihm  1884  am  22.  Dezember
auf  seine  Eingabe,  eine  so  „schrankenlose“  Vergrösserung  des  Aerostaten  zur  Beseitigung ­
  des  Missverhältnisses  zwischen  Gewicht  und  Leistungsfähigkeit  des  Motors  schlösse
die  praktische  Verwertung  „wenigstens  für  militärische  Zwecke“  aus  und  solche  Längen
des  Ballons  „gingen  weit  über  das  militärische  Bedürfnis  hinaus“.  Heute  denkt  man
anders  (vgl.  Kürschners  Jahrbuch  1909,  S.  774).  Armer  Erfinder,  der  seiner  Zeit  zu  sehr
voraus  war!
Rowland.  Hill  dagegen  erfuhr  schon  von  Anfang  an  und  —  seltsam!  —  schon
in  der  Zeit,  wo  es  am  nötigsten  war,  die  tatkräftige  Hilfe  des  englischen  Volkes.  Auch
gegenwärtige  Postreformer  können  sich  in  England  nicht  beklagen.  Der  Abgeordnete
der  Stadt  Canterbury,  Henniker  Heaton,  der  1898  die  Einführung  des  Pennyportos
        <pb n="41" />
        XXIV

Dieses  Mannes,  der  zuletzt  zwar  ganz  in  seiner  Aufgabe  aufging,
aber  doch  vielseitig  veranlagt  und  gebildet  und  ein  wohlwollender,  warmherziger ­
  Mensch  war,  wollen  wir  uns  am  10.  Januar  1910  erinnern  und
seiner  sowie  seiner  Nachfolger  im  Geiste  aufs  neue  gedenken,  wenn  das
Weltpennyporto  künftig  in  Kraft  tritt.

im  Verkehr  mit  den  Kolonien  durchsetzte  und  auch  für  ein  Welt-Pennyporto  eintrat,
hat  sich  in  seinem  Vaterland©  auffallender  Ermunterung  und  Unterstützung  erfreut.
Die  halbamtliche  „Deutsche  Verkehrszeitung“  (1899,  S.  276)  schrieb  dazu:  „Dem
englischen  Volke  kann  man  nicht  nachsagen,  dass  es  seine  Männer,  welche  nach  der  allgemeinen ­
  Meinung  um  das  Gemeinwohl  in  irgend  einer  Weise  sich  verdient  gemacht
haben,  nicht  genügend  ehre.  Vor  kurzem  hat  die  Stadt  Canterbury  ihrem  Parlamentsvertreter ­
  Henniker  Heaton  wegen  seiner  Verdienste  um  die  Einführung  dos  Pennyportos
  im  Verkehr  des  Mutterlandes  mit  einem  grossen  Teil  der  britischen  Kolonien
das  Ehr  on  bür  ge  rr  echt  verliehen.  Die  Urkunde  wurde  in  einem  aus  Eichenholz
von  Canterbury  gefertigten  Kästchen  übergeben,  auf  dessen  Deckel  sich  ein  silberner
Merkur  befindet,  der  einen  Brief  mit  einer  Penny-Marke  in  der  Hand  hält.  Die  Presse
hatte  Henniker  Heaton  bei  Einführung  der  Portoreform  in  überschwänglicher  Weise
sogar  mit  Robert  Peel  und  Rowland  Hill  verglichen.“  (Siehe  auch  Archiv  f.  Post
u.  Telegr.  1899,  S.  794).  Vielleicht  wird  ihm  auch  noch  eine  Dotation  und  das  General  -
postmeisteramt  zuteil,  wer  kann  es  wissen.  Die  „schenkende  Tugend“  scheint  gross  in
Grossbritannien,  die  Blume  der  Dankbarkeit  muss  doch  wohl  von  Zeit  zu  Zeit  immer
noch  blühen,  wenn  auch  Shakespeare,  der  grosse  Brite,  in  seinem  „König  Lear“
und  „Timon  von  Athen“  in  düsterer  Schwermut  ergreifende  Klagelieder  über  die
Undankbarkeit  des  Menschengeschlechts  angestimmt  hatte,  die  anscheinend  erfahrenen
Bitternissen  des  eigenen  Lebens  entsprungen  waren.
Es  ist  von  völkerpsychologischem  Reiz,  sich  solche  Tatsachen  hier  in  Erinnerung
zu  bringen.  Denn  auch  zu  Reformen  und  Erfindungen  gehört  stets  das,  was  Thukydides
und  Montecuouli  als  den  Nervus  rerum  der  Kriegführung  hervorhoben.  Weitere  Beispiele ­
  über  das  Los  von  Erfindern  findet  man  in  meinem  Buche  „Patentgesetzgebung
und  Erfinderschicksale“  (Berlin  1906,  S.  14—28).
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        1

l

Kapitel  I.
Das  Inlandsporto  als  Auslandsporto*
„  ,  .  .  Mein  Ideal  ist,  dass  man  einen  Tarif  hätte,  gleichviel  oh
für  das  In-  oder  Ausland,  und  man  dahin  käme,  die  Sätze  des
Auslandes  auf  diejenigen  des  Inlandes  zurüchzuführen  .  .  .  “
So  sprach  am  7.  März  1885  bei  der  Beratung  des  Postetats 1 )
im  deutschen  Reichstage  kein  geringerer  als  der  Staatssekretär
Heinrich  von  Stephan,  der  Leiter  des  deutschen  Reichs-Postwesens, ­
  der  Erfinder  der  Postkarte  und  erfolgreiche  Begründer
des  Weltpostvereins,  dieser  wunderbaren  völkerrechtlichen  Einrichtung, ­
  die  den  Erdball  umspannt  und  ihn  zu  einem  einzigen
Verkehrsgebiet  mit  einem  einheitlichen  Porto  gemacht  hat.  Er
gab  damit  das  Ziel  an,  das  er  im  Tarifwesen  des  internationalen
Postverkehrs  anstrebte.  Es  war  nur  ein  folgerichtiger  Ausbau
des  von  Rowland  Hill  schon  1837  mit  Bewusstsein  ausgesprochenen
und  näher  begründeten  Gledankens,  dass  bei  der  planmässigen
Briefbeförderung  durch  die  Post  die  Entfernung  keine  beachtenswerte ­
  Rolle  spiele  und  daher  ein  einheitliches  niedriges  Porto
für  alle  Strecken  gleich  angebracht  sei.
Es  ist  jetzt  an  der  Zeit,  sich  jener  höchst  bemerkenswerten,
fast  schon  vor  einem  Vierteljahrhundert  gesprochenen,  aber  längst
vergessenen  Worte  Stephans,  der  damals  als  Verkehrsfachmann
wohl  für  die  erste  Autorität  in  der  Welt  galt  und  schon  in
seiner  „Geschichte  der  preussischen  Post“  (1859)  ein  erstaunliches
x )  Vgl.  Stenographische  Berichte  des  Reichstags,  1885,  61.  Sitzung,
Seite  1657.
        <pb n="43" />
        2

Wissen  verraten  hatte,  aufs  Neue  zu  erinnern.  Denn  die  Entwickelung ­
  drängt  immer  mächtiger  dahin,  dieses  alte  Ziel  nun
endlich  zu  erreichen.
Stephan  war  indessen  keineswegs  der  erste  und  der  einzige,
der  es  sich  steckte.  Etwa  um  dieselbe  Zeit,  „vor  23  Jahren“,
so  erzählte  der  englische  Abgeordnete  J.  Henniker  Heaton
am  12.  September  1908  in  der  „Woche“  (Nr.  37,  Berlin)  von
sich,  stellte  er  (Heaton)  im  Unterhause  den  Antrag:
„Nach  Ansicht  dieses  Hauses  ist  es  an  der  Zeit,  dass  sich  die  Regierung
des  Landes  mit  anderen  Regierungen  in  Verbindung  setzt  zum  Zweck  der
Einführung  eines  allgemeinen  Weltgroschenportos“  (Welt-Penny-Portos).
150  Mitglieder  des  Parlaments  stimmten  damals  dem  Anträge ­
  zu.
Aber  der  Gedanke,  das  Inlandsporto  ohne  jeden  Zuschlag
auch  als  internationales  Porto  gelten  zu  lassen,  ist  im  19.  Jahrhundert ­
  schon  viel  früher  öffentlich  geäussert,  näher  begründet
und  längere  Zeit  wissenschaftlich  vertreten  worden.
Im  Juli  1859  reichte  der  Expeditionssekretär  im  Generaldirektorat
  des  dänischen  Postwesens,  Joseph  Michaelsen
(geb.  1826,  gest.  1908),  seiner  Behörde  eine  Denkschrift  ein,  die
u.  a.  auch  eine  Abschaffung  der  internationalen  Portozuschläge
zum  Inlandsporto  und  eine  vollständige  Durchführung  des  Hillschen
  Gedankens  für  ganz  Europa  empfahl,  also  eine  europäische
internationale  Postunion  anregte.  Im  März  1868  wurde  sie  in
Kopenhagen  auch  in  französischer  Sprache  gedruckt 2 )  und  den
europäischen  Regierungen  sowie  den  Vereinigten  Staaten  zugestellt. ­
  1873  erschien  eine  neue  dänische  Ausgabe  der  Broschüre.
Allein  auch  diese  Anregung  war  nicht  die  erste  dieser
Art.  Schon  der  geistige  Vater  des  Weltpostvereins,  d.  h.  der
erste  Urheber  eines  bewusst  vertretenen  reifen  Planes  dafür,  der
jetzt  erneut  einer  unverdienten  langen  und  unbegreiflichen  Vergessenheit ­
  entrissene  unermüdliche  deutsche  Postreformer  Johann
von  Herrfeldt,  ein  früherer  Postbeamter  der  Thurn  und  Tasisschen
  Verwaltung,  hat  1841  in  seiner  Denkschrift:  „Grund-2
 )  „Sur  l’abolissement  des  ports  international  et  de  transit.“  —  Vgl.
auch  Madsen’s  Monographie  über  Michaelsen  in  dem  illustrierten  dänischen
Prachtwerk:  Dansk  Portrsetgallerie:  Det  Kgl.  danske  Postveesen
(Kopenhagen,  1904).
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        3

l*

lagen  zu  einem  Welt-Postverein“ 8 )  für  das  In-  und  Ausland ­
  den  gleichen  Portosatz  von  6  Kreuzern 3  4 ),  also  etwa  20  Pfennige
in  heutiger  Reichsmünze,  als  einheitliches  Pernporto  (über20Meilen,
d.  h.  150  km)  vorgeschlagen.
Doch  würde  man  immer  noch  irren,  wenn  man  nun  glaubte,
dass  bei  ihm  diese  Idee  zum  allerersten  Male  in  der  Welt  in  die  Erscheinung ­
  tritt.  Nein,  sie  wurde  hier  bloss  neu  gefunden  und  begründet, ­
  offenbar  ohne  Kenntnis  früherer  ähnlicher  Tatsachen.
Ein  gleich  hohes  Einheitsporto  für  Briefe  nach  dem  Inund
  Auslande  hat  es  nämlich  früher  bereits  einmal  gegeben;  es
war  damals  also  nicht  bloss  geplant,  es  war  vielmehr  lange  Zeit  hindurch ­
  Wirklichkeit.  In  Österreich  bestand  —  anscheinend  schon
seit  Anfang  des  18.  Jahrhunderts  —•  ein  einheitliches  Briefporto ­
  von  6  Kreuzern  für  den  einfachen  Brief  ohne  Unterschied ­
  der  Entfernung  sowohl  für  das  Inland  wie  nach
dem  Auslande. 5 )  Die  eine  Hälfte  (3  Kr.)  musste  bei  der  Aufgabe,
die  andere  Hälfte  des  Portos  (3  Kr.)  bei  der  Abgabe  entrichtet
werden.  Durch  Patent  vom  12.  Juni  1722  wurde  das  Inlandsporto ­
  dann  auf  8  Kreuzer  erhöht,  so  dass  das  Auslandsporto
(6  Kr.)  also  wohlfeiler  war.  Vom  1.  Juni  1750  ab  wurde  das
gesamte  Porto  erst  bei  der  Zustellung  erhoben  und  auch  das
Auslandsporto  auf  8  Kr.  erhöht,  ausgenommen  für  Briefe  nach
Toskana,  Mailand,  Mantua,  Tirol,  Vorderösterreich,  den  österreichischen ­
  Niederlanden  und  dem  Römischen  Reiche.  Eür  diese
blieb  das  6.  Kr.-Porto  bestehen.  Erst  im  Jahre  1810  wurde
das  Briefporto  in  Österreich,  nachdem  die  Einheitssätze  mehrfach ­
  erhöht  worden  waren,  in  ein  mehrstufiges  Entfernungsporto ­
  umgewandelt,  das  dann  noch  weiter  verschlechtert  wurde,
3 )  Näheres  u.  a.  in  der  dänischen  Broschüre:  „Suum  cuique!“  von
E.  P.  Kannik  (Kopenhagen,  1907).
4 )  1  südd.  Kreuzer  von  damals  (60  auf  1  Gulden)  war  etwa  3,5  Pf.
von  heute  wert.
B )  Näheres  in  dem  nach  amtlichen  Quellen  bearbeiteten  Buphe  von
Alois  Dessary:  „Die  österreichische  Postverfassung“  ("Wien  1848),  S.  16f.
Zum  Nachweise  dessen,  dass  auch  schon  vor  Kowland  Hill  ein  billiges
Einheitsporto  für  alle  Entfernungen  bestanden  hat,  wurde  bereits  von
Stephan  in  seiner  „Geschichte  der  preussischen  Post“  (1859,  S.  530)  auf
Dessary  ;  hingeWiesen,  doch  hat  er  die  Sätze  für  das  Ausland  nicht  besonders ­
  hervorgehoben  und  teilweise  auch  unrichtig  wiedergegeben.
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        um  erst  ein  halbes  Jahrhundert  danach  wieder  zum  Einheitstarif
(5  Kr.)  zu  führen  (1861).
Was  später  (1850)  erst  der  deutsch-österreichische  Postverein ­
  für  die  näheren  internationalen  Beziehungen  wieder  erreichte, ­
  war  also  viel  früher  schon  einmal  vorhanden  gewesen,
und  was  dann  in  grösserem  Rahmen  endlich  der  Weltpostverein
brachte,  in  gewissem  Sinne  sogar  bereits  übertroffen.  Stephans
Ideal  von  1885  war  demnach  im  18.  J  ahrhundert  schon
einmal  verwirklicht:  derselbe  Einheitssatz  für  das  Inund
  Ausland  war  in  Österreich  in  Kraft.  Heute  mühen
wir  uns  nun  damit  ab,  diesen  alten  Zustand  erst  wieder  anzustreben, ­
  jetzt  allerdings  für  den  ganzen  Erdball,  entsprechend
den  ungeheuer  erweiterten  Yerkehrsbeziehungen  unserer  Zeit.
Die  hier  angeführten  alten  Tatsachen,  die  selbst  belesenen
Fachleuten  meist  unbekannt  sind,  können  jedenfalls  nur  geeignet
sein,  unsern  Eifer  neu  anzuspornen,  um  das  neue,  alte  Ziel
wieder  zu  erreichen.
Das  Porto  des  Weltpostvereins  ist  ja  bedeutend  teurer,
als  das  Inlandsporto  der  meisten  Länder.  Es  hat  bekanntlich
folgende  Normalsätze:  für  einfache  Briefe  25  Centimes  (20,25  Pf.);
für  Postkarten  10  Centimes  (8,10  Pf.)  und  für  Drucksachen
usw.  5  Centimes  (4,05  Pf.)  für  je  50  Gramm.  In  Deutschland
werden  die  beiden  letzten  Taxen  ohnehin  auf  10  und  5  Pf.
aufgerundet,  also  um  23,4  v.  H.  erhöht.
Inländische  Briefe  kosten  bei  uns  10  Pf.,  Postkarten
5  Pf.;  in  den  Ländern  mit  der  Frankenmünze  sind  es  meist
nur  10  und  5  Cts.,  in  England  1  Penny  (8,5  Pf.)  und  ! /a  Penny
(4,25  Pf.),  in  Amerika  2  Cents  (8,4  Pf.)  und  1  Cent  (4,2  Pf.),
in  den  skandinavischen  Staaten  10  Oere  (11,25  Pf.)  und  5  Oere
(5,62  Pf.)  usw.
Das  jetzige  Weltporto  bedeutet  also  meist  einen
Zuschlag  von  100  bis  150  v.  H.  zum  inländischen  Briefporto. ­
  Dass  ein  so  stark  erhöhter  Satz  hemmend  und  verkehrseinschränkend ­
  wirkt,  ist  gar  nicht  zu  bezweifeln,  da  ein  Aufschlag ­
  von  15  Centimes  oder  10  Pfg.  auch  absolut  genommen
für  den  Durchschnittsbriefschreiber  schon  eine  ansehnliche  Portosumme ­
  darstellt.  In  Deutschland  wurde  am  1.  Juli  1906  die  Gebühr ­
  für  aussergewöhnliche  Zeitungsbeilagen  im  Post ­
        <pb n="46" />
        5

vertrieb  von  0,25  auf  0,5  Pfennig  erhöht.  Und  schon  diese
Erhöhung  um  1 /i  Pfennig  hatte  einen  erstaunlichen
Rückgang  des  Verkehrs  zur  Eolge,  wie  inan  der  Reichspoststatistik ­
  entnehmen  kann,  während  vorher  regelmässig  eine
jährliche  Zunahme  stattfand.  1905  wurden  nämlich  251,18  Millionen ­
  Zeitungsbeilagen  befördert,  1906  aber  bloss  235,54  und
1907  gar  nur  174  Millionen  oder  um  30  °/o  weniger  als
1905.  Da  die  Zeitungsbeilagen  des  EernVerkehrs  durch  ihre
vielen  Anzeigen  Angebot  und  Nachfrage  mit  Hilfe  des  Briefpostverkehrs ­
  in  Verbindung  bringen,  so  bedeutet  ihr  Rückgang
zweifellos  auch  eine  Schmälerung  des  Briefverkehrs.
Stephan  hatte  in  seiner  den  Weltpostverein  vorbereitenden
Denkschrift  über  den  „Allgemeinen  Postkongress“  vom  Jahre
1868  für  Briefe  auch  schon  einen  niedrigeren  Satz  als  den
jetzigen  vorgeschlagen,  nämlich  20  Centimes  (16,2  Pf.),  und  das
zu  einer  Zeit,  wo  das  inländische  Porto  in  vielen  Ländern
nicht  niedriger,  sondern  höher  war.
Schon  damals  ist  ihm  jedenfalls  eine  möglichste  Annäherung ­
  des  Auslandstarifs  an  den  Inlandstarif  der  meisten
Staaten  erstrebenswert  erschienen.
Aber  das  Bedürfnis  nach  wohlfeileren  Weltportosätzen  hat
sich  bald,  gar  nicht  so  lange  nach  der  Gründung  des  Weltpostvereins, ­
  in  zahlreichen  Ländern  selbst  geltend  gemacht.
Denn  deshalb  sind  ja  so  viele  neue  Sonder-Postvereine
innerhalb  des  Weltpostvereins  entstanden,  in  denen  die  vertragschliessenden
  Staaten  sich  gegenseitig  im  Wechsel  verkehr  oder
im  Grenzverkehr  das  inländische  Porto  oder  einen  ermässigten
Tarif  gestatten.  Die  Zahl  solcher  Postvereine  ist  viel  grösser,
als  allgemein  bekannt  ist. 0 )
Aus  dem  gleichen  Grunde  haben  die  Kolonialreiche  für
den  Verkehr  in  ihrem  gesamten  Besitze  einschliesslich  des  Mutterlandes ­
  oder  auch  manche  Kolonien  untereinander  grosse
Kol  onialpostvereine  gebildet. 6  7 )  Auch  nach  den  eigenen
Postanstalten  in  weniger  geordneten  fremden  Ländern  gilt  gewöhnlich ­
  das  inländische  Porto.  Der  grösste  Kolonialpostverein

6 )  Vgl.  tmten  S.  55.
7 )  Vgl.  unten  S.  46  u.  263  ff.
        <pb n="47" />
        ist  der  des  britischen  Weltreichs,  um  dessen  Zustandekommen
(25.  Dezember  1898)  der  englische  Abgeordnete  Henniker
Heaton  sich  viel  bemüht  hat.  Vorher  hatten  indessen  schon
Dänemark  und  Holland  mit  manchen  ihrer  Kolonien  einen
solchen  Postverein  gebildet,  ebenso  Italien  mit  seinen  afrikanischen ­
  Besitzungen  und  Frankreich  mit  Algier.
So  ist  heute  der  Geltungsbereich  des  Pennyportos  oder
des  ihm  sonst  ähnlichen  Inlandsportos  gegen  früher  jedenfalls
ungeheuer  ausgedehnt  worden,  vielfach  schon  über  den  ganzen
Erdball.  Es  fehlen  nur  noch  die  Brücken,  die  die  einzelnen
Ländergruppen  verbinden.
Der  Gedanke  weiterer  Weltporto  Verbilligungen  hat  weite
Kreise  ergriffen.  Teilweise  sucht  man  dem  Ziele  zunächst  durch
neue  Postvereine  näher  zu  kommen,  teilweise  geht  man  bereits
viel  weiter  und  fordert  konsequent  eine  Herabsetzung  aller
Anslandstaxen  auf  die  Inlandssätze,  ein  vollkommenes  Welt-Penny-Porto
  für  In-  und  Ausland,  ohne  Rücksicht  auf  die
Entfernung,  dem  Ideal  Stephans  entsprechend.
        <pb n="48" />
        7

Kapitel  II.
Die  Weltportobewegung  des  letzten
Jahrzehnts*
Bestrebungen  zur  weiteren  Verbilligung  des  internationalen
Portos  sind  seit  längerer  Zeit  unablässig  im  Gange,  und  Tarifherabsetzungen ­
  finden  im  Wechsel  verkehr  verschiedener  Länder
immer  von  neuem  statt.  Das  ist  ein  unleugbarer  Beweis  dafür,
dass  die  Portosätze  des  Weltpostvereins  immer  noch  als  viel  zu
hoch  und  verkehrshinderlich  empfunden  werden.
In  der  Presse  und  Yerkehrsliteratur  sowie  in  den  Parlamenten ­
  und  in  kaufmännischen  Vertretungen,  bisweilen  auch
bei  den  Postverwaltungen  selbst,  sind  die  Bemühungen  um  neue
Postvereine  und  neue  Herabsetzungen  des  Weltportos  in  der
letzten  Zeit  auffallend  rege  geworden.  Das  gilt  insbesondere
auch  von  Deutschland,  wo  eine  mitteleuropäische  Postunion  oder
vereinzelte  Postvereine  mit  Nachbarländern,  Ermässigung  des
Weltpostkarten-  und  Drucksachenportos  bis  auf  die  Normalsätze
des  Weltpostvereins  (10  und  5  Centimes,  d.  h.  8  und  4  Pf.)
und  eine  allgemeine  Umwandlung  des  Inlandsportos  zum  Auslandsporto ­
  mehrfach  gefordert  wurden.  Bisher  ist  jedoch  bloss  der
Inlandstarif  für  den  Verkehr  mit  den  deutschen  Schutzgebieten
(vom  1.  Mai  1899  ab)  sowie  zahlreichen  deutschen  Postämtern  im
Auslande  und  für  den  mit  dem  Grossherzogtum  Luxemburg  (vom
1.  Oktober  1902  ab)  durchgesetzt  worden. 1 )  *
')  Einige  nähere  Angaben  über  diese  Bestrebungen  der  letzten  Zeit
dürften  hier  am  Platze  sein.
Am  29.  Januar  1897  forderte  der  nationalliberale  Abgeordnete
-Hasse  im  Reichstage  im  Hinblick  auf  den  „unvermeidlich  kommenden
mitteleuropäischen  Zollverein“  als  Vorarbeit  dafür  ein  „mitteleuropäisches
einheitliches  Verkehrsgebiet“,  insbesondere  Anschluss  der  Schweiz
        <pb n="49" />
        Bemerkenswert  ist,  dass  schon  vor  einem  Jahrzehnt  der
,Third  Assistant  Postinaster  General“  der  Vereinigten
Staaten  von  Nord-Amerika,  wie  der  Betriebsbericht  der
amerikanischen  Postverwaltnng  für  das  Berichtsjahr  1897/98
das  Nähere  ergibt,  den  Vorschlag  machte,  die  Union  solle  mit
England,  Deutschland  und  Frankreich  Verhandlungen
wegen  Einführung  eines  Briefportos  von  2  Cents  (=  1  Penny
oder  8Y2  Pf-)  für  je  15  Gramm,  eines  „Ocean-Penny-Portos“,

und  der  Niederlande  nebst  Belgien  an  den  dentscli-österreiohisclien  Postverein,
  oline  jedoch  nähere  Vorschläge  dazu,  zu  machen.
Im  Jahre  1900  begann  eine  besondere  Bewegung  zugunsten  eines
deutsch-niederländischen  Postvereins,  aber  auch  einer  Postunion
mit  der  Schweiz.  Es  war  eine  anonyme  Broschüre  erschienen:  „Die
Frage  eines  deutsch-niederländischen  Postvereins.  Anhang:  Ein
Postverein  mit  der  Schweiz.“  (Berlin  1900/1901;  Gose  &amp;amp;  Tetzlaff).  Ihr
Verfasser  war,  wie  schon  oben  in  der  Vorrede  (S.  IV)  mitgeteilt  worden
ist  (im  Gegensatz  zu  Vermutungen  anderer  Art)  der  Autor  des  vorliegenden ­
  Buches,  der  vorher  schon  längere  Zeitungsartikel  mit  derselben ­
  Anregung  und  mit  näherer  statistischer  Begründung  veröffentlicht
hatte  (am  28.  und  29.  März  1900  in  den  „Münchner  Neuesten  Nachrichten“; ­
  am  4.  April  1900  im  „Hamburger  Fremdenblatt“,  von  wo
ein  Abdruck  in  die  „Deutsche  Wochenzeitung  in  den  Niederlanden“ ­
  am  15.  April  1900  kam,  u.  a.  m.).  Auch  die  Frage  eines  Postvereins ­
  mit  Belgien,  Dänemark  und  Luxemburg  wurde  in  der  erwähnten ­
  Schrift  gestreift.
Presse  und  Parlament  traten  der  Frage  bald  näher,  ebenso  die
deutschen  und  die  niederländischen  Handelskammern,  die  besondere  Konferenzen ­
  wegen  eines  gemeinsamen  Postvereius  abhielten.  Der  Reichskanzler ­
  Graf  Bülow  sprach  dem  Gedanken  seine  Sympathien  aus.  Am
14.  Februar  1902  und  am  28.  Februar  1903  trat  der  freisinnige  Abgeordnete
Müller-Meiningen,  am  18.  Februar  1904  der  freisinnige  Abgeordnete
Eickhoff  im  Reichstag  für  die  Idee  eines  Postvereins  mit  der  Schweiz
und  mit  Holland  ein.  Allein  die  Verhandlungen  verliefen  im  Sande.
Dagegen  trat  unerwartet  das  Grossherzogtum  Luxemburg  am
1.  Oktober  1902  wieder  in  ein  Postvereinsverhältnis  zum  Deutschen  Reich
ein,  dem  die  inländischen  deutschen  Portosätze  zugrunde  gelegt  wurden.
Einen  „mitteleuropäischen  Postverein“  befürwortete  auch
Ed.  Engel,  der  Zonentarifvorkämpfer,  in  zwei  Leitartikeln  der  „Frankfurter ­
  Zeitung“  am  2.  und  3.  Mai  1902,  wobei  er  Holland,  Belgien,
Dänemark  und  die  Schweiz  mit  dem  Deutschen  Reich  postalisch  verbinden ­
  wollte.
In  zwei  Leitartikeln  derselben  „Frankfurter  Zeitung“,  betitelt
„Die  deutschen  Weltportosätze“,  forderte  Arved  Jürgensohn  am
        <pb n="50" />
        9

einleiten. 2 )  Der  amerikanische  Generalpostmeister,  der  damals
diesen  Plan  seines  Gehilfen  noch  für  etwas  verfrüht  ansah,  hat
ihn  in  den  folgenden  Jahren  sich  bald  zu  eigen  gemacht  und
wiederholt  empfohlen.
Das  Organ  des  Weltpostvereins,  „L’Union  postale“  (1904,
No.  4,  S.  55  f.)  berichtet  darüber,  nach  dem  Verwaltungsbericht
des  amerikanischen  Generalpostmeisters  für  1901/2,  folgendermassen
  in  dem  Abschnitt  „Internationale  Portoermässigung“:

„Das  Inlandbriefporto  in  den  Vereinigten  Staaten  beträgt
2  Cents  (8,4  Pf.)  für  die  Unze  (28,3  g),  während  im  internationalen
Verkehr  5  Cents  für  die  halbe  Unze  (14,15  g)  zu  entrichten  sind.  Hiernach ­
  kann  der  Pall  eintreten,  dass  ein  Brief,  der  im  Inlande  für  2  Cents
nach  seinem  Bestimmungsort  befördert  wird,  bei  der  Versendung  nach
England  einem  Porto  von  10  Cents,  d.  i.  das  Fünffache  der  Inlandtaxe, ­
  unterliegt.
Nach  Ansicht  der  Postverwaltung  sind  die  geschäftlichen  und  gesellschaftlichen ­
  Beziehungen  des  amerikanischen  Volkes  mit  gewissen  europäischen
Völkern  in  einer  Weise  gewachsen,  dass  die  Zeit  gekommen  ist,  das  internationale
Porto  zu  ermässigen,  welches  in  seiner  jetzigen  Höhe  geradezu  einen  Hemmschuh
bilde  für  die  Entwickelung  von  Handel  und  Verkehr  zwischen  den  Vereinigten
Staaten  und  den  grossen  Handelsstaaien  Europas.
Die  Postverwaltung  befürwortet  daher  die  Anknüpfung  von  Verhandlungen
mit  Großbritannien,  Deutschland  und  Frankreich  zum  Zwecke  einer
Vereinbarung  über  die  Ermässigung  des  internationalen  Portos,  die  unzweifelhaft
einen  bedeutenden  Aufschwung  der  internationalen  Korrespondenz  und  binnen
kurzer  Zeit  nicht  nur  die  Deckung  des  durch  die  Ermässigung  entstehenden
Einnahmeausfalls,  sondern  grössere  Erträgnisse  im  Gefolge  haben  würde,  als
solche  unter  der  Herrschaft  der  jetzigen  Taxe  der  Postkasse  zufliessen.“
Diese  Anregung  ist  ja  nun  bekanntlich  in  Bezug  auf  England ­
  schon  seit  dem  1.  Oktober  1908  und  auch  in  Bezug  auf
Deutschland  am  1.  Januar  1909  verwirklicht  worden.
12.  und  14.  November  1904  eine  Ermässigung  des  anormal  hohen  deutschen
Weltpostkarten-  und  Drucksachensatzes  von  10  und  5  Pf.  auf  8  und  4  Pf.,
entsprechend  den  Normalsätzen  von  10  und  5  Centimes  im  ”W  eltpostvertrage,
und  wies  auf  die  bedenkliche  Begünstigung  des  Auslandes  und  Benachteiligung ­
  des  Inlandes  unter  dem  jetzigen  Tarif  mit  dem  Aufschlag
von  23,4%  hin.
Am  25.  Januar  1905  trat  der  Abgeordnete  Eickhoff  im  Reichstage
unter  Wiedergabe  des  Zeitungsartikels  für  diese  Anregung  ein  (beiläufig
gesagt,  ohne  Zutun  des  Verfassers).
2 )  Vgl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  (Berlin)  1899,  S.  930  und
„Deutsche  Verkehrszeitung“  (Berlin)  1899,  S.  278.
        <pb n="51" />
        10

Zu  Ende  des  Jahres  1900  wandte  sich  die  Postverwaltung
von  Neu-Seeland  an  die  übrigen  Verwaltungen  des  Weltpostvereins ­
  mit  dem  Vorschläge,  zur  Eeier  des  Beginns  des  neuen
Jahrhunderts  für  den  Verkehr  mit  Neu-Seeland  das  Penny-Porto
  einzuführen  und,  sofern  das  nicht  angängig  wäre,  wenigstens
die  aus  Neu-Seeland  eintreffenden  und  bloss  mit  einem  Penny
statt  mit  2  V 2  Pence  frankierten  Briefe  ohne  Nachtaxe  (Strafporto) ­
  zuzulassen. 3 )  Aber  bis  auf  England  und  die  englischen
Kolonien  lehnten  fast  alle  fremden  Postverwaltungen  diese  Anregungen ­
  rund  ab.  Die  Schweiz  liess  zeitweilig  wenigstens  die
neuseeländischen  Penny-Briefe  ohne  Nachtaxe  einlaufen;  Mexico
dagegen  hat  sich  anscheinend  dauernd  damit  einverstanden
erklärt  (vergl.  S.  282).
Die  Ältesten  der  Kaufmannschaft  von  Berlin  baten
den  Staatssekretär  des  deutschen  Reichspostamts  Anfang  Juni
1905  in  einer  Eingabe,  auf  dem  nächsten  Weltpostkongress  (1906)
für  eine  Ermässigung  des  Weltportos  etwa  bis  'auf  die
inländischen  Sätze  einzutreten  und  diese  vorzubereiten,  daneben ­
  aber  mit  den  Nachbarländern  (Holland,  Belgien,  der
Schweiz,  Italien)  wegen  gleicher  Übereinkommen  zu  verhandeln. 4 )
3 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Ztg."  1901,  S.  378,  und  „Archiv  für  Post
und  Telegraphie“  1902,  S.  137.
Die  „Union  postale“  (1901,  S.  62)  heht  hierzu  aus  dem  neuseeländischen ­
  Postverwaltungshericht  für  das  Betriehsjahr  1899/1900
(v.  1.  April  laufend),  das  finanziell  sehr  günstig  mit  98  000  £  Überschuss
(etwa  20  %  der  Einnahmen)  abgeschlossen  hatte,  folgendes  hervor:
„Dieser  erfreulichen  Gestaltung  des  Postbudgets  mag  der  wichtige
Beschluss  entsprungen  sein,  mit  dem  1.  Januar_1901  das  Penny-Porto
für  den  Verkehr  der  Kolonie  mit  allen  Ländern  der  Erde  einzuführen. ­
  Neu-Seeland  soll  mit  dieser  Eeform  des  „Universal  penny
postage“  am  Beginn  des  neuen  Jahrhunderts,  von  der  man  sich  in  den
Kreisen  der  Bevölkerung  eine  tiefgehende  Befriedigung  verspricht,  an  die
Spitze  der  Kulturvölker  des  Erdballs  treten.
Im  Hinblick  auf  die  ungeheure  Zunahme  des  Brief  verkehrs,  welche  die
bisherige  Herabsetzung  des  Portos  in  Neu-Seeland  (nämlich  von  2  auf  1  Penny,
kurz  vorher)  im  Gefolge  gehabt  hat,  erwartet  die  Postverwaltung  von  der  Einführung ­
  des  Welt-Penny-Portos  nach  Verlauf  weniger  Jahre  eine  solche  Steigerung
des  Brief  Verkehrs,  dass  der  unvermeidliche  Einnahmeausfall  zum  grössten  Teile,
wenn  nicht  ganz,  seine  Ausgleichung  finden  werde.“
4 )  „Berliner  Jahrbuch  für  Handel  und  Industrie“  (Bericht  der
Ältesten  der  Kaufmannschaft  von  Berlin),  Jahrgang  1905,  I,  S.  503  f.
        <pb n="52" />
        Das  englische  Parlamentsmitglied  Henniker  Heaton,  ein
unermüdlicher  Postreformer,  der  auch  mit  den  Ältesten  der
Berliner  Kaufmannschaft  konferierte,  leitete  inzwischen  eine
ähnliche  Agitation  in  England  ein.
In  einem  längeren  Artikel  in  der  „Times“  trat  er  am
10.  Oktober  1905  besonders  lebhaft  für  ein  Welt-Penny-Porto
aller  Länder  ein,  nachdem  er  am  10.  August 5 )  einen  grossen
englischen  Verein  zur  Eörderung  dieses  Gedankens  gegründet
hatte,  von  vielen  angesehenen  und,  berühmten  Männern  des
Landes  unterstützt.  Auch  in  anderen  Ländern  wurde  das
Interesse  für  diese  Sache  geweckt.
Im  Februar  1906  erschien  eine  Denkschrift  der  Ältesten
der  Berliner  Kaufmannschaft:  „Zur  Herabsetzung  des  Weltpostportos“ ­
  (Berlin  1906,  22  Seiten),  welche  die  Eingabe  vom
Sommer  1905  näher  begründete. 6 )
Am  8.  März  1906  trat  der  freisinnige  Abgeordnete  Kaempf,
der  Präsident  des  Ältestenkollegiums  der  Kaufmannschaft  von
Berlin,  im  Reichstage  bei  der  Beratung  des  Postetats  für  die
Ziele  der  Denkschrift  ein,  also  für  die  Ermässigung  der  Weltportosätze ­
  bis  auf  die  Inlandstaxen  und  für  Sonderpostvereine
mit  anderen  Ländern.
Auf  dem  Weltpostkongress  zu  Rom  (7.  April  bis  23.  Mai
1906)  lagen  verschiedene  Anträge  zur  Verbilligung  des  Weltpostportos ­
  vor.  Neu-Seeland,  leider  ziemlich  alleinstehend,
schlug  als  Briefporto  10  Centimes  (=  1  Penny  oder  8,1  Pf.),  Japan,
von  England  unterstützt,  20  Centimes  (16  Pf.)  an  Stelle  der
bestehenden  25  Centimes  für  je  15  Gramm,  vor*.  Deutschland,
Österreich,  Ungarn,  Dänemark,  Luxemburg  und  die
Schweiz  empfahlen,  was  auch  schon  1897  zu  Washington
einmal  beantragt  worden  war,  bloss  eine  Erhöhung  des  Briefgewichtssatzes ­
  von  15  auf  20  Gramm.  Dieser  Antrag  wurde
angenommen  und  auf  Vorschlag  Englands  beschlossen,  für  die
ersten  20  g  25  Centimes,  für  weitere  20  g  aber  nur  15  Centimes
5 )  Yergl.  seinen  Artikel  „Weltgroschenporto“  in  der  „Woche“  (Berlin)
1908,  12.  September  (Nr.  37).
°)  Auch  im  „Berliner  Jahrbuch  für  Handel  und  Industrie“  (Bericht
der  Ältesten  usw.),  Jahrgang  1906,  I,  S.  573—584,  ahgedruckt.
        <pb n="53" />
        an  Briefporto  zu  erheben. 7 )  Vom  1.  Oktober  1907  ab  sind  diese
Sätze  ja  in  Kraft.  In  Deutschland  werden  für  15  Centimes
(12,15  Pf.)  10  Pf.  gerechnet.  Eine  regelmässigere  Tarifierung,
also  durchweg  je  15  Centimes  für  je  20  g  erschiene  jetzt
natürlich  als  nächste  Verbesserung  ziemlich  selbstverständlich,
da  die  Zahl  der  Briefe  von  mehr  als  20  g  Gewicht  nur  gering
zu  sein  pflegt.  In  den  Vereinigten  Staaten  wurde,  bevor  man
am  1.  Juli  1885  das  einfache  Briefgewicht  von  J /2  Unze  (14,17  g)
auf  eine  Unze  (28,34  g)  —  bei  einem  Portosatze  von  2  Cents
(8,4  Pf.)  —  erhöhte,  sorgfältig  ermittelt,  dass  nur  6%  der
eingelieferten  Briefe  mehr  als  ’/a  Unze  schwer  waren. 8 )
In  der  Schweiz  waren  vor  der  Briefgewichtserhöhung  von  15
auf  250  g  nur  4,2°/o  der  Eernbriefe  über  15  g  schwer. 9 )
Im  deutschen  lleichspostgebiet  lehrten  die  amtlichen  Feststellungen ­
  vor  der  letzten  Erhöhung  des  einfachen  Briefgewichts
von  15  auf  20  g,  dass  zwar  etwa  9,5  °/o  der  internen  Briefe
(ohne  die  Ortsbriefe  natürlich,  die  250  g  wiegen  dürfen)  mehr
als  15  Gramm  schwer  waren;  aber  nur  etwa  3  Prozent  wogen
zwischen  15  und  20  Gramm. 10 )  Dieselbe  Briefgewichtserhöhung
  im  Auslandsverkehr  (vom  1.  Oktober  1907  ab)  wird
also  nur  sehr  wenigen  Briefschreibern  zugute  kommen,  auch
verhältnismässig  wohl  noch  wenigeren,  als  im  Inlande,  zumal  da
erfahrungsgemäss  die  internationalen  Briefe  bisher  im  Durch7 ­

 )  Yergl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  3906,  S.  439  f.
8 )  Yergl.  die  Zeitschrift  des  Weltpostvereins,  „L’Union  postale“,
Jahrgang  1885,  S.  235  f.  und  S.  79—82.
°)  Vgl.  L’ünion  postale  1893,  S.  21.
10 )  In  den  Artikeln  „Portoreformen  und  Reiohspostf  inanzen“
von  Arved  Jürgensohn  ln  der  „Frankfurter  Zeitung“  (Leitartikel)  vom
31.  Januar,  5.  Februar  und  23.  April  1904  (Kr.  31,  36  und  113)  findet  man
eine  genaue  Darstellung  der  Wirkungen  dieser  Briefgevvichtserhöhung  von
15  auf  20  Gramm,  auch  nach  der  finanziellen  Seite.  Es  wurde  hier  zuerst ­
  statistisch  eingehend  nachgewiesen,  dass  an  Stelle  des  amtlich  veranschlagten ­
  Einnahmeausfalles  von  4—5  Millionen  (Stephan)  oder  von
2'/o  Millionen  (v.  Podbielski)  schon  im  Jahre  1900  (die  Reform  trat  am
1.  April  1900  in  Kraft)  eine  Mehreinnahme  von  12  Millionen  Mark
eintrat.  Auf  die  amtlichen  Quellen  dafür  wird  in  dieser  Arbeit  näher  verwiesen. ­
  1902  kamen  auf  931,6  Millionen  einfache  Briefe  85,7  Millionen
doppelte  (über  20  g  schwere)  d.  h.  8,5  %.  (Genaueres  ernten  S.  135  f).  i
        <pb n="54" />
        13

schnitt  nur  10  Gramm  wogen. 11 )  Das  ist  also  ein  Grund,  recht
bald  auch  für  die  erste  Gewichtsstufe  (die  ersten  20  g)  den
Tarif  von  15  Centimes  einzuführen,  der  jetzt  erst  für  die
weiteren  15  g  gilt.  Beiläufig  gesagt,  ist  es  auch  sehr  möglich,
dass  eine  solche  Reform  bald  zu  ansehnlichen  Mehreinnahmen
führt.
Vom  15.  Dezember  1905  ab  trat  nun  auch  im  Verkehr
Englands  mit  seinen  Kolonien  einerseits  und  Ägyptens  mit
dem  Sudan  andererseits  das  1  Penny-Porto  für  Ya  Unze  bei
Briefen  in  Kraft,  an  Stelle  des  bisherigen  AVeltportos  von  2 x /a  Pence
(25  Centimes).  Das  entsprechende  ägyptische  Porto  sind
5  Milliemes  (10  Pf.)  für  je  20  g  statt  des  bisherigen  internationalen ­
  Satzes  von  10  Milliemes  (20  Pf.)
Die  ägyptische  Postverwaltung  gab  bei  dieser
Gelegenheit  —  das  ist  höchst  bemerkenswert  —  bekannt,
dass  sie  bereit  sei,  auch  im  Verkehr  mit  anderen  Ländern,
bei  Zusicherung  der  Gegenseitigkeit,  dieses  billige  Porto
einzuführen.
Italien  mit  seinen  afrikanischen  Kolonien  schloss  darauf
auch  ein  gleiches  Abkommen  mit  Ägypten  ab,  wohin  seitdem
also  das  italienische  Inlandsporto  von  15  Centesimi  (12  Pf.)  gilt.
Die  Ältesten  der  Kaufmannschaft  von  Berlin  ersuchten ­
  im  September  1900  die  deutsche  Reichspostverwaltung,
angesichts  der  so  bevorzugten  englischen  und  italienischen
Handelskonkurrenz  im  Pharaonenlande  doch  eine  gleiche  Übereinkunft ­
  Deutschlands  mit  Ägypten  zu  treffen.  Der  Antrag
wurde  jedoch  abgelehnt. *  12 )
Zu  Anfang  Juli  1906  sprach  der  englische  Generalpostmeister ­
  auf  einem  Bankett  zu  Ehren  der  in  London  versammelten
Mitglieder  der  Handelskammern  des  britischen  Reiches  die
folgenden  höchst  beachtenswerten  Worte:
u )  Vergl.  „Weithase,  Geschichte  des  Weltpostvereins“  (2.  Auflage.),
Strasshurg  1895,  S.  47.  Vielleicht  hat  dieses  Durchschnittsgewicht  sich  seit
der  Erhöhung  des  Briefgewichts  auf  20  g  auch  im  Weltverkehr  etwas  erhöht.
Die  „Deutsche  Verkehrszeitung“  (1908,  S.  624)  gibt  als  Durchschnitt
13,6g  für  einen  Brief  an,  allerdings  anscheinend  nur  für  den  deutsch-amerikanischen ­
  Verkehr.
12 )  Vgl.  „Berliner  Jahrbuch  für  Handel  und  Industrie“,  Jahrg.  1906,
I.  S.  514—516.
        <pb n="55" />
        14

„Die  Einführung  des  Pennyportos  für  die  englischen  Kolonien
(25.  Dezember  1898)  war  eine  Bevorzugung  derselben  im  besten  Sinne.  Die
Ausdehnung  auf  alle  englisch  sprechenden  Nationen  ist  nur  eine  Frage  der
Zeit  und  der  Finanzen.  Ich  habe  die  Empfindung,  dass  wir  in  nicht  langer
Zeit  mit  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  Penny-Porto  haben  werden.
Kommt  eine  solche  Vereinbarung  zustande,  so  ist  es  undenkbar,  dass  Deutschland ­
  zurücksteht,  Unsere  Postverwaltung  sollte  nicht  so  lange  warten,  bis
sie  gezwungen  wird,  von  dem  jetzigen  Tarif  abzugehen;  vielmehr  wäre  es
ihrer  würdig,  die  Initiative  zu  ergreifen.  Pennyporto  mit  Amerika  und
Aufrechterhaltung  des  jetzigen  Portos  in  Europa  ist  doch  kaum  im  Bereiche
der  Möglichkeit.“ 13 )
Der  zweite  internationale  Handelskammerkongress,
der  vom  24.  bis  27.  September  1906  in  Mailand  tagte  und  Vertreter ­
  von  Handel  und  Industrie  aus  den  meisten  Ländern
Europas  und  aus  Amerika  aufwies,  beriet  an  erster  Stelle  die
Weltportofrage  (Referenten:  Kaempf,  Henniker  Heaton,
Bodden-Brüssel  u.  a.).  Er  nahm  eine  Resolution  an,  wonach ­
  im  Interesse  der  Entwicklung  des  Welthandels  und  der
freundschaftlichen  Beziehungen  der  Völker  das  internationale
Briefporto  auf  den  Inlandssatz  (möglichst  10  Centimes)  herabzusetzen ­
  sei  und  die  Kongressmitglieder  sich  bei  ihren  Regierungen
alle  Mühe  zur  Durchsetzung  dieser  Reform  geben,  als  Vorbereitung ­
  dazu  aber  zunächst  Sonderpostvereine  mit  Nachbarländern ­
  fordern  sollten.  Diese  Resolution  sei  den  Regierungen
rrnd  Handelskammern  aller  Weltpostvereinsländer  bekannt  zu
geben. 14 )
Der  Deutsche  Handelstag  beschloss  ebenso  in  seiner
Tagung  vom  9.  und  10.  April  1907  in  Berlin  eine  Eingabe  an
den  Reichskanzler  des  Inhalts,  dass  unter  Herabsetzung  des
jetzigen  deutschen  Postkarten-  und  Drucksachensatzes  (lOundöPf.
beim  Weltporto)  auf  den  Normaltarif  des  Weltpostvereins  (10  und
5  Centimes  =  8  und  4  Pf.)  zunächst  mit  den  Nachbarländern
engere  Postvereine  abgeschlossen  werden  möchten,  um  damit
die  allgemeinere  Herabsetzung  des  Weltportos  bis  auf  die  Inlandstaxen, ­
  die  anzustreben  sei,  vorzubereiten. 15 )
ls )  „Berl.  Jahrbuch  f.  Handel  und  Industrie“  (Bericht  der  Ältesten  der
Kaufmannschaft  von  Berlin),  Jahrgang  1906,  I.  S.  517.
14 )  Ebenda,  S.  284—286  und  S.  516.
lft )  Ebenda,  Jahrgang  1907,  S.  571.  Vergl.  auch  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“
  1907,  S.  187.
        <pb n="56" />
        15

Am  27.  April  1907  trat  der  Abgeordnete  Kaempf  auch  im
Reichstage  für  diese  Beschlüsse  ein.
Endlich  beschloss  auch  der  G-esamtausschuss  des  Handelsvertragsvereins ­
  in  seiner  Sitzung  vom  25.  November  1908
nach  einem  vorausgegangenen  Vortrage  des  Verfassers  dieser
Schrift  nachstehende  Resolution:
„Der  Handelsvertragsverein  erklärt  den  heutigen  Stand  des  internationalen ­
  Portos  für  Briefe,  Postkarten  und  Drucksachen  für  dringend
reformbedürftig.  Als  Ziel  der  zu  erstrebenden  Reform  erachtet  er
unbedingt  die  Ausdehnung  der  heutigen  inländischen  Portosätze
auf  den  internationalen  Postverkehr.
Angesichts  der  an  massgebenden  Stellen  hiergegen  bestehenden  Bedenken
fiskalischer  und  anderer  Natur  erachtet  er  als  den  gegebenen  Weg  zu  diesem
Ziele  den  Abschluss  von  besonderen  Postkonventionen  mit  zunächst
einem  oder  zwei  postalisch  für  uns  wichtigen  Auslandsstaaten  und,  bei
günstigem  Ergebnis,  deren  entsprechende  Vermehrung,  um  so  zunächst  für
den  gegenseitigen  Verkehr  mit  diesen  Staaten  das  Inlandsporto  einzuführen
und  die  Wirkungen  dieser  Massnahmen  zu  erproben.  Alsdann  wäre  tunlichst
bei  dem  nächsten  Weltpostkongress  die  allgemeine  Einführung  dieser
Portosätze  zu  beantragen.
Der  Ausschuss  beauftragt  Vorstand  und  Geschäftsstelle,  im  Verein
mit  dem  Referenten  die  Präge  einer  eingehenden  Bearbeitung  zu  unterziehen
und  nach  deren  Abschluss  im  angegebenen  Sinne  bei  der  Reichsregierung
vorstellig  zu  werden,  ferner  mit  Hilfe  der  dem  H.  V.  V.  nahestehenden
führenden  wirtschaftlichen  Körperschaften  des  Auslandes  dahin  zu  wirken,
dass  auch  seitens  anderer  Länder  in  gleicher  Weise  vorgegangen  wird,
endlich  die  Unterstützung  anderer  deutscher  Interessenvertretungen  hierfür
zu  erwirken  und  das  Interesse  der  breiten  Öffentlichkeit  dafür  zu  erwecken.“
Die  Handelsvereinigungen  der  meisten  Länder  werden  sieb
inzwischen  gewiss  in  ähnlicher  Weise  des  Gedankens  eines  AVelt-Penny-Portos
  angenommen  haben.  Auch  in  der  Presse  des  Auslandes ­
  wird  zweifellos  viel  darüber  geschrieben  worden  sein.
Ich  habe  hier  natürlich  nur  über  das  berichtet,  was  mir  bekannt
geworden  ist,  ohne  Vollständigkeit  zu  beabsichtigen.
Am  1.  Oktober  1908  ist  nun  auf  Vorschlag  Englands  ein
höchst  wichtiger  neuer  Schritt  in  der  Richtung  auf  das  angestrebte ­
  Ziel  geschehen:  das  ist  das  seitdem  geltende  und  schon  erwähnte ­
  transatlantische  Ozean-Penny-Porto  im  Verkehr
Englands  mit  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika.
1  Penny  oder  2  Cents  amerikanisch  für  eine  Unze  (28,3  g) 10 )  gelten  *

W)  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1908,  S.  345.
        <pb n="57" />
        10

nun  als  Briefporto  statt  der  bisherigen  2 1 /a  Pence  oder  5  Cents  im
Wechsel  verkehr  der  beiden  wichtigsten  angelsächsischen  Handelsstaaten, ­
  die,  durch  ein  Weltmeer  getrennt,  nun  doch  einen  einheitlichen ­
  Postverein  bilden.  Während  bisher  gewöhnlich  nur
angrenzende  Nachbarländer  oder  Mutterländer  mit  den  Kolonien
solche  Postnnionen  eingingen,  vereinigen  sich  hier  zum  ersten
Male  zwei  unabhängige  grosse,  weit  entfernte  Kulturreiche  zu
einem  einzigen  Briefportogebiet.. 17 )
Frankreich  hat,  wie  gemeldet  wurde,  England  ein  ähnliches ­
  Abkommen  angeboten  (aber  15,  nicht  10  Centimes  für
französische  Briefe),  doch  hat  der  englische  Generalpostmeister
aus  finanziellen  Gründen  vor  der  Hand  abgelehnt. 18  * )  Auch  die
Schweiz  soll  für  den  Verkehr  mit  Grossbritannien  in  diesem
Sinne  tätig  gewesen  sein. 10 )
Die  englisch-amerikanische  Übereinkunft  hat  damals  zu
vielen  neuen  Anregungen  Anlass  gegeben.  Auch  für  Deutschland ­
  wurden  ähnliche  Abmachungen  mit  Amerika  sowie  auch
mit  England  empfohlen. 20 )
Die  „Verkehrs-Korrespondenz“  (Berlin,  1908,  Nr.  4
v.  11.  Juni)  schrieb  damals:
„Wir  können  garnicht  anders,  als  dem  englischen  Beispiel  bald  folgen.
Denn  unsere  Geschäfts-  und  Handelswelt  würde  sonst  dazu  übergehen,  einen
sehr  grossen  Teil  ihrer  nach  Amerika  gehenden  massenweisen  Handelsbriefe  mit
57,5  °lo  Portogewinn  (zu  8,5  statt  20  Pf.)  aus  England  absenden  zu  lassen,
zum  Nachteile  der  deutschen  Postkasse.“
Erfreulicher  und  übei'raschender  Weise  brachten  nun  die
Berliner  Zeitungen  vom  3.  Dezember  1908  die  Nachricht,  dass
17 )  Vgl.  den  Aufsatz  „Das  transatlantische  Penny-Porto“  von
Arved  Jürgensoha  in  den  „Mitteilungen  des  Handelsvertragsvereins“  1908
(20.  Juli),  8.  102—104  und  .Das  Nahen  des  Welt-Penny-Portos“  (von
demselben)  in  der  „Leipz.  Illustrierten  Zeitung“  1908,  8.  302,  20.  August.
18)  ygp  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1908,  S.  407  u.  44ö.
10 )  Ebenda,  1908,  S.  423.
20 )  Henniker  Heaton  trat  in  der  „Woche“  (Berlin)  am  18.  Juli
und  12.  September  1908  in  zwei  längeren  Artikeln  („Zur  Förderung  der
deutsch-englischen  Beziehungen“  und  „AVeltgrosohenporto“)  für  ein  deutschenglisches ­
  Penny-Porto  und  für  das  Penny-  oder  Groschen-Weltporto  ein.
Ed.  Engel  empfahl  in  der  „Frankf.  Zeitung“  („Das  billige  Weltporto“)  am
23.  August  1908  auch  ein  deutsch-amerikanisches  Übereinkommen  und  nach
und  nach  ebenso  Abkommen  mit  anderen  Ländern.
        <pb n="58" />
        17

inzwischen  auch  Deutschland  und  die  Vereinigten  Staaten
ein  gleiches  Abkommen  abgeschlossen  haben,  wonach  vom
1.  Januar  1909  ab  für  die  auf  dem  direkten  Seewege  zwischen
beiden  Ländern  beförderten  Briefe  nur  10  Pfennig  für  je
20  Gramm  oder  2  Cents  (8,4  Pf.)  für  jede  Unze  (28,34  g)  —
unfrankiert  aber  das  Doppelte  —  zu  entrichten  sind. 21 )
Dass  Frankreich  und  andere  Länder  bald  diesem  Beispiele
folgen  werden,  kann  man  für  gewiss  annehmen.  Auch  Norwegen
und  Schweden,  deren  Brief  verkehr  nach  der  Union  grösser  ist,
als  nach  allen  übrigen  Ländern,  werden  dann  sicherlich  nicht
zurückstehen  und  bald  ganz  Europa  mit  sich  ziehen.
So  ist  der  Stein  also  gut  im  Rollen  begriffen.  Aber  trotz
der  noch  vorhandenen  letzten  fiskalischen  Widerstände,  die  teilweise ­
  ihren  Sitz  in  Europa,  aber  auch  in  Südamerika  und  anderwärts ­
  haben,  wird  er  nun  sicherlich  bald  sein  Ziel  erreichen.
Denn  im  Grunde  fehlen  nur  noch  die  Brücken,  die  die  vielen
vorhandenen  grossen  Postvereine  untereinander  verbinden  sollen,
und  West-Europa  oder  Südamerika  dürfen  nicht  als  Hindernis
dazwischen  stehen,  nun  der  grosse  Ring  des  Nachrichtenverkehrs
um  den  Erdball  sich  schliessen  und  die  Welt  unter  einem  neuen
wirklichen  Einheitsporto  für  In-  und  Ausland  sich  einen  will,
das  dem  zollumwallten  Welthandel  und  der  Weltindustrie  erleichterte ­
  Beziehungen  und  neue  Märkte  schaffen,  den  fernen
Staatsbürgern  der  Mutterländer  in  fremden  Zonen  und  AVeltteilen
aber  das  Band  mit  der  Heimat  neu  knüpfen  und  die  Völker
einander  noch  näher  führen  soll.

21 )  Ausführlicheres  darüber  in  dem  Artikel  „Herabsetz.ung  des  Briefportos ­
  im  deutsch-amerikanischen  Verkehr“  in  der  halbamtlichen  „Deutschen
Verkehrs-Zeitung“  1908,  623  —  625.  Vgl.  auch  unten  S.  287—92  dieses  Buches.
        <pb n="59" />
        —  18  —

Kapitel  III.
Der  Entwickelungsgang  des  In^  und
Auslandsportos.
Am  10.  Januar  1840  trat  in  England  ein  neues,  in  der
ganzen  Welt  Aufsehen  erregendes  Briefporto  in  Kraft:  das
Pennyporto  Rowlands  Hills.
Vorher  bezahlte  man  für  Briefe  mindestens  4  Pence  (bis
zu  15  engl.  Meilen)  und  mit  zunehmender  Entfernung  stets  1  d
mehr,  bis  zu  17  Pence  als  Höchstsatz.  Es  gab  damals  (1812  bis
1839)  vierzehn  Entfernungszonen,  die  nach  der  Länge  der  Poststrassen ­
  berechnet  wurden.  Man  hatte  auch  kein  festes  Briefgewichtsmass
  für  das  einfache  Porto,  sondern  musste  die  eben
erwähnten  Portosätze  für  jeden  eingelegten  Briefbogen  entrichten. ­
 1 )  Durchschnittlich  kam  damals  ein  inländischer  Brief
etwa  auf  7  Pence  zu  stehen.
Das  neue  Hillsche  Porto  von  einem  Penny  (8^2  Pf.)  aber
galt  ohne  jede  Rücksicht  auf  die  Entfernung  für  jeden
frankierten  Brief  bis  zu  einer  halben  Unze  (14,17  g)  Gewicht,
auch  für  die  allerweitesten  Strecken  des  Landes,  sofern  der  Bestimmungsort ­
  nur  eine  Postanstalt  besass.
b  Ein  einfacher  Brief,  mit  einem  Briefbogen,  kostete  bis  zu  15  engl.
Meilen  (24  km)  4  cl,  aber  ein  doppelter,  mit  2  Briefbogen,  8  d,  ein  dreifacher
12  d  (=  1  Schilling),  und  ein  Brief  von  mehr  als  1  Unze  (28,34  g)  Gewicht
1  s  4  d  (=  1  M  36  Pf.).  Briefe  der  weitesten  Entfernungszone  (über  700  engl.
Meilen  =  1120  km)  stellten  sich  einfach  auf  1  s  5  d,  doppelt  auf  2  s  10  d,
dreifach  4  s  3  d  und  bei  mehr  als  1  Unze  Gewicht  auf  5  s  8  d  (=  5  M  42  Pf.).
Die  Schalterbeamten  hatten  mit  dem  Beschnüffeln  der  Briefe  in  Bezug  auf
die  Briefbogenzahl  viel  zu  tun.  In  Schottland  gab  es  nur  drei  Entfernungszonen ­
  und  drei  Arten:  einfache,  doppelte  und  über  1  Unze  schwere  Briefe.
In  Irland  war  letzteres  ebenso,  doch  gab  es  da  mehr  Zonen.  (Yergl.  „Archiv
für  Post  und  Telegraphie“  1905,  S.  780,  eine  Wiedergabe  des  Buches  von
J.  G.  Hendy,  The  History  of  the  early  Postmarks.  London.)
        <pb n="60" />
        19

2*

Wenn  der  Hillsche  Grundgedanke  eines  von  der  Entfernung ­
  unabhängigen  Einheitsportos  auch  nicht  neu  war,  er
war  in  seiner  bewussten  wissenschaftlichen  Begründung  und
seiner  besonderen  Ausgestaltung  mit  Hilfe  der  aufklebbaren
Briefmarken  doch  eine  epochemachende  postalische  Neuerung
jener  Zeit,  wo  das  Postwesen  noch  allenthalben  in  fiskalischen
Eesseln  lag  und  an  verworrener  Zweckwidrigkeit  oft  nichts  mehr
zu  wünschen  übrig  liess.
Ein  Land  nach  dem  anderen  folgte,  wenn  auch  zögernd,
dem  englischen  Beispiel,  bald  früher,  bald  später.  East  überall
wurde  an  Stelle  der  komplizierten  vielstufigen  Entfernungstarife
ein  einfaches  billiges  Einheitsporto  eingeführt.  Ebenso  wie  der
Penny  in  England,  so  wurde  auch  anderwärts  eine  entsprechende
wohlfeile  kleine  Geldsumme  oder  kleine  Münze  zum  Portosatz  gewählt, ­
  z.  B.:  10  Centimes  (8,1  Pf.)  in  verschiedenen  Ländern  mit
der  Frankenwährung;  5  Kreuzer  (8,5  Pf.)  in  Österreich  und
Ungarn;  1  Silbergroschen  oder  10  Reichs-Pfennige  in  Deutschland; ­
  10  Oere  (11,25  Pf.)  in  Schweden  und  Norwegen;  5  Cents
(8^2  Pf.)  in  Holland;  3  Cents  und  später  2  Cents  (8,4  Pf.)  in
Nordamerika.  Manche  Länder  setzten  allerdings  auch  etwas
höhere  Taxen  und  sind  erst  später  oder  zum  Teil  selbst  heute
noch  nicht  auf  den  dem  Penny  am  nächsten  kommenden
niedrigen  Satz  heruntergegangen,  während  andere,  besonders  in
Ostasien,  ihn  bereits  weit  unterboten  haben.
Wenn  hier  in  weiterem  Sinne  von  einem  Pennyporto ­
  in  allen  Ländern  der  Erde  die  Rede  sein  wird,  so
wird  damit  natürlich  nur  an  das  in  jedem  Lande  jeweilig
vorhandene  billige  Einheitsporto  für  das  Inland  gedacht,
das  dem  englischen  Pennyporto,  nur  in  andere  Wertverhältnisse ­
  und  Münzsorten  übersetzt,  am  nächsten
kommt.  Und  wenn  weiter  auch  von  einem  Welt-Pennyporto
  oder  internationalen  Pennyporto  gesprochen  wird,  so
ist  damit  gemeint,  dass-jenes  wohlfeile  Inlandsporto  der
verschiedenen  Staaten  oder  doch  ein  dem  Pennywert
annähernd  gleicher  Portosatz  zum  internationalen
Weltporto  gemacht  werden  soll.  In  noch  weiterem
Sinne  wird  dann  unter  dem  internationalen  oder  Welt-Pennyporto
  überhaupt  das  gesamte  wohlfeile  inländische
        <pb n="61" />
        20

Briefpostporto  (für  Briefe,  Postkarten,  Drucksachen  usw.)  in
seinen  Grundzügen  verstanden,  sofern  es  auch  im  internationalen
Verkehr  zur  Geltung  kommt.  Denn  mit  der  Ermässigung  des
Auslandsportos  für  Briefe  etwa  bis  auf  den  inländischen  Satz
wird  in  der  Regel  früher  oder  später  auch  eine  Ermässigung
der  Taxen  für  Karten,  Drucksachen  usw.  verknüpft  sein,  da
diese  verschiedenen  Briefkategorien  in  einem  gewissen  Verhältnis ­
  in  Bezug  auf  die  Portohöhe  zu  stehen  pflegen  und  die
Änderung  der  einen  Kategorie  auch  eine  entsprechende  Änderung ­
  der  anderen  fordert.
Erst  das  inländische  Einheitsporto,  ohne  Rücksicht  auf  die
Entfernung,  wie  es  seit  Rowland  Hills  Pennyportoreform  auch  in
den  anderen  Ländern  Eingang  fand,  hat  nachher  auch  ein  internationales ­
  Einheitsporto,  wie  es  im  AVeltpostverein  verwirklicht
wurde,  ermöglicht.
Die  Idee  eines  Weltpostvereins,  der  die  ganze  Erde  umfasst, ­
  wurde  schon  1841  mit  vollem  Bewusstsein  entwickelt.  Doch
ehe  sie  zur  vollen  Entfaltung  kam,  erlebte  sie  mancherlei  Vorstufen ­
  teilweiser  Verwirklichung  in  engerem  Rahmen.
Am  1.  Juli  1850  trat  der  Deutsch-Österreichische
Postverein  ins  Leben,  dem  17  Postverwaltungen  angehörten,
darunter  auch  die  dänischen  Lande  Holstein-Lauenburg,  ferner
Luxemburg  und  Thurn  und  Taxis.  Venetien  und  die  Lombardei
(heute  zusammen  48  938  qkm  mit  7,8  Millionen  Menschen)  gegehörten
  damals  als  österreichische  Provinzen  mit  dazu,  bis  1866,
während  Bosnien  und  die  Herzegowina  erst  nach  1878  hinzukamen
(Elsaß-Lothringen  als  Deutsche  Reichslande  1871).  In  Wirklichkeit ­
  war  dieser  Verein  von  so  vielen  unabhängigen  fremden
Staaten  —  die  deutschen  Einzelstaaten  waren  damals  doch  ganz
ungebunden  und  fi’ei  dastehende  souveräne  Länder  —  tatsächlich
ein  internationaler  mitteleuropäischer  Postverein,  nicht
bloss  ein  deutscher  Postverein.  Im  Gegensatz  zu  dem  wesentlich
davon  verschiedenen  Schweizerischen  Postverein  von  1849,
der  die  bisher  selbständigen  16  verschiedenen  Postverwaltungen
der  zahlreichen  Kantone  (22  an  Zahl)  durch  eine  gemeinsame
Bundespost  vereinigte,  blieben  im  Deutsch-Österreichischen  Postverein ­
  die  einzelnen  Postverwaltungen  selbständig  und  bildeten
nur  für  den  Wechselverkehr  ein  einheitliches  Postgebiet  mit
        <pb n="62" />
        21

gleichen  Verwaltungsgrundsätzen,  die  zum  Teil  vorbildlich
blieben  für  den  genau  25  Jahre  später  ins  Leben  tretenden
Weltpostverein. 2 )  Das  Porto  behielt  schon  1850  stets  ungeteilt ­
  der  absendende  Staat,  der  Transit  durch  fremde  Gebiete
(im  Verein)  wurde  ohne  besondere  Verträge  allgemein  gestattet
und  war  für  das  Publikum  unentgeltlich,  während  die  Verwaltungen ­
  ebenso,  wie  später  der  Weltpostverein,  die  Transite
verrechneten  und  vergüteten.
In  einem  Punkte  freilich  blieb  der  Verein  von  1850,  dem
der  ältere  Zollverein  vielfach  zum  Muster  gedient  hatte,  noch
lange  Zeit  rückständig:  das  war  das  Porto.  Denn  nicht  ein  ganz
wohlfeiles  Einheitsporto,  sondern  ein  dreistufiges  Entfernungsporto ­
  wurde  bei  seiner  Entstehung  eingeführt  und  lange  Jahre
beibehalten,  nämlich;  für  je  ein  Zollot  (16 2 /s  g)  bis  zu  10  Meilen
(75  km)  1  Silbergroschen  oder  3  alte  Kreuzer  ( 3 /oo  Gulden),  über
10  bis  zu  20  Meilen  2  Silbergroschen  oder  6  alte  Kreuzer,  über
20  Meilen  3  Silbergroschen  oder  9  alte  Kreuzer.
Erst  Ende  1861  ging  Österreich  im  Innern  zum  Einheitsporto ­
  von  5  Kreuzern  und  ei’st  1868  (am  1.  Januar)  der  Korddeutsche
  Bund  zum  einheitlichen  Porto  von  1  Silbergroschen
(10  R.-Pf.)  über,  während  die  Einheitstaxe  in  Russland  bereits
1844,  in  Erankreich  1848  (vom  1.  Januar  1849  ab),  in  Dänemark ­
  1850,  in  Spanien  1854,  in  der  Schweiz  1862,  in  Italien
1863  eingeführt  wurde,  wobei  allerdings  nicht  gerade  auch  stets
der  billige  Satz  Englands  von  8  Pf.  durchdrang.
Am  1.  Juli  1875  trat  dann  der  „Allgemeine  Postverein“
ins  Leben,  der  sich  nach  dem  Pariser  Weltpostvertrag  vom
1.  Juni  1878  (in  Kraft  vom  1.  April  1879  ab)  gemäss  dem
Artikel  1  fortan  amtlich  „Weltpostverein“  (Union  postale
universelle)  nannte,  entsprechend  einem  Antragfe  des  spanischen
Delegierten  Kavasques,  mit  Rücksicht  auf  die  bereits  erfolgte
Ausbreitung  des  Vereins  über  alle  fünf  Erdteile.  In  Wirklichkeit ­
  ist  dieser  Name  („Weltpostverein“)  freilich  schon  37  Jahre
älter  und  nicht  erst  damals  erfunden  worden.
2 )  Vgl.  Stephan,  G-eschichto  der  preußischen  Post  (Berlin  18ö9),
S.  Ö39  und  641.
        <pb n="63" />
        22

Die  Länder  dieses  Vereins  „bilden  für  den  gegenseitigen
Austausch  von  Briefsendungen  zwischen  ihren  Postanstalten
ein  einziges  Postgebiet“  (Art.  1),  „gewährleisten  sich  im  gesamten ­
  Vereinsgehiet  die  Freiheit  des  Transits“  (Art.  2)  —  die
gegenseitige  Erstattung  der  Transitbeförderungskosten  natürlich
Vorbehalten  —■  und  erheben  ohne  Rücksicht  auf  die  Entfernung
ein  einheitliches  Briefporto  zum  Normalsatz  von  25  Centimes ­
  (20,25  Pf.)  für  frankierte  Briefe, 8 )  10  Centimes
(8,1  Pf.)  für  Postkarten  und  5  Centimes  (4,5  Pf.)  für  je
50  g  Drucksachen  usw.
Die  Entrichtung  der  Transitgebühren  geht  das  Briefe  versendende ­
  Publikum  nichts  mehr  an,  sondern  nur  die  Verwaltungen, ­
  die  diese  Ausgaben  schon  zu  den  Gesamtbeförderungskosten ­
  des  allgemeinen  Dienstes  ebenso  hinzurechnen
müssen,  wie  etwaige  besondere  Mehrkosten  auf  unrentablen  inländischen ­
  Strecken.
Die  Einheitlichkeit  des  Portos  im  Weltpostverein  ist  insofern ­
  allerdings  durchbrochen,  als  beim  Verkehr  über  besonders
lange  Seetransitstrecken  selbst  jetzt  noch  ein  Zuschlagsporto
(25  Centimes  bei  Briefen,  5  Centimes  bei  Postkarten  und  5  Centimes ­
  für  je  50  g  Drucksachen)  vom  absendenden  Staate  erhoben
werden  darf  (Art.  5,  §  2,  1).  Die  südamerikanischen  Länder
und  manche  andere  machen  von  dieser  Befugnis  ausgiebig  Gebrauch, ­
  so  daß  von  da  nach  Europa  z.  B.  doppelt  so  viel  bezahlt
wird  wie  von  Europa  dahin.
Es  verlohnt  wohl  der  Mühe,  an  einigen  Beispielen  zu
zeigen,  was  die  Errungenschaft  des  Weltpostvereins  und  seiner
mäßigen  einheitlichen  Taxen  für  den  Verkehr  bedeutete.
In  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  pflegte  man  noch
mit  allen  Staaten  nach  mühsamen  Verhandlungen  gesonderte
einzelne  Verträge  über  das  Durchzugsrecht  und  die  Transitgebühren ­
  abzuschliessen.  Es  war  dabei  Regel,  dass  jeder  Brief,
s )  Bis  1878  wurde  den  Verwaltungen  jedoch  als  Übergangsmassregel
ein  Spielraum  zwischen  20  und  32  Centimes  für  je  15  g.  gelassen;  Postkarten
sollten  die  Hälfte  der  Brieftaxe  entrichten,  Drucksachen  7  Centimes  für  je
50  g,  doch  mit  Gestattung  einer  Abweichung  nach  oben  oder  unten  zwischen
5  und  11  Centimes.
        <pb n="64" />
        23

der  ein  fremdes  Land  passierte,  dort  ein  Transitporto,  meist  dem
hohen  inländischen  Porto  gleichkommend,  zn  bezahlen  hatte  und
die  beteiligten  Verwaltungen  jede  einzelne  Sendung  umständlich
verrechneten  und  beglichen.
Um  1833  kostete  ein  Brief  von  Berlin  nach  Verona  (Oberitalien), ­
  der  6V2  Tage  unterwegs  war,  über  Österreich  noch  14 x /2
und  über  Bayern  17^2  Silbergroschen  (1  M  75  Pf.).  Ein  inländischer ­
  Brief  in  Preussen  von  Aachen  bis  Memel  zahlte
18  Sgr.  (1824-1844).
Seit  1844  stellte  sich  ein  Brief  von  Berlin  nach  Wien  auf
6V2  Sgr.  (vorher  ll 1 /*),  und  von  Köln  nach  Wien  oder  Triest
auf  7 8 /4  Sgr.  (früher
Das  Transitporto  durch  Österreich  betrug  für  preussische
Briefe  nach  Italien  12  Kreuzer  (vorher  20—24  Kr.).
Ein  einfacher  Brief  von  Berlin  nach  London  zahlte  noch
1840  insgesamt  27 a /a  Sgr.  (2  M  75  Pf.),  wovon  allein  18  Sgr.
auf  das  englische  Porto  kamen.  Denn  England  hielt  trotz  des
Pennyportos  im  Innern  an  einem  teuren  Differentialporto  für
ausländische  Briefe  noch  lange  fest.
Briefe  aus  überseeischen  Ländern  nach  Europas  Kontinent,
die  mit  Porto  belastet  über  London  gingen,  wurden  vom  Londoner ­
  Postamt  nicht  weiter  gesandt,  sondern  die  englische  Post
schickte  z.  B.,  wenn  ein  Brief  aus  Rio  de  Janeiro  für  Berlin
eintraf,  zunächst  nur  einen  Kotizzettel  an  das  Postamt  in  Berlin,
dass  ein  solcher  Brief  eingegangen  und  das  noch  unbezahlte
Porto  erst  auszulösen  sei.  Der  Berliner  Adressat  musste  daher
erst  an  einen  Handelsfreund  in  London  schreiben,  was  wieder
2  M  75  Pf.  Porto  kostete  und  4 x /2  Tage  dauerte,  und  diesen
zur  Einlösung  beauftragen  oder  bevollmächtigen. 4 )
1844  kostete  ein  Brief  von  Berlin  nach  London  immer
noch  24 x /2  Sgr.,  seit  dem  preussisch-englischen  Vertrage  von  1846
aber  „bloss“  10  Sgr.  (l  M)  oder  12  d  (1  Schilling),  wobei  4  d
auf  das  preussische,  6  d  auf  das  englische  Porto  (mit  dem  Seeporto) ­
  und  2  d  auf  das  Transitporto  (über  Hamburg  oder  Belgien
oder  Holland)  fielen.  1850  sank  das  Gresamtporto  auf  7  Sgr.  (8  d).

4 )  Vgl.  Stephan,  Geschichte  der  preussisohen  Post  (1859),  S.  608.
        <pb n="65" />
        —  24  —

Am  15.  Dezember  1848  wurde  das  Seeporto  zwischen  England ­
  nach  Amei’ika,  das  auch  deutsche  Briefe  zahlen  mussten,
von  1  Schilling  (10  Sgr.  =  1  M)  auf  8  Pence  (ß 3 /*  Sgr.)  ermässigt,
  so  dass  ein  Brief  aus  Preussen  über  England  bis  zur
amerikanischen  Küste  nur  noch  16 8 /i  Sgr.  (statt  20  Sgr.)  zu  bezahlen ­
  hatte.
Ein  Brief  von  Aachen  nach  Tobolsk  (Sibirien)  stellte  sich
1841  noch  auf  4  M  55  Pf.,  seit  Ende  1851  aber  nur  noch  auf
60  Pf.  (6  Sgr.),  da  seit  Mitte  1850  im  Deutsch-Österreichischen
Postverein  das  Höchstporto  auf  30  Pf.  sank  und  das  russische
auch  nicht  mehr  betrug.
Die  mitteleuropäischen  Länder,  die  diesen  Verein  bildeten,
hatten  also  im  Vergleich  mit  dem  übrigen  internationalen  Verkehr ­
  für  ihre  gegenseitigen  Beziehungen  mit  dem  dreistufigen
Porto  und  dem  Wegfall  aller  Transit-Abrechnung  um  den
einzelnen  Brief  für  das  ganze  Gebiet  schon  einen  großen  Fortschritt ­
  erzielt.
Natürlich  suchte  man  auch  in  der  Folgezeit  den  Auslandsverkehr ­
  zu  verbilligen  und  zu  vereinfachen.  Da  das  einfache
Briefgewicht  und  das  Gewichtsmass  sehr  verschieden  waren,  so
gab  es  auch  hierin  eine  grosse  Buntscheckigkeit.
Die  Briefportotaxen  im  Weltverkehr  waren  hoch,  und  in
Deutschland  allein  gab  es  nach  den  32  Ländern,  die  nachher
den  Pariser  Weltpostvertrag  von  1878  Unterzeichneten,  noch
55  verschiedene  Portosätze.
Bevor  der  „Allgemeine  Postverein“  ins  Leben  trat  (am
1.  Juli  1875),  zahlte  man  noch  für  einen  frankierten  Brief
aus  Deutschland;
nach  Frankreich  ......  30  Pf.  für  je  10  g  (also  60  Pf.  für  20  g);
nach  England  oder  den  Vereinigten ­
  Staaten  (über
Hamburg  oder  Bremen  .  .  25  „  „  „  15  „  (  „  50  „  „  20  „);
nach  Peru  (über  Hamburg)  .  .  100  „  „  „  15  „  (  „  200  „  „  20  „);
(über  England  oder  Frankreich)  120  „  „  „  15  „  (  „  240  „  „  20  ,,);
aus  England  nach  Bolivien:  1  sh  6  d  für  je  '/a  Unze  (außer  dem  Nachporto ­
  in  Bolivien);
        <pb n="66" />
        25

aus  Russland  nach  Cochinchina:  75  Kopeken;
aus  Österreich  nach  der  Republik  Honduras:  84  Kreuzer;
airs  Italien  nach  Argentinien  oder  Uruguay  (über  Belgien):  2,40  Lire.
Selbst  eine  Postkarte  aus  Belgien  nach  Peru  stellte  sich
damals  auf  1,50  Franken. 5  * )
Mit  dem  einheitlichen  Porto  des  Weltpostvereins  von
25  Centimes  für  je  15  g  (seit  dem  1.  Oktober  1907:  25  C.  für
20  g  und  15  0.  für  je  weitere  20  g)  ist  also  gegen  früher  eine
gewaltige  Vereinfachung  und  Verbilligung  geschaffen  worden.
Und  nahezu  der  ganze  Erdball  nimmt  an  ihr  teil.
Bis  auf  die  eigene  Post  des  Chinesischen  Reiches  (vgl.
S.  297  f.),  ferner  bis  auf  die  kleinen  Himmalayastaaten  Nepal  und
Bhutan,  bis  auf  Afghanistan, 0 )  Oman  und  das  unabhängige
Arabien,  die  noch  unorganisierten  Gebiete  Mittelafrikas  und
Marokko  (vgl.  S.  292  f.)  sind  gegenwärtig  ja  alle  Länder  der
großen  W  eltpostunion  angeschlossen.
Abessinien  (Äthiopien)  •—  800  000  qkm  mit  8  Millionen
Einwohnern  —  hat  im  August  1908  diplomatisch  seinen  Beitritt ­
  zum  Verein  erklärt  und  ihn  am  1.  November  1908  dann
vollzogen. 7 )
Die  grossartige  Entwicklung  des  Weltpostvereinsgebietes ­
  und  seiner  Bewohnerzahl  ersieht  man  aus  den
nachfolgenden  abgerundeten  Zahlen  (in  Millionen):
Ende  1875:  37  Mill.  Quadratkilometer  mit  350  Mill.  Menschen,
nämlich:  ganz  Europa  nebst  Island  und  Russisch-Asien,  die  ganze
Türkei,  Ägypten,  Teile  Nordafrikas  (Algerien),  die  Vereinigten
Staaten  von  Nordamerika  mit  Alaska.  22  Länder.

5 )  Vgl.  „L’Union  postale  universelle.  Sa  fondation  et  son  developpment“.
  (Von  Hubert  Krains.)  Lausanne  1900,  S.  21  u.  22.
°)  Eine  Briefpost  und  Freimarken  sowie  ueuerdings  auch  Briefkasten
bestehen  zwar  in  Afghanistan,  doch  der  Verkehr  mit  dem  Weltpostverein
wird  bloss  durch  einen  Agenten  in  Indien  (Peschawar)  vermittelt,  der  die
Weiterfrankierung  besorgt.  (Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1907,  8.381.)
7 )  Vgl.  „L’Union  postale“,  1008,  S.  127  u.  192.  —  Näheres  über  das
abessinische  Postwesen,  seine  Freimarken  und  Portotarife  findet  man  ferner
im  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1908,  S.  420—422,  einiges  auch-  in
■der  „Deutschen  Verkehrs-Zeitung“  1906,  S.  373  f.
        <pb n="67" />
        26

Ende  1879:  76  Mill.  Quadratkilometer  mit  768  Milk  Menschen.
Es  waren  u.  a.  hinzugekommen:  Persien,  Britisch-Indien,  Japan,
Kanada,  Mexiko,  Brasilien,  Argentinien,  Peru.  Der  Pariser  Vertrag ­
  von  1878  wurde  ratifiziert  von  38  Ländern.
Ende  1900:  102  Mill.  Quadratkilometer  mit  1075  Mill.  Menschen.
Es  traten  u.  a.  bei:  der  Kongostaat  1886,  Australien  1891,  Südafrika ­
  1892  —  1895,  Korea  1900.
Ende  1907:  114  Mill.  Quadratkilometer  mit  1151 8 )  Mill.  Menschen
(ohne  Abessinien).  (Etwa  135  Länder  oder  Postgebiete.) 8a )
So  ist  also  fast  der  ganze  bewohnte  Erdball  dem  Weltpostverein ­
  schon  angeschlossen  bis  auf  die  vorhin  erwähnten  Länder.
Nach  Hübners  statistischen  Tabellen  für  1908  wird  die  gesamte
bekannte  Landfläche  des  Erdballs  auf  144,54  Mill.  Quadratkilometer ­
  mit  1554  Mill.  Bewohnern  geschätzt.  Davon  kommen
11,18  Mill.  Quadratkilometer  noch  auf  unbesetzte  Polargebiete,
11,13  Mill.  Quadratkilometer  auf  China  (mit  330  Mill.  Menschen),
2,28  Mill.  Quadratkilometer  auf  das  unabhängige  Arabien,  6  Mill.
Quadratkilometer  auf  das  unabhängige  Afrika  (mit  der  Sahara)  usw.
Wenn  wir  nun  bedenken,  das  dass  Briefporto  des  Weltpostvereins, ­
  obwohl  gegen  das  früherer  Epochen  äusserst  wohlfeil, ­
  seit  1875  im  wesentlichen  doch  unverändert  geblieben ­
  ist,  so  kann  uns  das  allerdings  nachdenklich  stimmen.
Denn  welche  ungeheure  Entwicklung  von  Industrie  und  Handel
weisen  gerade  die  letzten  30  Jahre  auf!  Welche  Erleichterung
des  Verkehrs  infolge  der  verbesserten,  neu  erfundenen  und  vermehrten ­
  technischen  Verkehrsmittel!  Welche  Zunahme  der  allgemeinen ­
  Schulbildung  und  Abnahme  der  Analphabeten!  Welche
Ausbreitung  und  Verdichtung  der  Postanlagen  und  des  Weltverkehrs! ­
  Auch  den  unteren  Volksklassen  ist  jetzt  die  früher
so  teure  Briefpost  zugänglich  geworden.  Die  fortgesetzten  Portoverbilligungen ­
  haben  natürlich  besonders  viel  dazu  beigetragen.
1840  sank  das  englische  Briefporto  (bisher  4—17  d)  auf
1  Penny  (72  Unze,  später  1  Unze,  seit  1897  4  Unzen);  am
8 )  Nack  Hübners  geographisch-statistischen  Tabellen  für  1908,  wo
vermutlich  neuere  Volkszählungen  und  Berechnungen  mit  herangezogen
sind  als  in  jenen  Zahlen  des  Berner  Bureaus,  kommen  etwa  1200  Millionen
Menschen  heraus  (vgl.  S.  95  ff.).
8a )  Die  neuste  amtliche  Angabe  (mit  Abessinien)  für  Ende  1908,  die
mir  aber  zu  spät  zuging,  ist:  114  305  700  qkm  und  1  166  685  844  Menschen,
136  Postverwaltungen.
        <pb n="68" />
        27

1.  Januar  1849  das  französische  (vorher  20—120  Centimes
für  7 1 /2  g)  einheitlich  auf  20  Centimes,  dann  eine  Zeitlang  auf
25  Centimes,  vom  1.  Mai  1878  ab  auf  15  Centimes  (15  g),  vom
16.  April  1906  an  auf  10  Centimes;  das  österreichische
Porto  (2—14  Kr.  C.  M.  in  7  Zonen)  wurde  am  1.  August  1842
zweistufig  (6  und  12  Kr.),  1850  für  den  Postverein  3,  6,  9  Kr.
(dreizonig),  1861  einheitlich  5  Kr.;  das  preussische  Briefporto
(seit  1824  in  21  Zonen  1  —  19  Sgr.)  sank  1844  auf  acht  Sätze
von  1—6  Sgr.,  1850  auf  drei  Stufen:  1,  2,  3  Sgr.,  1868  auf
1  Sgr.  (10  R.-Pf.)  im  Norddeutschen  Bunde  und  nachher
ebenso  im  Deutschen  Reiche  (15  g,  seit  April  1900  20  g);
und  das  Auslandsporto  im  Weltpostverein  stellte  sich  vom
1.  Juli  1875  ab  etwa  auf  25  Centimes  oder  20 1 /i  Pf-  Dazu  kam
Ende  1869  die  Postkarte  auf;  in  Österreich  2  Kr.  (jetzt  5  h);
in  England  Ya  d;  in  Frankreich  anfangs  15  Centimes,  seit  1878
dann  10  Centimes,  und  erst  1906  5  Centimes;  in  Deutschland
anfangs  10  Pf.,  dann  5  Pf.;  im  Auslandsverkehr  bald  einheitlich
10  Centimes  oder  10  Pf.
Es  ist  von  Reiz,  einmal  festzustellen,  wie  diese  Portoreformen ­
  auf  den  Verkehr  wirkten,  und  zu  sehen,  welch  ungeheuren ­
  Vorsprung  England  dadurch  gewann,  dass  es  schon
1840  zum  billigen  Pennyporto  überging. 9 )  Auch  die  Postkarte
und  die  neuen  Taxen  des  Weltpostvereins  haben  ganz  neuen  Verkehr ­
  geschaffen.  Man  studiere  einmal  die  folgenden  Zahlenreihen,
die  in  Millionen  den  Briefverkehr  (ohne  Drucksachen  u.  dgl.)
einiger  Länder  angeben.  (Bfe.  =  Briefe;  Postk.  =  Postkarten.)
°)  Man  findet  viele  der  statistischen  Verkehrszahlen  (bis  1857)  verschiedener ­
  Länder  auch  in  Stephans  „G-eschichte  der  preussischen
Post“;  für  Frankreich  bietet  das  treffliche  Buch  von  A.  Belloc:  „Les
postes  franpaises“  (Paris  1886)  sehr  viel  Material.  Weithases  „Geschichte ­
  des  Weltpostvereins“  (Strassburg  1895,  2.  Aufl.)  gibt  Tabellen
über  In-  und  Auslandsverkehr  der  verschiedenen  Länder  von  1875—1891
(S.  149ff.),  ebenso  J.  Jung:  „Der-Weltpostverein  und  sein  Einfluss
auf  den  Weltverkehr“  (Strassburg  1903,  S.  43ff.).  Doch  musste  ich  die
Jahresberichte  der  englischen  Post  und  die  Berner  Weltpoststatistik  zu
Hilfe  nehmen,  um  die  nachstehende  Tabelle  anzufertigen.  In  der  englischen
Briefstatistik  bringt  man  gewöhnlich  nur  den  Gesamtverkehr,  ohne  Unterscheidung ­
  des  Auslandsverkehrs,  wie  das  bei  der  älteren  Statistik  auch
anderweit  der  Pall  war.
        <pb n="69" />
        Verkehrsentwicklung  seit  1840.

Beförderte  Briefe  (Millionen)

1839
Briefe

1840
Briefe

1850
Briefe

1857
Briefe

1870
Briefe

1875
Briefe  Postk.

1895
Briefe  I  Postk.

1906
Briefe  i  Postk.

England:
Gesamtzahl

82

169

347

501

862

1008

87

1834

314

2914

848

Inland

—

—

—

—

—

—

—

—

—

2694

806

Ausland  (nach  und  vom)

—

—

-

—

—

—

—

—

—

220

■42  *

Einwohnerzahl  (Millionen)  ...  .  .

26,7

27

27,6

28,5

31,5

33,5

39,3

44

Frankreich  (portopflichtige  Briefe):
Gesamtzahl

93

167,5

248

273

348

20,5

796,5

53

1187

49  -

Inland

—

—

143,5

231

243

305

20,5

694

49

1015,5

39,7

Ausland  (nach  und  vom)

—

—

9

17

30

43

—

102,5

4

172,5

9,3

Einwohnerzahl  (Millionen)

i  1820:
l  30,5

33  (?)

—

—

38.5

37

,y

38,4

39,25

Österreich:

Gesamtzahl

—

27,5

1854

;  40

—

194,7

21,4

424,8

159,7

682,3

462,3

Inland

—

—

—

—

-

152

18,8

307,6

121

459,5

328,7

Ausland  (nach  und  vom)

—

—

—

—

—

42,7

3,1

117,2

38,7

222,8

133,6

Einwohnerzahl  (Millionen)

—

16,7

17,5

18

20,5

21,5

25

27

rreiisse.n:
Portopflichtige  Briefe

22

23

46

93

-

-

'

_

Einwohnerzahl  (Millionen)

—

14,93

17,2

17,7

24,6

2*

&amp;gt;,7

31,8

37,5

Deutsches  Reich  (mit  Bayern  u.  Württemberg):

Gesamtzahl

—

—

—

—

—

542

64

1217

460

2346

1503

Inland

—

—

—

—

—

479

61

1039

429

2004

1394

Ausland  (nach  und  vom)

—

—

—

—

—

63

3

178

31

342

109

Einwohnerzahl  (Millionen)

32,5

32,8

35,3

36,8

40,8

4'.

!,5

52,3

61,2
        <pb n="70" />
        29

Der  Einfluss  des  billigen  Pennyportos  ist  in  Englands  Briefzahlen ­
  unverkennbar,  zumal  bei  Berücksichtigung  des  Umstandes,
dass  dort  1841—45  noch  40,8  °/o  der  Heiratenden  und  27  %  der
Marinesoldaten  nicht  schreiben  konnten,  ja  heute  noch  unter  den
Rekruten  10°/oo  Analphabeten  gezählt  werden,  in  Deutschland  aber
nur  0,3  %o-  Die  frühere  Entwicklung  zum  Handels-  und  Industriestaat ­
  kommt  natürlich  auch  in  Betracht.  Die  hohe  Ziffer  des  deutschen ­
  Auslandsverkehrs  ist  wesentlich  durch  das  billige  Porto  des
Deutsch-Österreichischen  Postvereins  beeinflusst.  Aber  seit  1875
hat  natürlich  auch  der  Weltpostverein  mächtig  belebend  gewirkt.
Die  Verkehrsmöglichkeiten  sind  seitdem  ausserordentlich
gestiegen.  1840  zählte  man  in  der  ganzen  AVelt  nur  8591  km
Eisenbahnen,  1855:  G8  148  km;  1870  waren  es  211  859  und  1875
schon  295  783  km;  doch  gegenwärtig  (1907)  ist  das  Eisenbahnnetz ­
  der  Erde  schon  auf  957  283  km  angewachsen, 10 )  womit
natürlich  auch  der  internationale  Postverkehr  wesentlich  erleichtert ­
  wird.  1873  bestanden  überhaupt  nur  47  überseeische
Postlinien,  darunter  10  deutsche,  die  bloss  nach  Amerika  gingen.
Heute  (1903)  gibt  es  245  Weltpostlinien  zur  See,  darunter  86
nach  Amerika,  43  nach  Asien,  68  nach  Afrika,  13  nach  Australien
und  35  nach  der  Levante.  England  unterhält  52,  Deutschland
45  von  diesen  Dampferlinien. 11 )  Der  Wert  des  internationalen
Handels  der  AVelt  hat  sich  von  1874  —1900  von  54  auf
86,5  Milliarden 12 ),  bis  1907  aber  auf  131  Milliarden  Mark  gehoben, ­
  der  deutsche  auswärtige  Eigenhandel  insbesondere  ist
von  6,1  auf  15,6  Milliarden  Mark 13 )  (1907)  in  den  Ein-  und  Ausfuhrwerten ­
  gestiegen.
Mit  der  anwachsenden  Industrie  wird  aber  ein  Aufsuchen
auswärtiger  Märkte  immer  notwendiger,  und  der  Briefverkehr
als  Eörderer  und  Pfadfinder  des  Handels  bedarf  daher  längst
neuer  Erleichterungen.
Ebenso  wie  das  einfache  Briefporto,  wenn  es  im  Inlande
noch  25  Centimes  statt  10  Centimes  oder  20  Pf.  statt  10  Pf.
betrüge,  den  inneren  Verkehr  in  seiner  Entwicklung  gewaltig
-»
10 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Ztg.“  1909,  Nr.  25.
u )  Jung,  „Der  Weltpostverein  und  sein  Einfluss' 1  (Strassburg  1903),  S.  33.
12 )  Jung,  „Der  Weltpostverein  und  sein  Einfluss“  (Strassburg  1903),  S.  31.
13 )  Vgl.  S.  195  und  197  des  Statistischen  Jahrbuchs  für  das  Deutsche
Reich  1908.  „  Ferner,  S.  66  im  „Anhang“  dazu.
        <pb n="71" />
        30

hemmen  würde,  so  lastet  auch  das  Weltpostvereinsporto  von
25  Centimes  oder  20  Pf.  auf  dem  Auslandsverkehr.  Es  verlangsamt ­
  ihn,  es  hindert  den  Privatmann  in  der  Häufigkeit  der
Korrespondenz  und  den  Greschäftsmann  an  der  massenweisen
Aussendung  von  Propagandahriefen,  wie  sie  der  rege  Wettbewerb ­
  von  heute  unbedingt  erfordert.
Die  Portoermässigung  für  die  schwereren  Briefe  (vom
1.  Oktober  1907  ab)  war  gewiss  an  sich  erwünscht,  aber  die
einfachen  Briefe  bilden  sicherlich  90—95  °/o  der  Ausländsbriefe.
Deshalb  bedarf  es  auch  für  diese  einer  allgemeinen  Herabsetzung
auf  den  Inlandssatz,  auf  10  Centimes  oder  1  Penny  oder  10  Pf.
Das  Pennyporto  muss  auch  zum  internationalen  Weltporto ­
  werden.  Es  ist  nun  hohe  Zeit,  dass  das  endlich  geschieht. ­
  Denn  schon  seit  1875,  d.  h.  seit  34  Jahren,  ist
der  alte  teure  Satz  von  etwa  25  Centimes  in  Kraft.  Das
ist  heutzutage  eine  sehr  lange  Zeit,  ja  eine  halbe  Ewigkeit  für
eine  Brieftaxe,  die  noch  nicht  bei  einem  ganz  billigen,  allgemein
erschwinglichen  Satze,  wie  dem  des  Inlandsportos,  angelangt  ist.
Stephans  Denkschrift  von  1868  schlug  bereits  20  Centimes
(16  Pf.)  vor,  und  1885  erklärte  er  die  Herabsetzung  bis  auf  den
Inlandssatz  als  sein  Ideal  und  künftiges  Ziel,  wie  lange  vor
ihm  schon  andere  das  getan.
Es  wird  nicht  leicht  sein,  in  verkehrsreichen,  gut  verwalteten ­
  Ländern  eine  Briefportotaxe  der  neueren  Zeit  seit
Rowland  Hill  zu  finden,  die  34  Jahre  lang  unverändert  geblieben ­
  wäre,  wofern  sie  nicht  schon  einen  gewissen  äussersten
Satz  der  Wohlfeilheit  dar  stellte.
Selbst  das  englische  Pennyporto  von  1840  (Id  oder  8*/2  Pf.
für  Ya  Unze  =  14,17  g)  wurde  durch  nachträgliche  Erhöhung
des  einfachen  Briefgewichts  —  wie  vorher  schon  bemerkt  —
zuerst  auf  1  Unze,  dann  (1897)  auf  4  Unzen  (113,36  g)  noch
weiter  verbilligt;  Dänemark  und  die  Schweiz  (1.  Dezember  1891)
sind  damit  längst  bis  auf  250  g  gegangen  (bei  einem  Porto  von
8  —  später  10  —  Oere  und  10  Centimes).
Die  schon  erwähnte  preussische  Brieftaxe  von  1824  (21  Zonen;
1—19  Sgr.)  wurde  1844  (8  Zonen;  1—6  Sgr.),  dann  wieder  1849
(3  Zonen;  1—3  Sgr.)  und  schliesslich  im  Korddeutschen  Bund
1868  (Einheitsporto  1  Sgr.)  ermässigt,  am  1.  April  1900  wurde
        <pb n="72" />
        31

im  Reich  das  Brief  gewicht  von  15  auf  20  g  erhöht  und  der
Nachbarortsverkehr  verbilligt.  Österreich  setzte  sein  7-zoniges
Briefporto  von  1817  am  1.  August  1842  (2  Zonen)  herab,  dann
nochmals  1850  und  1861  (Einheitstarif  von  5  Kr.),  endlich  1883
(durch  Erhöhung  des  einfachen  Brief  ge  wichts).  Das  11-zonige
französische  Briefporto  (20—120  Centimes)  wich  während  der
Republik  am  1.  Januar  1849  dem  erwähnten  Einheitsporto  (20  0.,
7  V 2  g)  und  wurde  dann  wiederholt  zeitweilig  auf  25  C.  erhöht,
auch  nach  dem  Kriege  1871,  um  später,  1878,  auf  15  C.  (15  g)
und  endlich  am  16.  April  1906  auf  10  C.  herabgesetzt  zu  werden.
In  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika,  wo  in  älterer
Zeit  auch  verwickelte  vielstufige  teure  Entfernungstarife  mit
Berücksichtigung  der  Briefbogenzahl  heri’schten,  ging  man  bei
Vs  Unze  Gewicht  1845  zu  zwei  Stufen  über  (bis  und  über
300  Meilen  =  483  km;  5  und  10  Cents),  1851  ermässigte  man
die  Sätze  (auf  3  und  6  Cents  bis  und  über  3000  Meilen
=  4827  km.) 14 )  1863  kam  man  auf  die  Einheitstaxe  von
3  Cents, 15 )  am  1.  Oktober  1883  ging  man  auf  2  Cents  (8,4  Pf.)
herab,  am  1.  Juli  1885  erhöhte  man  das  Briefgewicht  von  Va
auf  1  Unze, 16 )  und  schon  seit  20  Jahren  wird  eine  weitere  Ermäßigung ­
  auf  1  Cent  geplant,  ein  Satz,  den  mehrere  Länder
Ostasiens  schon  verwirklicht  haben.
Russland  führte  bereits  1844  den  Einheitstarif  (10  Kopeken,
für  Nachbarorte  jedoch  3  Kopeken)  ein,  der  später  auf  8  und
7  Kopeken  herunterging  und  sicherlich  bald  auf  5  Kopeken
wird  sinken  müssen,  da  der  russische  Brieftarif  neben  dem
türkischen  jetzt  zu  den  höchsten  gehört.
Wir  sehen  also,  dass  auch  die  Portotarife  nicht  sehr  lange
Stillstehen  und  daß  sie  den  Fortschritten  und  Zeitbedürfnissen
folgen  müssen.
Das  gilt  nicht  nur  vom  Inlandsporto,  sondern  ebenso  vom
internationalen  Weltporto,  dessen  Höhe  dem  Verkehr  noch  nicht
die  volle  Entfaltung  gestattet.
14 )  Vgl.  Stephan,  Geschichte  der  preussisohen  Post,  S.  652.
Vgl.  „Deutsche  Yerkehrs-Zeitung“  1908,  S.  444  (von  Stephans  Angaben ­
  mehrfach  abweichend).
10 )  „L’Union  postale“  1888,  S.  78  f.,  und  1886,  S.  129  und  131;  ebenso
1885,  S.  229.
        <pb n="73" />
        32

Kapitel  IV.
Der  Siegeszug  des  internationalen
Pennyportos.
Der  „Allgemeine  Postverein“,  nachher  den  Kamen
„AVeltpostverein“  führend,  ist  gerade  25  Jahre  nach  dem
deutsch-österreichischen  Postverein,  am  1.  Juli  1875  ins  Leben
getreten  und  wies  bei  seiner  Gründung  22  Mitglieder  auf.  Sein
Gebiet  war  rund  37  000  000  Quadratkilometer  gross,  zählte
etwa  350  Millionen  Einwohner  und  umfasste  zunächst  ganz
Europa,  russisch  und  türkisch  Asien,  Aegypten,  Tripolitanien
(türkisch),  Algier,  Island  und  die  Vereinigten  Staaten  von  Kordamerika ­
  einschliesslich  Alaska.
Von  diesem  Gebiete  mit  dem  neuen  Einheitssatz  von
25  Centimes  als  Kormalbriefporto 1 )  fielen  21  833  388  qkm  (mit
87  Millionen  Menschen)  oder  59%  des  Gesamtareals  allein  auf
Russland,  9  333  680  qkm  (mit  39  Millionen  Menschen)  oder
25%  auf  die  Vereinigten  Staaten,  4  392  103  qkm  (mit  etwa
230  Millionen  Einwohnern)  oder  nahezu  12%  auf  Europa
ohne  Russland  und  der  kleine  Rest  von  4%  auf  türkisch
Kleinasien  und  Kordafrika.  Nach  statistischen  Angaben  jener
Zeit.  Wir  sehen  also,  es  bestand  bereits  damals  ein  mächtiges
Gebiet,  5  mal  grösser  als  ganz  Westeuropa,  in  dem  auch  vorher
schon  ein  Einheitsporto  herrschte:  Russland.  Und  ebenso  ein
anderes  Gebiet,  doppelt  so  gross  wie  AVOsteuropa,  ebenfalls  mit
einem  internen  Einheitsporto  (3  Cents  =12  Pf.,  seit  1883
2  Cents  =  4,4  Pf.):  die  nordamerikanische  Union.  Und  der
übrigbleibende  kleinste  Teil  des  Gesamtgebiets  war  in  etwa
zwanzig  verschiedene  kleinere  Einzel-Postgebiete  zersplittert,
von  denen  jedes  das  andere  postalisch  als  Ausland  behandelte,
ausgenommen  natürlich  die  Länder  des  deutsch-österreichischen
Postvereins  (damals  1  163  843  qkm  mit  78Va  Millionen  Einwohnern). ­
  Das  neue  Einheitsporto  des  Weltpostvereins  von  1875
*)  Gewisse.  Abweichungen  waren  in  der  ersten  Zeit  als  Uebergangsstadium
  gestattet  (vgl.  S.  22,  Anmerkung.)
        <pb n="74" />
        3

33

galt  freilich  auch  für  sein  ganzes  Gebiet,  allein  es  war  immerhin ­
  meist  wesentlich  höher  als  das  Inlandsporto  der  einzelnen
Mitglieder.
Gegenwärtig  (vgl.  S.  26)  ist  der  Weltpostverein,  wie
schon  einmal  gesagt  wurde,  bis  auf  114  Millionen  Quadratkilometer ­
  mit  1151  Millionen  Einwohnern  (ohne  Abessynien)
  heran  gewachsen  und  umfasst  nahezu  den  ganzen  Erdball
 la ).  Sein  Normalporto  ist  in  diesen  35  Jahren  seit  der  Gründung
(1874)  sogut  wie  unverändert  geblieben,  obwohl  sich  in  dieser
Zeit  bei  seinen  Mitgliedern  ein  unaufhaltsamer  Strom  von  Reformen ­
  und  Verkehrserleichterungen  über  deren  innere  Gebiete
ergoss.  Die  Spannung  der  Unterschiede  zwischen  Inlands-  und
Auslandsporto  ist  dadurch  noch  grösser  geworden  als  vorher.
Und  wo  sie  in  manchen  wichtigen  Verkehrsbeziehungen  gar  zu
gross  und  empfindlich  ward,  da  musste  ihr  durch  Sonderverträge
Rechnung  getragen  werden.  Tatsächlich  ist  dann  im  Laufe  der
Jahre,  besonders  aber  seit  dem  letzten  Jahrzehnt  des  verflossenen
Jahrhunderts,  die  Höhe  des  Weltportos  vielfach  als  so  hoch  und
verkehrsbelastend  empfunden  worden,  dass  die  einzelnen  Länder
sich  für  manche  der  wichtigsten  Beziehungen  durch  Sonderpostvereine ­
  mit  einem  erxnässigten  Porto  vorläufig  zu
helfen  versuchten.  Heute  schreiben  ja  sehr  viel  weitere  und
grössere  Kreise  Briefe,  als  früher,  die  Postanstalten  sind  viel
ausgebreiteter,  und  der  Handel  bedient  sich  auch  weit  mehr  der
Post  als  vorher.  Namentlich  aber  hat  sich  der  Welthandel  vervielfacht ­
  und  sucht  emsig  nach  neuen  Märkten,  dieser  Lebensbedingung ­
  der  gewerblich  produzierenden  Völker.
Das  Pennyporto  im  weiteren  Sinne  (vgl.  S.  19),  d.  h.
ein  billiges  internes  Einheitsporto,  das  Inlandsporto,  will  seine
Grenzen  stetig  erweitern  und  hat  sie  schon  in  erstaunlichem
Grade  überschritten.  Es  ist  auf  dem  Wege  zum  Weltporto  zu
werden.  Aus  dem  internen  wird  so  allmählich  ein
internationales  Pennyporto.
Man  kann  sagen,  dass  dag  Pennyporto  als  internationales
Porto  fast  allenthalben  schon  über  die  Grenzen  der  Staaten  und
Weltteile  siegreich  vorgedrungen  ist,  und  dass  es  nun  gebieterisch
la )  Ende  1908  (mit  Abessinien):  114305700  qkm  mit  1166685841  Einw.
        <pb n="75" />
        34

an  die  Pforten  des  grossen  Weltpostvereinsgebiets  pocht  und
anch  hier  Einlass  nnd  offene  Türen  fordert,  wie  ein  Eroberer
auf  unaufhaltsamem  Siegeszuge.  Wie  man  aber  bei  einem
grossen  Weltkriege  erst  ein  anschauliches  und  klares  Bild  über
den  Stand  der  Dinge  gewinnt,  wenn  man  auf  der  Karte  alle
schon  besetzten  Gebiete  genau  kennzeichnet  und  die  vorrückenden
Streitkräfte  in  effigie  auf  stellt,  ebenso  ist  das  auch  hier  der  Fall.
Deshalb  will  ich  versuchen,  diesem  bisherigen  Mangel  abzuhelfen ­
  und  mit  statistischen  Bildern  veranschaulichen,  wie  weit
„der  Feind“  der  besorgten  Finanzverwaltungen,  das  Weltpennyporto, ­
  bereits  vorgedrungen  ist,  und  wie  man  von  ihm  bereits
sagen  kann:  Hannibal  ante  portas.  Eine  solche  Darstellung
wird  auch  lehren,  dass  die  bisherigen  Widerstände  der  Finanzbehörden ­
  auf  die  Dauer  doch  fruchtlos  sind,  und  dass  sie  den
Einzug  einer  zweckmässigen,  vernünftigen  und  zeitgemässen
Reform  nur  unnütz  aufhalten,  sie  uns  vorenthalten.  Auch  im
Weltpostverein  darf  keine  Verknöcherung  stattfinden,  kein  Stillstand ­
  der  Entwickelung  eintreten.
Die  Einzelheiten  der  Portotarife  in  den  Sonderpostvereinen ­
  findet  man  weiter  unten  (S.  252  f.);  hier  gilt
es  nur  zu  zeigen,  wie  gross  das  Gebiet  bereits  ist,  das
sie  sich  bis  heute  erobert  haben,  und  wie  vor  lauter
Tarifausnahmen  die  Gefahr  eines  neuen  Tarifwirrwarrs
und  einer  logisch  unhaltbaren  und  prinzipienlosen
Portofestsetzung  entstanden  ist.
Ich  unterscheide  unter  den  Sonderpostvereinen  vier
Gruppen,  von  denen  man  allerdings  je  zwei  als  zusammengehörend ­
  wieder  vereinigen  könnte.
Erstens;  Nachbarpostvereine,  d.  h.  Postvereine  von  angrenzenden ­
  Ländern  (vgl.  S.  36  u.  252  ff.).
Zweitens:  Grenzverkehrspostvereine,  d.  h.  Postvereine
der  Grenzgebiete  (gewöhnlich  30  km  Abstand  von  Postamt  zu
Postamt  dies-  und  jenseits  der  Grenze)  (vgl.  S.  37  u.  261  f.). 2 )
Drittens:  Kolonialreichspostvereine,  das  sind  Post-2
 )  Man  kann  also  zu  beiden  Seiten  einer  Grenze  etwa  30  km  Abstand
rechnen,  so  dass  ein  Grenzstreifen  von  60  km  Breite  ungefähr  das  Gebiet
der  Grenzverkehrspostvereine  darstellen  würde:
Deutschland  hat  solche  Grenzverkehrspostvereine  mit  der  Schweiz
        <pb n="76" />
        3*

35

vereine  der  Mutterländer  und  Kolonien  oder  auch  dieser  unter
einander  (vgl.  S.  46  u.  263  ff.).
Viertens:  Postvereine  entfernter  überseeischer
fremder  Länder  (vgl.  S.  49  u.  274ff.).
Wenn  die  überseeische  Entfernung  nicht  gross  ist,  kann
man  einzelne  von  diesen  allenfalls  auch  noch  zu  den  Nachbarpostvereinen
  rechnen.
Werfen  wir  nun  einen  Blick  auf  diese  Sonder  postvereine
im  Weltpostverein  und  sehen  wir  zu,  wie  gross  ihre  Zahl
und  ihr  Glebietsumfang  ist.
Dabei  wollen  wir  mit  Europa  beginnen  und  zuerst  die
Nachbarpostvereine  betrachten,  denen  die  Grenzbezirkspostvereine
  sich  einfügen  lassen.
Die  folgenden  statistischen  Zahlen  sind  meist  den  letzten
Hübnerschen  geographisch-statistischen  Tabellen  (für  1908)  entlehnt. ­
  Damit  jedes  Land  bei  der  Summierung  nur  einmal  gezählt ­
  wird,  sind  in  der  linken  Zahlentafel  die  Zahlen  immer  nur
einmal  angegeben.
Die  Tafel  I  (S.  36),  die  europäischen  Nachbarpostvereine ­
  vorführend,  findetihre  nähere  Erläuterung  unten  und  in  der
ausführlichen  Darstellung  im  Anhang  dieses  Buches  (S.  252  bis  261).
Russland  und  Finnland  werden  auch  als  Postverein  aufgeführt.
Die  Tafel  II  (S.  39)  enthält  die  ausser  europäisch  en  Nachbarpostvereine ­
  (vgl.  S.  256—261)  nach  Weltteilen  geordnet  und
gibt  zugleich  die  Gesamtsumme  ihres  Areals  und  ihrer  Bevölkerung, ­
  auch  verglichen  mit  dem  Gesamt  gebiet  des  Weltpostvereins.
(etwa  200  km  Grenzenlänge),  mit  Holland  (etwa  300  km  Grenzenlänge),
Belgien  (175  km)  und  Dänemark  (80  km).
Belgien  hat  ferner  Grenzverkehrspostvereine  mit  Frankreich  (etwa
350  km  Grenzenlänge),  Luxemburg  (75  km)  und  Holland  (140  km).
Frankreich  —  ausser  mit  Belgien  —  mit  Spanien  (etwa  475  km
Grenzenlänge)  und  der  Schweiz  (330  km).
Die  Schweiz  ferner  noch  mit  Oesterreich  (etwa  200  km  Grenzlänge).
Ich  habe  diese  Längen  nach  dem  Andreeschen  Handatlas  annähernd
festgestellt.
Insgesamt  ergeben  sich  danach  2485  km  Grenzenlänge;  das  ergibt  bei
einem  Grenzstreifen  von  60  km  Breite  149  100  Quadratkilometer  als
Gebietsgrösse  der  europäischen  Grenzverkehrspostvereine  (ohne
Gibraltar  und  die  Bukowina;  vgl.  S.  262).
        <pb n="77" />
        Tafel  III  (S.  42)  endlich  zeigt,  wieviel  Areal  jedes  Weltteils
und  wieviel  Einwohner  der  Summe  der  Länder  angehören,  die
Nachbarpostvereine  bilden,  und  wie  das  Verhältnis  beider
zueinander  ist  u.  dgl.  m.
Ich  bitte  die  Leser,  diese  Tafeln  nun  ein  wenig  näher  zu
studieren  und  nach  ihrer  Durchsicht  die  gleich  darauf  folgenden
Erläuterungen  im  Text  damit  zu  vergleichen.

Tafel  1.
Europäische  Nachbarpostvereine.

a)

8.

10.

Länder,  die  miteinander
Postvereine  bilden

qkm

Millionen
Einw.

ropa.
Deutschland

540  777

63

Österreich-Ungarn  mit  Bosnien ­
  n.  der  Herzegowina

675  879

50

Deutschland

—

—

Luxemburg

2  586

0,25

Österreich-Ungarn  .  .  .

—

Montenegro

9  080

0,23

Österreich-Ungarn  mit  Bosnien ­
  n.  der  Herzegowina

Serbien

48  303

2,74

Serbien

—

—

Bulgarien

96  345

4,0

Bulgarien

—

—

Rumänien

131  353

6,7

Portugal

92  575

5,42

Spanien  (mit  den  spanischen
Inseln)

33  078

19,6

Belgien

29  455

7,24

Niederlande

33  078

5,70

Belgien

—

—

Luxemburg

—

—

Dänemark  mit  Par-Oeern  .

40  384

2,6

Schweden

447  864

5,3

Norwegen

322  987

2,3

mit  Grönland  ....

Grössen
der  Postvereinsgebiete

qkm

1  216  656
543  363
684  979
724  182
144  648
227  698
597  478
62  533
32  041
811  235
2  980  985

Mül.
Einv.

113  •
63,25
50,23
52,74
6,74
10.7
25,02
12,94
7,50
10,2
10.8
        <pb n="78" />
        —  37  —

Grössen

Lilnder,  die  miteinander

qkm

Millionen

der  Postvereinsgebiete

Postvereine  bilden

Einw.

qkm

Mül.
Einw.

Rumänien

—

—

|  141794

7,5

Bukowina  [österr.  Provinz

10  441

0,8]

1  ?  j  Spanien:

—

—

|  505736

19,62

1  Gibraltar  (britiscli)  .  .  .

833

0,02

Italien

286  682

33,44

|

13

Albanien  (Türkei)  ....

28  700

0,82

)  324  000

34,57

Kreta

8  618

0,31

!

Sämtliche  Grenzverkehrspostvereine

  (u.  a.  auch

i  (siehe

13a.

daran  beteiligt:  Frank-■etwalSOOOO



{  oben

reich,  die  Schweiz,  Dänemark) ­


(  S.  03)

Summa  des  Areals  n.  der  Binwohn

  er  der  internen  Postvereinsländer ­
  Europas
(ohne  die  Grenzpostbezirke) ­
  1—13  .  .  .  .

3  300  402

209,67

Russland  kann  wegen
seiner  postalischen

Vereinigung

mit  dom

’  Europäisches  Russland  mit

Nebenland  Finnland

U.  ■

Finnland  (als  ein  Post-Postverein

  für  sich  angebiet

  l

5  377  444

123,20

gesehen  werden.  Aber
zugleich  steht  es  im
Postveroin  mit  China

^  (s.  unten

S.  311).

Sämtliche  europäischen

Kachharpostvereino  (a)
zusammen  (1—13  u.  14)

8  677  81C

332,87

Weltteil  Europa  (Gesamtgrosse)



9897004

425,93

Europa  ohne  Uusslaud  .  .
Hiervon  abgezogen  das  Areal

4  619  560

302,73

der  westeuropäischen
Länder  mit  Postvereins-Verhältnissen

  (1  —13)  .  .

-3  300  402

209,67
        <pb n="79" />
        Nachbleibender  Best:
Gebiete  Westeuropas,  noch
ausserhalb  europ.  Nachbarpostvereine ­
  stehend  .

Zum  Vergleich:
Gesamtes  Russisches  Reicli
(mit  Finnland  nnd  den
Vasallenstaaten  n.  Rnss.-Asien),
  ein  einheitliches ­
  Postgebiet
bildend
mit  Aralseeu.  Kaspischem
Meer

1  219158  93,06

22  296  727
22  803  184

151,33

Grössen
der  Postvereinsgebiete
.  I  Mill.
1 km  1  Einw.
Länder,  die  noch
keinen  internen  europäischen ­
  Nachbarpostverein ­
  bilden,  von
Grenz  verkehrspostvereinen ­
  u.  kolonialen
oder  überseeischen
Postvereinen  abgesehen ­
  :  nur  England,
Frankreich,  Griechenland,Schweiz ­

und  der  grössere  Teil
der  europäischen
Türkei.

mit  einheitlich.  Porto,
wohlfeiler  als  das
Weltporto,  einen  Postverein ­
  für  sich  bildend,
2 1 / 4 mal  grösser,  als
ganz  Europa,  5  mal
grösser  als  Europa
ohne  Russland.
        <pb n="80" />
        Länder,  die  miteinander  einen
Postverein  bilden

Tafel  II.
Aussereuropäische  Naclibarpostvereine.

qkm

Millionen
Einw.

Grösse
des  Postvereinsgebietes

qkm

Mill.
Einw.

b)  Amerika 3 ).
Canada  (ohne  gx.  Seen  und
Flüsse)
Vereinigte  Staaten  (in  Nordamerika ­
  gelegene  Teile).
Mexico

21545  848

114,84

[In  Amerika  allein:

21  231  619

107,01]

1  798

8 )  Die  Zahlen  für  Nordamerika  habe  ich  dem  Gothaer  Hofkalender
für  1909  entlehnt,  das  übrige  sonst  meist  Hübners  Tabellen  (1908).  In
letzteren  werden  für  Canada  9  897  571  qkm  angegeben,  davon  aber  238  971
auf  die  Seen  und  Flüsse  entfallend,  8  288  600  auf  die  Provinzen  und  1370  000
auf  die  arktischen  Inseln  bei  Canada.  Neu-Fundland  und  Labrador
gehören  nicht  zum  Nordamerikanischen  Postverein,  wohl  aber  zum  Britischen
Kolonialpostverein.  Ihre  Grösse;  128  670  qkm.  —  Die  Vereinigten
Staaten  ohne  Hawai  und  ohne  Kolonien  haben  nach  Hübner  ein  Areal
von  9  403  970  qkm;  ungerechnet  die  kanadischen  Seen  und  Küstengewässer;
240  841  qkm.

9  659  400

9  369  391
1  987  201

84,02
13,61

Summa  (amerikan.  Gebiet)  21  231  619
Ausseramerikanische  Kolonien ­
  der  Verein.  Staaten
(Philippinen,  Hawai,
Guam,  Samoa  usw)  .  .  313  729

103,61
0,95
2,05
0,40

21  545  348
1  798

114,84
0,13

Summa  (Nordamerika)  .  .
Portorico  (Verein.  Staaten)
Cuba  (Republik)  .  .  .  l  .
Panama  (Republik)  .  .

21  015  992
9  314
118  833
87  480

107,01

Summa  (amerikanische  und
ausseramerikan.  Gebiete)
Britische  Antillen  (kl.)  .  .

Summa  ([15.  und  16.]  in
Amerika  allein)  .  .  .  .

21  233  417

107,14
        <pb n="81" />
        40

TB5

Grösse

Länder,  die  miteinander  einen

qkm

Millionen

des  Postvereinsgebietes

Postverein  bilden

Einw.

qkm

Mill.
Einw.

c)  Afrika.

Capland  (brit.)

717  388

2,50

Natal  und  Sululand  (brit.)

93  676

1,15

17.

Oranjekolonie  (brit.)  .  .  .

125  200

0;39

Transvaal  (brit.)  ....

304  913

1,40

3  509  577

9,24

Bhodesia  (brit.)  ....
Mogambique  (mit  Lorenzo

1  507  300

1,50

usw.)  [portug.]  ....

761  100

€,30

18.  j

Marokko  (französ.  Postämter)

456  000

7,00

J  1  346  000

12,23

Algier

890  000

5,23

Tunis  (französ.)  ....

167  400

1,83

]

19.

Tripolis  (türkisch)  [französ.

1  1218  400

2,83

Postamt]

1  051  000

1,00

J

Summa  (Afrika)  17—19.  .

6  073  977

24,30

d)  Australien.

Der  Australische  Bundes-Staat

  (mit  Br.-Neu-G  uinea,
Tasmanien,  den  Mac-20.

  ■

quai-ie-,  Howe-  und  Norfolkinseln)


7  929  009

4,70

8  220  220

6,77

Neu-Seeland  (mit  Inselanhang)



271166

0,95

Pidjiinseln

20  045

.  0,125

Summa  (Australien)  .  .  .

8  220  220

5,775

e)  Asien.

Britisch  Indien  (mit  Aden)

4  809  104

295,20

]

21 -

Ceylon
Portugiesisch  Vorderindien

65  996

4,00

•  4  878  758
1

299,73

(Goa,  Damao,  Diu)  .  .

3  658

0,53

Straits  Settl  ements  (Malakka)

3  952

0,61

1

22.

Malaienschutzstaaten  (brit.)

88  000

1,12

\  91  930

1,74

Labuan  (bei  Borneo  [brit.])
Hongkong  (brit.)  mit  Pacht-78



0,01

)

gebiet  .

1  053

0,57

23.  ■

Macao  (portug  )
Canton  (chines.),  engl.  Post-10



0,06

1  063

1,53

amt

—

0,90
        <pb n="82" />
        41

Grösse

Länder,  die  miteinander  einen

qkm

Millionen

des  Postvereinsgebietes

Postverein  bilden

Einw.

Mi  11.

qkm

Einw.

Russland  ■

in  Europa  .  .
in  Asien  (ohne

5  377  444

123,19

Aralsee  und

■2  4.  -

Kasp.  Meer)  .

16919238

28,14

[33  435  607

481,46]

China  (durch  die  russischen

Postämter  in  China  mit
Russland  im  Postverein)

11  138  880

330,13

Asiatisches  Russland  mit

China  allein

28  058  163

358,27

China  (durch  die  französ.

j

25.  ■

Postämter  in  China)  .  .

—

—

11  802  580

345,99

.  Französisch  Indo-China.  .

663  700

15,86

1

China  (Japan.  Postämter)  .

—

[

26.

Korea  i  mit  japanischer  Post-|

  11357  080

339,80

Verwaltung  seit  1905)

218  200

9,67

1

Summe;  21—26,  Asien  ohne
europäisches  Russland  .
Summe  der  aussereuro-33

  911  814

686,80

plüschen  Nachbarpostvereine



(jedes  Land  nur

einmal

gezählt)  ohne

europ,  Russland:  (15  —  26)
Dazu  europäische  Nachbar-«9

  439  428

824,01

postverelne  (einschliessl.
europ.  Russland)  .  .  .

8  077  84«

332,87

Nachbarpostvoreine  aller
Weltteile  zusammen  (1—26)
In  Prozenten  des  gegen-78117

  274

1160,88

wärtigen  Weltpostvereinsgebietes ­
  ....

«8,6  o/o

100,4%

Summe  aller  Nachharpostvereinsländer

  ohne  China
und  Marokko

06  522  274

819,75

In  Prozenten  des  Weltpost-Vereinsgehietes

  ....

58,3%

71,5%

rund

Grösse  des  Weltpostvereins  (1907/08).  .  .

114  000  000

1151,24
        <pb n="83" />
        42

Tafel  III.
Grössenverhältnisse  der  einzelnen  Weltteile  und  ihrer  Nachbar-Postvereinsgebiete.


Die  Nachbar-Weltteile



qkm

Millionen

vom  Weltteil

Einwohner

ein  Areal

von  der  Bevon



völkernng

a)  Europa 4  * )

9  897  004

425,93

87,7  %

78,1%

b)  Amerika 6 )

39  807  29G

160,60

53,3%

66,8%!

davon:

Nordamerika  (einschliesslich

Mexiko)

21  144  712

103,86

99,9%!

99,7%!

Zentralamerika  (einschliessl.
Panama)
die  Inseln  (zwischen  Nord-532

  670

4,74

16,5%

8,5%

und  Südamerika!  ....

240  562

6,99

54,1%

44,7%

Südamerika

17  889  352

45,00

—

—

c)  Afrika

30  015  573

133,58

20,2  %

18,2%

d)  Australien  und  Ozeanien.  .

8  954  922

6,71

91,8%

86,1%

Austral.  Festland  allein

7  627  800

4,18

100,0%!

100,0%!

e)  Asien

44  284  784

827,38

77,0%

83,0  %

Gesamtareal  der  obigen  5  Weltteile

  (mit  Ozeanien)  .  .  .

132  959  579

1555,20

mit  Einschluss  der  Polargebiete

Landfläche  (nach  Hübner)  .

144  542  147

Weltpostvereinsgebiet  (Ende  1907)

114  000  000

1151,25

4 )  Bei  Einrechnung  des  europäischen  Russlands  mit  Finnland  unter
die  Nachbar-Postvereinsgebiete.
6 )  Die  Grösse  Amerikas  wird  verschieden  angegeben.  Die  hier  gegebene ­
  Zahl  habe  ich  nach  dem  Gothaer  Hofkalender  für  1909  durch  Summierung ­
  der  amerikanischen  Ländergebiete  berechnet.  Die  Abweichungen
erklären  sich  zum  Teil  durch  die  Mitrechnung  oder  Weglassung  der  arktischamerikanischen
  Inseln  (Teile  Kanadas).  In  Hübners  Tabellen  (1908),  S.  96,
wird  Amerika  mit  38  720  354  qkm  angegeben,  in  Perthes  Taschenatlas  von
1899  (S.  60)  mit  38  346  700  qkm,  1908  aber  mit  42  100  000  qkm,  vielleicht
unter  Zurechnung  auch  antarktischer  Gebiete.  —  Zu  Nordamerika  rechne
ich  Britisch-Nordamerika  mit  den  arktischen  Inseln,  die  Union  und  Mexiko
(ohne  di'e  Antillen).  Nach  Hübners  Tabellen  ergeben  sich  dabei  214174.2  qkm,
und  ohne  die  kanadischen  Seen  und  Küstengewässer  21  176  571  qkm,  aho
eine  ähnliche  Zahl  wie  oben.  Die  anderen  Weltteilgrössen  sind  Hübners
Tabellen  entlehnt.
        <pb n="84" />
        43

Als  Erläuterung  der  vorstehenden  Tafeln  I,  II  und  III
sei  Folgendes  bemerkt.
Wir  ersehen  aus  Tafel  I  (S.  36),  wie  überraschend  gross  schon
die  Zahl  der  Postvereine  in  Europa  geworden  ist.  Die  Grenzbezirkspostvereine ­
  ausser  Acht  lassend,  zählen  wir  —  Russland
mitgerechnet  —  14  europäische  JSTachbarpostvereine  von
etwa  22  Ländern,  deren  Vereinsporto  wohlfeiler  ist,  als  das  des
Weltpostvereins  und  dem  Inlandsporto  meist  gleichkommt.  Das
grosse  russische  Reich,  auch  in  Europa  ein  mächtiges  Gebiet
für  sich,  bildet  die  grössere  Hälfte  unseres  Weltteils,  dessen
kleinere  Westhälfte  mit  ihren  20  Ländern,  die  in  Betracht
kommen,  allein  13Wachbarpostvereine  aufweist,  natürlich  abgesehen ­
  von  allen  Kolonialpostvereinen  und  den  Postvereinen
mit  überseeischen  fremden  Staaten.
Von  dem  Gesamtareal  Europas,  9  897  004  qkm  mit
426  Millionen  Menschen,  bleiben  nur  1  219  158  qkm  (12,3  y /o)
mit  93  Millionen  Menschen  (21,9  °/o)  übrig,  die  noch  gar
keineNachbarpostvereine  aufweisen,während  8677846qkm
(87,7  %)  mit  333  Millionen  Menschen  (78,1  %)  die  Summe
der  Gebiete  mit  den  vorhandenen  Nachbarpostvereinen
  darstellen.  Natürlich  bilden  diese  noch  nicht  ein
einheitliches  Postgebiet,  wohl  aber  finden  sich  darunter  sehr
bedeutende  einheitliche  Verein 5 gebiete,  wie  z.  B.  der  skandinavische ­
  Postverein  (811  235  qkm,  10,2  Millionen  Einwohner),
der  deutsch  -  österreichische  Postverein  (1  216  656  qkm  mit
113  Millionen  Einwohnern)  und  das  europäische  Russland  mit
Finnland  (5  377  444  qkm  mit  123,20  Millionen  Einwohnern).
Das  gesamte  russische  Reich  (mit  Sibirien)  aber  bildet
bereits  ein  einheitliches  Postgebiet,  das  mehr  als  doppelt  so
gross  ist,  wie  ganz  Europa  und  5  mal  grösser  als  das  noch  in
so  viele  kleine  Postgebiete  zersplitterte  Westeuropa.
AVenn  alle  diese  Vereinsringe  sich  noch  ein  wenig  vermehren ­
  und  erweitern,  so  müssen  sie  bald  ganz  ineinander
fliessen  zu  einer  einzigen  europäischen  Postgebietseinheit,  einem
seit  50  Jahren  schon  angestrebten  alten  Ziele,  dessen  Verwirklichung ­
  nicht  weiter  hinausgeschoben  werden  darf.
Aber  auch  ausserhalb  Europas  gibt  es  —-  wie  Tafel  II
(S.  39)  zeigt  —  ein  Dutzend  Nachbarpostvereiue.
        <pb n="85" />
        44

Wenn  Nordamerika  mit  besserem  Recht  als  Europa,  die
westliche  Halbinsel  Asiens,  für  einen  besonderen  Kontinent  angesehen ­
  werden  kann,  so  dürfen  wir  sagen:  in  Nordamerika
bildet  bereits  ein  ganzer  Weltteil  von  der  doppelten
Grösse  Europas  einen  Nachbarpostverein  und  ein  einheitliches ­
  Inlands-Porto-Postgebiet  (21  231  619  qkm)  für
sich,  etwa  ebenso  gross,  wie  das  gesamte  Russische  Reich.
Und  der  südafrikanische  Postverein  (3  509  577  qkm)
ist  an  Ausdehnung  nicht  viel  kleiner,  als  Westeuropa  ohne
England  und  die  sonstigen  europäischen  Inseln.
In  Australien  sehen  wir  ebenfalls  einen  ganzen  Weltteil, ­
  der  bereits  ein  Sonderpostgebiet  für  sich  bildet,  mit
einem  billigeren  Porto,  als  das  Weltporto.  Er  ist  an  Grösse
(8  220  220  qkm)  Europa  fast  gleich.
In  Asien  ist  der  indische  Postverein  (4  878  758  qkm)
grösser  als  ganz  Westeuropa.
Und  Russland  bildet  mit  China  einen  Postverein
(33  435  607  qkm  mit  481  Millionen  Menschen),  der  l'bmal  so
gross  ist  wie  Nordamerika  und  etwa  S'/smal  so  gross
wie  ganz  Europa  und  dessen  Einwohnerzahl  weit  übertrifft. ­

China  bildet  seinerseits  noch  Postvereine  mit  Korea  (S.  311)
und  französisch  Indo-China,  deren  Gebiete  unsern  Kontinent  erheblich ­
  überragen.
Die  nähern  Bedingungen,  unter  denen  diese  Vereinsbildungen
stattfinden,  kann  man  weiter  unten  (S.  300  ff.)  erfahren.
Im  ganzen  ergibt  sich,  dass  bereits  ein  Gebiet  in
der  Grösse  von  68,5%  des  heutigen  Weltpostvereinsgebiets ­
  vorhanden  ist,  das  sich  aus  Ländern  mit  Nachbarptostvereinsbeziehungen
  zusammensetzt.  Es  lassen  sich
in  allen  Weltteilen  zusammen  nicht  weniger  als  26  Nachbarpostvereine ­
  aufweisen.  Die  Summe  ihrer  Einwohnerzahlen
(1156  Millionen)  ist  grösser  als  die  des  ganzen  Weltpostvereins ­
  (1151  Millionen)  zu  Ende  1907.
Tafel  III  (S.  42)  gibt  die  Grössenverhältnisse  der  einzelnen
Weltteile  zu  der  Summe  ihrer  Nachbarpostvereinsgebiete  an.
Bei  Europa  macht  letztere  87,7  %  des  Areals  und  78,1  %  der
Bevölkerung  aus.  Bei  Nordamerika  sind  es  99,9  und  99,7  °/o,
        <pb n="86" />
        45

bei  Amerika  überhaupt  53,3  und  66,8  %.  Bei  Afrika  allerdings
erst  20,2  und  18,2  %.  Bei  Mitrechnung  der  Kolonialpostvereinsgebiete ­
  würden  sich  diese  Zahlen  freilich  bedeutend  erhöhen.
Von  Australien  und  Oceanien  bilden  91,8%  des  Gesamtareals ­
  und  86,1  %  der  Bevölkerung,  vom  australischen
Festland  100%  Kachbarpöstvereine.  In  Asien  sind  es  77
und  83  %.
Erstaunlich  gross  sind  auch  viele  der  Kolonialreichs-Postvereine
  (Tafel  IV,  S.  46),  deren  wir  insgesamt  11  zählen,
Russland  und  die  Türkei  mit  ihrem  ausgedehnten  Länderbesitz
mitgerechnet,  ebenso  Japan  mit  Formosa,  Sachalin  und  andern
Inseln,  in  Verbindung  mit  dem  Postwesen  des  abhängig  gewordenen ­
  Korea.*)
Diese  Vereine  schliessen  meist  Länder,  die  über  den  runden
Erdball  weit  zerstreut  sind,  zu  einem  einheitlichen  Postgebiet
mit  dem  inländischen  Porto  zusammen,  damit  den  Einheitstarif
des  Pennyportos  ohne  jede  Rücksicht  auf  die  Entfernung  bis  in
die  äussersten  Konsequenzen  verfolgend.
Die  nachstehende  Tafel  gibt  zugleich  an,  in  welchen  Weltteilen ­
  die  Besitzungen  liegen,  die  so  postalisch  geeinigt  sind,
uud  wie  gross  ihr  Flächenraum  und  ihre  Einwohnerzahl  ist.

*)  Nach  den  Angaben  des  Berner  Bureans  im  „Recueil“  vom  Juli  1902
galt  schon  damals  im  Verkehr  Koreas  einerseits  sowie  Japans  und  der
japanischen  Postämter  in  China  andererseits  das  interne  japanische
Porto.  Nach  dem  russisch-japanischen  Kriege  schloss  Japan  mit  dem
abhängig  gewordenen  Korea  den  Vertrag  vom  17.  November  1905,  wonach
Japan  die  auswärtigen  Angelegenheiten  Koreas  übernimmt  und  die  innere
Verwaltung  einem  japanischen  Gouverneur  unterstellt.  Das  koreanische
Postwesen  hatte  Japan  schon  durch  ein  Abkommen  vom  1.  April  1905
vollkommen  zur  Verwaltung  übernommen.  Internationale  Verkehrsabkommen ­
  Koreas  mit  fremden  Staaten  müssen  durch  Japan  abgeschlossen
werden,  ähnlich,  wie  Frankreich  es  mit  der  Regentschaft  Tunis  macht.
Seit  dem  Juni  1905  gibt  es  in  Korea  auch  nicht  mehr  koreanische,  sondern
nur  noch  japanische  Postwertzeichen.  Die  Verschmelzung  beider  Postbezirke, ­
  die  also  ein  einziges  Postgebiet  oder  einen  Postverein  (Eealunion)
darstellen,  wurde  durch  eine  besondere  Erinnerungsmarke  gefeiert  (vgl.
„Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1905,  S.  269  u.  365).  Im  Berner  Recueil  von
1907  wird  Koreas  Postverein  mit  Japan  übrigens  gar  nicht  erwähnt.
        <pb n="87" />
        46

Tafel  IV.
Nr.  27—37:  Kolonialreichs-Postvereine  (alle  Weltteile  umfassend).

0)  fl

Gesamt-CD

  fl

Kolonialreichs-Postverein

Gebietsgrösse  nach  Weltteilen

rfl  A

gebiet

-fl  fl

(Mutterland,  und  Kolonien)

des  Vereins

in

qkm

[V&amp;gt;

qkm

3  @

27.  Dänemarks  (ohne  Island  1
und  Westindien)  .  .  .  j

Europa
Polargebiete  (Grönland) ­


40  384
2  169  750

2,61
0,01

|  2  210184

2,62

28.  Italiens  J

Europa
Afrika

286  682
490  000

33,44
0,68

}  776  682

34,12

Europa

315  197

44,83

Asien
Afrika  (einschliessl.

5  184015

302,51

29.  Gross-Britanniens  (nebst
Aegypten)

Aegypten)  .  .  .
Amerika  (mit  Polar-8

  804  512

45,66

32901729

407,30

gebieten)....
Australien  und  Ozea-10

  340  672

8,31

nien

8  257  333

5,99

Europa

33  079

5,67

Asien

1  520  628

37,72

30.  der  Niederlande  .  .  .

Amerika
Australien  und  Ozea-130

  231

0,13

2  078  727

43,76

nien

394  789

0,24

Europa

536  464

39,25

Asien

664  209

16,13

31.  Frankreichs

Afrika

5  173  858

31,31

6  484  243

87,21

Amerika
Australien  und  Ozea-82

  000

0,44

nien

27  712

0,08

Europa

540  777

63,00

Asien  ..  -  .  .  .  .

501

0,03

32.  Deutschlands 6 )  .  .  .  .  ■

Afrika
Australien  und  Ozea-2

  408  800

11,90

3  193  881

75,39

nien

243  803

0,46

°)  Aus  Hübners  Tabellen  für  1908  (S.  17)  ergeben  sich  diese  Zahlen  für  Deutschland ­
  und  seine  Schutzgebiete,  während  an  anderer  Stelle  (S.  95  f.),  besonders  für  die
afrikanischen  Kolonien  andere,  abweichende  Zahlen  stehen.  Der  Gothaer  Hofkalender
für  1909  (S.  511)  gibt  den  deutschen  Besitz  in  Afrika  mit  2  352  200  qkm  an,  den  aller
Schutzgebiete  zusammen  aber  mit  2  598  520  qkm,  so  dass  das  ganze  Kolonialpostvereinsareal ­
  also  hiernach  nur  3  137  297  qkm  ausmachen  würde.  Ob  diese  Zahlen  neuer  und
richtiger  sind,  weiss  ich  nicht.  Doch  so  genau  kommt  es  uns  hier  nicht  darauf  an.
        <pb n="88" />
        O  Ö

Gesamt-®

  s

KolonialreichS'Postverein

Gebietsgrösse  nach  Weltteilen

5  s
o  C  °

gebiet

S  S
o  Ü  O

(Mutterland  und  Kolonien)

des  Vereins

in

qkm

3  ^

qkm

3  ^

33.  der  Vereinigten  Staaten

Asien  (Philipp,  usw.)
Amerika  (V.  St.)  (mit

296  310

7,63

von  Nordamerika  (mit

Cuba  und  Panama)

9  860  463

87,45

10  1  74  190 7 )  95,25

Cuba  und  Panama)  .  .

Australien  und  Ozeanien



17  417

0,17

34.  Portugals  1

Europa

92  575

5,42

|

Asien

19  918

0,80

2182  454

12,68

i

Afrika

2  069  961

6,46

!

35.  Japans  (mit  Korea)  .  .

.  .  t  Japan  .  .
Asien  &amp;lt;  „
1  Korea  .  .

452  922
218  200

52,33
9,67

j  671122

62,00

Europa

5  377  444

123,19

36.  Russlands

f  Asien
j  (Aralsee  und  Kasp.

16  628  276

26,14

Meer)  ....

506  457

—

22803184

151,33

1  Vasallenstaaten  .
Polargebiete  (Neusi-265

  000

2,00

[22  296  727
ohne  Aralsee ­
  u.Kasp.

birische  Inseln)  .

26  007

—

Meer]

37.  der  Türkei  (mit  Novi-  j

Europa

169  317

6,13

1

Asien

1  766  800

16,90

[  2  987  117

24,03

bazar)  (

Afrika  (Tripolis)  .  .

1  051  000

1,00

i

Summe  des  Gebiets  der  11  Kolonialpostvereine  .  .

86  463  463

995,69

Voln  Gebiet  des  Weltpostvereins  (Ende

1907):

113991  748  qkm  .  .

75%

1151,25  Mill.  Binw.  .

—

86,5%

7 )  Nach  Hübners  Tabellen;  einschliesslich  240  841  qkm  für  die  Kanadischen  Seen
ünd  Küstengewässer.  Nach  dem  Gothaer  Almanach,  der  für  die  Union  mit  allen
Kolonien  9  792  434  qkm  angibt  (Hübner  nur  9  727  036,  ohne  die  Kanadischen  Seen),
kämen  im  ganzen  10  239  588  qkm  heraus  (statt  10  174  190).
        <pb n="89" />
        48

Deutschlands  Kolonialpostverein  ist  etwa  so  gross,  wie  %
Europas,  reicht  aber  bis  zu  den  Antipoden.  Der  französische
Verein  ist  doppelt  so  gross,  etwa  %  Europas  gleichkommend.
Das  Gebiet  der  amerikanischen  Union  mit  ihren  Kolonien  und
Schutztaaten  übertrifft  unseren  Kontinent  an  Ausdehnung;
Russland  ist  mehr  als  doppelt  so  gross;  der  Kolonialpostverein
des  britischen  Weltreichs,  einschliesslich  des  Schutzstaats
Aegypten,  aber  erweist  sich  mit  seinen  32  901  729  qkm  und  407
Millionen  Menschen  etwa  3%  mal  so  gross  wie  Europa,  oder
etwa  so  gross  wie  Nordamerika,  Australien  und  Westeuropa
zusammen,  und  in  diesem  ganzen  gewaltigen  Gebiet,  von  England ­
  bis  Neuseeland  und  im  britischen  Besitz  aller  Weltteile
herrscht  das  Pennyporto,  derselbe  Portosatz  von  8'/a  Pf.,  der
innerhalb  Londons  und  Englands  gilt  (nur  in  Australien  sind  es
noch  2  d).
1875  war  der  ganze  Weltpostverein  (37  000  000  qkm)  auch
nicht  wesentlich  grösser  als  dieses  britische  Pennyportogebiet
von  heute,  das  bei  Einrechnung  der  amerikanischen  Union,
dieser  früheren  britischen  Kolonie,  die  ja  neuerdings  auch  mit
England  einen  Postverein  bildet,  fast  43  Millionen  qkm  umfasst,
d.  h.  37%  des  ganzen  Weltpostvereinsareals.  Sämtliche  11
Kolonialreichspostvereine  zusammen  stellen  heute
einen  Plächenraum  dar,  der  75%  des  Weltpostvereinsgebiets ­
  und  86,5%  Seiner  Einwohnerzahl,  gleichkommt.
Wenn  das  Pennyporto  im  weitern  Sinne  in  der  Welt  schon
so  stark  überwiegt,  da  ist  es  sicherlich  an  der  Zeit,  es  allgemein
auf  den  ganzen  Weltverkehr  auszudehnen.
Die  Postvereine  überseeisch  von  einander  entfernter
fremder,  selbständiger  Länder  sind  ähnlicher  Art,  wie
die  Kolonialreichspostvereine.  Doch  während  diese  die  weit
zerstreuten  Teile  eines  und  desselben  Reiches  zusammenfassen,
handelt  es  sich  bei  jenen  um  die  postalische  Vereinigung  von
ebenfalls  entfernten  und  durch  Meere  getrennten  fremden
Ländern,  die  aber  voneinander  unabhängig  und  selbständig  sind.
Ich  habe  in  der  nachstehenden  Tafel  V  (S.  49)  jedes  Land  in
allen  seinen  Beziehungen  dieser  Art  dargestellt,  was  zwar  zu
Wiederholungen  führt,  aber  ein  klareres  Bild  gibt.
        <pb n="90" />
        i

49

Tafel  V:
Postvereine  entfernter  fremder  überseeischer  Länder.
(Jedes  Land  in  seinen  Beziehungen  besonders  aufgeführt,  daher  meist  mehrere
Male  -wiederholt.)

Postvereine
mit
nachstehenden  Ländern

Landesgrösse ­

qkm

Einw.
in
Mill.

38.  Italien  s

JMutterland  .  .  .

286  682

33,44

(Kolonien  ....

490  000

0,68

a)  Tunis  (französ.)  ....

167  400

1,83

b)  Tripolis  (türk.)

1  051  000

1,00

c)  Albanien  u.  Epirus  (türk.)

28  700

0,82

d)  Greta  (türk.  )
e)  Aegypten  mit  Sudan  (türk.
Vasallenstaat,  brit.  Schutz-8

  618

0,31

gebiet)

3  029  668

14,51

Summe  .  .

5  062068

52,69

39.  der  Türkei  ....

(Alban.,  Epirus.  .

28  700

0,82

[Albanien,  Epims,  Tripolis] 8  *  10 )

(Tripolis  ....

1  051  000

1,00

1  Mutterland  .  .  .

286  682

33,44

a)  Italien  | Kolonien  ....

490  000

0,68

b)  Prankreich  mit  Kolonien  .
c)  China  (durch  die  französ.
Postämter  in  China  u.  der

6  484  243

87,20

Türkei)

11  138  880

330,13

Summe  .  .

19  479  505

453,27

40.  Aegyptens  ....

(mit  Sudan)

3  029  668

14,51

a)  England  (nebst  Kolonien)  .

29  872  061

392,79

b)  China

11  138  880

330,13

c)  Italien  (nebst  Kolonien)  .

776  682

34,12

Summe  .  .

44  817  291

771,55

8 )  Kreta  könnte  man  hier  noch  hinzunehmen.  Ob  alle  französischen

Postämter  der  Türkei  oder  nur  die  von  Tripolis  mit  denen  in  China  zum

10  Centimes-Porto  verkehren,  ist  mir  nicht  bekannt.  Ich  möchte  es  fast
annehmen.  Dann  würde  die  Türkei  in  viel  weiterem  Umfange  hier  ln  den
Postverein  hineinzuziehen  sein.
        <pb n="91" />
        50

Postvereine
mit
nach  stehenden  Ländern

Landesgrösse ­

qkm

Einw.
in
MilL

41.  Spaniens

(ohne  Guinea  u.  Goldküste)  .
a)  Portugal  (nebst  portugies.
Kolonien  [ohne  Macao  und

504  903

19,60

Timor])

2  166  194

11,42

b)  Marokko  (span.  Postämter)

456  000

7,00

Summe  .  .

3  127  097

38,02

42.  Frankreichs  .  .  .

(nebst  den  Kolonien  u.  Tunis)

6  484  243

87,20

a)  Tripolis

1  051  000

1,00

b)  China

11  138  880

330,13

o)  Marokko
[bloss  mit  Frankreich,  Algier,

■156  000

7,00

Tunis

1  593  864

46,75]

Summe  .  .

19  130  123

425,33

43.  der  Verein.  Staaten  |

/Yen  Staaten  .  .

9  369  391

84,02

von  Nordamerika  .  /

[Kolonien  ....

323  043

8,78

a)  Cuba  (Republik)  ....

118  833

2,05

b)  Republ.  Panama  ....

87  480

0,40

c)  China

11  138  880

330,13

d)  England

314  869

44,59

e)  Deutschland

540  777

63,00

f)  (Mexico

i  987  201

13,61)

Summe  (mit  f) 9 )  .  .

23  880  474

540,58

44.  der  Republik  Cuba  .

118  833

2,05

a)  Mexico
b)  der  Verein.  Staaten  (nebst

1  987  201

13,61

Kolonien)

9  692  434

92,80

c)  Republ.  Panama  ....

87  480

0,40

d)  Canada

9  659  400

5,98

e)  China?

—

—

Summe  .  .

21  645  348

114,84

9 )  Mit  Canada,  das  ebenso  wie  Mexico,  im  Nachbarpostvereinsverhältnis
zur  Union  steht,  wären  es  33  539  874  qkm  und  552,56  Millionen  Menschen.
        <pb n="92" />
        51

4*

Po  stver  eine
mit
nachstehenden  Ländern

Landesgrösse ­

qkm

Einw.
in
Mül.

45.  der  Republ,  Panama 10 )

87  480

0,40

a)  Mexico

1  987  201

13,61

b)  Cuba
c)  der  Verein.  Staaten  (nebst

118  833

2,05

Kolonien)  .

9  692  434

92,80

d)  Canada

9  659  400

5,98

e)  China?

—

—

Summe  (P.-f-a  bis  d)  .  .

•21  545  318

114,84

4ß.  Mexikos

1  987  201

13,81

a)  Cuba

118  833

2,05

b)  Panama

87  480

0,40

o)  Canada
d)  [Vereinigte  Staaten  (nebst

5,98

Kolonien)
e)  [Neuseeland  mit  ,  Dependenzen
  einseitig  (für  Neu-9

  692  434

92,80]

Seeland)

271  166

0,95]

Summe  .  .

21816  514

115,79

47.  Japans

(nebst  Kolonien)

452  922

52,33

a)  Korea

218  200

9,67

b)  China  (jap.  Postanstalten)

11  138  880

330,13

Summe  ,.  .

11810  002

392,13

48.  Neuseelands  .  .  .

271  166

0,95

(einseitig)

Mexico

1  987  201

13,61

Summe  .  .

2  258  367

14,56

49.  Portugals  ....

(nur  für  Zeitungen)  ....

92  575

5,42

(einseitig)

Brasilien

8  361  350

18,04

Summe  .  .

8  453  925

23,46

10 )  In  der  Berner  Publikation  vom  Juli  1907  (Recueil)  ist  ausdrücklich
gesagt,  dass  es  die  Republik  Panama,  also  nicht  bloss  die  der  Union
gehörende  Kanalzone  ist,  die  diesem  Postverein  angehört.  In  der  Kanalzone ­
  bestehen  seit  dem  1.  Juni  1906  18  amerikanische  Postanstalten  mit
Postanweisungsdienst  (vgl.  „Archiv  für  Post  und  Tel.“  1909,  S.  91).
        <pb n="93" />
        Postvereine
mit
nachstehenden  Ländern

Landesgrösse ­

qkm

Einvv.
in
Mill.

50.  Grosshrilantiiciis  1

JStammland  .  .  .

314  869

44,59

nebst  Kolonien  )

1  Kolonialbesitz  .  .

29  557  192

348,20

a)  Aegypten

3  029  668

14,52

b)  China  (engl.  Postämter)

11  138  880

330,13

Zu  c)  Englands  u,  Canadas
allein

c)  Vereinigte  Staaten  (ohne
Kolonien)  *)

9  369  391

84,02

Summe  .  .

53  410  001)

821,46

61.  Deutschlands  nebst  |

(Deutschland  .  .

540  777

63,00

Kolonien  .  ...  f

(Kolonien  ....

2  653  104

12,40

a)  Marokko  (deutsche  Postanstalten) ­


456  000

7,00

b)  China  (deutsch.  Postans'  alt.)

11  138  880

330,13

Zu  c)  Deutschland  ohne
Kolonien  ....

c)  Vereinigte  Staaten  (ohne
Kolonien)

9  369  391

84,02

Summe  .  .

24158152

496,55

62.  Marokkos  ....

456  000

7,00

(fremde  Postanstalten)

a)  Spanien

501  903

19,56

h)  Gibraltar  (brit.)  ....

5

0,02

c)  Frankreich

536  461

39,25

(nebst  Algier  und  Tunis)

1  057  400

7,05

d)  Tripolis  (Türkei)  [französ.
Postamt]

1  051  000

1,00

e)  Deutschland  (nebst  Kolon  )

3  193  881

75,40

f)  China  (fremde  Postämter)

11  138  880

330,13

Summe  .  .

17  938  533

479,41

63.  Chinas  Postvereine  siehe  nächstes  Kapitel  S.  59,  a)  bis  i).

Wir  sehen  in  der  obigen  Tafel  Y  im  ganzen  16  Länder
aufgeführt,  die  mit  62  andern  fernen  Ländern  oder  Ländergruppen ­
  oder  ganzen  Kolonialreichen  im  Postvereinsverhältnis
stehen.  Einige  von  ihnen  (Aegypten,  Kuba  und  Panama)  befinden ­
  sich  wohl  in  einer  gewissen  suzeränen  Abhängigkeit,
sind  aber  dabei  doch  selbständige  Staatsgebilde.

*)  Neuerdings  (Sommer  1909)  auch  Hawai,
        <pb n="94" />
        53

Zu  betonen  ist,  dass  die  in  der  Tabelle  links  stehenden
fett  gedruckten  Länder  mit  den  rechts  stehenden  besondere
Postvereine  bilden,  doch  nicht  der  Art,  dass  alle  zusammen  nun
schon  ein  einheitliches  Postgebiet  darstellen,  sondern  so,  dass
ein  Land  mit  mehreren  andern,  aber  mit  jedem  immer  gesondert, ­
  eine  besondere  Postunion  bildet.
Die  Summe  des  Areals  und  der  Einwohnerzahl  unter  jeder
dieser  Vereinsgruppen  gibt  also  nur  an,  wie  gross  für  das  eine  links
gedruckte  Hauptland  das  ganze  überseeische  Post  vereinsgebiet  ist,
in  dem  es  ein  wohlfeileres  oder  das  inländische  Porto  anwendet.
In  der  Türkei,  in  Marokko  und  in  China,  wo  sich  zahlreiche ­
  dem  Weltpostverein  angeschlossene  Postanstalten  fremder
Länder  befinden,  die  im  Verkehr  mit  dem  Mutterland  den  Inlandstarif ­
  anwenden,  wird  das  Sonderpostvereinsverhältnis  durch
eben  diese  fremden  Postanstalten  hergestellt.  Bei  der  Türkei
sind  es  übrigens  nur  einzelne  Teile  des  Reiches,  die  in  solchen
Beziehungen  stehen.
Mit  Ueberraschung  kann  man  aus  der  obigen  Tabelle  ersehen, ­
  wie  viele  und  wie  grosse,  ganz  selbständige  Wirtschaftsgebiete ­
  bildende,  weit,  weit  von  einander  entfernte  und  einander
fremde  Länder  über  Meere  und  Ozeane  hinweg  jetzt  bereits
durch  das  Pennyporto  oder  ein  anderes  ermässigtes  Porto  mit
einander  postalisch  verbunden  sind  und  ein  einziges  Inlandspostgebiet ­
  bilden,  während  nach  den  viel  nähern  Ländern  meist
das  2  —2 x /2  mal  teurere  Weltporto  gilt.  Hier  kann  man  so  recht
von  einem  Siegeszug  des  transozeanischen  Weltpennyportos ­
  reden  und  nur  wünschen,  dass  es  bald  alle  Staaten  der
Erde  erobere.  Wie  mächtig  diese  überseeischen  Sonderpostvereinsgebiete ­
  oft  sind,  die,  von  einem  Lande  als  Mittelpunkt
ausstrahlend,  es  mit  den  wichtigsten  Weltreichen  oder  gar  zugleich ­
  mit  deren  gesamtem  Kolonialbesitz  einen,  ersieht  man
aus  den  gezogenen  Summen  der  Areale  und  Einwohnerzahlen.
Spanien  steht  zugleich  mit  Portugals  weiten  Kolonien  im
Verein,  Italien  mit  Nordafrika,  der  Westtürkei  und  Aegypten;
Frankreich  mit  China,  Marokko  und  Tripolis,  einem  Gebiet
von  der  doppelten  Grösse  Europas  und  mit  Entfernungen  des
halben  Aequators.  Aehnlich  steht  es  mit  den  Vereinigten
Staaten  und  Mexiko.
        <pb n="95" />
        54

Deutschland  weist  ein  überseeisches  Postvereinsgebiet
von  24  158  152  qkm  mit  496  Millionen  Menschen  auf  —  ohne
den  Postverein  mit  Oesterreich-Ungarn  und  Luxemburg.
Aegyptens  Vereinsgebiet  ist  noch  viel  grösser:  44  817  291
qkm  mit  771  Millionen  Menschen.
Das  britische  Postvereinsareal  aber  stellt  sieh  auf
53  410  000  qkm  mit  821  Millionen  Einwohnern;  das  ist  die
ö^afache  Grösse  Europas  öder  fast  soviel,  wie  Europa  und
ganz  Asien  zusammen,  nur  alles  mit  noch  sehr  viel  weitern
Entfernungen,  mit  Ländern  an  allen  Teilen  des  Erdballs.
Die  neulich  erfolgte  Postvereinsbildung  Englands  und
Deutschlands  mit  den  Vereinigten  Staaten  ist  hierbei
natürlich  mit  berücksichtigt.  Diese  neuen  Postvereine  so  wichtiger
überseeisch  getrennter  Handels-  und  Industriestaaten  sind  weiter
unten  (S.  283  ff.  u.  287  ff.)  besonders  dargestellt  und  besprochen.
Neuseeland  bildet  mit  Mexiko  und  Portugal  mit
Brasilien  nur  einen  einseitigen  Postverein;  wenigstens  scheint
es  so  nach  den  mir  vorliegenden  Quellen,  die  leider  überhaupt
manche  Punkte  im  unklaren  lassen.  Von  den  öfter  angefühlten
Fachzeitschriften,  die  ich  daraufhin  durchforschte,  standen  mir
manche  Hefte  und  Jahrgänge  leider  nicht  zur  Verfügung.
Wenn  nun  einzelne  Länder  mit  so  vielen  andern  grossen
Staaten  in  einem  Postvereinsverhältnis  stehen,  das  einem  Gebiet
von  mehreren  Weltteilen  gleichkommt  und  die  Grösse  des  Weltpostvereins ­
  zu  Ende  der  70er  Jahre  übertrifft,  wenn  sie  durch
das  billige  Porto  im  Wechselverkehr  so  äusserst  bevorzugt  dastehen, ­
  wie  sollen  da  die  andern  Staaten  auf  die  Dauer  so  benachteiligt ­
  bleiben  und  den  grossen  Differential-Porto-Zoll  des
Weltpostvereins  für  ihre  Briefe,  diese  Bahnbrecher  von  Welthandel ­
  und  Weltindustrie,  entrichten?  Nein,  das  kann  so  nicht
bleiben.  Die  Anslandsgrenzen  des  Postverkehrs  müssen  allgemein
fallen,  nachdem  sie  schon  in  so  hohem  Grade  bei  so  vielen
Ländern  beseitigt  worden  s'nd.
Es  ist  von  hoher  Wichtigkeit,  aber  auch  von  wissenschaftlichem ­
  Interesse,  einmal  festzustellen,  wie  gross
insgesamt  Gebiet  und  Einwohnerzahl  aller  derjenigen
Länder  sind,  die  überhaupt  Pqstvereine  unterhalten.
Ich  habe  mich,  da  die  Fachliteratur  hier  eine  empfindliche
        <pb n="96" />
        55

Lücke  aufwies,  dieser  mühsamen  statistischen  Feststellung
unterzogen.  Natürlich  sind  dabei  alle  Länder  nur  einmal  gezählt. ­
  Die  nachstehende  Tafel  VI  besagt  alles  nähere.
Tafel  VI.
Oesamtgrösse  des  Gebiets  der  Postvereine  der  Welt
(Nachbarpostvereine,  Kolonialreichspostvereine  und  Postvereine  entfernter
fremder  Länder  zusammengenommen).
Jedes  Land  nur  einmal  gezählt 11 )  (ohne  die  Grenzverkehrs-Postvereine).

Die  vorhandenen  Postvereine

Quadrat-Kilometer


Millionen  Einwohner

26  Nachbarpostvereine,  11  Kolonialpostvereine, ­
  16  Länder  mit  64  Postvereinsbeziehungen ­
  nach  anderen  fernen
Ländern  oder  Ländergruppen 12 ):
Gesamtgebiet

109  886116

1310,32

In  Prozenten  des  jetzigen  Weltpostvereinsgebiets ­


96,3%

113,9%

[Weltpostvereinsgebiet  -(Ende  1907)

114  000  000

1151,25]

Also  bei  Einrechnung  Chinas  und  Marokkos,  die  als  solche
offiziell  dem  Welspostverein  noch  nicht  einmal  angehören,  obwohl
sie  ihm  durch  die  fremden  Postanstalten  in  ihrem  Gebiet  längst
angeschlossen  sind,  ergibt  sich,  dass  ein  Areal  in  Grösse  von
96  °/o  des  heutigen  Weltpostvereinsgebiets  —  ohne  China
n )  Es  ergibt  sich  da  hei  den  Postvereiuen  entfernter  fremder
überseeischer  Länder  ein  Gesamtareal  von  79  629  250  qkm  mit
1163,20  Millionen  Menschen  (China,  Marokko  und  Brasilien  mit  einbegriffen). ­
  Dazu  kommt  das  Gebiet  der  Nachbar-  und  Kolonialpostvereine, ­
  aber  nur  so  weit,  als  es  nicht  schon  einmal  in  den  vorher  genannten ­
  Gebieten  enthalten  ist,  nämlich  30  256  866  qkm  mit  147,12  Millionen
Menschen.  Insgesamt  also  109  886  116  qkm  mit  1310  Millionen  Menschen.
Ohne  China  und  Marokko  wären  es  98  291236  qkm  und  973,19  Millionen
Einwohner,  was  86,2%  des  Areals  und  84,6%  der  Einwohnerzahl  des
Weltpostvereins  entsprechen  würde.  —  Rechnet  man  aber  ,  China  und
Marokko  zum  Weltpostverein  mit,  da  sie  tatsächlich  schon  mit  ihm  verbunden ­
  sind,  so  ist  seine  Grösse  rund  125  595  000  qkm  mit  1488,4  Millionen
Menschen.  —  Die  Grenzverkehrspostvereine  sind  hier  ganz  ausser  acht
lassen.  Die  neusten  Zahlen  des  Weltpostvereinsgebiets  (Ende  1908)  siehe  S.  26
12 )  Ein  Land  mit  10  Postvereinen,  China,  wird  erst  im  nächsten
Kapitel  behandelt,  doch  ist  sein  Gebiet  bereits  hier  ln  den  Grössenzahlen
mit  enthalten.
        <pb n="97" />
        56

und  Marokko  aber  86  %  —  schon  in  Postvereinsbeziehungen  mit
billigerem  Porto  als  dem  Weltporto  steht.  Meist  ist  es  das
interne  oder  das  Pennyporto  im  weiteren  Sinne.
Die  Feststellung  dieser  Tatsache  ist  einfach  verblüffend.
Da  bedarf  es  im  Grunde  gar  keiner  weiteren  Argumente  zugunsten ­
  des  allgemeinen  internationalen  Pennyportos;  denn  wenn
dieses  schon  so  weit  gesiegt  hat,  so  kann  ein  vollkommener  Sieg
auf  dem  gesamten  Erdball  trotz  aller  finanziellen  Widerstände
nur  noch  eine  Frage  kurzer  Zeit  sein.
Und  da  in  Zeiten  wirtschaftlicher  Krisen,  wo  das  Geld
knapp  ist  und  alle  Spesen  doppelt  empfunden  werden,  Verkehrserleichterungen ­
  stets  besonders  am  Platze  sind,  so  dürfte  der
gegenwärtige  Augenblick  zu  einer  solchen  Deform  besonders
geeignet  sein,  zumal  da  die  meisten  Postverwaltungen  der  AVelt
mit  ungeheuren  Ueberschüssen  wirtschaften  und  eine  zeitweilige
vorübergehende  Mindereinnahme  daran  natürlich  dauernd  nichts
wesentliches  ändern  würde,  während  die  Posten  Gelegenheit
bekämen,  sich  ihrer  gemeinnützigen  Daseinszwecke  wneder  in
höherem  Masse  zu  erinnern  als  bisher.
Die  deutsche  Reichspost  hat  ja  allerdings  durch  die  im
Juli  1909  beschlossenen  notwendig  gewordenen  Gehaltserhöhungen
ihrer  Beamten  sehr  grosse  Mehrausgaben  zu  gewärtigen;  doch
wird  der  dadurch  stark  verminderte  Ueberschuss  zweifellos
binnen  kurzem  wieder  steigen,  und  Yerkehrserleichterungen  sind
oft  nicht  das  schlechteste  Mittel  dazu.
        <pb n="98" />
        57

Kapitel  V.
Der  Chinesische  Weltpostverein
oder
Die  meistbegünstigte  Nation.
Cliung-kuo,  das  uralte  grosse  „Reich  der  Mitte“,  dessen
Einwohnerzahl  in  unseren  statistischen  Nachschlagebüchern  vorsichtig ­
  mit  330  Millionen  angegeben  wird,  nach  den  chinesischen
„Zählungen“  aber  allein  in  den  18  Provinzen  des  eigentlichen
Chinas  430  Millionen  betragen  soll,  Ohung-kuo  am  gelben  Meere
erhebt  gern  den  Anspruch,  weit  früher,  als  wir,  die  weissen  Söhne
des  fernen  kleinen  Europas,  die  wichtigsten  Erfindungen  und
Entdeckungen  der  neueren  Zeit  gemacht  zu  haben.  Kompass,
Schiesspulver  und  Buchdruckerkunst  wollen  danach  zuerst  dort
erfunden  worden  sein.
Staats-  und  Privatposten  gibt  es  da  schon  seit  unvordenklichen
Zeiten,  schon  seit  Confutius.  Dem  AVeltpostverein  ist  das  grosse
gelbe  Yölkermeer  mit  seiner  eigenen  neuen  Reichspost  zwar  noch
nicht  angeschlossen,  trotz  wiederholt  geäusserter  Absicht.  Aber
wozu  auch?  Ist  denn  der  alte  grosse  Weltpostverein  europäischen
Ursprungs  mit  seinem  teuren  Briefporto  für  die  Söhne  des  Weltreichs ­
  der  Mitte  nicht  schon  ein  überwundener  Standpunkt,  eine
überholte  Einrichtung?  Haben  die  Chinesen  nicht  im  Inlande
schon  eine  viel  billigere  Brieftaxe  als  wir  Europäer,  nur  halb  so
teuer,  wie  das  Pennyporto  (SVa.Pfg-))  auf  das  wir  uns  so  viel
einbilden,  nämlich  2  ostasiatischo  Dollarcents  oder  4  Pfg.  für  jede
Unze  (28  g)?  Auch  darin  haben  sie  uns  also  überholt.
Aber  wenn  das  Poi’to  des  Weltpostvereins  in  der  Regel  nur
doppelt  oder  2*/2iual  so  teuer  ist,  wiedas  inländische  Briefporto,
z.  B.  20  Pfg.  gegenüber  10  Pfg-  oder  2'/a  d  gegenüber  1  d,  weshalb ­
  soll  da  der  Anwohner  des  Jangtse  und  Hoangho  gleich  das
5  fache  für  einen  Brief  nach  dem  Auslande  bezahlen?
        <pb n="99" />
        58

Ist  doch  uns  goldreichen  Europäern  selber  das  Weltporto  schon
viel  zu  kostspielig  geworden,  sodass  wir  uns  mit  der  Gründung
von  Nachbar-,  Kolonial-  und  Uebersee-Postvereinen  zu  helfen
suchten  und  ein  internationales  Pennyporto  wenigstens  teilweise
für  eine  'Anzahl  unserer  Verkehrsbeziehungen  schon  geschaffen
haben.  Der  Chinese  mit  dem  sehr  viel  geringeren  Durchschnittseinkommen ­
  in  entwertetem  Silber  ist  gegen  die  hohe  Weltportoausgabe ­
  aber  noch  viel  empfindlicher.
Auch  China  hat  daher  —  freilich,  o  AVunder  des  Schicksals,
ohne  sein  Zutun!  —  seine  Sonderpostvereine  mit  benachbarten
und  fernen  Ländern  bekommen.  Aber  was  wir  noch  erst  anstreben, ­
  einen  weltumfassenden  Pennyporto-Verein,  das  ist  dort
schon  nahezu  erfüllt.
Wir  haben  bestenfalls  einzelne  Sonderpostvereine  grossen
Stils,  Kolonialpostunionen  und  Ueberseepostvereine,  China  aber
hat  bereits  seinen  eigenen  AVeltpostverein,  einen  Sonder-Weltpostverein
  mit  dem  Pennyporto  oder  Inlandsporto
der  ihm  angeschlossenen  Länder  als  Posttaxe.
Ich  nenne  diesen  chinesischen  Verein,  der  vom  Reich  der
Mitte  als  Mitielpunkt,  als  „Nabel  der  Welt“,  wie  es  vom  Orakel
zu  Delphi  hiess,  ausstrahlt  und  die  wichtigsten  und  grössten
Reiche  der  Erde  umfasst,  einen  AVeltpostverein,  einmal  wegen
seiner  ungeheuren  Grösse  und  dann,  weil  er  sich  auf  alle  fünf
Weltteile  erstreckt.  Der  „Allgemeine  Postvereiu“  von  1874
erhielt  ja  ‘auch  1878,  als  er  sich  in  alle  Weltteile  ausgedehnt
hatte,  den  Namen  „AVeltpostverein“.
Auch  der  chinesische  Sonderpostverein  ist  in  dem  Sinne
ein  AVeltpostverein,  ein  einheitliches  Verkehrsgebiet  für  die
Beziehungen  nach  und  von  China,  wenn  auch  die  von  da  ausstrahlenden ­
  Anschlussländer  untereinander  nur  zum  kleinen  Teil
das  Inlandsporto  gegenseitig  anwenden.
Die  nachstehende  statistische  Uebersicht,  die  eigentlich  noch
in  die  Tafel  V  des  vorigen  Kapitels  (S.  52)  unter  die  Ueberseepostvereine ­
  ferner  selbständiger  Länder  gehört,  gibt  ein  anschauliches ­
  Bild  darüber,  mit  welchen  Ländergebieten  das  chinesische
Reich  im  Postvereinsverhältnis  steht.
        <pb n="100" />
        59

Tafel  VII.
Die  Postvereine  Chinas.
(Der  chinesische  Weltpostverein.)

qkm

Millionen
Einwohner

Postvereine  Chinas

11  188  880

330,13

mit  a)  Deutschland  nebst  Kolonien

3  193  881

75,40

h)  Grosshritannien  nebst  Kolonien  ....

29  872  061

392,79

c)  Aegypten  .

3  029  668

14,51

d)  Frankreich  nebst  Kolonien

6  484  243

87,20

e)  Tripolis  (Türkei)

1  051  000

1,00

f)  Japan

452  922

52,33

nebst  Korea  (von  Japan  verwaltet)  ....

218  200

9,67

g)  Marokko

456  000

7,00

h)  Russland  mit  Vasallenstaaten

22  296  727

151,33

i)  den  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika
nebst  Kolonien  (ohne  Cuba  und  Panama)  .

9  692  434

92,80

Zusammen  .  .

87  886  016

1214,16

Von  diesem  Gesamtgebiet  entfallen  auf  die  verschiedenen
Weltteile:

Grösse  und  Bevölkerung ­
  des
Weltteils

Grösse  und  Bevölkerung ­
  der
darauf  entfallenden ­
  Postvereinsteile ­

des  chinesisch.
Vereins

In  °/ 0  des
ganzen  Weltteils ­


1.  Europa:

qkm

9  897  004

6  776  913

68,4

Millionen  Einwohner  .  .

425,93

270,27

08,6

2.  Asien:

qkm

44  284  784

35  354  770

80,3

Millionen  Einwohner  .  .

827,38

736,90

90,2

3.  Afrika:

qkm

30  015  573

17  862  170

59,5

Millionen  Einwohner  .  .

133,58

96,87

72,8

4.  Amerika:

qkm

39  807  296

19  944  164

60,1

Millionen  Einwohner  .  .

160,60

96,20

60

5.  Australien  und  Ozeanien:

qkm

8  954  922

8  546  766

95,4

Millionen  Einwohner  .  .

6,71

6,70

99,8
        <pb n="101" />
        60

Grösse  dos  Weltpostvereins

Grösse  des
chinesischen
Postvereins
fl909)

In  %  des
Weltpostvereins ­


1875/76:  qkm

37  000  000

Millionen  Einwolmer  .

350,0

—

—

1888/89:  qkm

85  000  000

—

—

Millionen  Einwolmer  .

980,0

—

—

1907/08:  qkm

118  991  748

87  886  01«

77

Millionen  Einwohner  .

1151,24

1214,16

105,4

Wir  sehen  das  „Reich  der  Mitte“  also  einen  Postverein
bilden  mit  Deutschland,  England,  Frankreich,  Japan,
Nordamerika  und  ihren  Kolonien,  ferner  mit  Aegypten,
mit  Teilen  der  Türkei  (Tripolis),  mit  Marokko,  mit  dem
angrenzenden  Korea,  dessen  Postwesen  mit  dem  Japans  verschmolzen ­
  ist,  sowie  mit  dem  grossen  Nachbarn  Russland.
China  selbst  mitgerechnet,  weist  dieser  chinesische  Weltpostverein ­
  ein  Gebiet  von  87  886  016  qkm  mit  1214
Millionen  Menschen  auf,  während  der  „Allgemeine
Postverein“  1875  erst  37  000  000  qkm  und  350  Millionen
Einwohner  und  als  späterer  Weltpostverein  selbst
1888/89  bloss  85  000  000  qkm  und  980  Millionen  Menschen
z  ählte.
Verglichen  mit  dem  heutigen  Weltpostvereinsgebiet ­
  (113  991  748  qkm)  ergibt  sich,  dass  der  chinesische
Verein  77  °/o  seiner  Arealgrösse  besitzt  und  —  man  höre
und  staune!  —  105,4  %  seiner  Einwohnerzahl  auf  weist,
also  noch  mehr  Menschen  zählt  (1214  Millionen),  als  der
ganze  alte  Weltpostverein  nach  den  letzten  amtlichen
Angaben  (1151  Millionen  Einwohner).
Aber  auch  in  bezug  auf  die  einzelnen  Weltteile  ist  das
Ergebnis  erstaunlich.  Von  Europa  stehen  68,4  °/o  des  Areals
und  63,6  %  seiner  Einwohner  (270  Millionen)  mit  China  im
Postvereinsverhältnis,  von  Asien  80,3  %  des  Plächenraums  und
90,2  %  der  Menschen  (bei  Mitrechnung  von  China  selbst),  von
Afrika  59,5  °/o  des  Weltteilgebiets  und  72,8  °/o  seiner  Menschen,
von  Amerika  50,1%  und  60%  und  von  Australien  und
Oceanien  sogar  95,4%  des  Areals  und  99,8  %  der  Menschen.
        <pb n="102" />
        Gl

Als  ich  diese  Zahlen  festgestellt  hatte,  war  ich,  wie  ich
bekennen  muss,  selbst  auf  das  höchste  erstaunt.  China  erscheint ­
  damit  in  bezug  auf  den  internationalen  Briefpostverkehr ­
  als  die  postalisch  meistbegünstigte  Nation
der  Erde;  ein  wunderbares  Unicum  für  sich.  Denn  von
den  andern  Ländern  des  Erdballs  weist  keines  auch  nur  annähernd ­
  so  weite  und  umfangreiche  Sonderpostvereinsbeziehungen
mit  allen  Weltteilen  auf.  Und  mit  einem  gewissen  Neid  müssen
wir  andern  auf  diese  Vorzugsstellung  blicken,  die  man  gerade
jenem  grossen  ostasiatischen  Lande  im  Weltpost  verkehr  eingeräumt ­
  hat,  trotzdem  viele  andere  Handels-  und  Industrie-Völker
  mit  regeren  Beziehungen  nach  andern  Ländern  eine
solche  Verkehrserleichterung  eigentlich  viel  nötiger  hätten,  als
gerade  das  verhältnismässig  noch  schwach  im  internationalen
Nachrichtenversand  und  Welthandel  entwickelte  chinesische  Volk.
Wie  ist  nun  aber  China,  wenn  es  noch  nicht  einmal  offiziell
mit  den  eigenen  Postanstalten  dem  Weltpostverein  angeschlossen
ist,  zu  einem  solchen  eigenen  zweiten  Weltpostverein  für  sich
gekommen?  Durch  die  viel  en  Postanstalten  fremder  Länder
|  ®
in  seinem  Gebiete,  lautet  die  Antwort.  Diese  fremden  Postanstalten ­
  —  104  an  der  Zahl  und  auf  69  Städte  Chinas
verteilt  —  sind  als  solche  dem  Weltpostverein  angegliedert. ­
  Tatsächlich  steht  damit  auch  ganz  China,  soweit
es  überhaupt  internationale  Postbeziehungen  von  Belang  unterhält, ­
  im  Weltpostverein,  und  ist  zwar  noch  nicht  de  jure,  aber
doch  de  facto  sein  Mitglied.  In  diesem  Sinne  schreibt  auch  die
halbamtliche  „Deutsche  Verkehrszeitung“  (1903,  S.  196),
„dass  verschiedene  Länder,  obwohl  sie  dem  Weltpostverein ­
  nicht  angehören,  in  bezug  auf  die  Abwickelung
ihres  Postverkehrs  doch  als  ihm  angegliedert  erscheinen,
weil  in  ihnen  von  fremden  Postverwaltungen  unterhaltene ­
  Vereinspostanstalten  bestehen.  Ganz  besonders
I*  gilt  dies  von  China,  wo  deutsche,  englische,  französische,
russische,  amerikanische  und  japanische  Veroinspostanstalten
  vorhanden  sind,  ferner  von  Marokko,  wo  Vereinspostanstalten ­
  von  Deutschland,  England,  Frankreich  und
Spanien  unterhalten  werden.  .  .  .“
Man  könnte  nun  einwenden,  dass,  im  Gegensatz  zu
        <pb n="103" />
        62

andern  dem  Weltpostverein  beigetretenen  Ländern,
vom  grossen  China  ihm  doch  nur  gewisse  Teile  angehörten. ­
  Aber  in  Wirklichkeit  ist  das  bei  vielen
Ländern,  die  regelrecht  angeschlossene  Vereinsmitglieder  sind,
auch  nicht  anders.  Von  Chinas  11  138880  qkm  mit  330  Millionen ­
  Menschen  kommen  3  877  000  qkm  mit  319,5  Millionen  Chinesen ­
  auf  das  eigentliche  China,  den  östlichen  Teil,  939280  qkm
mit  5,5  Millionen  Einwohnern  auf  die  Mandschurei,  2  787  600  qkm
mit  1,85  Millionen  Einwohnern  auf  die  Mongolei  (mit  der  Wüste
Gobi),  1426000  qkm  mit  1  Million  Menschen  auf  die  Tienschanländer ­
  Ostturkestan  und  die  Dsungarei  und  endlich  2109000  qkm
mit  2,25  Millionen  Einwohnern  auf  Tibet  nebst  den  Kukunorlandschaften. ­

Nun  verteilen  sich  aber  die  fremden  Postanstalten  nicht
bloss  auf  die  Vertragshäfen  des  eigentlichen  China,  nein,  es  gibt
ihrer  auch  im  Innern  am  Jangtse  und  anderweit  welche,  ferner  viele
in  der  Mandschurei,  in  der  Mongolei  (auf  der  Strasse  Kiachta—
Peking),  auch  einige  in  der  Dsungarei  und  Ostturkestan.  Bloss  in
Tibet,  das  aber  weiter  nicht  in  Betracht  kommt,  fehlen  sie  noch.
Bei  vielen  andern  Staaten,  die  als  ganze  und  mit  ihrem
vollen  Gebiet'  dem  AVeltpostverein  angeschlossen  sind,  steht  es
aber  ähnlich,  manchmal  selbst  mit  der  Zahl  der  Postanstalten.
Von  russisch  Sibirien,  ebenfalls  Vereinsmitglied,  ist  die  Nordostprovinz
  Jakutsk  mit  den.  Neusibirischen  Inseln  3  947  568  qkm
gross  (mit  etwa  300  000  Bewohnern),  also  grösser  als  das
eigentliche  China.  In  der  Zahl  der  Weltpostanstalten  dürfte  es
diesem  weit  nachstehen.  Der  Kongostaat  ist  als  ganzer  dem
AVeltpostverein  beigetreten,  aber  trotz  seiner  2  382  800  qkm  (mit
19  Millionen  Menschen)  zählt  er  insgesamt  bloss  50  Postanstalten
(1906);  in  Abessinien  (800  000  qkm),  seit  dem  1.  November  1909
Vereinsmitglied,  gibt  es  blos  3  Postanstalten  (vgl.  Archiv  f.  Post
u.  Tel.  1909,  S.  307),  in  amerikanisch  Alaska  (1  552  500  qkm,
63592  Einw.)  vielleicht  kaum  ein  paar  Dutzend,  in  Nordkanada,
obwohl  es  dem  AVeltpostverein  zugehört,  vielleicht  noch  weniger.
Und  von  Aegypten  (994300  qkm)  —  mit  dem  zugehörigen  Sudan
3  029  668  qkm  —  ist  bloss  eine  Fläche  von  33  607  qkm  bebaut  und
der  grösste  Teil,  obwohl  mit  zum  AVeltpostverein  gehörend,  dürfte
doch  noch  ohne  Postanstalten  sein  oder  nur  hie  und  da  eine
        <pb n="104" />
        63

auf  weisen,  ähnlich  wie  ■  die  fremden  Postämter  in  China  weit
zerstreut  sind.
In  Tripolitanien  (Türkei)  —  1  051  000  qkm  —  gibt  es
übrigens  auch  nur  4  Weltpostanstalten,  davon  3  nichttürkische,
fremde.
Die  geringe  Zahl  der  fremden  Weltpostanstalten
im  grossen  Reich  der  Mitte  ist  also  kein  Grund  dagegen, ­
  das  ganze  Land  als  dem  Weltpostverein  tatsächlich ­
  angegliedert  zu  betrachten.
Aus  denselben  Gründen  kann  man  aber  auch  sagen,  dass
das  gesamte  chinesische  Reich  mit  den  erwähnten
Ländern  einen  Sonderpostverein  bildet,  den  ich  den
Chinesischen  Weltpostverein  nenne.  In  diesem  Sonderpostverein ­
  gilt  das  inländische  Porto  der  angeschlossenen
fremden  Staaten  von  deren  eigenen  Postämtern  nach  und  aus
China.  Das  ist  ein  Tarif,  den  ich  im  weitern  Sinne  als  das  Pennyporto, ­
  das  internationale  oder  Welt-Pennyporto  bezeichne.
Aus  und  nach  den  britischen  Ländern  ist  es  also  1  Penny
(8^2  Pf-)i  aus  nach  den  französischen  10  Centimes  (8,1  Pf.),
aus  und  nach  Amerika  2  Cents  (8,4  Pf.),  aus  und  nach  Japan
gar  nur  3  Sen  (6,3  Pf.),  aus  und  nach  Deutschland  dagegen
10  Pf.  und  Russland  gar  7  Kopeken  (15  Pf.),  dem  innern
russischen  Briefporto  entsprechend.  Bei  den  vier  zuletzt  genannten ­
  gilt  das  billige  Porto  nicht  bloss  für  Briefe.  So  ist  also
das  Weltpostvereinsporto  hier  allenthalben  unterboten,  das  Welt-Penny-Porto
  im  weitern  Sinne  hat  gesiegt.
Aber  selbst  in  den  Bällen,  wo  ein  Brief  aus  diesen  Ländern
nach  China  —  oder  umgekehrt  —  an  solche  Orte  gehen  sollte,
wo  es  keine  fremden,  wohl  aber  eine  chinesische  Reichs-Postanstalt
gibt,  kann  das  Weltporto  noch  unterboten  werden,  wenn  man
dafür  sorgt,  dass  der  Brief  in  China  am  Orte  mit  einer  fremden
Postanstalt  mit  chinesischen  Marken  neu  frankiert  und  weiter
gesandt  wird.  Dann  käme  nur  noch  das  chinesische  Inlandsporto ­
  von  4  Pf-  hinzu,  sodass  insgesamt  bei  einem  Brief  aus
Japan  bloss  10,3  Pf-,  aus  englischen,  amerikanischen  und
französischen  Gebieten  etwa  12—12^8  Pf-  und  aus  Deutschland
14  Pf.  aufgewandt  würden.  Dieser  kleine  Zuschlag  kann  aber  als
Bestellgeld  aufgefasst  werden,  wie  es  in  manchen  jener  Länder
        <pb n="105" />
        64

auch  noch  besteht.  Nach  dem  Weltpostvertrage  (Artikel  12,3)
dürfen  zwar  ausser  dem  vereinbarten  internationalen  Porto  des
Weltpostvereins  keine  andern  Porto-Gebühren  vom  Empfänger
oder  Absender  erhoben  werden,  also  aucli  kein  Bestellgeld.  Doch
in  Sonderpostvereinen  ist  letzteres  natürlich  zulässig,  wenn  nichts
dem  entgegenstehendes  vereinbart  wird.
In  Russland  werden  Briefe  an  Landbewohner  in  Orten
ohne  Postanstalten  von  der  Reichspost  nicht  bestellt,  sondern
die  Landschaftsämter  (Semstwos),  die  eigne  Landposten  haben
(über  1000),  übernehmen  die  Briefe  zur  Bestellung  gegen  eine
vom  Empfänger  zu  zahlende  Gebühr  von  2  —  5  Kopeken  (4,3
bis  10,8  Pf-) 1 )-  In  den  Vereinigten  Staaten  waren  1905  von
68  131  Postanstalten  nur  1144  (solche  in  Städten  mit  mehr  als
10  000  Einwohnern  oder  mehr  als  10  000  Dollar  Posteinnahmen),
welche  eine  Ortsbestelleinrichtung  besassen 1  2 ),  so  dass  also  im
übrigen  die  eingehenden  Briefe  von  der  Post  —  mit  Kosten  oder
Zeitverlusten  —  abgeholt  werden  müssen.  In  Canada  besteht
ebenso  nur  in  grossen  Orten  eine  gebührenfreie  Briefbestellung,
sonst  aber  ein  Bestelldienst  durch  besondere  Boten  gegen  eine
besondere  Gebühr,  die  nicht  über  2  Cents  (8,4  Pf.)  hinausgehen
darf.  Und  ähnlich  ist  es  in  manchen  andern  Ländern.
Somit  können  wir  also  mit  Recht  behaupten,  dass  der
chinesische  Weltpostverein  ganz  China  mitumfasst  und
das  billige  chinesische  Reichs-Porto  für  Briefe  (4  Pf.),  die  etwa
von  den  Orten  mit  Auslandspostämtern  neu  frankiert  noch  nach
andern  chinesischen  Orten  ohne  ausländische  Postanstalt
weiter  gehen,  bloss  als  Bestellgeld  erscheint,  ebenso  wie
das  in  den  erwähnten  andern  Ländern.  Die  Hauptsache  ist
immer,  dass  das  chinesische  Reich  und  seine  für  den  Weltverkehr ­
  wichtigsten  Städte  mittels  des  billigen  Inlandsportos
der  vielen  angeschlossenen  Länder  des  gelben  Sonderpostvereins
erreicht  werden  können.  Das  ist  ein  grosser  Sieg  des  Weltpennyportogedankens. ­
  Bloss  die  A^erschiedenheit  der  zur
Briefaufgabe  zu  benutzenden  fremden  Postämter  in  China  und
die  kleinen  Portounterschiede  und  verschiedenen  Marken  sind
1 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1900,  S.  101;  „Das  Landpostwesen ­
  Russlands“,  und  Sieblist,  „Die  Post  im  Auslande“  1900,  S.  2;&amp;gt;5.
2 )  Vgl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1906,  S.  323  f.
        <pb n="106" />
        65

noch  ein  Mangel.  Aber  wir  haben  in  Europa  vor  noch  gar
nicht  so  langer  Zelt  manches  Ähnliche  erlebt.
Der  Hauptplatz  des  chinesischen  AVelthandels,  Shanghai,
am  Wusungfluss,  etwas  landeinwärts  vor  der  Jangtsemündung,
schön  gelegen,  mit  seinen  651  000  Einwohnern,  nicht  viel  kleiner
als  Hamburg  (803  000  Einwohner),  grösser  als  Amsterdam
(566  000  Einwohner),  Rotterdam  (404  000),  oder  Marseille  (517  000),
doppelt  so  gross  wie  Antwerpen  (310  000),  oder  Edinburg
(316  000),  weist  sieben  Postämter  von  sieben  verschiedenen
Ländern  auf.  Zwei  Minuten  von  der  breiten  Strasse  am  einmündenden ­
  AVangpoofluss,  auf  dem  „Bund“  mit  den  Dampferanlageplätzen,
  an  der  Ecke  der  Eutschau-  und  Szechuan-Road,  mitten
im  Geschäftsviertel  der  modern  anmutenden  Stadt,  erhebt  sich
der  getürmte  stattliche  Neubau  (1905)  des  deutschen  Postamts
mit  der  Kaiserlich  Deutschen  Postdirektion  für  die  26  deutschen
Postanstalten  in  Ostasien.  Der  helle  Schalterraum  bietet  100  Personen ­
  Platz. 3 )  Eür  10  Pf.  schickt  man  von  hier  einen  Brief,  für
5  Pf.  eine  Postkarte  nach  Deutschland  und  allen  seinen  Kolonien,
und  für  3  Pf.  eine  Drucksache,  trotz  der  endlosen  Entfernung.
AVill  man  nach  britischen  Ländern  schreiben,  so  kostet  es
vom  unweit  gelegenen  British  Post-Office  —  einem  bescheideneren ­
  Gebäude  mit  offenen  Schaltern  an  der  Strasse  —  nur
1  Penny  (8Va  Pf.)  für  jede  Unze  (28,34  g),  und  nach  französischen ­
  Besitzungen  vom  französischen  Postamt,  einem  neuen
schönen  Hause  im  French  Settlement  bloss  10  Centimes  (8,1  Pf.)
Das  russische  Postamt  für  den  Verkehr  nach  Russland  liegt
im  American  Settlement,  ist  aber  wegen  massigen  Verkehrs  nur
an  bestimmten  Stunden  offen.  Das  japanische  ist  nicht  weit
davon,  und  hier  ist  das  Porto  nach  Japan  oder  Korea  und
Formosa  noch  billiger:  nur  6,3  Pf.  oder  3  Sen.  Im  Gebäude
des  Konsulats  der  Vereinigten  Staaten  liegt  das  amerikanische
Postamt,  und  2  Cents  (8,4  Pf.)  genügen,  um  die  Briefe  über
den  stillen  Ozean  nach  Nordamerika  zu  befördern.  Ganz  nahe
dem  deutschen  liegt  aber  an  der  Museum-,  Szechuan-  und
Peking-Road  der  neue  stattliche  Feinziegelbau  des  Kaiserlich

8 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1905,  S.  361.
        <pb n="107" />
        66

chinesischen  Postamts  4  * )  —  chinesisch:  „Sin-kwe-su-sin-kwe“
—  drei  Stockwerke  hoch,  mit  einer  grossen  Halle  und  120  Meter
langen  Schalterräumen  zu  ebener  Erde,  die  einzelnen  Abteilungen ­
  durch  Goldbuchstaben  gekennzeichnet.  Hier  kostet  ein
Brief  nach  den  inländischen  Orten  des  weiten  Reiches  nur  4  Pf.
(2  Cents  ostasiatisch).
Freilich  ist  das  Schreiben  mit  dem  Tuschepinsei  nicht
jedermanns  Sache  und  die  Briefetikette  des  überhöflichen
Volkes  äusserst  vielgestaltig.  Format  des  Papiers,  Farbe  der
Briefumschläge,  alles  hat  für  den  jeweiligen  Fall  seine  Bedeutung, ­
  und  ein  fürstlicher  Briefschreiber  lässt  den  Briefentwurf
oft  erst  die  Zensur  von  vier  Gelehrten  passieren,  die  auch  gemeinen ­
  Leuten  bei  der  Korrespondenz  behilflich  sind 6 ).  Die
Visitenkarte  darf  nicht  fehlen,  da  der  Karne  nicht  unterschrieben
zu  werden  pflegt.
Deutschland  hat  im  Ganzen  in  China  14  Postämter  —
ausser  7  im  Kiautschougebiet  —  Frankreich  18,  England  12,
Russland  10,  Japan  50  (davon  30  in  der  Mandschurei),  am
wenigsten  aber  Amerika,  1  Amt  in  Shanghai  und  einige  Agenturen ­
  an  anderen  Orten.
Kicht  in  allen  grossen  Orten  sind  zugleich  so  viele  fremde
Postanstalten  wie  in  Shanghai;  in  Hankau,  Tschifu,  Tientsin  z.  B.
nur  je  5,  in  Peking,  Amoy,  Canton  und  Futschau  nur  je  4;
aber  dem  jeweiligen  Weltverkehr  genügt  das  sicherlich  reichlich.
Da  China  noch  zahllose  Privatpostanstalten  neben  der
neuen  Reichspost  hat  und  das  staatliche  Postmonopol  wohl  angestrebt, ­
  aber  noch  nicht  durchgeführt  ist,  so  haben  die  fremden
Postämter  auch  keinen  eigentlichen  chinesischen  Rechtsgrund
gegen  sich,  obwohl  ihre  Beseitigung,  wie  s.  Z.  in  Japan,  schon
gefordert  wurde.
Wie  ich  schon  andeutete,  sind  solche  Postämter  fremder
Staaten,  wie  sie  besonders  zahlreich  in  der  Türkei,  in  Marocco
und  China  bestehen,  übrigens  gar  keine  ausschliessliche  Eigentümlichkeit ­
  dieser  Staaten.  Wir  haben  auch  hier  bei  uns
lange  Zeit  ähnliches  gehabt,  als  die  deutschen  Länder
4 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1904,  S.  515  und  „Archiv  für
Post  und  Telegraphie“  1908,  S.  424.
8 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1905,  S.  226.
        <pb n="108" />
        07

6*

noch  unverbündete,  selbständige  und  ganz  souveräne
Staaten  waren.  Hamburg  ist  es  ähnlich  gegangen  wie
es  Shanghai  noch  jetzt  geht.  Noch  1846  gab  es  in  Hamburg ­
  neben  der  eigenen  Hamburgischen  Postverwaltung
acht  verschiedene  fremde  Postämter  anderer  Staaten:
nämlich  ein  preussisches,  ein  Thurn  und  Taxisches,  ein
hannoversches,  ein  braunschweigisches,  ein  mecklenburgisches,
ein  dänisches,'  ein  schwedisches  und  ein  amerikanisches  der
Vereinigten  Staaten. 0 )  Früher  waren  es  sogar  9.
Bremen 7 )  hatte  5,  Lübeck  2  fremde  Postämter  ausser  dem
eigenen.  Preussen  unterhielt  u.  a.  zeitweilig  auch  in  Polen
(Danzig),  und  Hannover  (Hildesheim)  eigne  Postämter.
Das  schwedische  Postamt  in  Hamburg  bestand  bis
1868,  das  dänische  Postamt  in  Lübeck  ging  am  1.  Januar
1868  ein,  das  Thurn  und  Taxissche  daselbst  schon  Ende  Juni
1867,  das  hannoversche  Ende  September  1845. 8 )
In  Hamburg  klagte  man,  dass  die  vielen  Posten  nicht  alle
in  einem  Gebäude  vereinigt  waren  und  dass  man  immer  erst
vorher  genau  wissen  müsse,  nach  welchen  Ländern  und  auf
welchen  Postkursen  die  verschiedenen  fremden  Postanstalten  die
Briefschaften  beförderten.  Denn  darin  bestand  Arbeitsteilung 9 ).
Wohl  hätte  auch  Hamburg  früher  am  liebsten  sein  Postmonopol
behauptet,  aper  es  wagte  nicht,  den  Wünschen  der  mächtigen
Nachbarn  Preussen  und  Dänemark  zu  trotzen. 10 )
Als  der  deutsch-österreichische  Postvorein  am  1.  Juli
1850  ins  Leben  trat,  da  waren  Hamburg,  Bremen  und
Lübeck  durch  ihre  preussischen  Postämter  natürlich
«)  Vgl.  Weithase,  „Geschichte  des  Weltpostvereins“  (2.  Auflage
Strassburg  1895),  S.  14  und  Stephan,  „Geschichte  der  preussischen  Post“
(1859),  S.  73  und  491  f.
7 )  Siehe  auch  den  Aufsatz  von  Weise,  „Das  bremische  Postwesen
bis  zur  Gründung  des  Norddeutschen  Bundes“  im  „Archiv  für  Post  und
Telegraphie“  (1907),  S.  481  —  498,  und  ebenda  S.  500—505  den  Artikel
„Schwedische  Postanstalten  in  Deutschland  zur  Zeit  des  30  jährigen  Krieges“
(in  Hamburg;  Leipzig  1631  —  1635  und  1612  —  1650).
8 )  Vgl.  Crole,  Geschichte  der  deutschen  Post  (Eisenach  1889),  S.  305.
9 )  Crole,  S.  306.
10 )  Heute  unterhält  England  u.  a.  auch  in  der  freien  Republik  Panama
noch  ein  eigenes  Postamt;  Frankreich  aber  in  Zanzibar  (vgl.  Sieblist,  Post
im  Auslande,  1900,  S.  47).
        <pb n="109" />
        tatsächlich  auch  dem  Verein  angegliedert.  Mit  ihren
eigenen  Postveinvaltungen  und  Staatswesen  traten  sie  ihm  offiziell ­
  erst  später  bei,  nämlich  vom  1.  Januar  1852  ab. 11 )
Das  war  also  zeitweilig  ein  Zustand,  wie  er  jetzt
in  China  herrscht;  durch  die  Postanstalten  eines  fremden
Staates,  neben  der  eigenen  Landespost,  wird  ein  Staatswesen ­
  in  ein  internationales  Postvereinsverhältnis  gebracht. ­

Aber  Preussen  übte  ausserdem  vertragsmässig  in  Anhalt-Bernburg
  und  Göthen,  in  Schwarzburg-Sondershausen
und  Rudolstadt,  in  der  Weimarschen  Enklave  Allstedt
und  in  Waldeck-Pyrmont  das  Postregal  aus 13 ),  so  dass  auch
diese  Länder  durch  eine  fremde  Postverwaltung  dem
Postverein  angegliedert  waren.
Zu  erwähnen  wäre  hier  auch  die  eigenartige  Stellung  der
Post  des  Pürsten  von  Thurn  und  Taxis,  die  durch  seine
Belehnung  durch  den  Römischen  Kaiser  mit  dem  erblichen
Reichs-General-Postmeisteramt  (1595  und  1615)  —  komischer
Weise  aber  gerade  in  den  Ländern,  die  nicht  österreichisch  waren
und  wo  die  kaiserliche  Macht  in  Wirklichkeit  versagte  —  wohl
den  Charakter  eines  Reichsregals  erhielt,  tatsächlich  aber  doch
ein  privates  Erwerbsunternehmen  eines  einzelnen  Crossspediteurs
war,  das  1848  jährlich  etwa  eine  Million  Culden  —  1865  aber
750  000  El.  —  Reingewinn  abwarf  und  erst  am  1.  Juli  1867  nach
Ablösung  durch  Preussen  gegen  die  Summe  von  9  Millionen
Mark  einging. 13 )  1848  erstreckte  sich  das  Taxissche  Postgebiet
über  16  deutsche  Staaten  und  umfasste  2675  Quadratmeilen
(147  125  qkm);  1865  waren  es  noch  674  Quadratmeilen  (37  070  qkm)
mit  3,2  Millionen  Einwohnern.  Es  bestanden  da  437  Post-  lX
lX )  Stephan,  Geschichte  der  preussischen  Post,  S.  495  und  502.
12 )  Stephan,  S.  507  ff.  In  Krakau  bestand  ein  prenssisohes  Postamt
bis  1847.
13)  yg].  hierzu  Stephan,  Geschichte  der  preussischen  Post;  Crole,
Geschichte  der  deutschen  Post  (1889),  S.  256ff.;  Archiv  für  Post  und  Telegraphie ­
  1907,  S.  433—442;  „Die  deutschen  Lehensposten  des  17.  bis  19.  Jahrhunderts“ ­
  von  H.  Herzog  (mit  Quellenangaben);  E.  Krickeberg,  Heinrich
v.  Stephan  (1897),  S.  54—69;  K.  Techentin,  Heinrich  v.  Stephan  (1899),
S.  20—37.  Ausserdem  die  wissenschaftliche  Spezialliteratur  über  die  Geschichte ­
  des  Hauses  Thum  und  Taxis.
        <pb n="110" />
        69

anstalten  mit  etwa  3000  Beamten,  von  denen,  beiläufig  gesagt,
der  Taxisscfie  Generalpostdirektor  damals  ein  höheres  Gehalt
(26  000  Fl.  =  52  000  M)  bezog,  als  der  gegenwärtige  Staatssekretär ­
  der  deutschen  Reichspost,  der  Gebieter  von  34  072  Postanstalten ­
  mit  277  116  Beamten,  dem  die  bestehende  Ministergehaltsskala ­
  nur  30  000  M  Gehalt  —  ebensoviel  wie  1835  der
preussische  Generalpostmeister  v.  Nagler  erhielt  (Stephan,  S.  695)
—  und  14  000  M  Repräsentationskosten  aussetzt,  während  Rowland
  Hill  schon  in  den  1850er  Jahren  als  „Secretary“  des
englischen  Generalpostamts  sich  auf  40  000  M  (2000  £)  stand
und  der  Generalpostmeister  2500  £  bezieht.
Die  Thum  und  Taxissche  Postverwaltung,  die  früher  auch
in  Württemberg  und  Bayern 14 )  Fuss  gefasst  hatte,  herrschte  in
Frankfurt,  Nassau,  Hessen-Darmstadt,  Hohenzollern,  Hessen-Homburg, ­
  Sachsen-Weimar,  Meiningen,  Koburg-Gotha,  Schwarzburg,
Reuss,  Kurhessen  und  Lippe,  auch  hatte  sie  Postanstalten  in  den
Hansastädten 15 )  und  entsprechende  Postkurse.  Sie  hatte  zweierlei
Briefmarken,  nach  Silbergroschen  und  nach  Kreuzern  berechnet,
und  beförderte  1865  etwa  16  Millionen  Briefe  und  insgesamt
22  Millionen  Briefpostgegenstände  neben  14,2  Millionen  Zeitungen.
Nur  zögernd  und  dem  Drucke  der  öffentlichen  Meinung
folgend,  trat  die  Thurn  und  Taxissche  Post  dem  seit  dem
1.  Juli  1850  bestehenden  deutsch-österreichischen  Postverein  (mit
dem  dreizonigen  Porto  von  ],  2  und  3  Sgr.)  bei,  und  zwar  mit
ihrem  Postgebiet  in  den  Thüringischen  Staaten  und  ihren  Postanstalten ­
  in  Frankfurt,  Bremen,  Hamburg  und  Lübeck  vom
l.Mai  1851  ab,  mit  Nassau  am  30.  April  1851,  mit  den  beiden  Hessen
am  1.  Oktober  1851  und  mit  den  Lippeschen  Gebieten  erst  1853.
Auch  hier  sehen  wir  nun  ein  ähnliches  Verhältnis,
wie  es  der  durch  die  fremden  Postanstalten  in  China
geschaffene  Postverein  des  chinesischen  Reiches  mit
jenen  andern  Ländern  heute  darstellt,  nur  dass  der  Fürst
zu  Thurn  und  Taxis  eine  fremde  Privatpost,  aber  keine  fremde
staatliche  Post  darstellte,  die  in  einem  andern  Lande  den  Betrieb
14 )  Vgl.  auch.  „Archiv  für  Post  turd  Telegraphie“  1909,  S.  33  ff.:  „Zum
100jährigen  Bestehen  der  Königlich  Bayerischen  Post“,  von  Eaddatz.
’ 5 )  Seit  1817  wechselten  sie  auch  Briefpakete  mit  Belgien  und  Frankreich ­
  durch  Preussen.  Stephan,  S.  439.
        <pb n="111" />
        70

eröffnet  und  es  in  ein  Vereinsverhältnis  zu  dritten  bringt,  mit
denen  es  ein  gleiches  Porto  hin-  und  herwärts  unterhält  und  ein
gemeinsames  Postgebiet  bildet.
AVie  kamen  jene  fremden  Länder,  die  in  China  eigene
Postanstalten  unterhalten,  dazu,  das  Porto  auf  die  inneren  Sätze
der  Heimat  herabzusetzen?  Nun,  abgesehen  davon,  dass  sie  jetzt
auch  bei  dem  Verkehr  aus  China  heimwärts  wenigstens  einen
Teil  des  früheren  höheren  AVeltportos  selbst  einnehmen  —  was
allerdings  durch  die  kostspielige  Unterhaltung  der  Aemter  und
den  geringeren  Portosatz  auf  gewogen  wird  —  war  es  hauptsächlich ­
  das  Interesse  am  Handel  mit  einem  stetig  konsumkräftiger
werdenden  Eiesenvolke,  verbunden  mit  gewissen  nationalen  und
politischen  Interessen  in  Betreff  der  eignen  Staatsangehörigen
und  des  Machtgleichgewichts  im  äussersten  Osten.  Das  Weltpostvereinsporto ­
  erwies  sich  als  zu  hoch  und  zu  hemmend.
Nach  dem  Glothaer  Hofkalender  (1909)  stellte  sich  Chinas
Aussenhandel  1907  folgendermassen  (in  Millionen  Haikuan
Taels  zu  3,33  M):

V  erkehrsländer

Einfuhr

Ausfuhr

Hongkong  .(britisch)

1  55,04

97,23

Straits  und  Singapore

5)3o

4,06

Britisch-Indien

32,91

3,18

Grossbritannien

77,56

12,11

Britisch-Amerika

1,13

0,70

1.  Britische  Länder  zusammen

272,59

117,28

2.  Japan

57,46

39,35

3.  Vereinigte  Staaten

36,90

26,60

4.  Deutschland

16,12

6,11

5.  Frankreich

3,16

30,66

6.  Russland

0,91

17,20

7.  Belgien

10,58

3,98

8.  Italien

0,61

8,04

9.  Macao  (portugiesisch)

5,84

4,09

10.  Sonstiges  Europa

3,57

2,01

11.  Andere  Länder

21,26

9,07

Gesamthandel

429,07

204,38

Rückausfuhr

12,67

—

Summe

416,40

264,38
        <pb n="112" />
        71

Chinas  Zolleinnahmen  ans  dem  auswärtigen  Handel:
28,15  Millionen  Haikuan  Taels.
Briefe  setzen  den  Handel  in  Bewegung  und  begünstigen
ihn,  und  der  Handel  bringt  wieder  hohe  Zolleinnahmen,  die
weit  wichtiger  sind,  als  das  Porto.  Auch  China  selbst  hat  also
von  diesen  Portoherabsetzungen  Vorteile.  Die  fremden  Postanstalten ­
  haben  ihm  bisher  genützt  und  seine  eigene  neue
Reichspost,  die  schon  2541  Postanstalten  (Ende  1907)  zählt,
durch  ihre  vorbildliche  Wirkung  nur  gefördert.
Aber  wenn  die  Vereinsländer  des  chinesischen  Weltpostvereins ­
  schon  bei  diesen  Handelsumsätzen  eine  Begünstigung
des  Verkehrs  durch  das  billige  Inlandsporto  für  notwendig
hielten,  wie  in  aller  Welt  dürfen  sie  da  auf  die  Dauer  in
Europa  und  anderweit  den  Verkehr  mit  andern  noch  viel
wichtigeren  Handelsländern  durch  das  viel  teurere  Weltporto
hemmen?  Hein,  auf  die  Dauer  geht  das  nicht,  zumal  da  die
Zolleinnahmen  aus  einem  vermehrten  Handel  wichtiger  und
grösser  sind  als  die  Portoeinnahmen.

Deutschlands  Ein-  und  Ausfuhrwerte  (in  Millionen  Mark)
betrugen  1907  für  den  Spezialhandel  nach  dem  Statistischen
Jahrbuch  für  das  Deutsche  Reich  (1908)  im  Verkehr  mit:

Einfuhr

Ausfuhr

Ein-  und
Ausfuh  r
zusammen

China  .  .  .

56,7

63,2

119,9

Kiautschau

0,3

3,4

3,7

Hongkong

0,1

5,0

5,1

Japan

29,4

102,4

131,8

Marokko

8,5

1,1

9,6

Grossbritannien

976,6

1060,4

2037,0

Russland  in  Europa

1047,2

420,4

1467,6

.,  „  Asien

G0,2

17,3

77,5

Finnland

22,7

62,7

85,4

Oesterreich-Ungarn

812,3

716,6

1528,9

Frankreich

453.6

449,1

902,7

Belgien

296,7

342,9

639,6

Italien

285,4

302,9

088,3

Holland

227,5

452,1

679,6
        <pb n="113" />
        72

Einfuhr

Ausfuhr

Ein-  und
Ausfuhr
zusammen

Schweiz

210,8

446,4

657,2

Rumänien  .

149,8

68,6

218,4

Schweden  .

172,0

186,6

■  358,6

Spanien

139,9

65,6

205,5

Dänemark

123,0

207,1

330,1

Norwegen

31,3

85,6

116,9

Britisch-Indien

407,1

104,7

511,8

Nlederländisch-Indien

187,1

42,6

269,7

Argentinien

442,5

179,2

621,7

Brasilien

196,0

104,1

300,0

Canada

9,8

29,6

39,4

Chile

143,9

84,7

228,6

Mexiko

21,6

58,7

80,3

Vereinigte  Staaten  usw

1319,3

652,3

1971,6

Australischer  Bund

228,0

61,1

289,0

Man  sieht  hier  also  eigentlich  ein  Stück  verkehrte
Welt.  Das  ferne  China  ist  die  postalisch  meist  begünstigte ­
  Nation  im  Verkehr  mit  den  grossen  Handelsreichen ­
  der  Erde,  obwohl  der  Handel  dahin  recht  klein
ist.  Aehnlich  geht  es  Marocco.
Dagegen  im  Verkehr  der  Länder,  deren  Handelsbeziehungen ­
  gewaltig  gross  sind,  fehlt  diese  postalische
Meistbegünstigung  in  der  Regel,  selbst  wo  es  sich  um
angrenzende  Nachbarn  handelt  und  ein  wohlfeilerer
Postverkehr  ein  tägliches  Bedürfnis  darstellt.  Bei  den
andern  Staaten  liegen  die  Verhältnisse  meist  ähnlich,  wie  man
aus  der  Handelsstatistik  feststellen  kann.
Wenn  Deutschland  aber  mit  dem  fernen  China,  dem  fernen
Marocco  und  den  fernen  Vereinigten  Staaten  im  Postverein  steht,
wie  ist  es  da  logisch  zu  verteidigen,  dass  die  viel  wichtigeren
Nachbarbeziehungen  mit  Frankreich,  England,  Russland,  Holland,
Belgien,  der  Schweiz,  Dänemark  usw.  mit  einem  drückenden
        <pb n="114" />
        —  73  —
Dif  f  erential-Brief-Zoll  gehemmt  und  belästigt  werden?  Bei
den  anderen  Staaten  liegt  es  meist  ebenso.
Wir  sonderbaren  Europäer!  Die  Chinesen,  330  Millionen
in  China  und  13  Millionen  in  den  Postvereinsländern,  bevorzugen
wir  in  ihrem  internationalen  Postverkehr  und  machen  sie  zur  meistbegünstigten ­
  Nation,  doch  uns  selber  benachteiligen  wir.  Und
da  erlauben  wir  uns  noch  oft,  über  die  bezopften  Söhne  des
Himmlischen  Reiches  wegen  ihrer  Reformabneigung  zu  spotten!
Wir  tun  das  Entbehrliche  und  das  Notwendigere  unterlassen ­
  wir.
Eür  die  270  000  Briefe  aus  Deutschland  nach  dem  fernen
China  (deutsche  Postanstalten)  (1906)  gilt  das  Zehn  Pfennig-Porto,
  ebenso  für  die  488  000  Briefe  nach  Kiautschou,  aber  für
die  15,6  Millionen  Briefe  nach  dem  angrenzenden  Frankreich,
die  10,8  Millionen  nach  Holland,  die  13  Millionen  nach  der
Schweiz,  die  11,4  Millionen  nach  Russland  und  die  8,5  Millionen
nach  Belgien,  für  die  keinerlei  Transitgebühr  zu  bezahlen  ist,  wie
meist  nach  China,  dahin  muss  man  100%  mehr  oder  20  Pf.
bezahlen,  trotz  des  Ungeheuern  Handelsverkehrs  und  der  viel,
viel  grösseren  Dringlichkeit  eines  billigeren  Portos.
Auf  dem  Weltpostkongress  zu  Rom  (1906)  war  China
bereits  zum  zweiten  Mal  bei  solchen  Verhandlungen  vertreten,
und  der  chinesische  Bevollmächtigte  sprach  die  Hoffnung  aus,
dass  sein  Vaterland,  dem  die  Beseitigung  der  vielen  Privatposten
bisher  noch  nicht  gelungen  sei,  spätestens  auf  dem  nächsten
Kongress  —  voraussichtlich  1912  in  Madrid  —  seinen  Beitritt
verwirklichen  würde.  Deshalb  wurde  China  das  Protokoll  zur
nachträglichen  Unterzeichnung  des  Weltpostvertrags  für  alle
Fälle  offen  gehalten.  Mit  mehreren  Staaten  hat  es  übrigens
Verträge  abgeschlossen,  wonach  der  Weltposttarif  im  Wechselverkehr ­
  gilt.
Aber  ist  der  vorhandene  chinesische  AVeltpostverein,
dessen  Bevölkerungszahl  die  des  offiziellen  AA'eltpostvereins
bereits  übertrifft,  denn  nicht  eigentlich  schon  eine  vorgeschrittenere ­
  und  vorteilhaftere  Einrichtung  für  die  Söhne  des
Himmlischen  Reiches  sowohl  wie  für  die  dortigen  Europäer?
Würde  Chinas  Beitritt  zur  Union  postale  Universelle
mit  ihrem  so  viel  höheren  Porto  bei  Abschaffung  der
        <pb n="115" />
        74

fremden  Postämter  nicht  ein  arger  Rückschritt  und
eine  Verteuerung  des  AVeltpostverkehrs  sein?  Für  die
chinesisch-japanischen  Beziehungen  z.  B.  von  6,3  auf  20  Pf.  für
einen  Brief,  für  die  mit  den  britischen  und  nördamerikanischen
Ländern  von  8,5  auf  20  Pf.
Rein,  ihr  Kinder  Chung-kuos,  des  Mittelpunkts  der  Welt,
tut  uns  das  nicht  an!  AVenn  ihr  dem  alten  Weltpostverein  beitretet, ­
  ihr,  das  grösste  Volk  der  Erde,  die  meistbegünstigte  Kation,
dann  soll  das  gewissermassen  der  Schlussstein  im  Gebäude  der
Schöpfung  von  1874  sein,  und  diesem  Ereignis  zu  Ehren  sollt
ihr  der  Welt  als  Morgengabe  das  internationale  AVeltpennyporto
  mitbringen,  das  von  da  ab  für  den  ganzen  Erdball ­
  gelten  möge.  Bis  dahin  werden  auch  die  minderbegünstigten
andern  Völker  und  deren  Regierungen  diesem  Gedanken  geneigt
und  für  ihn  reif  sein,  wenn  sie  erkannt  haben,  wie  sehr  sie
hinter  euch  zurückgeblieben  sind.  China  hat  jetzt  schon  seinen
eigenen  AVeltpostverein  mit  dem  AVeltpennyporto;  da  bleibt  dem
zu  Bern  gegründeten  AVeltpostverein  gar  nichts  übrig,  als  dem
Reich  der  Mitte  im  Vereins-Portotarif  zu  folgen,  wenn  er  sich
mit  ihm  verschmelzen  will.  Was  China  hat,  wollen  wir  andern
auch:  das  Pennyporto  nach  allen  wichtigeren  Verkehrsländern
oder  nach  der  ganzen  Welt!
        <pb n="116" />
        75

Kapitel  VI.
Die  Transitgebühren  im  Weltpostverkehr.
In  der  amtlichen  Denkschrift  zum  letzten  Weltpostvertrage,
die,  vom  4.  Mai  1907  datiert,  seinerzeit  dem  Deutschen  Reichstage ­
  zuging  (Drucksache  Nr.  404,  Anhang,  S.  3),  hiess  es  in  dom
Bericht  über  den  Weltpostkongress  in  Rom  (1906)  : x )
„Die  Ermässigung  des  Briefportos  —  die  zweite  Hauptfrage, ­
  die  den  Kongress  beschäftigte  —  war  vom  Publikum  seit
')  Der  Berner  Postkongress  von  1874  hatte  sich  ebenso,  wie  die
Stephansohe  Denkschrift  von  1868,  grundsätzlich  für  Unentgeltlichkeit ­
  des  Brieftransits  durch  fremde  Länder  ausgesprochen,  im
Gegensatz  zu  der  bisherigen  Praxis,  die  sich  den  Transit  oft  hoch  bezahlen
liess,  so  dass  bis  zu  35  Pranken  für  jedes  Kilogramm  Briefe  erhoben
wurden.  Aber  einstweilen  war  die  Unentgeltlichkeit  in  Bern  nicht  zu
erreichen,  und  man  beschloss  1874  wenigstens  einheitliche  feste  Sätze  für
die  Länder  des  neuen  Weltpostvereins.  Der  Landtransit  stellte  sich  danach
für  jedes  Kilogramm  Briefe  oder  Postkarten  auf  2  Pranken,  für
Drucksachen  u.  a.  Dinge  auf  25  Centimes;  hei  mehr  als  750  km  Landtransit ­
  war  es  das  Doppelte:  4  Pranken  oder  50  Centimes.
Im  Durchschnitt  rechnete  mau  erfahrungsgemäss  auf  1  Kilogramm
100  Briefe,  also  10  g  für  jeden  Brief;  nach  der  neuen  Briefgewichtserhühung
  von  1907  von  15  auf  20  g  scheint  der  Durchschnitt  in  einigen
Ländern  etwas  höher  zu  liegen,  etwa  IS'/sg  (z.  B.  im  deutsch-amerikanischen
V  erkehr).
Der  Pariser  Welt  postkongress  von  1878  beschloß  einheitlich  nur
noch  den  Satz  von  2  Pranken  für  Briefe  und  Karten  und  25  Centimes
für  andere  Gegenstände,  ohne  die  Verdoppelung  bei  mehr  als  750  km
Beförderungsstrecke.  Die  von  Deutschland  angeregte  und  auch  von  Russland, ­
  Portugal  und  Rumänien  unterstützte  völlige  Unentgeltlichkeit  stiess
nach  wie  vor,  besonders  bei  Belgien,  auf  Widerstand.
Um  die  beförderten  Transitmengen  und  danach  die  Entschädigungen
festzustellen,  wurden  die  Briefschaften  alle  3  Jahre  28  Tage  lang  gewogen
oder  gezählt,  was  den  Verkehr  sehr  störte  und  viel  Mühe  machte.  In
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        langen  Jahren  mit  Nachdruck  erstrebt  worden.  Den  Bestrebungen ­
  konnte  eine  gewisse  Berechtigung  insofern
nicht  ab  gesprochen  werden,  als  das  Porto  seit  dem
Pariser  Postkongress  (1878)  unverändert  geblieben  war,
während  die  Transitentschädigungen  seitdem  nicht
unerhebliche  Ermässigungen  erfahren  hatten.
Vorbereitet  war  die  Verbilligung  des  Vereinsbriefportos
dadurch,  dass  fast  alle  europäischen  Länder  irn  Verkehr  mit
ihren  Kolonien  das  Inlandsbriefporto  eingeführt  hatten  und
Deutschland  waren  dazu  (1896)  42  000  Aufstellungen  nötig,  im  ganzen
Weltpostverein  aber  etwa  500  000  Aufstellungen  und  über  1000  Abrechnungen.
Dabei  ist  die  Gesamthöhe  der  Transitkosten  aller  Länder  im  Hinblick  auf  die
vielen  Postverwaltungen  lächerlich  gering  und  steht  in  argem  Missverhältnis
zu  der  grossen  Mühe.  1893  wirrden  imLandtransit  insgesamt  nur  2754793  kg
Briefe  und  Postkarten  —  also  bloss  2754  Tonnen  —  und  17  329  067  kg  Drucksachen, ­
  Warenproben  und  dergf.  befördert;  die  zu  bezahlende  gesamte
Vergütung  betrug  trotz  des  hohen  Tarifs  nur  11  167  829  Pranken,  wobei
121  Länder  oder  Postgebiete  beteiligt  waren.  Nur  17  von  ihnen
hatten  im  Gesamtabschluss  einen  Einnahmeüberschuss,  104
hatten  dagegen  zu  bezahlen.  Deutschland  hatte  als  Endergebnis
50  000  Pranken  zu  bekommen  (vergl.  hierüber  das  „Archiv  für  Post  und
Telegraphie“  1897,  S.  305—311:  „Die  Briefposttransitgebühren  im  Weltpostverein“). ­
  1890  ergaben  die  Gesamtkosten  des  Transits  8696218
Pranken  bei  106  Ländern,  von  denen  16  zusammen  einen  Ueberschuss
von  3  303  911  Fr.  hatten  und  90  ein  Minus  auf  wiesen.
Das  vom  Deutschen  Eeichspostamt  herausgegebene  „Archiv  für  Post
und  Telegraphie“  (1897,  S.  307)  schrieb  dazu:  „Allgemein  wird  angenommen ­
  werden  müssen,  dass  die  Erträgnisse  aus  den  Landtransitgebühren ­
  für  den  geschlossenen  Transit  bei  den  meisten
Ländern  über  die  Selbstkosten  hinausgehen,  die  ihnen  die  Beförderung ­
  der  Durchgangsposten  auf  erlegt“,  so  dass  also  die  Transitgebühren ­
  „den  Charakter  eines  fiskalischen  Wegezolles“  annehmen. ­
  Ablösungen  und  Abfindungen  sind  öfter  geplant  und  vorgeschlagen
worden,  da  einzelne  Haupt-Durchgangsländer,  besonders  Belgien  und
Holland,  an  den  Transiteinnahmen  sehr  stark  beteiligt  sind,  zumal  bei
den  bisherigen  riesig  hohen  Gebührensätzen,  die  in  auffallendem  Missverhältnis ­
  zu  den  Welt-Portosätzen  der  Briefschaften  stehen.  Aber  eine
Lösung  der  Frage  ist  noch  nicht  erfolgt,  wenn  seitdem  auch  weitere
Transitgebühreuherabsetzungen  stattfanden.
Nach  den  Beschlüssen  des  Weltpostkongresses  zu  Washington
(1897)  sollten  alle  Länder,  deren  Einnahmen  und  Ausgaben  aus  dem  Landtransit ­
  (nach  der  Statistik  für  1896)  zusammen  den  Betrag  von  5000  Pranken
nicht  übersteigen  und  deren  Ausgaben  für  Landtransit  höher  sind,  als
        <pb n="118" />
        77

auch  ein  grosser  Teil  des  sonstigen  Auslandsbriefverkehrs  auf
Grund  von  Sonderverträgen  ermässigten  Sätzen  unterlag“.
Leider  ist  der  Kongress  1906  aber  nur  zu  einer  kleinen  Briefgewichtserhöhung ­
  (von  15  auf  20  g)  und  einer  Verbilligung  der
weiteren  Gewichtsstufen  über  20  g  gelangt,  die  bloss  wenigen
Brief  Schreibern  zugute  kommt.
Man  wird  nun  aber  gut  tun,  es  zu  vermeiden,  dass  die
von  den  Verwaltungen  zu  zahlenden  Transitentschädigungen

die  Einnahmen,  von  einer  Landtransitbezahlung'  überhaupt  gänzlich ­
  befreit  werden.
Ferner  sollten  die  Landtransltsätze  von  2  Fr.  hezw.  25  C.  in  den
Jahren  1899  bis  1903  stufenweise  um  5  bis  15%  ermässigt  werden.
Das  Internationale  Bureau  des  Weltpostvereins  hat  bald  darauf
festgestellt,  wie  die  Verhältnisse  lagen.
Hach  der  Statistik  des  Jahres  1896,  die  seitdem  einstweilen  auch
für  die  Folge  massgebend  blieb,  betrug  die  Summe  aller  Transitgebühren, ­
  die  die  Länder  des  Weltpostvereins  einander  für  die  Beförderung ­
  ihrer  Briefpöst  durch  fremde  Gebiete  (Landtransit)  zu  zahlen  hatten,
bloss  9  698  836  Franken,  wovon  8  223  435  Fr.  auf  den  geschlossenen
Transit  (d.  h.  in  Briefbeutel  oder  Pakete  fest  verpackte  fremde  durchgehende
Briefschaften)  und  1  475  401  Fr.  auf  den  offenen  Transit  (lose,  einzelne
Briefschaften,  die  von  den  Durchgangsländern  noch  einzeln  bearbeitet
werden  müssen)  entfielen.
Diese  Summen  verteilten  sich  auf  136  Postverwaltungen,
sodass  also  jede  im  Durchschnitt  bloss  71311  Fr.  für  Transitkostenzahlungen ­
  an  fremde  Länder  zu  leisten  hatte,  ein  Betrag
von  verschwindender  Grösse,  wenn  man  bedenkt,  dass  die  Gesamtausgaben
im  Jahre  1906  z.  B.  bei  der  Postverwaltung  der  nordamerikanischen  Union
923*/ 2  Millionen  Franken,  in  Deutschland  (mit  der  Post  Bayerns  und
Württembergs)  704%,  in  England  346%,  in  Frankreich  271 1 / 2  Millionen
Franken  betrugen  und  selbst  in  kleinen  Ländern  im  Verhältnis  zu  jener
Summe  noch  sehr  hoch  waren.  Freilich  war  ja  in  Wirklichkeit  nicht
ein  gleichmässiger  Durchschnitt  vorhanden,  sondern  80  von  jenen  136  Postverwaltungen
  hatten  so  geringfügige  Beträge  zu  entrichten
(unter  5000  Franken  und  noch  viel  weniger  in  Einnahmen  und  Ausgaben,
bei  einem  Ueberwiegen  der  Schuld),  dass  diese  gemäss  dem  Beschluss  von
1897  künftig  unberücksichtigt  und  unbeglichen  bleiben  sollten.  Allerdings
gehören  zu  diesen  80  Verwaltungen  meist  aussereuropäische  Länder  und
Kolonialgebiete.  Sie  hatten,  alle  80  zusammen,  nur  88  613  Franken  an
Landtransitgebühren  zu  bezahlen  (jedes  also  durchschnittlich  bloss
1100  Franken)  und  4542  Franken  zu  bekommen  (durchschnittlich  also
56  Franken).
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        und  die  Höhe  des  vom  Publikum  zu  entrichtenden  Portos  überhaupt ­
  mit  einander  verkettet  und  von  einander  abhängig  gemacht
werden.  Das  ist  entschieden  nicht  richtig,  denn  es  ist  doch
eine  Anschauung,  die  einer  überwundenen  Epoche  des  Postwesens ­
  angehört.  Auch  im  Inlandsverkehr  bemessen  wir  das
Porto  nicht  mehr  verschieden,  je  nach  den  Unterhaltungskosten
und  der  Rentabilität  der  einzelnen  Postlinien  und  Strecken.

Nun  blieben  nacli  Wegfall  dieser  80  Verwaltungen  von  den  136
noch  f&amp;gt;6  Postgebiete  übrig,  welche  über  den  Landtrausit  abzurechnen ­
  hatten.  Ihre  Zahlungen  beliefen  sich  (nach  Abzug  jener
88  013  Franken)  zusammen  auf  9  605  681  Franken,  d.  h.  durchschnittlich ­
  für  jede  auf  171  530  Franken.  Doch  kommen  darauf  sowohl
Guthaben  wie  Schulden.
Deutschland  z.  B.  hatte  für  Landtransit  an  fremde  Länder
15112-21  Franken  zu  zahlen  und  von  fremden  Ländern  wieder  1423  751
Franken  zu  bekommen,  so  dass  es  im  Ganzen  also  mit  einer  Schuld  von
87  470  Franken  absohnitt.  Von  den  genannten  56  Verwaltungen
hatten  37  Verwaltungen  zusammen  3  331  836  Franken  an  andere
zu  leisten,  und  19  Verwaltungen  hatten  in  gleicher  Höhe
(3  331  836  Franken)  Guthaben  zu  empfangen.  Diese  3331836  Franken
machen  fast  Vg  der  Summe  von  9  605  681  Franken  aus.  Also  nur  etwa
bei  Vg  der  zu  verrechnenden  Transitgebührensumme  muss  der
Ausgleich  noch  durch  Barzahlung  erfolgen,  während  bei  2 /g
die  Schulden  und  Guthaben  sich  aufhehen  und  ausgleichen.
Die  Guthaben  sind  nun  sehr  ungleich.  Von  den  3  331  836  Fr.  hatten
zu  fordern:  Belgien,  „der  Kreuznngspuukt  der  grossen  Poststrassen
unseres  Kontinents“  (wie  es  1874  auf  dem  Berner  Kongresse  genannt  wurde),
allein  1  106  417  Fr.  und  Holland  446  005  Fr.  Denn  über  Holland  und
Belgien  geht  grösstenteils  der  Welt-Verkehr  nach  England  und  Amerika.
Weiter  hatten  zu  fordern:
Dänemark,  Frankreich,  das  Kapland  je  2—300  000  Fr.
Oesterreich,.Bulgarien,  Serbien,  Portugal,  Uruguay ­
  und  der  Oranjestaat  „  1—200  000  „
Spanien,  die  Schweiz  und  die  Türkei  „  50  —  100000  „
Zu  zahlen  hatten  dagegen,  weil  mehr  Transit  in  Anspruch  nehmend
als  selber  für  andere  leistend:
Grossbritannien  920  730  Fr.
Die  Vereinigten  Staaten  779  976  „
Russland  217616  „
Norwegen,  Brasilien,  Transvaal  je  100—200  000  „
Deutschland  und  6  andere  Länder  „  50—100  000  „
Nach  dem  erwähnten  Kongressheschluss  von  Washington  (1897)  sollte
nun  die  Transitgebühr  bis  1903  und  von  da  ab  um  15%  (d.  h.  499  775  Fr.)
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        Man  rechnet  eben  auch  ein  örtliches  Postrouten-Defizit  zu  den
Gesamtkosten  des  Betriebes,  ebenso  wie  im  Eisenbahnverkehr,
wo  Gebirgs-  und  Tunnelstrecken,  deren  Selbstkosten  viel  höher
waren,  dennoch  nicht  höher  tarifiert  werden.
Vor  100  Jahren  freilich  dachte  man  noch  anders.  Stephan
erzählt  uns  in  seiner  „Geschichte  der  preussischen  Post ; ‘  (1859,
S.  362),  wie  es  ganz  zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  noch

ermässigt  werden,  also  die  Summe  der  bar  zu  begleichenden  Transitgebühren ­
  dementsprechend  von  3  331  836  Pr.  auf  2  832  061  Pr.  heruntergelien,
  ebenso  bei  den  einzelnen  Ländern,  die  Guthaben  aufweisen  (bei
Belgien  demgemäss  16»  962  Pr.  weniger  als  vorher,  bei  Holland  66  908  Pr.
weniger  usw.,  also  je  15  °/ 0  weniger).
Für  Brieftransite  durch  Länder,  die  dem  Weltpostverein
nicht  angehören,  waren  übrigens  auch  noch  220  492  Fr.  zu  zahlen.
Diese  mit  berücksichtigt,  gab  es  45  Postverwaltungen  im  ganzen,
die  Landtransitzahlungen  leisten,  und  22,  die  Zahlungen  empfangen. ­

Die  Verrechnung  und  Bezahlung  der  Landtransite  geschieht  mit  Hilfe
des  Internationalen  Biueaus  in  Bern.  Gewöhnlich  bleiben  nach  gebuchtem ­
  Ausgleich  von  Leistungen  und  Gegenleistungen
schliesslich  nur  2—3  Barzahlungen  eines  Landes  an  andere
Länder  übrig.
Deutschland  hatte  nur  an  zwei  Länder  (Dänemark  und  Portugal)
Barsummen  zu  entrichten.  Natürlich  machen  alle  diese  Transitfeststellungen
und  Verrechnungen  noch  sehr  viel  Mühe  und  Umstände.  Die  vorstehenden
Tatsachen  habe  ich  einem  sehr  unterrichtenden  Aufsatz  der  „Deutschen
Verkehrszeitung“  1900,  S.  241—242)  entnommen.)
Nach  den  Beschlüssen  des  letzten  Weltpostkongresses  in  Rom
(1900,  in  Kraft  vom  1.  Oktober  1907  ab)  sind  nun  die  Landtrausitgehühreu
gegenwärtig  für  geschlossenen  Transit  (Beutel  oder  Pakete  mit  Briefschaften) ­
  folgende  für  jedes  Kilogramm;
a)  bei  zurückgelegten  Entfernungen  bis  zu  3000  km:
für  Briefe  und  Postkarten  ....  1  Pr.  50  Centimes
„  andere  Gegenstände  —  20  „
b)  bei  zurückgelegten  Entfernungen  von  über  3000  —  6000  km:
für  Briefe  und  Postkarten  ....  3  Pr.  —
„  andere  Gegenstände  —40  Centimes
c)  bei  zurückgelegten  Entfernungen  von  über  6000—9000  km:
für  Briefe  und  Postkarten  ....  4  Pr.  50  Centimes
„  andere  Gegenstände  —  60  Centimes
d)  bei  zurückgelegten  Entfernungen  von  über  9000  km  hinaus:
für  Briefe  und  Postkarten  ....  6  Pr.  —
„  andere  Gegenstände  —  80  Centimes
        <pb n="121" />
        zuging.  Obwohl  sonst  das  preussische  Briefporto  damals  im
allgemeinen  unverändert  blieb,  traten  in  einzelnen  Fällen  doch
Erhöhungen  ein.  „Man  konnte  sich“,  so  sagt  er,  „von  dem
Prinzip  nicht  trennen,  dass,  wenn  behufs  besserer  Beförderung ­
  der  Korrespondenz  besondere  Postanlagen
nötig  wurden,  auch  auf  der  betreffenden  Boute  besondere ­
  Portozuschläge  einzuführen  seien.  Diesem

Das  bedeutet  zwar  für  die  meisten  und  nicht  allzu  grossen  Länder
eine  weitere  Ermässigung,  denn  der  frühere  Satz  von  2  Er.,  der  schon  um
15  °/o  verbilligt  war  (auf  1,70  Er.),  wird  nun  auf  1,50  Er.,  d.  h.  um  25%
gegen  früher  (1896)  herabgesetzt  und  für  Drucksachen  (früher  25  C.,  zuletzt
2lV 4  C.)  eine  Verbilligung  um  20%  geschaffen  (gegen  1896).  Aber  ein
grosser  Rückschritt  ist  die  komplizierte  Wiedereinführung  des
4-zonigen  altmodischen  Entfernungstarifs  für  weitere  Strecken.
Er  passt  nicht  recht  zum  Hillschen  Pennyporto  und  zum  ganzen  modernen ­
  Einheitstarif  des  Weltpostvereins;  er  ist  eine  unnütze  fiskalische
Genauigkeit.  Die  Union,  Canada  und  Russland  kämen  für  diese  erhöhten
Tarife  hauptsächlich  in  Betracht.  Doch  sind  3,  4'/a  und  6  Fr.  noch  viel  zu
hohe  Sätze  für  1  kg.  Das  Einanzinteresse  einzelner  Staaten  sollte  nicht  so  weit
gehen,  dass  es  die  Solidarität  der  Yerkehrsinteressen  aller  Mitglieder  des
grossen  Weltvereins  und  den  Gesamtfortschritt  wegen  so  winziger
Einnahmen  ausser  Acht  lässt.  Die  kleinen  Opfer  an  Bareinnahmen  machen
sich  doch  durch  indirekte  Vorteile  an  Güterfrachten  und  Zolleinnahmen,
welche  der  Nachrichten  verkehr  beschafft,  meist  mehr  als  bezahlt.  Und
die  kleinkrämerhafte  Transitberechnung  steht  in  auffälligem
Widerspruch  zu  dem  weitherzigen  Verfahren  in  der  gegenseitigen ­
  unentgeltlichen  Beförderung  und  Austragung  der  eingehenden ­
  fremden  Briefschaften  (ohne  Bestellgeld),  bei  der  oft
der  vorausgesetzte  gegenseitige  Ausgleich  durchaus  nicht  vorhanden ­
  ist.
Eür  den  Transit  von  Postpaketen  (bis  5  kg)  werden  allgemein
nur  50  Centimes  von  Jedem  Laude  erhoben,  durch  das  ein  Paket  geht,  also
10  Centimes  für  1  kg.  Für  Briefpakete  wäre  das  doch  auch  gerade  genug
beim  Lnndtransit;  und  es  passt  nicht  recht  zum  Geiste  der  Meistbegünstigungsverträge, ­
  wenn  die  Pakete  des  Publikums  nur  50  C.,  die  einer  fremden  Postverwaltung ­
  aber  7,50  bis  30Er.  (für  Dkg)  beimDurchgang  bezahlen  sollen.  Denn
Paket  ist  Paket.  Was  drin  ist,  darauf  kommt  es  nicht  an,  und  das  Postmonopol ­
  bleibt  ja,  da  die  Transitfreiheit  allenthalben  gewährleistet  ist,
unberührt.  Die  Schweiz  und  Oesterreich  hatten  daher  ganz  Recht,
als  sie  1906  in  Rom  beantragten,  für  alle  Arten  Briefschaften  im  geschlossenen ­
  Transit  einheitlich  nur  10  Centimes  für  jedes  Kilo  anzusetzen.
Doch  der  Vorschlag  fand  bei  der  grossen  Mehrheit  leider  keine  Zustimmung.
Beiläuüg  gesagt,  wäre  aber  bei  den  Transitvergütungen,  so  lange,  sie
        <pb n="122" />
        81

6

Grundsätze  verdankte  schon  die  nachteilige  Binnenportotaxe
ihren  Ursprung.  Als  1803  eine  neue  reitende  Post  zwischen
Magdeburg  und  Hamburg  angelegt  worden  war,  wurde
das  Porto  für  die  mit  dieser  Post  zu  befördernden
Briefe  um  1  guten  Groschen  erhöht.“  Und  als  auf  Antrag
des  Stettiner  Handelsstandes  neue  Rehposten  von  Stettin  nach

noch  bestehen,  zu  erwägen,  ob  es  nicht  richtiger  wäre,  statt  eines  Gewichtstarifs ­
  einen  Raumtarif  anzuwenden  (nach  Kubikmetern),  da  das  Gewicht
der  transitierenden  fremden  Briefbeutel  und  Briefpakete  in  den
Eisenbahnwagen  der  Bahnposten  und  auf  den  heutigen
Dampfern  auch  nicht  die  allergeringste  Rolle  spielt  (gegenüber
der  toten  .Schiffs-  oder  Wagenlast  und  im  Hinblick  auf  den  Kohlenverbrauch), ­
  dagegen  bloss  der  vorhandene  Raum  z.  B.  im  Bahnpostwagen ­
  darüber  entscheidet,  ob  neue  Eisenbahnabteile  mit
neuen  Kosten  hinzugemietet  werden  sollen  oder  nicht.
Nach  den  Beschlüssen  von  1906  soll  die  Veranstaltung  einer  Transitstatistik ­
  fortan  bloss  alle  sechs  Jahre  (in  Russland  und  der  Mandschurei
wegen  des  wachsenden  Durchgangsverkehrs  alle  drei  Jahre)  stattfinden,  und
die  nächste  Transitermittelung  (1.  bis  28.  November  1907)  sollte  für  die
Jahre  1908  bis  1913  massgebend  sein.  Die  alte  Bestimmung,  dass  die  bisher
schon  unentgeltlichen  oder  wohlfeileren  Land-  und  Seetransite  beibehalten
werden,  blieb  für  Strecken  bis  3000  km  bestehen.  Die  Transitguthaben  von
höchstens  1000  Franken,  die  sich  bei  der  Abrechnung  zwischen  zwei  Ländern
ergeben,  sollen  unberttcksicht  bleiben  und  nicht  mehr  zur  Auszahlung  gelangen. ­
  Bis  Ende  1907  erfolgten  die  Transitzahlungen  noch  auf  Grund  der
Statistik  von  1896.  Nach  Artikel  4,  §  7  des  Weltpostvertrages  werden  seit
1907  alle  6  Jahre  neue  Nachweisungen  während  eines  28tägigen  Zeitraums
aufgestellt.  Bisher  rechnete  man  100  Briefe  auf  1  kg.  Jetzt  sind  es  vielleicht ­
  etwas  weniger.
Die  obigen  Taxsätze  bezogen  sich  nur  auf  den  sog.  geschlossenen
Transit  (transit  en  depeohes  closes).
Der  offene  Transit  (transit  a  decouvert,  Artikel  4.  §  4  des  Weltpostvertrages ­
  vom  26.  Mai  1906),  also  Briefschaften,  die  fremden  Posten
unverpackt  und  unbearbeitet  als  lose  einzelne  Stücke  zum  Durchzug  und
zur  Weiterbeförderung  übergeben  werden,  unterliegt  nach  den  letzten  Beschlüssen ­
  in  Rom  ohne  Rüksicht  auf  Gewicht  und  Bestimmungsland
folgendem  auffallend  hohen  Tarif:
Briefe,  für  jedes  Stück  6  Centimes  (4,86  Pf.);
Postkarten  und  andere  Sendungen
für  jedes  Stück  ■  .  .  .  .  2V2  &amp;gt;1  (2,025  „  ).
Wenn  Zwischenländer  offene  Transitsendungen  überhaupt  nicht  befördern ­
  wollen,  so  muss  davon  abgesehen  werden.  Die  sibirische  und  die
japanisch-mandschurische  Eisenbahn  befördern  nur  geschlossene  Transite.
        <pb n="123" />
        82

Berlin,  Prenzlau  und  Peileberg  angelegt  wurden,  -fand  die  Postbehörde ­
  es  selbstverständlich,  dass  für  jeden  Brief  auf  diesen
Routen  ein  Portozuschlag  bezahlt  wurde.
Dieser  veraltete  Gesichtspunkt  ist  sicherlich  mit  Schuld
daran,  dass  die  immer  noch  bestehenden  internationalen  Zuschläge ­
  zum  Inlandsporto  so  lange  aufrecht  erhalten  bleiben  und
immer  wieder  mit  den  allgemeinen  Transitkosten  in  Verbindung
Der  Satz  von  6  Centimes  für  jeden  übernommenen  losen  Brief  d.  h.
ungefähr  6  Tranken  pro  Kilogramm  ist  natürlich  ein  unhaltbar  hoher
Tarif,  höher,  als  z.  B.  das  inländische  Briefporto  in  China  (4  Pf.)  und
Ostindien  (4,25  Pf.).  Denn  es  wird  ja  ein  lose  übernommener  Transitbrief,
den  man  allenfalls  sortiert  und  in  geschlossene  Transite  zur  Weitersendung
verpackt,  doch  nicht  ausgetragen  (was  noch  eine  Arbeit  wäre),  sondern
bloss  mit  der  Masse  weiter  befördert.  Allerdings  kann  die  ihn  übernehmende ­
  Verwaltung  in  die  Lage  kommen,  heim  Weitersenden  selbst
dafür  Transitgebühren  (für  geschlossenen  Transit)  zu  bezahlen  (vergl.
„Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1904,  S.  431;  vergl.  auch  „Archiv  für  Post  und
Telegraphie“  1906,  S.  436).  Doch  auch  dann  bleibt  der  Satz  durchschnittlich
noch  hoch  und  die  Kontrolle  angesichts  der  Geringfügigkeit  solcher  Fälle
unverhältnismässig  umständlich.
Anträge  auf  volle  Unentgeltlichkeit  des  losen  Transits  wurden  öfter
gestellt,  aber  gingen  nicht  drrroh.
Der  Seetrausit  —  von  dem  bisher  noch  nicht  die  Rede  war  —  stellt
eigentlich  eine  noch  schwierigere  Frage  dar;  denn  die  Briefschaften,  die,
die  Meere  und  Ozeane  durchkreuzend,  nach  andern  Ländern  und  Weltteilen
gehen,  müssen  private  oder  staatliche  oder  subventionierte  Postdampferlinien ­
  benutzen.
Früher  wurden  oft  fabelhaft  hohe  Seetransitgebtihren  gefordert;
wahre  Seeschlangentarife.  England  erhob  für  den  ostindischen  Verkehr
oder  anderweit  Gebühren  bis  zu  104  Fr.  für  jedes  Kilogramm,  noch  kurz
vor  1876,  so  dass  also  auf  einen  Brief  alleilt  etwa  1  Fr.  kam.  (Vgl  „Archiv
für  Post  und  Telegraphie“  1897,  S.  310  und  Weithase,  Geschichte  des
Weltpostvereins  1895,  S.  65.)
Die  Seetransitgebühren  haben  sich  folgendermassen  entwickelt ­

  (nach  den  Beschlüssen  der  einzelnen  Kongresse):
Gebührensätze  für  jedes  Kilogramm.
Briefe  und

Drucksachen

u.  dgl.

über  300  Seemeilen

bis  zu  300  Seemeilen

unentgeltlich
i  höchstens  höchstens
j  6,50  Fr.  50  Centimes
        <pb n="124" />
        83

6*

gebracht  werden,  die  in  Wirklichkeit  gar  nicht  mehr  für  jede
Landtransitstrecke  einzeln  ausbezahlt,  sondern  höchst  summarisch
mit  Hülfe  des  Berner  Bureaus  als  Clearing  house  durch  Ausgleich ­
  der  gegenseitigen  Guthaben  und  Barzahlung  des
etwaigen  Schuldüberschusses  verrechnet  werden.
Dazu  kommen  dann  noch  die  bestehenden  subventionierten ­
  Postdampferlinien.  Wenn  z.  B.  Deutschland
auch  für  deutsche  Briefe  von  Havre  nach  New  York  einer
Briefe  und  Drucksachen
Postkarten  u.  dgl.
Frühere  billigere  Sätze  sollten  bestehen
bleiben.
Berner  Konferenz  1876:
über  300  Seemeilen:
a)  nach  und  von  Nordamerika  und  inEuropa  6,50  Fr.  50  Centimes
b)  nach  sonstigen  überseeischen  fernen
Ländern  und  von  da  26,—  „  100  „
Pariser  Kongress  1878:
a)  bis  300  Seemeilen  2,—  Fr.  25  Centimes
jedoch,  wenn  dieselbe  Verwaltung  bereits
Landtransit  erhebt  unentgeltlich
b)  über  300  Seemeilen:
1.  von  und  nach  Nordamerika  5,—  „  50
2.  nach  sonstigen  überseeischen  Ländern
und  von  da  *  1»,—  „  100  „
c)  Auf  rech  terhaltnng  der  bereits  vorhandenen ­
  billigeren  oder  unentgeltlichen  Beförderung. ­


Kongress  zu  Washington  1897:
Der  Satz  von  bisher  .  .  .  .  ,  16,—  „  Fr.
wird  ermässigt  für  die  Jahre  1899  und  1900  auf  14,—  „
1901  „  1902  „  12,—  „
und  von  1903  ab  „  10,—  „

Die  Gewichtsstatistik  von  189H  bleibt
einstweilen  für  die  Vergütungen  massgebend.
Neuester  Beschluss  des  Weltpostkongresses
zu  Rom  1906
(seit  Anfang  1908  in  Kraft):
a)  bis  300  Seemeilen  (666  km)  1,50  Fr.  20  Centimes
Wenn  die  befördernde  Verwaltung
schon  Landtrapsitgebühr  erhält,  ist  die  Seebeförderung ­
  unentgeltlich.
        <pb n="125" />
        84

französischen  Dampferlinie  eine  entsprechende  Seetransitgebühr
schuldet,  so  dürfte  die  Schuld  doch,  sofern  es  sich  um  eine  vom
französischen  Staat  subventionierte  Postdampferlinie  handelt,
mit  dem  gegenseitigen  Seetransitguthaben  erst  verrechnet  werden,
denn  deutsche  Postdampfer  nehmen  ja  wieder  von  New  York
nach  Cherbourg  französische  Briefe  mit.  Und  wenn  vorher  auch
nicht  verrechnet  wird,  so  ändert  das  nichts  an  der  Sachlage.

Briefe  und  Drucksachen
Postkarten  u.  dgl.

b)  über  300  bis  1500  Seemeilen  (2778  km)
oder  im  Verkehr  zwischen  europäischen ­
  Ländern,  im  Verkehr  Europas
mit  ansserenropäischen  Häfen  im
Schwarzen  und  Mittel-Meer  und
zwischen  Europa  und  Nordamerika  4,—  „  50  „
c)  für  weitere  oder  sonstige  überseeische ­
  Strecken  (auch  wenn  zwei
oder  mehr  Verwaltungen  die  Beförderung
besorgen)  8,—  „  100  „
d)  bereits  vorhandene  vorteilhaftere  Transitbedingungen ­
  bleiben  unberührt,
e)  Guthaben  von  1000  Fr.  (zwischen  zwei  Verwaltungen) ­
  werden  nicht  berücksichtigt.
Die  Seetransitsätze  für  je  1  kg  Briefe  oder  Karten  sind  also  immer
noch  sehr  hoch,  zumal  bei  Vergleichung  mit  den  Seetransitsätzen  für
Weltpostpakete  bis  zu  5  kg  Gewicht  (Artikel  3  des  Postpaketabkommens, ­
  Zusatzabkommen  des  Weltpostvertrags  von  1906).  Während
Postpakete  im  Landtransit  für  jedes  berührte  Land  .einheitlich  50  Centimes ­
  bezahlen,  sind  ausserdem  für  die  Seebeförderung  zu  entrichten
(1  Seemeile  =  1855  m,  nicht  zu  verwechseln  mit  der  englischen  Meile  zu
1609  m):

bis  500

Seemeilen  ..’....

.  25

Centimes

über

500  „  2500

11

.  50

11

11

2500  „  5000

11

.  100

11

11

5000  „  8000

11

.  150

11

11

8000

11

.  200

11

NB.

Pakete  bis  zu

1  kg  jedoch  höchstens

.  100

11

Sperrige  Pakete  um  50  °/ 0  mehr.
Wie  man  sieht,  kommen  also  für  ein  Paket  mit  Briefen  im  Gewicht  von
5  kg  viel  höhere  Sätze  heraus,  nämlich  bis  300  Seemeilen  7,50  Pr.,  bis
1500  Seemeilen  oder  nach  Nordamerika  20  Fr.  und  für  andere  oder  weitere
Strecken  40  Fr.,  obwohl  die  Postdampferleistung  in  beiden  Fällen  gleich  ist.
Hoffentlich  gelingt  es  bald,  im  Land-  und  Seetransit  die  Pakettransitsätze ­
  auch  für  die  Briefpostpakete  durchzusetzen  oder  durch  wohl-
        <pb n="126" />
        Als  England  1878  der  Seetransitlierabsetzung  bis  auf
15  Franken  Schwierigkeiten  bereitete,  weil  es  auf  seinen  vielen
teuer  subventionierten  Linien  die  fremden  Briefschaften  so
billig  nicht  mitbefördern  könnte,  da  erwiderte  Stephan:  „Schon
Rowland  Hill,  der  englische  Postreformator,  habe  im  Jahre  1862
in  einer  Denkschrift  nachgewiesen,  dass  das  Seeporto  von  der
Höhe  der  vom  Staate  an  die  Dampfschiffslinien  zu

feile  angemessene  j  ährliche  ßanmmieten  nach  Durchschnittsbesetzungen,
vom  Gewicht  ganz'  ahsehend,  eine  Art  P  auschsnbvention  für  fremde
Betriebsmittel  zn  schaffen,  die  dann  bald  im  wesentlichen  zur  Unentgeltlichkeit, ­
  d.  h.  der  wahren  Transitfreiheit  führt.  Im  Landtransit  und
auf  subventionierten  Linien  gleichen  sich  Leistung  und  Gegenleistung
ohnehin  wohl  zum  grössten  Teil  aus.
1890  wurden  im  gesamten  gebührenpflichtigen  Seetransit  bloss
295  672  kg  Briefe  und  Postkarten  sowie  1  668  973  kg  Drucksachen  n.  dgl.
befördert,  wofür  3  035  292  Fr.  zn  vergüten  waren.  1893  waren  es  611  794  kg
Briefe  und  Karten  neben  3  492  892  kg  Drucksachen  usw.;  Gebührensumme
4  296  320  Er.  (vgl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1897,  S.  311).  1893
insgesamt  also  bloss  4000  Tonnen!  Ein  mittleres  Schiff  voll  beladen!  Im
Grunde  eine  Bagatelle  für  den  ganzen  Weltverkehr  aller  Länder!  Und  für
solch  eine  überseeische  Ladung  von  4000  Tonnen  4  Mill.  Fr.  Frachtgebühr!
Das  ist  sehr  menschenfreundlich  gerechnet.  Wenn  die  Frachtmenge  gegenwärtig ­
  auch  20—30  000  Tonnen  jährlich  betragen  mag  —  ich  habe  keine
Zahlen  darüber  gefunden  —,  die  Gebührensumme  (wegen  der  seitherigen
Ermässigungen  jedoch  nicht  entsprechend  höher)  aber  12—15  Mill.  Fr.,
so  wäre  das  immer  noch  sehr  wenig  für  alle  Länder  des  Weltpostvereins.
Wahrscheinlich  sind  die  wirklichen  Zahlen  aber  sehr  viel  bescheidener.
Bei  Hinzurechnung  des  mit  subventionierten  eigenen  Postdampfern
  gehenden  Verkehrs  kommt  natürlich  viel  mehr  heraus.
England  allein  schickte  in  das  Ausland  und  die  Kolonien  (1906/07)
3  166  000  engl.  Pfund  (zu  453  g)  Briefe  und  Karten,  sowie  25  324  000  engl.
Pfund  andere  Briefpostsendungen  (zusammen  28  490  000  Pfund  oder  rund
13  000  Tonnen  —  zn  1000  kg  —,  davon  bloss  32%  nach  Europa)  und  bekam ­
  von  da  2  915  000  Pfund  Briefe  und  Karten  und  9  562  000  Pfund  andere
Sachen  (zusammen  12  477  000  Pfund  oder  rund  5500  Tonnen,  davon  42%  aus
Europa).  An  festen  Subventionen  und  Transitvergütungen  gab  England ­
  dafür  aus  662318  £  =  13511287  M  (davon  bloss  28680  £  für  Sendungen
nach  Europa).  Die  festen  eigenen  Subventionen  kommen  in  den  Seetransitverrechnnngen,
  von  denen  oben  die  Rede  war,  natürlich  nicht  in  Betracht,
da  jedes  Land,  das  eine  Schiffslinie  subventioniert,  dafür  unentgeltlich  seine
Rost  darauf  zu  befördern  pflegt  und  auch  die  Transiteinnahmen  für  fremde
Sendungen  dann  bezieht.  Aber  ebenso,  wie  die  festen  Dampfersubventionen, ­
  so  sollte  man  auch  die  besonderen  Transit-
        <pb n="127" />
        —  86  —

zahlenden  Subventionen  nicht  abhängig  gemacht  werden
könnte.“ 2 ).
Ebenso  kann  das  AVeltporto  nicht  von  der  Höhe
der  Land-  oder  Seetransitgebühren  abhängig  gemacht
werden.  Auf  vielen  Strecken,  besonders  auf  subventionierten
Linien,  dürfte  die  Portoeinnahme  überhaupt  ja  wohl  meist  weit
geringer  sein  als  die  Ausgabe  der  Dampfersubvention.  Die
Selbstkosten  sind  da  also  nicht  für  das  Porto  massgebend  und
dürfen  es  auch  sonst  nicht  sein;  ebenso  Wenig,  wie  in  der
Telegraphie,  die  meist  mit  einem  Fehlbeträge  arbeiten  muss,
aber  gleich  der  Post  schon  allein  für  den  Staatsnachrichtendienst
stets  eine  Notwendigkeit  ist  und  bleibt.
Die  Postdampfersubventionen  verfolgen  eben  auch  allgemeine ­
  staatliche,  schiffahrtliche,  weltwirtschaftliche,  koloniale,
nationale  und  politische  Zwecke. 8 )

ausgaben  zu  den  Generalunkosten  des  Betriebes  rechnen  und
sie  nicht  den  Briefschaften  des  Auslandsverkehrs  zur  Last
legen,  um  einen  Vorwand  zur  Aufreohterhaltung  der  Weltportozuschläge ­
  zum  Inlandsporto  zu  haben.
2 )  Vgl.  Weithase,  „Geschichte  des  Weltpostvereins“  (1895)  S.  73.
3 )  In  der  „Deutschen  Verkehrs-Zeitung“  1909,  Nr.  2,  S.  13  (in  einem
Artikel  des  Oberpostinspektors  Klär  über  „Seeschiffahrt  und  Dampfersubventionen“) ­
  wei'den  die  Dampf  er  Subventionen  verschiedener
Länder,  die  ja  zum  Teil  auch  nur  eine  Unterstützung  und  Hebung  der
eignen  Schiffahrt  im  internationalen  Wettbewerb  bezwecken  sollen,  nach
dem  neuesten  Stande  zusammengestellt.  Wir  ersehen  daraus,  dass  die
deutschen  Ausgaben  für  diese  Zwecke  im  Vergleich  mit  Frankreich ­
  und  England  besonders  gering  sind.
Die  Subventionen  und  Entschädigungen  aller  Art  und  Form  betragen

a)  in  Frankreich:
für  feste  Pauschalsubventionen  21  990  564  M
Schiffs-Bauprämien  8  320  000  „
Fahrt-  und  Ausrüstungsprämien  25  200  000  „

Insgesamt  also  55  510  564  M

b)  in  England:
1.  Zahlungen  des  Mutterlandes:
feste  Pauschalsubventionen
besondere  Vergütungen  der  Postbeförderung  .  .  .  .
Subvention  der  Bauanenlinie
Subvention  der  Hilfskreuzer  _.
Das  Mutterland  also

10  613  610  M
2  082  103  „
816  000  „•
734  400  „
14  246  113  M
        <pb n="128" />
        87

Es  fällt  uns  nicht  ein,  das  Porto  für  Briefe,  welche  auf
unseren  subventionierten  Postdampfern  nach  überseeischen
Ländern  gehen,  dann  höher  zu  bemessen,  wenn  der  betreffende
Briefverkehr  mit  seinen  Portoeinnahmen  die  jährliche  Subventionssumme ­
  nicht  deckt,  wie  das  die  Regel  ist.  Im  Gegenteil! ­
  Gerade  nach  unseren  Kolonien,  die  hauptsächlich  mit
subventionierten  Dampfern  ihre  Post  erhalten,  ist  das  Weltporto
noch  bis  auf  die  Inlandssätze  ermässigt  worden.
Die  unterstützten  Postdampfer  müssen  ja,  Aveil  sie  jährlich
eine  Pauschsumme  von  der  Regierung  erhalten,  die  Post  im
übrigen,  ohne  Rücksicht  auf  die  Masse  der  Postsäcke,  unentgeltlich ­
  mitnehmen  und  der  Postverwaltung  alle  Portoeinnahmen
und  alle  eingehenden  Transitgebühren  für  fremde  Postsendungen
überlassen.  Fracht-  und  Passagiereinnahmen  pflegen  dagegen

dem  Dampferunternehmer  zu  verbleiben.
Uebertrag:  14  246  112  M
2.  Zahlungen  der  englischen  Kolonien:
an  Subventionen  15  441  474  „
Insgesamt  (1  -f-  2)  also  29  687  587  M
Dazu  an  die  Cunard-Linie  für  2  Dampfer  mit  24'/ 2  Knoten
Geschwindigkeit  (bisher  bloss  420  000  M)  künftig  .  3  000  000  „
Im  ganzen  also  32  687  587  M
c)  in  Japan:
feste  Pauschalsubventionen  (darunter  allein  993  493  M  für
die  Strecke  Japan-Australien)  10  087  015  M
Schiffahrts-  und  Bauermunterungs-Prämien  ....  4  906  058  „
Insgesamt  20  994  273  M
d)  in  Oesterreichs
Subventionen  insgesamt  10  603  250  M
e)  in  Italiens
Subventionen  rund  9  760  000  M
f)  in  Deutschland:
feste  Pauschalsubventionen  6  940  000  M
Vergütungen  für  Postbeförderung  2  442  654  „
Insgesamt  nur  9  382  654  M
g)  in  den  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika:
Subventionen  in  Porm  von  Meilengeldern  7  243  908  M

Es  braucht  wohl  nicht  gesagt  zu  werden,  dass  es  sehr  verkehrt  wäre,
alsbald  auch  eine  Rentabilität  dieser  Ausgaben  zu  erwarten.  Denn  diese
Dampferlinien  sollen  u.  a.  neue  Wirtschafts-  und  Handelsgebiete  erschliessen
helfen  oder  Kolonien  und  Mutterländer  besser  verbinden.  Dazu  hilft  arrch
der  Nachrichten  verkehr,  der  Postverkehr.
Die  früher  (seit  1890)  mit  900  000  M  jährlich  subventionierte  deutsche
        <pb n="129" />
        Die  deutsche  Ostafrikalinie  dürfte  an  Postporto  wohl
nur  knapp  ein  Viertel  dessen  einbringen,  was  die  Subvention
jährlich  kostet.  Japan  zahlt  für  die  subventionierte  Linie  bis
Australien  fast  eine  Million  Mark  jährlich,  sein  Briefverkehr
nach  Australien  beträgt  aber  (1906)  nur  etwa  220  000  Briefpostsendungen ­
  (darunter  etwa  120  000  Briefe),  die  vielleicht
30—40  000  M  jährlich  an  Porto  einbringen.
Wenn  man  keine  eigenen  subventionierten  Linien  benutzen
kann,  so  benutzt  man  fremde  Schiffsposten  und  zahlt  die  tarifmassigen
  Seetransitgebühren.  Dem  Wesen  nach  ist  beiden
also  gemeinsam,  dass  sie  allgemeine  Betriebsausgaben  des  Seepostverkehrs ­
  '  darstellen.  Da  die  Länder  gegenseitig  ihre  Beförderungslinien ­
  benutzen,  so  wird  natürlich  oft  durch  Dienste
und  Gegendienste  ein  gewisser  Ausgleich  geschaffen  und  nur  der
Rest  ist  als  Barausgabe  anzusehen  (Privatschiffe  ausgenommen).
Postdampferlinie  (Würmannlinie)  nach  Ostafrika  und  Südafrika  erhielt  nach
der  Reichstagsvorlage  vom  6.  April  1900  (Nr.  702  der  damaligen  Reichstagsdrncksachen,
  vgl.  S.  31,  44,  46  und  88  f.)  bei  erweiterten  Fahrten  eine  auf
1  300  000  M  jährlich  erhöhte  Subvention  (für  15  Jahre).  Dafür  muss  sie
die  deutsche  Post  befördern,  doch  alle  Einnahmen  aus  der  Postbeförderung
dem  Reich  überlassen,  während  Frachteinnahmen  und  Personenfahrgelder
dem  Unternehmer  verbleiben.  Nun  lässt  sich  aus  der  Poststatistik  für  1898
(S.  88  ff.  der  Vorlage)  berechnen,  dass  die  gesamten  Posteinnahmen  der
subventionierten  Linie  kaum  viel  mehr  als  150  000  M  betragen  haben
können,  während  die  Subvention  900  000  M  jährlich  ausmachte.  Bei  dem
billigen  Kolonialporto  seit  Mai  1899  wurden  die  Posteinnahmen  aber  bald
noch  geringer.  Doch  darf  man  nicht  übersehen,  dass  die  Güterbeförderung
(dem  Werte  nach)  auf  dieser  subventionierten  Ostafrikalinie  1898  bei  der
Ausreise  schon  auf  8  Mül.  Mark  deutscher  xrnd  10,9  Mill.  Mark  ausländischer
Güter,  bei  der  Heimreise  aber  auf  11  Mill.  Mark  deutscher  und  9,1  Mill.
Mark  fremder  Güter  gestiegen  war  und  dass  von  diesen  Güterwerten  ein
beträchtlicher  Teil  ins  Reich  eingeführt  wurde  imd  ihm  Zolleinnahmeu
verschaffte,  den  deutschen  Staatsbahnen  aber  Frachteiunahmen,
so  dass  also  die  Subventionsausgabe  trotz  der  geringen  Post-Portoeinnahme ­
  vielleicht  indirekt  ziemlich  gedeckt  wurde.
Die  Zolleinnahmen  der  deutschen  Reichskasse  machen  im  allgemeinen ­
  Durchschnitt  18%  der  verzollten  Warenwerte  und  8%  der
gesamten  deutschen  Einfuhrwerte  aus:
Frankreich  hat  (bis  1905)  in  den  letzten  25  Jahren  650  Mill.
Franken  an  Subventionen  und  434  Millionen  an  Bau-,  Fahrt-  und  Ausrüstungsprämien, ­
  zusammen  also  1084  Mill.  Franken  ausgegeben,  allerdings ­
  wesentlich  auch  zum  Ziele  der  Hebung  seiner  Handelsmarine.
        <pb n="130" />
        89

Aber  diese  Regel  der  gegenseitigen  Ausgleichung
spielt  ja  auch  sonst  im  Weltpostverein  zwischen  Absende-  und
Bestimmungsland  eine  grosse  Rolle.  Wenn  Deutschland  Briefe
nach  den  Vereinigten  Staaten  entsendet,  so  behält  Deutschland
das  volle  Porto;  die  Vereinigten  Staaten  aber  übernehmen  die
deutschen  Briefe,  befördern  sie  durch  ihr  ganzes  Gebiet  unentgeltlich ­
  und  tragen  sie  noch  dem  Empfänger  ins  Haus.  Deutschland ­
  tut  aber  der  Union  mit  ihren  Briefen  den  gleichen  Dienst.
Und  da  man  nach  einer  alten  Regel  annimmt,  dass  auf  jeden
Brief  eine  Antwort  kommt,  und  die  Briefzahl  in  beiden  Richtungen
im  Grossen  und  Ganzen  ziemlich  gleich  sei,  so  verzichtet  man
auf  die  früher  übliche  halbscheidliche  Portoteilung  und  auf
gegenseitige  Barvergütungen.  Ja,  man  ist  weitherzig  genug,

Deutschland  hat  in  derselben  Zeit  nur  etwa  200  Mill.  Franken
ausgegeben,  doch  nur  für  reine  Postsubventiouen  (vgl.  „Archiv  für
Post  und  Telegraphie“  1906,  im  Aufsatz  von  Ehrhard,  S.  650;  S.  637  findet
inan  die  Subventionssummeu  der  verschiedenen  Länder  für  1905,  die  von
den  oben  mitgeteilten  übrigens  noch  stark  abweichen,  ebenso  wie  die  in
der  Berner  Poststatistik  für  1906).
England  gab  nach  dem  Bericht  des  Generalpostmeisters  für  1906/07
(vgl.  S.  379  des  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1908)  für  überseeische
Postbeförderung  sowohl  au  festen  Subventionen  wie  an  Vergütungen  nach
Gewicht  insgesamt  662  318  £  (13  500  000  M)  aus,  wovon  allein  402162  £
(8204  OOOM)  auf  den  Postverkehr  nach  Asien  und  Australien  fielen.
Die  Berner  Poststatistik  für  1906  (S.  32—35)  teilt  uns  nun  mit,  wie
gross  dieser  Verkehr  (aus  England  nach  Asien  und  Australien)  war;  nämlich
rund  16  Millionen  frankierte  Briefe,  von  denen  etwa  13*/a  Millionen  unter
dem  Pennyportotarif  nach  englischen  Kolonien  gingen;  ferner  etwa
l*/i  Million  Postkarten  zu  1  Penny;  gegen  15  Millionen  Drucksachen,
knapp  40  000  Geschäftspapiere  und  gegen  700  000  Warenproben;  unter  allen
diesen  430  000  Einschreibesendungen.  Ferner  420  000  Postpakete,  gegen
70  000  Wertpakete  und  80  000  Postanweisungen.  Wenn  man  diese  Sendungen
ungefähr  nach  den  bestehenden  Portosätzen  abschätzt,  so  werden  kaum  4  Mill.
Mark  oder  200  000  £  an  Portoeinnahmen  herauskommen,  und  für  Transiteiunahmen
  (von  fremder  Korrespondenz)  wohl  nur  ein  kleiner  Teil  jener  Summe.
Zweifellos  sind  hier  die  Vergütungs-  oder  Betriebskosten  auch  höher
als  die  Posteinnahmen  aus  dem  Porto.  Und  doch  wird  das  billige  Kolonialpenuyporto
  aufrechterhalten.  Es  hat  eben  ähnliche  Zwecke,  wie  die  Postdampfer-Subventionen
  überhaupt.  Die  internationalen  Transitvergütungen
nach  Kilogrammen  sind  nur  eine  andere  Form  der  Subventionen,  sind  eine
Bezahlung  der  allgemeinen  Betriebskosten  des  Weltpostverkehrs,  des  Vorbereiters ­
  des  Welthandels,  nach  Gewicht  oder  nach  Stücken.
        <pb n="131" />
        90

auch  dann  davon  abzusehen,  wenn  recht  merkliche  Unterschiede
der  Verkehrsmengen  eintreten.  Denn  in  Wirklichkeit  ist
die  gegenseitige  Ausgleichung  oft  gar  nicht  vorhanden. ­
 4 )  Die  Vereinigten  Staaten  senden  76  Millionen
Briefpostsendungen  mehr  an  das  Ausland,  als  sie  von
da  empfangen,  Frankreich  60,5  Millionen  mehr,  England  37,7,
Deutschland  14  Millionen.  Chile,  Schweden  und  AVestaustralien
  bekommen  etwa  doppelt  so  viel  ausländische

4 )  Der  Berner  Allgemeinen  Weltpostvereinsstatistik  für  1906  kann
man  n.  a.  die  nachstehenden  Zahlen  über  den  gesamten  Auslandsverkehr
(ahgesandte  und  eingegangene  Briefpostsendungen  aller  Art)  der  folgenden
Länder  sowie  der  Summe  ihres  Transitverkehrs  entnehmen  (in  Millionen;
Bfe.  =  frank.  Briefe;  K,  =  Postkarten;  S.  =  Briefpost-Sendnngen  aller  Art,
mit  den  Briefen  und  Karten):

dem
ahg
Bfe.

Nach  -
Auslande
e  s  c  h  i  c  k  t
K.  S.

Aus
dem  Ausls
eingegan
Bfe.  K.

inde
gen
S.

Transit-Sendungen

Bfe.  j  K.  S.

Deutschland  .  .  .

173,5

63,0

823.0

164,9

56,8

309,0

119,7

37,9

224,1

Vereinigte  Staaten.

126,2

24,2

283.0

106,3

17,5

206.7

y

y

y

Argentinien  .  .  .

8,6

0,86

11,9

18,1

29.0

y

y

y

Oesterreich  .  .  .

108,4

68,3

210.9

111,2

75,0

231,5

11,7

6,7

25,4

Chile

2,0

0,05

4,2

2,2

0,1

7,7

0,08

0,005

0,3

Frankreich....

89,6

4,8

197,9

82,0

4,5

137.4

61,4

3,6

146,4

England  ....

109,8

17,0

209,0

104,6

25,1

171,3

y

y

y

Ungarn  .....

29,4

16,8

57,5

34,7

18,5

67.0

3,9

2.2

8,0

Mexiko

7,6

1,7

13,9

8,5

1,6

39,0

‘P

y

y

Russland  ....

35,0

14,0

62,9

34,9

16,3

71,1

y

y

y

Schweden  ....

7,7

2,1

12,4

16,6

3,4

26,4

0,5

0,13

0.8

Uruguay  ....

•  1,4

0,4

3,9

2,5

0,6

10.5

1,2

0,1

1,7

Oranjekolonie.  .  .

6,0

0,5

8,7

9,6

0,4

19,4

3,5

0,35

5,5

Westaustralien  .  .

3,0

0,4

5,0

4,3

0,5

10,6

*p

•  y

y

Algier

8,4

0,8

15,1

9,0

1,3

23,7

y

y

y

Franz.  Indo-China  .

2,4

4,0

7,2

1,7

0,4

3,2

0,5

0,12

0,76

Man  achte  auf  die  zum  Teil  sehr  bedeutenden  Unterschiede  der  ahgeschickten
  und  eingegangenen  Sendungen;  auch  zwischen  einzelnen
        <pb n="132" />
        !)  1

Sendungen,  als  die  Zahl  ihrer  Sendungen  ins  Ausland
beträgt;  Argentinien,  Mexico  und  Uruguay  erhalten
fast  das  Dreifache  dessen,  was  sie  hinausschicken.  Die
näheren  Zahlen  findet  man  unten  in  der  Anmerkung.
Die  eingehenden  fremden  Sendungen  muss  das  Land,  für
das  sie  bestimmt  sind,  nicht  nur  befördern,  wie  die  Transitsendungen, ­
  sondern  auch  neu  sortieren,  meist  abstempeln  und
von  den  Briefträgern  austragen  lassen,  ohne  irgend  welche  Vergütung. ­
  Diese  Arbeit  ist  weit  grösser  und  auch  kostspieliger,
als  die  Transitbeförderung.
Unter  den  76  Millionen  Sendungen,  die  die  Union
mehr  an  das  Ausland  versendet  als  sie  von  da  empfängt  —  ich
möchte  das  als  aktive  Welt-Postbilanz  bezeichnen  —  waren
19  Millionen  frankierte  Briefe  und  6,75'Millionen  Postkarten,  die
übrigen  50  Millionen  aber  Drucksachen,  Warenproben  und  Geschäftspapiere. ­

Was  würde  das  Ausland  nun  nach  dem  jetzigen  Landtransittarif ­
  (1,50  Franken  für  Briefe  und  Karten  und  20  Centimes ­
  für  Drucksachen  usw.  auf  das  Kilogramm)  zu  fordern
haben,  wenn  diese  unausgeglichenen  Mehrsendungen  soweit  wenigstens ­
  bezahlt  würden?  Rechnen  wir  als  Durchschnitt  100  Briefe,
400  Postkarten  und  20  Drucksachen  auf  jedes  Kilogramm,  obwohl ­
  viele  von  ihnen  schwerer  sind.  Dann  würden  sich
ergeben  190  000  kg  Briefe,  16  750  kg  Postkarten,  zusammen
also  206  750  oder  rund  200  000  kg  zu  je  1,50  Franken  ==300
  000  Franken,  sofern  es  nur  Entfernungen  bis  zu  3000  km
sind.  Die  Drucksachen  (sagen  wir  durchschnittlich  50  g)  aber
machen  2  500  000  kg  zu  je  20  Centimes,  d.  h.  500  000  Franken
aus.  Zusammen  also  800  000  Franken,  die  nicht  ausgeglichen ­
  und  nicht  vergütet  werden.
Um  jene  76  Millionen  Sendungen  auszutragen,
würden  etwa  760  Briefträger  ein  ganzes  Jahr  lang  zu
tun  haben,  wobei  als  Jahresleistung  eines  bestellenden  Brief-Ländern
  ist  es  oft  ähnlich.  Frankreich  schickt  (1906)  33,33  Millionen
Briefpostsendungen  nach  Deutschland,  welches  nur  23,91  Millionen  nach
Frankreich  sendet,  also  7  Vs  Millionen  ohne  Gegenleistung  befördert  und
austrägt.  Dänemark  empfängt  von  Deutschland  7,13  Millionen  Sendungen,
schickt  aber  nur  0,05  Millionen  dahin.
        <pb n="133" />
        92

trägers  (Stadt-  und  Landbriefträger  zusammengenommen)  rund
100  000  und  als  durchschnittliche  Tagesleistung  etwa  300  Postsendungen ­
  angenommen  werden,  eine  Zahl,  die  annähernd  zutreffen ­
  dürfte,  wenn  auch  in  grossen  Städten  natürlich  täglich
ein  vielfaches  davon  geleistet  werden  mag.  760  Briefträger,
im  Durchschnitt  mit  1200  Mark  j  ährlich  besoldet,  würden
aber  eine  Ausgabe  von  912  000  Mark  darstellen,  die  dem
Auslande  also  weder  durch  Gegendienste  noch  durch
Transitgelder  vergütet  wird.
Oesterreich  empfängt  jährlich  20  Millionen  Briefpostsendungen ­
  mehr  aus  dem  Auslande,  als  es  dahin  abschiekt.
Schätzen  wir  die  Briefträgerarbeit  dafür  entsprechend  auf  ungefähr ­
  200  000  Mark,  die  auch  nicht  ausgeglichen  und  nicht
bezahlt  werden.
In  den  meisten  Ländern  stellt  der  ganze  Auslandsverkehr
indessen  nur  einen  massigen  Teil  des  Gesamtverkehrs  dar.  Aber
bei  einigen  Ländern  mit  passiver  Weltpostbilanz  ist  das
anders.
Mexico  weist  im  ganzen  Inlandsverkehr  135  Millionen
Briefpost-Sendungen  auf;  es  schickt  daneben  14  Millionen  ins
Ausland,  empfängt  von  da  aber  39,  also  25  Millionen  mehr  oder
etwa  soviel,  wie  20  %  des  Inlandsverkehrs.
Algiers  Inlandsverkehr:  28  Millionen;  ins  Ausland  15,  vom
Ausland  24,  also  9  Millionen  mehr  oder  etwa  30  %  des  Inla
  ndsverkehrs.
Bei  der  südafrikanischen  Oranje-Fluss-Kolonie  aber
beträgt  der  Inlands  verkehr  nur  5,3  Millionen,  der  nach  dem
Ausland  8,7,  der  vom  Auslande  jedoch  19,4  (neben  5,5  Millionen
Transitsendungen),  d.  h.  der  fremde  ist  fast  4mal  so  gross
wie  der  inländische  und  reichlich  doppelt  so  gross  wie  der
hinausgehende  Verkehr.  Die  Oranje-Kolonie  gibt  jährlich  (1906)
2,85  Millionen  Franken  für  den  Postdienst  aus  und  weist  ein
Defizit  von  760  648  Franken  auf.  Ihr  Postpersonal  zählt  695  Köpfe.
Von  der  Arbeit,  die  diese  oder  vielmehr  die  Briefträger  leisten,
fallen  etwa  65  °/o  auf  die  unvergütete  Beförderung  und  Austragung ­
  der  vom  Auslande  eingegangenen  Korrespondenz,  soweit
sie  nicht  durch  Gegendienste  ausgeglichen  wird.
        <pb n="134" />
        —  93  —
Wozu  nun  diese  Beispiele?  Etwa  um  den  —  Gottlob!  —
längst  siegreichen  und  altgewohnten  Grundsatz  der  gegenseitigen
Leistungsausgleichung  im  Weltpostverein  zu  erschüttern  und
blosszustellen?
Nein,  ganz  im  Gegenteil!  Ich  zeige  nur,  wie  weitherzig ­
  man  hier  verfährt!  Ohne  jede  kleinliche  Pfennigfuchserei! ­
  Man  rechnet  eben  die  etwaigen  Mehrleistungen
unter  die  allgemeinen  Betriebsausgaben  und  Generalunkosten, ­
  auch  wenn  sie  verhältnismässig  bedeutend  sind.
Dasselbe  sollte  man  daher  wenigstens  annähernd  und
weit  mehr  noch  als  heute  mit  den  nicht  ausgeglichenen
Transitleistungen  tun,  wo  es  sich  doch  oft  um  viel  geringere
Summen  handelt,  als  bei  den  obigen  Beispielen,  und  wo  das
Maximum  der  Guthaben  nur  in  einem  Falle  etwa  eine  Million
Pranken  beträgt.
Wenn  man  diese  Transitausgaben  vollständig
unter  die  Generalleistungen  des  Gesamtbetriebes
rechnet,  dann  wird  man  auch  frei  von  der  Neigung
sein,  die  Herabsetzung  der  Weltposttaxen  bis  auf  die
Inlandssätze  von  einer  erst  vorhergehenden  Herabsetzung ­
  oder  Aufhebung  der  Transitgebühren  abhängig ­
  zu  machen.  Hat  man  die  Höhe  der  Weltposttaxen
doch  auch  nicht  von  der  vollständigen  gegenseitigen  Ausgleichung
der  Leistungen  von  Ursprungs-  und  Bestimmungsland  abhängig
gemacht,  obwohl  man  sagen  könnte;  wenn  aus  dem  Auslande
so  viele  Sendungen  mehr  eingehen,  als  da  hingehen,  wenn  deren
Bestellung  soviel  Mehrausgaben  erfordert,  so  müssen  wir  die
eigenen  Sendungen  nach  auswärts  bis  zur  Deckung  dieser  Mehrausgabe ­
  im  Porto  erhöhen,  denn  diese  vorausgesetzte  gegenseitige
Ausgleichung  sollte  doch  ursprünglich  eine  vereinfachte  Form
der  halbscheidlichen  Portoteilung  für  jeden  einzelnen  Brief  sein.
AVenn  A  für  einen  Brief  nach  B  20  Pf.  bekommt  und  B  nichts,
umgekehrt  aber  ebenso,  so  ist  es  dasselbe,  als  wenn  beide  jedesmal ­
  halbscheidlich  teilen  und  jeder  von  den  20  Pf.  je  10  Pf.  für
sich  behält,  wie  das  früher  geschah.
Ich  habe  diese  Ausführungen  gemacht,  weil  immer  noch
bisweilen  —  manchmal  auch  in  gediegenen  Fachzeitschriften
        <pb n="135" />
        94

(vgl.  S.  159  u.  291)  —  auf  die  Höhe  der  Transitgebühreil  als  Hindernis. ­
  einer  Weltporto  Verbilligung  hingewiesen  wird.  Hie  Unentgeltlichkeit ­
  des  Transits  im  Weltverkehr  wird  ja  schon  seit
68  Jahren  und  von  Anbeginn  des  AVeltpostvereins  her  angestrebt;
man  kommt  ihr  durch  die  stetigen  Verbilligungen  immer  näher,
aber  man  sollte  sie  bei  der  Frage  der  Briefportohöhe  ganz  aus
dem  Spiel  lassen.  Ja,  man  kann  vielleicht  sagen:  wenn  das
Weltporto  zuerst  herabgesetzt  wird,  eine  radikale  Transitverbilligungwird ­
  dann  schon  von  selbst  folgen!  Denn  die  Postverwaltungen ­
  werden  sich  sagen:  es  ist  doch  ein  unmöglicher
Zustand,  ein  im  Vergleich  zum  Weltporto  so  unverhältnismässig
hohes  Transitporto  noch  weiter  aufrecht  zu  erhalten.
        <pb n="136" />
        95

Kapitel  VII.
WellyPennyporto  und  Postfinanzen.
Der  Haupteinwand  der  Post-  und  Finanzverwaltungen  anch
gegen  eine  Ermässigung  des  internationalen  Poi’tos  ist  immer
der  Satz:  diese  Portolierabsetzung  wird  uns  einen  so  und  so
grossen  Einnahmeausfall  verursachen  und  ,,hei  der  gegenwärtigen
ungünstigen  Finanzlage“  —  von  dieser  Ungunst  der  Finanzen
wird  in  vielen  Ländern  schon  seit  100  Jahren  geredet  -—  müssen
wir  sie  auf  eine  unbestimmte  spätere  Zeit  verschieben.
Aber  dieser  liebe  alte  bekannte  Gemeinplatz,  dessen  strenge
Durchführung  jeden  Yerkehrsfortschritt  überhaupt  verhindern
würde,  ist  bei  einer  Anwendung  auf  das  AVelt-Pennyporto  doch
nicht  ganz  am  Platz.  Ja,  der  Standpunkt,  dass  es  im  Weltbriefverkehr ­
  auf  einige  zeitweilige  kleine  Mindereinnahmen  der  Post
wesentlich  ankäme,  ist  überhaupt  gar  nicht  zu  halten,  zumal  bei
Berücksichtigung  dessen,  dass  nachher  gewöhnlich  infolge  des
Mehrverkehrs  noch  grössere  Einnahmen  als  vorher  folgen.
Nun  wird  diese  Ansicht  ja  häufig  von  den  Post  Verwaltungen
insofern  als  eine  laienhafte  hingestellt,  als  man  dabei  ausser
acht  lasse,  dass  mit  der  Verkehrssteigerung  auch  die  Ausgaben
für  Personal,  Transitgebühren  usw.  wüchsen,  so  dass  also  eine
vermehrte  Reineinnahme  gar  nicht  einträte.
Allein  diese  Behauptung  erscheint  mir  doch  als  eine  kühne
Verallgemeinerung  nur  bedingt  und  teilweise  richtiger  Tatsachen
und  bedarf  daher  einer  strengen  Prüfung,  um  so  mehr,  als  man
sich  schon  öfter  selbst  an  autoritativsten  Stellen  in  solchen
Dingen  schwer  geirrt,  hat.  Ich  erinnere  hier  nur  erneut  an
Stephans  beharrliche  Weigerung,  das  interne  einfache  Briefgewicht ­
  von  15  auf  20  g  heraufzusetzen,  weil  dadurch  ein  Ausfall
von  „4—5  Millionen“  entstünde  und  deswegen  „kein  einziger
        <pb n="137" />
        Brief  mehr  geschrieben“  würde.  Tatsächlich  brachte  diese
Reform  (1900)  aber  schon  im  ersten  Jahre  eine  Mehreinnahine
von  12  Millionen  Mark  und  erforderte  fast  gar  keine  besonderen
Mehrausgaben.  (Vgl.  S.  135  f.).
Aber  wenn  die  Verbilligung  des  AVeltbriefVerkehrs  auch
wirklich  unfehlbar  für  längere  Zeit  merkliche  Ausfälle  verursachte, ­
  es  käme  gar  nicht  darauf  an.  Tatsächlich  wird  ja
durch  die  kostspieligen  Postdampfersubventionen,  die  durch
die  Posteinnahmen  nicht  gedeckt  zu  werden  pflegen,  diese  meine
Ansicht  wenigstens  für  den  Verkehr  mit  den  Kolonien  und
einzelnen  anderen  Ländern  anerkannt.  Auch  decken  z.  B.  die
Gebühren  und  Portoeinnahmen  in  den  deutschen  Schutzgebieten ­
  bei  weitem  nicht  die  Ausgaben  für  das  dortige
Post-  und  Telegraphenwesen.  Nach  dem  Reichs-Postetat
für  1909  (S.  57)  betragen  die  Ausgaben  hier  3  002  880  M,  die
veranschlagten  Einnahmen  aber  nur  1  671  300  M,  so  dass  mithin
ein  Zuschuss  von  1  331  580  M  erforderlich  ist.  Das  Porto  ist
demnach  um  40%  zu  billig.  Der  Telegraph  und  vielfach  auch
das  Telephon  arbeiten  mit  einem  Defizit,  der  erstere  im  ganzen,
das  letztere  teilweise.
Auch  in  den  Verkehrs-  und  städtearmen  Provinzen  und.  auf
dem  Lande  erfordern  die  deutschen  Postanlagen  sowie  die
anderer  Länder  zweifellos  vielfach  grosse  Zuschüsse.  Es  ist
ein  Mangel  der  Statistiken,  dass  sie  uns  darüber  nicht  deutliche
Unterlagen  liefern,  schon  um  den  häufigen  Streit  der  Verkehrsinteressen ­
  von  Stadt  und  Land  gerecht  und  billig  schlichten
zu  können. 1 )

■*)  Aus  der  Deutschen  Reichspoststatistik  für  1907  (S.  51  f.  u.  81  f.)
kann  man  durch  Zusammenrechnung  der  angegebenen  Zahlen  die  folgenden
Peststellungen  machen.
Wir  wollen  Gross-Berlin  mit  Umgegend,  also  den  Oberpostdirektionsbezirk
  Berlin  einerseits  und  die  8  Bezirke  Bromberg,  Danzig,
Frankfurt  a.  O.,  Gumbinnen,  Königsberg,  Köslin,  Posen  und
Stettin  andererseits  miteinander  vergleichen.  Der  Bezirk  Berlin  ist  nur
631  qkm  gross  (mit  3  067  000  Einwohnern),  die  8  anderen  Bezirke  umfassen
die  östlichen  Provinzen  Ost-  und  Westpreussen,  Pommern,  Posen  und  die
Osthälfte  der  Mark,  zusammen  über  140  000  qkm  (mit  8V4  Millionen
Menschen).
Auf  den  Berliner  Bezirk  kommt  ein  Post-  und  Telegraphenpersonal
        <pb n="138" />
        97

7

Im  Weltpostverkehr  ist  aber  für  die  industriell  und  kommerziell ­
  hoch  entwickelten  oder  auch  für  die  international  exportierenden ­
  agrarischen  Länder  ein  beständiger  '  Reingewinn
oder  eine  unbedingte  Vermeidung  von  Zuschüssen  bei  den
Ausländsbriefen,  die  den  Handel  doch  erst  vermitteln,  noch
weniger  am  Platz  als  anderswo.  Denn  der  Exporthandel  ist
für  viele  Länder  die  allerwichtigste  Lebensfrage  geworden.  Die
Post  aber  ist  hier  die  Pfadfinderin  des  Welthandels  durch  Bevon
  33  625  Menschen  (davon  625  dem  Beichspostamt,  der  Zentralverwaltung,
angehörend);  auf  die  8  anderen  Bezirke  kommen  40  787  Beamte;  auf  Gross-Berlin
  1500  Millionen  aufgegebene  Postsendungen,  auf  die  anderen  Bezirke
685.  Fernspreohstellen  fallen  125  688  auf  den  Berliner  Bezirk,  und  zwar  in
81  Orten  mit  Eernsprechanstalten  und  auf  18  Ortsfernsprechnetze.
Die  anderen  Bezirke  weisen  nur  57  758  Sprechstellen,  doch  4881  Orte
mit  Eernsprechanstalten  und  1385  Ortsfernsprechnetze  auf.
Die  Hauptsache  aber:  der  Berliner  Bezirk  vereinnahmte  an
Porto  und  Gebühren  103,14  Millionen  Mark  (darunter  allerdings  auch
Einnahmen  aus  der  Abrechnung  mit  fremden  Verwaltungen,  doch  allein
72,5  Millionen  aus  der  Stadt  Berlin  und  5,2  ans  Charlottenburg,  Schöneberg
und  Bixdorf),  die  8  grossen  anderen  Bezirke  zusammen  aber  bloss
43,85  Millionen  Mark;  Berlin  etwa  3000  M  auf  jeden  Beamten,
jene  Provinzen  aber  nur  etwa  1000  M  auf  einen  Beamten,  so  dass
für  die  sächlichen  Betriebsausgaben  kaum  noch  was  übrig  bleibt.
Von  der  Gesamteinnahme  der  Beiohspost  in  Höhe  von
556,7  Millionen  Mark  (1907)  fiel  allein  auf  die  38  Gressstädte  des
Beichspostgebiets  mit  mehr  als  100  000  Einwohnern  eine  Einnahme
von  257,3  Millionen  oder  nahezu  die  Half  te  (46%)  und  die  andere
Hälfte  (54%)  auf  das  ganze  grosse  Beich  und  das  Land.  Man
kann  daraus  ermessen,  welche  Zuschüsse  aus  den  grossen  Städten  nötig
sind,  um  den  unrentablen  Verkehrsdienst  auf  dem  flachen  Lande  aufrecht
zu  erhalten.
Der  Oberpostdirektionsbezirk  Köslin  (Hinterpommern),  14  034  qkm
mit  604  347  Menschen,  weist  2745  Postbeamte  auf,  aber  nur  eine
Gesamteinnahme  von  2  831  873  M,  also  durchschnittlich  auch
bloss  1033  M  auf  jeden  Beamten,  obwohl  dort  jeder  Vorsteher  der
10  Postämter  I.  Klasse  schon  3000—5400  M  Gehalt  bezieht,  jeder  der  7  Postmeister ­
  II.  Klasse  2100—4200  M  und  jeder  der  Postverwalter  III.  Klasse
1500—3000  M,  ungerechnet  die  Wohmmgsgeldzuschüsse.  Die  1050  Beamten
des  Bezirks  (mindestens  1500—3000  M),  die  1239  Unterbeamten  (900—1500
bezw.  1400—1800  M  jährlich,  im  Landbestelldienst  800—1000  M  nebst  Wohngeld) ­
  und  das  übrige  nicht  fest  angestellte  Personal  (Tagelohn  meist
mindestens  2%  M,  bei  Telegraphenhandwerkern'  4 1 / 2  M,  Baupersonal  etwa
7  M)  der  insgesamt  551  Postanstalten  verschlingen  allein  zweifellos  mehr
        <pb n="139" />
        98

förderung  der  Handelsbriefe  und  der  Ajigobot  und  Nachfrage  in
Verbindung  setzenden  Zeitungsinserate;  sie  schlingt  zugleich  ein
einigendes  Band  um  die  Heimat  und  ihre  Söhne  in  der  Fremde.
Auf  Rentabilität  des  finanziell  ziemlich  belanglosen  Auslandsverkehrs ­
  derBriefposfckommt  es  da  also  gar  nicht  an.  Die  indirekten
Vorteile,  die  die  Post  hier  schafft,  sind  unendlich  viel  wichtiger
als  ihre  Finanzüberschüsse.  Werden  nicht  neben  der  Handelseinfuhr ­
  und  -ausfuhr  auch  Schiffs-  und  Eisenbahnfrachten

Geld  als  die  gesamte  Jahreseinnahme  des  ganzen  Bezirks,  in  dem  ausserdem
aber  noch  108  Postpferde  in  18  Posthaltereien  mit  283  Postwagen,  460  Telegraphenbetriebe ­
  mit  6096  km  Leitung  und  631  Telegraphenapparaten  sowie
454  Fernsprechanstalten  mit  10  174  km  Leitung  und  3231  Pernsprechstellen
(mit  10  276  Batterieelementen)  zu  unterhalten  sind.  Anfgegebene  Postsendungen ­
  wurden  31,6  Millionen,  eingegangene  50  Millionen  befördert.
Man  kann  sich  danach  ausmalen,  wie  die  Post  liier  und  überhaupt  in  den
Provinzen  mit  ländlichem  Charakter  mit  grosser  Unterbilanz  arbeitet.  Dabei
fiel  im  Bezirk  Köslin  eine  Postanstalt  schon  auf  1097  Einwohner,  im  Bezirk
Berlin  aber  erst  auf  je  13  574  Menschen.
Wenn  die  Post  nun  auf  dem  Lande  im  Inlande  mit  grossen  Zuschüssen ­
  arbeitet,  weshalb  in  aller  Welt  soll  da  ein  kleiner  Teil  des  internationalen ­
  Postverkehrs,  der  als  solcher  in  beiden  Richtungen  nur  1 / 10  des
Gesamtverkehrs  ausmacht,  nicht  auch  mit  Zuschüssen  wirtschaften,  schon
im  Interesse  des  ungeheuer  wichtigen  deutschen  Ein-  und  Ausfuhrhandels
von  17  Milliarden  Mark  (1907)  und  der  Ausfuhrindustrie,  die  eine  Lebensfrage ­
  der  deutschen  Nation  darstellen  V
Auch  die  deutsche  Beichstelegraphie  —  ebenso  wie  die  anderer
Länder  —  bedarf  der  Zuschüsse,  die  1906  im  Bericht  der  VI.  Reichstagskommission ­
  (Nr.  388  der  Reichstagsdrucksaohen  1905/06,  S.  26)  auf  16  bis
17  Millionen  Mark  jährlich  geschätzt  wurden.  In  England  arbeitete
der  Telegraph  nach  dem  amtlichen  Betriebsbericht  für  1905/06  mit  einem
Defizit  von  21  Millionen  Mark  (l  033  190  &amp;lt;£).  Das  ist  weiter  kein  Unglück, ­
  und  der  Herr  Staatssekretär  Krätke  wies  in  der  Reichstagskommission
mit  Recht  darauf  hin,  dass  der  Telegraph  ebenso  wie  die  strategischen
Eisenbahnen  auch  Staatszwecke  zu  erfüllen  habe  und  nicht  bloss  dem
Privatverkehr  diene.
Die  deutsche  Reichstelegraphie  nahm  1907  ans  dem  Telegrammverkehr ­
  43  Millionen  Mark  ein,  neben  92,1  Millionen  aus  dem  Fernsprecher.
Da  jedes  interne  Telegramm  durchschnittlich  13,3  Wörter  zählte
(Gebühr  5  Pf.  für  1  Wort',  so  brachte  es  durchschnittlich  66 ä / 8  Pf.  ein.
Die  29,18  Millionen  Depeschen  des  inneren  Verkehrs  im  Reichspostgebiet
nebst  den  1,52  Millionen  nach  Bayern  und  Württemberg,  zusammen
30,7  Millionen,  mögen  also  ungefähr  20  Millionen  Mark  eingebracht
        <pb n="140" />
        sowie  Paket-  und  Mensckenbeförderung  erst  durch  Nachrichten ­
  und  Briefe  veranlasst?  Wird  die  Kauflust  und  Unternehmungslust ­
  nicht  durch  versandte  Drucksachen  und  Inserate, ­
  die  zur  Korrespondenz  führen,  erst  angeregt?
Einige  Beispiele  nur  zur  Veranschaulichung!  Die  Vereinigten ­
  Staaten  von  Nordamerika  (84  Millionen  Einwohner)
weisen  (1906/07)  in  ihrem  Staatshaushalt  eine  Zolleimiahme
von  332,23  Millionen  Dollar  (1399,3  Millionen  Mark)  auf;  ihre
haben,  während  der  andere  Teil  der  Einnahme  auf  den  internationalen  und
den  Durchgangsverkehr  (etwa  20  Millionen  Depeschen)  fiel.
Es  lässt  sich  nun  absohätzen,  dass  bei  einem  Defizit  von  17  Millionen
Mark,  auf  den  Inlands  verkehr  verrechnet,  jode  Depesche  etwa  57  Pf.  Zuschuss ­
  erforderte,  also  66 2 / 3  -f-  57  Pf.  oder  123%  Pf.  Selbstkosten  verursachte. ­
  Auch  bei  Mitrechnung  des  internationalen  Verkehrs  würde  der
Zuschuss  noch  über  30  Pf.  auf  jede  Depesche  ausmachen,  da  im
ganzen  51,06  Millionen  Telegramme  aller  Art  gezählt  wurden.
Ist  es  nun  nicht  geradezu  komisch,  wenn  angesichts  solcher  Tatsachen
aus  einer  nur  wenig  kostenden  Ermässigung  der  Weltportosätze  bis  auf
die  inneren  Taxen  soviel  Wesens  gemacht  wird?
Auf  dem  flachen  Lande  arbeitet  die  Post  mit  ungeheuren
Zuschüssen,  die  vielleicht  100  Millionen  Mark  oder  viel  mehr
ausmachen;  in  der  Telegraphie  arbeitet  sie  mit  einem  Defizit
von  17  Millionen.  In  diesen  Fällen  sagt  man  immer:  das  macht  nichts;
das  ist  nötig  so;  man  muss  diese  Unterbilanzen  in  den  einzelnen  Gegenden
oder  Dienstzweigen  ausser  acht  lassen  und  sie  zu  den  Gesamtunkosten  des
Postdienstes  rechnen,  der  trotzdem  im  ganzen  immer  noch  grosse  Überschüsse ­
  ab  wirft.  Sehr  schön!
Wenn  aber  beim  internationalen  Briefverkehr,  besonders  beim  überseeischen ­
  Verkehr,  der  nur  einen  ganz  kleinen  Bruchteil  des  Gesamt  Verkehrs
axismacht,  Zuschüsse  erforderlich  sind,  dann  fängt  man  plötzlich  an,  mit
ganz  anderem  Masse  zu  messen  und  behauptet,  hier  müsse  das  Porto
durchaus  die  Selbstkosten  oder  die  Transitkosten  decken.  Und  diese  Gründe
führt  man  auch  gegen  das  Welt-Pennyporto  ins  Feld.  So  tut  man  in  vielen
Ländern.  Eine  solche  doppelte  Logik  und  Gerechtigkeit  für  ln-  und  Auslandsverkehr ­
  ist  aber  unhaltbar.
Auch  beim  Fernsprecher  werden  von  der  deutschen  Reichspostverwaltung
  Unterbilanzen  auf  dem  flachen  Lande  festgestellt.  Trotzdem
ist  man  bereit,  hier  den  Tarif  noch  weiter  zu  ermässigen.  Der  Entwurf
der  neuen  Fernsprechgebühren-Ofdnung  von  1909  (Nr.  1176  der
Peichstagsdrucksachen)  führt  an  (S.  10),  dass  im  Reichspostgebiet  das
Telephonkapital  von  510  Millionen  Mark  sich  nach  Amortisation  usw.  noch
mit  3V a %  verzinse  und  dazu  noch  10  Millionen  Mark  Überschuss  auf  weise
also  insgesamt  die  hübsche  Pente  von  5%%  abwirft.  Doch  seien  die
        <pb n="141" />
        —  100

llanclelseinfuhr  (Wareneinfuhr  ohne  Edelmetalle)  aus  fremden
Ländern,  die  diese  Zolleinnahmen  ermöglichte,  belief  sich  auf
1434,4  Millionen  Dollar  (6024,5  Millionen  Mark),  so  dass  die
Zölle  also  durchschnittlich  23  %  des  Einfuhrwertes  ausmachten, ­
  Die  Warenausfuhr,  die  wieder  Eisenbahnen  und
Schiffen  Verdienste  zuführte,  stellte  sich  auf  1853,7  Millionen
Dollar.
Dieser  gewaltige  Handelsverkehr  wird  natürlich  direkt  oder

jährlichen  Ausgaben  für  einen  Anschluss  in  den  Netzen  bis  zu
200  Anschlüssen  höher  als  die  Einnahmen,  und  es  würde  noch  lange
dauern,  bis  die  Selbstkosten  gedeckt  würden  In  den  mittleren  Netzen
seien  die  finanziellen  Erträgnisse  dagegen  zufriedenstellend,  in  den  grossen
würden  sie  dann  aber  wieder  schlecht  (S.  34  der  Denkschrift).
Leider  fehlt  es  in  der  Denkschrift  zum  Entwurf  an  genauen  statistischen ­
  Angaben,  wie  hoch  sich  diese  Summe  der  Zuschüsse  bei  den
unrentablen  Netzen  in  Stadt  und  Land  beläuft.  Doch  habe  ich  einige
Summen  nach  den  hier  und  früher  gegebenen  statistischen  Zahlen  mühsam
berechnet.  Ein  Anschluss  in  den  Netzen  mit  weniger  als  50  Anschlüssen
kostet  durchschnittlich  749  M,  die  jährlichen  Kosten  für  den  Betrieb  und
die  Unterhaltung  belaufen  sich  auf  136  M;  die  jährlichen  Einnahmen  dagegen ­
  sind  erheblich  geringer  (S.  36  der  Denkschrift).
Wie  hoch?  oder  wie  gering?  Nun,  80  M  macht  ja  die  Jahresgebühr
allgemein  aus,  die  Bauschgebühr,  da  in  den  Netzen  bis  zu  DO  Anschlüssen
die  Grund-  und  Einzelgesprächsgebühren  nicht  zulässig  sind  (§  5  des  alten
Gebührengesetzes).  Demnach  erfordert  jeder  Fernsprechanschluss  in  den
Netzen  bis  zu  50  Teilnehmern,  also  auf  dem  Lande  und  in  den  Laudorten,
einen  jährlichen  Zuschuss  von  56  M.
Schon  Ende  1900  gab  es  aber  22  374  Anschlüsse  in  diesen  Netzen,
wie  in  der  Heichspoststatistik  für  das  Jahr  19u0  (S.  110  und  Anhang,
Tafel  IX)  angegeben  wird.  Das  ergibt  schon  ein  Defizit  oder  einen
Zuschuss  zu  diesen  Netzen  bis  zu  50  Teilnehmern  in  Höhe  von
1  252  044  M.
Aber  seitdem  haben  sich  diese  ländlichen  Anschlüsse  zweifellos  ebenso
wie  die  Gesamtzahl  der  Telephonanschlüsse  mehr  als  verdoppelt,  so  dass
heute  der  Zuschuss  vielleicht  3  Millionen  Mark  oder  mehr  im  Jahre  ausmacht.
Die  Netze  von  51  bis  zu  200  Anschlüssen,  die  ebenfalls  unrentabel
sind,  wiesen  Ende  1900  auch  schon  25  465  Teilnehmer  auf,  von  denen  4150
gegen  Grund-  und  Gesprächsgebühr  (zusammen  80  M  jährlich  für  400  Gespräche, ­
  die  aber  nicht  erreicht  werden)  und  die  übrigen  gegen  Bauschgebühr ­
  von  100  und  120  M  angeschlossen  waren.  Heute  wird  die  Zahl
dieser  Anschlüsse  auch  mindestens  doppelt  so  gross  sein,  sagen  wir  60  000.
Und  wenn  wir  hier  durchschnittlich  einen  Zuschuss  von  40  M  für  den  Anschluss ­
  annehmen,  so  ergibt  das  ein  jährliches  Defizit  von  2  400  000  M.
        <pb n="142" />
        101

indirekt  durch  den  ISTachrichtenvcrkehr,  also  durch  den  Briefund
  Drucksachenverkehr  der  Post,  der  "wiederum  den  Personenund
  Depeschenverkehr  anregt,  in  Bewegung  gesetzt.  Was  kommt
es  da  darauf  an,  dass  die  Post  selbst  aus  dem  verhältnismässig
kleinen  internationalen  Dienst  noch  Überschüsse  einbringt  oder
auch  nur  die  Selbstkosten  dieser  Briefbeförderung  gedeckt
werden?  Tatsächlich  legt  die  amerikanische  Post  dar-Trotzdem

  soll  nach  dem  neuen  Gehührenentwnrf,  der  eine  grössere  Gerechtigkeit ­
  voii  Leistung  und  Gegenleistung  anstreht,  die  Grundgebühr
noch  um  10  M  (von  60  auf  50  M)  ermässigt  werden  und  die  Mindestgesprächsgebühr ­
  von  20  M  wegfallen,  in  den  grossen  Städten  dagegen  wird
eine  gewaltige  Verteuerung  geplant,  auf  Kosten  der  Nahanschlüsse  natürlich.
Wir  sehen  also  imPostverkehr  auf  dem  Lande,  beim  Telegraphen  und
beim  Telephon  Defizitsummen,  die  Dutzende  von  Millionen  ausmachen.
Beim  internationalen  Briefverkehr  aber  erhebt  man  den  Anspruch,  dass  das
Porto  die  Selbstkosten  durchaus  decken  müsse  und  sträubt  sich  stets  gegen
die  Ermässigüng  bis  auf  den  Inlaudssatz,  obwohl  diese  unter  Berücksichtigung' ­
  der  Verkehrssteigerung  höchstens  im  ersten  Jahre  einen  Ausfall  von
6  Millionen  Mark,  aber  vielleicht  auch  viel  weniger  verursachen  und  daun
bald  wieder  zur  alten  Einnahme  oder  zu  Mehreinnahmen  führen  würde,  im
Gegensatz  zu  dem  chronischen  Telephondefizit  auf  dem  Lande.
Von  der  Gesamtzahl  der  Reichspostsendungen,  7667  Millionen  im
Jahre  1907,  machen  die  Briefe  bloss  2543 1 / 2  Millionen  ans,  und  die  Zahl
der  Briefe  nach  dem  postalischen  Ausland  (d.  h.  nach  Ländern,  die  mit
Deutschland  nicht  im  Postvereinsverhältnis  stehen),  deren  Porto  von  20  auf
10  Pf.  ermässigt  werden  soll,  beträgt  bloss  98,4  Millionen,  d.  h.  1,3  %  aller
beförderten  Postsendungen  und  knapp  4  %  aller  Briefe.
Und  von  diesen  98,4  Millionen  wiederum  gehen  bloss  7  Millionen
nach  fremden  Weltteilen,  und  wiederum  nur  hei  einem  Teil  von  diesen  würde
das  10  Pf.-Porto  die  Selbstkosten  theoretisch  nicht  decken,  wobei  jedoch
zu  bemerken  bleibt,  dass  die  Landtransitgehühren  tatsächlich  meist  gar
-  nicht  bezahlt,  sondern  durch  Gegenleistungen  ausgeglichen  werden,  die  Seetransitgebühren
  aber  in  der  Regel  schwerlich  irgendwo  über  10  Pf.  auf  den
Brief  hinausgehen.
Alle  diese  Ausführungen  beweisen,  dass  es  ein  Widersprach  ist,  allein
im  internationalen  Briefverkehr,  dieser  Bagatelle,  volle  Deckung  der  Selbstkosten ­
  und  daher  vor  einer  Portoermässigung  erst  wesentliche  Verminderung
der  Transitgehäliren  zu  fordern,  im  inländischen  Postverkehr  auf  dem  Lande
aber  grosse  Unterhilanzen  zu  dulden,  ja  hei  jedem.  Telegramm  ein  Defizit
von  30—57  Pf.  und  hei  einem  ländlichen  Telephonanschluss  sogar  einen
Zuschuss  von  56  M  jährlich  oder  15  Pf.  täglich  ruhig  hinzunehxnen.
Ähnlich  wie  in  Deutschland  steht  es  in  dieser  Hinsicht  wohl  auch
in  vielen  anderen  Ländern.
        <pb n="143" />
        102

auf  auch  gar  keinen  Wert,  da  sie  ,,nach  einem  Verfassungsgrundsatz ­
  der  Vereinigten  Staaten  nicht  als
Finanzinstitut  angesehen  werden,  vielmehr  im  allgemeinen ­
  nur  ihre  Ausgaben  decken  soll“ 2 ).
Deshalb  arbeitet  sie  schon  etwa  ein  Jahrhundert  lang  fast
immer  mit  grossen  Fehlbeträgen 3 ),  und  sobald  einmal  Überschüsse ­
  eintreten,  werden  sogleich  Portoherabsetzungen
vorgenommen  oder  kostspielige  neue  Üostanlagen  und
Verbesserungen  geschaffen.  Das  Verwaltungsjahr  1906/07
weist  einen  Fehlbetrag  von  10,1  Millionen  Dollar  (42.4
Millionen  Mark)  auf.  Diese  hohen  Unterbilanzen  sind  die  Pegel,
namentlich  in  der  letzten  Zeit,  wo  der  unrentable  Landbestelldienst ­
  unter  Aufwendung  von  80  Millionen  Dollar  immer  weiter
ausgebaut  wurde.  Im  letzten  Jahrhundert  belaufen  sie  sich  vielleicht ­
  auf  eine  Milliarde  Mark.
Ob  ein  Postbetrieb  mit  dauerndem  Defizit  gerade  nachahmenswert ­
  sei,  darüber  lässt  sich  streiten;  aber  hier  ist  doch
der  Grundsatz,  dass  die  staatliche  Post  keine  Finanz-  und  Erwerbsanstalt, ­
  sondern  ein  gemeinnütziges  —  und  zugleich  indirekt ­
  viel  mehr  nützendes  —  Institut  sein  müsse,  aufs  schärfste
durchgeführt.
Auch  Stephan  („Gosch,  d.  preuss.  Post“,  S.  729),  der  die
fiskalischen  Interessen  nie  zu  kurz  kommen  liess,  hat  sich
zwar  nicht  gegen  Überschüsse,  aber  doch  gegen  zu  hohe  Überschüsse ­
  ausgesprochen,  wie  sie  z.  B.  unter  dem  preussischen
Generalpostmoister  von  Nagler  (im  Jahio  1825  etwa  33%  der
3 )  So  drückt  sich  Stephan  in  seiner  „Geschichte  der  preussischen
Post“  (S.  651)  über  das  amerikanische  Postwesen  aus.  In  der  Verfassung
selbst  habe  ich  freilich  eine  solche  Bestimmung  nicht  entdecken  können;
doch  der  erwähnte  Grundsatz  wird  von  jeher  dnrehgeführt  oder  noch  nicht
einmal  durchgeführt,  soweit  er  die  Deckung  betrifft.
3 )  Die  Post  der  Vereinigten  Staaten  hatte  in  dem  Jahrzehnt  von
1896—1905  ein  Betriebsdefizit  von  363,78  Millionen  Pranken,  wie
man  aus  der  Berner  Weltpoststatistik  feststellen  kann,  also  durchschnittlich ­
  im  Jahre  36,37  Millionen  Franken  oder  29  Millionen  Mark,
im  Jahre  1897  sogar  das  imposante  Defizit  von  57,62  Millionen  Franken,
auch  1904  und  1905  noch  je  53  Millionen  Franken  (=  42,4  Millionen  Mark).
Im  Laufe  des  19.  Jahrhunderts  hat  sie  jedoch  durchschnittlich  alle  10  Jahre
ihre  Einnahmen  vordoppelt.
        <pb n="144" />
        103

Postein  nahmen)  vorkamen,  da  sie  nach  seiner  Meinung  auf  die
Dauer  den  Finanzen  selbst  schadeten.  Er  empfahl  dagegen,  als
Normalüberschuss  etwa  15%  der  Einnahmen,  oder  wenn
man  „die  Gemeinnützigkeit  der  Post  noch  erhöhen“
wolle  und  „die  Finanzen  das  gestatteten“,  10%  anzusetzen. ­
  Wenn  die  Ueberschüsse  höher  ausiielen  und  drei  Jahre
hintereinander  dieser  Normalsatz  überschritten  würde,  seien  „Gebührenherabsetzungen
  oder  sonstige  Erleichterungen“
am  Platze.  Ein  höchst  beachtenswerter  Grundsatz 4 )!
4 }  Wenn  man  diesen  Grundsatz  Stephans  auch  auf  die  englische
Portoreform  vom  Jahre  1840  anwendet,  durch  welche  das  Porto  für
Briefe  bis  zu  einer  halben  Unze  Gewicht  einheitlich  auf  1  Penny  herabgesetzt ­
  wurde  —  nach  Orten  ohne  Postanstalten  betrug  die  Taxe  allerdings
noch  2  Pence  —  so  wird  man  sehen,  dass  Kowland  Hill  der  Nation  ein
Befreier  vom  drückenden  fiskalischen  Joch  wurde  und  noch  lange  nicht
weit  genug  ging,  sei  es  nun  in  sonstigen  Portoverbilligungen  oder  in  dem
Ausbau  der  weniger  rentablen  Postanlagen.
Demi  1839,  im  Jahre  vor  der  Reform,  betrugen  die  Posteinnahmen
2  390  763  &amp;lt;ä£,  der  Überschuss  aber  1  633  764  £  oder  70%  dieser  Einnahmen. ­
  Das  war  eine  heillose  Überspannung  der  Fiskalität,  die  dazu
geführt  hatte,  dass  der  Brief  Schmuggel  blühte,  der  Verkehr  stockte  und
auch  die  Einnahmen  jahrelang  fast  gar  nicht  wuchsen.
Im  ersten  Jahre  der  Portoreform  (vom  10.  Januar  1840  ab  in
Kraft),  1840  (das  Yerwaltungsja.hr  endete  stets  am  5.  Januar),  waren  die
Einnahmen  auf  1  359  466  £  und  der  Überschuss  auf  500  789  £  oder
38%  der  Einnahmen  gesunken.  Gott  sei  Dank!  Aber  auch  das  war
immer  noch  eine  höchst  fiskalische  Yerhältniszahl,  und  weitere  „Gebührenherabsetzungen ­
  oder  sonstige  Erleichterungen“  wären  nach  Stephans  Maxime
immer  noch  am  Platze  gewesen.
Leider  steht  Stephan  aber  mit  sich  selbst  ein  wenig  im  Widerspruch,
wenn  er  in  seiner  „Geschichte  der  preussisohen  Post“  an  einer  Stelle  (S.  729)
jenen  Grundsatz  proklamiert,  dass  eine  gemeinnützig  und  nicht  fiskalisch
verwaltete  Post  nur  10—15%  der  Einnahmen  als  Überschuss  naohbehalten
dürfe,  an  anderer  Stelle  (S.  614  ff.)  dagegen  wieder  die  plötzliche  Einführung ­
  des  billigen  Pennysatzes  wegen  der  dauernden  Überschussverminderung ­
  im  Interesse  des  Fiskus  gewissermassen  bedauert,  obwohl
der  Überschuss  auch  dann  noch  ungeheuer  hoch  blieb,  nämlich  38  %  —
viel  höher  als  der  Naglersche  in  Preussen  (33  %)  —,  und  noch  höher  stiegi
1844/45  auf  42%,  1855/56  auf  43%  und  1871/72  auf  47%,  ja  1874  auf  48%,  um
erst  in  der  nächsten  Zeit  endlich  wieder  zu  sinken,  1880/81  z.  B.  auf  37%
und  bis  1906  auf  27  %.
Die  Zahl  der  Briefe  stieg  nach  der  Reform  in  England  von  82  Millionen ­
  (1839)  auf  168,7  (1840),  208,4  (1842),  322,1  (1817),  410,8  (1853),  564
        <pb n="145" />
        104

Indessen  erscheinen  uns  diese  Verhältniszahlen  heute,  wo
die  absolute  Höhe  der  deutschen  Postüberschüsse  so  gross  geworden ­
  ist,  schon  etwas  zu  hoch.  Als  Stephan  das  vor  einem
(1860),  86‘2  (1870)  und  beträgt  gegenwärtig  (1906)  2694  Millionen  im  inneren
Verkehr  und  112  V 2  Millionen  im  Verkehr  nach  ausserhalb,  neben  806,3  Millionen ­
  inländischen  und  IV  Millionen  nach  auswärts  gesandten  Postkarten.
Das  einfache  Briefgewioht  ist  später  auf  1  Unze  und  dann  auf  4  Unzen
(113  g)  erhöht  worden;  der  Pennysatz  aber  blieb  bestehen  und  gilt  nun
auch  im  Kolonialverkehr  und  nach  Nordamerika  (für  1  Unze).
Seit  1839  hat  sich  die  Briefzahl  also  um  das  34-fache  vermehrt, ­
  die  Postkarten  nicht  mitgerechnet.  1839  waren  es  3—4,  1906  aber
61  Briefe  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  (ohne  Postkarten,  Drucksachen  usw.)
Die  Zahl  der  Postanstalten  in  England  helief  sich  1840  auf  4028,
wuchs  1855  auf  10  498,  bis  1860  auf  11  441  und  bis  1906  auf  23  629.  Die
Briefvermehrung  übertraf  also  die  Vermehrung  der  Postanlagen  fast  um
das  Sechsfache.
Die  Ausgaben  wuchsen  nach  der  Reform  auch,  aber  wie  die  steigende
Höhe  des  Überschusses  zeigte,  lange  nicht  genug,  und  Stephan  bemerkte
(S.  615  seines  Buches)  ausdrücklich,  dass  die  Vermehrung  der  Postanlagen
und  Postanstalten,  die  Verbesserung  des  Betriebes,  Verteuerung  des  Eisenbahntransports ­
  usw.  zu  diesem  Wachstum  der  Ausgaben  beitragen,  so  dass
es  nicht  etwa  allein  auf  die  Rechnung  der  Pennyporto  -  Reform  gesetzt
werden  kann.  Natürlich  tragen  die  vermehrten  Postanlagen,  die  zunehmende
Volksbildung,  der  steigende  Handel  u.  dergl.  auch  zur  Steigerung  des  Verkehrs ­
  reichlich  bei,  und  das  billige  Porto  ganz  allein  hat  nicht  alles  getan;
doch  wenn  der  Postbetrieb  in  eiuem  hochkultivierten,  betriebsamen  Lande
bereits  sehr  dicht  ausgebaut  und  vollkommen  ist  wie  heute,  so  wird  ein
verbilligtes  Porto  sicherlich  immerhin  die  ausschlaggebende  Bolle  bei  der
weiteren  Verkehrshebung  spielen,  sofern  es  nicht  schon  vorher  einen  äusserst
wohlfeilen  Satz  hatte,  wie  z.  B.  die  früheren  deutschen  2  Pf.-Postkarten;
Die  deutschen  Zeitungsbeilagen  gingen  ja  von  1905—1907  wegen  der  Verteuerung ­
  von  '/ 4  auf  ’/a  Pf-  um  30  %  zurück.
Der  englische  Postüberschuss  von  1839  (1  633  764  £)  ist  1810
freilich  auf  500  789  £  gefallen  (um  69%);  1850  belief  er  sich  wegen  der  inzwischen ­
  verdoppelten  Ausgaben  —  Gehaltserhöhungen,  Personal  Vermehrung
usw.,  und  verschiedene  Neuerungen  spielten  auch  dabei  mit  —  noch  auf
840  787  £  und  wäre  ohne  diese  natürlich  doppelt  so  gross  gewesen.  Das
Pennyporto  allein  kann  man  damit  aber  durchaus  nicht  belasten.
Die  alte  Bruttoeinnahme  von  1839  (1  359  466  £)  wurde  zuerst
1852  (1  422  168  £)  wieder  erreicht  und  etwas  übertroffen,  die  alte  Reineinnahme ­
  (1  633  764  £)  aber  erst  um  1863  wieder  erzielt.  Im  Jahrfünft
1861—1865  betrug  der  Überschuss  durchschnittlich  1  817  380  £  (46,5  %).
1906/07  betrugen  die  Bruttoeinnahmen  der  englischen  Post  17  361  042  £,
der  Überschuss  aber  5  071  255  £  (29,8  %);  hei  Einrechnung  der  Telegraphie
        <pb n="146" />
        105

halben  Jahrhundert  schrieb,  belief  sich  der  Reinertrag  der
preussischen  Post  (1857)  erst  auf  5  985  969  M  (oder  1  995  323
Taler  =  1G  %  der  Einnahmen);  die  deutsche  Reichspost  aber
(die  1870  von  der  Post  übernommen  wurde)  sind  es  21  730  272  £  Einnahmen
und  4  419  200  £  Überschuss  (20%).  Pie  oben  genannte,  etwas  abweichende
Verhältsniszahl  (27  %)  habe  ich  nach  der  Berner  Statistik  (1906)  berechnet,
während  diese  hier  nach  den  Angaben  im  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“ ­
  (1908,  S.  384)  herauskommen,  die  dein  englischen  Betriebsbericht
entlehnt  sind.
Wenn  man  bedenkt,  dass  vor  1840  in  England  die  Brieftaxe  von  4
bis  zu  17  Pence  stieg,  bei  zwei  Briefbogen  aber  schon  doppelt  zählte  und
nun  plötzlich  auf  1  Penny  herabging,  so  ist  der  Rückgang  des  Überschusses
nicht  befremdend.  Aber  wegen  der  abnormen  Überschusshöhe  von  70  %
der  Einnahmen  war  dieser  Rückgang  ein  wahrer  Segen  und  eine  gewisse
Erlösung  aus  dem  verkehrsfeindlichen  fiskalischen  Joch,  zwar  keine  volle
Erlösung,  aber  doch  eine  grosse  Besserung.  Durch  ein  Porto  von  2  d  oder
eins  von  2—3  Stufen  hätte  man  gewiss  mehr  erzielt;  aber  es  war  gut  so,
dass  man  Halbheiten  vermied  und  damals  gleich  reinen  Tisch  machte.
Wenn  man  die  alten  englischen  Betriebsberichte  durchgeht,  findet  man
auch,  warum  die  Ausgaben  in  der  Folge  bedeutend  stiegen,  und  dass  das
Peunyporto  an  Pensionen,  Gehaltserhöhungen,  Einrichtung  von  neuen  postalischen ­
  Dienstzweigen  und  Postanstalten  wenig  schuld  war.  Es  war
mir  Bedürfnis,  hier  einer  veralteten,  hergebrachten  Auffassung  in  manchen
Fachkreisen  entgegenzutreten.  Es  ist  daher  nicht  angebracht,  diese  alten
Verhältnisse  von  damals  noch  heute  gegen  internationale - Portoermässigungen
ins  Feld  zu  führen,  zumal  da  ein  solcher  Sprung  wie  von  4—17  Pence  auf
1  Penny  gar  nicht  in  Betracht  kommt,  sondern  nur  von  2*/a  auf  1  Penny,
und  da  es  sich  beim  Welt-Pennyporto  auch  nicht  um  den  gesamten  grossen
inländischen  Briefverkehr,  sondern  nur  um  den  damit  verglichen  sehr  geringen ­
  Auslandsverkehr  oder  gar  nur  um  einen  Teil  davon  handelt,  nämlich
sofern  Postvereine  mit  anderen  Ländern  nicht  schon  bestehen.  Die  grosse  Reform ­
  des  gesamten  Inlandsbriefverkehrs  von  1840  mit  ihren  Folgen  und  die
Portoherabsetzung  für  den  neben  dem  ganzen  Inlandsverkehr  geradezu
winzigen  Verkehr  nach  dem  Auslande  sind  gar  nicht  miteinander  zu  vergleichen, ­
  wenn  auch  heute  die  Briefe  nach  auswärts,  z.  B.  bei  England,  in
der  absoluten  Zahl  die  absolute  Menge  aller  Briefe  von  1840  übertreffen.  Aus
England  gingen  1906  nämlich  109,76  Millionen  Briefe  ins  Ausland,  wovon
allerdings  56,89  Millionen  nach  den  Kolonien  und  der  Union  gingen,  also  nach
jetzigen  Postvereinsländern,  so  dass  bloss  52,87  Millionen  nach  dem  postalischen
Ausland  befördert  wurden,  die  bei  einer  Portoherabsetzung  von  2V2  au f  1  d  ein
Risiko  von  320  000  £  darstellen.  Bei  einem  Gesamtüberschuss  von  5  071  255  £
sind  das  6,3%  dieses  Überschusses  und  bei  Berücksichtigung  einer  Verkehrssteigerung ­
  um  33  %  vielleicht  4  %.  1840  aber  betrug  der  Verlust  des  bisherigen ­
  Überschusses  von,  1  633  764  £  (1839)  rund  70  %  oder  1  132  975  £,
        <pb n="147" />
        106

warf  190G  einen  Überschuss  von  74  051  335  M 5 )  =  13,1%  t ' er
Einnahmen  ab.
1907  waren  es  endgültig  73  083  720  M  (=  12,2  %  der  Einnahme); ­
  1908  nach  dem  Etatsanschlag  98  692  705  M  und  für
1909  sind  sogar  99  302  804  M  oder  14,8  %  der  Einnahmen
angesetzt  (unter  Berücksichtigung  des  Verkehrsrückgangs  der
letzten  Zeit).  Im  Juli  1909,  nachdem  die  nachfolgenden  Zeilen
längst  niedergeschrieben  wären,  hat  nun  der  Reichstag  allerdings ­
  die  Gehälter  der  Postbeamten  um  55,  Millionen  M  jährlich
erhöht,  so  dass  der  Ueberschuss  der  Reichspost  zeitweilig  bedeutend ­
  sinken  wird  (vgl.  I).  Verk.-Ztg.  1909,  Nr.  z9,  16.  Juli).
Aber  er  sank  von  1899  zu  1900  auch  von  51,8  auf  25,3  Millionen, ­
  1902  aber  hatte  er  sich  wieder  auf  56,6  und  1904  auf
66,6  Millionen  gehoben;  1906  auf  74  Millionen.  Also  kann  uns
das  nicht  schrecken.
Jedenfalls  war  bis  1906  der  Fall  längst  eingetreten,
wo  die  Post,  wenn  sie  gemeinnützig  verwaltet  wird,  nach
Stephans  Ansicht  Gebührenherabsetzungen  vornehmen
musste.  Denn  der  Ueberschuss  ging  weit  über  10  %  der  Einso
  dass  bloss  500  789  £  übrig  blieben.  Das  ist  also  ein  gewaltiger  Unterschied, ­
  sowohl  absolut  wie  relativ;  320  000  £  gegenüber  1  132  975  £  und
69,3  %  gegenüber  (3,3  %.  Heute  aber  handelt  sichs  um  ein  grösseres  Ziel;
nämlich  darum,  die  ganze  Welt  zum  postalischen  Inland  zu  machen.  1840
wurde  das  englische  Pennyporto  einheitlich  auf  ein  Gebiet  von  31  1  809  qkm
(England)  ausgedehnt;  heute  soll  es  auf  den  ganzen  Weltpostverein  mit
seinem  Areal  von  114  000  000  qkm  angewendet  werden,  wo  es  allerdings
schon  für  den  grossbritischen  Besitz  von  32  901  129  qkm  und  in  vielen
andern  Postvereinen  gilt.
“)  Davon  wurden  14,78  Millionen  Mark  zu  einmaligen  Ausgaben,  die
aber  meist  neue  Kapitalsanlagen  darstellen,  benutzt,  so  dass  selbst  dann
noch  59,27  Millionen  Mark  als  Überschuss  übrig  blieben.  Die  Legende,
dass  die  deutsche  Reichspost  bei  Berücksichtigung  der  unvergüteten  Eisenbahnleistungen ­
  Preussens  mit  Eehlbeträgen  arbeitete,  war  natürlich  unhaltbar,
da  ja  Preussen  bei  der  Verstaatlichung  diese  Verpflichtungen  mit  übernahm ­
  und  der  Kaufpreis  entsprechend  ausfiel.  Ferner  sind  die  Rechnungen
der  Eisenbahn,  ohne  Mitwirkung  der  Post  veranstaltet,  um  ein  vielfaches
zu  hoch,  und  die  Post  ihrerseits  führt  ebenso  für  Reich  und  Einzelstaaten
und  für  die  Sozialgesetze  unvergütete  Leistungen  etwa  in  gleicher  Höhe
aus,  allein  an  Portofreiheiten  z.  B.  für  20 l / 2  Millionen  Mai  k,  wie  der  Staatssekretär ­
  Krätke  1906  in  der  Reichstagskommission  mitteilte  (vergl.  Nr.  388
der  Reichstagsdrucksachen  1906,  S.  31).  Ferner  ist  tatsächlich  auch  der
        <pb n="148" />
        107

nahmen  hinaus.  Und  da  das  Inlandsporto  oder  Pennyporto
auch  Stephans  Ideal  für  den  Weltverkehr  darstellte,  da  es  angesichts ­
  der  regellosen  Entwicklung  der  zahllosen  Postvereino
als  neue  Weltporto  norm  besonders  dringlich  geworden  ist  und  da
nach  einem  alten  Grundsätze  der  Staats  Weisheit  gerade
in  Zeiten  wirtschaftlichen  Stillstands  oder  Niedergangs,
wo  das  Geld  rar  ist  und  die  Handels-  und  Goschäftspropaganda
  verdoppelt  einsetzen  muss,  Verkehrserleichterungen ­
  äusserst  notwendig  sind,  so  wäre  die  internationale ­
  Portoreform  gegenwärtig  besonders  nm  Platz.  Dazu
kommt,  dass  die  allenthalben  erhöhten  Zölle  und  die  Industriekrise ­
  und  die  bisherige  Geldknappheit  den  Welthandel  erschwert ­
  haben  und  ein  billiges  Porto  die  Anstrengungen,  nach
neuen  Märkten  zu  suchen,  erleichtern  würde.  Auch  sind  die  Postvereine ­
  mancher  Staaten  derart,  dass  sie  die  einen  Länder  im  Wettbewerb ­
  bevorzugenund  die  andern  sehr  benachteiligen.  Sie  haben  zu
internationalen  Differentialbriefzöllen  geführt,  die  die  minder
begünstigten  oft  empfindlich  treffen,  wenn  es  sich  um  Massenbriefe ­
  handelt,  wie  der  moderne  Geschäftsverkehrsie  erfordert.
wirkliche  Eeinüherscliuss  der  Post  gewöhnlich  weit  höher  als  die  Eeehnung
der  Eisenbalmleistvmgen.  Der  Betriebsbericht  der  preussischen
Staatsbahnen  über  das  Jahr  1906  (S.  -16)  sagt,  die  Gesamteinnahme
„würde  noch  tun  34  390  908  M  höher  gewesen  sein,  wenn  die  Reichspost
die  Leistungen  der  Eisenbahnverwaltnng  für  Zwecke  des  Postdienstes  voll
vergütet  hätte“.  Die  Eisenbahn  berechnet  nämlich  ihre  Leistungen  mit
40  244  110  M;  die  Reichspost  vergütete  ihr  davon  aber  bloss  10  848  202  M
(1907  waren  es  47  504  062  und  11O26  087  M).
Diese  Leistungen  derEisenbahn,  deren  Berechnung  Stephan
schon  in  der  Eeichstagssitzung  vom  18.  Januar  1886  dreimal  zu  hoch
fand,  sind  aber  doch  gesetzlich  ebenso  festgelegt  wie  etwa  die  Wehrpflichtleistungen ­
  der  Militärdienstpflichtigen.  Bekanntlich  bekommen  die  gemeinen
Soldaten  jährlich  nur  79,20  M  „Löhnung“,  ein  kleiner  Teil  von  ihnen  97,20  M,
115,20  M  und  151,20  M.  Im  Etat  für  1906  sind  327  866  Gemeine  eingestellt
(allein  in  Pieussen).  Wenn  man  jedem  auch  nur  das  Gehalt  einer  Köchin
oder  besseren  Dienstmagd  gäbe.  z.  B  25  M  monatlich  oder  300  M  jährlich,
so  würde  das  schon  75—  100  Millionen  Mark  mehr  erfordern.  Man  kann
also  ebenso  von  den  Reichseinnahmen  sagen:  wenn  der  Soldatendienst
voll  vergütet  würde,  wären  die  Einnahmen  noch  'um  100  Millionen ­
  niedriger  oder  das  Defizit  um  100  Millionen  grösser.  Aber  diese
Betrachtung  ist  müssig,  denn  wir  haben  doch  mit  dem  tatsächlichen  Rechtszustand
  zu  rechnen.  Ebenso  die  Eisenbahn  und  die  Reichspost.  Ohne  die
        <pb n="149" />
        108

Der  Zeitpunkt  einer  Weltportoreform  ist  darum
längst  gekommen.  Aber  nicht  bloss  das,  auch  die  Postfinanzen ­
  der  meisten  wichtigeren  Länder  sind  ihm
äusserst  günstig  ungeachtet  des  zeitweiligen  Ueberschussrückgangs
  von  1906  auf  1907.  Die  unten  folgende  Zahlenzusammenstellung ­
  wird  das  im  einzelnen  näher  erhärten  und
zeigen,  wie  riesenhohe  Ueberschüsse  in  sehr  zahlreichen
Ländern  vorhanden  sind,  sowohl  absolut  wie  relativ;  wüe  hoch
sich  die  Welthandelsumsätze  und  die  damit  verknüpften  Zolleinnahmen, ­
  an  deren  Eingang  die  Post  doch  mittelbar  mitwirkt, ­
  sich  belaufen,  ferner,  wie  dicht  die  Länder  mit  Postanstalten
versehen  sind,  wieviel  Postsendungen  auf  jeden  Einwohner ­
  kommen  und  wie  stark  das  Postpersonal  ist.  Bei  der
Beurteilung  der  hohen  Postüberschüsse  wird  man  freilich  verschiedene ­
  Dinge  mit  zu  berücksichtigen  haben.  Oft  sind  sie
das  Zeichen  einer  heillos  fiskalischen  Wirtschaft,  viel  zu  hoher
hemmender  Tarife  und  sehr  geringer  Ausdehnung  der  Postanlagen ­
  im  Lande  und  der  verschiedenen  Postzweige.  In
einzelnen  Ländern  spielt  das  Fehlen  eines  weniger  rentablen
Matrikularbeiträge  für  das  Reich  wären  die  Einnahmen  der  Einzelstaaten
oft  auch  grösser;  aber  diese  Beiträge  sind  nun  einmal  da.
Selbst  wenn  man  die  34  Millionen  der  Eisenbahnrechnung  von  dem
Postüberschuss  von  74  Millionen  im  Jahre  1906  (im  Etat  für  1909  sind  es
99,3  Millionen  Mark)  abzieht,  bleiben  immer  noch  40  Millionen  übrig;
auch  beim  Abzug  von  den  59  Millionen  des  sogen.  Reinüberschusses  wären
es  immer  noch  25  Millionen  Mark.  Von  einem  Postdefizit  war  bisher  also
gar  nicht  die  Rede.  Nun  wuchsen  aber  die  Ausgaben  plötzlich:  1907  für  die
Beamten  18512428M  und  1908  etwa  25  Millionen  M  zu  einmaligen  Beihilfen  und
seit  1909  jährlich  55  Millionen  mehr  für  Gehaltsaufbesserungen,  so  dass  der  veranschlagte ­
  Uebersohuss  (99,3  Mill.)  zunächst  auf  44,3  Millionen  und  bei  einem
Yerkehrsrückgang  noch  tiefer  sinken  würde.  Doch  sicherlich  nur  zeitweilig
Aber  auch  vom  Gesichtspunkt  einer  Verzinsung  des  Anlagekapitals ­
  stand  die  deutsche  Reichspost  glänzend  da.  Nach  dem  gedruckten
Kommissionsbericht  für  den  Reichstag  (Nr.  388  der  Reiohstagsdrucksachen
der  II.  Session  1905/06)  sagte  der  Staatssekretär  des  Eeichspostamts  Krätke
(S.  28),  „selbst  bei  Einrechnnng  von  Amortisationen  rrsw.“  verzinse ­
  sich  die  Reichspost  (einschliesslich  der  Telegraphie  und  der  Telephonie)
  noch  mit  7%.  Das  ist  ein  äusserst  hoher  Zinssatz  hei  einer  gemeinnützigen ­
  Anstalt  wie  der  Post,  und  eine  höhere  Rente  wäre  geradezu
bedenklich.  Dieses  Ergebnis  wird  erzielt,  trotzdem  die  Telegraphie  wie
in  den  meisten  Ländern  einen  Zuschuss  (17  Millionen  oder  mehr)  erfordert,
        <pb n="150" />
        109

Postpaketdienstes  teilweise  dabei  mit,  ebenso  das  Pehlen  der
Telegraphie.  Aber  oft  liegt  es  auch  umgekehrt.  In  den  Vereinigten ­
  Staaten  z.  B.  hat  die  Post  mit  der  Telegraphie
nichts  zu  tun  und  es  fehlt  ihr  ein  innerer  Paketdienst.  Trotzdem ­
  herrscht  da  ein  ungeheures  Defizit.  Meist  sind  Telegraphie
und  Post  aber  vereinigt.
Manche  Länder  mit  grosser  Dichtigkeit  der  Postanstalten
und  des  Verkehrs,  wo  der  unrentable  Ausbau  des  Landdienstes
im  wesentlichen  schon  vollendet  ist,  weisen  hohe  Ueberschüsse
auf,  haben  aber  zugleich  sehr  billige  Tarife,  z.  B.  Belgien,  wo
allerdings  der  Paketdienst  hauptsächlich  durch  die  Eisenbahnen
betrieben  wird.
Ich  will  nun  aus  der  besonders  zu  beachtenden  untenstehenden ­
  Zalilentafel  (S.  112  und  113)  einige  Tatsachen  (1906)
hervorheben.  Die  Türkei  wirtschaftet  in  ihrem  wenig  entwickelten
Postwesen  mit  dem  ungeheuerlich  hohen  Uehersclmsse  von  77  °/o
der  Einnahmen,  Spanien  mit  67  °/o,  Belgien  mit  49  °/o,
so  dass  also  die  Post,  allein,  betrachtet,  ohne  die  Telegraphie,  eine  noch  sehr
viel  höhere  Verzinsung’  ergeben  würde  (etwa  25—30  v.  H.;  1905).
In  einem  Artikel  der  „Frankfurter  Zeitung“  (1906,  Nr.  68  vom  lO.März),
„Anlagekapital  und  Verzinsung  der  Reichspost“,  berechnete  ich  die
Postkapitalrente  auf  mehr  als  12%  und  seihst  nach  Abzug  der  einmaligen
Ausgaben  und  der  Eisenbahiirechnung  noch  auf  über  7  %.  1905  betrug  das
Postkapital  652Va  Millionen  Mark  (davon  kamen  230  auf  die  Post,  143  auf
die  Telegraphie  und  279  auf  das  Fernsprech  wesen,  das  jetzt,  1908/09,  auf
ein  Kapital  von  540  Millionen  Mark  angewachsen  ist,  das  ausser  einem
Zins  von  S'/a  %  noch  10,7  Millionen  Mark  Überschuss  ergibt,  also  5 l /a  %
Rente).  Die  elsass-lothringisohen  Reichseisenbahnen  aber  konnten  ihr  Kapital
von  638  Millionen  Mark  (1903)  nur  mit  4,35%  verzinsen.  Bei  Berücksichtigung ­
  des  Umstandes,  dass  das  Defizit  der  Telegraphie  von  der  Post
getragen  wird,  und  bei  Anrechnung  dieses  Verlustes  als  Gewinn  bei  der
Post  würde  diese  sogar  eine  Rente  von  etwa  25%  auf  weisen.  Eine  „glänzende“
Verzinsung  der  Deutschen  Reichspost  wird  auch  in  dem  Buche  des  Oberpostpraktikanten
  Dr.  Paul  Ullrich  „Die  Finanzen  der  Reichspost-  und  Telegraphen-Verwaltung“ ­
  (Stettin  1909)  für  die  Zeit  bis  Ende  1906  (D.  Vk.-Ztg.
1909,  265)  nachgewiesen.
Die  Gehaltserhöhungen  von  1909  werden  ja  natürlich  auch  die  Posterträge ­
  für  eine  Weile  mindern,  doch  kaum  lange  au  der  günstigen
Entwickelung  viel  ändern.  Die  Porto  Verteuerungen  (Ortsportoerhühung,
  Zeitungsheilagen),  die  Fahrkartensteuer  u.  dergl.  haben
zweifellos  auch  zur  Verringerung  des  Postverkehrs  beigetragen  und  tun  es
in  Zeiten  der  Geldknappheit  in  verstärktem  Masse.
        <pb n="151" />
        Russland  mit  118%)  selbst  England  noch  mit  27%,  Neuseeland ­
  mit  25%,  Japan  und  Rumänien  mit  23%,
Aegypten  mit  22  %,  Portugal  und  Bulgarien  mit  20  %,
Chile  mit  18  °/o,  Frankreich  mit  15  %■  Bie  höchste  absolute ­
  Ueberschusseinnahme  hat  England:  128  Millionen
Franken;  dann  Russland  mit  117  Millionen  Franken,  hiernach ­
  Deutschland  91,3  (ohne  Bayern  und  Württemberg  aber
91,3),  obwohl  sein  verhältnismässig  hoher  Ueborschuss  nur  12%
(bzw.  14  %)  der  Einnahmen  ausmacht.  Frankreich  weist
48  Millionen,  Japan  19,  Spanien  18,  Belgien  17  Millionen
Franken  auf.  Also  überall  hier  ist  ein  Anlass  für  Portoermässigungen
  gegeben.  Die  Türkei  und  Russland  haben  im
Innern  noch  ein  unerhört  hohes  Briefporto.
Bei  folgenden  Ländern  geht  der  Überschuss  über  10  %
der  Einnahmen,  aber  nicht  über  15  %  hinaus:  Deutsche  Reichspost ­
  rund  14%,  Dänemark  13,  Italien  12,  Norwegen  13,
Holland  14,  Schweden  rund  13,  Viktoria  (Australien)  14V2  %.
Unter  10%  haben:  Österreich  3%  %;  Britisch  Indien
5%,  Luxemburg  6 x /a  %  un d  die  Schweiz  gegen  8  %•
Mit  einem  Defizit  arbeiten:  Die  Vereinigten  Staaten
von  Nordamerika  (—  6%  der  Einnahmen,  in  absoluter  Zahl
53  600000  Fr.  Unterbilanz),  Argentinien  (ebenfalls  —6%
oder  20  Millionen  Fr.),  Mexico  (—0,03%),  Peru  (—23%),
Serbien  (—  0,1  %),  Capland  (—  6,9  %),  Westaustralien  und
Queensland  (—  13  und  —  14%),  Algier  (—26  %),  Niederländisch-Indien
  (—  57  %)  und  mit  dem  ungeheuren  Maximum
(-  448%  Defizit)  Französisch  Indo-China.
Wie  man  sieht,  gehören  aber  zu  den  Ländern  mit  Unterbilanz ­
  gerade  auch  solche,  die  einen  geringen  Auslandsverkehr
haben,  die  schon  Postvereinen  mit  billigerem  Porto  angeboren
und,  wie  die  Union,  trotz  ihres  hohen  Defizits,  einer  Weltportoverbilligung ­
  dennoch  geneigt  sind.  Bis  auf  die  Schweiz  haben
auch  die  übrigen  Länder  mit  weniger  als  10  %  Überschuss  schon
Postvereinsbeziehungen,  im  übrigen  aber  einen  geringen  Auslandsverkehr, ­
  so  dass  dessen  Portoverbilligung  nur  mässige
Ausfälle  herbeiführen  würde.  Ein  Zeitpunkt,  wo  alle  Länder
gleichermassen  hohe  Reinerträge  ab  werfen,  ist  natürlich  nicht
zu  erwarten.  Der  jetzige  ist  daher  recht  günstig  zur  Ein ­
        <pb n="152" />
        111

führung  des  Welt-Pennyportos,  weil  in  so  vielen  Staaten  eigentlich
bedenklich  hohe  Postüberschüsse  vorhanden  sind.  Nach  Überwindung ­
  der  letzten  Geschäftskrise  dürften  die  Überschüsse
noch  weiter  steigen.
AVie  geringfügig  aber  das  wohlerwogene  Staatsinteresse
daran  sein  kann,  dass  der  Postüberschuss  vollständig  in  der
alten  Höhe  erhalten  bleibt,  und  wie  wenig  die  kleinen  vorübergehenden ­
  Ausfälle  infolge  einer  Weltportoverbilligung  gegenüber
andern  Vorteilen  in  Betracht  kommen,  das  soll  hier  an  einigen
Beispielen  dargetan  werden.
Englands  Welthandel  (Ein-  und  Ausfuhr)  belief  sich
1906  auf  21  799  Millionen  Mark  und  die  dadurch  entstehende
Zolleinnahme  auf  701  Millionen  Mark.  Der  Postüberschuss
aber  stellte  sich  auf  etwa  103,5  Millionen  Mark  (127,8  Millionen
Planken).  AVenn  nun  in  England  das  Pennyporto  fortan  nach
allen  Ländern  der  AVelt  gälte,  so  würde  das  für  die  englische
Post  ohne  A T orausberücksichtigung  der  Verkehrssteigernng  einen
theoretischen  Ausfall  von  etwa  7  Millionen  Mark  a.usmachen
  (vgl.  S.  105  u.  179)  und  der  Überschuss  könnte  von  103 1 /s
auf  9C'/ä  Millionen  Mark  sinken  —  nur  theoretisch,  wohlgemerkt!
Aber  da  der  Briefverkehr  den  Handel  sehr  wesentlich  in
Bewegung  setzt,  Käufer  und  Verkäufer  verbindet,  Geschäfte
vorbereitet  oder  abschliosst,  Schiffe  und  Eisenbahnwagen  mit
AVaren  dirigiert,  Paketsendungen  und  Postanweisungen,  sowie
persönliche  Reisen  veranlasst  und  durch  die  angeregte  Wareneinfuhr ­
  Zolleinnahmen  im  Gefolge  hat,  so  ist  es  wahrscheinlich,
dass  diese  Zolleinnahmen  und  andere  Einnahmen  durch  Steigerung
infolge  der  Portoverbilligung  und  Verkehrszunahme  den  theoretischen ­
  Portoausfall  schnell  wieder  wettmachen  worden.  Tatsächlich ­
  ist  ja  der  Ausfall  infolge  der  Briefverkehrssteigerung  in
AVirklichkeit  auch  fast  nie  so  gross,  wie  die  Rechnung  am
grünen  Tisch.  Dass  diese  Steigerung  aber  keineswegs  den  Verlust ­
  immer  noch  weiter  vermehrt,  wie  behauptet  wird  (S.  291),
soll  unten  gezeigt  werden  (S.  163  ff.,  167  u.  174  ff.).
Der  deutsche  Welthandel  betrug  (1906)  15  555  Millionen ­
  Mark  (1907  17  Milliarden),  die  Zolleinnahmen  (1908)
667  Millionen,  der  Postüberschuss  der  Deutschen  Reichspost  für
1909  macht  nach  dem  Postetat  99,3  Millionen  Mark.  Aller-  (S.  115j
        <pb n="153" />
        r

—  112  —

(1906)  Postwesen,  Festverkehr,  Poste  ilmahmen,
(Nach  der  Berner  Poststatistik  für  1906.  Handels-  und  Zolleinnahmen  nach  dem
Deutsche  Deich  1908.  Vergleiche  auch  Deutsche  Reichspost-Je

  eine  P
entfä
qkm

ostanstalt
1t  auf
Einwohner

Postsendungen ­

auf  jeden
Einwohner

Postanstalten ­

(Gesamtzahl) ­


Personal
(Köpfe)
insgesamt

Deutschland

13,6

1  532

89,6

48  938

208  276

Deutsch.  Reich  spost  gebiet

13,3

1  548

—

33  479

261  782

Amerika  (Ver.  StJ  ....

146,2

1  176

152

66  617

268  044

Argentinien  .......

1  476,6

3  018

93,3

2  808

8  588

Oesterreich

34,9

3  044

54,9

9  185

64  108

Belgien

22

5  406

91,6

l  407

8  820

Bulgarien

48,3

1  987

11,7

2  051

3  790

Chile

872,8

4  171

22.9

930

2  483  ■

Dänemark

40,1

2  587

57.2

1  402

7  770

Aegypten

448,4

7  794

6

1  341

2  316

Spanien

133,2

4  775

24

4  020

5  599

Frankreich

44,8

3  256

81.2

12  609

93  759

Grossbritannien  ....

13,4

1  868

113.5

28  629

199  178

Ungarn

65,9

3  905

26.2

5  459

28  957

Brit.  Indien

267,7

17  427

2,6

17  660

83  426

Italien

29.8

3  464

29,5

9  772

41  872

Japan

Ö9.4

7  550

2ö’ö

6  857

67  773

Luxemburg

24,7

2  347

99,3

114

696

Mexiko

787,9

5  395

13.8

2  776

12  032

Norwegen

108,6

784

33,1

3  009

4  849

Niederland

23,1

'  3  961

81,7

1  436

9  ,'.01

Peru

3  869,2

5  792

2

480

886

Portugal

26,1

1  429

18.6

3  552

7  250

Rumänien

40,3

1  816

37,7

3  277

7  459

Russland

1  698,2

10  219

7,5

13  689

75  088

Serbien

34,1

1  896

11,5

1  425

1  133

Schweden

142,3

1  73u

37,2

3  849

10  386

Schweiz

10,!)

875

113,9

4  037

14  627

Türkei

2  170,9

17  463

1,5

1  376

2  898

Uruguay

205

1  072

44,2

912

832

Capland

672,8

2  261

29,1

1  086

2  095

Oranje-Kolonie

612,9

1  816

86,6

216

895

Westaustralien

8  994,7

931

163

281

1  240

Neu-Süd-Wales

311

648

129,6

2  364

6  980

Queensland

1  278,1

394

HO

1  366

2  393

Victoria

97,9

532

131,2'

2  350

4  990

Nen-Seeland

136

451

?

1  995

6  333

Algier

787,3

8  558

12.8

609

2  324

Fr.  Indo-China  ....

3  307.7

80  972

0.8

269

1  582

Niederl.  Indien

1  195,9

22  133

0,9

1  603

2  247

*)  1)1°  n&amp;lt; 2 ls ,!' en  Zahlen  der  Berner  Weltpoststatistik  für  1907,  die  mir  erst  nach  Fertig-Stellung
  dieser  1  afel  zugingen,  gebe  ich,  soweit  Posteinnahme  und  Überschuss  in  Betracht
kommen,  nachstehend:

Ueherschüsse,  Welthandel  und  Zolleinnahmen.*)
Gothaer  Hofkalender  1909,  aber  auch  nach  dem  Statistischen  Jahrbuch  für  das
Statistik  1906.)  —  (Maxima  und  Minima  sind  hervorgehoben.)

Gesamt-Einnahme

in
Millionen
Franken

Uebersch
bzw.  Deal) ­
  solut
Millionen
Franken

uss  (+)
izil  (-)
in  °/ 0  der
Einnahme
°/o

Welthandel ­
  1906:
Wert
Millionen
Mark

Davon
Einfuhr:
Wert
Millionen
Mark

Zoll-Einnahme
  ;
Millionen
Mark

798,9

4-  943

4-  11,8

15  555

8  685

607  (1908)

696,8

4-  91,3

4-  13,9

—

—

—

870,1

—  53,6

-  6,1

12  476

5  151

1  395  (1906/7)

20

-  L2

-  6,1

2  277

1  093

203  (1908)

1.46,1

4-  5,5

+  3,7

4  258 1 )

2  050

112  (1907/8)  ’)  mit  Ungarn

33,6

4-  19,1

-  48,8

8  631

4  581

43  (1908)

4,3

4-  0,9

-  20,1

178

87

33  (m.  Verbrauchssteuern)

3,3

--  0,6

-  18.1

760

345

9

18,2

-  2,3

-  12,7

1  446

816

p

6,1

+  1,3

-  22,4

1  014

498

P

26,7

4-  17.9

-  67

1  585

839

123,5  (1908)

319,8

-  48,3

-  15,1

11  132

5  672

390  (1908)

474,5

-127,8

-  27,1

21  79!)

12  401

701  (1907/8)

65,8

—  15,6

-  23,6

s.  Oesterr.

40,2

—  2,0

-  5,1

4  208

1  715

94  (1907/8)

84.9

4-  19,3

4-  12

3  402

1  933

235  (1908/9)

83.9

--  19.4

-  23

1  769

879

87  (1908/9)

1,8

—  0,11

-  6,4

13)

.3)

13 )  1B )  Deutsches  Zollgebiet

20,2

—  0.006

-  0,03

1  026

460

100  (1908/9)

9,3

4-  1,2

-  13,2

663

386

45  (1906/7)

27,3

4-  4,0

4-  14,1

7  816

4  284

20  (1909)

9,4

—  0,3

-  23

250

114

27  (1906)

11

—  2,2

4"  20

563

274

P

13,2

--  3,0

4-  23,3

730

337

P

307,3

—  116,7

+  38

3  513

1  349

563  (1908)

2,5

0.003

0,1

93

35

9  (1908)

25,6

--  3,2

-  12,8

1  292

725

65  (1909)

47,6

—  3,7

-  7,8

2  044

1  179

58  (Finanzen  n.  Zölle  1907)

9.6

—  7,4

77,4

939

577

V

2,7

--  1,1

-  41

292

148

p

12,4

0,8

-  6,9

\  1  000 2 )

645 2 )

36 3 )  2 )  Südafrika

2,0
6,5

—  0.76
-  0,9

-  13

3 )  Capland  allein

27,2

4-  4,0

4-  14,9

9,6

—  1,4

-  14

■  1  927 4 )

865 4 )

214 4 )  4 )  gesamt.  Austral.  Bund

19,7

4-  2,9

f-  14,5

11,0

-f  2,8

f  25,4

610

292

60  (1906/7)

6.8

1,8

-  26,4

631

351

9  (1908)

1,9

—  8,5

-  448,0

318

176

?

3,6

“  2,1

-  57

954

400

38  (1908)
        <pb n="154" />
        —  114

Die  neueste  Statistik  des  Berner  Bureaus,  welche  mir  bei  Anfertigung
der  obigen  Tabelle  noch  nicht  yorlag,  bringt  in  betreff  der  Posteinnahmen
und  Überschüsse  (-}-)  oder  Fehlbeträge  (—)  folgende  Zahlen  für  das
Jahr  1907  (in  Millionen  Franken):

Einnahmen

Ueh  ersehn  ss  +
öder
Fehlbetrag  —

Einnahmen

Ueberschuss  +
oder
Fehlbetrag  —

Deutschland  .  .

841,71

+

67,31

Niederlande  .  .

27,97

+

3,15

D.  Reichspostgeh.

—

—

Peru

—

—

Amerika  (V.  St.)

945,46

—

32,40

Portugal  .  .  .

11,32

+

2,42

Argentinien  .  .

16,60

+

3,85

Rumänien  .  .

14,90

+

4,21

Österreich  .  .  .

155,89

—

0,67

Russland  .  .  .

317,22

+

123,93

Belgien  ....

31,85

+

16,49

Serbien  ....

2,64

+

0,26

Bulgarien  .  .  .

4,86

—

0,37

Schweden  .  .  .

27,29

+

3,01

Chile

2,43

—

0,015

Schweiz  ....

49,83

+

3,80

Dänemark  .  .  .

19,66

+

2,70

Türkei  ....

8,50

+

6,83

Ägypten  ....

7,93

+

1,60

Uruguay  .  .  .

—

—

Spanien  ....

27,88

+

18,49

Kapland  .  .  .

12,«5

—

0,82

Frankreich  .  .  .

324,21

+

41,98

Oranje  ....

2,02

—■

0,85

Grossbritannien  .

493,61

+

125,68

W  estaustralien

6,57

—

1,47

Ungarn  ....

70,67

+

16,98

Neu-Südwales  .

30,49

—

Brit.  Indien  .  .

42,68

+

2,12

Queensland  .  .

11,30

—

0,64

Italien

91,12

+

20,02

Südaustralien  .

8,34

1,65

Japan

92,38

+

26,80

Tasmanien  .  .

2,50

+

0,41

Luxemburg  .  .

1,80

—

0,31

Victoria  ....

20,50

+

0,35

Mexiko  ....

10,62

—

0,73

Neuseeland  .  .

12,05

+

3,20

Norwegen  .  .  .

9,89

+

1,34

Algier  ....

6,94

—

2,92

Fr.  Indochina  .

1,86

—

8,92

Nieder!.  Indien

3,74

—

2,55

Im  Jahre  1907,  wo  die  allgemeine  geschäftliche  Depression  einsetzte,
sind  auch  die  Überschüsse  bei  vielen  Postverwaltungen  zurückgegangen,  bei
vielen  anderen  jedoch  weiter  gestiegen.  Natürlich  ist  das  nur  eine  zeitweilige
Verschlechterung,  die  weiter  kaum  von  Belang  ist.  Die  Tariferhöhungen
haben  gewiss  auch  hie  und  da  dazu  beigetragen.  In  Deutschland  sind
Gehaltsmehrausgaben  eingetreten  (1909).
        <pb n="155" />
        115

8*

dings  vermindern  ihn  die  Gehaltserhöhungen  jetzt  um  55  Millionen. ­
  Doch  gewiss  nicht  dauernd.  Die  Einführung  des  10  Pf.-Welt-Portos
  würde  aber  nur  einen  theoretischen  Verlust  von
9,8  Millionen  ergeben,  so  dass  der  Überschuss  immer  noch
weit  grösser  bliebe,  als  1900  nach  der  Podbielskischen  Portound
  Telephonreform  (25  Milh).  Tatsächlich  ist  natürlich  nur
auf  2 ,3  oder  auf  die  Hälfte  eines  solchen  Ausfalls  und  auch
nur  in  den  ersten  zwei  Jahren  zu  rechnen,  später  ist  er  viel
geringer  und  hört  bald  ganz  auf.
Die  amerikanische  Union  weist  bei  ihrem  Handelsumsatz
von  12  476  Millionen  Mark  1395  Millionen  Mark  an  Zolleinnahmen
  auf;  auf  dasPostdefizit  von  43  Mill.Mark(1906)kommt
es  ihr  gar  nicht  an,  und  zu  weiteren  Weltportoverbilligungen,  z.  B.
seeenüber  Frankreich,  hat  sie  sich  schon  oft  bereit  erklärt.
Russlands  Zölle  ergeben  5G3  Millionen  Mark,  der
Postüberschuss  von  93,36  Millionen  Mark  (1906)  ist  viel  zu  hoch
und  bedarf  längst  der  Herabminderung  durch  Portoverbilligungen
und  neue  Postanlagen.
Bei  Frankreich  machen  die  Zölle  390  Millionen  Mark,
der  Postüberschuss  nahe  an  40  Mill.  Mark  aus  (1906);  das  internationale ­
  10  Centimes-Porto  würde  in  diesem  Lande  gegen
10  Millionen  Mark  theoretisch  und  in  Wirklichkeit  vorübergehend ­
  vielleicht  6  Millionen  Mark  an  Ausfällen  verursachen.
Weitere  Beispiele  kann  sich  jeder  nach  den  unten  (S.  169  ff.)
folgenden  Berechnungen  selbst  zusammenstellen.  Eine  Herabminderung ­
  zu  hoher  Postüberschüsse  ist  überall  erwünscht  und
notwendig  und  aus  Gründen  des  Gemeinwohls  zu  fordern.  Ja,
man  sollte  überhaupt  stets  bei  Zeiten  dafür  sorgen,
dass  diese  Überschüsse  nicht  zu  hoch  steigen  —  Amerika
geht  ja  noch  viel  weiter  darin  —  und  die  Post  nicht  zum
fiskalischen  Erwerbsunternehmen  ohne  Rücksicht  auf
die  Yerkehrsinteressen  gemacht  wird.  Wird  sie  erst  zur
melkenden  Staatskuh,  dann  lässt  sie  der  oft  sehr  kurzsichtige
Fiskus  nicht  so  leicht  aus  seinen  eisernen  Klauen.
Stephan  erzählt  uns  in  seiner  Geschichte  der  preussischen
Post  (S.  695  —  698)  über  den  preussischen  Generalpostmeister
v.  Nagler  (geb.  1770,  seit  1822  Generalpostmeister,  gleichzeitig
1824—1835  Bundestagsgesandter,  f  1846),  den  bekannten  Gegner
        <pb n="156" />
        116

des  „faulen  Schwindels“  der  Eisenbahnen,  einen  recht  fiskalischen
Überschusserzieler,  wie  ihn  in  jüngeren  Jahren  doch  auch  der
Gedanke  der  .Gemeinnützigkeit  des  Postwesens  oft  erfüllte  und
welche  Kämpfe  er  bei  solchen  Bestrebungen  beständig  mit  der
Finanzverwaltung  auszufechten  hatte,  die  noch  sehr  viel
fiskalischer  war,  als  er,  und  ihm  oft  das  Leben  sauer  machte,
wenn  er  mit  Reformen  Vorgehen  wollte.
.  Eine  Königl.  Verordnung  von  1835  verlieh  ihm  wenigstens
in  den  technischen  Dingen  des  Postwesens  volle  Unabhängigkeit
von  der  Einwirkung  anderer  Ressorts.
„Nicht  ohne  Grund“,  schreibt  Stephan,  machte  man  ihm
den  Vorwurf,  „bei  der  Verwaltung  der  Staatspostanstalt  den
unmittelbaren  Finanzgewinn  zu  sehr  berücksichtigt  zu  haben“.
Freilich  hätte  die  „drohende  Finanzkrisis  zu  Anfang  der
zwanziger  Jahre  erhöhtere  Ansprüche  an  die  Finanzkraft  des
Postinstitus  gemacht“  und  man  wünschte  damals  den  Postüberschuss ­
  um  25  °/o  zu  steigern.
1821  betrug  der  Reinertrag  der  Post  2  154  495  M  oder
24  n /o  der  Einnahmen;  1825  (unter  Nagler)  schon  3  364  851  M
(33  %);  1830:  4  229  409  M  (32%);  1835  waren  es  31%  der
Einnahme.  „Später,  als  die  Staatskasse  an  den  beträchtlichen ­
  Überschuss  aus  dem  Postwesen  gewöhnt  war“,
schreibt  Stephan  weiter,  „fand  die  Beschränkung  der
Finanzerträge  des  letzteren  unüberwindliche  Schwierigkeiten“. ­
  Daher  wurde  das  10  Pf.-Porto  erst  28  Jahre  später
(1868),  als  das  Pennyporto  in  England,  hier  eingeführt.
Das  ist  aber  die  grosse  Gefahr,  die  mit  diesem  europäischen
Überschuss-System  verknüpft  ist,  im  Gegensatz  zu  dem  nordamerikanischen, ­
  das  nach  eintretenden  Überschüssen  sofort
Verkehrserleiehterungen  oder  Verbesserungen  vorschreibt.
„Das  Porto  war  eine  sehr  bequeme  Steuer“,  bemerkt  Stephan
weiter.  „In  Preussen  hatte  das  Generalpostamt  lange
Zeit  fortwährende  Kämpfe  mit  der  Generalkoutrolle,
dem  Finanzministerium,  der  Oberrechnungskammer  und
den  von  Zeit  zu  Zeit  für  Finanzzwecke  eingesetzten
Immediatkommissionen  zu  bestehen.  Schon  bei  Gelegenheit ­
  der  Vorschläge  der  Immediatkommission  zur  Untersuchung
des  Staatshaushalts  im  Jahre  1824  tat  die  Postverwaltune  dar;
        <pb n="157" />
        117

,dass  Veredlung  und  Vermehrung  der  Kommunikationsmittel
die  einzige  wahre  Postfinanzquelle  sei,  dass  inan  die  Ausgaben
nicht  beschränken,  sondern  reichere  Betriebsmittel  zweckmässig
anwenden  müsse',  und  im  Jahre  1832  sagte  der  Generalpostmeister ­
  in  einem  Berichte  an  des  Königs  Majestät  über  Einmischungen ­
  der  Oberrechnungskammer  in  den  materiellen
Teil  der  Verwaltung:  ,Was  würde  aus  dem  Postinstitute  werden,
wenn  der  Ohef  desselben  den  einseitigen  Ideen  von  Sparsamkeit
und  strenger  Fiskalität  die  Beförderung  der  Gemeinnützigkeit
der  Posten  aufopfern  wollte!'.“  Nagler  klagte  über  Versuche  der
Finanzorgane,  seine  freien  Befugnisse  zu  beschränken  und  zu
verkümmern  und  antwortete  auf  die  -Ersparungsprojekte  der
unter  Vorsitz  des  Finanzministers  eingesetzten  Finanzkommission
etwas  empfindlich,  dass  es  „wohl  nicht  die  Absicht  sein  könne,
statt  der  Prediger  die  Küster  die  Predigten  vorlesen  zu  lassen“.
Solchen  Hindernissen  begegnen  Postreformen  auch  heute  noch
in  aller  Herren  Länder.  Nagler  wurde  freilich  in  späterer  Zeit
selbst  immer  mehr  fiskalisch  und  reformfeindlich.  Auch  er  hatte
sich  mit  der  Zeit  an  die  Fiskalität  gewöhnt.  Das  alte  neue
Lied  von  der  ungünstigen  Finanzlage  erklang  auch  damals  gegen
notwendige  Portoreformen,  ebenso  wie  das  später  unter  dem
gealterten  Generalpostmeister  und  Staatssekretär  Stephan  im
Deutschen  Reiche  in  seiner  letzten  Zeit  wieder  der  Fall  war.
Auch  damals  stiessen  dringliche  Reformen  beharrlich  auf  Widerstand, ­
  begründet  mit  der  Finanzlage,  allerdings  anscheinend  oft
gegen  den  Willen  Stephans.
Schon  bei  der  Postetatberatung  im  Reichstage  Ende
Januar  1896  wurde  Stephan  angegriffen,  als  er  u.  a.  die  Erhöhung ­
  des  einfachen  Briefgewichts  von  15  auf  20  g  ablehnte,
und  der  Staatssekretär  des  Reichssohatzamts  sekundierte  ihm  und
wies  auf  die  ungünstige  Finanzlage  hin.  1897  (28.—30.  Januar)
wiederholten  sich  diese  Angriffe.  Selbst  der  nationalliberale
Abgeordnete  Kammacher  meinte,  Stephan  sei  nicht  mehr  der
alte,  nicht  mehr  der  deutsche  Rowland  Hill.
Stephan  deutete  damals  an,  dass  er  in  der  Finanzverwaltung ­
  und  bei  denen,  die  'mitzureden  hatten,  Widerstände
fände.  Er  sagte 6 ):  „Ich  bin  Vertreter  der  verbündeten

°)  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1897,  S.  86.
        <pb n="158" />
        118

Regierungen  hier,  nach  deren  Instruktionen  ich  handeln
muss  .  .  .  Sie  haben  es  mit  dem  Generalpostmeister  hier
nicht  zu  tun;  der  Generalpostmeister  hat  seine  eigentliche ­
  Arbeit  im  Innern  der  Verwaltung;  und  was  da
vorgeht,  ob  er  protestiert  oder  Anträge  gestellt  hat  oder
nicht,  das  bin  ich  nicht  in  der  Lage,  hier  verraten  zu
können.“
Freilich  hatte  Stephan  leider  der  Finanzverwaltung,  die
sich  wieder  auf  ihn  berief,  den  Rücken  gestärkt,  denn  er  entgegnete
  auf  die  Briefgewichtserhöhung,  wie  schon  erwähnt:  „Ja,
meine  Herren,  wollen  Sie  glauben,  dass  das  einen  Ausfall  von
4—5  Millionen  Mark  jährlich  ausmacht,  wofür  nicht  ein  einziger
Brief  mehr  geschrieben  wird?“ 7 )
Aber  der  treffliche  Mann,  die  erste  Autorität  im  Post  wesen,
hat  sich  hier  arg  getäuscht,  vielleicht  weil  er  eine  Zeit  durchlebt ­
  hatte,  wo  das  Postwesen  sich  erst  allmählich  ausdehnte,  so
dass  auch  zu  verstehen  ist,  warum  er  —  nach  den  Erfahrungen
früherer  Zeiten  mit  Recht  —  der  Vermehrung  der  Postanlagen
und  Verbindungen  offenbar  mehr  Einfluss  auf  die  Steigerung
des  Verkehrs  zuschrieb  als  den  Posttarifen 8  * ).  Aber  gegen  Endo
seiner  Verwaltung  war  Deutschland  doch  schon  sehr  dicht  besät ­
  mit  Postanstalten,  und  ein  noch  weiterer  Ausbau,  der  höchstens
auf  dem  flachen  Lande  von  grösserer  Bedeutung  sein  konnte,
würde  bei  der  Geringfügigkeit  des  ländlichen  Postverkehrs  den
allgemeinen  Verkehr  heute  nur  wenig  beeinflussen.
So  kam  es  denn,  dass  seine  Prophezeihung  sich  als  sehr  unglücklich ­
  erwies.  Die  Briefgewichtserhöhung  um  5  g  unter
seinem  verdienten  Nachfolger  ergab  schon  im  ersten  Jahre  der
Reform  (1900)  eine  Port  om  ehr  ei  nn  ahme  von  12  Millionen  Mark
(vgl.  S.  135  f.)  infolge  sehr  grosser  Verkehrssteigerung  der  Briefe
zwischen  15  und  20  g.
Es  ist  übrigens  nicht  zutreffend,  wenn  man  diese  Verkehrssteigerung ­
  auf  die  gleichzeitige  Aufhebung  der  städtischen  Privatposten ­
  zurückführt®),  denn  die  Stadt-  und  Nachbarortsbriefo
7 )  „Archiv  für  Post  und  Telegtaphie“  1S96,  S.  92.
8 )  Geschichte  der  preussischen  Post,  S.  761.
°)  So  der  Staatssekretär  Krätke  im  Reichstage  Anfang  Dezember  1901.
Vgl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1905,  S.  195.
        <pb n="159" />
        119

haben  ja  ein  einfaches  Brief  gewicht  von  250  g  und  kommen
hier  gar  nicht  in  Betracht,  wie  das  ganz  genau  nachgewiesen
ist  in  meinen  Artikeln  in  der  „Frankfurter  Zeitung“  (1904,  Nr.  31,
36  und  113).
Die  Folge  dieser  Irrtümer  Stephans  pnd  der  Finanzverwaltungen, ­
  die  ja  leider  oft  mit  Verkehrstarif  fragen  nur  sehr
wenig  vertraut  sind,  ihrer  scheinbaren  Einfachheit  halber  es  aber
gewöhnlich  zu  sein  glauben,  war  die,  dass  dem  deutschen  Volke
eine  sehr  nützliche  Verkehrserleichterung  und  dar  Reiohskasse
eine  Mehreinnahme  von  12  Millionen  Mark  jahrelang  vorenthalten ­
  wurde.
Der  Eisenbahnminister  v.  Thielen  sagte  einmal  in  anerkennenswerter ­
  Duldsamkeit;  „Die  Kritik  ist  der  Verwaltung ­
  so  nötig  wie  das  menschliche  Atmen“  (dem
Körper).  Es  ist  nicht  eitle  Rechthaberei,  sondern  auf  langjährigen
Studien  fussende  wohlüberlegte  Kritik,  wenn  ich  hier  an  diese
Dinge  erinnere,  wo  auch  das  geplante  Welt-Pennyporto  immer
auf  die  alten  fiskalischen  'Widerstände  stösst.
Ich  erwähne  noch  kurz  einen  anderen  Fall,  den  das  Organ
des  Weltpostvereins,  die  „Union  postale“  (1909,  Nr.  1,  S.  8),  kürzlich ­
  aus  Neuseeland  berichtete.  Dort  wurde  das  inländische
einfache  Briefgewicht  am  1.  November  1906  von  V2  Unze
(14,17  gl  auf  4  Unzen  (113,36  g),  wie  in  England,  erhöht.  Aber
statt  des  berechneten  theoretischen  Ausfalls  von  25  436  £
(510  000  M)  ergab  sich  schon  im  ersten  Jahre  infolge  des  Mehrverkehrs ­
  bloss  ein  Ausfall  von  1088  £  (22  000  M).
Ein  weiteres  Hinausschieben  der  notwendigen  Weltportoreform
  empfiehlt  sich  aber  auch  deshalb  nicht,  weil  der  Verkehr
alljährlich  ohnehin  steigt  und  daher  in  Zukunft,  selbst  wenn  die
Finanzlage  einmal  günstiger  ist,  der  rechnerische  Ausfall
wiederum  viel  grösser  sein  würde 10 ).
10 )  Einige  Zahlen  werden  das  veranschaulichen.  Ich  entlehne  sie,  um
mir  diesmal  die  Mühe  der  besonderen  Feststellung  zu  ersparen,  dem  gedruckten ­
  Vortrage  des  Postrats  J  Jung:  „Der  Weltpostverein  und  sein
Einfluss  auf  den  Weltverkehr  und  die  Weltwirtschaft“  (Strassbnrg  1903,
S.  24,  25  und  44,  45)  und  füge  bloss  einige  neuere  Zahlen  hinzu.
Von  1877—1901,  in  25  Jahren,  hat  der  deutsch-ausländische  Briefverkehr ­
  sich  im  ganzen  vervierfacht.  Aber  im  einzelnen  ergeben  sich  noch
        <pb n="160" />
        120

So  sind  z.  B.  die  frankierten  Briefe  nacli  dem  Ausland  aus
dem  deutschen  Reichspostgebiet  (Deutschland  ohne  Bayern  und
Württemberg)  im  Jahrzehnt  1897—1907  von  76,76  auf  134,08
Millionen  gestiegen.  Wenn  man  die  Briefe  nach  den  heutigen
Postvereinsländern  (Österreich-Ungarn  mit  Bosnien-Herzegowina,
Luxemburg,  den  deutschen  Schutzgebieten  und  den  Vereinigten
Staaten)  weglässt,  so  betrug  die  Briefzahl  nach  dem  Postauslande
noch  49,59  Millionen  im  Jahre  1897,  aber  schon  das  doppelte
im  Jahre  1907,  nämlich  98,39  Millionen.  Hätte  man  schon
vor  10  Jahren  das  Weltporto  von  20  auf  10  Pf.  herabgesetzt, ­
  so  wäre  das  ein  theoretischer  Ausfall  von
4,96  Millionen  Mark  gewesen,  während  es  10  Jahre  später
(1907)  9,83  Millionen  Mark  wurden,  _die  in  weiteren
10  Jahren  vielleicht  zu  15—20  Millionen  Mark  anwachsen
  werden.  Dann  würde  man  auch  bei  einer  guten
Finanzlage  ebenso  wie  jetzt  sagen:  nein,  einen  so  hohen  Ausfall

ganz  andere  Verkehrssteigerungen,  die  sich  zu  einem  Teil  durch  neue
Dampferverbindungen  und  durch  die  Erschliessung  überseeischer  Länder
für  den  Handel,  zum  anderen  Teil  durch  die  Portoverbilligung  Infolge  ihres
Beitritts  zum  Weltpostverein  erklären,  und  weiter  auch  dadurch,  dass
vorher  der  Verkehr  oft  äusserst  gering  war,  so  dass  sein  Anwachsen  auf  ein
normales  Niveau  eine  ungewöhnliche  Verhältniszahl  der  Verkehrssteigerung
ergibt.  Viele  Staaten  traten  dem  Weltpostverein  ja  erst  sehr  spät  bei,
Chile  und  Paraguay  z.  B.  1881,  Australien  erst  1891,  Transvaal  1893,  Kapland
  und  Britisch-Ostafrika  1895  usw.
So  ist  der  Verkehr  mit  Mittel-  und  Südamerika  8  mal,  der  mit  Afrika
19  mal,  der  mit  China  und  Japan  14—16  mal  und  der  mit  Australien  32  mal
grösser  geworden,  als  er  25  Jahre  früher  war.
Im  besonderen  ist  der  deutsche  Briefverkehr  (im  weiteren  Sinne)  gestiegen ­
  in  den  Beziehungen  mit

Österreich  -  Ungarn  von  27

auf

145  Millionen  Stück,  d.  h.  um

436  %,

Frankreich  „

18

11

50  „

11  11  ■  11  11

177%,

Grossbritannien  „

13

11

54

V  11  11  11

355  %,

Russland

6

11

32

11  11  11  11

433%,

der  Schweiz  „

9,7

„

34,6

11  11  11  11

256%,

Holland  „

8,8

11

34

11  ■11  11  11

286  %;

den  Vereinigten  Staaten  „

7,7

11

28,8  „

11  11  11  11

275  %,

dem  übrigen  Amerika  „

1

11

8,7  „

11  11  11  11

777%,

China  und  Brit.-Indien  „

je  0,1

11

1.5  „

11  11  11  11

1400  %,

Afrika  „

0,2

11

4

11  11  11  11

1900%,

Australien  „

0,06

11

'  2

11  11  11  11

3233  %.
        <pb n="161" />
        121

können  wir  nickt  wagen  und  vertragen.  Und  alles  bliebe  beim
Alten.  Von  diesen  Briefen  nach  dem  Postausland  gingen  1897
übrigens  nach  europäischen  Ländern  47,36  Millionen,  1907
aber  91,50  Millionen  Stück,  nach  Asien  0,538  und  10  Jahre
später  1,57  Millionen  (also  das  dreifache),  nach  Afrika  0,697
und  später  1,122  Millionen,  nach  Amerika  1,36  und  3,66  Millionen ­
  (nach  der  Union  speziell  6,08  und  11,88  Millionen)  und
nach  Australien  0,176  und  ein  Jahrzehnt  danach  0,541  Millionen
Stück,  ebenfalls  das  dreifache.
Durch  weiteres  Zögern  wird  also  die  notwendige  Weltportoreform ­
  auch  für  die  Zukunft  immer  weiter  erschwert;  denn
die  Posteinnahmen  im  ganzen  (1897:  321,78  Millionen,  1907:
597,16  Millionen  Mark)  wachsen  langsamer  als  der  Briefverkehr
nach  dem  Auslände.
In  anderen  Ländern  steht  es  mehr  oder  weniger  gleich
oder  ähnlich.  Nach  der  Berner  Statistik  stieg  der  Verkehr
frankierter  Briefe  nach  dem  gesamten  Auslände  von  1896  bis
1906  in  Österreich  von  69,8  auf  108,4  Millionen,  in  Frankreich ­
  von  54,4  auf  89,6,  in  Italien  von  19  auf  32,4,  in  Holland
von  10  auf  15,96,  in  Belgien  von  16,4  auf  28,3,  in  Dänemark
von  5,2  auf  8,16,  in  der  Schweiz  von  16,3  auf  25,3,  in  Schweden
von  4,98  auf  7,72,  in  Norwegen  von  3,45  auf  5,44,  in  Rumänien
von  2,69  auf  5,74,  in  Japan  von  1,16  auf  12,14  Millionen,  also
ums  zwölffache,  usw.  In  diesen  Zahlen  sind  aber  die  Briefe
nach  etwaigen  Postvereinsländern  nicht  ausgeschieden.
Jedenfalls  sieht  man,  wie  wohl  man  getan  hätte,  zeitiger
mit  dem  Weltpennyporto  vorzugehen,  und  wie  unangebracht
ein  weiterer  Aufschub  ist,  ja  wie  er  die  finanziellen  Schwierigkeiten ­
  nur  vermehren  kann,  weil  er  die  rechnerischen  Einnahmeausfälle ­
  ständig  vergrössern  würde,  so  dass  der  inzwischen  etwa
gebesserten  Finanzlage  wieder  ein  grösserer  Verlust  gegenüberstände. ­
  Im  grossen  und  ganzen  ist  aber  jetzt  die  Lage  der
Postfinanzen  äusserst  günstig,  und  bei  sehr  vielen  Staaten  stellt
sie  eine  arge  fiskalische  Überspannung  und  eine  schädliche  Belastung ­
  des  Verkehrs  dar,  deren  Druck  baldmöglichst  gemildert
werden  müsste.
        <pb n="162" />
        122

Kapitel  VIII.
V  erkehrssteigerungen
nach  Portoermässigungen*
Wie  Tarifermässigungen  und  Tariferhöhungen  wirken,  diese
scheinbar  rein  akademische  Krage  ist  praktisch  dennoch  von
höchster  volkswirtschaftlicher  Bedeutung,  nicht  bloss  im  Postwesen,
  sondern  überhaupt  im  ganzen  Verkehrswesen,  aber  auch
im  Zoll-  und  Steuerwesen,  ja  im  Preiswcson  überhaupt.'  Und
beständig  von  neuem!
Wird  ein  Tarif  neu  festgesetzt,  sei  es  nun  höher  oder
niedriger,  so  wird  gewöhnlich  die  ganze  Nation  oder  doch  ein
sehr  grosser  Teil  der  Lnndesbewohner  davon  berührt,  und  ein
Verkehrstarif  im  besonderen  kann  die  Bewegungsfreiheit  und
Erwerbspropaganda,  kann  Angebot  und  Nachfrage,  kann  die
Anregung  der  Güterbewegung  und  unzählige  andere  Dinge
geradezu  verhängnisvoll  beeinflussen,  ja  er  kann  unter  Umständen
eine  alljährliche  Vermögenskonfiskation  oder  Lahmlegung  ganzer
Verkehrszweige  bedeuten.  Andererseits  wirkt  er  nicht  minder
bedeutungsvoll  auf  die  finanziellen  Einnahmen  der  staatlichen
Verkehrsanstalten  und  kann  durch  Ausfälle  oder  Mehreinnahmen
entweder  zu  neuen  Steuerbelastungen  oder  zu  Steuererleichterungen
führen.
Wie  wirkt  eine  Tarifermässigung?  Wie  eine  Tariferleichterung? ­
  Wir  werden  ein  ganz  festes  Gesetz  dafür  gewiss
nicht  formulieren  können,  da  viele  wechselnde  Nebenumstände
stets  mitspielen,  sodass  ein  sicheres  Vorausprophezeien  im  einzelnen ­
  Falle  eine  gewagte  Sache  bliebe.  Aber  durch  genaue
Feststellung  einer  grossen  Reihe  von  Tatsachen  nach  zahlreichen
Gesichtspunkten  könnten  wir  doch  dahin  kommen,  gewisse  Wahr ­
        <pb n="163" />
        123

scheinlichkeitsberechnungen  anzustellen,  die  einigermassen
zutreffen.  Und  je  mehr  das  gelingt,  desto  grösser  ist  die  Kunst.
AVie  wichtig  das  für  die  Praxis  ist,  konnte  man  erst  unlängst
an  den  unglücklichen  deutschen  Verkehrstarifänderungen  des
Jahres  l'JOG  sehen,  die  weite  fiskalische  Zwecke  verfolgten,  aber
durchaus  nicht  erreichten.  Die  Ortspostkarten  wurden  im  Porto
von  2  Pf.  auf  5  Pf.  erhöht  und  gleichzeitig  auch  die  anderen
offenen  Ortssendungen  (1.  Juli  1906),  um  12  Millionen  M  mehr  einzubringen. ­
  Ihr  Verkehr  ist  aber  augenscheinlich  stark  (um  25%)
zurückgegangen 1 ).  Die  Zeitungsbeilagen,  von  %  auf  ] /a  Pf-*)
  Nach  dem  Bericht  der  YI  Kommission  des  Eeichstages  zu  Anfang
des  Jahres  1900  (No.  388  der  Reichstagsdrucksachen,  S.  29,  31,  31,  70,  72)
wurden  die  Mehreinnahmen  aus  der  Erhöhung  des  Ortsportos  u  dgl.
auf  12  Mi  11.  Mark  jährlich  und  für  das  Rechnungsjahr  1906/7  auf
9  Mill.  Mark  geschätzt.  Nach  der  Reichspoststatistik  für  1902  belief  sich
damals  der  Verkehr  der  beförderten  Orts-  und  Nachbarortspostkarten  auf
239  Millionen,  die  Zahl  der  Ortsdrucksachen  auf  140,  die  der  Warenproben
auf  3,5  und  die  der  Geselläftspapiere  auf  1,41  Mill.  Stück,  Später  wurden
diese  Zahlen  in  der  Statistik  nicht  mehr  veröffentlicht.
Eür  1905  schätzte  man  die  Zahl  der  Ortskarten  allein  etwa  auf
300  bis  335  Mill.  Stück  und  den  Mehrertrag  aus  ihrer  Portoerhöhung
von  2  auf  5  Pf.  auf  rund  10  Mill.  Mark.  Am  l.  Juli  1906  trat  das  erhöhte ­
  Porto  dann  in  Kraft  Aber  man  hat  hier  wieder  mit  den  flüchtigen
Tauben  auf  dem  Dache  gerechnet.  In  der  60.  Reichstagssitzung  vom
28.  November  1907  meinte  der  Schatzsekretär  Freiherr  von  Stengel  noch,
die  Portoerhöhung  der  Ortspostkarten  würde  im  Jahre  1907  zwar  nicht
die  ganze  geschätzte  Mehreinnahme,  aber  immerhin  doch  ein  Mehr  von
rund  0  Mill.  Mark  einbringen  (Stenographischer  Bericht  S.  1863  A).  Die
Finanzreform  Vorlage  vom  3.  November  1908  (Reiohstagsdrucksache  No.  992,
S.  35)  teilte  indessen  bald  nachher  in  ihrer  Begründung  mit,  dass  die
..Mehreinnahmen  (aus  dem  erhöhten  Ortskartenporto)  nur  4  bi,s
5  Mill  Mark  betragen  haben“  (statt  10  Millionen!).  Das  bedeutet
aber  einen  Rückgang  des  Ortskartenverkehrs  von  335  auf  250  Mill.
Stück  oder  um  25  °/ 0 .  Die  Vorlage  schlug  daher  mit  Rocht  eine  erneute
Herabsetzung  des  Ortskartenportos  wenn  auch  nicht  auf  2,  so  doch  auf
3  Pf.  vor  (S.  231  und  rechnete  dabei  mit  einem  Ausfall  von  2  Mill.  Mark
bei  Berücksichtigung  einer  Verkehrssteigerung  (S.  35).  Da  die  Reichspostverwaltung ­
  diese  Herabsetzung  ohne  Gesetz  vornehmen  darf,  könnte  sie  sie
sehr  wohl  an  gewisse  Bedingungen  knüpfen,  die  die  Bestellung  erleichtern  und
das  Anwachsen  des  Postpersonals  ein  wenig  einzuschränken  geeignet  wären
Jedenfalls  wäre  es  erfreulich,  wenn  das  verfehlte  Experiment  von
1906  bald  wieder  rückgängig  gemacht  würde.  Auch  ein  Satz  von  2V 2 Pf.
(d.  h.  2  Karten  für  5  Pf.)  wäre  erwägenswert.  Dass  die  Beförde-
        <pb n="164" />
        124

herabgesetzt,  zeigten  in  1  l /s  Jahren  eine  Verkehrsabnahme  um
77  Millionen  Stück  oder  30  °/o,  wodurch  zweifellos  der  übrige
Briefpostverkehr  auch  vermindert  wird,  da  diese  Beilagen  durch
Inserate  Angebot  und  Nachfrage  zur  Korrespondenz  anregen  und
dadurch  indirekt  Portoeinnahmen  schaffen,  die-sie  selbst  direkt
in  solchem  Masse  nicht  erzielen  können.
Besonders  verhängsnisvoll  war  die  vom  Reichstag  improvisierte ­
  und  aussergewöhnlich  misslungene  Fahrkartensteuer
(Stempelsteuer)  des  Reiches  auf  die  Personenfahrkarten,  auch  der
Staats-  uud  Reichseisenbahnen,  dem  Wesen  nach  eine  Tariferhöhung ­
  von  buntester  Willkür  in  dem  einen  und  anderen  Falle.
Sie  hat  durch  ihre  verkehrshindernde  Wirkung  und  durch  die
Hinabdrückung  der  Reisenden  in  die  niederen  wohlfeilen  Wagenklassen ­
  der  Staatsbahnen  der  deutschen  Einzelstaaten  Verminderungen ­
  der  zu  erwartenden  Einnahmen  verursacht,  die  vermutlich
etwa  ebenso  gross  oder  bei  Mitwirkung  der  Fahrpreiserhöhungen
wahrscheinlich  noch  viel  grösser  sind,  als  das,  was  das  Reich
erhält,  und  die  anfänglichen  Steuer-Einnahmeschätzungen  sind
auch  nicht  annähernd  erreicht  worden  2 j.

rungs-Selbstkosten  damit  nicht  gedeckt  würden  (die  Herstellung  kostet  etwa
0,3  bis  0,4  Pf.  für  jede  Karte',  kann  man  kaum  allgemein  behaupten,  denn
die  Zeitungen  bringen  unter  dem  letzten  reformierten  Zeitungstarif  nur  etwa
1  l /n  die  Beilagen  jetzt  Va  Pf-  ein.  Nach  früheren  amtlichen  Berechnungen
genügten  aber  schon  0,66  Pf.  zur  Deckung  der  Selbstkosten  (vgl.  die  Postvorlage ­
  vom  6.  Februar  1899,  Nr.  116,  Reichstagsdrucksachen  von  1898/99,
S.  22).
2 )  Die  ursprüngliche  Regierungsvorlage  empfahl  einen  festen  Steuerstempel ­
  von  5,  10,  20  und  40  Pf.  für  die  IV.  bis  I.  Wagenklasse  bei  allen
Fahrkarten  von  mehr  als  2  M  und  schätzte  den  Ertrag  auf  12  bis
13  Mill.  Mark.  (Näheres  hierüber  in  No.  359  der  Reichtagsdrucksacheu
der  II.  Session  1905/6,  dem  Berichte  der.  VI.  Kommission  betreffend  Aenderung
  des  Reichsstempelgesetzes,  S.  23  und  78.)  Die  Kommissionsmehrheit
wollte  den  Verkehr  aber  höher  besteuern  und  empfahl  einen  kilometrischen
Steuersatz  von  V 4 ,  Va  und  1  Pf.  für  die  III.,  II.  und  I.  Klasse  bei  allen
Betrügen  über  5  Pf.  (Bericht  S  39ff.),  der  brutto  56  Mill.  Mark  und  netto
53  Mill.  Mark  einbringen  sollte.  Trotz  des  Widerspruchs  mancher  Bundesratsvertreter, ­
  besonders  Sachsens  und  Mecklenburgs  (Bericht  S.  22  f.),  aber
auch  Preussens,  hielt  die  Kommission  an  diesem  Kilometerstempel  fest.  Der
prenssische  Finanzminister  schätzte  den  Ertrag  nur  auf  38  bis  39  Mill.
Mark  für  das  Reich,  wobei  die  deutschen  Eisenbahnen  jedoch  einen  Ein-
        <pb n="165" />
        125

Statt  der  erhofften  46  Millionen  bringt  die  Fahrkartensteuer ­
  im  zweiten  Jahre  nur  ItF/a  und  im  dritten  Jahre  des

nahmeausfall  von  22  bis  24  Millionen  haben  würden;  5  Millionen  rechnete
er  auf  die  Abwanderung  in  tiefere  Wagenklassen  (S.  26  des  Berichts).
Im  Reichstagsplenum  wurde  jedoch  eine  ganz  andere  Eahrkartensteuer
  improvisiert  und  zum  Beschluss  erhoben,  nämlich  für.  Fahrkarten
von  60  Pf.  an  in  8  Stufen  für  die  drei  oberen  Wagenklassen  Stempelbeträge ­
  von  5,  10  und  20  Pf.  bis  zu  2,  4  und  8  M,  wodurch  Fahrgeldaufschläge
  bis  zu  B3 1 / 3  °/ 0  stattfinden  (vgl.  No.  470  der  Reichstagsdruoksaohen
  1905/0).
Merkwürdigerweise  wurde  dieser  in  seinen  Taxsätzen  höchst  wunderliche ­
  und  dilettantische  Antrag  von  der  Reichsregierung  zum  Gesetz  erhoben.
Am  1.  August  1906  trat  er  im  innern  deutschen  Verkehr,  am  1.  Oktober  1906
auch  im  Verkehr  mit  dem  Auslände  in  Kraft.
Im  E.eichshaushaltsetat  für  das  Rechnungsjahr  1907  (Anlage  XVII,
S.  12)  wurde  der  Ertrag  der  Reichs-Fahrkartensteuer  als  Roh-Solleinnahme
  mit  46  000  000  M  eingestellt,  und  der  Reinertrag  —  nach
Abzug  von  2  °/ 0  Erhebungskosten  —  auf  45  080  000  M  festgesetzt,  gemäss
den  Veranschlagungen  vom  Frühjahr  1906,  wie  die  Randbemerkung  im
Etat  besagt.
Die  Eoh-Solleinnahme  für  Juli  (sic!)  und  August  1906  betrug  nur
91  215  M.  [Im  August  und  September  1906  waren  es  tatsächlich  1  771  316  M].
Im  Etat  für  1908  (Anlage  XVII,  S.  12)  heisst  es  zunächst:  „Die  Roh-Solleinnahme
  hat  betragen“  für  September  1906  bis  März  1907;  11  712  381  M,
für  April  bis  August  1907:  7  425  602  M,  im  Durchschnitt  jährlich
19  137  983  M.  Eine  Randbemerkung  aber  sagt,  jene  Einnahmeangabe  vom
April  bis  August  1907  umfasse  im  wesentlichen  nur  die  Einnahmen  der
Monate  April  bis  Juni  sowie  Abschlagszahlungen  für  den  Juli  „Danach
dürfte  auf  eine  Gesamt-Solleinnahme  von  21  000  000  M  mit  einiger
Sicherheit  zu  rechnen  sein“  Demnach  sind  im  Etat  für  1908
24  000  000  M  brutto  und  23  520  000  M  netto  eingestellt  worden.
Also  nur  etwa  die  Hälfte  des  optimistischen  Anschlages  vom
Frühjahr  1906  (46  Milk  Mark).
Die  Rein-Einkünfte  für  1906,  wo  diese  Steuer  am  1.  August  in  Kraft
trat,  waren  sehr  gering.  Der  Schatzsekretär  Freiherr  v.  Stengel  sagte  in
seiner  Finanzrede  am  28.  November  1.907  im  Reichstage  (vom  Jahr  1906):
„Die  grösste  Enttäuschung  brachte  dabei  die  Fahrkartensteuer
(hört,.hört!)  mit  einem  Ausfall  von  12Va  Milk  Mark.“
Zum  Jahr  1907  bemerkte  er:  „Die  Fahrkarten  Steuer  hat  von  vornherein
namentlich  aber  seit  der  Personentarifreform  im  Frühjahr  d.  J.  (1.  Mai  1907),
nicht  die  davon  erwarteten  Einnahmen  gebracht.  Auch  von  dem  ermässigten
Betrage  von  rund  30  Milk  Mark,  welche  die  Budgetkommission  des
Reichstags  für  1907  eingestellt  hat,  werden,  soweit  sich  das  heute  übersehen
        <pb n="166" />
        126

Bestehens  gar  bloss  17 2 /s  Millionen,  wovon  12%  auf  Preussen
fallen,  dessen  Personenverkehrs-Einnahmen  aber  einen  Minderzuwachs ­
  von  21  Millionen  aufwiesen  (1907).

lässt,  kaum  mehr  als  %  eingehen.“  Daran  s'ei  zum  grössten  Teile  wohl  die
Abwanderung  in  die  niedrigeren  Wagenklassen  schuld.
Der  Reichshaushaltsetat  für  1909  (Anlage  XVII,  S.  12)  bringt  für
die  bisherigen  wirklichen  Rohsolleinnahmen  ans  der  Fahrkartensteuer  folgende
Zahlen:
a)  September  1906  bis  März  1907:  11712  381  M  (wie  schon  oben  erwähnt);
b)  Rechnungsjahr  1907:  19.770  601  M  (statt  des  anfänglichen  Voranschlags ­
  von  4  6  000  000);
c)  April  bis  August  1908:  7  526  902  M,
d)  im  Durchschnitt  jährlich  19  407  467  M  (also  auch  nicht  die  später
„mit  einiger  Sicherheit“  veranschlagten  24  000  000  M  oder  die
30  000  000  des  Kommissionsanschlags!  In  Wirklichkeit  —  siehe
unten  S.  130  —  ergaben  sich  1908  aber  blos  17  994  921  M).  Für
das  Jahr  1909  sind  20  000  000  M  brutto  in  den  Etat  eingestellt ­
  (netto  19  600  000  M).
Jedenfalls  sehen  wir,  dass  die  Schätzungen  sehr  wenig  eingetroffen
sind  und  Reichstag  wie  Regierung  sich  gewaltig  über  die  Wirkung  dieser
verhängnisvollen  Tariferhöhung  —  denn  im  Grunde  ist  diese  Steuer  doch
nichts  weiter  als  das  —  getäuscht  haben.  Die  Fahrpreisreform,  die  zum
Teil  noch  weitere  Verteuerungen  brachte,  ist  erst  am  1.  Mai  1907,  also
9  Monate  nach  der  Fahrkartensteuer,  in  Kraft  getreten,  sodass  man  die  Einflüsse ­
  der  letzteren  auch  ganz  für  sich  sehr  gut  verfolgen  konnte.
Der  schwere  Schaden  aber,  den  die  neue  Steuer  brachte,  war  ihr
Druck  auf  den  Verkehr,  der  zum  Herabsteigen  in  die  niedrigeren,
wohlfeileren  Wagenklassen  sowie  teilweise  auch  zur  völligen  Unterlassung ­
  von  Eisenbahnreisen  führte.  Der  preussische  Eisenbahnminister ­
  teilte  der  Budgetkommission  des  Abgeordnetenhauses  schon  in  der
zweiten  Hälfte  des  Februars  1907  mit,  wie  der  Verkehr  sich  im  letzten
Vierteljahr  1906,  einem  Jahre  mit  ungemein  günstigem  und  regem  Verkehr
und  ungewöhnlich  intensiver  wirtschaftlicher  Tätigkeit,  unter  der  Fahrkartensteuer ­
  gestaltet  hatte.
Die  Berichte  in  den  Zeitungen  und  der  Bericht  der  Budgetkommission
(Nr.  111  der  Drucksachen  des  preuss.  Abgeordnetenhauses,  III.  Session  1907)
weichen  teilweise  in  den  mitgeteilten  Zahlen  ein  wenig  ab.
Im  amtlichen  Kommissionsbericht  (S.  26)  heisst  es:  „Nach  den  Ergebnissen ­
  für  Oktober  bis  Dezember  (1906)  sei  der  Verkehr  in  der  I.  Klasse
um  8%  gefallen,  während  er  regelmässig  um  etwa  7%  zu  steigen  pflege
[ein  Zeitungsbericht  (vgl.  Berliner  Morgenpost)  meldete  8,3  %  Rückgang,
während  „nach  der  Verkehrsentwicklung“  eine  Zunahme  um  8%  zu  erwarten ­
  war,  demnach  also  16,3%  Gesamtverlust];  in  der  II.  Klasse  sei  eine
Steigerung  um  nur  1,7%  eingetreten,  während  die  Steigerung  regelmässig
        <pb n="167" />
        127

Es  hat  sich  damals,  190G,  ein  höchst  bedenkliches  Experimentieren ­
  und  eine  merkwürdige  Verkennung  der  Wirkung
etwa  7'/ 3 %  betrage  (also  5,8%  Verlust!),  in  der  III.  Klasse  betrage  die
Steigerung  3,3%,  während  sie  sich  in  der  Kegel  auf  8,4%  belaufe  (ein
Minderzuwachs  von  5,1%  also!)  und  in  der  IV.  Klasse  sei  der  Verkehr  um
9,3%  gestiegen,  während  er  regelmässig  nur  um  etwa  5%  (Zeitungsmoldung:
7,3%)  steige  (also  +  4,3%  bezw.  +  2%  Mehrzuwachs).“
In  der  „Frankfurter  Zeitung“  (1907,  6.  März,  Nr.  05,  Leitartikel)
habe  ich  hiernach  zu  berechnen  versucht,  wie  viele  Reisen  weniger  gemacht
wurden  und  wie  hoch  sich,  nach  den  Durchschnittseinnahmen  jeder  Reise
geschätzt,  der  daraus  entstehende  Einnahmeausfall  der  preussischhessischen
  Staatsbahnen  für  ein  ganzes  Jahr  stellen  könnte.  Es  ergaben ­
  sich  15  Mill.  Mark,  auch  bei  Berücksichtigung  des  Mehrverkehrs
in  der  IV.  Klasse.  Nach  den  damaligen  Monatsausweisen  durfte  ich  die
Jahreseinnahme  der  Eahrkartensteuer  erst  auf  10 l / 3  Mill.  Mark  jährlich
schätzen,  während  sie  tatsächlich  im  ganzen  Jahre  1906/7  (September  bis
August)  19  137  983  M  abwarf,  1908  freilich  bloss  17,99  Millionen,  Jener
Artikel  der  „Frankfurter  Zeitung“  wurde  in  der  29.  Sitzung  des  preussischen
Abgeordnetenhauses  vom  8.  März  1907  (vgl.  Stenograph,  Bericht  S.  2120,
.2129,  2137)  von  mehreren  Abgeordneten  erörtert,  und  auch  konservative
Mitglieder  wandten  sich  scharf  gegen  die  unglückliche  Steuer.
In  der  9.  Sitzung  des  preussischen  Herrenhauses  vom  7.  Mai  19u7
(Stenograph.  Bericht  S.  141)  teilte  der  Eisenbahnminister  Breitenbach  die
Verkehrsergebnisse  unt  a r  der  Fahlkartensteuer  nunmehr  für  die  6  Monate
Oktober  bis  Dezember  1906  und  Januar  bis  Ende  März  1907  mit.  Hiernach
waren  die  Abwanderungen  und  Verkehrsrückgänge  sogar  noch
grösser,  ebenfalls  unter  Mitberücksichtigung  der  natürlichen  Verkehrszunahme, ­
  nämlich  in  der  1.  Klasse  „10  bis  17  Prozent“,  in  der  II.  Klasse
„7  bis  8  Prozent“  und  in  der  III.  Klasse  „vielleicht  4  bis  5  Prozent“.
Der  Minister  meinte,  es  fänden  auch  schon  wieder  Rückwanderungen
nach  oben  statt,  allerdings  nicht  nach  der  I.  Klasse,  und  fand,  dass  die
Ausfallberechnung  von  15  Mill.  Mark  für  die  preussische  Staatsbahn ­
  —  Dr.  v.  Burgsdorf,  sein  Vorredner  hatte  sich  meine  Schätzung
zu  eigen  gemacht  —  „wohl  erheblich  überschätzt“  wäre.
Später  hat  er  (der  Minister)  den  Ausfall  infolge  der  Abwanderungen ­
  wegen  der  Fahrkartensteuer  nur  auf  10  Mill.  Mark  geschätzt ­
  (vgl.  Nr.  144  der  Drucksachen  des  preussischen  Abgeordnetenhauses
von  der  IV.  Session  1907/8,  nämlich  den  Bericht  der  Budgetkommission  von
Ende  Februar  1908,  S.  49,  und  Stenograph.  Bericht  der  44.  Sitzung  des
preussischen  Abgeordnetenhauses  vom  4.  März  1908,  S.  3197,  und  den  der
45.  Sitzung  vom  5.  März  1908,  S.  3246);  auch  gab  er  als  Verhältnisszahlen
der  Abwanderangsrückgänge  bei  den  Reichseisenbahnen  in  Eisass-Lothringen
  für  die  I.  Klasse  „ungefähr  15  Prozent“,  für  die  II.  Klasse
„ungefähr  3  bis  4  Prozent“  und  für  die  III.  Klasse  „4  bis  5  Prozent“
        <pb n="168" />
        von  Tariferhöhungen  gezeigt,  die  um  so  überraschender
waren,  als  man  doch  sehr  wohl  in  der  Lage  gewesen  wäre,  den
Einfluss  ähnlicher  Umgestaltungen  vorher  erst  genau  zu  studieren.
an  (vgl.  Stenograph.  Bericht  des  Reichstags,  122.  Sitzung  1908,  vom  14.  März,
S.  3896).
In  der  Budgetkommission  des  prepssischen  Abgeordnetenhauses  (Bericht ­
  S.  53,  Nr.  114  der  Drucksachen  über  die  Beratungen  von  Ende  Februar
1908)  gab  der  Eisenbahnminister  für  die  Abwanderungen  in  Preussen-Hessen
nach  unten  „nach  den  bisherigen  Feststellungen“  von  damals  für  die  erste
Klasse  15%  an,  für  die  zweite  3—4$  und  für  die  dritte  Klasse  4—5  %
und  betonte,  dass  die  Erhöhung  des  Fahrpreises  erster  Klasse  die  Abwanderung ­
  noch  verstärkt  hätte.
Leider  fehlt  es  bisher  immer  noch  an  genauen  Mitteilungen,  wie  diese
Zahlen  und  die  amtliche  Ausfallsberechnung  gewonnen  worden  sind,  insbesondere ­
  auch,  auf  welcher  Grundlage  die  zu  erwartende  Verkehrssteigerung
festgestellt  wurde.  Im  amtlichen  Betriebsbericht  der  preussiseh-hessischen
Staatsbahnen  für  1006  (S.  51  heisst  es:  „Die  aus  der  Personenbeförderung
des  öffentlichen  Verkehrs  ei'zielten  Mehreinnahmen  von  33  128  981  M
oder  7,35%  (gegenüber  dem  Vorjahre  1905)  sind  im  wesentlichen  auf  die
weitere  Ausdehnung  des  Bahnnetzes  sowie  auf  die  weitere  günstige  Entwicklung ­
  der  wirtschaftlichen  Verhältnisse  zurückzuführen.
1905  betrug  die  Steigerung  gegen  das  Vorjahr  8%.  Der  Grund  dafür, ­
  dass  diese  Steigerung  nicht  auch  im  Berichtsjahre  (190ti)
erreicht  wurde,  dürfte  im  wesentlichen  in  der  Abwanderung
der  Reisenden  aus  den  höheren  in  die  niederen  Wagenklassen
zu  suchen  sein,  die  nach  Einführung  der  Fährkartensteuer  beobachtet ­
  werden  konnte,  und  die  in  dem  Rückgänge  der  Einnahmen ­
  der  erstenKlasse  und  der  besonders  starken  Steigerung
der  Einnahmen  der  vierten  Klasse  ihren  Ausdruck  findet.“
Im  Rechnungsjahre  1906,  welches  vom  1.  April  1906  bis  zum  31.  März
1907  lief,  war  die  Fährkartensteuer  acht  Monate  in  Kraft.  Im  Rechnungsjahre ­
  19U7  war  sie  schon  volle  zwölf  Monate  in  Geltung;  in  diesem  Jahre
ergab  die  Mehr  ein  nähme  gegen  das  Vorjahr  beim  öffentlichen  Personenverkehr ­
  nun  11  986  563  M  oder  2,48  %  und  die  gesamte  Personenverkehrseinnahme ­
  (mit  Gepäck  usw.)  524  140  961  M  oder  um  3  109  039  M  (=  0,59  %)
weniger  als  das  Etatssoll  (527  250000).  „Der  Ausfall  ist  in  der  Hauptsache ­
  auf  die  Wirkung  der  Fahrkartensteuer  und  der  Tarifreform ­
  zurückzuführen“,  sagt  der  Betriebsbericht  für  19u7  (S.  55).  Also
ein  Ausfall  von  21  Millionen!
Von  Interesse  sind  folgende  Zahlen  über  den  Ertrag  der  Fahrkartensteuer ­
  in  den  einzelnen  Wagenklassen  und  neben  deren  Gesamteinnahmen ­
  :
        <pb n="169" />
        9

129

Auch  das  Kreuz  der  aufstrebenden  jungen  Automobilindustrie,
  die  belästigende  und  schikanierende  Stempel-Steuer

1906

1907

(8  Steuermonate
  1906/07)

(12  Monate
3907/08)

Gesamteinnahme ­


1908

Fahrkarten-Fahrkarten-



  Wagen-Steuer-Ertrag



steuer-Ertrag

Masse  etc.

M

M

M

M

I.  Klasse  .  .  .  .  .

987  106

1  574  055

17  073  738

__

II.  Klasse

2  940  001

4  923  149

97  046  529

—

III.  Klasse  ....
Fahrscheinhefte  (zu-3

  408  527

5  552  449

200  943  500

—

sammengestellte)

551  747

786361

9  478  230
(158928  Hefte)

—

Sonderfahrten  .  .  .

26  532

30  331

1  058  288

—

Preussisch  -  Hessische

Staatsbahnen  insgesamt



7  913  913

12  866  345

325  600  285

—

Wirklicher  Gesamtertrag

  im  Reich  .  .

11  712  381

19  575  601

—

17  634  980

netto

Etatsvoranschlag  .  .

—

46  000  000

—

30  000  000
(24  000  000)

Bei  Berücksichtigung  der  nicht  besteuerten  Fahrkarten  unter  60  Pf.
kann  man  die  Steuer  für  die  übrigen  Einnahmen  bei  der  ersten  Klasse
etwa  auf  10  %  im  Durchschnitt,  bei  der  zweiten  auf  5  —6  %,  bei  der  dritten
auf  2 l /a—3  %  und  im  ganzen  auf  3—4  %  veranschlagen;  doch  ist  sie  ln  Wirklichkeit ­
  ja  ganz  ungleich  verteilt  und  macht  z.  B.  bei  Fahrkarten  von  60  Pf.
in  der  ersten  Klasse  33 l / 3 %,  in  der  zweiten  Klasse  16,6%  und  in  der  dritten
Klasse  8,3%  des  Fahrgeldes  aus,  bei  Fahrkarten  von  50,10  M  aber  16%,
8  %  und  4  %.  Zur  Abwanderung  nach  unten  oder  zu  völligem  Unterlassen
von  Reisen  verleitend  wirkt  sie  natürlich  besonders  da,  wo  sie  ungünstig
verteilt  ist  und,  wie  bei  Fernreisen,  auch  hohe  absolute  Beträge  aufweist.
Deshalb  werden  auch  die  Abwanderungs-Verhältniszahlen,  sofern  sie  zurückgelegte ­
  Fahrten  bedeuten,  wohl  überwiegend  nicht  auf  die  Durchschnittseinnahmen
  für  diese  zu  beziehen  sein,  sondern  besonders  auf  die  viel  teureren
Fernfahrten.  Wenn  der  preussische  Eisenbahnminister  selbst  den  durch
die  Steuer  und  durch  die  Abwanderungen  verursachten  Einnahmeausfall
auf  10  Millionen  Mark  schätzte,  die  ganze  Steuer  aber  bei  den  preussischhessischen
  Bahnen  nur  etwa  12^2  Millionen  Mark  netto  einbringt,  d.  h.
2V 2  Millionen  mehr,  so  ist  das  sicherlich  ein  Grund,  diese  ganze  sinnlose
Plackerei  und  Schererei  eines  komplizierten  Erhebuugsapparates  wieder  abzuschaffen,
  da  eine  unmittelbare  Abgabe  Preussens  aus  seinen  .Eisenbalmerträgen ­
  an  das  Reich  doch  viel  einfacher  wäre.  In  der  Reichsflnanzreform-
        <pb n="170" />
        130

f

■f

für  Kraftwagen,  bringt,  selbst  jetzt  (1908/9)  nicht  viel  mehr
als  die  Hälfte  des  geschätzten  Betrages,  nämlich  l 4 /a  statt

Vorlage  (Nr.  992  der  Reichstagsdrucksachen,  I.  Session  1907/08,  S.  2  und  33  f.)
vom  3.  November  1908  (§  4)  wird  deshalb  mit  Recht  vorgeschlagen,  die
ganze  Reichs  -  Fahrkartensterrer,  die  ja  bei  den  Reichseisenbahnen
eigentlich  recht  komisch  erscheint,  vom  1.  April  1910  ab  wieder  aufzuheben, ­
  zumal  da  sie  auch  1908  keine  höheren.Erträge  aufweist  als  1907,
nämlich  vom  April  bis  August  1907:  7  277  000  M  und  vom  April  bis  August
1908  auch  nur  7  375  000  M.  Für-  das  ganze  Rechnungsjahr  1908  waren  es
nach  den  -neuesten  Veröffentlichungen  nur  17  994921  M  brutto  (17634980  M
netto),  also  987  281  M  (—  967  578  M)  weniger  als  im  Vorjahre  (vgl.  „Voss.
Ztg.“  1909,  25.  April).
Der  Verkehr  ist  doch  nachgerade  überhaupt  längst  hoch
genug  besteuert,  wenn  man  bedenkt,  dass  die  Rente  der  preussischen
  Staatsbahn,  soweit  sie  den  üblichen  Zinsfuss  der  Staatsanleihen ­
  überschreitet,  auch  schon  als  eine  Steuer  angesehen
werden  muss.
Der  Berichterstatter  der  Budgetkommissiou,  Abg.  Schmieding,  fand,
dass  hier  eine  Rente  von  über  10  %  vorliege,  da  die  bereits  getilgte  Schuld
des  Anlagekapitals  doch  nicht  mehr  verzinst  zu  werden  brauche,  sondern
nur  noch  das  unverzinste  Anlagekapital  (vgl.  Nr.  144  der  Drucksachen  des
preussischen  Abgeordnetenhauses  1907/08,  S.  8).  Die  amtlichen  Betriebsberichte ­
  geben  dagegen  nur  eine  Kapitalsrente  von  7,53  %  im  Jahre  1905
an,  7,49  %  1906  und  6,54%  1907;  im  Etat  für  1908  aber  sind  7,16%  veranschlagt. ­
  Wenn  nun  die  Eisen  bahn-Anleihezinsen  höchstens  4%  betragen,
so  sind  die  darüber  hinausgehenden  weiteren  3—3Va%  bei  einer  7  %i’gen
Balmrente  schon  eine  Verkehrssteuer  Bei  einem  Betriebsüberschuss  von
rund  700  Millionen  Mark  (1906)  wäre  das  also  eine  Besteuerung  von
etwa  300  Millionen  Mark.  Stellt  doch  eine  Staatsbahn  auch  ein  gemeinnütziges ­
  Unternelmren  dar.  Weist  doch  die  Württembergische  Staatsbahn ­
  z.  B.  bloss  3.37%  (1906)  Rente  auf!
1907  ergab  sich  bei  der  preussischen  Staatsbahneinnahme  des  Personenverkehrs ­
  gegenüber  dem  Vorjahre  (1906)  in  der  ersten  Klasse  eine
Mindereinnahme  von  7,46%,  in  der  zweiten  Klasse  eine  von  2,24%
und  in  der  dritten  Klasse  eine  von  0,63%;  zusammen  macht  das
6,45  Millionen  Mark  aus.  Bei  der  vierten  Klasse  dagegen  ergab  sich
die  ungewöhnliche  Mehreinnahme  von  11,5  %  oder  18.44  Millionen
Mark.  Im  ganzen  also  noch  ein  Mehr  von  rund  12  Millionen  oder
2,48%.  1906  dagegen  hatte  ein  Mehr  von  33  Millionen  (oder  7,35  %)  und
1905  auch  ein  Plus  von  33  Millionen  (-)-  8%)  gegenüber  dem  Vorjahre
gebracht,  so  dass  1907  also  21  Millio  neu  Minderzuwachs  der  Einnahmen ­
  zu  verzeichnen  waren,  obwohl  die  Zahl  der  Fahrten  um  6,72  %
(1906  um  8,43%,  1905  um  9,45%)  gestiegen  und  die  Personenkilometer  ähnlich ­
  gewachsen  waren.
        <pb n="171" />
        131

9*

3  Millionen,  ein  so  winziges  Sümmchen  in  einem  Reichs-Etat
von  2865  Millionen,  dass  es  die  ganze  Schererei  und  das  Odium

Nun  sollte  die  Fahrpreisreform  vom  1.  Mai  1907  nach  den  amtlichen ­
  Berechnungen  (vgl.  Nr.  111—  Kommissionshericht  —  der  Drucksachen
des  preussischen  Abgeordnetenhauses  von  1907,  S.  25  und  31)  ja  einen
Ausfall  von  6Va  Millionen  Mark  zur  Folge  haben  (nämlich  Mehreinnahmen ­
  ans  Zuschlags-Schnellzügen  4  und  aus  dem  Gepäck  3 1 / 2  Millionen,
und  Mindereinnahmen  aus  der  Ermässigung  auf  den  Rückfahrkartenpreis
14  Millionen).
Das  Gepäck  hat  aber  —  das  ist  lehrreich  —  dank  der  Abwanderung
in  die  IV.  Klasse,  in  die  man  es  umsonst  mit  hineinnimmt,  und  dank  der
abschreckend  hohen  sprungweisen  Gebührenzunahme  hei  kleinen  Gewiohtsoder
  Zonentibersohreitungen,  im  Jahre  1907  (in  11  Monaten  unter  dem  neuen
Tarif)  nur  2  428  791  M  (bei  12  Monaten  2  631  000  M)  mehr  eingebracht
als  vorher.  Das  waren  allerdings  um  20,48%  mehr  als  1906,  aber  doch
nicht  J'/a  Millionen  mehr,  wie  vorausherechnet.  Die  völlige  Aufhebung
des  alten  Freigepäcks  hat  eben  verkehrshemmend  gewirkt,  trotz  der  sonstigen
Tarifverbilligung  der  Gepäckfracht  (früher  für  Übergewicht  0,5  Pf.  für  10  kg
pro  km).  Man  hat  weniger  Gepäck  aufgegeben.
Demnach  müsste  der  rechnerische  Gesamtausfall  der  Fahrpreisreform ­
  6V2  -f-  1  =  7Vj  Millionen  ausmachen,  wenn  die  Fahrpreisverbilligungen ­
  gar  keine  Verkehresteigerung  schufen.  Stellenweise  mag  das
schon  der  Fall  gewesen  sein.  Doch  nun  kam  die  Fahrkartensteuer
auf  der  andern  Seite,  nur  ein  anderer  Name  für  eine  Tariferhöhung,  dazu
die  vermehrten  Schnellzugszusohläge  und  dieFreigepäckentziehung;
ausserdem  setzte  gegen  Ende  1907  eine  Geldteuerung  und  industrielle  Wirtschaftskrise ­
  ein,  die  dem  Verkehr  weiter  nicht  günstig  war,  zumal  nach  den
vielfachen  Fahrpreiserhöhungen.  Eine  Reise  von  500  km  im  Schnellzuge
mit  25  kg  Gepäck  kostete  früher  (unter  dem  unbesteuerten  Rnokfahrtpreise
mit  Freigepäck)  30  M,  jetzt  aber  (mit  der  Steuer)  41,60  M  (=  28%  mehr),
II.  Kl.  früher  22,50,  jetzt  26,70  M  und  III.  Kl.  15  M,  jetzt  17,40  M.
Die  Verbilligung  für  die  Reisen  ohne  Gepäck  in  langsameren  Zügen
mag  ja  wohl  auch  Verkehrszunahmen  geschaffen  haben,  doch  die  Fahrkartensteuer ­
  allein  und  dann  noch  die  Preiserhöhungen  für  andere  Reisen  haben
wieder  hemmend  gewirkt  oder  Abwanderungen  nach  unten  veranlasst.  Ein
wirklicher  tatsächlicher  Ausfall  —  er  sollte  6%  Millionen  betragen  —  ist  ja
allerdings  nicht  entstanden,  wohl  aber  hat  sich  ein  bedeutend  kleinerer
Verkehrsznwaohs  eingestellt  als  sonst  (nur  12  statt  33  Millionen  Mark),  was
also  insofern  einen  Verlust  von  21  Millionen,  hauptsächlich  infolge
von  Fahrkartensteuer  und  Tariferhöhungen,  bedeutet.  Nahm  doch
in  der  auch  im  Tarif  verteuerten  I.  Klasse  der  Verkehr  (die  Fahrten)  im
Jahre  1907  gegenüber  dem  Jahre  1905  nm  28,5%,  die  Einnahme  um  8,3%
ab.  Bei  regelmässig  fortgeschrittener  Steigerung  seit  1905  wäre
die  Einnahme  um  i l /. 2  bis  5  Millionen  grösser  gewesen,  ln  der
        <pb n="172" />
        132

gar  nicht  lohnt 3 )  (S.  133).  Jetzt  will  England  das  unglückliche
Beispiel  nachahmen  und  spekuliert  gar  auf  12  Millionen  Mark  als
Ertrag.  Wenn  man  sich  dort  nur  nicht  ähnlich  verrechnet!

II.  Klasse  sank  die  Einnahme  gegen  1906  um  2,24%  und  wäre  bei  regelmässiger ­
  Eortent  Wickelung  seit  1905  um  14bis  16  Millionen  grösser
gewesen.  Selbst  in  der  III.  Klasse  ging  sie  gegen  das  Vorjahr  (1906)  um
0,63  %  zurück  und  wäre  nach  der  Entwickelung  seit  1905  um
16  Millionen  höher  ausgefallen.  Dafür  brachte  wenigstens  die
IV.  Klasse  1907  gegenüber  1906  11,5%  und  gegen  1905  19,5%  an  Mehreinnahmen; ­
  1907  etwa  6—7  Millionen  mehr,  als  zu  erwarten  waren.
Natürlich  kann  man  hier  nicht  mit  Gewissheiten  rechnen,  aber  doch  ungefähr
.  schätzen.  Hiernach  scheint  es  aber  ganz  glaubhaft,  wenn  man  für  1907
der  Fahrkartensteuer  allein  einen  Verlust  (durch  Minderzuwachs  der  Einnahme) ­
  von  15  Millionen  in  die  Schuhe  schiebt,  den  Rest  aber  der  Tarifreform, ­
  und  beide  zusammen  waren  an  dem  allgemeinen  Verkehrsrückgang
auch  wesentlich  mit  schuld,  nicht  bloss  die  wirtschaftliche  Konjunktur.
Eine  Aufhebung  der  misslungenen  und  sowohl  der  Staatskasse ­
  wie  dem  Publikum  feindlichen  Fahrkartensteuer  erscheint
daher  durchaus  empfehlenswert,  und  es  war  anzuerkennen,  dass  die
verbündeten  Regierungen  ihren  Fehler  von  1906  —  denn  sie  haben  sie  seiner
Zeit  leider  gutgeheissen  —  eingestanden  und  wieder  gutmachen  wollten.  Eine
Ausdehnung  auch  auf  die  IV.  Klasse,  von  der  wieder  die  Rede  ist,  wäre
erst  recht  verkehrt.  Auch  sogenannte  Verbesserungen  des  Tarifs  der  jetzigen
Steuer  sind  eine  unglückliche  Idee,  aber  leider  nicht  ausgeschlossen.
Ich  für  meine  Person  würde  jedoch  an  dem  Gedanken,  dass  die
einzelstaatlichen  deutschen  Bahnen  etwas  für  die  Reichskasse  beisteuern
können,  dennoch  festhalten,  nur  in  ganz  anderer  Form.  Es  würde  sich
empfehlen,  dass  endlich  auch  der  weitere  Fernverkehr  für  Reisen
wesentlich  verbilligt  werde,  sei  es  nun  durch  Zonentarife  oder
Staffeltarife.  Eine  wesentliche  Verbilligung  würde  zu  bedeutenden
Verkehrssteigerungen  führen,  die  sich  in  anderen  Ländern  mit  derartiger ­
  Erfahrung  in  manchen  Entfernungsstufen  auf  300  bis  600%,  ja  selbst
bis  zu  1500  %  beliefen,  wie  ich  aus  amtlichen  Betriebsberichten  ganz  genau
und  sorgfältig  festgestellt  oder  berechnet  habe.  Gütertarife  und  Postpakettaxen ­
  gewähren  längst  eine  billigere  Fern  Versendung,  und  Zonentarife ­
  für  den  Menschenverkehx  mit  fallenden  Preisen  bestehen  in  zahlreichen ­
  Ländern.
Es  Hesse  sich  nun,  um  die  weniger  rentablen  kleineren  Staatsbahnnetze ­
  und  kleineren  Eisenbahnen  schonend  zu  behandeln,  vielleicht  derart
verfahren,  dass  man  von  den  Fernreisen  stets  für  das  Reich  bestimmte ­
  feste  Anteile  erhöbe,  aber  erst,  soweit  der  Ertrag  des  Status
quo  überschritten  wird.  Die  Schonung  würde  sich  auch  dadurch  von  selbst
ergeben,  dass  weite  Fernreisen  auf  den  kleineren  Einzelstaatsbalumetzen
überhaupt  seltener  vorkämen.  Nach  Erhebungen  in  Preussen  vom  Jahre  1893
        <pb n="173" />
        133

Es  ist  äusserst  lehrreich,  solche  Tariferhöhungen,  ihre
anfänglichen  Ertragsschätznngen  und  die  schliesslichen  Ergebnisse, ­
  die  Wirkungen  auf  Einnahmen  und  Verkehr  später  genau

fielen  2,7  0  0  aller  Reisen  (und  31,7  %  der  Einnahmen)  auf  die  Fahrten  von
201  bis  1000  km  und  0,1%  (3  °/ 0 )  auf  solche  von  1001  bis  1500  km.
1907  wurden  nun  1295  Millionen  Reisen  oder  Fahrten  in  Deutschland
gemacht,  2,8  %  davon  würden  36  Millionen  Fahrten  von  über  200  km  Länge
ergeben.  Die  Reiclisauteilsteuer  am  Fernverkehr  könnte  nach  Entfernungen
und  Klassen  abgestuft,  müsste  aber  im  übrigen  nur  massig  sein,  und  wenn
der  Fernverkehr  wesentlich  verbilligt  würde,  so  würde  sie  dem  Publikum
überhaupt  garnicht  fühlbar  werden.  Schon  eine  Verdoppelung  des
Fernverkehrs  würde  aber  zu  beachtenswerten  Erträgen  führen,  die  mit
der  Zeit  immer  ergiebiger  würden.  Nähere  Vorschläge  hierzu  behalte  ich
mir  für  den  Fall,  dass  sie  ein  allgemeineres  Interesse  fänden,  vor.
3 )  Diese  Automobils  teuer,  der  riesig  hohe  Eeichsstempel  auf
„Erlaubniskarten  für  Kraftfahrzeuge“  ist  ein  höchst  unglücklicher,  schädlicher
und  finanziell  ganz  unlohnender  Eingriff  in  den  Verkehr  und  in  die  Entwickelung ­
  einer  blutjungen,  aufstrebenden  Industrie,  die  damit  einseitig,
ungerecht  und  schikanös  bedrückt  wurde.  Die  Abwanderungen  aus  der
I.  Eisenbahnklasse  nach  unten  hin  wegen  der  Fahrkartensteuer  und  der
Tariferhöhung  (von  6  auf  7  Pf.  für  1  km)  beweisen  schon,  dass  selbst  reichen
Leuten  nicht  zuviel  zugemutet  werden  darf.  Wenn  aber  die  Automobilfahrten ­
  mit  kostspieligen  Chauffeuren  und  grossem  Benzinverbrauch  ohnehin ­
  schon  viel  teurer  zu  stehen  kommen,  als  Eisenbahnfahrten  I.  Klasse,
wie  soll  da  eine  jährliche  Extrasteuer,  die  z.  B.  bei  Kraftwagen  mit
60  Pferdekräften  750  Mark  ausmacht,  nicht  auch  hemmend  und  verärgernd
wirken?
Die  Einnahmen  von  der  Automobilsteuer  wurden  s.  Z.  für  das
Rechnungsjahr  1906  (Juli  1906  bis  Ende  März  1907)  auf  2  Millionen  und
im  Beharmngszustand  auf  3  Millionen  jährlich  geschätzt  (vgl.  den
Reichstagskommissionsbericht  von  1906,  Nr.  388  der  Reichstagsdrucksachen
der  II.  Session  1905/08,  S.  70  und  72).
Der  Reichshaushaltsetat  für  1907  stellte  dementsprechend  als  Jahresertrag ­
  der  Roh-Solleinnahme  3  000  000  M  ein,  nach  Abzug  der  Erhebungskosten ­
  aber  2  940  000  M.  Im  Juli  und  August  1906  betrug  die  Roh-Solleinnahme ­
  802  795  M,  vom  September  1906  bis  März  1907:  405  033  M.
Das  ganze  Rechnungsjahr  1907  ergab  bloss  eine  Roh-Solleinnahme ­
  von  1  599  255  M  (statt  3  Millionen).
Im  Etat  für  1908  war  man  vorsichtiger  und  stellte  nur  2  000  000  roh
und  1  960  000  rein  ein.  Der  tatsächliche  Betrag  belief  sich  aber  auch  nur
auf  1  891  840  M  roh  und  1  854  003  M  rein  (Voss.  Ztg.  1909,  25.  April,  nach
dem  „Centralbl.  f.  d.  Deutsche  Reich“).  Im  Etat  für  1909  sind  nun  hoch
vorsichtiger  bloss  1  600  000  M  roh  und  1  568  000  M  rein  angesetzt!  Tant  de
peine  pour  une  Omelette!  möchte  man  da  sagen.
        <pb n="174" />
        134

und  kritisch  zu  verfolgen.  Aber  nicht  weniger  nützlich  ist  es,
den  Einfluss  von  Tarifherabsetzungen  eingehend  zu
studieren.  Die  Finanzen  einer  Nation  und  viele  ihrer  anderen
Lebensfragen  werden  dadurch  ja  berührt.  Leider  muss  man
aber  feststellen,  dass  dieser  besondere  Zweig  der  Tarifund
  Yerkehrswissenschaft  noch  ganz  im  Argen  liegt
und  darum  um  so  leichter  gesetzgeberische  Missgriffe
begangen  werden.  Gibt  es  denn  etwa  ein  gründlich
belehrendes  Werk,  das  die  wichtigeren  Tarifreformen
im  Verkehrs-,  Zoll-  und  Steuerwesen  nach  Ursache
und  Wirkungen  in  genauer  statistischer  Darstellung
auch  nur  für  die  letzten  50—60  Jahre  wissenschaftlich
verarbeitet  hätte,  so  dass  man  sich  daraus  bei  neuen  Reformen
Rat  holen  könnte?  So,  wie  es  mir  vorschwebt,  meines  Wissens
noch  nicht.  Ein  solches  Werk  würde  sicherlich  eine  grosse
Lücke  ausfüllen  und  für  Regierungen  und  Volksvertretungen ­
  gleich  wichtig  sein.  Es  könnte  unter  Umständen
dem  Verlust  von  vielen,  vielen  Millionen  Vorbeugen,  könnte
Rückschritte  und  Schädigungen  der  Verkehrsinteressen  verhüten
helfen  und  Fortschritte,  die  zugleich  der  Staatskasse  nützen,
fördern.  Dem  ahnungslosen  Dilettantismus,  der  sich  in  diesen
schwierigen  und  nur  scheinbar  leichten  Fragen  so  gern  betätigt,
würde  zugleich  ein  wirksamer  Riegel  vorgeschoben.  Gewiss,  es
Diese  Tatsachen  lehren  jedenfalls,  dass  man  sich  1906  auch  hierin
arg  getäuscht  hat,  und  eine  schwere  Belästigung,  Hemmung  und  Bevormundung ­
  von  Verkehr  und  Industrie  um  lumpiger  l 4 / 5  Millionen  willen
eingeführt  hat.  Auch  diese  Steuer  ist  damit  gerichtet  und  verdient ­
  schleunigst  abgeschafft  oder  auf  eine  ganz  geringe
statistische  Zählgebühr  ermässigt  zu  werden,  da  eine  fortlaufende
Statistik  des  Kraftwagenbestandes  von  vielfachem  Nutzen  ist.  Das  kann
man  auch  von  den  Fahrrädern  sagen.  Eine  Fahrradsteuer  dagegen  wäre
ein  Unglück  und  zugleich  eine  Steuer  auf  die  Volksgesundheit,  der  dieser
Sport  dient.
Am  1.  Januar  1908  gab  es  im  Deutschen  Eeich  bloss  36  022  Kraftfahrzeirge
  (England  zählte  ihrer  154  391),  darunter  34  244  vorwiegend
für  den  Personenverkehr,  und  zwar  19  573  Krafträder,  die  übrigen  aber
Kraftwagen.  Von  den  Personenautomobilen  dienten  5,1  °/ 0  dem  öffentlichen ­
  Fuhrverkehr  und  41  %  den  Zwecken  von  Handel  und  Gewerbe,
40,2  %  für  Vergnügungs-  und  Sportzweoke.  (Vgl,  Statist.  Jahrb.  f.  d.
Deutsche  Reich  1908,  S.  92,  und  Deutsche  Verkehrszeitung  1908,  S.  529  f.)
        <pb n="175" />
        135

gibt  in  manchen  wissenschaftlichen  Werken  Betrachtungen  und
statistische  tatsächliche  Feststellungen  auch  auf  diesem.  Gebiet;
z.  B.  in  Stephans  Geschichte  der  preussischen  Post.
Aber  die  Tatsachen  liegen  dort  schon  weit  zurück,  und  die  Erfahrungen ­
  der  letzten  50  Jahre,  die  in  vielen  Punkten  andere
Schlüsse  gestatten,  fehlen  in  diesem  Buche.  Stephan  hat
sich  auch  manchmal,  die  Gegenwart  mit  den  Massstäben
einer  früheren  Entwicklung  messend,  gründlich  geirrt,  z.  B.
als  er  aus  finanziellen  Befürchtungen  die  Erhöhung  des
einfachen  Briefgewichts  von  15  auf  20  g  ablehnte.  Die  Postkasse ­
  hat  aber  tatsächlich  alsbald  12  Millionen  Mark  dadurch
gewonnen,  so  dass  er  ihr  durch  Versagung  dieser  Reform
nur  einen  schlechten  Dienst  geleistet  hat 4  *  *  *  *  *  *  *  12 ).  Ein  wissenschaftlich
gutes  Werk  über  die  Geschichte  der  deutschen  Post  und
insbesondere  der  deutschen  Tarifreformen  —  etwa  so
wie  das  treffliche  Buch  von  J.  P.  Reis  für  Luxemburg
(Statistique  historique.  Histoire  des  postes  etc  1897),  das  auf
dem  rechten  AVege  wandelt,  oder  wie  Belloc’s  Werk  über  die
französische  Post  —  besitzen  wir  merkwürdigerweise  überhaupt
noch  nicht.
Von  den  Professoren  der  Volkswirtschaft  wird  dieses
wichtige  Gebiet  meist  stark  vernachlässigt.  In  Fachzeitschriften,
z.  B.  dem  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  und  der
4 )  Näheres  darüber  in  meiner  Untersuchung  in  der  „Frankfurter
Zeitung“  vom  5.  Februer  1904,  Nr.  36  (Leitartikel),  Hier  nur  in  Kürze
Folgendes  zu  der  Erhöhung  des  einfachen  Briefgewichts  in
Deutschland  von  15  auf  20  Gramm  (vom  1.  April  1900  ab).
Der  deutsche  Brieftarif  ist  zweistufig:  bis  20  g  (früher  15)  10  Pf.;
über  20—250  g  20  Pf.  Ortsbriefe,  einstufig:  250  g  5  Pf.  Nach  Stephans
Angaben  im  Januar  1896  im  Reichstage  sollte  diese  Briefgewichtserhöhung
von  15  auf  20  g  einen  Ausfall  von  „4  bis  5  Millionen  Mark  jährlich“
verursachen,  während  dabei  „nicht  ein  einziger  Brief  mehr  geschrieben ­
  werden“  würde.  In  der  Podbielskischen  Postvorlage  wurde
die  Mindereinnahme  nur  auf  2'/aMillionen  Mark  jährlich  berechnet,  da
die  Briefe  zwischen  15  und  20  g  nur  rund  30%  der  internen  Fernbriefe  über
15  g  ausmachten  (nicht  48,35  %,  wie  Stephans  frühere  Ermittelungen  angaben).
In  AVirklichkeit  ergab  sich  aber  bei  der  Deutschen  Reichspost  schon
im  Jahre  1900,  also  nach  9  Monaten,  eine  Mehreinnahme  von
12  Millionen  Mark,  und  im  dritten  Jahre  ein  Mehr  von  16,8  Millionen,
wie  man  aus  der  Reichspoststatistik  über  die  Briefe  genau  berechnen  kann.
        <pb n="176" />
        136

„Deutschen  Verkehi’szeitung“,  kommen  wohl  ab  und  zu
Untersuchungen  über  die  Wirkungen  von  Tarifreformen  vor,
aber  oft  bleiben  höchst  wichtige  Massnahmen  im  In-  und  Auslande ­
  auch  ganz  unberücksichtigt,  und  von  planmässiger  vergleichender ­
  Forschung  dieser  Dinge  ist  keine  Rede.  Das
preussische  „Archiv  für  Eisenbahnwesen“  verdient  allerdings
in  vielen  Punkten  Anerkennung.  Es  hat  verschiedene  Personentarifreformen ­
  recht  genau  verfolgt,  doch  manches  Wichtige
freilich  auch  übersehen,  und  das  gediegene  Werk  von  E.  Ulrich
(Personentarifreform  und  Zonentarif)  ist  leider  stark  von  einseitigen ­
  Bedenklichkeiten  erfüllt,  die  noch  unwiderlegt  geblieben
sind.  Solchen  mehr  oder  weniger  amtlichen  Publikationen  fehlt
gewöhnlich  die  Beleuchtung  von  der  anderen  Seite  als  Ergänzung.
Für  die  weitere  Öffentlichkeit  gehen  die  in  Fachzeitschriften ­
  vergrabenen  Arbeiten,  wenn  sie  nicht  in
die  Buchliteratur  übergehen,  leider  auch  meist  verloren.
Deshalb  ist  es  kein  Wunder,  wenn  die  Presse  und  die  Gesetzgeber ­
  sich  häufig  schlecht  unterrichtet  zeigen  und  dann  unglückliche ­
  Beschlüsse  gefasst  werden,  die  Handel  und  Verkehr  sowie  das

Zalil  der  Fernbriefe  (ohne  Orfcsbriefe)  im  inneren  Reichspostverkehr
(in  Tausenden):

Stückzahl ­


Zunahme
gegenüber
dem  Jahre  1899

Portoeinnahme
daraus  in  Mark

Zunahme
gegenüber
1899
M

/  einfache  Briefe
' L  1  doppelte  Briefe
Ifjqt)  (  e i n f' ac he  Briefe
\  doppelte  Briefe

731  428
76  710
768  102
83  174

+  4,8  %

73  143  *  88  485
15  342  1  88  48j
76810  l  93  444
16  634  /

1900  ’  eill ^ ac ^ e  Brief©
1  doppelte  Briefe

885  52ä
81  864

+  15,2  o/o

88  552*  j
16  373  105  565

+12121

j  einfache  Briefe
1  doppelte  Briefe

895  452
82  639

+  10,5  °/o

+  640J
}*“•»

+12  628

iq0'&amp;gt;  f  e i n f ac l le  Briefe
“  1  doppelte  Briefe

931  648
85  752

+  21,2%

17  150  [ 110315

+16  871

*  1 ji  des  amtlich  berechneten  Einnahmeausfalls  wird,  hier  hinzugerechnet,  weil
das  erste  Vierteljahr  noch  unter  dom  alten  Tarif  verlief.
        <pb n="177" />
        137

grosse  Publikum  empfindlich  treffen,  ohne  den  Finanzen
nützen.
Es  wäre  daher  an  der  Zeit,  dass  die  Staatsregierungen
in  dieser  Hinsicht  etwas  mehr  täten  und  in  ihren  Etat
besondere  Mittel  einstellten  zur  planmässigen  wissenschaftlichen ­
  Erforschung  und  kritischen  Darstellung
der  wichtigeren  Yerkehrstarifreformen  aller  Art,  sei
es  nun  durch  Jahrbücher  oder  noch  häufigere  periodische ­
  Buch-Yeröffentlichungen.  Diese  könnten  den  besonderen ­
  Verkehrs-Ressorts  übertragen  oder  auch  den  diesen
unbefangener  gegenüberstehenden  statistischen  Äemtern  als
Aufgabe  überwiesen  werden.  Freilich  käme  dabei  viel  auf  die
sachverständigen  Mitarbeiter  und  die  leitenden  Gesichtspunkte  an.
Auch  eine  internationale  Organisation  dieser  Arbeit,
vielleicht  durch  Anlehnung  an  die  vorhandenen  Internationalen
Bureaus  oder  auch  Schaffung  eines  besonderen  internationalen ­

  Bureaus  wäre  erwünscht,  da  die  Erfahrungen
des  einen  Landes  meist  auch  den  anderen  Ländern  zugute  kommen
oder  sie  vor  Schaden  bewahren.

Eine  grössere  Buchliteratur  von  .unabhängigen  privaten ­
  Forschern  auf  diesem  besonderen  Gebiete  kann  sich
leider  kaum  entwickeln,  da  trotz  der  Wichtigkeit  der  Sache  für
alle  Völker  ein  zur  Deckung  der  Druckkosten  und  der  Arbeitsentschädigung ­
  hinreichender  Ertrag  fast  nie  zu  erzielen  sein
dürfte.  Hat  doch  Stephans  wichtiges  und  bedeutendes  Buch
von  1859  nicht  einmal  eine  zweite  Auflage  erlebt.
Dieser  Mangel  einer  fortlaufenden  kritisch  vertieften  wissenschaftlichen ­
  Verkehrstarifreformliteratur  auf  historischstatistischer ­
  Grundlage  ist  so  manchem  Lande,  manchem  Volke
schon  teuer  zu  stehen  gekommen.  Wenn  man  jetzt  über  einen
fortschrittsabholden  oder  rückschrittlich-fiskalischen
Zug  im  Verkehrswesen  öfter  klagt,  wenn  häufig  Missgriffe
begangen  und  wichtige  Verbesserungen  und  Erleichterungen  lange
unterlassen  werden,  wenn  das  alte  liebe  Lied  von  den  finanziellen
Hindernissen  immer  wieder  gesungen  wird  und  nötigenfalls  von
niemand  eingehend  geprüft  und  überzeugend  widerlegt  wird,  so
ist  natürlich  eine  Aenderung,  eine  neue  Reformlust  kaum  zu

I

Mil
        <pb n="178" />
        138

erwarten.  Für  die  Verwaltungen  ist  die  Kritik  ebenso
notwendig,  wie  das  menschliche  Atmen,  sagte  der  preussische
Eisenbahnminister  v.  Thielen  in  anerkennungswerter  Duldsamkeit. ­
  Aber  vertiefte  wissenschaftliche  Kritik  ist  sehr  rar.
Wer  selbst  immer  in  der  amtlichen  Maschinerie  drin  sitzt,
empfindet  nicht  mehr,  wie  sie  nach  aussen  wirkt.  Es  bedarf
daher  der  Anregungen  von  aussen.  Auch  weichen  die
Meinungen  und  Interessen  der  Regierenden  und  der
Regierten  hier  ebenso  ab  wie  sonst  vielfach.  Deshalb
würde  eben  auch  eine  amtliche  Tarifreformliteratur  immer  noch
eines  Korrektivs  sachkundiger  unabhängiger  Autoren  oder  Interessenten, ­
  die  die  Dinge  auch  von  der  anderen  Seite  beleuchten,
bedürfen  5 ),

5 )  Es  läge  nahe,  dass  die  zahlreichen  Organisationen  von  Handel
Industrie  und  Verkehr:  Handelskammern,  Korporationen,  Vereine
und  Verbände  industriell-kommerzieller  Art  eine  gemeinsame  wissenschaftliche ­
  Zentralstelle  von  akademischem  Charakter  zu  vertiefter  Erforschung ­
  und  literarischer  Darstellung  der  wichtigeren  Verkehrsfragen ­
  und  Tarifreformen  schüfen.  Diese  könnte  später  auch
international  gegliedert  werden.  Es  gibt  allerdings  schon  mancherlei  Vereinszeitsehriften
  und  Jahrbücher  solcher  Vereine,  die  auch  Verkehrsprob  leine
behandeln,  es  werden  von  manchen  Stellen  Flugschriften  oder  Broschüren
herausgegeben.  Aber  nur  selten  gehen  diese  den  zu  behandelnden  Fragen
so  eingehend  gründlich  zu  Leibe,  dass  die  Wucht  der  wissenschaftlichen
Argumente  auch  andersdenkende  Verkehrsverwaltungen  und  Fachleute  überzeugt ­
  und  mitreisst  und  die  möglichen  Einwände  nachhaltig  widerlegt  werden.
Deshalb  dauert  es  oft  lange  Jahre,  bis  wichtige  Reformen  Wirklichkeit  oder
unglückliche  Einrichtungen  abgeschafft  werden.  Die  gewöhnlich  überbürdeten
Generalsekretariate  und  Redaktionen  der  meisten  bestehenden  Vereine
können  den  Verkehr  auch  nur  ganz  nebenbei  behandeln,  während  er  allein
schon  volle  Kräfte  beanspruchen  würde.
Auch  den  sogenannten  Sachverständigen  und  Interessenten,  die  oft
von  Behörden  gehört  werden,  fehlt  es  bei  dem  Mangel  einer  tüchtigen
kritischen  Literatur  oft  an  der  nötigen  Orientierung,  sodass  ihre  Urteile
häufig  sehr  oberflächlich  ansfallen.
Es  gibt  wohl  auch  einen  Bund  der  Verkehrs  verbände  in
Deutschland,  aber  auch  der  hat  sich  nur  die  allgemeine  Agitation  zum
Ziele  gesteckt,  nicht  aber  die  Erzeugung  einer  wissenschaftlichen
Buchliteratur,  welche  Presse.  Vereine  und  Parlamente  speisen  und  ein
Gegengewicht  gegen  die  oft  einseitigen  oder  gar  zu  fiskalischen  amtlichen
Anschauungen  schaffen  sollte.
        <pb n="179" />
        139

Ich  habe  diese  allgemeinen  Erörterungen  vorausgeschickt,
weil  ich  es  für  wichtig  hielt,  auf  diesen  Mangel  einmal  offen
hinzuweisen.  Nunmehr  will  ich,  da  es  sich  beim  Weltpennyporto
  hauptsächlich  um  finanzielle  Bedenken  dreht,  auf  einige
Yerkehrssteigerungen  hinweisen,  die  in  der  letzten  Zeit
durch  ähnliche  Portoermässigungen  erzielt  wurden,  und
untersuchen,  ob  die  Hindernisse  der  Reform  wirklich  so  gross
sind,  wie  man  oft  meint.
Ich  möchte  dabei  noch  auf  eines  aufmerksam  machen.
Wenn  der  internationale  Briefverkehr  erleichtert  wird,
so  kommt  das  oft  genug  auch  dem  inländischen  Verkehr
zugute.  Schon  alsPrivatmann  wird  man  von  seinen  ausländischen
Freunden  oft  zu  brieflichen  Ermittelungen  oder  Besorgungen  im

Die  Zahl  der  unabhängig  dastehenden  Verkehrstarif  forscher
und-Kenner  ist  übrigens  ganz  verschwindend  klein,  und  zu  Buchpüblikationen
  werden  sie  sich  wohl  nicht  oft  entschliessen,  weil  diese  bei  dem
meist  geringen  Absatz,  trotz  des  hohen  Interesses  weitester  Kreise  an  den
Reformzielen,  nur  selten  ohne  grosse  Opfer  möglich  sind.  Es  sei  denn,  dass
zahlreiche  Vereine  durch  Subskription  einer  grösseren  Anzahl  von  Exemplaren ­
  wenigstens  die  Druckkosten  mittragen,  was  aber  unbekannten  Autoren
natürlich  kaum  gelingen  würde  und  auch  sonst  schwierig  wäre.  Viele  unglückliche ­
  Reformen  und  Verkehrsrückschritte  hätten  gewiss
vermieden  werden  können,  wenn  zur  rechten  Zeit  eine  gründliche
Buchliteratur  Presse  und  Parlament  aufgeklärt  hätte,  denn  kurze  und
meist  oberflächliche  Zeitungsartikel  pflegen  nicht  genügend  zu  überzeugen.
Der  Schaden  aber  kann  gross  sein.
Man  übersieht  nur  zu  leicht,  wie  sehr  die  einzelnen  Verkehrszweige
alle  mit  einander  verknüpft  sind  und  durch  einander  beeinflusst  werden.
Etwa  70  Millionen  deutscher  Zeitungsbeilagen  sind  wegen  der  letzten
Portoerhöhung  um  1 / i  Pf.  weniger  befördert  worden.  Da  diese  aber  Inserate
enthalten,  welche  Angebot  und  Nachfrage  aus  der  Ferne  in  Verbindung
bringen,  so  können  deswegen  auch  leicht  50  Millionen  Briefe  und  Postkarten
ausgefallen  sein,  die  sonst  geschrieben  worden  wären.  Die  Ortspostkarten
sind  um  85  Millionen  zurückgegangen.  Die  Verteuerung  der  Reisen  durch
die  Fahrkartensteuer  und  die  Fahrpreisreform  hat  wiederum  in  gleicher
Weise  zur  Verringerung  des  Ansichtskarten-,  Brief-,  Telegramm-  und  Geschäftsverkehrs ­
  beigetragen.  Die  Automöbilsteuer  wirkt  in  ähnlicher
Richtung.  Wenn  dann  noch  ein  wirtschaftlicher  Niedergang  hinzukommt,
wo  die  Anstrengung  nach  Absatz  und  Geschäftsabschlüssen  mit  Hilfe  der
Post  verdoppelt  einsetzen  sollte,  so  ist  ein  Rückgang  von  Verkehr  und  Einnahmen ­
  kein  Wunder.  Da  bedarf  es  also  der  Gegenwirkungen!
        <pb n="180" />
        140

Inlancle  angeregt,  als  Geschäftsmann  aber  noch  viel  mehr.  Dadurch ­
  wirkt  der  erleichterte  und  steigende  Auslandsverkehr  auch
steigernd  auf  den  Inlandsverkehr  und  die  Posteinnahmen.
Aber  auch  der  auswärtige  Handel  bedarf  der
Förderung  durch  Erleichterungen  des  Nachrichtenverkehrs. ­
  Am  1.  März  1906  trat  der  vielfach  stark  erhöhte
neue  deutsche  Zolltarif  in  Kraft,  von  dem  man  sich  in  der
ihn  vorberatenden  Heichstagskommission  einen  künftigen  Mehrertrag ­
  von  rund  75  Millionen  herausrechnete.
Aber  wiederum  hat  man  hier  die  prohibitive  Wirkung,
erhöhter  Tarife  doch  vielfach  übersehen.  Der  wirkliche  Zollertrag
stellte  sich  folgendermassen.  1904:  489,86  Milk  Mark;  1905:
625,84  Millionen;  1906  aber  nur  557  Millionen  Mark  (Etatssoli
560,70  Millionen)  trotz  der  allgemeinen  Hochkonjunktur;  1907:
644,7  Millionen  und  1908  gar  nur  541,14  Milk  Mark  (statt  des
Etatsanschlages  von  666,97  Millionen),  also  noch  weniger  als
4  Jahre  vorher.
Eine  Erleichterung  des  Weltbriefverkehrs  zur
Förderung  des  AVelthandels  und  damit  auch  der  Zollerträge ­
  erscheint  da  nur  am  Platze,  zumal  da  die  vom
Ausland  eingegangenen  Waren  dann  ja  wieder  den  Inlandsverkehr ­
  zu  steigern  geeignet  sind.  In  Zeiten  wirtschaftlichen
Druckes  und  stockenden  Geschäftsgangs,  grösserer
Arbeitslosigkeit  und  Geldknappheit  ist  eine  Verbilligung
des  Nachrichtenwesens  immer  besonders  dringlich,  wie
bereits  gesagt.
Man  befürchtet  nun  Einnahmeausfälle  aus  einer  Weltportoverbilligung. ­
  Gewiss,  einige  Ausfälle  mögen  in  der  ersten  Zeit
entstehen.  Aber  sie  sind  häufig  nur  halb  so  gross,  wie  die
theoretische  Berechnung,  weil  die  Verbilligung  zu  Verkehrssteigerungen ­
  führt,  die  oft  in  wenigen  Jahren  den  Ausfall
völlig  wettmachen.  Mag  sein,  dass  bisweilen  die  jährlich  ohnehin
meist  steigenden  Verkehrseinnahmen,  für  einen  gewissen  Zeitraum
zusammengerechnet,  etwas  grösser  gewesen  wären,  als  die  Einnahmen ­
  nach  einer  Porto  Verbilligung  mit  nachfolgender  gesteigerter
Verkehrszunahme.  Aber  oft  führt  letztere  doch  zu  bedeutenden
Mehreinnahmen  gegen  früher,  und  noch  viel  wichtiger  ist  es,  dass
        <pb n="181" />
        141

dem  Verkehr  genügt  wird,  der  dann  mittelbar  auch  dein  Staat
vermehrte  Einkünfte  zuführt.
Die  Aussicht  einer  Yerkehrssteigerung  ist  in  den
verschiedenen  Ländern  natürlich  verschieden.  Die  allgemeine ­
  Verkehrs-  und  Kulturentwicklung,  Handel,  Industrie,
Volks  Vermehrung  und  Bildung,  Betriebsamkeit  und  Unternehmungslust ­
  usw.  spielen  dabei  mit.
In  Frankreich  zeigte  sich  vor  50—60  Jahren  nur  eine
geringe  Verkehrszunahme  nach  verschiedenen  grossen  Portoverbilligungen, ­
  wie  man  aus  Belloc’s  Geschichte  der  französischen
Post  ersehen  kann.  Heute  scheinen  trotz  der  mangelnden
Bevölkerungszunahme,  aber  wegen  der  gestiegenen  Betriebsamkeit ­
  und  Bildung,  die  Verhältnisse  darin  doch  günstiger  zu  liegen  °),
Tn  Deutschland  mit  seiner  fieberhaften  industriellen  und
kommerziellen  Entwicklung  und  grossen  Bevölkerungszunahme
ist  in  ähnlichen  Fällen  auf  besonders  grosse  Verkehrs  Steigerungen
sicherer  zu  rechnen.  Vor  40—50  Jahren  war  das  freilich  noch
anders.  Das  10  Pf.-Porto  vom  1.  Januar  1868  (an  Stelle  des

6 )  Am  16.  April  1906  wurde  in  Frankreich  das  Briefporto  von  15  auf
10  Centimes  (8  Pf.)  für  je  15  g  herabgesetzt.
Bei  der  Beratung  des  Etats  für  1904  wurde  dem  Bericht  der  Budgetkommission ­
  eine  Berechnung  beigegeben,  wonach  diese  Reform  einen  rechnerischen ­
  Einnahmeansfall  von  43  Mill.  Franken  nebst  7  Millionen  Mehrausgaben ­
  infolge  der  Verkehrssteigerung  verursachen  würde.  Doch  hoffte  der
Bericht,  dass  die  Briefverkehrssteigemng  und  die  dadurch  zu  erwartende
Steigerung  des  allgemeinen  Postverkehrs  den  Ausfall  bereits  im  ersten  Jahr
auf  25  Millionen  herabmindern  und  ihn  in  einem  Jahrzehnt  ganz  ansgleichen
würde.  Auch  wurde  schon  durch  Verordnung  vom.  November  1903  der  Tarif
der  Ansichtskarten  mit  5  schriftlichen  Worten  (bisher  wie  Postkarten
10  Centimes)  auf  5  Centimes  herabgesetzt  (vgl.  Archiv  für  Post  und  Telegraphie ­
  1904,  S.  580  ff.,  in  einem  Aufsatz  von  H.  Herzog).
Von  Mitte  April  bis  Ende  Dezember  1906  nahm  nun  die  Zahl  der
Briefe  um  17  °/ 0  zu,  und  die  Portoeinnahme  daraus  wies  gegen  den  gleichen
Zeitraum  des  Vorjahres  1905  eine  Mindereinnahme  von  22,3  Mill.  Fr.  auf.
Doch  bei  den  anderen  Postsendungen  war  sie  um  8,1  Mill.  Fr.  gestiegen.
Die  Verwaltung  schätzte  jetzt  schon  in  einem  Bericht,  dass  unter  solchen
Umständen  bereits  in  3  Jahren  die  alte  Gesamteinnahme  von  190o  wieder
erreicht  werden  würde;  heim  Briefverkehr  für  sich  allerdings  erst  in  6  bis
7  Jahren.  Die  Mehrausgaben  bis  Ende  1906  hätten  sich  auf  4,4  Mill.  Fr.
        <pb n="182" />
        142

dreizonigen  Portos  von  10,  20  und  30  Pf.)  brachte  der  Norddeutschen ­
  Bundespost  einen  Ausfall  von  1  700  000  Talern 3 ),  da
die  Briefzahl  damals  zunächst  nur  um  6—7  °/o  stieg.  Aber  bei
der  heutigen  Entwicklung  würde  eine  solche  Reform  sicherlich
ganz  anders  wirken.
Auch  in  England,  Nordamerika  und  Australien  ist  der
Verkehr  äusserst  dicht  und  der  Briefverkehr  verhältnismässig
noch  viel  grösser  als  in  Deutschland.
Hier  handelt  es  sich  nun  darum,  ungefähr  abzuschätzen, ­
  wie  stark  der  internationale  Brief  verkehr
durch  eine  Ermässigung  des  Portos  von  25  auf  10  Centimes ­
  oder  von  20  auf  10  Pfennige  steigen  würde.  Da
dürften  die  Verhältnisse  in  den  verschiedenen  Ländern  natürlich
sehr  verschieden  liegen.  Aber  wir  können  doch  aus  einer

belaufen,  sodass  der  Ausfall  für  1  Jahr  37,7  Mül.  Fr.  erreichen  würde
(Deutsche  Verkehrs-Zeitung  1907  vom  12.  Juli,  Nr.  28,  S.  368).
Etwa  ein  Jahr  später  standen  die  Aussichten  aber  noch  viel  viel
günstiger,  wie  die  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  am  24.  Januar  1908  (Nr.  4,
S.  38)  berichtete.  Im  April  1907.  nach  einjähriger  Wirksamkeit  des  10  C.-Portos,
  belief  sich  der  wirkliche  Ausfall  der  französischen  Postverwaltung
nur  auf  23  Mül.  Fr.  (statt  00  oder  37),  und  „neuerdings  soll  feststehen“,
hiess  es  weiter,  „dass  die  Einnahmen  der  Postverwaltung'  aus  der  Briefpost
kaum  noch  hinter  denen  der  Jahre  1904  und  1905  Zurückbleiben“,  während
mau  früher  erst  nach  22  oder  nach  10  Jahren  auf  eine  Deckung  des  Ausfalls ­
  rechnete.  Allerdings  ist  dieses  günstige  Ergebnis  wesentlich  auf  eine
grosse  Steigerung  des  Ansichtskartenverkehrs  zurückzuführen,  da  diese
Karten  bei  dem  viel  zu  teuren  10  C.-Porto  nur  wenig  benutzt  wurden.  Aber
wir  sehen  jedenfalls,  dass  die  pessimistischen  Berechnungen  der  Ausfälle
gar  nicht  eingetroffen  sind,  und  in  einem  Lande  ohne  Bevölkerungszunahme
will  das  schon  was  sagen.  In  Deutschland  liegen  die  Verhältnisse  weit
günstiger  in  solchen  Dingen.
Im  Etatsanschlag  für  1909  rechnete  die  französische  Postverwaltung
mit  einer  ansehnlichen  weiteren  Steigerung  der  Briefe  und  einer  daraus
hervorgehenden  Mehreinnahme  von  14,8  Milk  Fr.  (Deutsche  Verkehrs-Zeitung
1908,  30.  Oktober,  Nr.  41,  S.  554).  Leider  fehlt  es  noch  an  einer  ordentlichen
Darstellung  aller  Zahlen  dieser  französischen  Briefportoreform,  auch  in  der
deutschen  Fachpresse.
3 )  Vgl.  Deutsches  Postarchiv  1873,  S.  505—512  (in  einem  Aufsatz  von
Timm),  und  Archiv  für  Post  und  Telegraphie  1896,  S.  685  (in  den  vortrefflichen ­
  „Beiträgen  zur  Geschichte  der  Postkarte“  von  Grosse).
        <pb n="183" />
        143

Reihe  von  tatsächlich  erfolgten  Portoermässigungen  4 )
dieser  Art,  besonders  ans  den  Herabsetzungen  im  Kolonialverkehr, ­
  manche  AVahrscheinlichkeitsschlüsse  ziehen.
Ich  habe  mir  die  Mühe  gemacht,  eine  Anzahl  solcher  Portoreformen ­
  möglichst  genau  an  der  Hand  der  Statistik  in  ihren
Wirkungen  zu  verfolgen  und  führe  sie  nachstehend  vor.
1.  Das  englische  Kolonialreichsporto.
(Imperial  Penny-Postage.)
Am  Weihnachtstage  1898  (25.  Dez.)  wurde  im  Verkehr  Englands  mit
den  meisten  seiner  Kolonien  das  Weltpostvereinsporto  von  2  %  d  auf  1  d
für  i/jj  Unze  (14,17  g)  herabgesetzt.  In  einigen  Kolonien  war  das  Weltporto
vorher  noch  höher,  da  Seeportozuschläge  für  weite  Strecken  bestanden.
Diese  Herabsetzung  galt  auch  im  Verkehr  mit  Indien,  mit  Kanada  und
Neufundland,  mit  Natal  und  den  Kronkolonien.  Sie  bezog  sich  auch
auf  den  Verkehr  der  Kolonien  untereinander.
Die  Kapkolonie  trat  erst  am  1.  September  1899  (vom  Oktober  ab),
Oranje  und  Transvaal  im  Dezember  1900  diesem  Imperial  Penny-Postage-Abkommen
  bei,  Neuseeland  vom  1.  Januar  1901  ab,  Ehodesia  am
I,  Januar  1903,  Australien  aber  erst  vom  1.  April  1905  ab  (doch  galt  von
daher  noch  das  dortige  innere  Porto  von  2  d)  und  Ägypten,  der  englische
Schutzstaat  unter  türkischer  Oberhoheit,  am  15.  Dezember  1905.
Zu  berücksichtigen  ist,  dass  vom  Oktober  1899  bis  Frühling  ,1902  der
Krieg  Englands  gegen  die  alsbald  ganz  einverleibten  Burenrepubliken  dauerte,
welcher  natürlich  zeitweilig  zu  einem  aussergewölmlichen  Verkehr  führte,
der  dann  wieder  abflaute.
Das  Postkartenporto  (1  d  im  Weltpostverkehr)  blieb  unverändert,  war
also  dem  Briefporto  des  Kolonialverkehrs  gleich  geworden.  Uns  interessiert

4 )  Auch  Portoerhöhungen  sind  oft  lehrreich,  wie  schon  oben  dargelegt ­
  wurde.  Stephan  zeigt  in  seiner  Geschichte  der  preussiSchen  Post
(S.  759  ff.),  wie  die  Briefportoerhöhung  um  20%  vom  Jahre  1824,  die
möglichst  7—800  000  Taler  mehr  einbringen  sollte,  bloss  40  bis
80000  Taler  mehr  einbrachte  und  „keineswegs  die  davon  erwartete ­
  günstige  finanzielle  Wirkung  hervorrief“.  Die  Portoermässigung
  vom  1.  Oktober  1844  dagegen,  die  einen  Ausfall  von
700  000  Talern  verursachen  sollte,  brachte  1845  bloss  einen  Ausfall  von
300  000  Talern,  und  1847  war  die  alte  Portoeinnahme  von  1843  und  1844
bereits  um  150  000  Taler  übertroffen.  —  In  Dänemark  war  1902  eine
Portoerhöhung  von  8  auf  10  Oere  für  Briefe  geplant,  und  sie  ist  auch  m.W.
bald  darauf  durchgeführt  worden.  In  Oesterreich  wurden  die  Ortsbriefe
am  1.  Januar  1907  von  (i  auf  10  Heller  erhöht.  Es  wäre  wichtig,  die  Wirkungen ­
  auch  dieser  Verkehrserschwerungen  genau  zu  verfolgen.
        <pb n="184" />
        144

liier  die  Frage,  wie  sich  der,  Verkehr  seit  Einführung  des  Kolonial-Peunyportos
  entwickelt  hat  und  oh  er  merklich  und  weit  mehr  als  vorher
gestiegen  sei.
Eine  Antwort  hierauf  gibt  uns  die  amtliche  Statistik.  Leider  veröffentlicht ­
  England  nur  von  Zeit  zu  Zeit  Angaben  über  die  Stückzahl  der
internationalen  Brief  Sendungen;  meist  werden  nur  die  versandten  Gewichtsmengen ­
  angegeben.  Ich  habe  nun  nachstehend  diese  Zahlen  zusammengestellt ­
  und  absichtlich  auch  einige  Zahlen  über  den  Verkehr  mit  den
andern  Ländern  beigegeben,  damit  man  sehen  kann,  wie  auch  hier  der
Verkehr  oft  auffallend  stark  gestiegen  ist,  sodass  man  bei  einer  starken
Portoermässigung  jedenfalls  zweifellos  auf  einen  ganz  besonders  grossen
Zuwachs  rechnen  dürfte,  und  sofern  der  Verkehr  nicht  hohen  Transitabgaben
unterliegt,  auch  auf  einen  besonders  schnellen  Ersatz  der  etwaigen  Eiunahmeausfälle.
  Nach  fernen  entlegenen  Ländern,  wohin  die  Post  oft  Wochen  lang
unterwegs  ist  und  seltenere  Verbindungen  aufweist,  kann  die  Steigerung
natürlich  nicht  immer  ebenso  schnell  vor  sich  gehen,  wie  nach  nähern
Ländern  mit  viel  häufigeren  und  regeren  Beziehungen.
In  der  unten  folgenden  Statistik  sind  Briefe  und  Postkarten,  sei
es  nun  nach  der  Stückzahl  oder  nach  Gewicht,  immer  zusammen  angegeben. ­
  Doch  sei  bemerkt,  dass  im  Kolonialverkehr  die  Postkarten  eine
untergeordnete  Bolle  spielen,  erstlich  weil  sie  bei  geringerer  Schreibfläche ­
  ebenso  teuer  sind  wie  ein  Brief,  und  dann,  weil  man  bei  überseeischen
und  selteneren  Beziehungen  geschlossene  ausführliche  Briefe  ohnehin  stets
bevorzugt.  1906  z.  B.  gingen  nach  den  englischen  Kolonien  41,6  Millionen
Briefe,  aber  nur  2,8  Millionen  Postkarten;  das  entspricht  6.6%  von  der  Zahl
der  Briefe.  Von  den  70,8  Millionen  Briefen  nach  andern  Ländern  machen
aber  die  daneben  versandten  eben  dahin  gehenden  Postkarten  (14,2  Millionen)
im  allgemeinen  Durchschnitt  20  %  aus.  Tatsächlich  gehen  aber  von  diesen
14,2  Millionen  Karten  allein  12  Millionen  nach  Europa,  z.  B.  nach  Deutschland ­
  3,07  Millionen  (neben  12,2  Mül.  Briefen),  nach  Bussland  600,000  (neben
1,55  Mill.  Briefen),  sodass  hier  also  die  Postkarten  etwa  V 4  Ins  1 / 3  von  der
Zahl  der  Briefe  gleichkommen.  Auch  im  englischen  Inlandsverkehr
(2694  Mill.  Briefe  u.  806  Mill.  Karten)  machen  sie  fast  %  der  Briefzahl  ans.
Von  Interesse  ist  die  Feststellung,  dass  die  englische  Postverwaltung
1906/07  an  Postdampfersubventionen  und  Vergütungen  nach  Gewicht  für  die
Postbefördernng  nach  Ländern  Europas  nur  28680  £,  nach  Amerika  198  488  £,
nach  Afrika  32  988  £  und  nach  Asien  und  Australien  402162  £  (zusammen
662318  £)  ausgab.*)
Man  ersieht  daraus,  dass  im  Verkehr  nach  den  nahen  europäischen
Ländern  —  dieser  Verkehr  macht  43,2%  aller  Ins  Ausland  gehenden  Briefe
und  Postkarten  aus,  während  der  nach  Asien  11,7%,  nach  Afrika  12,2,  nach
Amerika  26,7  und  nach  Australien  6,2  %  beträgt  —  die  Beförderungskosten
die  geringsten  sind,  trotzdem  gerade  dieser  Verkehr  der  grösste  ist,  und
dass  daher  bei  einer  starken  Verkehrssteigerung  infolge  einer  Weltporto-*)
  Vgl.  Archiv  f.  Post  u,  Tel.  1E08,  S.  379  (nach  dem  engl.  Verwaltungsbericht).
        <pb n="185" />
        145

ermässigung  von  12 J / 2  auf  1  d  von  einer  die  vermehrte  Portoeinnahme  aufzehrenden ­
  Steigerung  der  Ausgaben  und  Selbstkosten  kaum  die  Rode
sein  kann.
Man  darf  sich  da  nicht  beirren  lassen.  Hach  der  Berner  Spezialstatistik
für  1906  (Eeleve-Expedition)  kann  man-  sich  berechnen,  dass  etwa  50  Millionen ­
  Briefe  (ohne  Postkax-ten)  und  insgesamt  etwa  93  Millionen  Bxiefpostsendungen
  aller  Art  aus  England  nach  europäischen  Ländern  gingen,  davon
(zum  Pennyporto)  1,5  Millionen  Briefe  und  2,4  Millionen  Sendungen  überhaupt ­
  nach  britischen  Kolonien  in  Europa.
Wenn  die  Seebeförderung  für  diese  Sendungen,  denen  aber  noch
etwa  1  150  000  Pakete  und  die  Wertsendungen  beizurechnen  wären,  28  680  £
gekostet  hat  (also  etwa  600  000  M),  so  würde  auf  jede  europäische
Briefpostsendung  Englands  im  Durchschnitt  knapp  %  Pfennig
Seeporto  entfallen,  für  Briefe  im  besonderen  natürlich  mehr,  für  andre
Dinge  dann  aber  weniger.  Palls  der  weite  überseeische  Kolonialpennyportoverkehr ­
  sich  axxch  nicht  rentiert,  der  europäische  Verkehr  würde  bei  einer
Steigerung  um  etwa  125  %  (vielleicht  schon  in  3—4  Jahren)  den  rechnerischen ­
  Ausfall  gewiss  bald  wettmachen  und  nachher  mehr  Einnahmen
schaffen  als  jetzt.
Ich  lasse  nun  unten  eine  Zahlentafel  folgen.  Die  englische  Post
pliegt  das  Gewicht  der  Briefe  und  Karten  schätzixngsweise  festzustellen;
die  Ermittelung  der  Stückzahl  oder  des  Gewichts  erfolgt  nicht  durchweg ­
  alle  Jahre.  Daher  sind  oft  bei  verschiedenen  Jahren  noch  dieselben ­
  Zahlen  angegeben.  Der  Verkehr  nach  Frankreich  wuchs  von
1898  bis  1905  um  65°/ 0 ,  der  nach  Deutschland  um  70%;  der  nach
Indien  (Pennyporto)  aber  um  109  # /o  (nach  3%  Jahren  um  45%),
der  nach  Afrika  (meist  britische  Länder)  bis  1905,  wo  der  Krieg  längst
vorüber  war,  sogar  um  272%,  und  der  nach  Canada  um  254%.  Nach
dem  noch  viel  entlegneren  Australien,  das  dem  Pennyportoabkommen  bis
Ende  1905  fern  blieb,  wuchs  der  englische  Brief-  und  Postkartenverkehr
dagegen  in  demselben  Zeitraum  (1898—1905)  bloss  um  61  °/ 0 ,  und  nach  den
viel  näheren  gleichspraohigen  Vereinigten  Staaten  mit  ihrem  x-egen
englischen  Wechsel  verkehr,  der  aber  nicht  den  Vorzug  eines  billigen  Pennyportos ­
  besass,  gar  nur  um'33%.  Das  gibt  doch  zu  denken!
Die  steigernde  Wirkung  der  Verbilligung  ist  unverkennbar.
Wenn  der  europäische  Verkehr  Englands  in  7—8  Jahren  auch  nur
ebenso,  wie  der  afrikanische  und  kanadische  um  250  bis  300  °/ 0  stiege,  so
würde  das  bei  Einführung  des  Weltpennyportos  nicht  bloss  die  vorübergehenden ­
  Einnahmeausfälle  wieder  gut  machen,  sondern  bald  darauf  zu
ansehnlichen  Mehreinnahmen  führen  und  zu  besonders  grossen  Mehrausgaben
kaum  Alllass  geben.  .

10
        <pb n="186" />
        146

147

a.  Statistik  des  Verkehrs  von  Briefen  und  Postkarten, 1 )  die  im  Vereinigten  Könignach
  der  Stückzahl,  teils  nach  dem  Gewicht,  immer  für  Briefe  und  Post-(In
  Tausenden.)  Lb  =  engl.  Pfund  (464  Gramm).

1894/5

1895/6

1896/7

1897/8

1898/9

1899/1900

Stückzahl

Stückzahl

Gewicht

Gewicht

Gewicht

Gewicht

Aus  England  gingen  nach

Briefen.  Karten

Briefen.  Karten

Lb

Lb

Lb

Lb

a.  Europa
darunter:
Prankreich  (mit  Algier

27380

27380

711,8

712,4

738,3

738,9

und  Tunis)  ....

7200

7200

201,4

201,4

209.4

209,4

Deutschland  ....

7130

7130

175,3

175,3

182,3

182,3

b.  Asien
darunter:
Indien  (mit  Aden  und

4150

4  740

130,9

148,1

160,4

197,3

Zanzibar)  ....

2  800

3  390

96,3

102,1

110,3

140,9

c.  Afrika
darunter:

2  630

2  630

98,2

105,4

109,6

111,6

Südafrika  (Kolonien)  .

—

—

—

—

—

d.  Amerika
darunter:
Kanada  (und  Neufund-14

  430

14  450

405,1

414,2

430,7

455,8

land)

2  450

2  450

64,1

03,6

69,5

82,6

Vereinigte  Staaten  .  .

10  180

10  180

277,8

287,6

296.1

304,6

e.  Australasien  .  .  .
darunter:

3  090

3  090

98,8

104,4

109,8

114,0

Neuseeland

—

--—



—

—

—

Gesamt-Summe

51  710

52  300

1  453,8

1  484,5

1  549,0

1617,6

i)  Die  Postkarten,  deren  Porto  im  Kolonial  verkehr  ebenso  wie  das  der  Briefe
1  Penny  beträgt,  sind  in  diesem  speziellen  Verkehr  sehr  wenig  zahlreich.  1906  wurden
neben  41,6  Millionen  Briefen  nur  2,8  Millionen  Postkarten  nach  den  Kolonien  aufgegeben,
während  insgesamt  neben  112,4  Millionen  Briefen  17  Millionen  Postkarten  ins  Ausland
gingen,  die  meisten  davon  nach  europäischen  Ländern  (etwa  12  Millionen),  wohin  das
Briefporto  noch  2'/ 2  d  beträgt.

reich  Grossbritannien  und  Irland  nach  andern  Ländern  aufgegeben  wurden  (teils
karten  zusammen  geltend).
(In  Tausenden.)  Lb  =  engl.  Pfund  (454  Gramm).

1900/1

1901/2

1902/3

1903/4

1904/5

1905/6

1906/7  i)  2 )

1906/7 8 )

1907/8  3  *  *  * )

Gewicht
Lb

Gewicht
Lb

j  Gewicht
!  Lb

Gewicht
Lb

Gewicht
Lb

Gewicht
Lb

Gewicht
Lb

Stückzahl
Briefe  n.  Karten

Stückzahl
Briefe  u.  Karten

764,5

1  089,0

'  1  145,0

1  202,0

1  259,0

1  306,5

—

—

—

271,0
259,0

270,0
271,0

285,0
285,0

300,0
300,0

315,0
315,0

329,0
310,0

■  340,0
339,0

15  337
15253

16  251
15  556

211,5

247,0

263,5

297,0

320.5

348,5

—

—

—

147,0

1G0,0

172,0

202,0

218,0

230,0

244,0

7954

8  290

349,0

457,0

415,0

389,0

435,0

410,0

—

—

—

298,0

400,0

355,0

320,0

352,0

323,0

283,0

11190

9  867

461,0

472,0

501,0

569,0

626,0

766,0

—

—

—

83,5
307,0

91,0
300,0

100,0
320,0

115,0
365,0

130,0
401,0

248,0
397,0

291,0
429,0

12880
18  708

14  277
20  807

117,0

135,0

139,0

148,0

158,0  i

178,0

—

6  407

7  000

_

35,0

39,0

—

52,0

56,0  |

1966

2  336

2  103,0

2  400,0

2  463,5

2  605,0

2  798,5

3  009,0

3  166,0

129  416

135  702*)

2 )  Die  Zahlen  dieser  Spalte  habe  ich  dem  Archiv  für  Post  und  Telegraphie  1908
entlehnt,  die  vorgehenden  Zahlen  dagegen  unmittelbar  den  Verwaltuugsberichten
(Reports)  des  englischen  Generalpostmeisters.  Das  Verwaltungsjahr  beginnt  am  1.  April.
8 I  Diese  Zahlen  findet  man  in  der  Berner  Statistik  „Releve“  (Expedition).  Leider
fehlen  da  die  Summen  für  die  einzelnen  Weltteile  und  für  die  Postvereinsländer.
4 )  Davon  17  342  000  Postkarten.

10*
        <pb n="187" />
        148

b.  Aus  Britisch-Indien  wurden  abgeschickt  nach  England  portopflichtige
Briefe  und  Postkarten  (in  Tausenden),  nach  der  Berner  Statistik:

1896
1898

2983
3068

Yerk  e  hr  s  zuw  ach  s
gegenüber  dem  Jahr
1898

1900

3529

-j-  15,3%

1901

3636

+  18,8%

1902

3912

+  -8,1  %

1903

4504

+  48,2  o/ 0

1904

5145

+  69,2%

1906

7241

+  139,1%

1907

7806

+  157,9%

c.  Aus  Neu-Seeland  gingen  frankierte  Briefe  (in  Tausenden)
(nach  der  Berner  Statistik,  Expedition):

nach

1898

1900

1901

1902

1904

Zun  ahme
gegenüber
1900

England  ....

673,5

722,9

966,1

1  114,98

1  305,—

+  «0%

Canada

11,9

16,4

22.2

23,4

28,0

+  72%

Britisch-Indien
Brit.  Austral-11,8



12,5

12,7

15,9

14,4

+  U%

asien

758,7

736,5

876  4

981,2

1  349,68

+  81%

Neuseeland  trat  am  1.  Januar  1901  dem  grosshritischen  Peunyportoabkommen
  bei  (vgl.  S.  267),  während  das  Weltporto  2%  Pence  beträgt.
Die  Verkehrssteigerung  infolge  der  Verbilligung  war  nach  den  Ländern
mit  regeren  Beziehungen  zu  ihm  recht  bedeutend.  Nach  Indien  war  sie
jedoch  sehr  gering.  Pür  1906  und  1907  fehlen  solche  Angaben  in  der
Berner  Statistik.

d.  Aus  Egypten  gingen  frankierte  Briefe  (in  Tausenden)
(vgl.  Berner  Statistik,  Expedition):

n  ach

1902

1904

1906

Zun  ab  me
gegenüber
1904

1907

Zunahme
gegenüber
1904

England  .

673

752

1  355,6

+  80%

1795,0

+  139%

Canada

3,0

5,1

7,84

+  55  %

7,82

+  55%

Sonstigen  britischen  Kolonien ­
  in  Amerika  ....

1,5

1,16

2,53

+  125%

3,04

+  170  %

Britisch-Indien

67,7

92,30

97,40

+  5%

119,36

+  80%

Sonstigen  britischen  Kolonien ­
  in  Asien

13,4

13,0

25,17

+  93%

41,66

+  220%

Britischen  Kolonien  in
Australasien

12,0

25,1

32,80

+  80%

65,82

+  162%
        <pb n="188" />
        149

Das  -Weltporto  von  10  Milliemes  (20  Pf.)  wurde  in  Egypten,  am
15.  Dezember  1905  im  Verkehr  mit  England  und  den  englischen  Kolonien
auf  5  Milliemes  (10  Pf.)  herabgesetzt,  während  in  den  britischen  Ländern
das  Pennyporto  (statt  2 1 / 2  d)  für  den  egyptischen  Verkehr  in  Kraft  trat.
Im  Verkehr  nach  England  fällt  die  grosse  Verkehrssteigerung  (+  139%)
auf;  nach  einigen  anderen  britischen  Ländern  ist  sie  teils  noch  grösser,  teils
aber  auch  viel  kleiner,  nach  Indien  geling,  vielleicht  wegen  der  wenig  regen
beiderseitigen  Beziehungen,  wegen  der  Sprachenverschiedenheit  der  Völker
und  weil  solche  Portoherabsetznngen  oft  erst  nach  vielen  Jahren  im  Lande
überall  bekannt  werden.  Die  Zahlen  für  1905  hatte  ich  leider  nicht  zur  Hand.

2.  Das  französische  Kolonialreichsporio  von  1899.
Wie  wir  gleich  sehen  werden,  sind  die  Verkehrssteigerungen  des
französischen  Verkehrs  verhältnismässig  gering,  doch  immerhin  beachtenswert. ­
  Der  geringe  Bevölkerungszuwachs  mag  hier  erheblich  mitspielen.
Doch  in  einzelnen  Kolonien  war  die  Briefzunahme  recht  bedeutend,  in
neun  Jahren  bis  zu  188%.
a)  Aus  Frankreich*)  gingen  frankierte  Briefe  (in  Tausenden)
nach  den  französischen  Kolonien  (nach  der  Berner  Statistik,  Exin

  Afrika
(ohne  Algier
und  Tunis)

in  Amerika

in  A  s  i  e  n  in  A  u  s  t  r  a  1  i  o  n

1896.

.  .  269,7

382,4

513,6

112,0

1898  .

.  .  288,1

408,5

548,0

119,7

1900.

.  .  312,5

443,1

595,1

129,8

1901  .

.  .  317,6

450,3

604,7

131,9

1902.

.  .  329,1

466,7

626,7

136,7

1906  .

.  .  410,2

581,5

781,1

170,4

1907  .

.  .  428,3

607,1

815,5

177,9

b)  Nach

Frankreich  gingen  aus  den

nachstehenden

französis

Kolouien  (Indochina)  frankierte  Briefe  (in  Tausenden):
aus  CocbincMna,
Cambodja  bind

aus  Anii  am
und  Tonldn

1896  .  .  104,7
(aus  Annam,  Tonldn
und  Ober-Laos)

Nieder-Lao
228,0

zusammen
(aus  Indocbina)


332,7

1898  .

.  214,1

340,3

500,4

1900  .

.  547,4

349,7

897,1

1901  .

.  575,2

430,9

1012,1

1903  .

1186,9

1186,9

1906  .

1489,1

1489,1  (=  +  lö5°/o  gegenüber
  d.  Jahre  1898)

1907  .

1613,3

1613,8  (=  +  188°/o  gegenüber ­
  1898)

*)  Die  Berner  Statistik  (Releve,  Expedition)  gibt  bis  1901  (einschliesslich) ­
  in  der  Überschrift  an:  „France,  y  compris  l’Algerie“;  doch,  werden
        <pb n="189" />
        150

aus  Guayana

aus  Guayana

1896  .

.  .  72,9  I

1906  .

.  .  160,8  (-(-104°/ 0  gegenüber

1898  -

.  .  81,6

1907  .

dem  Jahre  1898)

1900  .

.  .  110,6

.  .  —  (fehlt)

Frankreich  führte  im  Verkehr  mit  seinen  Kolonien  (Algier  war
schon  vorher  Postinland)  am  1.  Jannar  1899  das  interne  Briefporto  von
15  Centimes  für  15  g  (an  Stelle  des  Weltportos  von  25  Centimes)  ein.  Seit
dem  16.  April  1906  gilt  das  ermässigte  interne  Porto  von  10  Centimes  (8  Pf.)
für  15  g  (vgl.  S.  269  n.  163)  im  Inland  wie  im  Kolonialverkehr  (vgl.  „D.
Verk.-Ztg.“  1906,  S.  102).
3.  Das  deutsche  Kolonialreichsporto  von  1899.
Hierzu  ist  zunächst  folgendes  voransznschicken  um  falschen  Schlüssen
aus  den  statistischen  Zahlen  vorzubeugen,  da  besondere  Ereignisse  in  China
und  Westafrika  zeitweilig  einen  besonders  erlichten  Verkehr  schufen.  Infolge ­
  des  bekannten  Boxeranfstandes  wurden  s.  Z.  deutsche  Streitkräfte
nach  China  gesandt  und  im  Juli  1900  daselbst  ein  Peldpostdienst  eingerichtet, ­
  der  nach  Rückkehr  der  Peldtrnppen  mit  Ablauf  des  August
1901  wieder  sein  Ende  erreichte.  In  der  grossen  Zahl  portofreier  Sendungen
des  Jahres  1901  spiegelt  sich  dieser  Peldpostverkehr  wieder;  aber  auch  der
allgemeine  Verkehr  Kiautschous  wurde  durch  diese  Ereignisse  natürlich
beeinflusst,  wenn  auch  der  Krieg  in  andere  Gegenden  des  chinesischen
Reiches  fiel.
In  Deutsch-Süd  westafrika  nötigte  der  Herero-Auf  stand  zu  Anfang ­
  1904  ebenfalls  zur  Entsendung  eines  Expeditionskorps  und  zur  Errichtung ­
  eines  ausgedehnten  Peldpostdienstes.  Die  Feldpostsendungen
gingen  portofrei  oder  gegen  ermässigte  Taxe.  Bis  Ende  März  1906
wurden  aus  Deutschland  1  704  000  Briefsendungen  an  die  Truppen  abgeschickt ­
  und  3  330  000  gingen  von  da  in  der  Heimat  ein.
Im  Sommer  1905  brachen  auch  einige  Unruhen  in  Ostafrika  aus.
Das  interne  deutsche  Porto  für  alle  Arten  von  Briefpostsendungen
wurde  im  Verkehr  mit  den  deutschen  Kolonien  am  1.  Mai  1899  eingeführt, ­
  während  vorher  die  Weltportosätze  galten.  Wenn  auch  manche
anderen  Umstände  bei  der  nun  einsetzenden  starken  Verkehrssteigerung
teilweise  mitwirkten,  z.  B.  die  Vermehrung  der  Postanstalten  und  der  Ansiedler, ­
  und  wenn  auch  der  •  besondere  neue  Verkehr  infolge  der  Kriegswirren ­
  und  der  portofreien  Feldpostbriefe  mit  in  Betracht  zu  ziehen  ist,  so
lässt  sich  doch  der  grosse  Einfluss  der  alleinigen  Portoherabsetzung

zugleich  die  nach  Algier  i  aus  Frankreich)  geschickten  Briefe  in  der  Tabelle
angegeben.  Später  fehlt  der  Zusatz:  „y  compris  l’Algerie“.  Algiers  Briefverkehr ­
  nach  dem  Auslande  ist  übrigens  gering.  1907  schickte  es  8870000
frankierte  Briefe  nach  auswärts,  davon  aber  6  678  779  nach  Frankreich,
764  528  nach  Tunis  und  den  kleinen  Rest  nach  anderen  Ländern.
        <pb n="190" />
        151

als  solcher  deutlich  verfolgen,  besonders  in  Afrika,  wo  der  Aufstand  ja
erst  von  1904  ah  begann,  sowie  in  Australien.
Wir  gehen  vom  Jahre  1898  aus,  dem  Jahre  vor  der  Portoreform,  und
wollen  den  Briefverkehr  besonders  berücksichtigen,  dessen  Taxe  von  20
auf  10  Pf.  für  15  g  ermässigt  wurde  und  seit  dem  1.  April  1900  für  20  g
galt.  In  Kiautschou  stieg  dieser  Verkehr  nach  Deutschland  von  1898
bis  1900  etwa  um  95  %  und  bis  1907  hat  er  sich  reichlich  Terzwölffacht.
Der  Briefverkehr  der  deutschen  Schutzgebiete  in  Afrika
nach  dem  deutschen  Reichspostgebiet  wuchs  von  1898  bis  1900  ebenfalls  um
etwa  95°/o,  und  bis  1902,  in  4  Jahren,  um  etwa  180  °/ 0 .  Noch  vor  dem  Aufstande ­
  also!  Der  Briefverkehr  Deutsch-Australiens  nach  der  Heimat
hat  sich  von  1898  bis  1901,  in  3  Jahren,  um  593%  gehoben.
In  rrmgekehrter  Richtung,  aus  dem  Eeichspostgebiet  nach  den
Schutzgebieten,  wuchs  die  Briefzahl  nach  Kiautschorr  von  1898
bis  1900  schon  um  110%  und  bis  1907,  in  10  Jahren,  um  1310%;  die  nach
Deutsch-Afrika  von  1898  bis  1903,  in  5  Jahren,  um  204  %,  in  10  Jahren
um  etwa  1400%.  Die  Briefe  nach  Deutsch-Australien  haben  sich  von
1898  bis  1900  um  mehr  als  200%  und  in  10  Jahren  um  etwa  500%  vermehrt.
Auch  wenn  man  bei  allen  diesen  Verkehrssteigerungen  die  erwähnten
Nebenrimstände  mit  berücksichtigt,  so  bleibt  doch  noch  genug  übrig,  was
als  alleinige  Wirkung  der  bedeutenden  Portoherabsetzung  anzusehen  ist.
Das  zeigt  sich  am  meisten  bei  Deut  sch-Australien,  dessen  Verkehr  nach,
dem  Reich  sich  schon  in  2—3  Jahren  verfünffachte  und  in  umgekehrter
Richtung  verdreifachte,  ohne  dass  besondere  Umstände  dabei  wesentlich
mitspielten.
Ich  habe  im  übrigen  den  statistischen  Verkehrszahlen  auch  die  Zahl
der  Po  staust  alten  in  den  Schutzgebieten  beigefügt,  da  deren  Zuwachs
natürlich  eine  Erleichterung  der  Brief  auf  gäbe  bedeutete.
Leider  gibt  die  Reichspoststatistik  für  die  einzelnen  afrikanischen
Kolonien  keine  gesonderten  Zahlen  an.
Da  in  China  der  deutsche  Handel  und  deutsche  Unternehmungen
sich  auch  ausserhalb  Kiautschous  lebhaft  entwickeln,  so  wuchs  natürlich
der  Briefverkehr  ausserordentlich  in  diesen  Beziehungen,  auch  ohne  besondere
Portobegünstigung.  Eine  solche  würde  ihn  aber  sicherlich  noch  weit  mehr
fördern.  In  der  Tabelle  c  unten  sind  die  betreffenden  Zahlen  zu  finden.
Der  absolute  Verkehr  ist  ja  gering,  doch  die  verhältnismässige  Steigerung
sehr  stark.  Bei  Briefen  von  einigen  wenigen  grossen  kapitalkräftigen  Firmen
in  wichtigen  überseeischen  Geschäften  ohne  Massenpropaganda  spielt
natürlich  ein  Mehr  oder  Weniger  von  10  Pf.  beim  Porto  keine  Rolle.  Die
Zahl  der  deutschen  Firmen  in  China  findet  man  unten  (S.  304)  angegeben,
lieber  den  Briefverkehr  mit  Luxemburg  seit  1902  unterrichtet  Tabelle  d.
        <pb n="191" />
        152

a.  Nach  dem  ßeichspostgebiet  ans  den  Deutschen  Schutzgebieten
(in  Tausenden)

Gesamt-Stück
 ­


Drucksachen

Porto-.Briefe



Post-(D.-S.)



Warenfreie



dtsch.

frankiert

unfrankiert ­


karten

u.  Geschäftspapiere
  (G.-P.)

prohon

Briefsendnngen


Postanstalten ­


in:

Endo  des

Asien
(Kiautsohou)

Jahres

1898

83,9

46,4

—

36,3

0,4

0,04

0,71

i

1899

125,5

69,7

0,2

56,1.

0,7

0,08

2,30

i

'  D.-S.

G.-P.

1900

275.5

89,2

0.6

147,1

33.9

0,49

0,27

4,00
134.30

2

1901

568.3

165.0

0.0

242,2

24,9

0,44

1,40

3

1902

661,1

297.5

0.6

200,7

51,0

0,33

0,83

10,10

3

1903

549,3

222,7

0,1

280,6

15,3

—

0.88

29,70

3

1904

701,9

296.3

0,4

359,2

27,8

0,03

0,96

17,10

[)

1900

778.7

406,0

1,6

241,5

97,5

1.30

14,90

15,90

6

1900

799,2
866,1

442.6
588.6

4,2

220,2

106,2

4,80

15,80

5,40

7

1907

4,8

178,0

73,0

3,10

10,40

8,20

7

Afrika

1896

68.5

48,1

0,7

16,3

2,0

0,56

0,86

P

1897

89,0

58,1

0.8

24,0

5,1

0,27

0,79

38

1898

166,7

78.9

0.9

78,6

6,5

1,00

0.82

42

1899

234,5

93,6

0,7

120,7

0,72

0,74

53

'  D.-S.

G.-P.

1900

398,7

154,8

0,7

191,1
213.8

48.4

0,29

1,60

1,80

63

1901

428.4

176.0

0.9

35,2

0,14

1,80

1,50

64

1902

479.1

219.2

2,1

198.2

55,0

0,08

1,90

2,60

60

1903

510.1

222.7

2,7

225.1

51.0

1,00

4.40

3,20

71

1904

752,8

271.7

3,2

369,7

60,9

1,70

5,80

39,80

85

1905

2  835,0

757.6

5,2

691,2

176,9

2,20

36,50

1  165,50

90

1906

6  486.0

739,2

4,0

455,6

106,8

2,90

34,30

5  143.20

103

1907

1  994,1

547,8

3,7

238,3

138,2

2,50

29,50

1  034,10

129

Australien

1896

2,7

o  9

0,02

0,25

0,1

0.01

0,09

P

1897

3,0

1,9

—

0,51

0,6

0,01

0,04

6

1898

8,2

4,5

0.02

3,40

0,2

0.01

0,09

6

1899

9.97

5.9

0,02

3,00

0,9

0,06

0,10

9

D.-S.

G.-P.

0,15

1900

38,95

29,5

0,05

7,10

1,7

0,04

0,41

10

1901

45,39

31.2

0,04

11.40

2,0

0,03

0,19

0,53

10

1902

36,81

23,4

0,02

10.50

2,1

0,09

0,23

0.47

10

1903

30,69

14,6

0,03

13,00

2,1

0,46

0,10

0,40

13

1904

30,59

14,6

0,01

10,50

4.7

0,38

0,15

0,25

15

1905

34,20

24,0

0,20

5,40

3,4

0,10

0,80

0,30

18

1906

34,82

23,4

0,24

7,90

1,8

0,15

1,00

0.33

18

1907

37.04

23,7

0,13

8,80

3,8

0,05

1,00

0,16

19
        <pb n="192" />
        b.  Aus  dem  lleiclispostgebiet  nach  den  Deutschen  Schutzgebieten
(in  Tausenden)

Gesamt-Stück
 ­


Br
frankiert

efe
•  unfrankiert ­


Postkarten ­


Drucksachen
(D.-S.)
u.  Geschäftspapiere ­
  (G.-P.)

in:
Asien
(Kiautschou)

1898

56.1
88.1

38,3
60,0

—

8.3

8,4

1899

0,4

14,3

19,9
G.-P.'

1900

153,2

79.0

0.1

33,2

38,0

0,63

1901

245,5

72.0

—

03,3

29.0

0,49

1902

249,2

86.8

0,5

73,9

75,4

0,31

1903

454,5

181,4

0,7

148,6

119,8

0.45

1904

894,5

298.7

1,6

238,2

339,2

0.07

1905

992.1

471.1

8,6

171,3

235,9

2,00

1906

872,7

467,4

10.2

210,5

149,4  11,60

1907

935,8

539,1

7,4

247,3

107,5  12,40

Afrika

1896

140,4

48,3

1,4

9,6

78,9

1897

215,2

71,0

2,5

14,4

124,7

1898

245.8

76,7

2,0

28,7

1,35.1

1899

361.1

105,9

2,9

62,9

194,8
D,-S.  G.-P.'

1900

491.7

163,9
175.1

2,6

95,0

222,4

0,46

1901

539,6

3,4

112.4

288,5

1.10

1902

569.8

203.4

3,2

98.4

253.3

1,50

1903

718.1

233.9

2,6

159,4

308.1

1,80

1904

1  056,1

339,9

1,6

348.7

289,1

2,90

1905

3  175,5

1  003,1

12,4

268,9

1  153,8

3,40

1906

7  744,1

1  237,8

9,4

272,6

1  316,3'

6,80

1907
Australien

2  849,9

1192,4

5,8

210,9

604,2

5,00

1896

13,4

4.0

0,03

0,34

8,7

1897

10,2

3.1

0,03

0,39

6,2

1898

17,2

5,2

0,03

0,90

10.4

*

1899

18,4

5,4

0,01

1,60

10j9
D.-S.  G.-P.'

1900

36.7

17.0

0,04

3,90

14,7

0,01

1901

30,8

13,2

0,04

4,60

11.9

u.oi

1902

34.9

11,3

—

3.70

18,3

0,23

1903

43.7

15,2

0,02

7.20

19,8

0,35

1904

49,2

13,9

0,04

6,80

26,7

0,10

1905

65.5

29,6

0,30

6,80

24,1

0,30

1906

60,4

28,5

0,50

7,10

20,5

0,35

1907

70,3

31,1

—

9,00

27.0

0,04

Porto-Waren-
  freie
proben  Sendungen ­


0,06  1,00
2,10  1,40

0,75
1,30
1,80
1,60
4,00
12,40
14,30
12,50

1,50
70.40
10.50
1,90
12,70
50,80
9,30
9,10

1,4
1,2
li9
2,3

0,83
1,40
1,40
2,30

6,7
7,6
9,5
17,8
56.2
72.3
02,0

2,00
2,40
2,40
2,80
56,10
677,70
4  828,00
769,60

0,05
0,17
0,18
0,26

0,33
0,29
0,45
0,34

0,46
0,50
0,55
0,33
0,84
1,90
1,70
3.00

0,60
0,53
0,81
0,85
0,84
2,50
1,80
0,17
        <pb n="193" />
        154

c.  Verkehr  mit  den  deutschen  Postanstalten  in  China  (ohne  Kiautschou)
und  mit  dem  übrigen  China  (in  Tausenden).

ß.  NachdemReiohspostgehiet

ß.  Aus  dem  Reiohspostgehiet

ans

nach

Briefe

Postkart.

Briefe

Postkart.

frankiert

unfrank.

frankiert

unfrank.

China  (deutsche

Postanstalten)

1898

36.4

0,15

6,4

41,6

0,72

7,9

189!)

48,5

0,40

14,2

46,4

0,58

10,6

1900

73,6

0,52

16,3

66,5

0,26

18,7

1901

406,6

8,00

369,1

153,3

0,67

123,0

1902

298,1

2,10

267,7

251,7

4,30

148,1

1903

136,0

0,32

116,7

259,4

2,10

105,6

1904

157,7

0,65

359,2

247,1

2,50

97,2

1905

181,7

0,70

54,4

198,7

1,70

44,5

1906

132,3

0,75

66,8

247,7

2,40

71,3

1907

196,3

1,10

73,4

371,4

1,50

106,4

China  (ohne

Kiautschou  u.
ohne  die  deutschen ­
  Postanstalten) ­


1898

23,5

0,21

2  2

55,2

0,37

5,7

1899

43,9

0,18

7,3

59,0

0,44

5,7

1900

44,1

0,20

8,4

59,2

0,55

8,0

1901

62,9

0,26

11,3

68,1

0,63

10,5

1902

70,2

0,43

33,9

86,9

0,34

19,2

\  a) 1 )

29.1

0,19

10,0

12,0

0,13

3,4

1903  |  b)2)

42,2

-  0,11

11,3

67,3

0,30

15,6

1  a )
1904  |  b)

109,4
14,8

0,49
0,05

35,4
4,3

13,0
65,9

0,15
0,35

3,7
15,7

/  a)
1905  [  b)

69,0
26,1

0,31
0,09

22,3
7,7

25,7
59,3

0,29
0,31

7,4
14,2

(  a)

82,0

0,70

21,7

40,2

0,51

9,6

1900  {  b)

30,9

—

6,2

50,4

0,63

13,6

(  a)
1907  b)

128,1
20,9

0,32

31,4
3,2

50,9
36,1

0,27
0,05

15,8
4,9

*)  a)  Ansserdentsche  Yereinspostanstalten.
2 )  h)  Sonstiges  China.
        <pb n="194" />
        155

d.  Der  Briefverkehr  zwischen  Deutschland  und  Luxemburg'.
{Postverein  seit  dem  1.  Oktober  1902,  Briefporto  für  20  g  10  Pf.  oder
12’/a  Centimes,  vorher  20  Pf.  oder  25  Centimes.)
Nach  der  Berner  Statistik  (Expedition)  und  der  deutschen  Reichspoststatistik.

Aus  Luxemburg
nach  Deutschland
(m.  Bayern  u.  Württbg.)
Briefe
(in  Tausenden)

Arrs  Deutschland
nach  Luxemburg
(in  Tausenden)

Aus  dem  Deutschen
Reichspostgebiet
nach  Luxemburg
(in  Tausenden)

1901

546

Zunahme
gegenüber
1901

1189

Zunahme
gegenüber
1901

990

Zunahme
gegenüber
1901

1902

740

+  35%

1433

+  20  o/o

1185

+  19%

1903

952

+  75  %

1687

+  41  %

1409

+  41  %

1904

1149

+  109  %

1867

+  56  o/o

1565

+  57  %

1905

—

—

—

—

1663

+  66%

1906

1159

+  m°/o

2161

+  81  %

1741

+  75  o/ 0

1907

1533

+  182%

2262

+  1&amp;gt;0  o/o

1803

+  87  o/o

Es  fällt  auf,  dass  die  Briefe  aus  Luxemburg  nach  Deutschland  stärker
gewachsen  sind  als  in  umgekehrter  Richtung.  Eine  Steigerung  von  182  %
in  6  Jahren  ist  jedenfalls  sehr  bedeutend  und  führt  schon  zu  Mehreinnahmen ­
  gegen  früher.  Bei  einem  Wachstum  von  90  %  während  einer
Porto-Ermässigung  um  50  %  ist  zwar  noch  eine  gewisse  Mindereinnahme
festzustellen,  aber  im  wesentlichen  ist  sie  schon  überwunden.
        <pb n="195" />
        Kapitel  IX.
Einnahmeausfälle  und  Mehrausgaben.
Mit  genauen  Ausfallberechnungen  für  50  Länder.
A.  Die  fachmännischen  Finanzeinwände.
Die  Einführung  des  Weltpennyportos  stösst  eigentlich
immer  nur  auf  einen  einzigen  Einwand  der  Postverwaltungen:  die
finanziellen  Mindereinnahmen  infolge  der  Portoherabsetzung.
Der  britische  G-eneralpostrneister  sprach  sich  wiederholt  in
diesem  Sinne  aus  und  erklärte  erst  kürzlich  wieder  im  englischen
Unterhause,  dass  ein  10  Centimes-Porto  zwischen  England  und
Frankreich  bei  der  gegenwärtigen  Finanzlage  nicht  möglich
wäre,  weil  alsdann  auch  eine  gleiche  Portoermässigung  mit  den
übrigen  Ländern  Europas  notwendig  würde,  woraus  sich  ein
Einnahmeausfall  von  10  Millionen  Franken  ergäbe. 1 )  Das  ist
natürlich  sehr  reichlich  und  ohne  Berücksichtigung  des  voraussichtlichen ­
  Mehrverkehrs  gerechnet,  da  die  theoretische  Mindereinnahme ­
  nach  der  Statistik  für  1907  sich  bloss  auf  350  000  £
belaufen  würde,  das  sind  etwa  8,75  Millionen  Franken,  während
infolge  der  voraussichtlichen  Verkehrszunahme  der  wirkliche
Ausfall  vielleicht  nur  5  Millionen  Franken  oder  4  Millionen  Mark
betrüge.
Auch  in  Deutschland  werden  stets  die  finanziellen  Bedenken
dagegen  geltend  gemacht.  Der  Staatssekretär  des  Reichspostamts ­
  Kraetke  äusserte  dieselbe  Befürchtung  ansehnlicher  Einnahmeausfälle ­
 1  2 ),  und  die  halbamtliche  „Deutsche  Verkehrszeitung“

1 )  „Deutsche  Verkehrszeitung“  1909,  S.  295.
2 )  z.  B.  1907  im  Reichstage,  vgl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“
1907,  S.  324.
        <pb n="196" />
        157

hat  diese  wiederholt  abgeschätzt,  noch  im  Jahrgang  1905  (S.  417)
z.  B.  auf  10  Millionen  M,  und  einen  Wegfall  oder  eine  erhebliche
Herabsetzung  der  Transitgebühren  als  vorhergehende  Voraussetzung ­
  des  10  Pf.-Portos  für  internationale  Briefe  erklärt.  In
einem  grossen  Leitartikel  ihrer  Hummer  (Nr.  50)  vom  11.  Dezember
1908(8.623—025),  wo  die  „Herabsetzung  des  Briefportos  im  deutschamerikanischen ­
  Verkehr“  behandelt  wird  (vgl.  unten  8.  288  ff.),
erinnert  sie  daran,  dass  ein  Brief  im  Durchschnittsgewicht  von
13,6  g  von  Deutschland  nach  New-York  beim  Wege  über  Belgien
und  Frankreich  an  diese  zwei  Länder  zusammen  3,26  Pf.  an
Landtransitgebühren  und  ferner  4,89  Pf.  an  Seetransitgebühr  zu
zahlen  hätte.  Bei  einem  Porto  von  10  Pf.  blieben  also  der  deutschen
Post  kaum  2  Pf.  übrig  und  der  amerikanischen  im  umgekehrten
Falle  unter  dem  Satze  von  2  Cents  oder  8,4  Pf.  fast  nichts.
Damit  würden  nicht  einmal  die  Selbstkosten  gedeckt,  und  eine
Verkehrssteigerung  käme  hier  bloss  einer  Steigerung  des  Defizits
gleich.  „Weltpennyporto  und  Rentabilität“,  heisst  es  weiter,
„das  ist  überhaupt  eine  sehr  kitzliche  Frage,  über  die  am  leichtesten
die  gänzlich  unbefangenen  Leute  hinweg  kommen“.
In  derselben  halbamtlichen  „Deutschen  Verkehrszeitung“
folgte  am  26.  März  1909  (Nr.  13,  S.  225—229)  ein  weiterer
langer  Artikel,  betitelt;  „Zur  Frage  eines  10  Pf.-Weltportos
für  Briefe“  vom  Ober-Postinspektor  H.  Herzog  zu  Berlin,  der
durch  mancherlei  gediegene  Arbeiten  in  der  Fachpresse  bekannt
ist.  Unter  dem  gleichen  Titel  hatte  er  s'chon  vorher  am
25.  Februar  1909  im  „Tag“  (Nr.  47),  einen  ähnlichen,  nur  etwas
kürzeren  Aufsatz  veröffentlicht.
Ich  will  auf  diese  Arbeiten  hier  ein  wenig  eingehen,  weil
sie  die  Ansichten  fachmännischer  und  amtlicher  Kreise  offenbar
widerspiegeln.  Herzog  hegt  auch  grosse  finanzielle  Bedenken
gegen  das  Weltpennyporto,  worüber  nach  ihm  „recht  irrige  Vorstellungen ­
  obwalten“.  Er  untersucht  die  Frage  dann  planmässig
nach  verschiedenen  Richtungen.
1.  Er  betrachtet  zunächst  die  Wirkung  auf  die  Posteinnahmen.
a)  Der  Hinweis  auf  eine  erhebliche  Yerkehrssteigerung  sei  berechtigt. ­
  Der  Briefverkehr  Englands  nach  Indien  sei  infolge  des  Pennyportos ­
  (seit  dem  2ö.  Dezember  1898)  schon  im  ersten  Jahre  um  30%,  nach
6  Jahren  aber  um  100%  gestiegen.  Doch  in  Ländern,  wo  nicht  von  20
        <pb n="197" />
        auf  10  Pf.,  sondern  von  25  Centimes  auf  10  Centimes  heruntergegangen
werde,  wäre  eine  Steigerung  um  „rund  150  %“  nötig,  um  die  alte  Portoeinnahme ­
  wieder  zu  erzielen.  Doch  nicht  in  allen  Ländern  würde  die  Verkehrszunahme ­
  gleich  schnell  und  hoch  sein,  z.  B.  von  Indien  nach  England
sei  sie  erst  um  65  %  in  6  Jahren  gewachsen  (vgl.  S.  148).
b)  Da  der  Y er kehr  a her  alljährlich  ohnehin  meist  steige
(mindestens  um  4%),  so  müsse  diese  natürliche  Steigerung  ohne  Portoermässigung
  auch  berücksichtigt  werden,  wenn  man  die  alte  Gesamteinnahrae’
als  wiedererzielt  annehme.  Also  in  6  Jahren  wären  6X4%  =  24%  noch
besonders  abzurechnen.  (NB.  Es  gibt  ja  noch  viel  höhere  natürliche  Steigerungen, ­
  aber  es  gibt  manchmal  auch  Stillstand  und  Rückgänge.)
c)  Von  den  972  Millionen  Briefen  nach  dem  Auslande,  die  in  der
Weltpoststatistik  für  1908  in  den  wichtigsten  Ländern  der  Welt  angegeben
werden,  schätzt  Herzog  35  %,  die  bereits  nach  billigeren  Postvereinstarifen
befördert  werden;  dagegen  65%  oder  630  Millionen  unterlägen  dem  Weltposttarife ­
  von  25  Centimes.  Bei  Herabsetzung  auf  10  Centimes  ergäbe  sich  auf
jeden  Brief  ein  Verlust  von  15  Centimes.  Bei  Berücksichtigung  einer  natürlichen ­
  Verkehrszunahme  von  4  %  und  einer  ausserordentlichen  von  26  %
(zusammen  30%)  im  ersten  Jahre  ergäbe  sich  danach  ein  Verlust  von
56  Millionen  Mark  für  dieses  erste  Jahr  (NB.  aber  verteilt  auf  etwa  80  verschiedene ­
  Postverwaltungen,  d.  h.  im  Durchschnitt  7001)00  M  auf  jede  Verwaltung). ­
  Deutschland  hätte  8  Millionen  zu  verlieren,  „ähnlich  hohe
Einbussen“  würden  Amerika,  England  und  Frankreich  erleiden.  (Wir
werden  unten  Näheres  darüber  finden.  S.  191  f.,  177  f.,  179  f.)
2.  Dazu  käme  eine  „erhebliche  Steigerung  der  Ausgaben“.
a)  Das  Weltporto  setze  voraus,  dass  man  für  diesen  Preis  einen
eigenen  Brief  nach  dem  Auslande  und  —  unentgeltlich  —  einen  fremden
Brief  aus  dem  Auslande  befördere.  Wenn  der  Verkehr  in  beiden  Richtungen
erheblich  stiege,  würden  auch  das  Personal,  die  Beförderungsmittel,
das  Pack  material  steigen  müssen,  besonders  auf  den  Haupt-Bahnpostrout ­
  e  n  und  A  u  s  w  e  c  h  s  e  1  u  n  g  s  a  n  s  t  a  11  e  n.  Das  französische  Inlandsporto,
am  16.  April  1906  von  15  auf  10  Centimes  ermässigt,  hätte  etliche  Millionen
Mehrausgaben  zur  Bewältigung  der  Verkehrssteigemng  beansprucht.
b)  Die  Steigerung  des  WeltbriefVerkehrs  erfordere  „wesentlich
höhere“,  „recht  erhebliche  Summen“  an  vermehrten  Transitentschädigungen ­
  (vgl.  S.  84  u.  290),  welche  nach  überseeischen  Ländern  oft
höher  wären  als  die  Portoeinnahme  von  10  Pf.  Ein  Brief  von  15  g  Gewicht
von  Berlin  über  Hamburg  nach  Rio  de  Janeiro  hätte  9,6  Pf.  Seetransit  zu
bezahlen,  ein  gleich  schwerer  Brief  über  Sibirien  nach  Japan  16,2  Pf.  Transit.
Bei  Berücksichtigung  des  Durchschnittsgewichts  von  13,6  g  ergäben
sich  folgende  Transitkosten  und  Portoeinnahmen  für  die  nachstehenden ­
  Briefmengen,  die  1906  aus  Deutschland  nach  anderen  Ländern
gingen.
        <pb n="198" />
        159

Nach

Briefzahl

Durchschn.
Transitsatz ­

für  1  kg
M

Summe
der
Tran  sitgobühren

M

Portoei
bei  20  Pf.
M

n  nah  me
bei  10  Pf.
M

Italien

5  316  000

1,20

66  757

1  063  200

531  600

England

16  755  000

1,20

273  441

3  351  000

1  675  500

Portugal  ......

655  000

2,40

21  314

130  600

65  300

Argentinien

605  000

9,40

77  343

121  000

60  500

Britisoh-Südafrika  .  .

356  000

8,80

42  600

71  200

35  600

Japan

201  000

10,40

28  423

40  200

20  100

Die  höhere  Reineinnahme  des  transitfreien  Verkehrs  mit  den
Nachbarländern  könne  nicht  im  „erwünschten  Umfange“  einen  Ausgleich ­
  für  die  hohen  Transitzahlungen  des  überseeischen  Verkehrs  schaffen.

3.  Das  10  Pf.-Weltporto  würde  also  „auf  Jahre  hinaus“  eine
„beträchtliche  Einnahmeminderung“  sowie  Mehrausgaben  im
Gefolge  haben,  die  mit  der  Verkehrszunahme  nur  noch  steigen
würden,  zugleich  würde  es  auch  für  Weltpostkarten  eine  Portoermässigung
  mit  sich  bringen  (im  englischen  Kolonialverkehr  seit  11  Jahren  bisher
aber  nicht!)  und  dadurch  weitere  Einbussen  und  Ausgabesteigerungen  veranlassen. ­
  In  Ländern  mit  höherm  Inlandsporto  (Russland  7  Kopeken  =  15  Pf.,
Italien  15  Centimes  =  12  Pf)  müsste  auch  dessen  Herabsetzung  erst  vorausgehen ­
  (?).

4.  In  „naher  Zeit“  sei  ein  allgemeines  10  Pf.-Weltporto  daher ­
  „ausgeschlossen“.
a)  Dagegen  würde  „im  Laufe  der  Zeit  durch  besondere  Vereinbarung
noch  diese  oder  jene  Taxherabsetzung“  von  Land  zu  Land  sicherlich  erfolgen, ­
  doch  voraussichtlich  „nur  ganz  allmählich“.
b)  „Ein  wesentliches  Hindernis  (?)“  weiterer  Taxermässigungen
  bildeten  die  hohen  Briefposttransitgebühren,  die  erst  erheblich ­
  herabgesetzt  werden  müssten,  besonders  auch  die  Seetransite. ­
 3 )  „Nach  alledem“,  so  schliesst  Herzog,  „erscheint  es  aus3 ­
 )  Herzog  betont,  dass  diese  Seetransitgebühren  nicht  den  Postverwaltungen,
  sondern  den  befördernden  Schiff  sges  eils  chaft  en  zuflössen,  die  zum
Teil  noch  höhere  Sätze  hätten,  als  der  Weltpostvertrag  vorsehe.  Aber  bei  den  subventionierten ­
  Postdampferlinien  f  1  i  o  s  s  e  n  die  Transiteinnahmen  in  der
Regel  oder  stets  doch  der  subventionierenden  Postverwaltung  zu.  Aus
dem  Wortlaut  z.  B.  des  Vertrages  zwischen  dem  Deutschen  Reich  und  der  ostasiatischen
sowie  afrikanischen  Postdämpferlinie  ist  das  zu  ersehen  (vgl.  Reichstagsdruoksacho
Nr.  103,  1897/98,  S.  49  und  Nr.  702,  1898/1900,  S.  44),  denn  es  heisst  da:  „Alle  aus  dem
Postbeförderungsdienste  herrührenden  Einnahmen  bezieht  das  Reich“  (Artikel  10  und  13).
Auch  in  der  Reichstagsrede  des  Staatssekretärs  Krätke  zu  Anfang  März  1909  (vgl.
Archiv  f.  P.  u.  T.  1909,  S.  231)  findet  man  näheres  darüber.  Das  Buch  von  G.  Jaensch
».Die  deutschen  Dampfersubventionen“  (Berlin  1907)  hatte  ich  leider  keine
Gelegenheit  einzusehen.  Natürlich  mögen  die  Verhältnisse  in  andern  Ländern  verschieden ­
  sein.
        <pb n="199" />
        160

geschlossen,  dass  die  gegenwärtigen  Yerkehrsverhältnisse  eine
sprunghafte  Entwickelung  des  Briefportos,  wie  sie  von  interessierten ­
  Kreisen  befürwortet  wird,  Anlassen.  Ebenso  wie  der
Gedanke  des  alle  Völker  der  Erde  umfassenden  Weltpostvereins  lange  Jahre
zu  seiner  Durchführung  gebraucht  und  sich  nur  ganz  allmählich  Geltung
verschafft  hat,  darf  auch  im  Tarifwesen  nur  auf  eine  schrittweise  fortschreitende ­
  Ermässigung  der  Taxen  gerechnet  werden  ....  Dieser
Weg  ist  klar  vorgezeichnet:  allmähliche  Herabsetzung  und  Beseitigung ­
  oder  Ablösung  der  Transitgebühren  und  Hand  in  Hand
damit  Einführung  ermässigter  Taxen  zwischen  einzelnen
Ländern  und  deren  Zusammenschluss  zu  grösseren  Verbänden,
die  schliesslich  zu  einem  Ganzen  verschmolzen  werden.  Nur  auf
diesem  Wege  ist  das  Problem  der  Einführung  eines  10  Pf.-Weltbriefportos
  zu  lösen.“
Diese  Ausführungen  eines  im  Reichspostamt  tätigen
tüchtigen  deutschen  Fachmannes  wollen  berücksichtigt  werden,
wenn  man  sich  mit  dem  Weltpennyporto  auseinandersetzt  und
dabei  eine  andere,  weit  weniger  schwarzseherische  Auffassung
vertritt.  Ich  will  deshalb  auf  die  einzelnen  Punkte  kurz  eingehen.

1.  Es  ist  zuzugeben,  dass  die  Verkehrssteigerung  in  manchen
Ländern  geringer  sein  wird;  aber  andererseits  ist  anzunehmen,  dass  sie
gerade  im  mächtigen  täglichen  Verkehr  mit  den  wichtigen  Nachbarländern
grösser  und  schneller  sein  wird,  als  mit  den  fernen  überseeischen  Ländern
oder  Kolonialgebieten,  wobei  die  Sprache  und  die  Grösse  der  Handelsbeziehungen ­
  natürlich  mitspielen.
a)  Englands  Briefverkehr  (Briefe  und  Postkarten)  nach  Kanada
wuchs  von  1895  bis  1907  von  2,45  auf  14,28  Millionen  oder  um  492  %:  der
noch  viel  regere  Verkehr  nach  den  Vereinigten  Staaten  in  derselben  Zeit
aber  nur  von  10,18  auf  20,81  Millionen  Stück  d.  h.  bloss  um  105%.
Im  Verkehr  nach  Kanada  wurde  Ende  1898  das  Pennyporto  für
Briefe  eingeftthrt,  nach  den  Vereinigten  Staaten  aber  galt  unverändert  das
höhere  Porto  von  2%  d.  Man  sieht  also  den  gewaltigen  Unterschied!
Leider  gibt  die  englische  Statistik  nicht  für  alle  Jahre  die  Stückzahl  an.
Aber  sie  teilt  wenigstens  das  Gewicht  der  Briefe  und  Postkarten
für  die  andern  Jahre  mit.  Von  1898  (wo  das  Pennyporto  erst  am  25.  Dezember ­
  in  Kraft  trat)  bis  1906  wuchs  das  Quantum  nach  Kanada  um
321%  (von  69500  auf  291  000  engl.  Pfund),  nach  der  Union  aber  bloss
um  45,8  %  (von  296,100  auf  429  000  Lb).  (Vgl.  S.  147).  Das  gibt  doch  zu
denken!  Beachtenswert  war  nur,  dass  der  Verkehr  nach  so  fernen  Ländern
in  den  ersten  paar  Jahren  nicht  so  schnell  stieg,  vielleicht  weil  die  Bevölkerung ­
  sich  erst  an  die  Vorteile  der  Verbilligung  gewöhnen  muss  und
sie  im  Anfang  nicht  gleich  ausnützt.
        <pb n="200" />
        —  1G1  —
Aus  Indien  nach  England  stieg  der  Brief-  und  Kartenverkehr  seit
1898,  unter  dem  Pennyporto,  bis  1904  allerdings  bloss  um  69%,  bis  1907
aber  dann  um  158%  (gegenüber  dem  Jahr  1898).
Egyptens  Briefverkehr  nach  Grossbritannien,  seit  dem  15.  Dezember ­
  1905  von  20  auf  10  Pf.  ermässigt,  wuchs  schon  bis  1907  um  139%
gegenüber  dem  Verkehr  von  1904,  dem  Jahre  vor  der  Reform,  also  in  drei
Jahren;  nach  gewissen  britischen  Kolonien  in  Asien  sogar  um  220%,  nach
Indien  freilich  bloss  um  30%;  aber  die  grosse  Steigerung  kommt  vielleicht
hier  einige  Jahre  später  nach.
Der  Deutsche  Briefverkehr  nach  Kiautschou  wuchs  unter  dem
10  Pf.-Porto  (seit  dem  1.  Mai  1899)  von  1898  bis  1900  um  110%,  bis  1907
aber  um  1310%;  nach  den  deutschen  Schutzgebieten  in  Afrika  in  5  Jahren
um  204%,  in  10  Jahren  um  1400%,  nach  Deutsch-Australien  um  200
bzw.  500  %.  Darüber  findet  man  oben  (S.  151  u.  153)  näheres.
Nach  Luxemburg  wuchs  die  Briefzahl  in  6  Jahren  freilich  bloss
um  90%,  umgekehrt  aber  um  182%;  doch  das  wird  seine  Gründe  haben.
Wir  ersehen  hieraus  jedenfalls  die  Steigerungsmöglichkeiten.
Beim  transitfreien  Verkehr  mit  Nachbarländern  fallen  viele  der  geäusserten
  Bedenken  ganz  weg.
Nicht  zu  unterschätzen  sind  aber  die  Nebenwirkungen  eines
gesteigerten  Auslandsverkehrs  auf  den  Inlandsverkehr,  da  z.  B.
Bestellungen  aus  dem  Auslande  sehr  häufig  zu  zahlreichen  Briefen  im  Inlande ­
  führen,  die  sich  auf  die  Ausführung  der  Bestellung  für  den  Ausländer ­
  beziehen.  Natürlich  kann  man  diese  nicht  ziffernmässig  nachweisen.
Aber  an  den  Gesamteinnahmen  merkt  man  sie  Und  die  Indirekten
Pracht-  und  Zolleinnahmen,  durch  den  erleichterten  Weltbrief  verkehr
gefördert  und  veranlasst,  bedeuten  auch  Einnahmen  der  Staatskasse.  Es
wäre  doch  ein  enger  Ressorteifer,  wenn  man  bloss  darauf  Wert  legte,
dass  gerade  die  Postkasse  mit  hohen  Einnahmen  paradieren  müsse!
I»)  Die  alljährliche  natürliche  Verkehrssteigerung  kann  man
gewiss  theoretisch  mit  in  Betracht  ziehen.  Aber  die  Staatskassen  legen
bei  Tarifreformen  mit  Ermässigungen  zunächst  bloss  auf  die  Vermeidung
wirklicher  Mindereinnahmen  gegenüber  dem  Vorjahre  wert.  Denn  auch
der  Vorteil  für  das  Publikum  und  die  Volkswirtschaft,  für  Handel  und
Verkehr,  ist  doch  in  Betracht  zu  ziehen.
Wenn  man  aber  Tarife  unklug  erhöht  und  dann  durch  den  Minderverkehr ­
  auch  noch  Mindereinnahmen  erzielt,  dann  haben  sowohl  Publikum
wie  Staatskasse  Nachteile.  Die  natürliche  Verkehrszunahme  fällt  weg  und
die  Abnahme  nützt  niemandem,  schadet  aber  vielen.
c)  Im  Jahre  1907  —  nach  der  neuesten  Weltpoststatistik,  die  aber
nur  97  von  135  Vereinsländern  mit  91  %  der  Einwohner  des  Weltpostvereins
umfasst  —  wurden  insgesamt  17  668  Millionen  Briefe  (neben  5637  Millionen ­
  Karten  und  15  585  Millionen  Drucksachen  usw.)  im  Inlandsverkehr

11
        <pb n="201" />
        162

und  im  Auslandsverkehr  beider  Richtungen  befördert.  Von  jener  Briefzalil
gingen  1019  Millionen  frankierte  und  21,5  Millionen  unfrankierte
Briefe  in  der  Richtung  nach,  dem  Auslande  (aus  89  Ländern).
Die  Gesamtstatistik  aller  Länder  würde  wohl  um  gute  10° ;o  höher
sein.  Die  gesamten  Einnahmen  beliefen  sich  1907  auf  3775  Millionen  Franken,
die  Überschüsse  auf  442  Millionen.'  Das  Personal  zählte  1  394  247  Köpfe
(L’Union  postale  1909,  Nr.  4,  S.  64).
Ich  habe  mir  nun  die  Mühe  gemacht,  bei  50Ländern  mit  10  44  M  i  11  i  o  ne  n
frankierten  Briefen  in  der  Richtung  nach  dem  Auslande  fest&amp;gt;-zustellen,
  dass  bereits  über  40%  (419  Millionen)  davon  zu  ermässigten
Postvereinstarifen,  in  der  Regel  zum  Inlandsporto,  verschickt  werden,
während  51,2%,  vielleicht  auch  58%  noch  das  internationale  Weltporto
entrichten.  Da  ich  die  vielstelligen  Verkehrszahlen  stets  verkürzte  und
dann  auf-  oder  ab  rundete  und  dasselbe  bei  den  Verhältniszahlen  tat,  8o
stimmen  natürlich  die  Additionen  nicht  immer  genau,  doch  genau  genug
für  unsere  Zwecke.  Auch  nahm  ich  ein  paar  Länder  hinzu,  die  in  der
allgemeinen  Statistik  für  1907  nicht  stehen,  sondern  in  früheren  Jahrgängen
oder  nur  in  der  Spezialstatistik  (Expedition).  Daher  gewisse  kleine  Unstimmigkeiten ­
  beim  Addieren.
Die  übrigen  40  Länder  in  der  allgemeinen  Statistik  (1907),  meist  Schutzgebiete, ­
  haben  zusammen  nur  etwa  5  Millionen  Briefe  nach  dem  Auslande
aufzuweisen  und  kamen  für  unsere  Zwecke  nur  wenig  in  Betracht.
Ich  fand  nun,  dass  für  jene  obigen  wichtigsten  50  Länder
zusammen  durch  das  Weltpennyporto  ein  theoretischer  Einnahmeausfall ­
  von  66,8  Millionen  Mark  entstehen  würde,  während  die
Gesamteinnahme  aller  Verwaltungen  3048  Millionen  Mark  und
der  Überschuss  358  Millionen  Mark  beträgt.
Natürlich  sind  diese  Ausfälle  sehr  ungleich  verteilt.  Für  Deutschland ­
  (mit  Bayern  und,  Württemberg)  ergeben  sich  11,75,  für  die  Reichspost
  allein  9,84  Mill.  M,  für  Österreich  nur  3,63,  für  Frankreich  10,
für  England  7,14,  für  Italien  3,95,  für  Russland  2,65,  für  die  Vereinigten ­
  Staaten  5,22,  für  die  Schweiz  2,86,  für  Belgien  3,27,  für
Holland  1,77,  für  Dänemark  0,63,  für  Schweden  0,70  Millionen  Mark.
Die  Schweiz  und  Belgien  würden  verhältnismässig  allerdings  stark  getroffen,
weil  sie  es  bisher  versäumt  haben,  im  Verkehr  mit  den  wichtigsten  Nachbarstaaten ­
  das  Inlandsporto  einzuführen,  obwohl  der  nahe  und  rege  Verkehr
sowie  die  Gleichsprachigkeit  das  längst  gerechtfertigt  hätte.
Da  die  eben  erwähnten  13  Länder  zusammen  schon  einen
theoretischen  Ausfall  von  63,3  Mill.  M  ergeben,  so  ist  der  Verlust
der  übrigen  37  anderen  Länder  zusammen  nur  3,55  Mill.  M;  er  ist
also  verschwindend  gering  bei  dieser  %-Mehrheit.
Natürlich  fällt  die  Mindereinnahme  in  Wirklichkeit  fast  immer  viel
kleiner  aus,  als  in  der  Rechnung  auf  dem  Papier,  schon  der  Verkehrssteigerung ­
  wegen.
        <pb n="202" />
        163

2.  Nun  die  „erhebliche  Steigerung  der  Ausgaben“!  Dürfte
sie  wirklich  so  erheblich  sein?
a)  In  Frankreich  wurde  nach  der  Inlandsportoermässigung  vom
16.  April  1906  allerdings  das  Personal  (bis  Ende  1906)  um  ‘2652  Köpfe  unter
einem  Aufwande  von  2,96  Millionen  Mark  vermehrt  und  mit  den  vergrösserten
Diensträumen  u.  dergl.  wurden  3,52  Mül.  M  mehr  ausgegeben  —  vgl.  Deutsche
Verkehrs-Ztg.  1907,  Nr.  28,  S.  368  —  während  die  Briefzahl  bis  zum  31.  Dez.  1906
um  113,2  Millionen  oder  17%  stieg.  Aber  ist  denn  so  genau  ermittelt,
dass  diese  Mehrausgaben  nur  der  Brief  Steigerung  zur  Last  zu
legen  sind?  Wuchsen  nicht  ganz  von  selbst  im  inneren  Verkehr  auch  die
Drucksachen  in  Frankreich,  z.  B.  von  1903  auf  1904  um  146  Millionen
Stück,  von  1904  bis  Ende  1906  aber  um  223  Millionen  Stück?  Die  Briefe
stiegen  von  1903  auf  1904  um  17  Millionen,  die  Warenproben  1904  bis  1906
um  10  Millionen,  die  internationalen  Briefpostsendungen  von  1904  bis  1906
um  30  Millionen?  Kann  man  da  auch  nur  die  Hälfte  jener  Mehrausgaben
allein  der  Briefportoermässigung  zuschreiben?  Werden  in  Deutschland
nicht  alle  Jahr  regelmässig  2—3000  Köpfe  mehr  eingestellt?
Auch  ohne  Tarifermässigungen!
Wenn  das  Weltpennyporto  auch  bei  einer  späteren  grossen  Verkehrssteigerung ­
  mit  Mehreinnahmen  keinen  vermehrten  Beingewinn  ergäbe,
wäre  denn  der  Reingewinn  für  die  Nation,  für  Verkehr  mid  Handel,
der  aus  der  Verkehrseiieichterung  flösse,  für  nichts  zu  achten?
Man  wendet  gern  ein;  Verkehrszunahme,  allerdings,  aber  wegen  der
Mehrausgaben  kein  vermehrter  Gewinn!  Doch  in  Wirklichkeit  ist  dieser
allgemeine  Satz  nicht  ganz  haltbar.  Verfolgen  wir  die  deutsche  Post
seit  40  Jahren,  so  sehen  wir,  dass  fortgesetzt  immer  weitere
Tariferleichterungen  stattfanden,  der  absolute  Reinüberschuss
aber  trotzdem  immer  mehr  wuchs  und  so  hoch  gestiegen  ist,  wie
er  nie  zuvor  war.  Die  angeblich  entsprechend  wachsenden  Mehrausgaben
werden  dadurch  jedenfalls  nicht  bestätigt.  1877  belief  sich  der  Überschuss
der  Reichspost  auf  10  Millionen  (nach  Abzug  der  einmaligen  Ausgaben
8,5  Mill.  M),  f887  waren  es  30,5  Mül.  (26,3),  1897  schon  42,2  (33,8),  1907  aber
73,08  (37,22,  trotz  der  einmaligen  Beihilfe  an  Unterbeamte  von  18,5  Mill.  M).
Für  1909  sah  der  Etat  99,3  (82,4)  Mill.  M  als  Überschuss  vor,  ohne  die  Gehaltserhöhungen ­
  vom  Juli  1909.  Man  kann  sagen,  dass  verständige  Tariferleichterungen ­
  meist  einige  Zeit  nachher  noch  grössere  Überschüsse  zur  Folge  haben.
Die  regelmässige  Vermehrung  des  Personals  und  die  Personalmehrausgaben
scheinen  nicht  immer  von  Verkehrssteigerangen  oder  Verkehrsminderangen
infolge  von  Tarifermässigungen  oder  Erhöhungen  unmittelbar  und  merklich
beeinflusst  zu  sein.  Diesen  Eindruck  hat  man  namentlich  bei  den  deutschen
Taxermässigungen  von  1900  und  den  Taxerhöhungen  von  1906. 4 )
4 )  Am  1.  April  11)00  wurden  bekanntlich  wohlfeile  Ortstarife  für  offene  Sendungen
(Postkarten  2  Pfg.,  Drucksachen  2  Pfg.  und  mehr)  eingeführt,  die  aus  fiskalischen  Gründen
auf  Anregung  einer  späteren  Boichstagsmehrhoit  am  1.  Juli  1906  wieder  aufgehoben
wurden.
Der  Ortsverkehr  entwickelte  sich  folgendermassen  (innerhalb  des  Peichspostgebiets):

11*
        <pb n="203" />
        164

Man  kann  nach  alledem  auch  ermessen,  wie  wenig  eine  Vermehrung
des  Auslandsverkehrs  im  Hinblick  auf  ausserordentliche  besondere
Mehrausgaben  für  Personal  und  dergleichen  in  Betracht  kommen  würde,
wenn  das  Weltpennyporto  allgemein  zur  Einführung  käme.
1907  wurden  rund  100  Millionen  (genauer  98,89  Millionen)  frankierte
Briefe  aus  dem  Heichspostgebiet  nach  dem  postalischen  Ausland,  d.  h.  nach
Ländern,  die  nicht  im  Postvereinsverhältnis  zu  ihm  stehen,  befördert.  Wenn
diese  Sendungen  anstatt  des  Weltportos  von  20  Pf.  nur  10  Pf,  zahlten  und
der  Verkehr  in  einigen  Jahren  um  100%  stiege,  so  würde  die  alte  Einnahme
wieder  erreicht  sein,  und  bei  einer  Steigerung  um  200%  würde  sie  schon
um  die  Hälfte  grösser  sein.
Eine  Steigerung  dieses  Auslandsverkehrs  von  100  auf
200  Millionen  (um  100%)  und  auf  300  Millionen  (um  200%,)  im  Verlaufe ­
  einer  Reihe  von  Jahren  spielt  aber  im  Gesamtverkehr  von
7667  Millionen  Stück  nur  eine  sehr  geringe  Rolle  und  macht
nur  3  bis  6%  davon  aus,  während  dieser  Gesamt  verkehr  doch
ohnehin  alle  Jahre  um  sehr  viel  mehr  steigt,  z.  B.  von  1906  bis
1907  um  562  Millionen  Stück  Postsendungen  (+7,92%,  bei  Briefen
allein  um  10,61  %).  Eine  Steigerung  der  Briefe  nach  dem  Ausland  um
100  bis  200  Millionen  Stück  in  vielen  Jahren  bleibt  daneben  belanglos,  zu-1899:

  Orts  karten  zu  5  Pfg.  insgesamt
1902:  Orts-u.  Nachbarortskart.  „  2  „  „
1905:  „  „  2  „  „  über
1899:  Ortsdruoksacken  .,
1902;  Orts-  u.  Nachbarortsdrucksachen  „
1899:  Warenproben  u.  Geschäftspap.

88
289
800
51
140
1,83
4,94

Millionen  Stück

1899:  Gesc  hl  ossene  Ortsbriefe
(5  Pfg-,  in  Berlin  bisher  10  Pfg.)
1902:  Orts-  u.  Nachbarortsverkehr
(durchweg  5  Pfg.  für  250  g).

insgesamt  ...  142  Millionen  Stück
„  ...  272

Einnahmen  des  örtlichen  Verkehrs:
1899:  16  Millionen  Mark;  1902:  28  Millionen  Mark  (1900:  schon  lö *  1 ^  Mill.  M).
Die  vorausberechnete  jährliche  Mindereinnahme  (4V4  Mill.  M)  trat  nicht  ein.
Verkehr  der  Postkarten  kurz  vor  und  nach  der  Wiederverteuerung  der
Ortskarten  von  1906;

a)  Absatz  der  Reichspost  an  gestempelten  einfachen  Postkarten  (ohne
die  Karten  mit  Antwort):
1905;  145,84  Millionen  2-Pfg.-Postkarten
1906:  74,64  „  „
1  b)  1805  :  808  „  5-Pfg.-Postkarten  (gestempelte)
1906  :  348,65  „  _
1907:  388,78
Also  gegenüber  1905  nur  etwa  75  Millionen  Karten  mehr,  trotz  des  Wegfalls  von
146  Millionen  Ortskarten.

Gesamtverkehr  der  Postkarten  (gestempelte,  sowie  Postkarten  der  Privatindustrie, ­
  mit  Marken  beklebt),  nach  der  Reichspoststatistik  (innerer  Verkehr):
1904:  1107  Millionen  Stück  Postkarten
1905:  116.1  „  „  „  (+  54  gegenüber  dem  Vorjahre)
1906:  1246,67  „  „  „  (+  85,67  „  „  )
1907:  1256,5  „  „  „  (+  10,3  „  „  )
Man  erkennt  hier  zweifellos  in  der  geringen  jährlichen  Zunahme  von  1907  eine  starke
Hemmung  des  örtlichen  Postkartenverkehrs  infolge  der  Tariferhöhung  von  1906  (von  2
auf  5  Pfg.)  Sie  ist  auf  75  Millionen  Karten  zu  veranschlagen,  gemessen  am  Jahreszuwachs
  von  1906.  Geschlossene  Briefe  und  Drucksachen  haben  seitdem  naturgemäss
        <pb n="204" />
        —  1'65  —
mal  da  sie  ja  zum  Lande  liinausgescliickt  und  dort  von  fremden  Verwaltungen ­
  befördert,  bearbeitet  und  bestellt  werden.  Aber  aucb  eine  gleich
hoch  vermehrte  Zahl  der  von  ausserhalb  eingehenden  und  vorbearbeiteten
fremden  Briefe  erscheint  im  Gesamtverkehr  unwesentlich.  Denn  bei
einer  hohen  Steigerung  von  40%  im  ersten  Jahre  würden  in  beiden
Richtungen  erst  je  40  Millionen  Briefe  mehr  zu  bearbeiten  sein;  wenig
genug  bei  einem  Jahresverkehr  von  7%  Milliarden  und  einer  Jahressteigerung ­
  von  562  Millionen  Sendungen!  Auch  bei  einem  Mehr  von
200  Millionen  würden  auf  jede  der  34  072  Eeichspostanstalten  durchschnittlich ­
  nur  5882  Briefe  jährlich  oder  16  Briefe  täglich  entfallen,  die
mehr  als  jetzt  (1907)  zu  befördern  wären,  und  auf  jeden  der  Briefträger,  die
sie  bestellen,  täglich  noch  viel  weniger.  Auch  wenn  in  vielen  Verkehrsorten ­
  diese  Briefmengen  weit  höher  ausfallen,  so  sind  sie  im  Gesamtbestelldienst ­
  doch  nur  ganz  geringfügig  und  verursachen  schwerlich  erhebliche
Mehrausgaben,  die  man  sicher  ihnen  allein  zur'  Last  legen  könnte.  Das
gilt  sowohl  inbezug  auf  das  Personal  wie  auch  für  Beförderungsmittel ­
  nnd  Packmaterial.  Letzteres  wird  für  100  Millionen  Briefe  zu
je  10  g,  also  für  1  Million  Kilogramm  =  1000  Tonnen,  oder  für  100000  Päckchen
von  10  kg  schwerlich  mehr  als  je  10  Pf.  für  je  10  kg  betragen.  Ich  weiss
das  nicht  genauer,  aber  ich  mutmasse  es.  Dann  kämen  aber  erst  10  000  Mark
an  Packmaterial  für  100  Millionen  Briefe  heraus;  und  selbst
der  zehnfache  Betrag  würde  noch  im  Gesamtausgabeetat  der
Reichspost:  590  Millionen  Mark  (1907),  so  gut  wie  Null  sein.  Die
Beförderungsmittel  aber  müssten  doch  erst  vermehrt  werden,  sofern  sie
bereits  sehr  vollständig  ansgenutzt  sind,  was  oft  gar  nicht  zutrifft.

stärker  zugeiiommon,  doch  sind  sie  kein  Ersatz  für  das  besondere  Verkehrsmittel  der
Postkarte,  auch  dürfte  ihre  grössere  Zunahme  vielfach  auf  andere  Kreise  fallen.
Auch  die  ausserordentlichen  Zeitungsbeilagen  wurden  am  1.  Juli  1906
im  Porto  von  1 / 4  auf  1 / 2  Pfg.  erhöht.  Dieser  Viertelpfennig  hat  aber  überraschend  grosse
Wirkungen  ausgeübt.  Der  Verkehr  im  Reiohspostgebiet  war  folgender:
1904  :  228,96  Mill.  St.  Zeitungsbeilagen
1905  :  251,18  „  „  „  (+  22,22  Mill.  =-j-  9,70  °/ 0 )
1906  :  285,54  „  „  „  (—  15,64  „  =—  6,28  °/ 0  gegenüber  dem  Jahre  1905)
1907:173,87  „  „  „  (-77,31  „  =  —  30,9  o/ 0  „  „  „  „  )
Also  dieser  Verkehr  ist  in  l 1 ^  Jahren  um  77  Millionen  oder  31  °/ 0  gesunken,
während  der  gesamte  allgemeine  Briefpostverkehr  im  übrigen  gerade  von  1905  bis  1907
um  28°/ 0 ,  von  1906  bis  1907  um  10,61  °/ 0  zugenommen  hat,  durch  die  günstige  wirtschaftliche ­
  Lage  zweifellos  mit  beeinflusst.
Wenn  Ortskarten  und  Zeitungsbeilagen  seitl906um  etwa  150Millionen
Stück  nachgelassen  haben,  so  sehen  wir  doch,  dass  diese  Summe  bei  einer  Gesamtstiickzahl
  von  7667,4  Millionen  Postsendungen  der  Reichspost  (1907)  nur  eine
geringe  Rolle  spielt  (2°/ 0 )  und  offenbar  wenig  Einfluss  ausübt  auf  die  Mehroder ­
  Mindereinstellung  von  Personal.
1899  betrug  die  Gesamtstückzahl  der  Reichspostsendungen  4414  Millionen  (darunter
177,6  Mill.  Packerei-  und  Wertsendungen),  1900  waren  es  5094  (182,2),  1902  :  5515  (194,8),
1905  :  6234,7  (210,3),  1906  :  7104,9  (227,9)  und  1907  :  7667,4  (236,1).
Die  Personalvermehrung  aber  geht  ziemlich  regelmässig  ihren
alljährlichen  Gang,  wobei  zu  beachten  bleibt,  dass  1901  die  Beamten  der  auf
gehobenen  81  Privatposten  grösstenteils  von  der  Reichspost  mit  übernommen  wurden  .
1897—1899  fand  alljährlich  ein  Zugang  von  2100  Unterbeamtenstellen  statt,  1900
bis  1902  waren  es  2500,  2900  und  8200;  1903  bis  1905  je  2000,  1906  —  trotz  der  Verkehrsyerminderung
  —  2500,  1907  ;  3800.  Die  schlechte  Finanzlage  hat  diese  Stellenvermebrung
im  Etat  dann  zeitweilig  eingeschränkt  (1908  :  2190;  1909:  1600).  Im  Landbestelldienste
kamen  1905  hinzu  500  Stellen  und  1906—1908  je  600  Stellen.
        <pb n="205" />
        Hiernach  erscheint  es  mir  nicht  angebracht,  gegen  die  Einführung
des  Weltpennyportos  die  doch  nur  geringen  Mehrausgaben  infolge ­
  der  Verkehrssteigerung  als  Einwand  ins  Feld  zu  führen.  Mögen
sie  auch  grösser  sein,  als  ich  annehme,  sie  sind  zweifellos  im  ganzen  völlig
unwesentlich  und  können  als  triftiger  Grund  gegen  die  notwendige  Erleichterung ­
  des  Weltverkehrs  nicht  geltend  gemacht  werden.
Mit  solchen  Gründen  würde  doch  überhaupt  jede  Ermässigung  abznlehnen
  sein.
b)  Nun  die  Transitgebühren  (vgl.  S.  1  ö8)!  Dieses  Bedenken  erscheint ­
  mir  fast  am  belanglosesten!
In  einzelnen  Füllen,  besonders  im  überseeischen  Verkehr  mögen  die
Transitgebühren  wohl  grösser  sein,  als  die  Portoeinnahmen  von  10  Pf.  oder
10  Centimes!  Aber  was  liegt  daran?  Nichts.  Wie  an  anderen  Stellen
gezeigt  wird  (vgl.  S.  97  —100),  ergeben  sich  beim  Inlandsverkehr  auf
dem  Lande,  bei  den  Telegrammen  und  beim  Telephon  oft  noch
viel  viel  grössere  Unterbilanzen,  neben  denen  der  überseeische  Briefverkehr ­
  nur  eine  Bagatelle  bedeutet.  Ferner  werden  die  Landtransitkosten
doch  gegenseitig  verrechnet  und  in  Wirklichkeit  gewöhnlich  fast  gar  nicht
bar  bezahlt,  sondern  durch  Leistungen  ausgeglichen.  Die  Barzahlungen  sind
meist  nur  Kleinigkeiten  (vgl,  S.  78,  79),  mit  wenigen  Ausnahmen.
Aus  der  Herzogschen  Tabelle  über  die  Transitkosten  ergibt  sich
gewiss,  dass  in  einigen  Fällen,  z.  B.  nach  Argentinien,  Südafrika  und
Japan,  der  10  Pf.-Satz  die  Transite  nicht  deckt,  doch  sind  bei  jenen
Summen  die  Landtransite  schon  mitgereohnet,  die  doch  meist  nicht  baibezahlt
  werden.  Diese  wären  abzuziehen.
Ferner  gehen  viele  Briefe  auch  auf  subventionierten  Linien,  wo  sie
nichts  extra  bezahlen,  wenn  die  Post  auf  diesen  Linien  auch  sonst  meist
mit  einem  Defizit  arbeitet.
Endlich  aber  muss  darauf  hingewiesen  werden,  dass  für  Europa  der
überseeische,  aussereuropäisohe  Verkehr  im  Gesamtverkehr
nach  dem  Auslande,  meist  nur  verschwindend  klein  ist  und  eine
Unterbilanz  dieser  Briefe  nahezu  gleichgültig-  bleibt.  Aus
Deutschland  gingen  1907  nur  12,5%  der  Briefe  nach  aussereuropäisohen
Ländern  und  nur  8,8%  darunter  nach  dem  postalischen  Ausland,  d.  h.
nach  Ländern,  wohin  das  Weltporto  gilt  und  die  nicht  im  Postvereinsverhältnis ­
  stehen.
Es  gingen  nach  Asien  nur  0,9%,  nach  Amerika  2%  (mit  den
Vereinigten  Staaten  freilich  mehr),  nach  Afrika  0,6  und  nach  Australien  0,3%.
Die  nachstehende  Zalilentafel  zeigt,  wie  das  auch  bei  mehreren  andern
Ländern  ist,  in  absoluten  und  relativen  Zahlen  (vgl.  auch  unten  S.  172  ff.).
        <pb n="206" />
        167

Briefverkehr  nach  auswärts,  verteilt  auf  Weltteile  und  Nachbarländer
sowie  auf  das  postalische  Ausland  (Weltporto)
(in  Millionen  und  Prozenten,  letztere  fett  gedruckt).

davon

nach

davon

nach

s

cS
-P  «H
1  w
$  ü
cb  —

c3
ft
O
P
W

Aussereurop.

Ländern

£

Amerika

fl
®
CO

Australien

Nach
angrenzenc
Ländern

l-  Deutschland:

a)  Gesamtverkehr  .  |

188,4

164,2

24,2

2,5

18,1

2,7

0,6

—

wo  %

87,5  o/ 0

12.5  0/0

1.8%

0.6%

1,4%

0,8  o/ 0

—

h)  Postausland  allein  |

11,0,4

103,4

7,3*)

1,2

3,9

1.7

0,6

66,5

58,4%

55  %

3,8  o/o

0,6%

2,0%

0,0%

0.3  %

350/0

2.  Österreich:

a)  Gesamtverkelir  .  &amp;lt;

113,7

—

—

—

—

—

—

—

1

100  %

—

—

—

—

b)  Postausland  allein  |

28,4
0/
/0

20,7
18.6  o/o

7,7
6,4%

0,6
ARO  /
/O

6,2
5,6  %

0,8
0,7  o/o

0,1
0,1%

11.5
10,50/0

3.  Frankreich:

a)  Gesamtverkehr  .  |

93,7

76,8

16,9

9,0

5,7

1,4

0,4

—

100  %

81.7  %

18,3  o/ 0

0,5  o/o

6.1%

1,5%

0,4  0/o

—

b)  Postausland  allein  |

82,4

76,0

6,3

0,4

5,1

0,6

0,2

50,5

87%

80  o/o

6.7  o/ 0

0,4  o/o

5,3  %

0,7  %

0,2  0/0

53,7  0/0

4.  England:

4  Nachh.-J
  ander:

a)  Gesamtverkehr  .  |

117,0

52,3

—

11,9

34,8

11,2

6.3

—

100  %

44  o/ 0

—

10%

30  o/o

0,5  0/o

6,3  0/o

—

b)  Postausland  allein  |

55,5

50,6

5,4

0,4

2,4

2,6

0,2

35,5

47,5  %

42%

4,67  o/o

0,35  o/ 0

2%

2.2  0/0

0.0  0/0

30  0/0

5.  Schweiz

23,6

22  2

1,26

0,2

0,9

0,14

0,05

18,2

100  o/o

04,6  o/ 0

5,2  %

0,0  «/o

3,7  %

0,6%

0,02  o/ 0

77%

6-  Belgien

28,3
WO  o/o

26,7
05,8  o/ 0

1,43
5%

0,25
0,0  o/ 0

0,9
3,5  o/ 0

0,2
0,6  0/0

0,02
0,1%

20,1
71%

'■  Holland

15,2

13,6

1,6

0,13

0,8

0,7

0,01

11,0

100  o/o

oa.89%

10,8  o/o

0,0  o/o

5,4  %

4.5%

0.0  o/o

73%

®-  Vereinigte  Staaten

(Schätzung  nach  den
eingegang.  Briefen)  &amp;lt;

135,9
(64,4?)

53,2

■11,2

0,65

8,28
(ohne

1,93

0,36

Mexico
4,09

Canada)

Postausland  allein  .

?

20,9

3,44

0,65

0,50

1,03

0,36

0

*)  Bei  Ausserachtlassung  der  Vereinigten  Staaten,
        <pb n="207" />
        168

Nach  den  angrenzenden  Nachbarländern,  die  jetzt  noch  dem
Weltporto  unterliegen,  ist  dagegen  der  transitahgabenfreie  Verkehr  so  gross,
(bis  zu  77%  in  den  obigen  Ländern),  dass  hier  reichlicher  Ersatz  für  den
Verlust  aus  dem  Überseeverkehr  herauszuschlagen  wäre.  Mau  studiere  nur
meine  unten  folgenden  Zahlentafeln  für  50  Länder  genau  (S.  172  ff.)  und  übersehe ­
  nicht  den  Naohbarverkehr  und  die  Steigerungsmöglichkeiten,  die  auch
den  Inlandsverkehr  heben  helfen!
3.  An  die  „beträchtliche  Einnahmeminderun'g  auf  Jahre
hinaus“  kann  ich  nicht  recht  glauben,  Im  ersten  und  zweiten  Jahre  wird
ein  gewisser  massiger  Ausfall  da  sein,  aber  er  wird  schnell  immer  kleiner
rmd  der  Verkehr  immer  grösser.  Die  Schweiz  und  einige  andere  Länder
stehen  allerdings  wegen  ihres  geringen  Budgets  und  ihres  geringen  Überschusses ­
  ungünstig  da.  Doch  müsste  man  sich  hier  auf  besondere  Weise
zu  helfen  suchen.  Wie?  Das  behalte  ich  mir  für  später  zu  sagen  vor.
i.  a)  Ich  bin  i  m  Gegensatz  zu  Herrn  Herz’og  und  vielen  Postverwaltungen
vielmehr  der  Ansicht,  dass  das  Weltpennyporto  wegen  der  erdrückenden
Fülle  von  Gründen  schon  in  naher  Zeit  kommen  muss.  Aber  werde  ich
die  Herren  davon  überzeugen?  Ich  weiss  es  nicht.
b)  Die  Transite  erscheinen  mir  nicht  als  wesentliches  Hindernis.
Vielmehr  wäre  eine  vorhergehende  Portoermässigung  sogar  ein  guter
Grund,  dann  auch  die  Transitgebühren  herunter  zu  drücken.
Ein  baldiger  Sprung  zum  grossen  Ziel  wäre  das  Beste  und
würde  der  wirtschaftlichen  Krise  unserer  Tage  nur  zugute
kommen.  Das  Finanzelend  wird  ja  nicht  ewig  dauern.  Für  ein  schrittweises ­
  Vorgehen  ist  das  Weltpennyporto  schon  viel  zu  weit  vorgeschritten. ­
  Das  Haupthemmnis  bilden  die  Nachbarländer,  wohin  der
grösste  Verkehr  geht,  und  nicht  die  fernen  Überseeländer  mit  dem
winzigen  Verkehr  dahin.
Ich  wollte,  auch  die  Postverwaltungen  überzeugten  sich  bald  von
der  Notwendigkeit,  aus  der  jetzigen  verworrenen  Flickarbeit  herauszukommen, ­
  um  wieder  ein  grosses,  nerres,  einheitliches  Ganze  zu  bilden.  Ich
empfehle  zu  dem  Ende  das  Studium  der  unten  folgenden  Zahlentafeln.
        <pb n="208" />
        169

B.  Ausfallberechnungen  für  50  Länder  des  Weltpostvereins.
50  Tabellen  mit  Ausfallberechnungen  (S.  172—196):
Es  hat  bisher  an  einem  klaren  Bilde  über  die  finanziellen
Wirkungen  des  Weltpennyportos  für  die  Länder  des  Weltpostvereins ­
  noch  gefehlt.  Ich  habe  daher  versucht,  diesem  Mangel
abzuhelfen.  Die  neuste  Berner  Statistik  für  1907,  die  allgemeine ­
  wie  die  besondere,  hat  mir  die  nötigen  Unterlagen  dafür ­
  geliefert.  Für  Deutschland  ist  die  Reichspoststatistik  mit
herangezogen  worden.
Etwa  40  Länder,  meist  Kolonialgebiete,  deren  geringer
Verkehr  in  Briefen  nach  dem  Auslande  zusammen  nur  etwa
5  Millionen  ausmacht,  habe  ich  unberücksichtigt  gelassen,  wie
schon  einmal  erwähnt  wurde  (S.  162,  195).
Meine  Zahlen  berücksichtigen  in  der  Regel  nur  die
frankierten  Briefe,  was  mir  die  Arbeit  erleichterte.  Die
Zahl  der  unfrankierten  Briefe  ist  bei  den  meisten  Ländern  ganz
gering,  meist  nur  1  °/o  oder  weniger,  selten  wesentlich  mehr,  wie
bei  Österreich-Ungarn,  Russland,  Italien  und  Nordamerika.  Doch
durfte  ich  sie  ausser  acht  lassen,  weil  die  Briefzahl  meist
zu  hoch,  oft  sogar  viel  zu  hoch  angegeben  wird,  wie
man  an  der  Zahl  der  verkauften  Marken  nachprüfen  kann.  Und
bei  Deutschland  und  vielen  Nachbarländern  besteht  ausserdem
ein  verbilligter  Grenz-Briefverkehr,  der  eigentlich  auch
noch  abzurechnen  wäre,  wenn  man  das  neu  einzuführende  Weltpennyporto ­
  ins  Auge  fasst.  Ich  nehme  auch  bei  den  Ausfallrechnungen ­
  nur  einfache  Briefe  an,  was  im  grossen  und  ganzen
auch  zutrifft,  da  das  Durchschnittsgewicht  deutscher  Ausländsbriefe ­
  nur  13'/2  g  (statt  20  g)  ausmacht  und  die  schwereren
Briefe  im  Gesamtverkehr  sehr  gering  sind.  Viele  andere  Länder
haben  ja  noch  das  alte  Briefgewicht  von  15  g  beibehalten,  und
das  Durchschnittsgewicht  eines  Ausländsbriefs  war  dementsprechend ­
  früher  nur  10  g.
        <pb n="209" />
        Für  die  Vereinigten  Staaten  und  Russland  findet
man  bloss  die  Gesamtsumme  der  nach  dem  Ausland  gesandten
Briefe,  für  Canada  nicht  einmal  diese.  Ich  habe  mir  hier  damit ­
  geholfen,  dass  ich  festgestellt  habe,  wieviel  Briefe  die
andern  Staaten  nach  diesen  drei  Ländern  geschickt  haben,  und
da  die  eingehenden  und  hinausgehenden  Briefe  ungefähr  gleich
oder  ähnlich  zahlreich  sind,  so  habe  ich  die  Ausfälle  nach  den
eingegangenen  Briefen  berechnet.  Deren  Summe  weicht  freilich
von  der  Zählung  Amerikas  and  Russlands  anscheinend  stark  ab,
was  die  zu  hohe  Gesamtschätzung  wahrscheinlich  macht.  Die  Zahlen
stammen  aus  der  Statistik  für  1907,  nur  wenige  besonders
gekennzeichnete  aus  anderen  Jahrgängen.
Ich  unterscheide  den  Verkehr  nach  Postvereinsländern
(meist  zum  Inlandsporto)  und  nach  dem  postalischen  Ausland ­
  oder  Postausland  (zum  AVeltporto).  AVo  nach  Postvereinen ­
  das  Porto  höher  als  das  Inlandsporto  ist,  doch  billiger
als  nach  dem  Postauslande,  da  ist  der  Ausfall  bei  Herabsetzung
bis  auf  das  10  Centimes-Porto  noch  besonders  berechnet.
Im  Verkehr  Deutschlands  nach  den  A^ereinigten  Staaten
(jetzt  Postvereinsland  für  den  direkten  Seeverkehr)  habe  ich
schätzungsweise  die  Hälfte  der  Briefe  als  Postvereinsbriefe  angenommen. ­
  Ebenso  anderweit  in  ähnlichen  Fällen.
Mein  Schema  habe  ich  erst  im  Verlauf  der  Berechnungen
gefunden,  daher  sind  im  Anfang  nicht  alle  Gesichtspunkte  in
gleicher  AVeise  berücksichtigt.
Ich  trenne  den  Verkehr  nach  AVeltteilen  und  trenne
dabei  wieder  Postvereins-  und  Postauslandsverkehr,  gebe
aber  auch  die  Verhältniszahlen  (in  Prozent)  und  die  Zahlen
des  aussereuropäischen  Verkehrs  sowie  des  gesamten  Postauslandes ­
  mit  den  Gesamtausfällen  in  der  Landesmünze,
doch  auch  auf  Mark  verrechnet.
Oft  berechne  ich  auch,  wie  hoch  die  Ausfälle  sich  allein
für  die  angrenzenden  Länder  stellen  würden.
Für  Deutschland  (S.  172ff.)gebe  ich  eine  Tabelle,  die  auch
Bayerns  und  Württembergs  Verkehr  mit  einschliesst,  dann  eine  bloss
für  den  Verkehr  des  Reichspostgebiets,  endlich  auch  eine
        <pb n="210" />
        171

Berechnung,  die  die  deutschen  Reichspostausfalle  darstellt, ­
  wenn  der  Verkehr  um  33'/e,  66 2 /a,  100,  150,  200  und
250%  steigt,  und  die  bei  dem  überseeischen  Verkehr  annimmt,
dass  das  See-Transitporto  ungefähr  die  10  Pf.-Einnahme
aufzehrt,  während  das  Landtransitporto  ja  wegen  der  gegenseitigen ­
  Verrechnung  mit  dem  Auslande  unberücksichtigt  bleiben
kann.  Auch  subventionierte  deutsche  Postdampfer
müssen  im  Äuge  behalten  bleiben.
Ich  versuche  danach  auch  ungefähr  die  Netto-Einnahme
darzustellen,  die  sonstigen  Mehrausgaben  und  die  natürliche
Jahressteigerung  als  imaginäre  Dinge  ausser  acht  lassend.  Das
Nähere  besagt  die  lange  Anmerkung  dazu  (S.  175,  176).
Natürlich  kann  sichs  bei  so  fliessenden  Verhältnissen  und  nicht
so  ganz  sichern,  doch  meist  zu  hohen  Briefzahlen  nur  um  annähernde ­
  Schätzungen  handeln.  Und  das  genügt  ja.  •
Da  ich  bei  wiederholter  Durchsicht  immer  Versehen  und
Rechenfehler  entdeckte,  so  wird  es  ihrer  auch  jetzt  gewiss
noch  viele  geben;  doch  schaden  sie  im  grossen  und  ganzen
vermutlich  wohl  weiter  nichts  und  sind  leicht  festzustellen.
Da  ich  die  meist  sieben-  bis  achtstelligen  Briefzahlen  auf
zwei  bis  vier  Zahlen  verkürzte  und  dann  auf-  und  abrundete,  so
ergeben  sich  bei  der  Addition  grosser  Zahlensäulen  natürlich
kleine  Abweichungen,  die  man  bemerkt,  wenn  man  die  verschiedenen ­
  Summen  dann  zusammenzählt  und  sie  nicht  nach
jeder  Richtung  hin  zusammenstimmen.  Das  Gleiche  gilt  von
den  Verhältniszahlen.  Doch  diese  kleinen  Abweichungen,
selten  mehr  als  1  %,  meist  weit  weniger,  tun  unserer  Schätzung
auch  weiter  keinen  Abbruch.
Eine  Tabelle  am  Schluss  fasst  die  Ergebnisse  aller
50  Länder  zusammen.  (S.  195,  196).
        <pb n="211" />
        1«  Deutsches  Reich.  (Berner  Weltpoststatistik  1907.)

Deutsches  Reich

W  eltporto
20  Pf.

künftig
10  Pf.

Deutsches  Reich

Weltporto
20  Pf.

künftig
10  Pf.

(Beiclispostgebiet  nebst
Bayern  u.  Württemberg)

frank.  Briefe
in  Mill.  j  °lo

theoret.
Ausfall
in  1000  M

Gesamtverkehr  .  .  .

188,43

100

Davon  nach.

a)  Europa

104,20

87,5

12.04  uufr.l

Darunter  nach

'  '

a)  Postvereinsländern:

Oesterreich  ....

48,66

Bosn.  u.  Herzegowina

0,19

Ungarn

9,69

Luxemburg  ....

2,24

a)  Postvereinsl.  zus.

06,78

32,5

England  .  .

18,89

Frankreich

15,46

Schweiz......

13,48

Holland

12,67

Europ.  Russland  .  .

12,42

Belgien

8,54

Italien

5,86

Dänemark

3.99

Schweden

3,67

Norwegen

2,18

ß)  Europ.  Postausland

10:{,42

55

10  312

Angrenzende  Länder  .

66,56

b)  Afrika

2,50

1,32

Davon  nach

Postvereinsländern:

Deutsch.  Schutzgebiete

1,298

„  Postamt,  i.  Marokko

0,042

zusammen

1,340

0,71

Der  Rest:  Postausland

1,10

0.61

110

Davon  nach:

Algier  ...

0,249

Aegypten  ...

0,296

Brit.  Südafrika  .  .  .

0,423

c)  Amerika  ....

18,10

9,64

Davon  Postvereinsland

  ({.direkten  Seeverkehr

  seit  1909);

Vereinigte  Staaten  .  .

14,22

Geschätzt  halb.  Verkehr

7,11

3,80

Argentinien  ....

1,03

Brasilien

0,65

Chile  ...

0,58

Mexiko  ...

0,36

Kanada

0,29

Postausland(geschätzt)

10,99

5.84

1  099

bez  w.  ohne  V  er.  Staat.

3,88

2

fPoicbspostgebiet  nebst
Bayern  u.  Württemberg)

frank.  B
in  Mill.

riefe
°/o

theoret.
Ausfal  1
in  1000  M

d)  Asien

2,00

1,40

Davon  nach

Postvereinsgebieten:

Kiantschon  ....

0.55

Deutsche  Postanstalten

in  China

0,38

zusammen

0,93

0,5

Der  Rest:  Postausland

1,73

0,9

173

Davon  nach

Brit.  Indien  ....

0,50

Japan

0,35

Asiat.  Türkei....

0,27

Asiat.  Russland  .  .  .

0,15

Holland.  Kolonien  .  .

0,14

e)  Australien  und

Ozeanien  ....

0,65

0,34

Davon  nach

Postvereinsländern;

Deutsch.  Schutzgebiete

0,07

Der  Rest:  Postausland

0,58

0,31

58

Davon  nach

Australien

0,485

Nen-Seeland  ....

0,057

Postvereinsgehiete

zusammen

70,91

38

(V  ereinigte  Staaten

nur  halb  gerechnet.)

Wenn  ganz  gerechnet

78,05

41,6

Gesamtes  Postansland

117,19

62

11  749

(bzw.

110,38

58,4

11  038)

Davon  die

Aussereuropäischen

Länder  zusammen

14,40

7,2

me

(bezw.

7,35

3,5)

Europäisches  Postausland



103,42

55

10  342
        <pb n="212" />
        173

1®»  Deutsches  Reichspostgebiet  (ohne  Bayern  und  Württemberg).  Kalenderjahr ­
  1907.  Briefverkehr  nach  auswärts  (in  Tausenden)  mit  Angabe  des  theoretischen
Einnahmeausfalls  bei  einer  Brmässigung  des  Weltportos  von  20  auf  10  Pf.

Briefverkehr  aus  dem

Frank.  Briefe

Ausfall

Deutschen  Beichspostin

  1000

in  1Ü0U

gebiet  nach

Stück

°/o

M

I.  Auswärts  überhaupt

249  016

—

davon  nach:

Bayern  und  Württemberg ­
  ....
Österreich  -  Ungarn

91  111

—

mit  Bosnien  und
Herzegowina  .  .

43  620

_

Luxemburg  .  .  .

1  847

—

a)  also  z.  Inlandsporto
ferner  z.  Inlandsporto:

136  578

—

nach  Asien:  Kiantschouu.
  d.  deutschen
Postanstalt,  i.  China

910

nach  Afrika:  d.  deutschen ­
  Schutzgebiet,
i.  Afrika  u.  d  deutschen ­
  Postanstalten
in  Marokko  .  .  .

1  225

nach  Amerika:  den
Vereinigt.  Staaten 1 )
nach  Australien:  den
deutsch.  Schutzgeb.

11  878

—

in  Australien  .  .  ,

31

—

b)  Summa

14  044

11.  Insgesamt  zum  Inlandsporto ­
  nach  auswärts ­
  (a  u  b).  .  .

150  622

III.  Es  bleiben  also

übrig  nach  d.  postalischen ­
  Ausland  .  .

98  394

100

9  839

Von  diesen  Sendungen

ins  postalische  Ausland ­
  gingen;

1.  n.  Ländern  Europas

91  504

93,3

9150

und  zwar  nach

a)  angrenzend.  Ländern

Belgien

7  555

755

Dänemark  ....

3  635

363

Prankreich  .  .  .

13  791

1  379

Niederlanden  .  .  .

11  876

1  188

Russland  (europ.)  .

11  843

1  184

Schweiz

10  242

1  024

Summa  a)  .

58  942j  60,2

5  893

r )  Die  Verein.  Staaten  stehen  nur  für  den
direkten  Seeverkehr  im  Postverein  (Briefe),
doch  ich  habe  sie  unten  lieber  aus  dem  Spiel
gelassen.  Man  könnte  aber  ihren  halben
verkehr  mitrechnen.

Briefverkehr  aus  dem

Frank.  Briefe

Ausfall

Deutschen  Beichspostin

  1000

in  1000

gebiet  nach

Stück

X

M

b)  überseeischen  Nachbarländern:



England  ....

17  129

1  713

Norwegen  ....

2  008

200

Schweden  ....

3  388

339

Summa  b)  .

22  525

22,9

2  252

c)  nicht  benachb.  anderen

Ländern  Europas:

10  037

10,2

1  004

darunter  nach

Italien

4  568

457

Spanien.  .  ,  .  .  .

1  861

186

Rumänien  ....

1  145

114

Portugal  ....

780

78

Türkei  (europ.)  .

790

79

2.  nach  Ländern  Asiens

1  567

1,5

157

darunter  nach

Brit.  Indien  .  .  .

469

47

J  apan

322

32

Türkei  (asiat)  .  .

230

23

Russland  (asiat.)

183

13

3.  nach  Ländern  A  fr  i  k  as

1122

1,1

112

darunter  nach

Ägypten  ....

268

27

Algerien  ....

216

22

Kapland  ....

201

20

Transvaal  ....

96

10

4.  n.  Ländern  Amerikas

3  659

3,7

$()(&amp;gt;

darunter  nach

Argentinien  .  .

997

100

Brasilien  ....

580

58

Chile

559

56

Mexiko

29s

30

Kanada

260

26

Cuba

152

15

5.  nach  Ländern

Australiens  .  .  .

541

0,5

54

darunter

Austral  .Bundesstaat

458

46

Nen-Seeland  .  .  .

49

5

dem  anssereuropäiscii.

Postausland  (2,3,4,5)

6  889

7

689

Bei  Mitrechnung  des

halben  V  erkehrs  nach

den  Verein.  Staaten

(5  939  000)  .  .  .  A

12  828

1  283

Demnach  Gesamtausfall



(104,33)

10  433
        <pb n="213" />
        1b.  Berechnung  der  Einnahmeausfälle  und  etwaigen  Mehreinnahmen
durch  Verkehrssteigerung  bei  Einführung  eines  Weltportos  von  10  Pfg.  in  Deutschland ­
  (nach  der  Statistik  für  1907).  [Erläuterung  S.  175  f.]:
(In  Tausenden.)

Brief  verkehr  ans  dem  Deut-Frank.



Einnahme

Einn

ahme  aus  dem  lO-Pfg.-Briefporlo

sehen  Reichspostgehiet

(1907)

ein.  Porto  von

hei

einer  Verkehrssteigerung

um

nach

Stückzahl ­


20  Pfg.

10  Pfg.

3303%

66%%

100%

150%

200%

250%

dem  Post-Ausland

M

M

M

M

M

M

M

M

(1907)  überhaupt  ....

98  394

19  678

9  839

13  118

16  397

19  678

24  597

29  517

34  43S

davon

:ioo°/ 0

1.  nach  Europa

91  504

18  300

9  150

12  200

15  250

18  300

22  875

27  450

32  025

und  zwar  nach

93,3%

a)  angrenzenden  Ländern.  (6)  .

58  942

11  788

5  894

7  848

9  812

11  788

14  735

17  682

20  629

(kein  Transitporto)

60,2°/„

b)  überseeisch.  Nachbarländern

(England,  Schweden,
Norwegen)

22  525
22,9%

4  505

2  252

3  002

3  752

4  505

5  631

6  757

7  883

c)  anderen  Ländern  Europas  .

10  037
.10,2%

2  007

1004

1  338

1  672

2  007

2  507

3  011

3  511

2.  nach  Ländern  Asiens  .  .

1  667

313

157

209

261

313

391

470

548

(als  durchschnittliches  Transitporto
  dahin  angenommen  10  Pfg.)

1,5%

demnach  Nettoeinnahme

157

—

—

—

—

—

—

—

3.  nach  Ländern  Afrikas  .  .

1  122

224

112

149

186

224

280

336

392

(als  durchschnittliches  T  r  a  n  s  i  tporto
  dahin  angenommen  10Pfg.)

1,1%

demnach  Nettoeinnahme

112

■  —

—

—

—

—

—

—

4.  nach  Ländern  Amerikas  .

3  659

732

80G

488

610

732

915

1  098

1  281

(als  durchschnittliches  Transitporto
  10  Pfg.  angenommen)

3,7%

demnach  Nettoeinnahme

306

—

—

—

—

—  ,

—

—

5.  nach  Ländern  Australiens  .

641

108

54

72

90

108

135

162

189

(als  durchschnittliches  Transitporto ­
  15  Pfg.  angenommen)

0,5%

demnach  Nettoeinnahme

27

—

—

—

—

—

—

oder  Verlust

27

36

45

54

67

81

95

Demnach  Gesamteinnahme

(Postausland)  netto  .  .  .

18  962

9  123

12  164

15  205

18  246

22  808

27  369

31  930

Minder-  (—)  oder  Mehreinnähme

  (-)-)  gegenüber  der
alten  Einnahme  (1907)  .  .

-9  839

-6  798

—3  767

-  712

+3  846

+8107

+  12968

-
        <pb n="214" />
        175

Erläuterung  zu  1  b  (Seite  174).
Von  den  98  894000  frankierten  Briefen  aus  dem  Reiohspostgebiet  nach  dem
postalischen  Ausland  (1907),  d.  h.  nach  den  Ländern,  die  nicht  im  Postvereins
Verhältnis  mit  Deutschland  stehen,  gingen  also  98,8°/ 0  nach  Ländern  Europas
und  nur  6,7°/ 0  nach  aus.sereuropäisehen  Ländern.  Wenn  nun  behauptet  wird,
eine  Verkehrssteigerung  des  Auslandsverkehrs  könne  bei  Einführung  des  1(1  Pf.-Portos
an  Stelle  des  jetzigen  20.Pf.-Tarifs  die  ungünstigen  finanziellen  Folgen  gar  nicht  mindern,
weil  das  Transitporto  mit  dem  zunehmenden  Verkehr  ebenso  wüchse  und  nach
fremden  Weltteilen  oft  höher  wäre  als  die  ganze  Portoeinnahme  von  10  Pf,  so  ist  das
zweifellos  eine  übertriebene  Schwarzseherei,  wie  ich  denke.
Wie  wir  sehen,  bildet  ja  derjenige  Teil  des  Verkehrs  nach  dem  Ausland ­
  e,  wo  die  Transitgebtthren  höher  sind  als  die  Portoeinnahme,  nur
einen  ganz  geringen  Bruchteil  des  ganzen  Verkehrs  nach  dem  postalischen
Auslande.
Es  belaufen  sich  die  Landtransitgebühren  (vgl.  S.  79)  ja  auf  1,50  Franken
oder  1,20  M  für  jedes  Kilogramm  Briefe  bei  je  8000  km  Beförderungslänge,  die
Seetransitgebühren  (S.  83  f.)  aber  auf  ebensoviel  bis  555  km,  auf  4  Fr.  oder  8,20  M
bei  2778  km  in  Europa  oder  zwischen  Europa  und  Nordamerika  und  auf  6,40  M  für  die
sonstigen  sehr  weiten  überseeischen  Strecken.  Auf  je  1  kg  wurden  bisher  100  Briefe
gerechnet,  also  10  g  durchschnittlich  auf  den  Brief;  im  deutsch-amerikanischen  Verkehr
beträgt  neuerdings  das  Durchschnittsgewicht  13 1 / 2  g,  d.  h.  74  Briefe  auf  1  kg
(vgl.  S.  290).  Mit  diesem  neuesten  Durchschnitt  wollen  wir  hier  rechnen.  Es  ergeben
sich  danach  für  die  erste  Zone  des  Land-  und  Seetransits  auf  einen  Brief
j  e  1,6  Pf.  Transitgebühren,  für  6000  km  zu  Lande  (z.  B.  Nordamerikas  Durchquerung)
8,2  Pf,  für  das  Seeporto  von  Europa  nach  Nordamerika  4,8  Pf,  für  das
weiteste  sonstige  Seeporto  8,6  Pf.,  für  das  weiteste  Landtransitporto
über  9000  km  (z.  B.  durch  Russland,  und  Sibirien)  6,4  Pf.
Wir  wollen  nun  abschätzen,  wieviel  von  den  Portoeinnahmen,  auch  bei  Mehreinnahmen ­
  infolge  eines  Verkehrszuwachses,  durch  die  Transitgebtthren  ungefähr  verloren ­
  gehen  könnten  und  wieweit  die  besonders  hohen  Seetransitgebühren  die  Mehreinnahmen ­
  zu  schmälern  geeignet  wären.  Wie  wir  sehen,  fallen  60,2°/ 0  des  Verkehrs ­
  auf  die  an  Deutschland  angrenzenden  Nach!)  ar  1  änd  er.  Hier  wäre
aIso  gar  keine  Trähsitgebühr  zu  zahlen  und  die  10  Pf.  Portoeinnahme  für
jeden  Brief  bliebe  u  n  v  e  r  k  tt  rzt.  N  ach  den  überseeischen  Nac  h  barlände  r  u
England,  Schweden  und  Norwegen  (22,9°/ 0  des  Verkehrs)  kommt  die  Transitgebühr ­
  wohl  auch  kaum  in  Betracht.  Denn  zum  Teil  geht  dieser  Verkehr  wohl  auf
subventionierten  eigenen  Postdampfern  dahin,  besonders  nach  Skandinavien,  und  sofern
Briefe  nach  England  über  Belgien  oder  Holland  gehen  -  Belgien  hat  eigene  Staatspostdampfer ­
  zur  Ueberfahrt  —  würden  sie  meines  Wissens  nur  je  1,6  Pf.  an  Transitgebühren ­
  in  Anspruch  nehmen.
Nach  den  andern  Ländern  Europas  (10,2°/ 0  des  Postauslandsverkehrs)  —
z.  B.  Italien,  Spanien,  den  Balkanländern  —  kämen  1,6  bis  8,2  Pf.  als  Transitgebühr  gewöhnlich ­
  in  Betracht.
Aber  diese  ganze  Ausgabenberechnung  des  Landtransits  dürfte
doch  schon  ein  Fehler  sein.  Wie  wir  oben  (S.  77  f.)  sahen,  gleichen  sich  die
Transitleistungen  der  verschiedenen  Länder  zum  grossen  Teil  gegenseitig  aus,  an  die
meisten  ist  überhaupt  nichts  zu  zahlen  und  die  wirklichen  Barbezahlungen,  die
schliesslich  übrig  bleiben,  sind  im  Verhältnis  zu  den  Gesamtausgaben  des  Postbetriebs
eines  Landes  meist  nahezu  gleich  Null.  1896  hatten  von  186  Verwaltungen  80  wogen
der  Geringfügigkeit  der  Summen  gar  keine  Transitgebühren  zu  bezahlen.  56  Verwaltungen ­
  rechneten  miteinander  ah.  Aber  nur  1 | 8  von  ihnen  hatte  wirkliche  Bargeschäfte ­
  zu  erledigen,  während  bei  2 /3  Schuld  und  Guthaben  sich  ausglichen.  Deutschland ­
  hatte  1,51  Millionen  Franken  zu  bezahlen  und  1,42  Millionen  von  andern  zu
bekommen,  im  ganzen  also  nur  einen  Barbetrag  von  87  000  Fr.  an  Landtransitgebühren ­
  wirklich  auszu  zahlen.  Bei  einer  Gesamtausgabe  der  deutschen  Posten
in  Höhe  von  705  Millionen  Franken  sind  aber  87  000  Fr.  so  gut  wie  Null.  Bei  dem
Inselreich  England  war  der  Betrag  der  höchste  920000  Fr.;  aber  bei  einer  Gesamtausgabe ­
  von  847  Millionen  Franken  ist  das  unwesentlich,  kaum  1 / 3 0 / 0 ;  bei  der
amerikanischen  Union  waren  es  780  000  Fr.  bei  einer  Gesamtausgabe  von  928  Millionen ­
  Franken.  Und  bei  den  meisten  grösseren  Ländern  betrugen  die  wirklichen
Zahlungen  nur  50  000—100000  Fr.,  bei  einigen  wenigen  100  000  200000  Fr.  oder  etwas
darüber.  Wenn  die  heutigen  Zahlen  auch  grösser  sein  sollten,  sie  kommen  neben
der  Gesamtausgabe  kaum  in  Betracht,  und  da  die  meisten  Leistungen  und  Gegenleistungen ­
  des  Transits  sich  ausgleichen,  ist  es  doch  wohl  nur  theoretisch  richtig,  zu
behaupten,  dass  die  Portoeinnahme  von  den  Ausländsbriefen  durch  die  Transitausgabe
und  die  gesteigerten  Selbstkosten  wesentlich  geschmälert  würde.
Im  europäischen  Verkehr  der  Länder  Europas  vielleicht  England  ausgenommen, ­
  das  aber  wiederum  soviel  Seetransitgebühren  vergütet  erhält  —kann  wenigstens
in  Wahrheit  keine  Rede-davon  sein.
        <pb n="215" />
        9S9B

—  176  —

Dagegen  im  aussereuropäischen  Verkehr,  im  interkontinentalen
transozeanischen  Briefverkehr  kommen  wirkliche  Barzahlungen  für
die  Seetransitbeförderung  mehr  in  Betracht,  obwohl  auch  hier  bei  subventionierten ­
  Linien  einerseits  die  TransitzollLung  für  eigene  Briefschaften  eines
Landes  ganz  fortfällt  und  andererseits  auch  wieder  von  fremden  Verwaltungen
Transitzahlungen  eingehen,  die  doch  mehr  oder  weniger  anzurechnen  sind  und  gewisse
Ausgleiche  schaffen.  Die  Zahlungen  an  Privatgesellschaften  bereiten  der  Post  natürlich ­
  wirkliche  Ausgaben  ohne  entgegenstehende  Einnahmen.
Doch  wollen  wir  den  Verkehr  der  Deutschen  Reichspost  nach  fremden
Weltteilen  weiter  verfolgen.  Er  ist  nur  sehr  gering:  6,7°/ 0  des  ganzen  Postauslandsverkehrs. ­
  Schon  deshalb  können  die  Ausgaben,  selbst  wenn  die
Post  hier  Geld  zusetzte,  nicht  bedeutend  sein.
Ich  nehme  an,  dass  hier  im  Durchschnitt  die  Transitkosten  für  jeden  Brief  10  Pf.
ausmaohen,  ebensoviel  wie  das  empfohlene  Weltporto,  und  nach  Australien  sogar
15  Pf.,  also  5  Pf.  mehr.  Landtransitporto  muss  aus  den  oben  entwickelten  Gründen
eigentlich  ausser  acht  bleiben,  so  dass  diese  meine  Annahme  also  schon  zu  hoch  ausfiele. ­
  Aber  sei  es  so.  Ich  will  lieber  die  Selbstkosten  zu  hoch  als  zu  niedrig  einschätzen.
Im  Verkehr  nach  Asien  (1,5°/ 0 )  würden  zunächst  für  Sibirien  als  Ziel  auf
dem  Landwege,  soviel  ich  weiss,  gar  keine  Transitgebtthren  in  Betracht  kommen,  weil
Russland  ein  angrenzendes  Land  ist.  Nach  der  asiatischen  Türkei  würde  wieder  das
hohe  Seeporto  wohl  zum  grossen  Teil  wegfallen.  Das  Seeporto  nach  Ostasien
macht  8,6  Pf.  auf  einen  Brief  von  IS 1 ^  g  (Durchschnittsgewicht),  nach  Indien  wohl
ebensoviel,  das  Landtransitporto  auf  dem  Wege  durch  Russland  und  Sibirien  aber
6,4  Pf.,  gewöhnliches  Landtransitporto  durch  2  Länder  (z.  B.  die  Schweiz  und  Italien)
3,2  Pf.  Im  Durchschnitt  wären  10  Pf.  Transitkosten  nach  Asien  also  wohl
reichlich  gerechnet.  Höhere  Seetransitgebühren  als  die  des  Weltpostvertrags
kommen  wohl  bei  manchen  Privatschiffen  vor,  aber  im  grossen  und  ganzen  dürften  sie
belanglos  bleiben.
Nach  Afrika  (1,1  °/o)  entrichtet  ein  grosser  Teil  der  Briefe  (nach  Aegypten,
Algier  und  Tunis)  höchstens  4,8  Pf.,  ein  anderer  Teil  8,6  Pf.  Seeporto;  ein  weiterer  Teil
geht  auf  den  subventionierten  deutschen  Dampfern  unentgeltlich.  Mit  dem  Landtransit
durch  2—8  Länder  (8,2  bis  4,8  Pf.)  kommen  hier  im  Durchschnitt  wohl  auch  höchstens
10  Pf.  Transitkosten  heraus,  wenn  ich  nicht  irre.
Nach  Amerika  (8,7  °/ 0  des  Postauslandsverkehrs,  die  Union  nicht  gerechnet)
stellt  sich  das  Seeporto  für  den  Norden  auf  4,3  Pf.,  für  Zentral-  und  Südamerika  auf
8,6  Pf.:  ein  Teil  des  Verkehrs  geht  bis  New-York  auf  deutschen  Dampfern  unentgeltlich,
ein  anderer  zahlt  noch  Landtransit  für  2  Länder  (3,2  Pf.).  Auch  hier  rechne  ich  10  Pf.
als  Durchschnitt.
Nach  Australien  (0,5°/ 0 ),  wohin  ein  Teil  der  Briefe  auch  subventionierte
Linien  benutzt,  will  ich  15  Pf.  Selbstkosten  rechnen,  also  5  Pf.  Zuschuss  auf  jeden  Brief.
Wie  man  nun  aus  der  obenstehenden  Zahlentafel  (S.  174)  sieht,  kann  schon
wegen  der  Geringfügigkeit  des  ganzen  transozeanischen  aussereuropäischen  Verkehrs,
selbst  wenn  er  teils  nur  gerade  die  Kosten  deckt,  teils  Zuschüsse  erfordert,  von  einer
erheblichen  Defizitwirtschaft  des  gesamten  Auslandsverkehrs  kaum  die  Rede  sein.  Die
geäusserten  Befürchtungen,  dass  das  Weltpennyporto  hier  schweren  Schaden  anrichten
würde,  sind  also  wohl  unbegründet  und  beruhen  vielleicht  auf  zu  ungenauer  Schätzung.
Man  verfolge  ferner  die  Schiusszahlen  der  Tabelle  oben  (S.  174).
Der  Postauslandsverkehr  des  Jahres  1907  bringt  unter  dem  20  Pf.-Porto  18962  000  M
ein.  Ich  setze  dabei  im  Durchschnitt  einfache  20  Pf.-Briefe  voraus.  Wenn  der  Verkehr
gar  nicht  stiege,  würde  der  theoretische  Ausfall  9889000  M  betragen.  Doch  von
90,1  auf  98,39  Millionen,  also  um  9°/ 0  stieger  schon  vop  selbst  von  1906  —  1907,  ohne  Tarifänderung. ­
  Infolge  der  Verbilligung  kann  man  daher  recht  sicher  auf  83 l /a  °/o,  wahrscheinlicher ­
  noch  auf  40°/ 0  Steigerung  schon  im  ersten  Jahre  rechnen.  Dann
würde  der  theoretische  Ausfall  auf  6798000  M  oder  gar  auf  etwa  6000000  M  sinken;
im  zweiten  Jahre  bei  66 2 / 3 _ 0 /o  Verkehrszuwachs  aber  bereits  auf  8  767  000  M  fallen,  sich
im  3.  oder  4.  Jahr  etwa  auf  700  000  M  vermindern  und  nachher  wohl  zu  Mehreinnahmen
gegenüber  dem  Jahre  vor  der  Reform  führen,  die  ein  paar  Jahre  darauf  schon  bedeutend ­
  (12  968000  M)  sein  könnten.  Verkehr  und  Handel  würden  stark  angeregt
werden  und  die  Z  o  11  einnahmen  und.Güterf  r  achten  würden  mit  wachsen.  Auch
wenn  die  Post  nur  den  alten  Stand  behauptete,  wäre  das  schon  etw r as  wert.  Ein  Verzicht ­
  auf  einige  mässige  Einnahmen  für  einige  Jahre  erschiene  bei  einer  Gesamteinnahme ­
  der  Reichspost  in  Höhe  von  597  Millionen  Mark  und  einem  Ueberschuss  von
73  Millionen  (1909  aber  etwa  98  Millionen)  nur  durchaus  verständig,  zumal  da  es  gilt,
das  gealterte  Weltporto  endlich  zeitgemäss  neu  zu  regeln.
Die  neuen  Erhöhungen  der  deutschen  Postbeamtengehälter  werden  allerdings
den  veranschlagten  Ueberschuss  stark  aufzehren,  doch  voraussichtlich  nicht  auf  lange,
und  das  Nachlassen  der  Geschäftskrise  ward  den  Verkehr  auch  wieder  heben.  Die  letzten
Portoerhöhungen  haben  zur  Verkehrsminderung  mit  beigetragen,  und  eine  Portoerleichter ­
  im  g  kann  daher  nur  gut  tun.  Vermehrter  Auslandsverkehr  vermehrt  auch
den  Inlands  verkehr.
        <pb n="216" />
        12

177

Weltporto

künftig

25  Heller

10  Heller

2.  Oesterreich.

Frank.  Briefe

Theoret.

(vgl.  S,  215  ff.,  252  ff.)

Millionen ­


°lo

in  1000
Kronen
z  u  0,85  M

Gesamtverkehr  nach

dem  Auslande  (einschliesslich ­
  Bosnien
und  Ungarn  .  .  .

113,75

100

davon  nach  Postvereinsländern

  ....

85,30

75

Demnach  nach  dem

gesamten  Post-Anstande ­


28,45

25

4  267,5

Hiervon  gingen  nach
a)  angrenzenden

gleich
3  627  375M

Ländern:

Italien

4,41

Schweiz  ....

2,68

(Russland  ....

4,45

zusammen

11,54

10,5

1  731,0

h)  nach  dem  übrigen

Europa  .  .  .  .

9,20

8,1

Also  a)  u.  b):  Europa

20,74

18,6

3111,0

c)  nach  Afrika  .  ,  .

0,60

0,54

90

d)  „  Amerika  .  .

6,20

5,6

930

darunter  Vereinigte

Staaten  ....

5,19

e)  Asien

0,83

0,72

124,5

f)  Australien....

0,00

0,08

13,5

e)  bis  f)  aussereurop.

Weltteile  zusammen

7,72

6,4

1158,0

3.  Bosnien  und

Herzegowina.

Gesamtverkehr  nach

auswärts  ....

3,32

100

davon  nach  Postvereinsländern....


3,00

90

Demnach  ins  Post-Ausland



0,32

10

48

davon  nach  der  angleich



grenzenden  Türkei
nach  den  Vereinigten

0,07

40  800  Kl

Staaten

0,12

Weltporto

künftig

25  Heller

10  Heller

4.  Ungarn.

Frank.  Briefe

Theoret.
Ausfall

Millionen ­


°/o

in  1000
Kronen
zu  0,85  M

Gesamtverkehr  nach
auswärts  ....
davon  nach  Postver-37,07



100

einsländern  ....

28,40

76,7

Demnach  ins  gesamte

Postausland  .  .  .

8,67

23,3

1  300,5

davon:

a)  nach  Europa  .  .  .

4,20

643,5

darunter  nach  dem
angrenzenden  Rnmänien



0,79

nach  dem  übrigen

Europa

3,50

b)  nach  Afrika  .  .  .

0,11

0,3

16,5

c)  nach  Amerika  .  .

4,18

11,3

627,0

hiervon  V  ereinigte

Staaten  ....

4.04

d)  nach  Asien  ,  .  ,

0,043

0,1

6,4

e)  Australien  .  .  .

0,005

0,018

0,7

Gesamtausfall

1  300,5

gleich
1105000M

5.  Frankreich.

Weltporto

künftig

(vgl.  S.  149,  213,  269.)

Frank.  Briefe

Ausfall

Milin

  1000

lionen

°/o

Franken

Gesamt  verkehr  ,  ,  .

93,66

100

davon  nach:
a)  Europa

76,8

81,7

hiervon  nach  französis.
  Postämtern  in

Marokko,  Tripolis  u.
der  Türkei  .  .  .

0,8

Der  R.est:  P  o  s  t  a  usland



76,0

SO

11400

davon  nach  angrenzenden ­
  Ländern  .

50,53

53,7

7  675

nämlich:
Belgien

10,95

1  641

Luxemburg  .  .  .

0,48

72

Deutschland  .  .  .

16,36

2  454

Schweiz

7,92

1  188

Italien

8,82
6,00

1  323

Spanien

900
        <pb n="217" />
        178

Weltpo
25  Oenti
Frank.  B
Millionen ­


rto
mes
riefe
°/o

künftig
10  Cent.
Theoret.
Ausfall
in  1000
Franken

Verkehr  nach  aussereuropäisch.

  Ländern:

16,9

18,3

b)  Afrika

9,00

9,5

davon  Postvereinsländer:



Algier

7,10

Tunis

1,03

Pranzös.  Kolonien  .

0,43

zusammen

8.56

Det  Rest:  Postausland



0,44

0,46

66

o)  Amerika  ....

5,70

6,1

darunter  französisch.

Kolonien  .  .  .

0,60

Der  Rest:  Postausland



5,10

5,3

765

davon:

Vereinigte  Staaten  .

2,82

423

Rrasilien  ....

0,54

Argentinien  .  .  .

0,42

Mexiko

0.23

Chile

0,23

Kanada  .....

0,12

d)  Asien  ...

1,45

1,5

darunter  französisch.

Kolonien  .  .  .

0,82

Der  Rest:  Postausland



0,68

0,66

94,5

e)  Australien  und  Ozeanien



0,39

0,4

darunter  französisch.

Kolonien  ....

0,18

Der  Rest:  Postausland



0,21

0,2

31,5

Insgesamt:

ins  Postansland  .  .  ,

82,38

87

12  357

nach  Postvereiusländ.

11,28

12

10  Milk  M

6.  Algier,  (vgl.  S.  269.)

Gesamtyerkehr  .  .  .

8,87

100

Davon  nach

a)  Europa

7,9(&amp;gt;

Hiervon  n.  d.  Postvereinsländern:



Frankreich  .  .  .

6,68

d.  franz.  Postamt.

d.  Türkei  (m.  Tripolis

  u,  Marokko)

0,014

zusammen

6,694

76

Weltporto
25  Centimes

künftig
10  Cent.

Frank.  Briefe

Theoret.
Ausfal  1

Millionen ­


°lo

in  1000
Franken

Rest  Postausland
h)  Afrika
Davon  n.  d.  Postvereinsländern ­
  ;

1,26
0,777

14,4

187

Tunis
Franzos.  Kolonien

0,764
7

zusammen
Rest  Postausland
c)  Amerika  ....
Davon  Postvereinsländer ­
  :

0,771
0,006
0,082

Pranzös.  Kolonien

0,010

Rest  Postausland
d)  Asien
Davon  Postvereinsländer:


0,072
0,020

Pranzös.  Kolonien

0,013

Rest  Postausland
e)  Australien  und

0,607

Ozeanien  ....
Davon  Postvereinsländer ­
  :

0,0038

Pranzös.  Kolonien

0,0028

Rest  Postansland

0,0010

Insgesamt  Postausland
Postvereinsländer  .

1,346
7,53

15
85

201,9
gleich
163  620  M

T  .  Tunis.  (Vergl.S.  269,277)

Gesamtverkelir  .  .  .
Davon  nach
a)  Europa
Darunter  n.  d.  P  o  s  t  -

7,14
6,06

vereinsländern:
Frankreich  .  .  .
Tripolis  ....
Pranzös.  Kolonien

0,89
0,08
0,01

zusammen
Rest  Postansland
h)  Amerika  ....
darnnt.  fr.  Kolonien
(Postvereinsland)
c)  Asien
d)  Australien  und
Ozeanien  .  .  .  .

0,98
o,08
0,067
0,002
0,023
0,001

14

762

Insgesamt  Postansland

6,16

86

924
gleich
130  000  M
        <pb n="218" />
        1  79

8.  Französiscli-Indo-China.


Weltporto
25  Centimes
Frank.  Briefe
Mil-  1
Honen  Io

künftig
10  Cent.
Theoret.
Ausfall
in  1000
Franken

Gesamtverkehr  .  .  .
Davon  nach
Postvereinsländern

2,121
1,831

100
86

Der  Best:  Postausland

0,290  '

14

43,5
gleich
35  235  M

8  &amp;lt;1.  Madagaskar
und  Anhang.
Gesamtverkehr  .  .  .
Davon  nach
Postvereinsländern

1,075
1,000

93,7

Der  Best:  Postausland

0,009

6,3

10,35
gleich
8383  M

9.  Grossbritannien.
(vgl.  S.  105,  146,
218,  266  f.)

Weltpo
25  Centi
(2i/ 2  d
Frank.  B
Millionen ­


rto
mes
i
riefe
°/o

künftig’
10  Cent.
(1  d)
Theoret.
Ausfall
in  £

Gesaintverkehr  nach

auswärts

117,00

100

davon  nach

a)  Europa

52,3

44

Britisch.  Kolonien

(Postvereinsländ.)

1,7

Best;  Postausland

60,6

42

316  250

davon  nach  4  N  a  c  h  -

barländern:

35,55

30

222187

Frankreich  .

12,39

77  437

Belgien  ....

4,08

Holland  ...

6,39

Deutschland  ,  .

12,69

79  312

Ferner  nach

Dänemark  .  .  .

0,88

Norwegen  .  .  .

1,11

Schweden  .  .  .

1,11

Oesterreich  ,  .  .

2,08

Italien

2,65

Spanien  ....

1,81

Portugal  ....

0,67

Kussland  ....

1.64

Schweiz  ....

1,11

b)  Afrika

11,92

10

davon  nach  Postvereinsländern:



Aegypten  .  .  .

1,38

Britische  Kolonien

10,12

zusammen

11,50

Weltporto
25  Centimes
(2 l / 2  d)
Frank.  Briefe
Mil-  1  0/
Honen  |  10

künftig
10  Cent.
(1  d)
Theoret.
Ausfall
in  £

Best  Postausland

0,42

0,35

2  625

c)  Amerika  ....

34,80

30

hiervon  nach  Post-Vereins!

  ändern:

Vereinigte  Staaten

18.9

Kanada  ....

13.21

Britische  Kolonien

1,12

zusammen

32,42

Best  Postauslaud

2,38

2

14  587

Davon  nach

Argentinien.  .  .

0,65

Brasilien  ....

0,58

Chile

0,35

Mexiko  ....

0,25

d)  Asien  .  .  .  .  .

11,2

9,5

davon  Postvereinsländer;



Britisch-Indien

7,9

Britische  Kolonien

1,7

zusammen

9,0

Best  Postausland

2,0

2,2

16  250

davon  nach

.  China  (fremde

W  eltpostbureaus)

0,76

Japan

0,46

Siam

0,07

e)  Australien  und

Ozeanien  ....

6,3

5,3

davon  nach  Postvereinsländern:



Australien  .  .  .

4,12

Neu-Seeland  .  .

2,14

Brit.  Inselkolonien

0,03

zusammen

6,29

Best  Postausland

0,018

0,0

112

Insgesamt  nach  Postvereinsländern

  .

61,5

52,5

nach  d.  Postausland

00,0

47,5

hiervon  (Postausland)

nach  Europa  etwa

50,6

42

316  250

nach  aussereuropäischeu

  Ländern  .  .

5,4

4,57

33  862

Gesamtausfall

350  112

gleich

7142  285  M
        <pb n="219" />
        180

IO.  Canada.
(vgl.  S.  146,  256,  266)

Geschätzt
nach  d.  eingegang.
  Briefen
Weltporto
25  Centimes
(5  Cents)
Frank.  Briefe
Millionen

Porto
künftig
10  Cent.
(2  Cents)
Theo  r  et.
Ausfall
in  1000
Dollar

Gesamtzahl  der  vom
Ausland  eingegangenen ­
  Briefe  (soweit ­
  in  d.  Berner  Statistik ­
  „Expedition“

erkennbar)  ....

V

davon  ans

a)  Europa

14,469

darunter

England  (Postv.)

13,211

Oesterr.  m.  Bosn.

0,332

Ungarn  ....

0,087

Deutschland  .  .

0,290

Frankreich  .  .  .

0,125

Norwegen  .  .  .

0,092

Schweden  .  .  .

0,076

Dänemark  .  .  .

0,022

Belgien  ....

0,073

Holland  ....

0,020

Schweiz  ....

0,037

Italien

0,068

Portugal  ....

0,006

Griechenland  .  .

0,010

Türkei

0,014

Serbien  .  .  .  .

0,002

Bulgarien  .  .  .

0,004

Postansland  (d.  h.

Europa  ohn.Engl)

1,258

37,74

b)  Afrika

0,105

davon

Transvaal  .  .  .

0,031

Oranje-Kolonie

0,015

Süd-Rhodesia  .  .

0,003

Capland  ....

0,043

Britisch  -  Ostafrika

0.001

Aegypten  .  .  .

0,008

Diese  Postvereinsländer

  zusammen

0,101

ferner

Tunis

0,003

Algier

0,001

Poslausland  zusam.

0,004

0,12

c)  Amerika  ....

0,478  (?)

Postvereinsldr.:

Vereinigte  Staaten

?

Mexiko  ....

0,389

Bermudas-Inseln  .

0,037

Postvereinsl.  zusam.

0,426  (?)

Geschätzt
nach  d.  eingegang.
  Briefen
Weltporto
25  Centimes
(5  Cents)
Frank.  Briefe
Millionen

Porto
künftig
10  Cent.
(2  Cents)
Theoret.
Ausfall
in  1000
Dollar

St.  Pierre  etc.  .  .

0,015

Salvador  ....

0,001

Chile

0,004

Argentinien.  .  .

0,032

Postausland  zusam.

0,052

1,66

d)  Asien

0,168

davon

Korea

0,002

Japan  .  .  .  .  .

0,151

Straits  Settlements

(Postvereinsl.)  .

0,003

Nieder!.  Indien  .

0,002  .

Britisch-Indien

?

Postansland  .  .  .

0,155

4,65

e)  Australien....

0,0814

Australien  .  .  .

0,081

Neuseeland  .  .  .

0,0004

Postvereinsländ.

0,0814

0

a)  bis  e)  zusammen

16,291

davon

Poslausland  ....

1,469

44,07

Postvereinsländer  .  .

13,822

gleich

Postüberschuss  im

185  094  M

Jahre  1906/7  (9  Monate)
1082  301  Dollar,  im  ganz.
Jahr  also  etwa  1440  000
Dollar  =  5  760  000  M  (vgl.
Union  Postale  1908,  Nr.  9,
S.  134)  d.  h.  etwa  16°/ 0  der
Einnahmen.

11.  Brifiscii-Indien.
(vgl.  S.  148,  260,  266.)

Weltpo
2i/ a  d  (A
(25  Centi
Frank.  B
Millionen ­


rto
nna)
mes)
riefe
°/o

künftig
1  Anna
(  1  Penny)
(10  Cent.)
Theoret.
Ausfall
in  £

Gesamtverkehr  .  .  .

9,92

100

davon  nach

a)  Europa

8,40

84,8

Darunter  Postvereinsländer:



England  ....

7,80

Brit.  Kolonien.  .

0,03

zusammen

7,83

Best  Postausland  .

0,67

6,6

4187

ferner

Deutschland  .  .

0,195

Frankreich  .  .  .

0,188
        <pb n="220" />
        181

Weltporto
2 1 / 2  d  (Anna)
(25  Centimes)
Frank.  Briefe
Mill-  1  0 ,
lionen  i  Io

künftig
1  Anna
(IPenny)
(10  Cent.)
Theoret.
Ausfall
in  £.

b)  Afrika
Davon  nach  dem
Postvereinsland
Aegypten  .  .  .
Brit  Südafrika

0,220
0,050
0,141

zusammen
Rest  Postansland  .

0,191
0,029

0,3

181

c)  Amerika  (Ver.  St.)  .

0,159

993

d)  Asien
Davon  nach  d.  brit.
Kolonien  (Vereinsl.)

1,120
0,7)7

Rest  Postansland  .
nach  den  Grenzl.:
Siam
China  (fremde
Weltpostämter).
Persien  ....

0,403
0,007
0,106
0,116

4

2518

e)  Australien  und
Oceanlen
Anstral.  Bund  .  .
(Postvereinsland)

0,012

75

Insgesamt:
Postansland  .  .
Postvereinsländer.

1,273
8,65

13
87

7950
gleich
162  302  Kl

12.  Straits-Settlenients
  (Malacca)
(vgl.  S.  260.)

Weltporto
8  Cents
(ca.  16  Pfg.)
Frank.  Briefe
Mil-  1  0/
lionen  |  10

Künftig
4  Dollar-Cents

(8  Pfg.)
Ausfall
in  Dollar
(Wert
etwa  2M)

Gesamtverkehr  .
Davon  nach  brit.

8,998

100

Postvereinsländern
darunter
England  ....
Br.-Indien  .  .  .

1,380
0,411
0,708

34,5

Rest  Postansland

2,018

65,5

104  720
etwa
209  440  NI

13—17a.  Australien  (vgl.  S.  258f,,  146).

Weltporto

künftig

2  Ha  d

1  d

13.  Westaustralien.

(25  Centimes)

(10  Gen-Frank.

  Briefe

times)
Theoret.

Mil-°/o



Ausfall

lionen

in  £

Gesamtverkehr  nach
Auswärts  ....
Davon  nach  den  brit.

2,707

Post  vereinsl  ändern
(Porto  2  d)  .  .  .  .

2,511

93

10  462

Rest:  Postansland  .  .

0,190

7

1  224

Gesamtausfall  .  .  .

11680

gleich
238  394  N!

14.  Neu-Südwales.

Gesamtverkehr  .  .  .
Davon  nach  den  brit.

10,503

Postvereinsländern
(Porto  2  d)  ...

9,723

92,5

40  512

Darunter:

England

1,231

Südafrika  ....

0,168

Kanada

0,064

Brit.-Indien  .  .  .

0,065

Australien  ....

7,050

Nen-Seelaud  usw.  .

0,956

Rest:  Postansland  .  .

0,780

7,5

4  874

Gesamtausfall  .  .  .

45  386

gleich
925  874  M

15.  Queensland.

Gesamtverkehr  .  .  .
Davon  nach  den  brit

3,338

Postvereinslämlern-(Porto
  2  d)  ...

3,238

97

13  491

Darunter!

England

0,399

fiebriges  Australien

2,734

Neuseeland  .  .  .

0,046

Rest:  Postansland  .  .

0,100

3

624

Gesamtausfall  .  .  .

14115
gleich

287  946  M
        <pb n="221" />
        182

IG.  Viktoria  (1906).

Briefe:  Weltporto ­
  2 1 / z  d
Inland  n.  Kolonialreich ­
  2  d
Postkarten  1  d
Ml  1  ”  1  r.  p  ,1-'.
Honen!  Bfe -  )

künftig
Bfe.  1  d
Theoret.
Ausfall
in  £

Briefe  u.  Postkarten:
Gesamtyerkehr  .  .  .

Bfe.  u.
Kart.
9,889

allein
8,4

Davon  nach  den  brit
Postyereinsläudern
(Porto  2  d)  ...

9,528

8,1

33  750

Rest:  Postausland  .  ,

0.361

gleich
96,4%
0,3

1  875

Annahme  von  15  %
Postkarten  wie  1907
in  Nen-Süd  wales  ungefähr. ­

Gesamtansfall  (ungefähr) ­

*)  Dabei  geschätzt  15%
Postkart,  85%Briefe

gleich
^36  %

35  025
gleich
726  150  NI

17.  Tasmanien.

Weltpc
(25  Cent]
Frank.  B
Millionen ­


&amp;gt;rto
I
mes)
riefe
°/o

künftig
1  d
Theoret.
Ausfall
in  £

Gesamtyerkehr  .  .  .
Postyereinsyerkehr
(Porto  2  d).  .  .  .

3,442
8,409

99

14  204

Rest:  Postausland  .  .

0,033

1

200

Gesamtansfall  .  .  .

14410
293  964  M

Addition:
Westanstralien  .  .
Nen-Stidwales  .  .
Queensland
Viktoria
Tasmanien  ....

11  686
45  386
14  115
35  625
14  410

Australien  zusammen

121  222
gleich
2472929M

17a.  Südaustralien.
(Spezialstatistik  fehlt)

0,375  Mül.
frank.  Briefe
nach  auswärts. ­

(Postvereinsverkehr?) ­


18.  Neu-Seeland.
(vgl.  S.10,148,258,283.)

Weltporto
2i/ 2  d
(25  Centimes)
Frank.  Briefe
Millionen
  °lo

Künftig
(10  Centimes) ­

Theoret
Ausfall
in  £

Gesamtyerkehr  nach

auswärts  (1904)  .  .

3,103

100

hiervon  nach

aj  Europa

1,380

44,6

davon  nach  dem

Postvereinsland

England  .  .  .

1,306

Rest  Postanslaud  .

0,074

2,4

462

b)  Afrika

0,0922

davon  Postvereinsländer:



Ägypten  ....

0,0003

Transvaal  .  .  .

0,0306

Brit.  Kolonien  .  .

0,0605

zusammen

0,0914

Rest  Postanslaud  .

0,0008

o

o  Amerika  .  ,  .  .

0,234

davon  PostVereinsländer:



Canada  ....

0,028

Mexico  ....

0,0005

Brit.  Kolonien  .  .

0,002

zusammen

0,0305

Rest  Postausland  .

0,204

1275

davon

Vereinigte  Staaten

0,200

d)  Asien

0,028

davon  Postvereinsländer:



Britisoh-Indien

0,014

Brit.  Kolonien.  .

0,007

zusammen

0,021

Rest  Postausland  .

0,007

43

e)  Australien  etc.  .  .

1,364

davon  Postvereinsländer:



Brit.  Kolonien.  .

1,349

Rest  Postanslaud  .

0,015

93

Insgesamt  Postausland

(1904)

0,301

9,7

1881

Gesamtyerkehr  1907  .

4,461

Postausland  entsprech.

(Schätzung)  .  .  .

0,440

9,7

2750

gleich

661G0  M
        <pb n="222" />
        183

19-24.  Britisch-Südafrika  (vgl.  S.  258,  267,147).

Weltporto
2 1 / 2  d

künftig
1  Penny

19.  Kapland.

(25  Centimes)

(10  Cent.)
Theoret.

Ausfall

(vgl.  S.  143.)

Mil-(15

  Cent,
pr.  Brief)

lionen

m  £

Gesamtverkehr  nach
auswärts
Davon  Verkehr  nach

5,49

100

den  Postvereinsländern ­
  ....

4,95

90

(England

3.17

Britisch-Südafrika  .  .

1,48

Canada

0,43

Britisch-Indien  .  .  .
Australien,  Neuseeland

0,66

usw)

0,13

Pest;  Postausland  .  .

0,54.

10

3  375

glei  ch
68  650  1*1

20.  Oranje-Fluss-Kolonie.



Gesamtverkelir  .  .  .
Verkehr  nach  den

5,724

100

Postvereinsländern.

5,570

97,4

(England

1,29

Brit.-Südafrika  usw.)  .

4,19

Rest:  Postausland  .  .

0,154

2,6

902

gleich
19625  1*1

21.  Transvaal.

Gesamtverkelir  .  .  .
Verkehr  nach  den

8,40

100

Postvereinsländern.

7,91

95

Darunter:

England

2,87

Kapland  ....

2,29

Nata]

1.32

Oranje-Eluss-Kolonie  .

0,85

Rhodesia

0,10

Betschuanaland  .  .  .

0.03

Andere  afrik.-brit.  Ko).

0,03

Canada

0,03

BritisclDIndien  .  .  .

0,12

Australien  u.  Neusee].

0,13

Rest:  Postausland  .  .

0,55

5

3430

gleich
69  972  M

22.  Süd-Rhodesia.

Weltporto
2 1 / 2  d
(25  Centimes)
Frank.  Briefe
Mil-  1  o/
lionen  |  10

künftig
Id
(10  Cent.)
Theoret.
Ausfall
in  £

Gesamtverkelir  .  .  .
Davon  nach  Postvereinsländern ­
  .
Darunter:
England
Britisch-Südafrika  .  .

0,721
0,037
0,250
0,320

100
88,4

Rest:  Postausland  .  .

0,084

11,6

525
gleich
10710  1*1

23.  Betschuana-Land.

Gesamtverkehr  .  .  .
Davon  nach  britischen
Postvereinsländern  (?)

in
Tausend
4,38
4,20

Rest:  Postauslaud  .  .

0,18

0,0

Addition;
Kapland
Oranje-Kolonie  .  .  .
Transvaal
Süd-Rhodesia....
Betschnana-Land  .  .

3375
962
3430
525

Brit.-Südafrika  zus.  .

8292  £
gleich
169157  M

24.  Natal.
(Spezialstatistik  fehlt.)
Gesamtverkehr  nach
auswärts

Million.
4,845
vermutl.
grössten
nach  P
vereinst

auch
teils
oständ.
        <pb n="223" />
        184

25.  Aegypten
(vgl.  S.  13,148,217,266)

Weltporto
10  Milliemes
(20,75  Pf.)
Frank.  Briefe
Mil-  1  0 ,
lionen  |  10

künftig
5  Milliemes ­

(10,87  Pf.)
Thooret.
Ausfall
in  1000
Mark

26.  Italien
(vgl.  S.  215,  265,  277)

Weltp
25  Cent
Frank.
Millionen ­


orte
imes
Briefe
°/o

künftig
10  Centimes ­

Theoret.
Ausfall
in  1000
Franken

Gesanitverkehr  .  .  .

6,07

Gesamtverkehr  nach

auswärts  ....

33,37

100

davon  liack

davon  nach

a)  Europa

4,0

a)  Europa

24,5

74,2

3675

Postvereinsl.  .  .

2,39

darunter  teilweise

England  ....

1,79

Postvereinsverk.

Engl.  Kolonien

0,04

nach  der  Türkei;

Italien  ....

0,58

Gesamtverkehr

Rest  Postansland

2,51

251

dahin  ....

0,48

davon  nach

Angrenz.L  ander:

Frankreich  .  .  .

0.69

Frankreich  .  .  .

6,83

Deutschland  .  .

0.36

Schweiz  ....

2,51

Griechenland  .  .

0,35

Oesterreich  .  .  .

3,66

Europ.  Türkei  .  .

0,25

Ungarn  ....

0,88

Oesterreich  .  .  .

0,26

zusammen

13,88

2082

Ungarn  ....

0,09

Ferner  nach:

Schweiz  ....

0,12

Deutschland  .  .

3,87

580,5

Russland  ....

0,54

h)  Afrika

0,09

Belgien  ....

0,50

davon  engl.  u.  ital.

Spanien  ....

0,43

Kolonien  (Post-Griechenland

  .

0,40

vereinsländer)  .

0,027

6,3

Rumänien  .  .  .

0,28

Postausland.  .

0,063

Holland  ....

0,22

h)  Afrika

1,25

3,8

c)  Amerika  ....

0,345

Postvereinsverkehr

davon  hrit.  Kolonach



nien  (Postver.-Tripolis

  ....

0,12

Länder)  .  .  .

0,003

Ital.  Kolonien  .  .

0,007

Postausland

0,342

34,2

Aegypten  .  .  .

0,470

zusammen

0,597

d)  Asien

0,758

Rest:  Postausl.

0,653

2

97,95

davon  Brit.-Indien

0,119

davon  nach:

Brit.  Kolonien.  .

0,042

Algier

0,201

(beide  im  Post-Tunis

  .  .  .  .  .

0,399

■verein)

c)  Amerika  ....

7,15

21,6

1072,5

Postausland.  .

0,597

59,7

davon  nach  den

Vereinigt.  Staaten

2,78

e)  Australien  und

Argentinien.  .  .

2,07

Oceanien  ....

0,068

Brasilien  ....

1,41

davon  brit.  Kolo-Uruguay

  ....

0,49

nien  (Postver.-Mexico

  ....

0,88

länder)....

0,066

Canada  ....

0,68

Postausland.  .  .

0,002

0,2

d)  Asien

0,27

0,8

40,5

e)  Australien  und

Insgesamt  nach  dem

Oceanien  ....

0,068

0,02

10,2

postalischen  Ausland

3,51

58,5

351

Insges.  Postausland  oa.

32,5  I

98

4875

351000  M)

Postvereinsländer  .  .

2,65

41,5

Postvereinsgebiet  ca.

0,8  |

2

948750M
        <pb n="224" />
        185

27.  Spanien
(vgl.  S.  217,  254,  294)

Schätzun
nach  d.  Z
gangen
ungefäh
gesand
kom
Weltpo
25  Cent
Frank.  B
Mülionen ­


g  des
ahl  d
en  Bi
r  den
ien  g]
men  },
rto
irnes
riefe
°/o

Ausfalls
eingei
  efe,  die
hinaus--eichzu-


(künftig
10  Cent.)
Theoret.
Ausfall
in  1000
Franken

Gesamtzahl  der  ins  Ausland

  abgeschickten

Briefe

22,73

(vermutlich  zu  hoch

gezählt).

Gesamtzahl  der  eingegaugeueu

  Briefe  von

auswärts

li),6l

100

Davon  kamen  aus

a)  Europa

11,966

nämlich:

Portugal  (Postvereinsland)

  .  .

0.579

Frankreich  .  .  .

5,998

900

Deutschland  .  .

2,060

England  ....

1,812

Belgien  ....

0,330

Italien  ....

0,431

Österreich  .  .  .

0,270

Ungarn  .  .  .  .

0.043

Bosnien  ....

0,001

Schweiz  ...  .  .

0.210

Holland  ....

0,080

Norwegen  .  .  .

0,035

Schweden  .  *  .

0,024

Dänemark  .  .  .

0,030

Türkei  ....

0.031

Rumänien  .  .  .

0,013

Serbien  ....

0,004

Bulgarien  .  .  .

0,003

Griechenland  .  .

0,007

Luxemburg  .

0  005

Eur.  Postausland

11,387

1708

(Eur.  o.  Portugal).

b)  Afrika

—

Algier

0,169

Tunis

0,028

Aegypten  .  .  .

0,011

Capland  ....

0,003

zusammen

0,211

31,6

c)  Amerika  ....

—

Chile

0,080

Mexico  ....

1,482

Salvador  ....

0,006

zusammen

1,568

235,2

Schätzung  des
nach  d.  Zahl  c
gangenenBi
ungefähr  den
gesandten  g!
kommen  j.
Weltporto
25  Centimes
Frank.  Briefe
Mil-  '  o,
Honen  |  ,0

Ausfalls
.  eingei
  efe,  die
hinauseichzu-


(künftig
10  Cent.)
Theoret.
Ausfall
in  1000
Franken

d)  Asien
Japan  .  .  .  .  .

0,003

e)  Australien  ....

0,003

—

a  bis  e  zusammen
Postausland  o.  Port.

13,751
13,172

1976,8

(unvollständig)
Postvereinsverkehr  .

0,579

3,7

gleich
1585000M

28.  Portugal.
(vgl.  S.  217,254,261,271)

Weltpo
50  Re
(18  Pf.  Fe
22 1 /o  Pf.
Frank.  B
Mil-Honen


rto
IS
ipier)
Sold
riefe
°/o

künftig
25  Reis
(9  Pf.)
wie  das
Inlandsporto ­

Theoret.
Ausfall
in  1000  M
(ungef.)

Gesamtverkehr  .  .  .

4,50

100

davon  nach

a)  Europa

2,00

44,4

darunter  Postvereinsland

  Spanien

0,58

Rest  Postausland

1,42

128

bl  Afrika

0,594

dav.  Postvereinsld  :

Portug.  Kolonien

0,579

Rest  Po  st  aus  land

0,015

c)  Amerika

1,60

1,35

davon  nach

Brasilien  ....

1,29

Vereinigte  Staaten

0,29

d)  Asien

0,062

dav.  Postvereinsld.:

Portug.  Kolonien

0,044

Rest  Postauslaud

0,018

1,62

e)  Kolonien  fremder

Länder  in  allen

Weltteilen  ....

0,160

14,4

Insgesamt  Postausland

3,05

67

274,5

Postvereinsländer

1,45

33

gleich

274  500  M
        <pb n="225" />
        180

Weltporto

künftig

Weltporto

künftig

29.  Schweiz.

25  Centimes

10  Cent.

25  Centimes

11  Cent.

Frank  Briefe

Theoret.

Frank.  Briefe

Theoret.

(vgl.  S.  8,  215  f.,  286)

'  Milin

  1000

Mil-°/o



in.1000

Honen

°/o

Franken

Honen

Franken

Gesamtyerkehr  .  .  .

23,57

100

b)  Afrika

0,25

0,9

37,5

davon  nach

c)  Amerika  ....

0,98

3,5

147

a)  Europa

22,20

94,6

3  330

d)  Asien

0,18

0,6

24

darunter  nach  den

dav.Niederl  Kolon.

0,015

Grenzländern;

8,09

e)  Australien  ....

0,024

3,6

Deutschland  .  .

1  213,5

Aussereurop.  Länder

Oesterr.-Ungarn  .

1  1,24
V  0,14
3,07
5,69

186
21
460.5
853.5

b,  c,  d,  e  zusammen

1,43

5

212

Italien
Frankreich  .

Postvereiusverkehr
(Luxbg.  u.  Holland)
Uebriger  Verkehr  .  .

3,6
24,2

13
87

zusammen
b)  Afrika

18,23
0,21

2  734,5
31,5

0,9

Gesamtverkehr  .  .  .

28,2«

4  037

darunter
Aegypten  .  .  .

0,11

326997DM

Algier

0,06

1000  Fr.

c)  Amerika  ....
darunter

0,86

3,7

129

31.  Congo-Staat.

Vereinigte  Staaten

0,71

Gesamtyerkehr  .  .  .

0,156

23,4

Argentinien.  .  .

0,075

davon  nach

gleich

Canada  .  .  .  .

0,037
0,14

a)  Europa

0,135

18  954  M

d)  Asien

0,6

21

hiervon  Belgien  .

0,900

davon  Brit.-Indien

0,05

b)  Afrika

0,014

e)  Australien  und

cj  Amerika  ....

0,004

Ozeanien  ....

0,047

0,02

7

d)  Asien

0,0001

Aussenrop.  Land.  zus.
Gesamtyerkehr  (Post-1,257



5,22

188,5

e)  Australien  ....

0,0001

ausland)

23,57

3  535,5

Künftig

gleich

32.  Holland.

Weltporto

5  Cents

2  863  755M

12 l / 2  Cents

(Inlandsporto) ­


(vgl.  S.  217,  255,  268)

Frank.  Briefe

Theoret.
Ausfall

Mi  l  -

°/o

in  1000

30.  Belgien.

Honen

Gulden

Gesamtyerkehr  .  .  .
davon  nach

15,25

100

(vgl.  S.  215,  217,  255)

Gesamtyerkehr  .  .  .

28,2«

100

a)  Europa

13,«0

90

984,5

hiervon  nach

darunter  nach  dem

a)  Europa

2«,7

95,3

8  825

Postvereinsld.

davon  nach  angr.

Belgien  (10  Cents)

2,52

126

Ländern:  .  .

20,1

ferner  nach

Frankreich  .  .  .

10,1

1  515

Deutschland  .  .

5,38

403,5

Luxemburg 1 )  .  .

0,4

40

England  .  .  y .  .

3,14

235,5

Deutschland  .  ,

6,4

960

Diese  3  Nachbar-Niederlande

 1 )  .

3,2

320

länder  .  .  ,

11,04

73

765,0

Nachbarld.  Engld.

3,5

525

ferner  nach

Frankreich  .  .  .

1,19

Briefe  aus  Belgien

Schweiz  ....

0,20

nach  Luxemburg  und
Holl  an  d  nur  20  Centimes

Schweden  .  .  .

0,19

statt  25  (Postverein).

Russland....

0,19
        <pb n="226" />
        187

Weltpo
12i/ 2  Ce
Frank.  B
Millionen ­


rto
nts
riefe
°/o

Künftig
5  Cents
(Inlandsporto) ­

Theoret.
Ausfall
in  1000
Gulden

b)  Afrika

0,134

0,9

10,05

c)  Amerika  ....

0,81

5,4

ca  60,75

davon

Vereinigte  Staaten
Holl.  Kolonien  .  .
(Postvereinsld.)

0,66
0,057

d)  Asien

0,68

4,5

davon  Postvereinsländer ­
  :

Holl.  Westindien  .

0,619

liest  Postausland

0,061

0,4

4,67

e)  Australien  und
Oceauien  ....

0,007

0,52

Ansserenrop.  Länder  .

1,63

Insgesamt  Postausland
PostVereinsgebiet
doch  nach  Belgien
besteht  nur  eine

12,05
3,20

80
20

J  1040,8
1  768  000  M

Ermässigung  von
25  auf  20  Centimes
(=10  Cent  statt
12 1 /s).

33.  Niederländ.-Weltporto


121/2  Cents

Künftig
5  Cents
(10  Centimes) ­


Indien.

(25  Centimes)

Frank.  Briefe

Ausfall

(Vgl.  S.  268)

Millionen ­


°/o

in  1000
Gulden

Gcsamtyerkehr  .  .  .

1,074

davon  nach

Poslyereinsländern:

(f.  d.  direkten  Seeverkehr)

Holland  ....

0,625

bei  An-Holl.

  Amerika  ,  .

0,002

d.Hälfte

zusammen

0,627

68

23,5

Postausland  ....

0,347

32

26,0

Gesamtausfall  .  .  .

49,5
gleich
84150  M

34.  Luxemburg.
(vgl.  S.  213,  253,  255)

Weltporto
25  Centimes
Frank.  Briefe
Mil-  I  0/.
Honen  j

Künftig
10  C.
Theoret.
Ausfal  1
in  1000
Franken

Gesamtverkehr  .  .  .

2,948

100

davon  nach
a)  Europa

2,918

225,7

darunter  n.  d.Postvereinsländern

Dentschld.  (12’/&amp;gt;  C.)

1,513

37,8

Belgien  (20  Cent.)

0,456

45,6

Postvereinsländ.
Sa.

1,969

67

Rest  Postansland

0,949

32.7

142,3

h)  nach  den  andern
4  Weltteilen  .  .

0,029

1

4,3

Insgesamt  Postausl  and

0,978

33

dazu  Belgien  teilweise. ­

Gesamtansfall  .  .  .

230
gleich
166300  M

35.  Dänemark.
(vgl.  S.  213,217,255,265)

Weltpo
20  Oei
(22.5  P
Frank.  B
Millionen ­


rto
’e
f.i
riefe
°lo

Künftig
10  Oere
(11,25  Pf.
Theoret.
Ausfall
in  1000
Kronen

Gesamtyerkelir  .  .  .

11,76

100

davon  nach

a)  Europa

10,7

91

darunter  n.  d.  Postyereinsländern:



Schweden  .  .  .

5,14

Norwegen  .  .  .

0,97

zusammen

6,11

52,2

ferner  nach

Deutschland  .  .

2,64

England  ....

0,86

Russland  ....

0,39

Frankreich  .  .  .

0,23

Postausld.  Europa

4,59

39.2

459

b)  Afrika

0,03

0,25

3

c)  Amerika  ....

0,81

7

81

d)  Asien

0,046

0,4

4,6

e)  Australien  und

Oceauien  ....

0,020

0,17

2

Ins  postalische  Ausland

  insges.  (ohne

Postvereinsländer)  .

5,65

48

560

gleich

638080  M
        <pb n="227" />
        188

30.  Norwegen.

Weltporto
20  Oere

Künftig
10  Oere

Weltporto
20  Oere
(22,5  Pf.)

Künftig
1.0  Oere
(11,25  Pf.)

(vgl  S.  218,  255)

Frank.  Briefe

Ausfall

Frank.  Briefe

Theoret.
Ausfall

Mil-°/o



in

Mil-%



Honen

1000  Kr.

Honen

1000  Kr.

Oesamtyerkehr  .  .  .

5,96

100

b)  Afrika

0,04

4

hiervon  nacli

oj  Amerika  ....

2,01

25

201

a)  Europa

3.76

davon

davon  nach  den

Vereinigt.  Staaten

1,93

193

Post  verein  Ständern

Canada  ....

0,076

7,6

Schweden  .  .  .

0,75

d)  Asien

0,27

3,3

27

Dänemark  .  .  .

0,59

e)  Australien  und

zusammen

1,34

22

Oceanien  ....

0,017

0,02

1,7

Rest  Post  ausland

2,42

242

Insgesamt  nach  dem

darunter  nach

Postausland  .  .  .

6,25

75,2

625

England  ....

0,93

93

etwa

Deutschland  .  .

0,91

9]

700  000  M

Russland  ....

0.10

10

b)  Afrika

0,027
2,05

2,7

c)  Amerika  ....

205

Weltporto

Künftig

davon  nach  den

38.  Russland.

10  Kopeken

5  Kopek.

Vereinigt.  Staaten

1.92

192

(21,6  Pf.)

Canada  ....

0.09
0,04

9

(vgl.  S.  216,  272,  311)

Frankierte

Ausfall.

d)  Asien

4

Briefe 1 )

in  1000

e)  Australien  und

Millionen

Kübeln

Oceanien  ....

0,03

3

Insgesamt'  nach  dem

Ins  Ausland  ge-Post

  ansland  .  .  .

4,62

78

462

sandte  Briefe  .  .

39,26

1963  (?)

Postinland  (Verein)

1,34

22

etwa

(dazu

2,23

520000  M

uniranluert)

Vom  Ausland  einge-37.

  Schweden.

Weltporto
20  Oere
(22,5  Pf.)

Künftig
10  Oere
(11,25  Pf.)

gangene  Briefe  .  .
Unt.  diesen  kamen  aus
a)  Europa  (20  Länder)

41,78
(dazu  0,77
unfrankiert)
24,16

1207,5

(vgl.  S.  213,  218,  255)

Frank.  Briefe

Ausfall

nämlich  ans  den  an-Mil-





grenzenden  Län-Honen



1000  Kr.

dem:

Deutschland  .  .

12,42

621

Oesamtyerkehr  .  .  .

8,24

100

Oesterreich  .  .  .

4,40

222,5

davon  nach

Ungarn  ....

0,32

16

a)  Europa  ,  ...

6.0

73

Rumänien  .  .  .

0,14

7

darunter  nach  d.

Türkei  •  .  .  .  .

0,13

6,5

Postvereinsländ.

Norwegen  .  .  .

0,10

5

Dänemark  .  .  .
Norwegen  .  .  .

1,28
0,71

Schweden  .  .  .

0,51

25,5

Angrenz.  Länder  .
ferner  aus

IS  07

903,5

Postvereinsl.  zus.

1,99

24,8

Rest  Postausland

4,01

401

Holland  ....

0,19

davon  Q-renzl.

Belgien  .  .  .

0^37

Russland  ....

0,51

51

Luxemburg  .  .  .

0,02

sodann  N  achbarl.

Frankreich  .

1,94

97
82

Deutschland  .  .

1,90

190

England  ....

1.64

ferner  nach

0  85

85

*)  Schätzung  des  Ausfalls  nicht  nach  der

Holland  ....

o’io

10

Zahl  der  abgesandten,  sondern  der  eingegangenen ­
  Briefe.
        <pb n="228" />
        189

Weltporto
10  Kopeken
(21,6  Pf.)
Frankierte
Briefe
Millionen

Künftig
5  Kopek.
Theoret.
Ausfall.
in  1000
Kuh  ein

Dänemark  .  .  .

0,40

Bulgarien  .  .  .

0,08

Serbien  ....

0,0ö

Griechenland  .  .

0,18

Italien  ....

0,54

Portugal  ....

0,02

Schweiz  ....

0,63

Bosnien  ....

0,01

b)  Amerika  ....

Mexico  ....

0,015

0,75

c)  Afrika

Aegypten  .  .  .

0,045

Kapland  ....

0,074

Oranje  ....

0,023

Rhodesia  ....

0,003

Transvaal  .  .  .

0,104

Tunis

0,030

Algier

0,026

0,805

15,25

d)  Asien

Japan

0,076

3,8

Alles  zusammen  .  .

24,540

1227,3

(Es  fehlen  Spanien,

gleich

Kanada,  Verein.  Staaten,

2  650968IV!

Südamerika  und  andere
meist  unwichtige  Länder.)

39.  Rumänien.
(vgl.  S.  254,  262)

Weltpc
25  Cent)
Frank.  P
Millionen ­


rto
mes
riefe
"io

Künftig
10  Cent.
Theoret.
Ausfall
in
1000  Fr.

Gesamtverkehr  .  .  .
davon  nach

4,90

100

671,3

a)  Europa
darunter  nach  d.
Postvereinsländ.

4,6

93,8

626,N

Bulgarien  (15  C.)  .
Oesterreich  (teilweise; ­
  Postvereinsland:
  Bukowina

0,276

13,8
54,7')

15C.)

0,731')

18,3

zusammen
J )  Schätzungsweise  gerechnet ­
  b.  d.  einen  Hälfte
des  Verkehrs  Ermässigung
von  25  auf  10,  b.  d.  andern
Hälfte  von  15  auf  C.

1,007

86,8

Weltporto
25  Centimes

Künftig
10  Cent.

Frank.  Briefe

Theoret.

Ausfall

Millionen ­


"Io

in
1000  Fr.

ferner  nach  den
Grenzländern

Ungarn  ....

0,863

Russland  ....

0,142

Serbien  ....

0,074

zusammen

0,979

146,8

sodann  nach

Deutschland  .  .

0,725

Frankreich  .  .

0.538

Italien  ....

0,229

Europ.  Türkei  .  .

0,316

Schweiz  ....

0,128

b)  Die  übrigen  Weltteile



0,297

6

44,5

davon
Amerika  ....

0,246

Insges.  Postausfall  .

8,9
(3,6  ?)

Gesamtausfall  (a  u.  h)

671,3

gleich
543  153  M

40.  Bulgarien.

(vgl.  S  254)

Gesamtverkehr  .  .  .

1,6

100

210,3

davon  nach

a)  Europa

1,3

165,3

hiervon  nach  den

Postvereinsläudern
Serbien  u.Rumänien

0,2«

16

Rest  Postausland  .

1,34

davon  nach
der  Türkei  .  .  .

0,32

Oesterreich  .  .  .

0,19

Ungarn  ....

0,93

Russland  ....

0,79

b)  Afrika

0,022

)

o)  Amerika  ....

0,135

&amp;gt;  29,85

d)  Asien

0,042

1

Postvereinsländer:

nach
Serbien  (10  C.)  .  .

0,078

Rumänien  (15  C.)  .

0,186

9,3

Gesamtansfall  .  .  .

210

gleich
170  100  M
        <pb n="229" />
        190

Weltporto

künftig

41.  Serbien.

Theoret.

(vgl.  S.  254)

Ausfall

Milm



in  1000

Honen

°/o

Franken

Gesamtverkehr  .  .  .

2,54

100

davon  nach

a)  Europa

2,50

97,6

215,2

darimt  n.  d.  Postvereinsländern: ­


Bulgarien  (15  C.)

0,074

3,7.

Oesterreich  (15  C.)

0,599

30

Ungarn  (10  C.)  .

0,619

—

Postvereinsländ  zns.

1,202

51

33,7

Rest  Postausland
davon  nach  den
Grenzländern:

1,21

46,6

181,5

Rumänien  .  .

0,048

Europ.  Türkei  .  .

0,178

sodann  nach
Deutschland  .  .

0,475

Frankreich  .  .  ,

0,147

Italien

0,056

Montenegro  .  .  .

0,032

b)  Afrika

0,001

|

c)  Amerika  ...

0,03(1

r 4

9,3

Union

0,023

d)  Asien  n.  Australien

0,0016

j

b,  c,  d

0,062

Posl  ansland  insgesamt
Postvereinslä’nder  .  .

1,25
1,29

49
51

}  224,5
;  gleich

181  8451Y1

42.  Türkei.
(vgl.  S.  217,  273  f.,
278,  279)

Weltpo
1  Pias
(18,44  1
Frank.  B
Millionen ­


rto
her
j f)
riefe
°lo

künftig
i/ 2  Piast.
(9,2  Pf.)
Theoret.
Ausfall
türk.Pfd,
(zu
18,44  M)

Gesamtverkehr  .  .  .

3,09

100

15  450

davon  nach

a.)  Europa

1,92

64

8  600

darunter  dieGrenzländer

  :

Bulgarien  .  .  .

0,27

Griechenland  .  .

0,14

Serbien  ....

0.04

Montenegro  .  .  .

-0,03

Europ.  Russland  .

0,13

Bosnien  ....

0,07

Oesterr.-Ungarn  .

0,17

Weltpc
1  Pias
(18,44
Frank.  F
Millionen ­


)rto
ter
pf.)
riefe
°/o

künftig
l /a  Piast.
(9,2  Pf.)
Theoret.
Ausfall
türk.Pfd.
(zu
18,44  M)

ferner;
Frankreich  .  .  .
Deutschland  .  .
England  .  .  .  .
Rumänien  .  .  .
bi  Afrika

0,27
0,19
0,17
0,12
0,295

9,8
23

1  475

darunter  die  Grenzländer ­
  :
Aegypten  .  .  .
Tunis
c)  Amerika  ...

0,266
0,004
0,700

3  500

d)  Asien

0,140

4,5

700

darunter  die  Grenz-1
  ander:
Persien  ....
Asiat.  Russland  .
e)  Australien  und
Ozeanien  ....

0,06
0,04
0,003

0,1

15

Ausserenrop.  Land.  zus.
Gesamtverkehr  .  .  .

5  690
15  450
gleich
150  000  M

43.  Griechenland.
(vgl.  S.  217)

Weltpo
25  Centi
Frank.  B
Millionen ­


rto
mes,
riefe
°/o

Künftig
10  Cent.
Theoret
Ausfall
in  1000
Franken

Gesamtverkehr  .  .  .

3,14

471

davon  nach

a)  Europa

1,67

250,5

hiervon  nach  der

angrenzen  den

Türkei  ....

0,27

Kreta

0,11

ferner  nach

Italien  ....

0,18

Russland....

0,18

Rumänien  ,  .  .

0,16

Frankreich  .  .  .

0,15

England  ....

0,15

Deutschland  .  .

0,13

Oesterreich  .  .  .

0,12

b)  Afrika

0,375

56,25

davon  nach

Aegypten  .  .  .

0,326

c)  Amerika  ....

0,67

100,5
        <pb n="230" />
        191

Weltporto
25  Centimes
Frank.  Briefe
Mil-  0/
Honen  |  10

Künftig
10  Cent.
Theoret.
Ausfall
in  1000
Franken

davon  nach  den
Verein.  Staaten  .

0,65

d)  Asien
davon  nach  der
Asiatischen  Türkei
Cypern  ....
e)  Australien  und

0,40
0,17
0,11

00

Ozeanien  ....

0,0024

0,3

Postausland  insgesamt

3,14

100

471
gleich
381500  M

44.  Japan.
(vgl.  S.  219,271,282,311)

Weltporto
10  Sen
(;0,9  Pf.)
Frank.  Briefe
1
Honen  i°

Künftig
5  Sen  •
(10,45  Pf.)
Theoret.
Ausfall
in  1000
Yen
(1  Yen
=2,09  M)

Gesamt  verkehr  .  .  ,

11,99

davon  nach

a)  Europa

0,51

4,2

25,5

hiervon  nach

England  ....

0,25

Deutschland  .  .

0.12

Frankreich  .  .  .

0,06

Russland  ....

0,02

h)  Afrika

0.01

0,1

0,5

c)  Amerika  ....

1,78

15

89,0

davon  nach

Verein.  Staaten  .

1,58

Kanada  ....

0,15

Mexico  ....

0.03

d)  Asien

9,49

79

davon  das  Postvereinstand



Korea  (3  Sen)  .  .

7,40

ferner

China  (fremde

Weltpostämter).

1,65

Jtirit  Kolonien.  .

0,17

Brit.-Indien.  .  .

0,056

Asiat.-Eussland  .

0,056

Postausland  also

2,03

17

10i,5

e)  Australien  und

Ozeanien  ....

0,163

1,3

8,1

Australien  nebst

Neuseeland  n.  den

hrit.  Kolonien  .  .

0,058

Weltporto
10  Sen
(20,9  Pf.)
Frank.  Briefe
Mil-  1
Honen  i  10

Künftig
5  Sen
(10,45  Pf.)
Theoret.
Ausfall
in  10vX)
Yen
(1  Yen
-  -2,09  M)

Amerik,  Schutzgeh.
■  Nicht-U  nions-Ldr..

0,043
0,056

Insgesamt  nach  dem

Poslausland  .  .  .
Nach  dem  Postinland

4,48

37,7

225
gleich

(Postverein)  also
(Bei  Berücksichtigung
der  japanischen  Postämter
in  China  (Inlandstarif)  ist
der  .Postvereinsverkehr
noch  höher).

7,51

02,3

472  000  M

Woltporto

Künftig

45.  Korea.

10  Sen
Frank.  Briefe

5  Sen
Ausfall

(vgl.  S.  45,  271,  282)

Millionen ­


°lo

in
1000  Yen

Gesamtverkehr  .  .  .

4,03

100

davon  nach

a)  Europa

0,034

bi  Afrika

0.0002

cj  Amerika  ....

0,142

d  i  Asien

3,849

davon  nach
Japan  (Postvereinsland)

  .  .

3,07

91

e)  Australien  und

Ozeanien  ....

0,0003

Demnach  ins  postalische

  Ausland  .  .

0.30

9

18

gleich
37  000  M

46.  Vereinigte
Staaten  von
Nordamerika.
(vgl.S.  Z13.  218,  256,  270,  283  —92,  312)

Weltporto
5  Cents
(21  Pf.)
Frankierte
Briefe 1 )
Millionen

künftig
2  Cents
(8,4  Pf.)
Theoret.
Ausfall
in
1000
Dollars

Gesamtzahl  der  Briefe
nach  dem  Ausland  .

132,95
(dazu  unfrank.
7,26)

Vergl.
Berner
Gen.-Statist.


Briefe  aus  dem  Ausland ­
  eingegangen  .
(vermutlich  zu  hoch  geschätzt). ­


135,98
(dazu  unfrank.
2,82)
        <pb n="231" />
        Weltporto
5  Cents
(21  Pf.)
Frankierte
Briefe 1 )
Millionen

Künftig
2  Cents
(8,4  Pf.)
The  er  et.
Ausfall
in
1000
Dollars

Yon  den  eingegangenen

  nachstehenden

  Briefen  zus.  .

64,43
(nach  d.Berner
Spez.-Statistik
„Expedition“)

kamen:

a)  aus  Europa  .  .  .

53,20

(20  Länder,  ohne  Spanien).
Davon  ans  dem  jetzigen
Postvereinsland

England  (2  Cents)

18,09

und  dem  teilweisen

Die

Postvereinsland

Hallte

Deutschland  voll

geschätzt: ­


gerechnet  (2  Cents)

14,22

213,3

zusammen  .

62,81

Rest:  Postausland  .  .

20,8»

026,7

Davon:

Oesterreich  ....

5,19

155,7

Ungarn

4,04

121,2

Frankreich

2,82

84,6

Schweden

1,93

57,9

Norwegen

1.92

57,6

Dänemark

0,73

21,9

Schweiz

0,71

21,3

Belgien

0,72

21,6

Holland

0,65

19,5

Griechenland  ....

0,65

19,5

Türkei

0,41

12,3

Italien

0,28

8,4

Portugal

0,29

8,7

Rumänien

0,25

7,5

Bulgarien

0,13

3.9

Bosnien

0,12

3,6

Serbien

0,02

0,6

Luxemburg  ....

0,02

0,6

Europa  (Postausland

nebst  Deutschi,  p/a])

840,0

b)  aus  Afrika  .  .  .

0,655

18,65

nämlich  aus;

Aegypten

0,317

9,21

Mozambique  u.  Angola

0,013

0,39

Cap  Verd.  Inseln  .  .

0,034

Kapland,  Rhodesia,

Transvaal  ....

0.227

6,81

Britisch-Ostafrika  .  .

0,006

Algier  und  Tunis  .  .

0.068

2,04

Weltporto
5  Cents
(21  Pf.)
Frankierte
Briefe 1 )
Millionen

Künftig
2  Cents
(8,4  Pf.)
Theoret.
Ausfall
in
1000
Dollars

c)  Amerika  ....

8,282

(ohne  Canada  und  die
meisten  Zentral-  und  südamerikanischen ­
  Länder),
Postvereinsländer:
Cuba  (1904)  ....

3,696

Mexiko

4,087

zusammen  .  .

7,783

Bermudas-Ins.  (brit.)  .

0,104

Dän.  Antillen  ....

0,018

St.  Domingo  (1902)

0,004

Guadeloupe,  Martinique, ­
  St.  Pierre  und
Miquelon  ....

0,009

Curapao  und  Surinam
(holl.)

0,055

Rep.  Honduras  (1904)

0,038

Salvador

0,034

Costa  Rica  (1900)  .  .

0,033

Chile

0,076

Uruguay  (1906)  .  .  .

0,016

Bolivia  (1906)  .  .  .

0,018

Argentinien  (1904)  .  .

0,132

3,96

Postausld.  (ohne  Cuba
und  Mexiko)  .  .  .

0,49»

14,97

d)  Asien

1,030

67,90

nämlich:
Japan

1,580

47,40

Korea

0.142

4,26

Britisch-Indien  .  .  .

0,159

4,77

Straits  Settlements,  .

0,020

0,60

Holländisch-Indien.  .

0,019

0,57

Französ.-Indochina.  .

0,005

0,15

Macao  (portug.)  .  .  .

0,005

0,15

e)  Australien....

0,363

10,89

a,  b,  c,  d,  e  zusammen

64,43

Davon:
Po  st  vereinsländer.

32,98

213,30

(ohneCanada;  J / 2 Deutschi.)
Postausland  ....

31,45

943,5

Gesamtausfall  .  .  .

1156,8

4  858  560  M
        <pb n="232" />
        193

Weltporto

Künftig

10  Centavos

(10,5  Pf.)

47.  Mexiko.

(21  Pf.)

Theoret,

(vgl.  S.  256,  282,  283.)

Frank.  Briefe

Ausfall
in  1000

Mil-°/o



Pesos

lionen

(Dollars
zu  2,10  M)

Gesamtverkeiir  .  .  .

11,69

100

davon  nach

a)  Europa

0,93

50

296,5

darunter

Spanien  ....

1,48

74,0

Frankreich  .  .  .

1,37

68,5

Deutschland  .  .

1,20

•  60,0

England  ....

1,09

54,5

Italien  ....

0,25

12,5

b)  Afrika  .....

0,009

0,45

c)  Amerika  ....

5,38

46

davon  nach  den
Postvereinsl.:

Vereinigt.  Staaten

4.09

Canada  ....

0.39

Cuba

0,58

Am  erik.B  esitzung.

0,06

zusammen

5,12

44

Rest  Postausland

0,21

2

12,0

d)  Asien

0,37

3*/s

18,5

darunter

Amerik.Besitzung.
(Postvereinsländ.?)

0,08

Japan
China  (f  remd.Post-0,12



ämter)

0,114

e)  Australien  und

Ozeanien  ....

0,004

0,20

Insgesamt  nach  dem

Postausland  .  .  .

6,49

56

324,5

gleich
681  450  M

Postinland  ....

5,20

45

48.  Salvador.
(vgl.  S.  204.)

Weltporto
12  Centavos
(25  Centimes)
Frank.  Briefe
Millionen

Künftig
5  Centav.
(10  Cent.)
Theoret.
Ausfall
in  1000
Sucre
(Dollar)

Gesamtverkehr  .  .  .

0,178

12,46

davon  nach

a)  Europa  .  ,  .  .  .

0,072

5,04

hiervon

Frankreich  .  .  .

0.020

Deutschland  .  .

0,018

England  ....

0,015
0,001

h)  Afrika

0,07

cj  Amerika  .  .  .  .

0,101

7,28

davon  nach  den
angrenzenden
Ländern:,

Guatemala  .  .  .

0,024

Honduras  .  .  .

0,012

Nicaragua  .  .  .

0,008

ferner

Vereinigt.  Staaten

0.035

d)  Asien

0,001

0,07

Gesamtausfall  .  .  .

12,46
ZU  1,70  M
etwa
21  182  M

49.  Chile.
(vgl.  S.  256,  218.)

Weltporto
15  Centavos
(28  Pf.)
Frank.  Briefe
Millionen

Künftig
5  Centav.
(7,65  Pf.)
Theoret.
Ausfall
in  1000
Peso
(Wert  je
1,58  M  )

Gesamtverkelir  .  .  .

1,12

172

davon  nach

a)  Europa

1,0

100

davon

England  ....

0.36

36

Deutschland  .  .

0.23

23

Frankreich  .  .  .

0,19

19

h)  Afrika

0,02

2

c)  Amerika  ....

0,69

69

darunter  die  angrenzenden ­
  Länder:

Peru

0,282

28,2

Bolivia  ....

0,137

13,7

Argentinien.  .  .

0,137

13,7

d)  Asien

0,004

0,4

e)  Australien  und

Ozeanien  ....

0,004

0.4

Gesamtausfall

172
gleich
263160  M
        <pb n="233" />
        194

50.  Argentinien.
(vgl.  S.  203,  218,  236.)

Weltpo
12  Oentt
(25  Conti
Frank.  B
Millionen ­


rto
IVOS
mes)
riefe
°/o

Künftig
5  Centav.
(10  Cent.)
Theoret.
Ausfall
in  1000
Peso
(Dollar,
Wert.
1,78  M)

Gesamtverkehr  .  .  .

10,5

100

735

davon  nach

a)  Europa

7,7

74

639

iusbesond.  darunter

Italien

2,7

189

Spanien  ....

1,7

119

England  ....

0,0

63

Frankreich  .  .  .

0,83

58,1

Deutschland  .  .

0,8

56

Russland  ....

0,27

18,9

b)  Afrika

0,003

0,03

0,0

Weltpo
12  Cent
(25  Centi
Frank.  B
Millionen ­


rto
IVOS
mes)
riefe
°/o

Künftig
5  Centav.
(10  Cent.)
Theoret.
Ausfall
in  .1000
Peso
(Dollar,
Wert
1,78  M)

c)  Amerika  ....

2,4

23

168

insbes.  darunter  die

angrenzend.  Länder

Uruguay  ....

1,25

87,5

Brasilien  .....

0,32

22,4

Chile

0,23'

16,1

Paraguay  .  .  .

0,23

16,1

Bolivia  ....

0,04

2,8

ferner:

Vereinigte  Staaten

0,28

19,6

d)  Asien

0,13

1,2

9,1

Gesamtausfali

735
1  BOB  30DM
        <pb n="234" />
        195

Zusammenfassende  Zahlentafel.

Briefverkelir  von  50  wichtigeren  Ländern  des  Weltpostvereins  nach  auswärts  (1907)
mit  Darstellung  des  Postvereins-  und  Postauslandsverkehrs  und  der  Gesamtausfälle  infolge  des
VVelt-Pennyportos.  (Näheres  in  den  besonderen  Zahlentafeln  für  die  einzelnen  Länder.)

o  i-i
r C
C  £
«g  |

1907

Insgesamt
frankierte
Briefe

Davon
Postvereinsverkehr

Nach  dem
Postausland

Gesamtausfall ­
  in
Millionen
Mark

i

Deutsches  Reich.  .  .  .

188,43

70,94

°/o
38

1.17,49

°/o
62

11,75
19,84)

(Deutsche  Reichspostl  .

(157,90)

(59,50) 1 )

(37)

(98,39)

■  (63)

2

Oesterreich

113,75

85.30

75

28,45

25

3,03

3

Bosnien-Herzegowina  .

3,32

3.00

90

0,32

10

0,04

4

Ungarn

37,07

28,40

76,7

8,67

23,3

1,10

5

Frankreich

93,66

11,28

12

82,38

88

10.00

6

Algier

8,87

7,53

85

1,35

15

0,16

7

Tunis

7,14

0,98

14

6,16

86

0,73

8

Indochina

2,12

1,83

86

0,29

14

0,035

8a

Madagascar

1.07

1,01

93,7

0,07

6,3

0,008

0

Gross-Britannien  .  .  .

117.00

61,50

52,5

55,50

47,5

7,140

to

Canada 3 )  (eingegangen)

15,29 2 )

13,82 2 )

(90?)

1,47

(1.0?)

0,185

li

Eritisch-Indien  .  .  .

9,92

8,65

87

1,27

13

0,162

12

Straits  Settlements  .  .

3,99

1,38

34,5

2,62

6e),5

0,209

13

13—18  Australien 4 ;,
West-Australien  .  .  .

2,71

2,51

93

0.19

7

0,238

14

Neu-Stidwales  ....

10,50

9,72

92,5

0,78

7,5

0,925

15

Queensland

3,34

3,24

97

0,10

3

0.288

1b

Victoria  (1906  ).  .  .  .

8.40

8,10

96,4

0,30

3,6

0,727

17

Tasmanien

3.44

3,41

99,0

0,03

1

0,294

Wa
18

Süd-Australien  .  .  .
Neu-Seeland  ....

0,37
4.46

?
4,02

90,3

V
0,44

9,7

P
0,056

19

19—24  Brit.-Südafrika
Kapland  ......

5,49

4,95

90

0,54

10

.  0,069

20

O  ranje-FJuss-Koion  i  e  .

5.72

'5,57

97,4

0.15

2,6

0,020

21

Transvaal

8,46

7,91

95

0,55  ■

5

0,070

22

Süd-Ehodesia  ....

0,72

0.64

88,4

0,08

11,6

0,011

23
24
25

Betsclmanaland  .  .
Natal
Aegypten

0,004
4,84
6,07

?
2)05

41,5

V
3,51

58,5

0.000
'?
0,35

26

Italien

33,37

0,80

2

32,50

98

3,95

27

Spanien  (eingegangen  i

15,51

0,58

3,7

13,17  (?)

85(?)

1,58

28

Portugal

4,50

1.45

33

3,05

67

0,27

29

Schweiz  .......

23,57

—

—

23,57

100

2,86

30

Belgien  .......

28,26

3,60

13

24,20

87

3,27

31

Kongostaat

0,15

—

—

0,15

100

0,02

32

Holland

15,25

3,20

20

12,05

■80

1,77

33  &amp;gt;

:  Niedeiländisch-Indien  .

!  1,07

0,63

68

0,35

32

'  0,84

"l  Ohne  die  Briefe  nach  Bayern  und  Württemberg.
2 )  Verein.  Staaten  fehlen  darin.
•  3 )  Tn  der  allgemeinen  und  speziellen  Weltpoststatistik  für  1907  fehlt  Canada,  diese  Zahlen  sind
abeV  nach  dem  Heft  „Expedition 1-  unter  den  Yerkehrszielen  anderer  Länder  zu  linden.
■*)  Ausfall  unter  Mitberechnung  einer  Portoherabsetzung  des  Postvereinstarifs  von  2  auf  1  d.

1B*
        <pb n="235" />
        196

Laufende
Nummer

1907

Insgesamt
frankierte
Briefe

Davon
Postvereinsverkehr

Nach  dem
Post-Ausland

Gesamtausfall ­
  in
Millionen
Mark

34

Luxemburg

2,95

1,97

°/o
67

0,98

°lo
33

0,186

35

Dänemark

11.76

6,11

52

5,65

48

0,63

36

Norwegen

5,96

1,34

22

4,62

78

0,52

37

Schweden

8,24

1,99

24,8

6,25

75,2

0,70

38

Russland

39,26

P

—

24,55?

p

2,65

39

Rumänien  .......

4,90

1,01  (?)

20.6

3,90

79,4

0.54

40

Bulgarien

1,60

0,26

16

1,34

74

0,17

41

Serbien

2,54

1,29

51

1,25

49

0,18

42

Türkei

3,09

—

—

3,09

100  (?)

0,15

43

Griechenland

3,14

—

—

3,14

100

0,38

44

Japan

11,99

7,51

62,3

4,48

37,7

0,47

45

Korea

4.03

3,67

91

0,36

9

0,04

46

Vereinigte  Staaten  (Nord-Amerika)


132,95

_

(eingegangene  Briefe)  .

135,98

30,09

22

84,34  (?)

78

4,86

47

Mexiko

11,69

(ohne  Canada)
5,20

(37?)
45

6,49

(63?)
55

0,68

48

San  Salvador

0,18

—

—

0,18

100

0,02

49

Chile

1,72

—

—

1,72

100

0,26

50

Argentinien

10.50

—

—

10,50

100

1,31

Summe  (1—50)  .

1044,83

410,00

40 5 )

584,50

51,2

«6,50  M

Summe  des  Verkehrs  nach  dem  Auslande ­
  in  der  Allg.  Weltpoststatistik
für  1907  mit  Zahlen  für  89  Länder
(ohne  Canada  und  einige  andere)  .
Dazu  unfrankierte  .  ,  .  .  .

1019
21,5
1040,5°)

m.  Verkehr ­

Canadas
  etc.
vermut!. ­

42  o/o

Gesamtüberschüsse ­
  der  Postverwaltuugen
  in
d.Berner  Statistik
für  1907  (ohne
Canada  etc,).  .  .

358,02  M

5 )  40°/q  hier  als  Postvereinsverkehr  und  51,2  °/ 0  dort  als  Postauslandsverkehr  ergehen  zusammen  erst
91,2°/ 0  statt  100  °/ 0 .  Diese  Unstimmigkeit  ergibt  sich  aber  wesentlich  deshalb,  weil  bei  den  Vereinigten
Staaten  und  Russland,  auch  bei  Canada  und  Spanien,  die  Berechnung  nach  den  eingegangenen  Briefen
erfolgte  und  bei  den  ersten  beiden  Ländern  die  abgesandten  viel  höher  angegeben  werden,  eine  Spezialstatistik ­
  darüber  aber  fehlt  und  die  Rechnung  nicht  vollständig  ist.
°)  Von  diesen  89  Ländern  sind  49  und  ausserdem  2  andere  in  den  oben  aufgezählten  berücksichtigt.
Der  Rest  von  40  Ländern,  meist  unwichtigeren  Kolonien,  weist  zusammen  bloss  etwa  5  Millionen  Briefe
auf  und  kann  hier  unberücksichtigt  bleiben.
        <pb n="236" />
        197

Kapitel  X.
Reformvorschläge.
Die  Wege  zum  Ziele.
An  dem  „Ideal“  Stephans,  dem  Inlandsporto  als  Auslandsporto ­
  oder  dem  Weltpennyporto  im  weiteren  Sinne  (vgl.  S.  III,  1),
müssen  wir  nach  all  dem  Vor  ansgegangenen  festhalten.  Es
wurde  als  internationales  Pennyporto  für  Briefe  auch  von
Henniker  Heaton  empfohlen  und  für  die  britischen  Kolonien
schon  vor  einem  guten  Jahrzehnt  durchgesetzt.  Joseph  Michaelsen
trat  schon  1859  für  Abschaffung  des  Transitportos  und  der  internationalen ­
  Zuschläge  zum  Inlandsporto  ein,  und  v.  Herrfeldt,  der
erste  geistige  Urheber  eines  wohldurchdachten  Plans  des  Weltpostvereins, ­
  machte  auch  keinen  Unterschied  zwischen  dem  Inund
  Auslandssatz.  In  Österreich  aber  hat  schon  vor  langen
Zeiten  ein  solches  intern-internationales  Einheitsporto  geherrscht.
Wie  wir  gesehen  haben  (S.  55),  bestehen  gegenwärtig
schon  26  Xachbarpostvereine,  11  Kolonialreichspostvereine  und
16  überseeische  Postvereine  einander  fremder  Länder,  und  das
Gesamtgebiet  aller  dieser  Staaten  (110  Millionen  qkm),  die  Postvereine ­
  bilden,  macht  96°/o  vom  Gesamtareal  des  Weltpostvereins
(114  Millionen  qkm)  aus  und  übertrifft  dessen  Einwohnerzahl
(1151  Millionen,  Ende  1908  aber  1167  Millionen)  um  14%  (mit
1310  Millionen  Menschen).
Und  wie  ich  durch  Berechnung  genauer  festgestellt  habe
(vgl.  S.  196),  unterliegen  heute  schon  gut  40  %  aller  Briefe  aus
den  Ländern  des  Weltpostvereins  nach  dem  Auslande  nicht
mehr  dem  hohen  Weltporto  von  25  Centimes,  sondern  dem
10  Centimes-  oder  Weltpennyporto.  Nur  ein  ganz  kleiner  Teil
davon  weist  einen  etwas  höheren  Tarif  auf,  der  aber  meist  weit
billiger  ist  als  der  Auslandssatz.
        <pb n="237" />
        198

Ohne  jede  Regel  wird  also  heute  die  eine  Hälfte  der  Weltbriefe ­
  willkürlich  nur  mit  dem  billigen  Satz  des  Inlandsportos
frankiert  und  geht  über  Ozeane  und  fremde  Weltteile  in  die
fernsten  Fernen;  die  andere,  etwas  grossere  Hälfte  aber  muss
doppelt  so  viel  oder  H/2  mal  so  viel  bezahlen,  auch  wenn  sie
nur  in  das  angrenzende  Nachbarland  eilt.  Dieser  Zustand  ist
längst  unhaltbar  geworden  und  muss  je  früher  je  besser  einer
neuen  einheitlichen  Regelung  weichen,  denn  seine  Verlängerung
erschwert  seine  unausbleibliche  Abänderung,  weil  mit  dem  jährlich ­
  wachsenden  Verkehr  die  finanziellen  Ausfälle  schon  nach
10—12  Jahren  wieder  doppelt  so  gross  sein  würden  wie  heute,
so  dass  selbst  eine  gebesserte  Finanzlage  kein  leichteres  Spiel
damit  hätte.
Die  Inlandstarife  der  einzelnen  Länder  sind  ja  allerdings
vielfach  verschieden,  aber  im  grossen  und  ganzen  wird  man
finden,  dass  der  Satz  von  10  Centimes  (8,1  Pf.)  oder
2  Dollar-Cents  (8,4  Pf.)  oder  1  Penny  (8,5  Pf.)  oder
10  Pfennigen  in  der  Regel  die  Taxe  der  Inlandsbriefe
darstellt;  nur  ausnahmsweise  sind  es  mehr,  z.  B.  in  Italien
15  Centimes  oder  12  Pf.,  in  Russland  7  Kopeken  oder  15  Pf.,
in  Australien  2  d  oder  17  Pf.  und  in  der  Türkei  1  Piaster  oder
18,4  Pf.  (vgl.  S.  277,  273,  259,  274),  selten  weniger,  z.  B.  in  Japan,
China,  Siam  und  Indien  (vgl.S.272,299,309,260).  Der  innere  Postkartensatz ­
  beträgt  gewöhnlich  5  Centimes  oder  x /s  Penny,
doch  in  Frankreich  z.  B.  ist  er  noch  10  Centimes,  also  ebenso
hoch  wie  der  Weltportosatz,  in  der  Türkei  V2  Piaster  oder  9,2  Pf.
Auch  das  Drucksachenporto  ist  im  Innern  natürlich  meist
wesentlich  billiger.  Hier  würde  als  Normaldurchschnitt  für  50  g
vielleicht  der  Satz  von  3  Centimes  oder  3  Pf.  angenommen  werden
können  oder  5  Centimes  für  100  g,  von  manchen  starken  Abweichungen ­
  natürlich  abgesehen.  Das  Gleiche  kann  von  Geschäftspapieren ­
  und  Warenproben  gelten.
In  Zukunft  würden  also  diese  inneren  Normalsätze
der  Karten,  Drucksachen  usw.  auch  für  den  Weltverkehr
zu  gelten  haben,  wie  sie  ja  zum  Teil  schon  im  Kolonialreichsverkehr
  in  Kraft  sind,  allerdings  nicht  im  englischen  Kolonialverkehr, ­
  aber  doch  im  deutschen,  portugiesischen,  amerikanischen,
japanischen  und  russischen  (vgl.  S.  270—  272!.  L  Wir  fassen  das
        <pb n="238" />
        Gesagte  nun  dahin  zusammen:  Die  inneren  Taxen  für  Briefe,
Karten,  Drucksachen  usw.,  nach  einer  vorwiegenden
Durchschnittsnorm  festgesetzt,  würden  also  das  Ziel
des  neuen  Weltportos  sein,  das  wir  in  weiterem  Sinne  als
Weltpennyporto  bezeichnen.
Einstweilen  aber  soll  das  erste  und  nächste  Ziel  die
allgemeine  Durchführung  des  Penny-  oder  10-Oentimes-Portos
  für  geschlossene  Briefe  im  Weltverkehr  sein.
Die  innere  Taxe  für  die  anderen  Briefpostkategorien  soll  und
wird  ihr  folgen,  aber  sie  kann  hinausgeschoben-  werden,  wie  sie
ja  im  englischen  und  französischen  Kolonialverkehr  und  in
vielen  anderen  Postvereinen  noch  fehlt,  um  die  finanzielle
Durchführbarkeit  des  Weltpennyportos  nicht  zu  erschweren.
Es  lässt  sich  auch  nachweisen,  dass  im  internationalen  Briefpostverkehr
  die  geschlossenen  Briefe  im  Durchschnitt  das  wichtigste ­
  Verkehrsmittel  sind  und  hier  eine  Verkehrserleichterung,
schon  weil  sie  am  teuersten  tarifiert  sind,  das  grösste  Bedürfnis  ist.
Man  beachte  die  folgenden  Zahlen!  Aus  Deutschland  (einschliesslich ­
  Bayern  und  Württemberg)  gingen  1907  nach  dem
Auslande:  190  Millionen  Briefe,  53  Millionen  Postkarten,
80  Millionen  Drucksachen,  9Vs  Millionen  Warenproben  und
1  Million  Geschäftspapiere;  aus  England  118  Millionen  Briefe,
17  Millionen  Karten  und  84  Millionen  Drucksachen.  Wie  man
sieht,  überwiegen  also  die  Briefe  bei  weitem  nicht  nur  die  Postkarten, ­
  diese  andere  Briefform,  sondern  auch  die  Drucksachen
und  sonstigen  Sendungen.  Das  ist  die  Regel,  die  nur  wenige
Ausnahmen  aufweist.
Und  während  im  inneren  Verkehr  die  Postkarten  gewöhnlich ­
  verhältnismässig  zahlreich  sind,  spielt  sich  der  auswärtige
Nachrichtenverkehr  meist  noch  viel  mehr  in  Form  geschlossener
Briefe  ab,  bedarf  also  bei  diesen,  die  2—2 1 /z  mal  teurer  sind,
zweifellos  in  höherem  Masse  einer  Portoerl  eich  terun.
Wenn  man  Briefe  und  Postkarten  als  Nachrichten  zusammenfasst ­
  (100 D /o),  so  machen  im  Inlandsverkehr  Deutschlands
(1907)  die  Briefe  61,2  °/o  dieser  Nachrichten  aus,  im  Verkehr
nach  auswärts  aber  78  %,  während  die  inländischen  Karten  nur
38,8  %j  die  nach  dem  Ausland  aber  bloss  22  °/o  betragen.
        <pb n="239" />
        200

Die  Briefe  im  inländischen  Nachrichtenverkehr  (Briefe  und
Karten)  Oesterreichs  machen  59,2  %  aus,  im  ausländischen  dagegen ­
  65%;  i n  Ungarn  sind  es  60  und  70%;  in  England  77,1
und  86,8%;  in  Japan  im  Innern  29%  und  im  Verkehr  nach
auswärts  65  %•  Wenn  diese  Regel  auch  manche  Ausnahmen
erleidet,  so  hat  das  oft  besondere  Gründe,  z.  B.  in  Erankreich,
wo  der  Tarif  der  in-  und  ausländischen  Postkarten  gleich  hoch
ist,  und  in  der  Schweiz,  wo  durch  die  ungeheure  Zahl  der
Ansichtskarten  schreibenden  fremden  Sommergäste  die  Briefzahl
des  Verkehrs  nach  dem  Auslande  (52  %)  verhältnismässig
geringer  ist  als  die  im  Inlandsverkehr  (62,7).
Man  überzeugt  sich  hiernach  leicht,  dass  die  Portoermässigung
  für  geschlossene  Briefe  am  dringlichsten  ist.
Zunächst  würde  man  dann  den  Tarif  von  10  Centimes
auch  für  je  20  Gramm  festsetzen,  da  diese  die  normale  Brief-Gewichtseinheit
  im  Weltpostverein  sind.
Aber  es  fragt  sich  noch,  ob  dieses  Ziel,  auch  wenn  es
allenthalben  gebilligt  wird,  so  leicht  zu  erreichen  sein  würde.
Denn  vielfach  würde  es  den  bestehenden  Innern  Tarif  schon
unterbieten  und  seine  Aenderung  vorher  erwünscht  erscheinen
lassen.  Nach  den  günstigen  finanziellen  Erfahrungen  mit  der
Erhöhung  des  Briefgewichts  von  15  auf  20  g  oder  mehr  in
Deutschland,  England,  Neuseeland,  Aegypten  usw.  würde  jedoch
diese  Gewichtsheraufsetzung  zu  keinen  ernstlichen  Bedenken
Anlass  geben.
Andererseits  ist  aber  schon  der  bestehende  Normaltarif  des
Weltpostvereins  —  25  Centimes  für  die  ersten  20  g  und
15  Centimes  für  weitere  20  g  —  noch  nicht  einmal  durchgeführt,
da  die  Uebergangsbestimmungen  des  letzten  AVeltpostkongresses
Abweichungen  für  statthaft  erklärten.  Infolgedessen  hat  sich,
trotz  des  scheinbaren  und  theoretischen  Einheitstarifs  im  Weltbriefporto, ­
  ganz  abgesehen  von  den  verhältnismässig  geringen
Abweichungen  infolge  der  Münzverschiedenheiten,  tatsächlich
ein  richtiger  Tarif  Wirrwarr  herausgebildet,  der  auf  die  Dauer
unmöglich  zu  halten  ist  und  die  ganze  Einheitlichkeit  des
Weltposttarifwesens  bedroht.  Erüher  galten  25  Centimes  für
je  15  g,  welchen  z.  B.  in  den  angelsächsischen  Ländern  die  halbe
Unze  (14,17  g)  gleichgesetzt  wurde,  während  jetzt  eine  ganze
        <pb n="240" />
        201

Unze  (28,34  g)  für  20  g  gelten  soll.  ISTun  rechnen  zurzeit
manche  Länder  immer  noch  mit  15  g  als  Einheit,  andere  mit
20  g;  manche  erheben  das  gleiche  Porto  für  jede  Gewichtseinheit, ­
  andere  wieder  nur,  wie  der  Normaltarif  tut,  für  die
erste  Gewichtseinheit,  während  die  folgenden  billiger  sind.  Schon
so  ergeben  sich  vier  verschiedene  Tarife.  Dazu  kommen  dann
aber  noch  die  in  verschiedenen  Ländern  bestehenden  Seeportozuschläge, ­
  die  gleichfalls  etwa  5  verschiedene  Abstufungen
aufweisen,  und  die  Zuschläge  für  ausserordentliche  Verbindungen.
So  kann  man  heute  wohl  noch  —  ganz  abgesehen  von  den  Postvereinstarifen ­
  —  ein  gutes  Dutzend  verschiedener  Brieftarife ­
  im  Weltpostverein  vorfinden. 1 )  Infolgedessen  ergeben
b  Das  Normalporto  für  Briefe  im  Weltpostverein  betrug  früher
25  Centimes  für  je  15  Gramm,  seit  dem  1.  Oktober  1907  gelten  aber  nach
Artikel  5,  §  1  des  Weltpostvertrags  von  Rom,  vom  26.  Mai  1906,  25  Centimes ­
  für  die  ersten  20  Gramm  vind  15  Centimes  für  je
weitere  20  Gramm;  unfrankierte  Briefe  kosten  das  Doppelte.  Die
Länder,  welche  nicht  die  Frankenmünze  haben,  runden  diese  Beträge
in  ihrer  Münze  nach  oben  oder  unten  ab  und  geben  den  Normalwert
natürlich  nicht  genau,  sondern  nur  annähernd  wieder.  Dasselbe  geschieht
mit  dem  Gewichtssatz  da,  wo  nicht  nach  Gramm,  sondern  nach  anderen
Massen  gerechnet  wird.  Die  Unterschiede  sind  manchmal  sehr  bedeutend.
Man  würde  nun  aber  sehr  irren,  wenn  man  glaubte,  dieser
neue  Normaltarif  für  Briefe  sei  auch  wirklich  bereits  überall
eingeführt.  Davon  sind  wir  noch  weit  entfernt.  Es  herrscht  jetzt  sogar
eine  besondere  Buntscheckigkeit,  wie  sie  vorher,  als  man  einheitlich
je  15  g  mit  25  Centimes  bezahlte,  nicht  da  war.  Denn  es  wurden  Abweichungen ­
  gestattet.
Artikel  III  des  Schlussprotokolls  zum  Weltpostvertrag  von  Rom
lautet  nämlich:  „Abweichend  von  den  Bestimmungen  des  Artikels  5,  §  1
gilt  für  die  Postverwaltungen,  die  mit  Rücksicht  auf  die  Gestaltung  ihres
inneren  Dienstes  oder  aus  sonstigen  Gründen  den  Grundsatz  der  Erhöhung
der  Gewichtseinheit  für  Briefe  von  15  auf  20  Gramm  sowie  den  Grundsatz
der  Brmässigung  des  Portos  für  Briefe,  die  über  die  erste  Gewichtseinheit
hinausgehen,  von  25  auf  15  Centimes  für  jeden  weiteren  Portosatz  nicht
annehmen  können,  folgende  Ubergangsvorsohrift.  Diese  Postverwaltungen ­
  sind  berechtigt,  die  beiden  erwähnten  Bestimmungen  oder  die
eine  öder  andere  von  ihnen  auf  die  bei  ihnen  aufgelieferten  Briefe  erst
anzuwenden,  wenn  sie  hierzu  in  der  Lage  sind,  und  sich  in  der  Zwischenzeit ­
  nach  den  vom  Washingtoner  Kongress  hierüber  aufgestellteu  Vorscliriften
  zu  richten.“
Diese  Befugnis  soll  wohl  vorzugsweise  den  innern  Tarifen  verschiedener ­
  Länder  Eechnung  tragen  und  es  verhüten,  dass  ihr  Weltposttarif
        <pb n="241" />
        202

sich  die  wunderlichsten  Tarifcuriosa  und  verblüffendsten  Portounterschiede, ­
  wie  unten  in  der  Anmerkung  an  zahlreichen  Beispielen ­
  gezeigt  wird.
Ein  internationaler  Brief  von  10  Unzen  Gewicht  (283,4  g)
kostet  in  England  und  Nordamerika  heute  etwa  1,35  M  Porto,
in  Deutschland  aber  1,60  M,  in  Frankreich  3,80  M,  in  Russland
4,10  M  und  in  San  Domingo  oder  im  Kongostaat,  wenn  er  eine
weite  Seereise  macht,  7,70  M.
28  g  kosten  in  einem  Falle  20  Pfg.,  im  andern  Falle  aber
40  Pfg-,  im  dritten  Falle  sogar  80  Pfg.
Deshalb  ist  es  auch  schwer  zu  begründen,  solchen  Ländern,
die  für  den  gesamten  Weltverkehr  nach  auswärts  einseitig  das
billiger  ansfällt  als  das  inländische  Porto.  In  Russland  z.  B.  zahlt  man
im  Inlande  für  jedes  Lot  (12 3 / 4  g)  7  Kopeken  =  15,12  Pf.  Für  20  g
müsste  man  also  schon  30,24  Pf.,  für  40  g  aber  60,48  Pf.  zahlen,  während
das  neue  Normalporto  des  Weltposttarifs  für  20  g  nur  20  Pf.  (25  Centimes)
und  für  40  g  32  Pf.  (40  Centimes)  erfordert.
In  Italien  kostet  ein  inländischer  Brief  15  Centimes  für  je  15  g,
also  ein  Brief  von  150  g  1,50  Pranken.  Nach  dem  normalen  neuen  Weltportotarif ­
  stellt  sich  aber  ein  Brief  von  150  g  nur  auf  1,30  Franken  (in  Italien
freilich  auf  2,50  Fr.).
An  sich  würde  es  weiter  gar  nichts  schaden,  wenn  das  internationale
Weltporto  billiger  wäre  als  das  Inlandsporto.  Aus  Spanien  konnte  man
früher  gewisse  Briefkategorien  billiger  nach  Portugal  als  nach  dem  Inlande
versenden.  In  den  Vereinigten  Staaten  stellen  sich  Warenpakete  im
Inlande  auf  16  Cents  (61  Pf.)  für  das  Pfund,  Postpakete  nach  dem  Auslande
aber  nur  auf  12  Cents  (48  Pf.)  (Siehe  Deutsche  Yerkehrszeitung  1908,
S.  279).
Natürlich  werden  solche  Verhältnisse  als  ein  Widerspruch  empfunden,
ihr  grosser  Vorteil  liegt  aber  darin,  dass  sie  bald  zu  einer  Reform  der
Inlandstarife  zu  führen  pflegen,  sodass  man  sie  gar  nicht  um  jeden  Preis
zu  scheuen  braucht.  Da  die  Briefgewichtserhöhung  von  15  auf  20  Gramm
in  Deutschland  zu  einer  Mehreinnahme  von  12  Millionen  Mark  führte,
brauchen  sich  die  Länder,  die  noch  an  15  Gramm  festhalten,  vor  einer
gleichen  Massregel  nicht  zu  fürchten  und  können  getrost  schon  eine  Weile
vorher  das  20  g-Gewicht  im  Weltpostverkehr  einführen.  So  wie  die
Dinge  jetzt  liegen,  haben  wir  in  Wirklichkeit  vier  verschiedene
Brieftarife  im  Weltpostverein  oder,  wenn  man  die  erheblichen
Gewichtsabweichungen  infolge  der  Unze  und  die  Seeportozuschläge ­
  berücksichtigt,  noch  viel  mehr.  Ich  will  sie  nachstehend
für  die  wichtigsten  Länder  aufzählen.
!•  Tarif.  Der  Normaltarif  von  25  Centimes  für  die  ersten  20  g
und  15  C.  für  je  weitere  20  g.  In  England,  Indien,  Canada,  vielen  eng-
        <pb n="242" />
        203

Pennyporto  anwenden  wollen,  irgend  ein  Hindernis  in  den  Weg
zu  legen.  Neuseeland  z..  B.  wollte  das  vor  einiger  Zeit,  aber
die  andern  Länder  gingen  nicht  darauf  ein,  obwohl  sie  nicht
genötigt  wurden,  auch  ihrerseits  in  der  Richtung  nach  Neuseeland ­
  eine  gleiche  Herabsetzung  eintreten  zu  lassen.  Man  trug
hier  also  Bedenken,  einen  Portounterschied  von  15  Centimes  in
beiden  Richtungen  zu  genehmigen,  und  trug  andererseits  nicht
Bedenken,  Portounterschiede  von  25  bis  75  Centimes  oder  gar
von  9  —10  Franken  gutzuheissen.  Da  hätte  man  schon  konsequenter ­
  sein  müssen!
Die  Zugestehung  verschiedener  Gewichtseinheiten  bedeutet
auch  einen  Differentialtarif  im  Porto  je  nach  der  Richtung.
lischeu  Kolonien  und  in  den  Vereinigten  Staaten  wird  statt  20  g  stets
1  Unze  (=  28,34  g)  als  Gewichtseinheit  angesetzt,  also  dem  Publikum  ein
grosser  Vorzug  eingeräumt,  sodass  10  Unzen  (283,4  g)  nach  dem  englischen
Weltporjotarif  bloss  16  d  —  1,36  M  kosten,  nach  dem  Normaltarif  aber
stellen  sich  283,4  g  auf  2,35  Pr.  oder  1,90  M,  d.  h.  um  44  Pf.  oder  30%
höher.  Dieser  Normaltarif  mit  dem  20  g-Gewicht,  dessen  Gegenwerte
für  25  und  15  Centimes  ich  zugleich  angebe,  besteht;  in  Deutschland  mit
seinen  Schutzgebieten  (20  Pf.;  10  Pf.),  in  Österreich-Ungarn  mit
Bosnien  und  Herzegowina  (25  und  15  Heller),  in  0  Ländern  mit  der
Franken  Währung;  Belgien,  Bulgarien,  Spanien,  Luxemburg.
Rumänien  und  der  Schweiz  (25  und  15  Centimes),  in  Dänemark,
Schweden  und  Norwegen  (20  Oere  und  10  Oere),  in  Holland  mit  seinen
Schutzgebieten  (I2V2  und  7‘/-2  Cents),  in  Portugal  (50  Reis  und  30  Reis  1
und  seinen  Kolonien,  in  England  (2 l /a  und  P/2  d),  Britisch-Indien
(2'/a  und  P/2  Anna  =  Pence)  nebst  Zanzibar,  Canada  (5  Cents  und  3  Cents  1
und  verschiedenen  anderen  englischen  Kolonien  (Gibraltar,  Malta,  Süd-Nigeria,
  Falklandsinseln,  Goldküste,  Jamaica,  Guayana,  Ceylon,  Hongkong,
Straits  Settlements,  in  entsprechender  Landesmünze)  und  in  Ägypten
(10  und  6  Milliemes).  Ferner  in  den  Vereinigten  Staaten  (5  und  3  Cents),
in  Bolivia  (10  und  6  Centavos)  und  Chile  (15  und  10  Centavos),  in  Japan
und  Korea  (10  Sen  und  Ö  Sen;  20  g  Gewichtseinheit)  und  wohl  auch  noch
in  manchen  anderen  Ländern,  deren  vollzählige  Feststellung  arrs  den  lückenhaften ­
  amtlichen  Quellen  mir  nicht  möglich  war.
2.  Tarif:  einheitlich  je  25  Centimes  für  je  15  g  (ln  britischen  Ländern
Vä  Unze  =  14,17  g)  werden  erhoben:  in  Griechenland,  Italien  (mit  den
Kolonien  Benadir  und  Erythräa),  Montenegro  und  Russland;  ferner  in
Britisch-Stidafrika  (Betschuanaland,  Süd-Rhodesia,  Kapland,  Natal,
Zululand,  Oranjeflusskolonie,  Transvaal),  im  Kongostaat,  in  Liberia
und  in  Mozambique  (portugiesisch);  in  Argentinien,  Brasilien,
Columbien,  Ecuador,  Paraguay,  Peru,  in  Nicaragua,  Costa  Rica
und  San  Domingo,  sowie  Haiti;  in  Persien,  Siam,  Britisch-Nord-
        <pb n="243" />
        Aus  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  oder  aus  England
kostet  ein  Brief  nach  Italien  25  Centimes,  wenn  er  28  g  wiegt.
Aus  Italien  dahin  kostet  er  aber  schon  50  Centimes,  wenn  er
auch  nur  16  g  schwer  ist.  56  g  aus  den  ersten  beiden  Ländern
stellen  .  sich  auf  40  Centimes,  aus  Italien,  Russland  usw.  aber
auf  1  Franken.
So  kann  man  also,  wenn  solche  Zustände  bereits  bestehen,
einseitige  Postvereinsbeziehungen,  in  denen  bloss  in  einer  Richtung
ein  billiges  Porto  gilt,  nicht  gut  missbilligen.  Die  britischen
Länder  zahlen  nach  Australien  nur  1  Penny  Porto,  umgekehrt ­
  gilt  aber  aus  Australien  dahin  ein  Porto  von  2  d.  Aus
Neuseeland  schickt  man  Briefe  nach  Mexiko  für  1  Penny
borneo  und  auf  den  Philippinen;  '  endlich  in  Australien,  Britisch-Neuguinea
  und  Tasmanien.
3.  Tarif:  25  Centimes  für  die  ersten  15  g  und  15  Centimes  für  je
weitere  15  g  erheben  Frankreich  und  seine  Kolonien  sowie  Tunis.
4.  Tarif:  25  Centimes  einheitlich  für  je  20  g  sind  angesetzt  in
Serbien,  ferner  in  Mexiko,  ln  der  Republik  Honduras,  in  San
Salvador,  in  Venezuela  und  Uruguay.
Diese  vier  Tarifarten  ergeben,  zumal  bei  Berücksichtigung  der  verschiedenen ­
  Landesmünzwerte  und  Gewichtsabweichungen,  sehr  bedeutende
Unterschiede,  besonders  bei  schwereren  Briefen  Nehmen  wir  einen  Brief
von  10  facher  Gewichtseinheit.  Nach  dem  ersten  Tarif  hat  er  dann  ein
Gewicht  von  '100  g  und  kostet  1,60  Franken,  nach  dem  dritten  Tarif  kostet
er  ebenso  1,60  Fr.,  aber  schon  bei  einem  Gewicht  von  150  g,  d.  h.  25°/ 0
weniger.  Der  zweite  Tarif  gewährt  für  2,50  Fr.  nur  150,  der  vierte  aber
200  g.
In  den  Vereinigten  Staaten  ergibt  ein  zehnfach  schwerer  Brief
283.4  g  und  kostet  nur  134,4  Pf.  (32  Cents);  in  England  136  Pf.  (1  sh.  4  d).
In  Deutschland  müsste  ein  283,4  g  schwerer  Brief  160  Pf.,  in  Schweden,
Norwegen  oder  Dänemark  180  Pf.  (160  Oere),  in  Frankreich  380,75  Pf.
(4,75  Fr.)  und  in  Russland  gar  410  Pf.  (1,90  Rubel)  bezahlen,  d.  h.  das
Dreifache  dessen,  was  er  in  Amerika  oder  England  kostet.
Nach  dem  zweiten  Tarif  stellt  sich  ein  Brief  von  20  g  schon  auf
50  Centimes,  nach  dem  ersten  und  vierten  nur  auf  25  Centimes,  nach  dem
dritten  auf  40  Centimes.
40  g  aber  kosten  nach  Tarif  1  bloss  40  Centimes,  nach  Tarif  2  dagegen
75  Centimes,  nach  Tarif  3  jedoch  55  Centimes  und  nach  Tarif  4  endlich
50  Centimes.
Aber  nicht  genug  damit!  Weitere  Ausnahmetarife  ergeben  sich  durch
die  noch  vorhandenen  Seeportozuschläge  und  Zuschläge  für  aussergewöhuliche
  Verbindungen  bei  verschiedenen  Ländern,  insbesondere  Zentralund
  Südamerika.  Da  kommen  zum  Briefporto  für  jede  Gewichtseinheit
        <pb n="244" />
        205

oder  10  Centimes,  aus  Mexiko  nach  Neuseeland  aber,  so  viel
ich  weiss  (vgl.  S.  283),  für  25  Centimes.  Die  Seeportozuschläge
schaffen  ähnliche  Verhältnisse  in  den  überseeischen  Beziehungen,
je  nach  der  Richtung.
Die  Buntscheckigkeit  des  bestehenden  Zustandes  ruft
übrigens  leicht  die  Erinnerung  wach  an  die  vom  amerikanischen
Generalpostmeister  Blair  aus  ähnlichen  Ursachen  zusammengerufene ­
  internationale  Pariser  Postkonferenz  von  1863  und  an
Englands  Anregung  einer  einheitlichen  internationalen  Gewichtsprogression ­
  von  1862.
Wenn  die  Buntscheckigkeit  zeitweilig  noch  vermehrt  würde;
so  würde  das  insofern  nichts  schaden,  als  dadurch  die  Notnoch
  Zuschläge  hinzu,  die  zwischen  5,  10,  I2V2,  15  und  25  Centimes
schwanken,  während  die  obigen  vier  Tarifarten  auch  hier  Vorkommen  und
ihre  ohnehin  vorhandene  Verschiedenheit  durch  die  Zuschlagstaxeu  nun
noch  weiter  vermehrt  wird.
So  erheben  z.  B.  Sau  Domingo  und  der  Kongostaat  für  je  15  g
je  25  Centimes  als  Normalporto  und  ausserdem  je  25  Centimes  als  Seeportozuschlag
  für  weite  Seestreoken,  d.  h.  also  50  Centimes  für  je  15  g,  natürlich
nur  bei  den  nach  auswärts  abgehenden  Briefen,  während  die  einlaufenden
nur  25  Centimes  bezahlt  haben,  je  nachdem  für  15,  20  oder  28  g.  Man
kann  nun  aber  feststellen,  was  für  gewaltige  Portounterschiede
da  bei  schwereren  Briefen  in  der  einen  und  in  der  andern
Richtung  entstehen.
Ein  Brief  von  zehnfachem  Gewicht,  also  150  g,  würde  hiernach
5  Franken  oder  4  Mark  zu  entrichten  haben.  Käme  er  aber  aus  einem
Lande  mit  der  Unze  (28,34  g)  als  Gewichtseinheit  und  mit  dem  Tarif  von
25  Centimes  für  die  erste  und  15  Centimes  für  jede  weitere  Unze,  so  hätte
ein  gleich  schwerer  Brief  von  150  g  nur  1  Franken  oder  80  Pf.  an  Porto  zu
entrichten.  Es  bestellt  also  noch  heute  in  gewissen  Fällen  der  ungeheuerliche ­
  Zustand,  dass  ein  gleich  schwerer  Brief  von  A  nach  B  5  Franken
und  von  B  nach  A  nur  1  Frauken  kostet.  Im  ersteren  Falle  also  5mal  oder
um  4-00%  mehr!  283,4  g  aber  kosten  von  A  ans  9,50  Franken  (7.70  M.i,
von  B  aus  aber  nur  1,60  Franken  (1,30  M.).
Es  kann  nur  gut  sein,  einmal  mit  der  Fackel  der  forschenden  Wissenschaft ­
  gründlich  in  diese  verborgene  Welt  der  Wunderlichkeiten  des  Weltportowesens ­
  hineinzuleuchten.  Man  kann  dabei  oft  noch  in  Staunen
geraten.  Jedenfalls  aber  schöpft  man  daraus  die  Anregung  zu  gründlichen  zeitgemässen
  Reformen,  denn  der  Weltpostverein  ist  zurzeit  von  einem  Einheitstarif ­
  noch  weiter  entfernt  denn  vorher.
Zur  Orientierung  über  die  Seeportozuschläge  sei  hier  noch  folgendes
gesagt;  nach  dem  Weltpostvertrage  vom  26.  Mai  1906,  Artikel  5,  §  2,  kann
im  Absendeland  von  Briefen,  die  den  für  sehr  weite  Strecken  angesetzten
        <pb n="245" />
        206

wendigkeit  einheitlicher  Neuregelung  stärker  empfunden  und
ihre  Durchführung  nur  beschleunigt  würde.

lieber  das  neue  Ziel  des  Welt-Briefportos  sind  wir  uns  klar.
Wie  gelangen  wir  nun  aber  am  besten  dahin?  Nämlich  zum
Welt-Peraiyporto  ?
Wie  wir  oben  sahen  (S.  14  ff.),  gingen  die  vielfach  geäusserten
  Wünsche  von  Handelsvertretungen  dahin,  an  diesem
Endziele  festhaltend  zunächst  mit  Nachbarländern  oder  besonders
wichtigen  Verkehrsländern  neue  Sonderpostvereine  zu  gründen
und  so  allmählich  fortschi’eitend  das  Welt-Pennyporto  nach  und
See-Transitsätzen  von  8  Franken  für  1  kg  (vgl.  S.  84)  unterliegen,
ein  einheitliches  Zuschlagporto  bis  zu  25  Centimes  für  den  einfachen ­
  Portosatz  erhoben  werden.  Ferner  darf  auch  bei  Sendungen,  die
mit  Postverbindungen  von  Nichtvereinsverwaltungen  oder  mit  aussergewohnlicheu
  Verbindungen  innerhalb  des  Vereins  befördert  werden,
die  zu  besonderen  Kosten  Anlass  geben,  ein  diesen  Kosten  entsprechendes
Zuschlagporto  verlangt  rverden.  Auch,für  Postkarten,  Drucksachen
usw.  können  Seeportozuschläge  erhoben  werden.
ln  dem  Organ  des  Weltpostvereins,  der  Zeitschrift  „L’Union
postale“  (Bern,  Jahrg.  ,1908,  Nr.  6,  S.  94—96,  ergänzt  durch  Notizen
in  späteren  Nummern)  wurden  unlängst  nach  dem  neuesten  Stande
diejenigen  Länder  aufgeführt,  die  zurzeit  noch  von  der
Befugnis  zur  Erhebung  von  Seeportozuschlägen  Gebrauch
machen.  Uns  gehen  hier  im  Augenblick  nur  die  Seeportozuschläge  für
Briefe  etwas  an,  die  in  folgenden  Ländern  noch  üblich  sind.  In  Zentralamerika ­
  und  von  den  Antillen  sind  es  die  nachstehenden:  die  Dänischen
Antillen  je  20  g  15  Bit  (—15  Centimes);  San  Domingo  je  15  g  5  Centavos ­
  =  25  Centimes;  Guatemala  25  Centavos  =  25  Centimes;  Republik
Honduras  je  20  g  5.  Centavos  =  12*/2  Centimes;  Nicaragua  je  15  g
1.0  Centavos  =  10  Centimes;  Salvador  je  20  g  5  Centavos  =  25  Centimes.
Für  Beförderung  von  Briefen  über  die  Panamabahn  erhebt  Salvador
3  Centavos  =  15  Centimes  Zuschlag.
In  Südamerika  erheben  Seeportozuschläge  für  Briefe:  Bolivien
10  Centavos  —•  25  Centimes  für  die  ersten  20  g  und  6  Centavos  für  weitere
20  g:  Brasilien  je  15  g  100  Reis  =  12Vä  Centimes;  Ecuador  je  15  g
5  Centavos  —25  Centimes;  Paraguay  je  lüg  25  Centavos  de  Peso  =  l'P/a
Centimes;  Uruguay  je  20  g  5  Centesimos  de  Peso  ==  25  Centimes;
Venezuela  20  g  25  Ceuthuos  de  Bolivar  =  25  Centimes.
Für  Beförderung  über  die  Panamabahn  setzen  Extrazuschläge  an:
Bolivien  je  20  g  2  Centavos  =  5  Centimes;  Peru  je  15  g  2  Centavos  =".
5  Centimes.
        <pb n="246" />
        207

nach,  womöglich  sogar  schon  bis  zum  nächsten  AVeltpostkongress,
durchzuführen.
Doch  die  Wirklichkeit  ist  den  Wünschen  in  manchen  Hinsichten ­
  schon  vorausgeeilt.  Deutschland  und  England  stehen
bereits  mit  der  amerikanischen  Union  im  Postverein;  viele  andere
Staaten  haben  fremde  überseeische  Postvereinsbeziehungen,  ganz
abgesehen  von  den  Kolonialpostvereinen.  Der  Nachbarverkehr
steht  dagegen  neben  dem  Ueberseeverkehr  oft  benachteiligt  da.
Es  ist  also  die  vorgeschlagene  Regel  hier  schon  durchbrochen.
Wir  wollen  nun  einmal  Zusehen,  welche  Regeln  und  Grundsätze ­
  man  überhaupt  aufstellen  könnte,  und  zugleich  prüfen,
welchen  Schwierigkeiten  sie  begegnen  würden.
In  Afrika  erhebt  der  Kougostaat  für  je  15  g  20  Centimes  als
Seeportozuschlag  für  Briefe
Wie  man  ans  alldem  sieht,  kann  also  von  einem  einheitlichen ­
  Briefporto  im  Weltpostverein  augenblicklich  kaum  noch
geredet  werden,  und  es  ist  höchste  Zeit,  dass  diese  gefährlichen
Lebergangszustände  einem  einheitlicheren  Dauerzustände  das
Feld  räumen.
Das  Internationale  Burean  des  Weltpostvereins  hat  in  seinem
„E.eoneil  de  renseignements  concernant  l’execntion  de  la  Convention
principale“  vom  Juli  1907  die  Weltportotarife  und  Gewichtseinheiten  aller
Länder  zusammengestellt.  Leider  sind  damals  bei  einer  grossen  Anzahl
von  ihnen  jedoch  Lücken  geblieben,  und  die  Gewichtssätze  und  zweiten
Portostnfen  fehlten  ganz.  In  der  Zeitschrift  des  Vereins,  L’Union  postale
(Jahrg.  1008,  Nr,  6,  vom  1.  Juni,  S.  93—94,  und  in  den  späteren  Heften)
sind  diese  Notizen  später  nach  dem  neueren  Stande  wiedergegeben  und  ergänzt,
aber  auch  keineswegs  vollständig.  Das  Berner  Bureau  wird  also  vermutlich ­
  wohl  von  den  betreffenden  Verwaltungen  nicht  mit  dem  genügenden
Material  versorgt  worden  sein.  Derselben  Erscheinung  begegnet  man  aber
in  der  Berner  Weltpoststatistik,  in  der  ein  grosser  Teil  der  Vereinsläuder
  überhaupt  zu  fehlen  pflegt,  obwohl  statistische  Materialien  vorhanden
sind  und  z.  B.  im  Gothaer  Hofkalender  oder  in  Hübners  Tabellen  oft
vielerlei  zu  finden  ist,  was  man  in  der  Statistik  des  offiziellen  Weltpostvereinsbureaus
  vermisst.  So  fehlen  z.  B.  völlig  statistische  Notizen  über
Brasilien.  Kanada,  Persien,  während  man  im  Höfkalender  oder  bei
Hübner  doch  manches  darüber  findet.  Der  wissenschaftliche  Forscher
empfindet  solche  Lücken  in  der  Statistik  natürlich  sehr  störend,  selbst
wenn  manche  davon  später  in  der  Vereinszeitschrift  teilweise  ausgefüllt
werden.
Hiernach  wäre  es  vielleicht  angebracht,  wenn-dem  Berner
Bureau  grössere  Mittel  zur  Verfügung  gestellt  würden,  damit
es  in  der  Lage  wäre,  sich  ln  allen  den  Ländern,  die  es  mit  der
        <pb n="247" />
        208

1.  Am  Gewicht  von  20  g  tut  man  gut,  festzuhalten;
nur  ist  die  statthafte  grosse  Abweichung  von  28,3  g  bei  den
Ländern  mit  dem  unmetrischen  Unzenmass  vielfach  bedenklich.
25  g  ergäben  zwar  eine  gute  neue  Gewichtseinheit,  würden  aber
alles  bisher  Beschlossene  Umstürzen  und  neue  Schwierigkeiten
schaffen.
2.  Es  wäre  denkbar,  im  Porto  von  25  Centimes  za-Materialversorgung
  im  Stich  lassen,  obwohl  Material  vorhanden
ist,  eigne  Korrespondenten  oder  Agenten  zu  halten,  die  ihm  die
nötigen  Unterlagen  rechtzeitig  besorgen.  Vielleicht  würden  auch.
Konsulate,  Gesandtschaften  und  Parlamente  ihm  dabei  behilflich
sein.  Die  Unvollständigkeit  der  Statistik  macht  sich  doch  zu  fühlbar.  Das
alte  Schema  dafür  Hesse  sich  übrigens  auch  wohl  verbessern,  entsprechend  den
gestiegenen  Ansprüchen  der  Wissenschaft.  Eine  Generalsumme  für  alle
Angaben  des  1.  Hefts  fehlt  in  ihr  und  wird  bloss  in  der  Vereinszeitschrift
gewöhnlich  mitgeteilt.  Die  Anordnung  geschähe  in  der  allgemeinen  Statistik
vielleicht  auch  besser  nach  Weltteilen  und  müsste  auch  für  diese  Weltteile
und  ihre  gegenseitigen  Beziehungen  Summen  ziehen.  Das  würde  sich  auch
für  die  Spezialstatistik  (Expedition)  empfehlen,  wo  die  Postvereinsländer
hervorzuheben  wären.  Nötigenfalls  wäre  der  Etat  des  Internationalen
Bureaus,  vielleicht  auch  die  Gehälter  seiner  Mitglieder,  zu  erhöhen,  wenn
die  Arbeit  wüchse.  Eür  eine  grosse  internationale  Behörde,  die  alle
Länder  der  Welt  gemeinsam  sich  halten,  ist  ein  Gesamtetat  von
125  000  Franken  heute  doch  eine  sehr  geringe  Summe.
Der  Vorstand  des  Internationalen  Bureaus  wird  sich  Ja  gewiss  besonders ­
  konstitutionell  an  die  bisher  gegebenen  Direktiven  und  Schemata  halten
und  ihn  kann  deshalb  kein  Vorwurf  treffen,  wenn  nicht  allen  Ansprüchen
der  Wissenschaft  genügt  wird,  die  bei  Ausarbeitung  der  alljährlichen
Statistiken  ganz  gut  mit  berücksichtigt  werden  könnten.  Ich  wollte  aber
nicht  unterlassen,  hier  wenigstens  auf  einige  Mängel  hinzuweisen.
Auch  die  Vereinszeitschrift  „L’Uuion  postale“  Hesse  sich  inhaltlich
vielleicht  reicher  gestalten,  wenn  man  davon  absehen  wollte,  sie  als  Schulbuch ­
  und  Sprachlehre  in  die  Welt  zu  schicken  und  denselben  Text  gleichzeitig ­
  französisch,  deutsch  und  englisch,  wiederzugeben.  Dadurch  wird  dpr
ohnehin  knappe  Baum  um  2 / 8  verkürzt  und  es  lässt  sich  nur  sehr  wenig
Wissenswertes  mitteilen.  Ich  glaube,  man  könnte  die  Dreisprachigkeit  zwar
beibehalten  rrnd  z.  B.  englische  und  amerikanische  Verwaltungsberichte
englisch,  deutsche  deutsch  und  französische  u.  a.  französisch  wiedergeben,
aber  immer  nur  einmal  und  in  einer  Sprache.  Bloss  besonders  wichtige
Tatsachen  oder  Mitteilungen  könnten  mehrsprachig  sein  oder  französisch.
Das  „Journal  teldgraphique“  des  Welt-Telegraphenvereins  hat  nur  französischen ­
  Text  und  ist  daher  im  Inhalt  viel  reicher,  weil  nicht  2 / g  des
knappen  Raumes  noch  durch  Uebersetzuugen  verloren  gehen,  die  wahrscheinlich ­
  im  Durchschnitt  doch  nie  gleichzeitig  gelesen  werden.
        <pb n="248" />
        209

nächst  statt  gleich  auf  10  erst  auf  20  oder  15  Centimes
für  je  20  g  herabzugehen.  Die  Herabsetzung  auf  15  Centimes
würde  insofern,  als  jetzt  schon  für  doppelte  und  mehrfach
schwere  Briefe  15  Centimes  für  je  20  g  gelten,  manches  für  sich
haben  und  eine  gewisse  Einheitlichkeit  schaffen.
Aber  eine  Ermässigung  bloss  auf  den  Satz  von  20  Centimes, ­
  wie  ihn  Japan,  von  England  u.  a.  unterstützt,  und  ebenfalls ­
  Holland  1906  auf  dem  Weltpostkongress  zu  Rom  beantragten ­
  und  Stephan  ihn  schon  1868  geplant  hatte,  würde
heute  doch  nur  eine  sehr  geringe  Erleichterung  sein  und  kaum
merklich  zu  einer  Verkehrssteigerung  führen.  Beachtenswert
bleibt  aber,  dass  1906  auf  dem  Kongress  doch  17  Stimmen  für
eine  solche  Neuerung  (20  Centimes  für  je  20  g)  stimmten,  aber
37  noch  dagegen  waren,  neben  drei  Stimmenthaltungen.
Doch  auch  15  Centimes  für  je  20  g  erscheinen  heute  ungenügend, ­
  wenn  man  bedenkt,  dass  schon  nahezu  die  Hälfte
aller  nach  auswärts  gerichteten  internationalen  Briefkorrespondenz
gegenwärtig  den  Vorzugstarifen  von  Postvereinen  unterliegt  xind
meist  nur  10  Centimes  oder  1  Penny  oder  10  Pf.  bezahlt.  Mit
einem  neuen  Weltportotarif  von  15  Centimes  für  je  20  g  würde
also  die  dringend  notwendige  grundsätzliche  Einheitlichkeit  und
die  Zurückführung  auf  den  mittleren  Inlandstarif  nicht  erreicht,
sondern  der  vorhandene  Dualismus  von  Weltporto  und  Postvereinsporto ­
  weiter  verewigt  werden.
Das  ist  aber  nicht  wünschenswert  und  würde  eine  Halbheit
sein.  Man  sollte  höchstens  gestatten,  dass  neben  dem  grundsätzlichen ­
  10  Centimes-Porto  in  einer  möglichst  befristeten ­
  Übergangszeit  auch  Abweichungen  bis  zu
15  Centimes  zulässig  sein  sollen,  um  damit  den  rückständig
hohen  inneren  Tarifen  einzelner  Länder  Rechnung  zu  tragen.
Auf  dem  Berner  Kongress  1874,  wo  der  Weltpostverein
gegründet  wurde,  gestattete  man  Abweichungen  vom  Normalporto ­
  von  25  Centimes,  die  nach  oben  bis  zu  32  Centimes  und
nach  unten  bis  zu  20  Centimes  gehen  durften.
Da  man  auf  dem  Kongress  niemand  zwingen  kann,  so
würde  also  auch  für  das  künftige  Weltporto  von  10  Centimes
ein  gewisser  Spielraum  einzuräumen  sein.  Russland,  die
Türkei  und  Australien  könnten  ja,  wenn  es  nicht  anders  geht,
        <pb n="249" />
        210

noch,  weitergehende  Ausnahmebefagnisse  erhalten  (über  15  Centimes ­
  hinaus).  Doch  wäre  es  gar  kein  Unglück,  wenn  der  Auslandstarif ­
  dort  zeitweilig  billiger  wäre  als  der  innere.  Denn
damit  würde  die  notwendige  Reform  des  Inlandstarifs  nur  beschleunigt ­
  werden.
3.  Eine  weitere  Möglichkeit  bliebe  die,  dass  der  Kongress
etwa  beschlösse,  zunächst  auf  20  Centimes  herunterzugehen, ­
  dann  2  Jahre  später  auf  15  Centimes  und  noch
2  Jahre  später  auf  10  Centimes.
Allein  diese  Massregel  würde  für  einige  Zeit  eine  gewisse
Unbeständigkeit  festlegen  und  vielleicht  auch  unbequeme  neue
Briefmarkenherstellungen  veranlassen.  Zugleich  fragt  sich,  ob
sie  finanziell  vorteilhafter  wäre  als  eine  radikale  Portoherabsetzung ­
  auf  10  Centimes.
4.  Eine  naheliegende  Möglichkeit  wäre  es  ferner,  einstweilen ­
  die  allgemeine  Portoherabsetzung  auf  die  angrenzenden ­
  oder  nahen  Nachbarländer  zu  beschränken,
also  Kreis-  oder  Ring-Postvereine  zu  bilden,  wie  ich  das
nennen  möchte.
Schon  der  Umstand,  dass  in  diesen  Fällen  kein  Transitporto ­
  zu  zahlen  ist,  spräche  dafür.
Allein  die  finanziellen  Vorteile,  die  man  von  diesem  Vorgehen ­
  vielleicht  erwarten  möchte,  würden  in  der  Regel  nicht
gross  sein,  wie  man  aus  meinen  Berechnungen  (S.  167,  172,  194)
ersehen  kann.  Das  gilt  besonders  für  die  Länder  Europas.
Denn  die  Hauptausfälle,  die  entstehen  könnten,  kommen
gerade  vom  Verkehr  mit  den  Nachbarländern,  weil  dieser  bei
weitem  der  grösste  Verkehr  zu  sein  pflegt.
Aus  Deutschland  (mit  Bayern  und  Württemberg)  gingen
1907  188,4  Millionen  frankierte  Briefe  nach  dem  Ausland,  die
Postvereinsländer  mit  einbegriffen.  110,4  Millionen  oder  58,4%
gingen  aber  nach  dem  postalischen  Ausland  und  waren  noch
dem  Weltporto  von  25  Centimes  unterworfen.
Von  diesen  kamen  103,4  Millionen  oder  55  %  auf  Europa
und  nur  7,3  Millionen  oder  3,8  %  auf  die  aussereuropäischen
Weltteile  (die  Vereinigten  Staaten  nicht  mitgerechnet).  66,5  Millionen ­
  oder  35  %  gingen  allein  nach  den  an  Deutschland  angrenzenden ­
  Ländern  (ohne  die  jetzigen  Postvereinsländer).
        <pb n="250" />
        211

14*

Bei  der  Schweiz,  bei  Belgien  und  Holland  ist  die  Zahl  der
Briefe  nach  den  angrenzenden  Ländern  verhältnismässig  noch
grösser,  ebenso  bei  Frankreich.  Doch  würden  die  finanziellen
Ausfälle  durch  diese  Beschränkung  immerhin  gemildert  werden
und  man  hätte  eine  allgemeine,  leicht  zu  behaltende  Regel
für  das  neue  10  Centimes-Porto  nach  allen  angrenzenden
Ländern!
Allein  diese  Regel  ist  jetzt  schon  in  so  zahlreichen  Fällen
durchbrochen  durch  die  Kolonial-  und  Ubersee-Postvereine  und
bliebe  auch  nur  eine  Halbheit.  Finanziell  recht  leicht  durchführbar ­
  wäre  dagegen  eine  andere  Regel;  das  10  Centimes-Porto
  gilt  durchweg  nach  allen  fremden  Weltteilen.
Dieser  Verkehr  nach  dem  postalischen  Ausland  und  fremden
Weltteilen  ist  nämlich  in  den  meisten  Ländern,  besonders
Europas,  sehr  gering  (in  Deutschland  nur  3,8  %  der  Briefe  nach
dem  Ausland,  in  Österreich  6,4  °/o,  in  Frankreich  6,7  %,  in  England ­
  4,57  °/o,  in  der  Schweiz  5,2  °/o,  Belgien  5  ü /o,  Holland
10,8  %&amp;gt;  Vereinigte  Staaten  15  %  [?]),  so  dass  er  keinen  Anlass
zu  ernstlichen  finanziellen  Befürchtungen  geben  kann.  Aber
trotzdem  jetzt  bereits  der  überseeische  Verkehr  vielfache  Portobevorzugungen ­
  geniesst,  würde  man  sich  wahrscheinlich  doch
dagegen  sträuben,  ihn  allgemein  dem  Welt-Pennyporto  zu  unterwerfen, ­
  wenn  dieses  nicht  auch  im  eigenen  Weltteil  allgemein
eingeführt  wird.  Vielleicht  ist  das  nur  ein  Vorurteil,  aber  als
solches  vermutlich  doch  wirksam.
Man  könnte  höchstens  beschliessen,  zunächst  das  Pennyporto ­
  nach  allen  fremden.  Weltteilen,  dann  in  einiger
Zeit  nach  den  nicht  angrenzenden  Ländern  des  eigenen
AVeltteils  und  schliesslich  es  auch  nach  den  angrenzenden
Nachbarländern  einzuführen.  Finanziell  wäre  dieser  Weg,
an  dem  sich  bloss  die  Logik  stösst,  der  unbedenklichste.  Doch
ginge  es  auch  umgekehrt.
Die  amerikanische  Union  hat  ja  schon  Postvereine  mit
allen  angrenzenden  Nachbarländern,  und  teilweise  ist  dieses
Pi’inzip  ja  auch  schon  anderweit  verwirklicht  (vgl.  S.  252—261).
Aber  durch  die  Tatsache  der  Übersee-Postvereine  ist  es  wiederum
schon  längst  durchbrochen  und  überholt  und  zwingt  uns  logisch
zum  allgemeinen  Welt-Pennyporto.
        <pb n="251" />
        212

5.  Auch,  für  die  einzelnen  AVeltteile  Hesse  sich
das  Pennyporto  gesondert  allgemein  durchführen.  In
Australien  herrscht  schon  ein  ermässigtes  Porto  (2  d);  Nordamerika, ­
  als  Weltteil  für  sich  betrachtet,  hat  schon  das  2-Cent-Porto
  (8,40  Pf.);  Asien  ist  nicht  mehr  weit  davon  entfernt,  da
China  mit  Russland  (Sibirien),  Japan,  Korea,  Französischindochina, ­
  Britisch-Indien  und  den  britischen  Besitzungen  usw.
im  Postvereinsverhältnis  steht.
Doch  auch  das  Weltteil-Pennyporto  ist  durch  die  Tatsachen,
durch  die  vielfachen  kolonialen  und  Übersee-Postvereine  bereits
überholt.  Trotzdem  könnte  dieser  Weg  natürlich  verfolgt
werden.  Aber  in  Europa  liegt  seine  Hauptschwierigkeit,  denn
wenn  in  Europa  das  Weltteil-Pennyporto  gilt,  dann  spielen  die
Portoermässigungen  nach  den  anderen  Weltteilen  finanziell  gar
keine  Rolle  mehr  und  kommen  als  Hindernis  nicht  in  Betracht.
Wenn  hiermit  die  allgemeinen  Regeln  oder  Grundsätze,
nach  denen  der  Weltpostkongress  verfahren  könnte,  einigermassen
  erschöpft  sind,  so  bleibt  natürlich  für  die  einzelnen
Länder  oder  Ländergruppen  untereinander  noch  der  Weg'  der
Sonderabkommen  und  Sonderpostvereine  übrig.
Auch  hier  könnte  man  immerhin  gewisse  leitende
Grundsätze  aufstellen,  wenn  man  nicht  ganz  regellos  vergehen
will,  ohne  Rücksicht  auf  baldigste  Erreichung  des  grossen
Endzieles.
6.  Man  könnte  zunächst  versuchen,  nach  und  nach  einzeln
mit  allen  Nachbarstaaten  in  ein  Postvereinsverhältnis  zu
treten.
7.  Oder  man  könnte  zuerst  mit  den  für  ein  Land  wichtigsten
anderen  Handels-  und  Verkehrsländern,  ohne  Rücksicht
auf  Nähe  oder  Ferne,  in  eine  solche  postalische  Verbindung  eintreten,
  z.  B.  etwa  mit  den  Ländern,  mit  denen  man  Handelsverträge ­
  abgeschlossen  hat,  aber  auch  mit  den  politischen
Bundesgenossen.
8.  Man  könnte  stamm-  und  sprachverwandte  oder
gleichsprachige  Länder  zuerst  berücksichtigen,  was  ja  auch
bisher  schon  vielfach  geschehen  ist.
9.  Man  kann  sodann  verschiedene  Gruppen  von  Ländern,
nämlich  solche,  die  schon  einen  Postverein  bilden,  mit
        <pb n="252" />
        213

anderen  G-ruppen,  die  ebenfalls  einen  Postverein  bilden,
zu  einem  grösseren  Pennyportogebiet  vereinigen.  Also  z.  B.  den
Skandinavischen  Postverein  und  den  Deutsch-Österreichischen
und  Deutsch-Luxemburgischen  Postverein,  vielleicht  auch  den
Österreichisch-Serbisch-Montenegrinischen  dazu.  Oder  alle  diese
zusammen  mit  dem  Kordamerikanischen  Postverein.  Oder  den
einen  Kolonialreichspostverein  mit  dem  anderen,  z.  B.  den
deutschen  und  den  amerikanischen,  den  deutschen  und
holländischen,  den  amerikanischen  und  den  britischen,  den
britischen  und  französischen  usw.
Dieses  Vorgehen  würde  finanziell  nur  ganz  geringe  Opfer
erfordern,  dagegen  durch  eine  grosse  Erweiterung  des  Pennyportobereichs ­
  das  angestrebte  Endziel  schnell  näher  rücken  und
beredt  dafür  wirken.
Aus  den  unten  dargestellten  Postvereinen  (S.  252  ff.)  lassen
sich  die  zahlreichsten  Kombinationen  dieser  Art  machen,  und  in
den  Ausfallbereehnungen  (S.  172  ff.  195)  wird  man  meist  auch  die
finanzielle  Seite  der  Sache  berücksichtigt  finden.  Diese  Gruppenvereinigungen ­
  würden  dem  Schneckentempo,  das  bei  lauter
Einzelabkommen  bloß  von  Land  zu  Land  einträte,  Vorbeugen. 1 )
b  Auf  einige  besonders  notwendige  Postvereinsabschlüsse  möchte  ich
hier  noch  hinweisen.  Die  grössten  Opfer  für  ein  plötzliches  allgemeines
Welt-Pennyporto  hätten  die  verkehrsreichen  Länder  Europas  zu  bringen,
wenn  sie  nicht  vorher  schon  Sonderpostvereine  mit  den  Nachbarn  besitzen.
In  dieser  Hinsicht  hat  aber  Frankreich  bisher  nichts  getan,  obwohl  es  sich
auf  den  Weltpostkongressen  schon  seit  langer  Zeit  zu  weitgehenden  Reformen
stets  bereit  gezeigt  hat.  Sein  Vorschlag  eines  gegenseitigen  15  Centimes-Portos
  an  England  wurde  von  diesem  aus  finanziellen  Rücksichten  abgelehnt ­
  (vgl.  S.  16,  285),  so  dass  es  ihn  vorläufig  nicht  erneuern  konnte.  Aber
auf  dem  Kontinent  würde  es  durch  Abschluss  ähnlicher  Abmachungen
wohl  in  der  Lage  sein,  sehr  viel  dazu  beizutragen,  dass  Europa  sich
postalisch  immer  mehr  und  mehr  zusammenschliesst.
Am  nächsten  läge  der  Abschluss  eines  .  Postvereins  mit
D  e  u  t  s  chl  an  d,  weil  dieses  für  Frankreich  das  grösste  Postverkehrsland  überhaupt ­
  ist,  denn  dahin  sandte  es  1907  z.  R.  34,74  Millionen  Briefpostsendungen ­
  aller  Art,  während  nach  England  nur  27,93  Millionen  gingen;
au  dritter  Stelle  folgt  Belgien  (21,4  Millionen),  dann  Italien  (19,57),  Algier
(17,77),  die  Schweiz  (17,4),  Spanien  (11,6)  und  dann  die  Vereinigten  Staaten
von  Amerika  (7,39).
Das  „Comite  Commercial  Franco-Allemaud“.  zu  Paris  sprach  sieh  auf
Anregung  aus  Kreisen  der  französischen  Geschäftswelt  schon  am  6.  Juli
        <pb n="253" />
        214

10.  Man  kann  ferner  nach  dem  holländisch-kolonialen
und  deutsch-amerikanischen  Postvereinsmuster  so  vergehen,
dass  nur  die  im  direkten  Seeverkehr  durch  eigene  Postdampferlinien ­
  beförderten  Briefe  das  billige  Porto
geniessen,  sei  es  nun  zwischen  zwei  Ländern  oder  zwei  Ländergruppen ­
  oder  mehreren  Postvereinsgruppen.
Dadurch  würde  der  finanzielle  Ausfall  zweifellos  verringert.
Doch  darf  nicht  verschwiegen  werden,  dass  sich  dabei  leichtwesentliche
  Verzögerungen  der  Beförderung  ergeben,  die  in  der
Handels-  und  Geschäftskorrespondenz  oft  empfindliche  Nachteile
zeitigen.  Aber  wer  an  solcher  Verzögerung  keinen  Anstoss
nimmt,  würde  immerhin  bedeutende  Vorteile  geniessen.

und  26.  Oktober  1908  für  ein  dentscli-französisclies  Postabkommen  aus,  und
am  3.  Mai  1909  nahmen  auch  die  Yerkehrsaussohüsse  des  „Deutsch-Französischen
  Wirtschafts-Vereins“  zu  Berlin  eine  Resolution  in  diesem
Sinne  an,  die  zu  positiven  Anträgen  in  den  Parlamenten  auffordert.  Es
sollen  womöglich  für  alle  Briefpostkategorien,  auch  für  Pakete,  im  wesentlichen ­
  die  inländischen  Taxsätze  eingeführt  werden.
Ich  würde  es  für  wichtig  halten,  dass  bei  einem  solchen  Postvereinsabschluss ­
  auch  die  beiderseitigen  Kolonien  gleich  mit  einbegriffen  werden,
und  kann  mir  wohl  denken,  dass  er  für  die  weitere  Entwicklung  in  der
Richtung  eines  Welt-Pennyportos  von  gewaltiger  Wirkung  sein  würde  und
für  zahlreiche  andere  Länder  das  Signal  zu  ähnlichen  Abkommen  gehen
würde.  Man  könnte  mit  dem  Briefporto  zunächst  anfangen.  Trotz  des
Finanzdefizits  in  beiden  Ländern,  das  ja  nicht  ewig  dauern  wird,  wären
die  Portoausfälle  leicht  zu  ertragen,  und  auf  30  —  40%  Verkehrszuwachs
könnte  man  in  einem  Jahre  wohl  rechnen,  wenigstens  mit  Wahrscheinlichkeit.
Deutschland  schickt  (1907)  nach  Frankreich  ID,58  Millionen  Briefe
und  827  000  nach  den  französischen  Kolonien.  Aus  dem  Reiohspostgebiet
  (d.  h.  Deutschland  ohne  Bayern  und  Württemberg)  gingen  1907
dagegen  nach  Frankreich  13  88G  700  Briefe  und  nach  französischen  Kolonien
(Algier  und  Tunis),  soweit  die  Statistik  darüber  Aufschluss  gibt,  303  830,
zusammen  also  14  190  530  Briefe,  die  hei  20  Pf.  Porto  2,8  Millionen  Mark,
bei  10  Pf.  aber  nur  etwa  1,4  Millionen  Mark  einbringen,  d.  h.  1,4  Millionen
Mark  weniger.  Bei  33%  Verkehrssteigerung  würde  es  für  die  Reichspost
  aber  nur  ein  Ausfall  von  etwa  0,97  Millionen  Mark  sein.
Frankreichs  Briefe  (mit  den  unfrankierten)  nach  Deutschland,
beliefen  sich  1907  auf  16  44D113  und  nach  deutschen  Kolonien  bloß  auf
1282.  Das  würde  bei  einer  Portoermässigung  von  25  auf  10  Centimes  einen
theoretischen  Einnahmeausfall  von  2,47  Millionen  Franken  oder  1,97  Millionen
Mark  bedeuten;  doch  bei  einer  Verkehrszunahme  um  33%  im  ersten  Jahte
        <pb n="254" />
        215

Nur  würde  dieses  Verfahren  den  Tarif  wieder  viel  unübersichtlicher ­
  machen  und  zu  häufigen  Falschfrankierungen  Anlass
geben,  sodass  es  höchstens  als  Ubergangsstadium  in  Betracht  käme.

Es  liegt  eigentlich  in  der  Natur  jeder  Verkehrsverwaltung,
dass  sie  an  sich  geneigt  sein  muss,  den  Verkehr  zu  erleichtern
und  zu  fördern.  Ein  Gegengewicht  schaffen  nur  die  allgemeinen
finanziellen  Staatsinteressen  und  die  mitunter  übermächtigen
fiskalischen  Einflüsse  der  Finanzministerien.  Doch  wird  es  den
Postministern  im  Grunde  ihres  Herzens  doch  stets  angenehm
sein,  wenn  ihnen  durch  gute  Gründe  für  zeitgemässe  Reformen
dazu  der  Rücken  gestärkt  wird.  In  diesem  Sinne  hoffe  ich,
wird  mein  Buch  auch  ein  wenig  wirksam  sein.
nur  1,92  Millionen  Franken  oder  1,53  Millionen  Mark  als  Mindereinnahme. ­

Ans  Algier  gingen  nach  Deutschland  nur  266  000  Briefe,  nach
deutschen  Kolonien  aber  bloß  15;  das  ist  ein  theoretischer  Ausfall  von  etwa
40  000  Fr.  Aus  Französisch  Guinea  waren  es  40  500  Briefe  (Ausfall
6000  Fr.),  aus  Franz.  Indochina  16  500  (Ausfall  etwa  2000  Fr.),  aus
Madagascar  5000  Briefe  (Ausfall  750  Fr.).  Aus  den  übrigen  französischen
Kolonien  zählen  die  Briefe  blos  nach  Hunderten.
Ein  Anschluss  Frankreichs  gleich  an  den  deutsch-österreichischen
Postverein  würde  finanziell  auch,  nicht  so  schwer  sein,  da  die  französischen
Briefe  nach  Österreich-Ungarn  mit  Bosnien  nur  2  698  000  Stück
ansmachen  (Ausfall  etwa  400  000  Fr.),  während  aus  Österreich  nach
Frankreich  2  525  000  Briefe  (Ausfall  etwa  380  000  Kronen)  und  aus
Ungarn  dahin  nur  592  000  Briefe  (Ausfall  etwa  90  000  Kronen)  abgingen.
Auch  ein  Postverein  Frankreichs  mit  Belgien,  der  ja  längst  angestrebt ­
  wird,  und  mit  der  Schweiz  wäre  wegen  der  französisch  redenden
Bevölkerung  in  diesen  Ländern  natürlich,  ebenso  mit  den  romanischen
Nationen,  Spanien  und  Italien,  welches  nach  Frankreich  seine  grösste
Korrespondenz  hat.
Eine  weitere  Kombination,  die  natürlich  erschiene,  wäre  ein  Anschluss
Italiens  an  deu  deutsch-österreichischen  Postvereiu,  einschliesslich  der
beiderseitigen  Kolonien.  Denn  einmal  weist  Oesterreich,  vorzugsweise  in
Tirol,  Triest  und  Dalmatien,  etwa  3 / 4  Millionen  Italiener  auf;  andererseits
bestehen  wegen  des  früheren  österreichischen  Besitzes  in  Oberitalien  und
der  damaligen  postalischen  Einheit  dieser  Gebiete  doch  rege  Beziehungen,
und  endlich  sind  die  Länder  des  Dreibundes  seit  30  Jahren  durch  ihr
politisches  Verhältnis  und  ihren  sehr  regen  Reise-  und  Handelsverkehr
sich  näher  getreten.  Italien  sendet  (1907)  nach  Österreich  3,780,000,  nach
        <pb n="255" />
        216

Von  den  135  Postverwaltungen  des  Weltpostvereins  sind
eigentlich  nur  wenige,  welche  mit  dem  Weltpennyporto  ein
grösseres  Risiko  laufen;  die  meisten,  glaube  ich,  müssten  bei
reiflicher  Erwägung  dieser  Reform  geneigt  sein.  Deutschland,
das  von  Anbeginn  für  Aufhebung  aller  Transitgebühren  eintrat
und  wo  Stephan  das  Inlandsporto  als  Ideal  eines  Weltportos
hinstellte,  im  Einklang  mit  dem  alten  Plan  von  1841,  ist  moralisch ­
  stark  engagiert  und  kann  eigentlich  natürlich  nicht  ins
gegnerische  Lager  übertreten.  Österreich  hat  es  in  wichtigen
Fragen  stets  gern  unterstützt  und  hat  in  alten  Zeiten  schon  ein
gleich  hohes  In-  und  Auslandsporto  besessen.  England,  die
Heimat  Rowland  Hills,  dessen  Grundgedanke  im  Weltpostverein
und  im  Weltpennyporto  nur  bis  in  seine  äusserste  Konsequenz
verfolgt  wird,  England,  das  schon  für  die  grössere  Hälfte

Ungarn  91  2  000.  nach  Bosnien  24  000,  nach  Deutschland  3  975  000  Briefe,
zusammen  also  8  691.  000,  was  hei  Herabsetzung  von  25  C.  bis  auf  den
innern  Tarif  (15  C.)  einen  theoretischen  Ausfall  von  869  000  Lire,  bei
einer  Ermässigung  auf  10  C.  aber  1  300  000  Lire  (1  040  000  Mark)  ausmachen ­
  würde.
Deutschland  sendet  nach  Italien  5  914  000  Briefe  (Ausfall
591  000  Mark  bei  Herabsetzung  von  20  auf  10  Pf.),  Österreich  4  478  000
Briefe  (Ausfall  670  O'OO  Kronen),  Ungarn  nur  408  000  Briefe  (Ausfall
60  000  Kronen).  Bei  einer  Verkehrssteigerung  um  33%  würden  die  Ausfälle ­
  natürlich  entsprechend  geringer  sein.  Eine  solche  Erweiterung  des  mitteleuropäischen ­
  Postvereinsgebiets  würde  sicherlich,  sehr  wertvolle  Folgen  haben.
Natürlich  würde  schon  wegen  der  italienischen  Kantone  auch  ein
italienisch-schweizerischer  Postrereiu  sehr  angebracht  sein.
Weiter  würde  sicherlich  auch  ein  Postrereiu  Kusslands  und  Deutschlands ­
  oder  Kusslands  und  des  deutsch-österreichischen  Postrereins,  der
sogleich  ein  riesig  grosses  einheitliches  Yerkehrsgebiet  in  Europa  schüfe,
von  weittragender  Wirkung  sein.  Schon  die  regen  Verkehrs-  und  Handelsbeziehungen ­
  dieser  Länder  allein  würden  eine  solche  Postxmion  wohl  rechtfertigen.
  Hinzu  kommt  noch,  dass  wegen  der  bessern  Verständigungsmöglichkeit
  das  .Bedürfnis  danach  in  Ländern  mit  teilweise  gleichsprachiger
oder  doch  sprachverwandter  Bevölkerung  immer  besonders  gross  ist.  Die
slawischen  Stämme  überwiegen  in  Russland  (etwa  75%)  und  in  Österreich
(60%);  sie  sind  in  der  Minorität  in  Ungarn,  27%,  und  in  Bosnien-Herzegowina, ­
  43%;  in  Deutschland  machen  sie  immerhin  auch  noch  6,2%
(3,5  Millionen)  aus.  Deutsche  gibt  es  in  Russland  fast  ebensoviel  (gegen
2  Millionen)  wie  in  der  Schweiz.  Sie  vermehren  die  Verstaudigungsmöglichkeit
  und  die  Kulturheziehungen  mit  den  deutschen  Ländern.
Ans  Deutschland  gehen  jährlich  (1907)  nach  Russland  (mit
        <pb n="256" />
        217

seines  auswärtigen  Briefverkehrs  den  Pennytarif  durchgeführt
hat  und  demnächst  das  70-  und  75jährige  Jubiläum  der  Hillschen
  Reform  feiern  wird,  hat  auch  Gründe  genug,  sich  zu
ihrer  Durchführung  auch  im  Weltverkehr  freundlich  zu  stellen.
Dänemark,  wo  1859  ebenfalls  der  Plan,  das  Inlandsporto  zum
Auslandsporto  zu  machen,  auftauchte,  dürfte  sich  nicht  minder
dazu  veranlasst  fühlen,  dieses  letzte  Ziel  zu  erreichen,  zumal  da
der  dänische  Reichstag  seinerzeit  den  Urheber  dieses  Plans  mit
einem  Ehrengehalt  ausgezeichnet  hat.
Die  Vereinigten  Staaten  haben  durch  das  transozeanische
Pennyporto  mit  England  und  Deutschland  und  die  gleiche  Absicht ­
  für  Frankreich  sowie  durch  ihren  nordamerikanischen  Postverein ­
  und  ihre  weitherzige  Gleichgültigkeit  gegen  unbedingt
Sibirien)  12,75  Millionen  Briefe  (Ausfall  also  bei  Portoermässigung  auf
10  Pf.  1  275  000  Mark);  ans  Österreich  etwa  4,6  Millionen  (Ausfall  bei
Herabsetzung  auf  10  Heller  690  000  Kronen),  aus  Ungarn  325  000  (Ausfall
etwa  50  000  Kronen).  Umgekehrt  gehen  aus  Russland  nach  diesen
Ländern  vermutlich  nicht  ganz,  aber  doch  annähernd  ebensoviel,  sagen  wir
15  Millionen  Briefe,  was  bei  einer  Tarifherabsetzung  vom  jetzigen  Weltporto ­
  (10  Kop.)  bis  auf  den  russischen  Inlandstarif  (7  Kop.)  einen  Ausfall
von  etwa  450  000  Rubel  ausmachen  würde,  bei  Ermässigung  auf  5  Kop.
aber  750  000  Rubel,  ungerechnet  natürlich  die  etwaige  Verkehrssteigerung
und  dadurch  erfolgende  Verminderung  des  Ausfalls.
Ein  Postverein  Deutschlands  mit  der  gleichsprachigen  Schweiz
(dahin  13,5  Mill.  Briefe,  von  da  8,2  Mill.  Briefe),  mit  dem  stammverwandten
und  handelsreichen  Holland  (dahin  12,8  Mill.;  von  da  5,45  Mill.  Briefe  gleich
Vs  der  Ausländsbriefe),  mit  dem  betriebsamen  Belgien  (dahin  8,65  Mill.,
von  da  6.4  Mill.  Briefe)  und  mit  Dänemark  (dahin  4  Mill.;  von  da  2,7  Mill.
Briefe  gleich  1; 4  des  Auslandsverkehrs)  würde  nicht  minder  angebracht
sein,  legt  aber,  was  zuzugeben  ist,  diesen  kleineren  Staaten  verhältnismässig
hohe  Opfer  auf,  da  ihr  Verkehr  .mit  dem  Deutschen  Reiche  sehr  gross  ist.
Belgien  und  Holland  untereinander  haben  erst  das  20  Centimes-Porto  und
sind  des  10  Centimes-Portos  natürlich  nicht  minder  bedürftig.
Griechenland  hätte  ein  besonderes  Bedürfnis,  mit  der  Türkei  und  mit
Ägypten  im  Postvereiu  zu  stehen,  weil  es  dort  so  viele  Griechen  gibt;  doch
seiu  Briefverkehr  ist  am  grössten  nach  Nordamerika  (725  000),  dann  kommt
die  Türkei  (440  000),  Ägypten  (327  000),  dann  nach  Russland  und  Italien  je
185  000  Briefe.
■  Spanien  und  Portugal,  die  bereits  einschliesslich  der  Kolonien  einen
Postverein  bilden,  hätten  wohl  Grund,  mit  ihren  früheren  Kolonien  in
Amerika  ein  Briefahkommen  zu  schliessen.  Aus  Portugal  gehen  V 4  aller
Briefe  allein  nach  Brasilien.  Von  Mexikos  europäischem  Briefverkehr  ist
der  nach  Spanien  der  grösste.
        <pb n="257" />
        218

notwendige  Einnalimeansfälle  bewiesen,  dass  sie  ihrerseits  dem
grossen  Ziele  längst  zustreben.
Sie  haben,  so  wie  Luxemburg  und  das  reformbereite
Frankreich,  auch  die  Idee  einer  Weltbriefmarke,  die  neuerdings ­
  wenigstens  als  Embryo  in  Form  der  internationalen
Antwortgutscheine  verwirklicht  worden  ist,  stets  unterstützt
und  schon  1863  im  Pariser  Post-Kongress  die  Grundsätze  für
eine  einheitliche  Briefgewichts-  und  Portoregelung  des  Weltverkehrs ­
  vorzubereiten  versucht.
Eine  solche  einheitliche  Regelung  tut  aber  gegenwärtig
wieder  besonders  not,  wenn  man  an  die  oben  geschilderte  Tarifverwirrung ­
  durch  die  verschiedenen  Gewichtseinheiten  und  die
vielen  verschiedenen  Portotarife  und  Zuschläge  denkt,  zu  denen
dann  noch  die  Abweichungen  infolge  der  vielen  verschiedenen
Münzsysteme  und  Währungen  hinzukommen.
Ein  Postverein  Südamerikas,  das  mit  seinen  Seeportozuschlägen  den
weiten  Überseeverkehr  immer  noch  so  erschwert,  wäre  längst  angebracht,
nachdem  Nordamerika  bereits  seit  vielen  Jahren  ein  einheitliches  Postvereinsgebiet ­
  darstellt.
Ägypten  und  Neuseeland  haben  sich  vor  einiger  Zeit  den  andern
Ländern  zum  Welt-Pennyporto  angeboten  und  sind  auch  zu  einer  einseitigen
Portoermässigung  bereit.  Man  sollte  diese  nicht  wieder  ablehnen,  da  dies
ohne  Sinn  ist,  solange  man  gleichzeitig  die  Seeportozuschläge  und  die  andern
hohen  Portotarife  vieler  Länder  einseitig  duldet.
Die  Vereinigten  Staaten  waren  ja  s.  Z.  auch  einem  2  Cents-Porto
mit  Frankreich  geneigt  Bemerkenswert  ist,  dass  sowohl  Norwegen  wie
Schweden,  die  eine  starke  Auswanderung  nach  Amerika  haben,  in  ihrem
auswärtigen  Verkehr  die  grösste  Zahl  der  Briefe  nach  der  Union  versenden,
mehr  als  nach  irgend  einem  europäischen  Staat.  Sie  verraten  damit  auch
ein  Bedürfnis  nach  einem  Postverein  mit  Amerika.
In  Afrika  ist  der  Verkehr  der  einander  fremden  Länder  noch  so
klein,  dass  es  finanziell  fast  gar  nicht  in  Betracht  käme,  wenn  ganz  Afrika
einheitlich  dem  Pennyporto  unterworfen  würde,  zumal  nachdem  Ägypten,
Südafrika  und  die  britischen  Gebiete  untereinander,  ferner  ebenso  die
deutschen  und  die  französischen  Kolonien,  desgleichen  in  Verbindung  mit
Marokko,  schon  Postvereine  bilden.  Ein  afrikanischer  Weltteilpostverein ­
  wäre  also  eigentlich  leicht  durchführbar.  Je  länger  man  wartet,
je  grösser  werden  durch  den  wachsenden  Verkehr  später  die  Ausfälle.
England  oder  das  ganze  grossbritische  Kolonialreich,  in  dem  schon
die  grössere  Hälfte  des  nach  auswärts  gerichteten  Briefverkehrs  (von  etwa
205  Millionen  135  Millionen)  dem  Pennyporto  unterliegt,  ist  wegen  seines
gewaltigen  Handels  zu  Abkommen  mit  Deutschland  und  Frankreich
        <pb n="258" />
        219

Die  Durchführung  des  Weltpennyportos  hätte  aber  auch
noch  eine  andere,  tiefere  Bedeutung  als  bloss  die  Ermässigung
des  Brieftai'ifs  um  15  Centimes  oder  10  Pfennige.  Sie  würde
nicht  nur  den  internationalen  Briefverkehr,  sondern  auch  den
Inlandsverkehr  der  Länder  des  Erdballs  in  der  Hauptsache
unter  ein  und  dasselbe  Gesetz  stellen.  Das  wäre  also  ein  Weltgesetz ­
  für  In-  und  Ausland,  ein  neues  Band,  das  die  Staaten
umschlingt  und  gewissermassen  ineinanderfügt.
Schon  jetzt  haben  die  Tarife  und  Bestimmungen  des  Weltpostvertrags ­
  eine  nicht  unbedeutende  Rückwirkung  auf  die  inländischen ­
  Postverhältnisse  vieler  Länder  ausgeübt.  Ein  gleicher
Welttarif  für  In-  und  Ausland  würde  das  in  erhöhtem  Grade
tun,  und  das  Weltpennyporto  ist  der  Weg,  der  dahin  führt.
Einen  solchen  grossen  Gedanken  können  sich  die  Völker  schon
etwas  kosten  lassen.
Ich  behalte  mir  jedoch  vor,  für  den  Fall,  dass  die  finanziellen ­
  Bedenken  vorläufig  noch  zu  grosse  Hindernisse  in  den
Weg  legen,  Vorschläge  zu  machen  und  näher  zu  begründen,  die
den  Postkassen  kein  so  grosses  Risiko  auferlegen  und  das  internationale ­
  Pennybriefporto  einstweilen  in  einer  bestimmten
anderen  Form  doch  zu  verwirklichen  gestatten.
natürlich,  prädestiniert,  könnte  aber,  solange  es  die  Einnahmeausfälle  scheut,
wenigstens  mit  dem  befreundeten  und  Malta  benachbarten  Italien  sowie  mit
dem  verbündeten  Japan  (nebst  Korea)  in  ein  Postvereinsverhältnis  treten
und  die  Kolonien  mit  einbeziehen.  Nach  Japan  schickt  es  487  000  Briefe
(Korea  7500),  aus  Japan  nach  England  gehen  nur  255  000,  nach  Canada
152  000,  nach  Britisch  Indien  56  000,  nach  dem  sonstigen  britischen
Asien  und  Australien  233  000  Briefe,  so  dass  also  die  Ausfälle  leicht  zu  verschmerzen ­
  wären.  Japan  hätte  auch  schon  wegen  seiner  nahen  Weltausstellung ­
  Grund,  den  Briefverkehr  nach  Deutschland  (nur  120000)  und
Frankreich  (65  000)  sowie  nach  der  amerikanischen  Union  (1  597  000)
und  nach  Russland  (76  000),  als  seinen  ausserasiatischen  Hauptverkehrsländern ­
  zu  verbilligen,  zumal  da  die  Japaner  im  Inlande  ein  so  billiges  Porto
haben  (6  Pf.)  und  daher  das  hohe  Weltporto  (20  Pf.  oder  25  Centimes)  als
hemmend  hoch  empfinden  müssen.
So  kann  man  natürlich  noch  viele  weitere  Kombinationen  anstellen,
die  als  Etappen  zum  allgemeinen  Welt-Pennyporto  anzusehen  wären.
Wenn  China  mit  allen  grossen  Weltstaaten  und  deren  Kolonien  (mit
England,  Frankreich,  Deutschland,  Russland,  Japan,  auch  Ägypten  und
Marokko)  bereits  im  Postverein  lebt,  so  können  auf  die  Dauer  die  andern
Länder  darin  nicht  nachstehen.  Sie  wollen  auch  das,  was  China  schon  hat!
        <pb n="259" />
        220

Kapitel  XI.
Weltverkehr,  Weltbriefmarke
und  Weltmünze,
Als  auf  dem  Wiener  AVeltpostkongress  im  Jahre  1891  am
24.  Juni  der  Vorschlag  einer  nur  zum  Auslandsverkehr  gültigen
Weltbriefmark  e  *)  vom  Vertreter  des  Grossherzogtnms  Luxemburg ­
  befürwortet  und  ein  ähnlicher  wohlvorbereiteter  Antrag
vom  Delegierten  der  Vereinigten  Staaten,  Potter,  empfohlen
und  gegen  viele  Angriffe  verteidigt  wurde,  wobei  er  die  Befürchtung ­
  etwaiger  Spekulationsgeschäfte  wegen  des  verbleibenden
geringen  Gewinns  für  mehr  eingebildet  als  wirklich  begründet

J )  Schon  1874  tauchten  Vorschläge  einer  Welthriefmarke  auf,  und
private  Anträge  lagen  dem  Berner  und  Pariser  AVeltpostkongress  (1878)
vor,  ohne  jedoch  beachtet  zu  werden.  1885  wurde  die  Idee  auf  dem  Lissahoner
  Kongress  von  Frankreich  prinzipiell  verteidigt,  und  1891  legte
Luxemburg  in  Wien,  von  den  Vereinigten  Staaten  unterstützt,  einen
ausführlichen  Entwurf  vor,  wonach  internationale  Briefmarken  zu  25  und
5  Centimes,  im  Innern  Verkehr  Tiber  nicht  verwendbar,  vom  Internationalen
Bureau  zu  Bern  hergestellt  und  an  die  einzelnen  Länder  abgegeben  werden
sollten.  Ihr  Zweck  sollte  sein,  als  Antwortmarke  verschickt,  als  Reisern ­
  arke  bei  Reisen  verwandt  und  als  kleines  internationales  Zahlungsmittel ­
  verwendet  zu  werden.  1897  wiederholte  Luxemburg  den  Antrag
noch  einmal,  zog  ihn  aber  später  zurück.  Der  luxemburgische  Postinspektor
I.  P.  Reis  war  der  Urheber  dieses  wohldurchdachten  Planes,  den  man  in
seinem  inhaltreichen  Werke  „Statistique  historiqne  du  Grand-Duche  de
Luxemburg.  Histoire  des  postes“  etc.  (Luxemburg  1897.  S.  552—558)  ausführlich ­
  dargestellt  imd  begründet  findet.  (Vgl.  über  die  Schicksale  der
AVelthriefmarke  auch  Weithase,  Geschichte  des  Weltpostvereins,  1895,
S.  175—182;  Carl  Schröter,  Der  Weltpostverein,  Bern  1900,  S.  338  f.  und
Hubert  Krains,  L’Union  postale  Universelle,  Lausanne  1900,  S.  90,  91
und  102.)
        <pb n="260" />
        221

erklärte,  da  ergriff  im  Laufe  der  Debatte  '  aucli  der  deutsche
Staatssekretär  v.  Stephan  das  Wort.  Die  Verwirklichung  des
Gedankens  schien  auch  ihm  damals  noch  verfrüht.  Doch  'fügte
er  hinzu:  „Dieser  Vorschlag  zielt  darauf  ab,  das  letzte  Ideal
zu  verwirklichen.  ,  Es  ist  möglich,  dass  er  eines  Tages  ausgeführt
wird,  denn  man  soll  nie  verzweifeln.  Aber  um  dahin  zu  gelangen, ­
  müsste  man  vorher  die  Einführung  eines  gleichförmigen ­
  Münzsystems  ins  Werk  setzem  Ausserdem  bedürfte ­
  es,  wovon  wir  noch  weit  entfernt  sind,  einer  gleichen
Straf-Gesetzgebung  gegen  die  Briefmarkenfälschung  usw.  Ich
glaube,  der  Tag,  wo  man  an  Verwirklichung  des  Projekts  denken
könnte,  ist  noch  fern.
Wenn  man  dahin  käme,  eine  Universalbriefmarke  zu
schaffen,  so  hätte  man  damit  zugleich  ein  internationales
Geld  (monnaie)  geschaffen,  eine  Art  Banknote,  die  überall
denselben  Wert  hat.  Aber  der  gegenwärtige  Zustand  würde
verschlechtert,  denn  man  hätte  zwei  Arten  von  Briefmarken
vor  sich,  und  Privatleute  könnten  sie  zu  Spekulationszwecken
ausnutzen.  Trotzdem  ist  es  gut,  dass  diese  Erage  aufgeworfen
wurde  und  dass  sie  nicht  einschläft.  Man  kann  denen,  die  hier
die  Initiative  ergriffen  haben,  nur  dankbar  sein.“ 2 )
Seitdem  sind  nahezu  zwei  Jahrzehnte  dahingegangen,  in
denen  weit  schwierigere  Prägen  gelöst  wurden;  die  Erfindung
brauchbarer  Kraftwagen,  die  elektrische  Schnellbahn  mit  200  km
stündlicher  Geschwindigkeit,  die  drahtlose  Telegraphie  und  Telephonie,
  die  lenkbaren  Luftschiffe,  die  Plugmaschinen,  die  Röntgenstrahlen ­
  usw.  Strafgesetze  gegen  Briefmarkenfälschung  sind  fast
in  allen  Ländern  erlassen  worden.
Aber  die  AVeltbriefmarke  und  die  Weltmünze  harren
noch  der  Verwirklichung.
Doch  man  ist  der  ersteren  nun  doch  schon  einen  grossen
Schritt  näher  gekommen,  denn  seit  dem  1.  Oktober  1907  sind
ja  die  internationalen  Antwortscheine  eingeführt  worden,
die  bereits  in  71  Ländern  des  AVeltpostvereins  gültig  sind.  Sie

2 )  Ich  habe  diese  Rede,  die  vermutlich  aucli  französisch  gehalten'
wurde,  aus  dem  Buch  „L’Union  postale  Universelle“  (von  Hubert  Krains),
Lausanne  1900,  S.  91  f.,  verdeutscht  hier  wiedergegeben.
        <pb n="261" />
        222

sind  ein  Mittelding  von  Retourbriefmarke 3 ),  Weltbriefmarke ­
  und  Weltbanknote,  wenn  auch  nicht  gerade  in  bequemer ­
  Eorm  und  zu  unbeschränkter  Verwertung  in  jeder  Hinsicht. ­
  Auf  Gold  lautend,  vom  Internationalen  Bureau  des  Weltpostvereins ­
  hergestellt  und  zum  Selbstkostenpreise  von  0,98  Centimes
für  das  Stück  an  die  davon  Gebrauch  machenden  Postverwaltungen ­
  abgegeben,  werden  sie  vom  Publikum  brieflich  versandt ­
  und  können  vom  Empfänger  im  andern  Lande  bei  der
Post  gegen  eine  Landes-Briefmarke  von  25  Centimes  oder  den
entsprechenden  Gegenwert  eingetauscht  werden.  Es  werden
beim  Verkauf  aber  mindestens  3  Centimes  aufgeschlagen,  um
Spekulationen  mit  Hilfe  der  bestehenden  Münzunterschiede  unmöglich ­
  zu  machen.
Diese  Antwortscheine  sind  nun  auch,  wie  Stephan  von
der  Weltbriefmarke  mit  Recht  sagte,  eine  Art  Banknote,  ein
internationales  Geld;  ja  ich  möchte  sagen,  sie  sind  der
3 )  Den  Plan  einer  internationalen  Retourbriefmarke,  die  aber  ebenso,
wie  die  Antworthälfte  einer  Doppelpostkarte,  immer  mir  nach  dem  Ursprungslande ­
  zurück  gelten  sollte  —  auch  in  Form  internationaler  Kartenbriefe
mit  Antwort  oder  Stempelkuverts  mit  Antwort  sowie  teilbarer
Antwortmarken  —  entwickelte  ich  1894  unter  dem  Titel:  „Die  internationale ­
  Rückbriefmarke“  in  einem  längeren  Leitartikel  der  Zeitung
„Deutsche  Warte“  (Berlin  1894,  6.  und  9.  Mai,  Nr.  104  B  und  106  B;  später
auch  weiter  ebenda  behandelt  in  Nr.  122  B  vom  29.  Mai,  in  Nr.  188  vom
14.  Aug.  und  189  B  vom  15.  Aug.  1894  sowie  1899,  20.  Nov.  in  Nr.  320  B).
1895  wurde  vom  Internationalen  Bureau  des  Weltpostvereins  über  diese
Dinge  eine  Umfrage  veranstaltet,  1897  wurden  sie  auch  auf  dem  Kongress
zu  Washington  erörtert,  (vgl.  Hubert  Krains,  L’Union  postale,  1900,  S.  91),
doch  ist  sie  in  der  vorgeschlagenen  Form  nicht  verwirklicht  worden.  Dagegen ­
  hat  der  Weltpostkongress  zu  Rom  statt  dessen,  wie  Artikeln  Abs.  2
des  Weltpostvertrages  vom  26.  Mai  1906  (in  Kraft  vom  1.  Oktober  1907  ab)
bestimmte,  internationale  Antwortscheine  oder  Gutscheine  (coupons-reponse)
zum  Miudestverkaufspreise  von  28  Centimes  eingeführt,  die  brieflich  verschickt ­
  werden  und  im  fremden  Lande  am  Postschalter  gegen  eine  gegewöhnliche
  Briefmarke  von  25  Centimes  oder  dem  entsprechenden  Werte
in  der  Landesmünze  eingetauscht  werden  können,  um  damit  die  Antwort
zu  frankieren.  Die  Autwortscheine  gelten  nur  für  die  Staaten,  die  an
diesem  Abkommen  teilnehmen,  und  werden  vom  internationalen  Weltposthnreau
  in  Bern  hergestellt  ruid  den  Staaten,  die  sie  verlangen,  zum  Verkauf
an  das  Publikum  nach  erfolgter  Abstempelung  verabfolgt.
Frankreich  und  Russland  regten  1906  in  Rom  übrigens  auch  die
Ausgabe  eines  Kartenbriefs  mit  Antwort  an;  Frankreich  einen,  der  einen
        <pb n="262" />
        223

Anfang  einer  Weltmünze.  Denn  sie  sind  ein  auf  Goldwert
lautendes  Papiergeld,  ein  Wertpapier,  ein  Zahlungs-  und
Tauschmittel,  für  das  die  Landesposten  zwar  nur  Marken  geben,
aber  Pxdvate  und  Kaufleute  auch  AVaren  und  Leistungen,  wie
für  anderes  Geld,  wenn  auch  natürlich  nur  in  entsprechend
geringem  Masse.
Diese  weittragende  grundsätzliche  Bedeutung  der
Antwort  -  Gutscheine,  der  ersten  und  noch  unvollkommenen ­
  Spielart  einer  AVeltbriefmarke  und  zugleich
AVeltmünze,  ist  bisher  noch  garnicht  beachtet  worden.
An  einer  AVeltmünze  hat  der  AVeltverkehr  und  der  Welthandel ­
  heute  aber  zweifellos  ein  grosses  Interesse.  Die  AVeltpost
  bedarf  ihrer  aus  verschiedenen  Gründen  schon  jetzt,  nicht
bloss  einer  Weltbriefmarke  wegen.
10  Centimes,  der  Normalsatz  einer  Weltpostkarte,  sind
genau  8,1  Pfennige  D.  R.-AV.  Aber  welche  Unterschiede  ergeben
sich  infolge  der  verschiedenen  Münzarten,  ganz  abgesehen  von
den  schwankenden  Werten  mancher  Währungen!  Es  werden
dafür  gleichgesetzt  als  entsprechender  Portosatz:  in  Deutschland
10  Pf.  (12,34  Centimes);  in  Skandivien  10  Oere  (11,25  Pf.);  in

umscblagartigen  Antwortteil  enthielt;  Russland  einen  doppelten  Kartenbrief
oder  einen  Kartenbrief  mit  angehängter  Postkarte;  Holland  empfahl  eine
Antwortmarke  oder  einen  Antwortnmsclilag,  der  mit  2—3  Centimes  Aufschlag ­
  zu  verkaufen  wäre  und  in  einem  Briefe  ins  Ausland  geschickt  werden
sollte.  Die  Vereinigten  Staaten  schlugen  einen  Umschlag  mit  einer
zweiten  Freimarke  für  die  Antwort  vor,  der  im  Auslande  hei  der  Post
gegen  eine  Landesmarke  einzutauschen  wäre.  Australien  vertrat  die
Idee  von  Antwort-Gutscheinen,  die  mit  Marken  beklebt  und  entwertet  und
dann  im  Ausland  bei  der  Post  gegen  dortige  Landesmarken  umzutauschen
  seien.  England  empfahl  nachträglich  Gutscheine  in  verschiedenen
Werten,  vom  Weltpostbureau  airsgegeben,  mit  Aufschlag  verkäuflich  und
im  Ausland  gegen  Landesmarken  eintauschbar.  Rumänien  wollte,  dass
alle  Länder  fremde  Postmarken  gegen  eigene  Landesmarken  eintauscheu
sollten.
Schliesslich  wurde  auf  Antrag  Belgiens  nur  ein  Antwort-Gutschein
für  20  Centimes  in  Gold,  für  wenigstens  28  Centimes  verkäuflich,  beschlossen.
Die  einzelnen  Verwaltungen  rechnen  vierteljährlich  mit  dem  Berner  Bureau
ab.  (Näheres  im  „Archiv  f.  Post  n.  Telegraphie“  1906,  Nr.  14,  S.  411  f.)
AVie  die  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  (1908,  Nr.  48,  S.  596f.)  mitteilte,
gingen  in  den  ersten  9  Monaten  (vom  1.  Oktober  1907  bis  1.  Juli  1908)  nur
        <pb n="263" />
        224

England  1  d  (8,5  Pf.);  in  Österreich  10  h  (8,5  Pf.);  in  der  Türkei
20  Para  (9,23  Pf.)  nsw.  Der  deutsche  Satz  geht  also  schon
um  23,4%,  der  skandinavische  um  38,8%  über  den
Normalsatz  hinaus.
Der  Normaltarif  für  Briefe,  25  Centimes  (20,25  Pf.),
in  Deutschland  auf  20  Pf.  abgerundet,  wird  in  Österreich  zu
25  h  (21,25  Pf.),  in  England  zu  '2%  d  (21,20  Pf.),  in  Russland
zu  10  Kopeken  (21,6  Pf-),  in  der  Türkei  zu  40  Para  (18,46  Pf.),
in  Skandinavien  aber  zu  20  Oere  (22,50  Pf.)  gemacht,  d.  h.  um
4  Pf.  mehr  als  in  der  Türkei;
Wenn  nun  noch  die  internationale  Briefgewichtseinheit  in
dem  einen  Lande  statt  des  neuen  Norm  als  atz  es  von  20  g  15  g,
im  anderen  aber  28,34  g  (1  Unze)  beträgt  und  die  weiteren
Gewichtseinheiten  bald  mit  15  Centimes,  bald  mit  vollen  25  Centimes ­
  tarifiert  werden,  so  ergibt  sich  ein  heilloser  Tarif  Wirrwarr,
wie  ich  ihn  oben  schon  näher  beschrieben  habe.  Die  Seeportozuschläge ­
  und  die  vielen  und  verschiedenen  Postvereinstarife
vergrössern  diese  Regellosigkeit  des  Weltportos  noch  ins
Ungemessene.  Dieser  Zustand  ist  sehr  unerwünscht.
Es  ist  klar,  dass  ceteris  paribus  (also  von  besonderen
Gewohnheiten  und  Umständen  abgesehen)  im  Wechselverkehr

42  439  solcher  Antwort-Gutscheine  aus  andern  Ländern  in
Deutschland  hei  der  Post  ein  (davon  11  742  aus  der  Schweiz.  9548  aus
Frankreich,  4182  aus  England,  4150  aus  der  Union,  3141  aus  Belgien,  2759
ans  Holland,  1743  aus  Italien  und  1279  aus  Skandinavien).  Aus  Deutschland ­
  trafen  dagegen  im  letzten  Vierteljahr  1907  in  andern  Ländern  6197
deutsche  Antwort-Gutscheine  ein  (1450  in  Frankreich,  1407  in  England,
1003  in  der  Schweiz  usw.).  Im  ersten  Vierteljahr  des  Bestehens  (letztes
Quartal  1907)  gingen  heim  Internationalen  Bureair  in  Bern  bloss  50  388  eingelöste ­
  Antwortscheine  ein,  während  es  bis  Ende  1907  an  60  Postverwaltungen ­
  6  557  200  und  bis  Ende  1908  an  71  Verwaltungen  im  ganzen
7  135  200  bestellte  Antwortscheine  abgegeben  hatte  (vgl.  „Archiv  f.  Post
ii.  Telegraphie 1 '  1909,  Nr.  9,  Mai,  S.  306  f.  u.  „D.  Verk.-Ztg.“  1909,  S.  345).
Der  Aufscldag  von  mindestens  3  Centimes  (in  Deutschland  ist  der
Preis  25  Pfg.  =  30,85  Centimes)  soll  den  Zweck  haben,  spekulative
Arbitragegeschäfte  mit  Antwortscheinen  zn  verhüten,  da  ihr  Gegenwert
z.  B.  in  Schweden  20  Oere  =  27,776  Centimes  ist,  in  Deutschland  aber
20  Pfg.  =  24,69  Centimes  ist.  Da  die  Absätzfähigkeit  dieser  Marken  nicht
gerade  gross  ist,  so  fragt  sichs  indessen,  ob  diese  Befürchtung  nicht  zn
weit  geht.
        <pb n="264" />
        225

zweier  Länder  der  Verkehr  von  A  nach  ß  grösser  sein  würde
als  der  von  B  nach  A,  falls  das  Porto  in  A  merklich  niedriger
angesetzt  ist.  Dann  wird  B  aber  die  grössere  Zahl  von
Sendungen  ans  A  umsonst  befördern  und  austragen  müssen,
ohne  einen  annähernden  Ausgleich  dadurch  zu  haben,  dass  A
ihm  eine  etwa  gleiche  Gegenleistung  verrichtet.  Das  kommt  in
Wirklichkeit  auch  vor  (vgl.  oben  S.  90).
1907  gingen  aus  Österreich  nach  Deutschland  30,15  Millionen ­
  Postkarten,  aus  Deutschland  nach  Österreich  aber  nur
17,5  Millionen  (bei  annähernd  gleicher  Briefzahl).  Der  Umstand,
dass  die  österreichischen  Postkarten  nur  4,25  Pf.  (5  h),  die
deutschen  aber  5  Pf.  (23  %  mehr)  kosten,  mag  dabei  wohl  mitspielen, ­
  zumal  bei  einem  so  regen  Wechsel-  und  Massenverkehr
wie  hier.  Denn  im  inneren  deutschen  Verkehr  wirkte  schon  die
Portoerhöhung  für  Zeitungsbeilagen  von  */*  auf  1 /&amp;amp;  Pf.
derart,  dass  der  Verkehr  in  IV2  Jahren  um  etwa  75  Millionen
oder  30  °/o  zurückging.  Ein  häufiger  Massenverkehr,  den  wenige
Absender  besorgen,  ist  stets  sehr  empfindlich,  wenn  er  sie  am
Porto  trifft.
Es  soll  auch  Vorkommen,  dass  manche  Geschäftsleute  ihre
Massenpostkarten  für  Deutschland  des  billigeren  Portos  wegen
lieber  aus  Österreich  absenden  lassen  und  damit  ein  Arbitragegeschäft ­
  machen.
Einfache  Briefe  aus  Frankreich  im  Gewicht  von  15  g
kosten  nach  den  Vereinigten  Staaten  und  nach  sämtlichen
britischen  Ländern  25  Centimes;  doppelte  Briefe  von  30  g  (doch
das  volle  Gewicht  wird  ja  selten  erreicht)  40  Centimes.  Wenn
französische  Geschäftsleute,  zumal  solche,  die  Zweiggeschäfte  in
England  haben  oder  in  Dover  ein  Abkommen  getroffen  haben,
diese  Briefe  aber  von  England  aus  absenden  lassen,  so  macht
das  Porto  für  28,34  g  bloss  1  Penny  oder  ungefähr  10  Centimes
aus  und  für  doppelte  Briefe  (aus  Frankreich)  bis  zu  28,34  g
nach  anderen  Ländern  des  Weltpostvereins  auch  nur  2 1 /z  d  oder
25  Centimes  (statt  40  Centimes).  Massenweise  abzuschickende
Handelsbriefe  mit  Prospektbeilagen  kann  eine  französische
Firma  aber  sehr  gut  von  England  oder  von  einem  in  Calais
oder  Havre  anlegenden  englischen  Dampfer  aus  abfertigen  lassen,

15
        <pb n="265" />
        um  Porto  zu  sparen,  nämlich  auf  1000  Briefe  zu  10  statt
40  Centimes  schon  300  Pranken.  Das  lohnt  sich  schon.
Solche  Manöver  lassen  sich  aus  und  nach  zahllosen  anderen
Ländern  auch  machen,  und  wenn  gar  die  Portounterschiede
3—400  %  ausmachen,  wie  oben  gezeigt  (S.  202,  204),  so  sind  sie  um
so  lohnender,  je  grösser  die  Briefzahl  ist.
Da  ist  es  also  hohe  Zeit,  endlich  einmal  einheitliehe
  und  gleiche  Portotarife  zu  schaffen,  deren  Vorbedingung ­
  aber  ein  einheitliches  und  gleiches  Gewichtsund ­
  Münzsystem  im  Weltpostverein  wäre,  von - der  Währung
natürlich  ^  ganz  abgesehen.  Die  englische  Unze  (28,34  g)  für
20  g  anzusetzen,  welche  mit  z /i  Unze  (21,26  g)  übrigens  richtiger
ausgedrückt  würden,  das  ist  eine  zu  grosse  Abweichung  vom
Normalsatz  (20  g).  Das  dezimale  metrische  Mass  und  Gewicht
sollte  daher  an  Stelle  der  umständlichen  und  unpraktischen  alten
Masse  wenigstens  hier  endlich  auch  praktisch  den  Sieg  davontragen ­
 4 ).
Die  Industrie  würde  übrigens  für  den  Briefverkehr  in
jedem  Lande  auch  jetzt  schon  neue  metrische  Briefwagen  schaffen
können,  zumal  wenn  der  Weltpostvertrag  verfügte,  dass  über
die  20  g-Einheit  keinesfalls  hinausgegangen  werden  dürfe  und
die  Landesposten  in  jedem  Palle  dieses  Mass  für  statthaft  erklärten, ­
  aber  kein  höheres.  Auch  auf  Briefwagen  mit  anderem
Gewicht  liesse  sich  immer  noch  daneben  eine  metrische  Skala
anbringen,  wie  ja  oft  schon  üblich.
Der  gewaltige  Weltpost-  und  Telegraphenverkehr,  der
internationale  Personen-  und  Güterverkehr,  die  Weltschiffahrt
und  der  Welthandel,  das  Zollwesen,  das  internationale  Versiche-4
 )  Seltsamerweise  hängt  ein  so  praktisches  Volk  wie  die  Engländer
immer  noch  zäh  an  seinen  unpraktischen  Massen  und  Gewichten  und  hat
dabei  für  verschiedene  Waren  viele  ganz  verschiedene  Gewichtsmasse.  Für
Weine  hat  das  Flüssigkeitsmass  pipe  je  nach  der  Sorte  7—8  verschiedene
Grössen.  Das  Handelsgewicht  gliedert  sich  folgendermassen;  1  ton  =
20  hundredwights,  1  hundredweight  =  4  quarters,  1  quarter  =  28  pounds,
1  pound  =16  ounces,  1  ounce  =16  drams,  1  dram  =  3  scruples,  1  scruple
=  10  grains.  Mit  solchen  Massen  zu  rechnen  anstatt  des  dezimalen
metrischen  Litersystems,  das  ist  ebenso,  als  wenn  man  heute  noch  eine
Flinte  mit  Feuersteinschloss  benutzte  statt  der  modernen  Repetir-Gewehre  und
Patronen.  Aehnlich  stehts  in  Nordamerika  und  Russland,  obwohl  das
Metersystem  zulässig.
        <pb n="266" />
        227

rungs-,  Bank-  und  Börsenwesen,  die  täglichen  Kursnotizen  vom
Welt-  und  Geldmarkt,  die  ungeheuren  Kapitalsanlagen  in
fremden  Ländern  und  Werten,  das  internationale  Patentwesen
mit  seinen  jährlichen  Gebühren,  das  internationale  Inseratenwesen
  der  Weltpresse,  das  täglich  auf  den  ganzen  Erdball  gerichtete ­
  Kapitals-  und  Handelsinteresse  der  Geschäftswelt  wie
des  Publikums,  alles  das  begegnet  in  dem  lästigen  Wirrwarr
der  vielen  Mass-,  Gewichts-  und  Münzsysteme  und  Währungen
einer  mit  der  modernen  Zeit  der  Ozeanschnelldampfer,  der
Kontinente  durchquerenden  Eisenbahnen,  der  Luftschiffe,  der
Kabel-  und  Punkentelegraphen  gar  nicht  mehr  zu  vereinenden
sinnlosen  und  unpraktischen  Hemmung  und  zeitraubenden  Unübersichtlichkeit. ­
  Der  schnelle  Verkehr  hat  alle  Länder  der
Welt  einander  nahe  gerückt;  sie  stehen  sich  zeitlich  und  geschäftlich ­
  näher  wie  früher  die  Provinzen  eines  einzigen  grösseren
Staates.  Uber  130  Milliarden  Mark  wurden  schon  1907  in  der
Ein-  und  Ausfuhr  des  Welthandels  der  verschiedenen  Länder
umgesetzt.
Der  internationale  Austausch  von  Wertbriefen  belief  sich
1907  (nach  der  Berner  Statistik)  auf  rund  3090  Millionen
Pranken,  der  der  Wertpakete  auf  1010,  der  der  internationalen
Postanweisungen  auf  1950,  alle  drei  zusammen  aber  auf  rund
6050  Millionen  Franken.  Welche  Mühe,  wenn  die  Postbeamten
erst  umständlich  die  aufgegebenen  Geldsendungen  auf  Grund
ihrer  Nachschlagebücher  in  eine  andere  Münze  umrechnen  müssen,
während  das  Publikum  am  Schalter  ungeduldig  wartet!  Und
welche  Wirkungen  oft!  Vor  etwa  vier  Jahren  sollte  ein  laufendes
wichtiges  deutsches  Reichspatent  seine  Jahresgebühr  bezahlen
und  diese  ging  dem  Patentamt  mittels  einer  Postanweisung  aus  .
Österreich  zu.  Aber  es  ereignete  sich,  dass  sich  bei  der  Umrechnung
und  Auszahlung  der  Summe  1  Pf.  zu  wenig  ergab.  Das
Patent,  an  das  sich  oft  das  Wohl  und  Wehe  einer  ganzen  Industriegründung ­
  knüpfen  kann,  ist  deswegen  vorzeitig  verfallen.
Der  Fall  ging  durch  viele  Zeitungen.  Eine  gleiche  internationale ­
  Münze  hätte  solchen  Irrtümern  vorgebeugt.
Das  Eisenbahnnetz  der  Erde  belief  sich  1907  schon  auf
957  283  km,  ihr  Anlagekapital  auf  208  Milliarden  Mark;  der
hin-  und  herflutende  internationale  Menschen-  und  Güterverkehr

15*
        <pb n="267" />
        ist  ein  gewaltiger  Strom  geworden,  der  alle  Landesgrenzen
durchbricht.
Und  ein  Hauptträger  des  Weltverkehrs  ist  die  Weltpost,
die  1907  von  Land  zu  Land  etwa  1100  Millionen  Briefe  —  ohne
die  Karten  usw.  —  beförderte.
Aber  auch  Telegraphen-,  Kabel-  und  Funkenbotschaften
umkreisen  den  Erdball.  Ihre  Tarife  leiden  ebenfalls  unter  dem
uneinheitlichen  Münzsystem,  so  dass  einzelne  Länder  bevorzugt
und  andere  benachteiligt  werden.  Jedes  telegraphierte  Wort
kostet  z.  B.  von  England  nach  Deutschland  17  Pf.  oder  2  Pence,
umgekehrt  aber  nur  15  Pf.;  von  Russland  nach  Deutschland
23,75  Pf.  oder  11  Kopeken,  in  anderer  Richtung  aber  20  Pf.
So  ergibt  sich  bei  1000  Worten  je  nach  der  Richtung  schon
ein  Preisunterschied  von  20  M  im  ersten  und  23,75  M  im  zweiten
Falle.  Im  überseeischen  Verkehr  mögen  noch  grössere  Unterschiede ­
  bestehen.
In  allen  möglichen  Beziehungen  spielt  das  Geld-  und
Münzwesen  in  das  internationale  Verkehrsleben  mit  hinein,  wobei ­
  es  sich  auch  beständig  um  notwendige  Zahlungen  und  Umrechnungen ­
  handelt.  Vereine  aller  Art,  früher  auf  Städte,  Provinzen ­
  oder  einzelne  Länder  beschränkt,  umfassen  jetzt  oft  den
halben  oder  ganzen  Erdball.
Es  ist  erstaunlich,  wie  überraschend  zahlreich  diese  internationalen ­
  Vereinigungen  bereits  sind.  Kach  dem  interessanten ­
  Buch  von  Alfred  H.  Fried:  „Das  internationale  Leben
der  Gegenwart“  (Leipz.  1908,  S.  IV)  gibt  es  schon  244  offizielle
internationale  Organisationen,  darunter  223  mit  festem
Sitz  und  ständiger  Vertretung.  64  davon  sind  internationale
Organisationen  von  Staatsregierungen.  Ich  will  einige
davon  anführen,  soweit  sie  hier  und  für  den  Weltverkehr  besonders ­
  in  Betracht  kommen:  1.  Der  internationale  Telegraphenverein ­
  von  1865  (66,88  Millionen  qkm  mit  957  Millionen
Menschen);  2.  derWeltpostverein  von  1875  (114,3  Millionen  qkm
mit  1167  Millionen  Menschen);  3.  die  Union  für  den  internationalen ­
  Eisenbahnfrachtverkehr  (seit  1893);  4.  die
internationale  Union  für  die  Veröffentlichung  der
Zolltarife  (seit  1890);  5.  die  lateinische  Münzunion  (seit
1865;  5  Länder  bezw.  8  Länder);  6.  die  skandinavische
        <pb n="268" />
        Münzunion  (seit  1873;  3  Länder);  7.  die  internationale
Meterkonvention  (seit  1875;  25  Länder);  8.  mehrere  internationale ­
  Finanzkontrollkommissionen;  9.  die  internationale ­
  Union  für  den  Schutz  des  gewerblichen
Eigentums  (seit  1883;  20  Länder,  Patentschutz  usw.);  10-  die
internationale  Union  für  den  Schutz  des  literarischen
und  künstlerischen  Eigentums  (seit  1886;  16  Staaten);
11.  der  Verband  für  zusammenstellbare  Fahrscheinhefte;
12.  die  internationale  Gesellschaft  der  internationalen
Eisenbahnkongresse  (seit  1885;  47  Regierungen  und  411  Eisenbahnverwaltungen); ­
  13.  die  internationale  Schlafwagengesellschaft ­
  (seit  1873);  14.  das  internationale  Komitee
der  Handelskammern  (seit  1905);  15.  die  internationale
Union  der  Hotelbesitzer;  16.  die  internationale  Union
der  reisenden  Kaufleute  (seit  1908);  17.  die  internationale
Union  für  Festsetzung  der  Getreidepreise  (seit  1901);
18.  die  internationale  Vereinigung  der  Automobilklubs
(seit  1904);  19.  die  internationale  Touristenliga  (seit  1898);
20.  der  internationale  Luftschifferbund  usw.
Die  Landesgrenzen  fangen  an,  dem  regen  Verkehr  gegenüber ­
  zu  eng  zu  werden  und  ihn  zu  stören.  Wer  mit  dem  Auto
oder  Rad  eine  Reise  macht  und  etwa  von  Elberfeld  über  Gladbach ­
  nach  Antwerpen,  von  da  über  Brüssel  nach  Sedan  und
dann  über  Luxemburg  heimkehren  will,  muss  auf  dieser  kleinen
Tour,  die  ein  Kraftwagen  zur  Not  an  einem  Tage  zurücklegen
könnte,  fünf  verschiedene  Länder  passieren,  für  seinen  Briefwechsel ­
  fünf  verschiedene  Briefmarken  und  für  seine  Einnnd
  Ausgaben  oder  Zollabgaben  drei  verschiedene  Geldsorten
mit  sich  führen  oder  einwechseln  oder  in  einander  verrechnen.
Eine  internationale  Münze  ist  jedenfalls  ein  altes
Bedürfnis  und  ein  alter  Wunsch,  der  gewiss  schon  vor  Jahrhunderten, ­
  ja  vielleicht  bereits  vor  Jahrtausenden  zum  Ausdruck
gekommen  ist.
In  der  lateinischen  Münzunion 6 )  von  1865  ist  ja  ein
6 )  Eine  unterrichtende  neuere  Studie:  „Der  lateinische  Münzbund“
von  Horstmann  findet  man  im  „Archiv  für  Post  und  Tel.“  1907,  Nr.  14,
S.  417—433.
        <pb n="269" />
        230

&amp;lt;

Versuch  gemacht  worden,  ihn  zu  erfüllen;  doch  hat  er  nur  teilweise ­
  Anklang  gefunden  und  scheint  unter  den  heutigen  Verhältnissen ­
  nicht  weiter  entwicklungsfähig.  Der  1803  geschaffene
französische  Franken  (81  Pf.),  der  ja  im  Weltpostverein  und
internationalen  Telegraphenverein  die  Stelle  eines  Normalwertes
einnimmt,  ist  zwar  auf  Grundlage  des  metrischen  Mass-  und
Gewichtssystems  entstanden,  aber  als  Silberwert,  nicht  als
Goldwert.
Ein  Gramm  ist  das  Gewicht  von  einem  Kubikzentimeter
destillierten  AVassers  bei  4°  Celsius.  Der  Franken  stellt  nun
5  Gramm  Silber  von  9 %oo  Feinheit  dar.  Man  prägte  aber
auch  Goldstücke  zu  20  und  40  Franken  (von  90 /ioo  Feinheit)  und
legte  ein  Wertverhältnis  von  1  :  lö 1 ^  zwischen  Gold  und  Silber
fest 6  *  *  *  *  *  *  13 ).  Aber  dieses  Verhältnis  hat  sich  völlig  verschoben.  190g
ging  es  bis  auf  1  :39,2  hinauf,  sank  dann  1904  wieder  auf
1:35,75  und  1907  auf  1:30,54.  Dazu  sind  nun  seitdem  alle
Kulturländer  zur  Goldwährung  übergegangen;  bloss  noch  in
Zentral-  und  Südamerika  sowie  in  Siam,  Malacca  und  China
spielt  das  Silber  die  Hauptrolle.
Der  heutige  Franken  (Gold)  =  0,32258  g  Gold  von  9 /io

6 )  20  Franken  haben  ein  Rauhgewicht  von  6,45161  g  und  ein  Feingewicht ­
  von  5,806  g.  Im  Altertum  schwankte  das  Verhältnis  zwischen
Gold  und  Silber  z.  B.  unter  Darius  zwischen  1  :  8  und  1  :  10;  1000  Jahre
später  zwischen  1  ;  10  und  1  :12,  weitere  1000  Jahre  später  zwischen  1  :  14
und  1  :  15.
Zur  lateinischen  Münzunion  gehören  Frankreich,  Italien»
Belgien,  Griechenland  und  die  Schweiz,  doch  ist  die  Frankenmünze ­
  auch  in  Finnland,  Rumänien,  Serbien,  Bulgarien,  Luxemburg, ­
  Spanien,  Tunis  und  Venezuela  eingeführt,  also  insgesamt  in
13  Ländern.  Auch  der  persische  Neukran  Gold  sollte  einem  Franken  gleiohkommen,
  wurde  aber  minderwertig  ausgeprägt  (10  Neukran  =  1  Toman
=  10  Franken).
Von  besonderem  Interesse  ist  die  Erinnerung,  dass  auch  der  französische ­
  Franken  von  1803,  der  5  g  wiegt  und  bei  9 / 10  Feingehalt  4,5  g  reines
Silber  enthält,  sich  an  ältere  und  älteste  Münzsysteme  anschloss,  die  bis
auf  die  altgriechischen  Goldmünzen  in  Phokis  zurückführen.  Der  phokäische
Goldstater  wog  16,5  g  und  war  etwa  46  M  wert.  Ungefähr  sein  halber
Wert  war  der  Dareikos  (8,4  g,  23^2  AI)»  die  gangbarere  Münze.
Cäsar  prägte  später  in  Anlehnung  daran  den  Aureus  von  8,2  g  fein
Gold  (23  M);  1  Aureus  =  25  damalige  Denare.  1  Denar  hatte  4,56  g
        <pb n="270" />
        Feinheit  in  der  jetzigen  Währung  (Gold)  hat  daher  gegenwärtig
mit  dem  metrischen  System  nichts  mehr  gemein.  Es  ist  ein  unbehaltbarer
  Bruch  von  5  Dezimalstellen.  Das  runde  Gewicht  von
5  g  bei  dem  entwerteten  und  schwankenden  Silberfranken  oder
25  g  beim  5-Erankenstück  kann  unter  der  Goldwährung  nicht
mehr  in  Betracht  kommen.  So  steht  also  der  Franken,  obwohl
er  in  13  Ländern  als  Münzsystem  angenommen  ist  und  in  den
5  Staaten  der  Münz-Union  die  Gold-  und  grossem  Silberstücke
gemeinsam  kursieren,  doch  in  Widerspruch  zum  Metersystem
und  Gramm-Gewicht,  das  in  25  Staaten  bereits  eine  Heimstätte
gefunden  hat  und  zweifellos  wegen  seiner  bequemen  dezimalen
Einteilung  die  ganze  Welt  erobern  muss.  Zur  allgemeinen
AVeltmünze  kann  sich  der  Franken  nicht  mehr  eignen.
Das  früher  ungeeinte  Deutsche  Reich  hatte  ehemals  in
seinen  einzelnen  Staaten  auch  sehr  verschiedene  Münzen  und
ging  dann  1873  mit  der  Goldwährung  zum  Mark-System
über.  Leider  hat  man  damit  auch  nicht  dem  metrischen  Mass-System
  Rechnung  getragen,  das  1868  schon  in  Rorddeutschland
und  etwas  später  im  ganzen  Reich  eingeführt  wurde.
Als  Silbergeld  ist  eine  Mark  freilich  gerade  5  g  feines

Silber  und  den  Wert  von  0,81  M  (=  1  Franken).  Die  solonisohe  Drachme
hatte  4,3  g  =  86  Pf.,  die  ältere  äginetische  Drachme,  von  der  die  erstere
3 / 4  ausmachte,  6,2  g  (1,24  M).
Wegen  der  vielen  Münzversohleohterungen  schuf  Konstantin  später
eine  ganz  neue  Münze,  den  Solidus,  auch  4,55  g  schwer,  in  Gold  12,69  M
wert,  l'/a  Solidi  —  19  M.  Daneben  eine  Silbermünze  im  Werte  von
Viooo  Pfund  Gold,  1  Miliarense  (davon  der  portugiesische  Name  „Milreis“).
Karl  der  Grosse  prägte  an  Stelle  des  goldenen  den  silbernen
Solidus,  20  Stück  aus  einem  Pfund  von  370  g.  1  Solidus  Silber  also
3,70  M  (18,5  g).  1  Solidus  zerfiel  ln  12  Deniers  (Denare),  1  Pfund  hatte
also  240  Deniers.  Der  Denier  war  die  Rechnungseinheit;  die  Münze  war
der  Ecu  zu  6  Livres  (1  Ecu  =  29,488  g  Eauhgewicht  und  27,031  g  Feingewicht, ­
  bei  11 /i2  Feinheit;  1  Livre  =  Va  Ecu  =  4-,60529  g  Feingewicht).
1  Livre  war  also  ebensoviel  wie  ein  Franken  (4,5  g  Feingewicht
Silber  und  5  g  Rauhgewicht).  So  schloss  sich  die  Frankenmünze  von  1803
an  die  alten  Verhältnisse  an:  das  Feingewicht  blieb  dasselbe,  nur  das  Rauhgewicht
  wurde  nach  dem  metrischen  System  auf  5  g  aufgerundet  (bei  9 / 10
Feinheit).
1  kg  Silber  ergab  200  Fr.,  1  kg  Gold  entsprechend  dem  Verhältnis
von  1  :  lö'/a  aber  3100  Fr.  (Vgl.  „Mass-,  Münz-  und  Gewichtswesen“  von
Prof.  Aug.  Blind,  Leipzig  1906,  Göschen,  S.  117—120).
        <pb n="271" />
        232

Silber  oder  1 ß  des  früheren  Talers 7  * )  beim  Verhältnis  von  1;  15 1  /«;
das  Rauhgewicht  ist  5,5555  g.  Eine  Reichsmark  in  Gold
entspricht  aber  einem  Quantum  von  0,358423  g  feinen  Goldes
oder  0,398218  g  von  9 /n  Feinheit.  Das  sind  unbehaltbare,  unmögliche ­
  Zahlen,  die  mit  dem  im  Lande  gesetzlich  eingeführten
metrischen  Grammgewicht  nichts  gemein  haben.
Auch  die  Münz-Union  der  drei  skandinavischen  Länder
(seit  1875)  mit  der  nordischen  Krone  (1,125  M.)  =  25 /m  g  fein
Gold  oder  0,4448  g  von  9 /io  Feingehalt  verriet  wohl  das  Bedürfnis ­
  nach  einer  internationalen  Münze,  hat  aber  dem
metrischen  Gewichtsmass  ebenfalls  nicht  Genüge  geleistet.
Eine  Welt-Münz-Union  —  etwa  ebenso  wie  der  Weltpostverein ­
  aus  kleineren  Anfängen  entstand  —  ist  aus  diesen
Gebilden  nicht  hervorgegangen.
Aber  der  Wunsch  ruht  nicht,  Ich  habe  vor  etwa  Id/a  Jahrzehnten ­
  die  unten  folgenden  Gedanken  gefasst,  aber  natürlich
bald  nachher  gefunden,  dass  schon  von  anderen  Seiten,  wenn
auch  nicht  gleiches,  so  doch  ähnliches  ausgesprochen  worden  ist.
Das  Bedürfnis  führt  eben  notwendig  von  selbst  dahin.  Wie
aus  den  früheren  Ortszeiten  die  Landeszeiten,  dann  für  ganze
Köntinentteile  umfassende  Einheitszeiten  entstanden  sind  und
die  einheitliche  Weltzeit  gewiss  auch  folgen  wird,  so  wird  auch
die  Weltmünze  zweifellos  zur  Wirklichkeit  werden  als  beständig
dringlicher  werdendes,  längst  empfundenes  Bedürfnis  des  Weltverkehrs. ­
  Dass  einzelne  Interessenkreise  dagegen  eben  solche
Einwände  erheben  werden,  wie  seinerzeit  gegen  die  internationale
lateinische  Einheitsmünze,  den  Franken,  gegen  die  deutsche
Mark  an  Stelle  der  verschiedenen  Gulden-  und  Talersorten  und
gegen  die  skandinavische  Einheitsmünze,  das  ist  möglich,  aber
die  entgehenden  Vorteile,  die  den  Geldwechslern  durch  die
Münz-  und  Kurs  Verschiedenheiten  zufallen,  werden  sicherlich
reichlich  aufgewogen  durch  andere  Vorteile,  die  ihnen  nachher
zuteil  werden.  Und  da  ein  plötzlicher  Ersatz  der  Landesmünzen ­
  in  der  ganzen  Welt  natürlich  ausgeschlossen  erscheint,
sondern  höchstens  allmähliche  Aenderungen  zu  erwarten  wären,
vielleicht  von  einer  fakultativen,  dann  obligatorischen  Welt7 ­
 )  Eine  neuere  Studie;  „Der  Taler“  von  Geh.  Oberpostrat  Halke
findet  man  im  „Archiv  f.  Post  und  Tel.“  1907,  S.  555—-562.
        <pb n="272" />
        233

münze  bloss  für  gewisse  Dinge  des  Weltverkehrs  einiger  Länder
beginnend  nnd  erst  viel  später  auch  auf  die  Innern  Verhältnisse
und  andere  Länder  übergehend,  so  würde  natürlich  von  gewaltsamen, ­
  plötzlichen  und  nachteiligen  Eingriffen  in  bestehende
Zustände,  ohne  die  Möglichkeit  der  Anpassung,  keine  Rede  sein.
Der  grosszügige  Verkehr,  das  die  ganze  AVelt  umflutende  Geld
und  Kapital,  verlangen  nach  einer  einheitlichen  allgemeinverständlichen ­
  praktischen  Münzsprache 8 ).  „Eine  Weltmünze“,
8 )  Aus  der  deutschen  Literatur  über  die  Idee  einer  Weltmünze
möchte  ich  nur  einige  Schriften,  die  mir  aufgestossen  sind,  erwähnen.  In
den  Volkswirtschaftlichen  Abhandlungen  von  Aug.  Eggers  (4  Hefte,  Bremen,
C.  E.  Müller  1871)  wird  der  Gedanke  einer  internationalen,  auf  dem
metrischen  Gramm  -  Gewicht  basierenden  Münze  lebhaft  vertreten,  doch
empfieht  er  merkwürdiger  Weise  nicht  1  g  Gold  als  Hauptmasseinheit,
sondern  um  verschiedenen  bestehenden  anderen  Geldeinheiten  im  Verhältnis
möglichst  nahe  zu  kommen,  das  Gewicht  von  1 1 / 2  g,  den  1  V-j-Granim-Taler
(zu  100  Neukrenzern)  oder  Wilhelmstaler,  wie  er  ihn  nennen  will,  der  dem
o-Frankenstück,  4  Schillingen  und  einem  Dollar  etwa  gleiohkomme  und
dasselbe  wie  der  alte  Reichsspeziesthaler  sei.
Seine  erwähnten,  zum  Teil  recht  polemischen  Schriften  über  diese
Frage  sind  folgende  (Heft  I):  „Zur  Münzfrage“;  (Heft  III):  „Zur
Münz-  und  Banknotenfrage“  und  „Die  Geldreform“.  Aus  letzterer
auch  ein  Separatabdruck:  „Die  Weltmünze“  (Berlin  1873,  Puttkamer  &amp;amp;
Mühlbrecht.  10  Seiten).  Eggers  bekämpfte  damals  auch  die  neue  Mark-Einheit.

Die  Vorzüge  einer  internationalen  Münze  fasste  er  im  Heft  III  „Zur
Münz-  und  Banknotenfrage“  (S.  4  ff.)  folgendermassen  kurz  zusammen:
„Jeder  Mensch  kommt  mit  den  Münzen  anderer  Länder  in  Berührung;
der  Landwirt  für  sein  Getreide  und  andere  Erzeugnisse  durch  das
leichtere  Verständnis  der  fremden  Märkte  bei  einer  Weltmünze;  die  Wirte
durch  vermehrten  Reiseverkehr,  welcher  auch  dem  Handwerker,
Kleinhändler  und  Arbeiter  neue  Nahrungsquellen  eröffnet;  die  Eisenbahnen, ­
  Kanäle  und  andere  Transportwege  durch  vergrössertes
Verkehrsvolumen;  der  Gelehrte  für  seine  wissenschaftlichen  Arbeiten;  die
Hausfrau,  wenn  sie  die  Preise  der  fremden  Länder  mit  denen  ihres  eigenen
vergleichen  will;  der  Beamte  mit  seinen  Kassen;  der  Advokat,  wenn  er
Gold  anlegen  und  die  Wertpapiere  vergleichen  muss;  der  Staatsmann,
wenn  er  für  gut  findet,  die  Ansichten  der  Börsen  über  ein  bestimmtes
Staatspapier  an  seiner  Fluktuation  zu  konsultieren;  der  Finanzmann,
wenn  er  an  einer  fremden  Börse  eine  Anleibe  kontrahieren  will.  Und
namentlich  ist  es  der  Staat,  zu  dessen  Gunsten  das  grössere  Gedeihen  des
Einzelnen  die  Stenerkraft  des  Landes  erhöht.  Bei  verschiedenen
Münzsystemen  verliert  jeder  nicht  bloss  durch  Vergeudung  von  Kraft
        <pb n="273" />
        sagte  August  Eggers  (in  der  Schrift:  „Die  Weltmünze“),
„ist  ein  Stück  Weltsprache.  Sie  nährt  das  G-efühl  der
Zusammengehörigkeit  aller  Völker  und  ist  daher  ein
Friedens  Werkzeug.  “
Ich  will  mir  nun  erlauben  näher  auszuführen,  wie  ich  mir
die  Ausgestaltung  einer  dezimalen  metrischen  AVeltmünze
  denke.
Das  Wesentliche  erscheint  mir,  dass  das  Edelmetall
für  den  Geldverkehr  nach  einem  praktischen  und  allgemein ­
  üblichen  Gewichtsmass,  also  dem  Kilogramm

und  Zeit  beim  ümrechnen  und  Umwechseln,  sondern  auch,  weil
manchmal  die  Umrechnung  wegen  ihrer  Lästigkeit-  unterbleibt,  man  im
Dunkeln  tappt  und  auf  gut  Glück  handelt.“
Eggers  sagte  mit  Recht,  dass,  nachdem  Deutschland  am  1.  Januar  1872
das  metrische  Masssystem  annahm,  das  etwas  vollkommeneres  darstellte,  es
bei  der  Münze  nicht  auf  unvollkommenere  Masse  zurückgreifeu  dürfte.  „Der
Zweck  einer  Weltmünze  besteht  in  der  Befreiung  vom  Umrechnen ­
  und  Um  wechseln.  Da  nicht  1  Pfund  Gold,  sondern  ein  bestimmtes ­
  Gewicht  Edelmetall  der  Münzeinheit  das  Wertmass  bildet  und
eine  Münze  nicht  pfundweise,  sondern  in  einzelnen  Stücken  umläuft,  so
muss  der  Feingehalt  jedes  Stückes  in  einem  runden  Grammgewicht ­
  und  nicht  in  einem  unbehaltbaren  und  dezimal  ins
unendliche  fortlaufenden  Bruchgewicht  bestehen.  In  einem  behaltbaren ­
  Gewicht  besteht  auch  ein  Bildungsmittel,  indem  es  die  Erklärung
des  Begriffs  Gehl  erleichtert.“
Auch  Theodor  Hertzka  redet  in  seiner  Schrift  „Das  internationale
Währungsproblem  und  dessen  Lösung“  (Leipzig  1892.  Duncker  &amp;amp;
Humblot)  einer  einheitlichen  Weltmünze  das  Wort,  doch  nicht  für  den
Inlandsverkehr,  wo  nationale  Eitelkeiten,  Vorurteile  und  sehr  reale  Interessen
dem  entgegenständen,  sondern  (S.  119  f.)  für  den  Auslandsverkehr.  Da
werde  sich  ganz  von  selbst  eine  von  allen  nationalen  Einzelsystemen  verschiedene, ­
  dabei  aber  mit  allen  durch  ein  gemeinsames  Band  verknüpfte
neue  Werteinheit  einleben:  das  Münzkilogramm  oder  eine  beliebige
Unterteilung  desselben.  Es  brauchten  nämlich  nur  auf  Münzkilogramm
lautende  Certifikate  ausgegeben  zu  werden,  von  welchen  der  Grosshandel ­
  gern  Gebrauch  machen  würde,  zumal,  wenn  damit  ein
Clearingsystem  zwischen  den  Bankinstituten  aller  am  Münzbunde  beteiligten ­
  Staaten  eingerichtet  werde.
Seine  WährungsVorschläge  gehen  übrigens  dahin,  eine  „einheitliche
Gold-Silber-Währung“  zu  schaffen:  Misch-Münzen  aus  90  Teilen  Silber
und  10  Teilen  Gold,  doch  in  der  Hauptsache  Certifikate,  die  auf  Gold  und
Silber  zugleich,  wenn  auch  in  getrennten  Stücken,  aber  in  bestimmtem
Verhältnis,  lauten.
        <pb n="274" />
        235

oder  Gramm  gemessen  und  nach  Feingehalt  und  Menge
gleichsam  geeicht  wird;  dass  die  Geldstücke  in  behaltbaren ­
  runden  Gewichtsmengen  geprägt  und  Feingehalt
(auch  in  einfachen  Zahlenverhältnissen)  und  Gewicht  auf  jedem
Stück  allgemeinverständlich,  behaltbar  und  deutlich
angegeben  werden.  Ob  man  in  der  Ausprägung  auf  der
Münze  in  erster  Reihe  nur  das  Feingewicht  in  rundem  Gewicht
angibt  und  das  Gewicht  der  Beimischung  ungerechnet  lässt,  so
dass  die  Münze  tatsächlich  also  immer  um  soviel  mehr  wiegt,
oder  ob  man  das  angegebene  runde  Gewicht  nur  auf  die  gesamte
Mischung  und  das  ganze  Münzstück  bezieht  oder  das  Gewicht
des  Zusatzes  noch  daneben  angibt,  das  ist  eine  Zweckmässigkeitsfrage. ­
  Ich  neige  aber  dazu,  vorzuschlagen,  dass  man  z.  B.  bei

In  einer  populären  kleinen  Schrift:  „Grammgeld  oder  das  zukünftige ­
  Welt-Münz-System“  von  Karl  Paiuperl  (Zürich  1893.  Ed.
Leemann.  2.  Aull.,  23  S.)  findet  man  den  Vorschlag,  eine  einheitliche
internationale  Münze  in  runden  dezimalen  Grammgewichten  herzustellen,
und  zwar  aus  Silber  zu  9 / 10  Feingehalt  unter.  Abschaffung  der  Goldwährung. ­
  Das  Gramm  als  Geldeinheit  soll  noch  in  zehn  Zehntel  geteilt
werden.  In  einem  späteren  Nachwort  empfiehlt  der  Verfasser,  um  die
erwünschte  Untereinteilung  in  100  zu  ermöglichen,  die  10-Gramm-Silbermünze
  il  Deka)  als  Weltwährungseinheit  anzunehmen,  die  dann  in
10  g  oder  100  Zehntelgramnx  (Dezigramm)  zerfiele.
Meine  Vorschläge,  die  sich  an  das  inzwischen  fast  zur  Weltherrschaft
gelangte  Gold  halten,  weichen  von  denen  Pamperls,  dessen  Schrift  ich
anfangs  nicht  kannte,  zum  Teil  doch  erheblich  ab.  Indessen  wird  es  gewiss
an  solcherlei  Anregungen  auch  in  andern  Ländern  nicht  gefehlt  haben.
Oberpostrat  Horstmann  (Potsdam)  meint  am  Schlüsse  seines  Aufsatzes ­
  „Der  lateinische  Münzbund“  (Archiv  f.  Post  und  Tel.  1907,  S.  432  f.),
an  die  vielen  internationalen  Verbände  aller  Art  erinnernd,  der  lateinische
und  skandinavische  Münzbund  seien  wahrscheinlich  die  Wurzeln  zur
Bildung  einer  neuen  grösseren  Verwaltungsgemeinschaft  zur  Beseitigung
der  Schwierigkeiten  des  internationalen  Verkehrs  infolge  der  Münzverschiedenheiten. ­
  Durch  die  Goldwährung  in  fast  allen  Staaten  europäischer  Gesittung
sei  jetzt  der  Weg  dahin  gebahnt.  Sie  könnten  zunächst  durch  völkerrechtlichen ­
  Vertrag  den  fremden  Goldmünzen  den  festen  Parikurs  bei  allen
öffentlichen  Kassen  verleihen,  und  der  folgende  Schritt  wäre  dann  bei  den
Staaten  gleicher  wirtschaftlicher  Entwicklung,  dass  sie  ein  gemeinsames,
einheitliches  Münzsystem  einführten,  das  durch  Anschluss  der  übrigen
Länder  dann  zur'Welt  einheitsmünze  würde.  Erwünscht,  dass  Deutschland ­
  wie  im  Weltpostverein  so  auch  hier  die  Wege  weisen  möge.
        <pb n="275" />
        230

%o  Feingehalt 9 )  immer  nur  das  wirkliche  G-ewicht  der  ganzen
Münze,  wie  sie  ist,  d.  h.  das  Eauhgewicht,  angibt,  so  dass  also
das  Goldfeingewicht  dann  immer  um  10%  weniger  ausmachen
würde.  Doch  darüber  lässt  sich  streiten.  Im  ersteren  Falle
würde  die  wirkliche  Münze  kein  rundes  Gewicht  haben,  sondern
zu  1  g  feinem  Gold  =  %o  der  Münze  käme  noch  Vio  der  ganzen
Münze  (  =  0,1111  g)  an  Kupfer  hinzu,  so  dass  also  das  Gesamtgewicht ­
  eine  unrunde,  schwer  behaltbare,  in  endlose  Dezimalstellen ­
  fortgehende  Zahl  (1,111111  g)  ergäbe.  So  ist  es  z.  B,
mit  den  deutschen  Silbermünzen;  20  Pf.  in  Silber  waren  1,1111  g
von  % 0  Feinheit,  also  1  g  Feinsilber;  1  M  ist  5,5555  g  Rauhgewicht ­
  von  °/io  Feinheit,  also  5  g  Feinsilber.
Im  zweiten  Fall  ist  freilich  wieder  der  Feingehalt  eine
Bruchzahl  (0,9  g  Feingold  —|—  0,1  g  Kupfer),  aber  dafür  hat  die
wirkliche  ganze  Münze  ein  rundes  Gewicht  (1  g)  und  lässt  sich
schnell  durch  Wägen  mit  anderen  gleichen  Münzen  zusammenzählen ­
  und  nachprüfen.  So  haben  z.  B.  die  französischen
5  Franken-Stücke  von  9 /io  Silberfeinheit  ein  Gewicht  von
gerade  25  g.  Diese  runden  Zahlen  sind  also  wohl  vorzuziehen.
Wie  ich  schon  andeutete,  wäre  es  bereits  hoher  Gewinn,
eine  Weltmünze,  wenn  auch  nur  für  den  internationalen
Auslandsverkehr,  für  Post  und  Telegraphie,  Welthandel,
Zollwesen  usw.  zu  besitzen.  Ja,  auch  nur  eine  fakultativ
gültige  Münze!
Fast  alle  Waren  werden  heute  in  den  Ländern  mit
metrischen  Massen  nach  metrischem  Gramm-Gewicht  abgemessen, ­
  das  auch  das  internationale  Kormalgewicht  der  Weltpost ­
  ist;  nur  bei  der  wichtigsten  Ware  des  Weltverkehrs,  beim
Golde,  dem  Haupttauschmittel,  macht  man  eine  Ausnahme:
man  wiegt  es  in  unmetrisch  abgerundeten  Stücken  ab,  die  in
Grammgewicht  unbehaltbare,  unrunde,  mit  endlosen  Dezimalstellen ­
  versehene  mystische  Zahlen  ergeben;  ja,  man  gibt
ö j  9 / 10  Feingehalt  haben  die  Goldmünzen  in  Deutschland,  Frankreich
und  den  meisten  Staaten  der  Welt.  Auch  die  deutschen  Silbermünzen
haben  9 / 10  Feingehalt,  ebenso  die  französischen  5  Franks-Stücke;  das  kleinere
französische  Silber  hat  nur  ^“/iooo  Feingehalt,  das  englische  wieder  825 /iooo-Auch
  in  der  Mischung  also  fehlt  noch  die  Einheitlichkeit,  und
das  kompliziert  die  Wertberechnung  weiter.
        <pb n="276" />
        237

nicht  einmal  dieses  Gewicht  oder  die  Zahl  des  Feingehalts  auf
dem  Geldstück  an.  Bei  Geheimmitteln  schreibt  das  Gesetz  Angabe
der  Mischung  vor,  beim  Ausschank  geistiger  Getränke  fordert  man
geeichte  Gläser.  Gold-  und  Silberwaren  weisen  einen  Feinheitsstempel ­
  auf.  Nur  bei  der  wichtigsten  Ware,  beim  Geld,  beim
Tauschgold,  bleibt  alles  in  Dunkel  gehüllt,  und  der  gewöhnliche
Sterbliche  muss  erst  in  Konversationslexicis  und  Fachschriften
nachschlagen,  wenn  er  etwas  über  Gehalt  und  Gewicht  seines
Geldes  erfahren  will.  Eigentlich  ein  wunderlicher  Zustand!
Die  Hauptsachen  sind  aber  doch:  Feingehalt  und  Gewicht,
und  beides  deutlich  angegeben  und  amtlich  verbürgt!  Das  Gewicht
muss  aber  ein  rundes  behaltbares,  übliches,  dezimales,  bequemes,
also  metrisches  sein,  nicht  ein  Phantasiegewicht  oder  ein  historisches. ­
  das  an  alte,  frühere  Gewichtsmasse  und  vergangene
Münzsysteme  anknüpft  und  das  niemand  mehr  genau  kennt.
In  China  wird  das  Silber  (auch  Gold)  heute  noch  nach
Gewicht  (  =  Tael)  bezahlt.  Das  ist  zweifellos  auch  anderweit
das  Ursprüngliche  gewesen.  Alte  russische  Kupfermünzen  von
bestimmtem  Gewicht  hatten  die  Gestalt  dicker  grosser  Kupferplatten,
  auf  denen  bloss  eine  Anzahl  amtlicher  Reliefstempel
eingedrückt  war.  In  England  war  das  Pfund,  in  Frankreich ­
  das  Livre  ein  Gewicht;  auch  die  feine  Mark  in
Norddeutschland  war  ein  Gewicht,  und  auf  den  deutschen
Talern  stand  noch  angegeben:  15  Taler  machen  eine  feine  Mark.
Nur  wusste  das  Volk  nicht  mehr,  dass  eine  feine  Mark  7a  Pfund
reines  Edelmetall  bedeutete.  Aber  es  war  immerhin  eine
Gewichtsangabe.
Das  jetzige  englische  Münzsystem  geht  auch  noch  auf
Karl  den  Grossen  zurück,  der  aus  einem  Pfund  Silber  (370  g}
20  Solidus-Münzen  prägen  Hess,  und  jeder  Solidus  wurde,  wie
der  englische  Schilling,  in  12  Deniers  (als  englischer  Penny
heute  noch  mit  d  bezeichnet)  eingeteilt.  Später  verschlechterte
sich  diese  Münze,  wurde  dann  in  Gold  ausgeprägt  und  erlebte
mancherlei  Wandlungen.  Doch  der  Name  Pfund  ist  immer
noch  geblieben.  Aber  wie  unpraktisch  erscheint  uns  heute  die
nicht  dezimale  Einteilung  in  20  Shilling  zu  12  d,  diese  wieder
zu  4  Farthing!  Doch  entsprach  diese  Einteilung  dem  Fuss  zu
        <pb n="277" />
        238

12  Zoll,  und  das  Troypfund  (zu  12  Unzen  von  je  20  Pennygewicht)
wies  240  Penny  weights  auf  (1  £  =  240  Pence),  sowie  1  £  240  d.
Das  dezimale  metrische  System  ist  so  sehr  viel  praktischer
und  einfacher.  Es  ist  in  England  wohl  auch  zulässig  als  Mass,
aber  nicht  vorgeschrieben,  und  das  Geldsystem  fasst  noch  auf
uralten  anderen  Massen.  Es  heute  b  ibehalten,  das  ist  ebenso,
wie  wenn  man  noch  mit  Feuerstein  und  Zunder  Eeuer  machte,
obwohl  man  Streichhölzer  und  elektrische  Zündung  zur  Hand
hat.  Das  Geld  sollte  aber  endlich  allgemein  klar  und  deutlich
nach  modernen  praktischen  Massen  abgewogen  und  eingeteilt
werden.
Im  dezimalen  metrischen  Grammgewicht  haben
wir  doch  ein  Mass,  das  alle  Einteilungen  ermöglicht,
nach  unten  in  10  (Decigramm),  100  (Centigramm)  und
1000  (Milligramm),  und  nach  oben  ebenso  in  Dekagramm ­
  (10  g),  Hektogramm  (100  g)  und  Kilogramm
(1000  g),  und  noch  weiter  in  Dekakilo  (10  000  g),  Hektokilo
  (100  000  g)  oder  Doppelzentner  und  Kilokilo  oder
Tonnen  (1  000  000  g).
Das  ist  ein  geradezu  ideales  Mass  für  Edelmetalle  und
Geld.  Die  beliebte  Einteilung  der  Münze  in  100  ist  möglich,
aber  auch  noch  viel  kleinere  Teile  sind  durch  das  Milligramm
darstellbar.
In  Portugal  und  Brasilien  zerfällt  ja  die  Hauptmünze,
ein  Milreis,  in  1000  Teile,  in  Ägypten  1  Pfund  (20,75  M)  in
1000  Milliemes  (zu  2,075  Pf.).  Ursprünglich  kommt  Milreis  von
Miliarense  her  =  1 /iooo,  wie  schon  erwähnt.  Kaiser  Konstantin
liess  eine  Silbermünze  prägen,  deren  Wert  1 /iooo  von  einem  Pfund
Gold  darstellen  sollte.  So  würde  die  Einteilung  in  1000  also
schon  Vorbilder  finden  und  auch  beim  Goldgramm  möglich  sein;
doch  könnte  man  in  erster  Reihe  natürlich  an  der  Einteilung
in  100  festhalten.  Das  Gramm  als  Haupteinheit  gesetzt,
ergibt  sich  als  Yioo  davon  das  Centigramm,  so  dass
der  volkstümliche  Karne  Centimes  ( x /ioo  Frank),  Cent
(Vioo  Dollar  oder  holl.  Gulden),  Oentimo,  Oentesinjo,  Centavo,
Sen  und  die  entsprechenden  Kamen  der  Hundertteile  andrer
Münzen  sich  auch  nachher  behaupten  könnten,  wenn  auch  in
andrer  Wertbedeutung.
        <pb n="278" />
        239

Wenn  1  Gramm  Gold  von  den  heutigen  Hauptmünzsorten ­
  ab  weicht,  so  ist  das  eher  ein  Vorzug  als
ein  Nachteil.  Die  jetzige  österreichische  Krone  ist  V2  Gulden,
die  deutsche  Reichsmark  1 js  Taler.  Das  Volk  rechnet  wegen
dieser  engen  Anpassung  an  die  alten  Münzwerte  aber  immer
noch  hartnäckig  nach  Gulden  und  Kreuzern  oder  Talern,
Groschen  und  Sechsern,  so  dass  der  Fremde  sich  gar  nicht  auskennt, ­
  wenn  ihm  50  Heller  als  25  Kreuzer  oder  5  Pf.  als  ein
Sechser  präsentiert  werden,  und  er  erst  allmählich  lernt,  die
amtlichen  österreichischen  Werte  durch  2  zu  dividieren,  um
die  Volkswährung  verstehen  zu  können.
Bei  einem  neuen,  im  alten  nicht  aufgehenden  Münzsystem
würden  die  neuen  Bezeichnungen  also  viel  schneller  durchdringen;
doch  einstweilen  soll  ja  zunächst  nur  der  Auslands  verkehr  in  Frage
kommen,  wenn  sich  im  übrigen  zu  grosse  Widerstände  durch  das
Beharrungsvermögen  der  alten  Gewohnheiten  ergeben  sollten.
Ich  will  nun  noch  eine  Übersicht  über  die  Werte  der
Gramm-Goldmünzen  (S.240)  geben  und  möchte  auch  füretwaige
Silbermünzen,  die  ja  heute  nur  etwa  den  halben  Nominalwert
darzustellen  pflegen,  die  Angabe  des  Gewichts  und  Feingehalts
empfehlen,  neben  dem  Goldwert,  den  sie  vertreten  sollen.  Denn
dann  weiss  man  auch,  was  man  an  Silber  in  der  Hand  hat.
Das  Silberquantum  (in  Oesterreich  1  :  18 2 /»)  könnte  vielleicht
grösser  sein  als  jetzt,  etwa  1:20  im  Verhältnis  zum  Gold,  also
1  g  Gold  von  9 /io  Feinheit  (=  2,51  M)  mit  20  g  Silbermünze
von  9 /io  Feinheit  gedeckt,  statt  wie  jetzt  in  Deutschland  mit
1  ;  13,95  (an  Stelle  des  wirklichen  Wert  Verhältnisses  von  1:  30,54
im  Jahre  1907).
Wie  man  (S.  240)  sieht,  hat  man  im  Grammgewicht  also  ein
ideales  dezimales  Goldmass  von  grössterTeilbarkeit.  Bei  9 /ioFeinheit
ergibt  sieh  für  1  g  Gold  also  der  Wert  von  rund  2,5  Mark  oder
3  Franken,  etwa  einer  halben  englischen  Krone  (27a  Shilling
=  2,55  M)  entsprechend;  etwas  weniger  als  Ü/4  mexikanische
oder  japanische  Dollars  (zu  2,10  M)  oder  8 /i  amerikanische
Dollars  (zu  4,20  M)  =  2,62  M  oder  als  3  österreichische  Kronen
(zu  85  Pf.)  —  2,55  M  oder  1 9 /io  indische  Rupien  (zu  1,36  M)
=  2,60  M  oder  1,20  Rubel  (zu  2,16  M)  =  2,58  M,  aber  etwas
mehr  als  2,20  skandinavische  Kronen  (zu  1,125  M)  —2,47  M.  Der
        <pb n="279" />
        240

Gramm-Maße  und  Goldwerte  (in  Mark  und  Frank).

Metallmenge

Feines  Gold

Gold  von  900 /iooo  Feinheit

(Gold)

In  Gramm

Mark

Franken

Mark

Franken

1  Gramm

1  g

2,7!)

3,44

2,511

3,1

1  Tonne  (=  1000  kg)

1  000  000

2  790  000

3  444  444,44

2  511  000

3  100  000

1  Goppel  -  Zentner

=  1  Hektokilo

(=  100  kg)  .  .  ,

100000

279  000

344  444,44

251  100

310  000

1  Gekakilo

(=  10  kg)  .  ,  .

10  000

27  900

34  444,44

25  110

31  000

1  Kilogramm  ....

1  ooo

2  790

3  444,44

2  511

3  100

1  Hektogramm  .  .

100

279

344,44

251,1

310

1  Gekagramm  .  .  .

10

27,9

34,44

25,11

31

I  Gramm

1

2,7«

3,44

2,511

3,1

Pfennig

Centimes

Pfennig

Centimes

1  Gecigramm....

0,1

27,9

34,4

25,1

31

1  Outigramin  .  .  .

0,01

2,7«

3,44

2,51

3,1

1  Milligramm  .  .  .

0.001

0,279

0,344

0,251

0,31

Gramm-Goldmünzen:



Mark

Franken

1  Dekagramm  ,  .  .

10

25,11

31

Va  Dekagramm  .  .

5

12,55

15,5

'/ 4  Dekagramm  .  .

2,5

6,2775

7,75

Sil  hermünzen  für;

1  Gramm  (Gramm-Mark



Franken

Taler)  Gold  .  .

1

2,511

3,1

Pfennig

Centimes

’/a  Gramm  (=  50

Centigramm)

0,50

125,55

155

*/ 4  Gramm  (=  25

Centigramm)

0,25

62,775

77,5

20  Centigramm  .  .

0,20

50,22

62

10  Centigramm  (1

Gecigramm).  .  .

0,10

25,11

31

Scheidemünzen  für:

Pfennig

Centimes

5  Centigramm  Gold

0,05

12,55

15,5

2  Centigramm  .  .  .

0,02

■  5,022

6,2

1  Centigramm  .  .  .

0,01

2,511

3,1

l j,  Centigramm  (5

Milligramm).  .

0,005

1,255

1,55

V 4  Centigramm  (2,5

Milligramm).  .

0,0025

0,6275

0,775

Umstand,  dass  andere  Münzen  nicht  ganz  darin  anfgehen,  ist,
wie  schon  gesagt,  eher  ein  Vorzug  als  ein  Nachteil.  Die  früheren
Anpassungsversuche  an  das  Alte  haben  stets  eine  radikale
praktische  Reform  verhindert.
        <pb n="280" />
        241

Man  könnte  aber  die  nationalen  Namen  der  Landesmünzen
vielfach  auch  auf  die  neue  Gramm-Münze  übertragen,  mit  dem
Zusatz  „Gramm-“,  z.  B.  Gramm-Taler,  Gramm-Dollar,  Gramm-Rubel,
  Gramm-Gulden,  Gramm-Rupie,  Gramm-Krone,  Gramm-Franken,
  Gramm-Schilling  usw.  Wenn  die  Gramm-Münze  sich
dann  später  im  Inlande  einbürgert,  würde  der  Zusatz  von
selbst  wegfallen.  Auch  der  Franken  hat  ja  in  verschiedenen
Ländern  nationale  andere  Kamen;  in  Spanien  Peseta,  in  Serbien
Dinar,  in  Griechenland  Drachme,  in  Italien  Lira,  in  Venezuela
Bolivar  usw.
Die  drei  Goldmünzen,  die  oben  vorgeschlagen  sind,
würden  wohl  genügen.  Die  Einheit  von  2 l /a  M  würde  bei  Ausprägung ­
  von  Silbermünzen  zu  l'/jM,  50  Pf.  und  25  Pf.  und
von  Scheidemünzen  zu  I2V2,  5,  272,  l 1 /*  und  2 /3  Pf.,  alle  in
dezimalen  Grammteilen  ausgedrückt,  keineswegs  zu  hoch  sein
und  allen  Preisfestsetzungen  genügen.  10  -)-  20  Centigramm
würden  75  Pf.  oder  93  Centimes,  also  nahezu  1  Franken  ergeben,
20  -j-  20  Centigramm  ergeben  1  Mark  oder  1  Shilling  oder
etwa  V 4  Dollar.
Die  Scheidemünze  von  2  -f-  2  Centigramm  ergibt  10  Pf.,
von  2  —j—  1  Centigramm  7,53  Pf.  =  9,3  Centimes,  also  fast
10  Centimes  (=  8,1  Pf.),  von  1  -)-  72  Centigramm  3,76  Pf.  oder
4,65  Centimes,  1  j-  1 /a—(—V*  Centigramm  4,39Pf.  oder  5,43  Centimes;
1  Centigramm  sind  2,5  Pf.  oder  3,1  Centimes.
Also  auch  für  kleinste  Werte,  für  Werte  zur  Tarifierung
des  Postportos  wäre  gesorgt.
Das  Pennyporto  könnte  mit  3  Centigramm  =  9,3  Centimes
(statt  10  Centimes)  einheitlich  wiedergegeben  werden,  das  Postkartenporto ­
  mit  1,5  C  ntigramm  (=  4,65  statt  5  Centimes).
Aber  man  könnte  auch  je  nachdem  höhere  oder  niedrigere
Werte  wählen  und  das  Briefgewicht  entsprechend  erhöhen  oder
herabsetzen.
Bei  Ausprägung  in  feinem  Gold,  mit  Zuschlag  der  Legierung ­
  zum  runden  Feingewicht,  würden  3  Centigramm
10,32  Centimes,  1  Vs  Centigramm  aber  5,16  Centimes  ergeben.
Natürlich  könnte  man  auch  Scheidemünzen  für  3  Centigramm
ausprägen,  denn  die  Münzen  sollen  sieh  nach  den  Preisbedürfnissen ­
  richten.  Es  wäre  doktrinär  zu  behaupten,  dass  damit

16
        <pb n="281" />
        242

dem  dezimalen  System  Abbruch  geschähe.  Denn  wenn  man
drei  1  Centigramme  zusammenrechnen  oder  in  Zahlung  geben
muss,  so  ist  das  doch  dasselbe,  nur  unbequemer.  Die  Dreizahl
spielt  in  den'Preisen  von  jeher  eine  grosse  Polle  und  dem  muss
praktisch  Rechnung  getragen  werden.
Die  Abnutzung  der  Goldmünzen,  die  bei  einer  Weltmünze
tunlichst  gering  sein  sollte,  ist  stets  am  stärksten  an  den  hervorstehenden ­
  Reliefvorsprüngen.  Es  wäre  also  vielt  icht  zu  erwägen,
ob  die  Münzen  nicht  glatter  anzufertigen  wären,  mit  konkaven
Inschriften  oder  mit  Reliefbildern  in  Vertiefungen,  aus  denen
sie  nicht  soweit  hervorragen,  dass  sie  sich  mit  andern
Münzen  reiben.  Die  Brüsseler  Münzanstalt  stellte  1901  die  Abnutzung ­
  von  Silbermünzen  fest.  Danach  hatten  die  Fünffrankstücke ­
  von  1876  nach  25  Jahren  0,138  g  oder  jährlich  0,0055  g
verloren,  die  von  1848  nach  53  Jahren  0,261  g  oder  jährlich
0,0049  g  und  die  von  1833  nach  68  Jahren  0,331  g  oder  jährlich ­
  0,0048  g 10 ).  Ein  5-Franken-Stück  wiegt  25  g;  138  g  Verlust ­
  in  25  Jahren  sind  aber  bloss  etwas  mehr  als  J /2  %•  Beim
Gold  haben  solche  Verluste  natürlich  eine  erhöhte  Bedeutung.
Wie  wir  sahen,  kehrt  im  Weltpostverein  die  Forderung
einer  einheitlichen  und  gleichwertigen  Weltbriefmarke  immer
wieder.  Zu  ihrer  Verwirklichung  hielt  Stephan  eine  Weltmünze
für  erforderlich,  die  der  zunehmende  Weltverkehr  und  Welthandel ­
  immer  gebieterischer  fordert.  In  den  Antwortgutscheinen ­
  für  71  Länder  des  AVeltpostvereins  ist  wenigstens
bereits  der  erste  Anfang  einer  auf  Gold  lautenden  Weltbanknote ­
  gemacht,  und  nichts  würde  eigentlich  hindern,  sie  auch
auf  grössere  Beträge  ausstellen  zu  lassen,  vielleicht  zum  Parikurse ­
  in  Gold.  Nur  der  Aufschlag  ist  noch  störend.  Von  der
Weltbanknote  ist  aber  grundsätzlich  nur  noch  ein  Schritt  zur
gleichwertigen  einheitlichen  Weltmünze,  wenn  auch  ein
grosser,  denn  diese  ist  die  notwendige  Konsequenz  der  Banknote.
Und  da  das  dezimale  metrische  Grammgewicht  sich  als  die  vollkommenste ­
  Masseinheit  erweist,  so  bedarf  es  eines  Gramm-Geldes.
Auch  der  Welthandel  erfordert  längst  eine  praktische  einheitliche ­
  Münze,  also  eine  metrische  runde  Goldeinheit.  In  dem
unpraktischen  Gewirr  der  verschiedenen  alten  Mass-  und  Münz-10

 )  Archiv  f.  Post  und  Telegr.  1907,  S.  432.
        <pb n="282" />
        243

Systeme  haben  sich  bei  vielen  Völkern  auch  früher  schon  immer
wieder  gewisse  Handelsmasse  und  Handelsmünzen  für  den
internationalen  Verkehr  herausgebildet.  Im  alten  Griechenland ­
  schon  gelangte  allmählich  das  äginetische  oder  auch  attische
Gewicht  zu  allgemeiner  Annahme,  und  die  Solonische  Münzreform
setzte  als  Handelsmünze  eine  Mine  zu  138  Silberdrachmen  (statt
100  Drachmen)  fest,  also  4,366  g  für  1  Drachme.
In  Bremen  gab  es  als  Gewicht  ein  Krämerpfund  (470,283  g),
doch  daneben  für  den  Grosshandel  allein  zulässig  das  Handelspfund ­
  (498,5  g).  Die  Goldmünzen  waren  früher  in  Deutschland
nur  Handelsmünzen.  In  den  rheinischen  Städten  zerfiel  der
Taler  für  den  Grosshandel  in  100  Cents  statt  in  30  Silbergroschen. ­
  Hach  Mark  (Vb  Taler)  rechnete  man  schon  vor  der
gleichnamigen  Reichsmünze  in  vielen  norddeutschen  Städten.
Sie  zerfiel  dezimal  in  10  Groschen.  Hamburg  hatte  für  den
Aussenhandel  und  Grossverkehr  früher  eine  besondere  Währung,
die  Bankwährung,  neben  der  Kurantwährung  für  den  Kleinverkehr ­
  (]  Mark  Banko  =  15,17  Sgr.).  In  Frankreich  wollte
man  bei  der  Münzreform  eine  Handelsmünze  von  10  g  reinen
Goldes  ohne  Kursfestsetzung  einführen,  schuf  aber  später  ein
festes  Verhältnis  zum  Silber.  In  Österreich  wird  als  Handelsmünze ­
  der  Gold-Dukaten  (3,491  g  von  71 /72  Feingehalt  oder
3,442  g  fein  Gold  =  11,29  Kronen  oder  9,60  Mark)  und  daneben ­
  der  Levan'iner  oder  Maria  Theresia-Thaler  (23,3723  g
fein  Silber,  Nominalwert  4,21  M,  Silberwert  etwa  2  M)  geprägt.
Auf  dem  Kurszettel  der  Berliner  Börse  finden  wir  ja  Münz-  und
Banddukaten  ständig  notiert,  ebenso  wie  auch  der  russische
Imperial  (Goldmünze)  eine  Handelsmünze  darstellt  (1  Imperial  =
11,6135  g  fein  Gold  =  15  Rubel  =  32  M  40,17  Pf.).
Die  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika  prägten
1873—78  für  den  Aussenhandel  einen  besonderen  Handelsdollar ­
  (Trade  Dollar,  420  Troygrains  Gewicht)  neben  dem
Standard-Dollar  (412 x /2  Troygrains)  im  Wertverhältnis  wie  56  :  55.
Seit  1876  hat  der  Trade-Dollar  (4,409  M)  aber  keine  gesetzliche ­
  Zahlkraft  mehr.  In  Indien  wird  das  Mohur-Goldstück
(==  15  Rupien  oder  29,83  M)  als  Handelsmünze  geprägt.  Der
mexikanische  Dollar  (24,44  g  f.  Silber,  nom.  4,40  M;
jetzt  =  0,75  g  Gold  =  2,10  M)  ist  die  Handelsmünze  Ostasiens.

16*
        <pb n="283" />
        244

In  alledem  sowie  in  den  Münz-Unionen  gibt  sich  das  Bedürfnis ­
  nach  einer  Welthandelsmünze  stetig  kund.  Es
brauchte  zunächst  ja  nur  ein  Goldstück  von  10  g  dafür  geschaffen ­
  zu  werden,  und  im  Weltpostverkehr  könnte  man  das
Goldgramm  und  Centigramm  den  Tarifen  zugrunde  legen.  Der
Wirrwarr  des  Geldwesens  auf  der  Welt  ist  bei  dem  regen  Verkehr ­
  von  heute  längst  nicht  mehr  zeitgemäss,  und  die  geheimnisvollen ­
  und  unpraktischen  alten  Münzmetalleinheiten,  die  oft
nicht  einmal  dezimal  eingeteilt  sind,  vertragen  sich  nicht  mehr
mit  dem  dekadischen  Meter-  und  Gramm-Mass  und  erscheinen  als  ,
eine  rückständige  Unvollkommenheit  vergangener  Zeiten  mit
anderen  Masssystemen' 1 ).
Es  wird  Aufgabe  aller  internationalen  Organisationen  sein,
auf  ihren  Weltkongressen  sich  der  Forderung  einer  Weltmünze
anzunehmen  und  für  sie  öffentlich  einzutreten.  Und  Regierungen,
die  in  dieser  Frage  die  Initiative  zu  einer  internationalen
Konferenz  ergreifen  wollten,  würden  des  Beifalls  sehr  weiter
Kreise  sicher  sein  und  vielleicht  in  einiger  Zeit  unter  den  Ländern
mit  metrischen  Massen  und  Gewichten  soweit  Erfolge  erzielen,
dass  zunächst  irgend  ein  Anfang  gemacht  wird.  Dem  grossen  Gedanken ­
  der  Solidarität  des  Menschengeschlechts  würde  damit
zweifellos  ein  Dienst  erwiesen  werden.  Trotz  des  erhöhten
Nationalbewusstseins  unserer  Tage  fühlen  wir  doch  alle  die
grosse  Interessengemeinschaft  der  Völker  und  den  Feingehalt
der  Worte  Senecas:  „Patriam  meam  esse  munduni  sciam  et
praesides  deos:  hos  supra  me,  circaque  me  stare,  factorum
dictorumque  censores.“

n )  Sich  ihrer  international  bedienen,  das  ist  ebenso,  als  wenn  wir  heute  noch  mit  den
unbeholfenen  zeitraubenden  römischen  Zahlen  rechnen  wollten,  z.  B.  MDCCCLXXXV  -f-  A1DCLXTX  4-MDCCCCLXXXXIV
  statt  1885  -(-  1669  +  1994.  Man  sehe  sich  nun  die  nachstehende  lieber  sicht
der  wichtigsten  Münzsorten  der  Erde,  nach  ihrem  Goldgehalt  berechnet,  an,  um  zu  erstaunen,
wie  unpraktisch  im  Zeitalter  dt-s  Metersystems  und  eines  Welthandels  von  130  Milliarden  Mark  diese
mystischen  endlosen  DeziraalbrUche  für  den  Weltverkehr  sind.  Angegeben  wird,  wo  nichts  anderes
vermerkt,  das  Rauhgewicht  bei  ö00 /i000  Feingehalt.
1  Mark  —  0,398  248  g.  1  Franken  =  0,32258  g  =  0,81  M  1  holländ.  Gulden  ==0,672
  g  =  1,687  M.  1  österr.  Krone  —  0,32875  g  =  0,85  M.  1  engl.  Schi  11  i.ng  =  0,3994  g  =
1,021475  M.  l  skandinav.  Krone=  0,4448  g  =  1,125  M.  1  russ.  Rubel  =  0,8602«  g  =  2,16011  M.
1  portug.  Milreis  =  1,7735  g  ( ,J16 &amp;gt; 7 /mco  f*  G.)  =  4,536  M.  1  brasilian.  Milreis  =  0,89"2  g
( 91 V/iooo)  =  2,2925  M.  1  mexikan.  Go  1  d  -D  o  11  ar  =  0,75  g  f.  G.  =  2,10  M.  1  Yen  (Japan.  Dollar)
=  0,88335  g  =  2,092  M.  1  nordamerik.  Dollar  =  1,6817  g  =  4,198  M.  1  ägypt.  Pfund  =
8,5  g  ( 875 /iooo)  j=  20,75  M.  1  türk.  Pfund  =  7,216  g  t 916 , 7 /iooo)  =  18,46  M  usw.  Kinderspiele
nannte  Heraklit  der  Dunkle  vor  2400  Jahren  die  menschlichen  Gedanken.
        <pb n="284" />
        245

ANHANG.

Kapitel  XII.
Die  Sonderpostvereine  im  Weltpostverein.
Vorbemerkungen.
Als  der  Weltpostverein  am  1.  Juli  1875  ins  Leben  trat,
bestand  sclion  seit  25  Jahren  der  deutsch-österreichische  Postverein ­
  und  neben  ihm  einige  andere  Abkommen  ähnlicher  Art
von  verschiedenen  Postverwaltungen.  Es  war  daher  selbstverständlich, ­
  dass  der  Berner  Vertrag  von  1874  diese  engeren
Postgemeinschaften  schonte.
Artikel  15  des  Weltpostvertrages  vom  1.  Juni  1878  lautete
dementsprechend  (Absatz  2):  „Auch  beschränkt  der  Vertrag  nicht
die  Befugnis  der  vertragschliessenden  Teile,  Verträge  unter  sich
bestehen  zu  lassen  und  neu  zu  schliessen  sowie  engere  Vereine
zur  weiteren  Erleichterung  des  Verkehrs  aufrecht  zu
erhalten  oder  neu  zu  gründen.‘‘
Im  Artikel  21,2  des  neuesten  Weltpostvertrages  vom
26.  Mai  1906  heisst  es,  etwas  anders  gefasst:  „.  .  .  die  Befugnis ­
  .  .  .  zur  Herabsetzung  der  Glebühren  oder  zu
jeder  anderen  Verbesserung  des  Postverkehrs  Verträge
untereinander  bestehen  zu  lassen  oder  abzuschliessen
sowie  engere  Vereine  aufrecht  zu  erhalten  oder  zu
gründen.“
Der  Artikel  20,3,  den  Glrenzverkehr  betreffend,  lautet:
„Den  beteiligten  Verwaltungen  ist  jedoch  gestattet,  sich  über
die  Annahme  ermässigter  Gebühren  im  Umkreise  von
30  km  untereinander  zu  verständigen.“
Artikel  15,2  endlich,  der  die  Postsendungen  von  und
nach  Kriegsschiffen  betrifft,  besagt:  „Die  Tarife  und  Ver-
        <pb n="285" />
        246

Sendungsbedingungen  werden  von  der  Postverwaltung  des
Landes,  dem  die  Schiffe  gehören,  nach  ihren  inländischen  Verordnungen ­
  bestimmt.“  Briefsendungen  von  oder  zu  Kriegsgefangenen ­
  sind  im  Aufgabe-  und  Bestimmungsland  sowie  in
den  Zwischenländern  überhaupt  gebührenfrei  (Art.  11,4).
Das  Nbrmalporto  des  "Weltpostvereins  ist  nun  in  der
Frankenwährung  festgesetzt  (Art.  5)  und  beträgt  bei  frankierten
Briefen  25  Centimes  für  die  ersten  20  g  und  15  Centimes  für
je  weitere  20  g,  bei  unfrankierten  das  Doppelte.  Für  einfache
Postkarten  sind  es  10  Centimes,  (8,1  Pf.),  für  Drucksachen  usw.
5  Centimes  (4,05  Pf.)  für  je  50  g.
Für  besonders  weite  Seestrecken  mit  hohem  Transitporto
ist  (Art.  5,2)  ein  Zuschlagporto  von  25  Centimes  bei  Briefen,
von  5  Centimes  bei  Karten  und  5  Centimes  für  je  50  g  anderer
Sendungen  zulässig.  Glücklicherweise  machen  im  wesentlichen
nur  noch  die  Staaten  Südamerikas  (außer  Chile)  und  einige
andere  von  solchen  Zuschlägen  Gebrauch.
Jede  Postverwaltung  behält  bekanntlich  unverkürzt  die
erhobenen  Portogebühren  und  braucht  darüber  mit  anderen
Vereinsverwaltungen  nicht  abzurechnen  (Art.  12).
Für  den  Durchzug  von  Briefen  durch  Zwischenländer
zahlen  (Art.  4)  nicht  die  Briefabsender,  wohl  aber  die  Verwaltungen ­
  einander  Landtransitgebühren  von  1,50  Fr.  (1,20  M)  für
jedes  Kilogramm  Briefe  und  Karten  und  20  Centimes  für  andere
Sendungen;  bei  Landstrecken  über  3000  km  sind  die  Sätze
doppelt  so  hoch,  bei  über  6000  —9000  km  dreifach,  bei  mehr
als  9000  km  vierfach.  Der  erstgenannte  Landtransitsatz  gilt
auch  für  Seetransit  bis  zu  300  Seemeilen;  4  Fr.  bezw.  50  Centimes ­
  zahlt  man  bei  mehr  als  300  Seemeilen  in  Europa,  im
Mittelmeer  und  im  Verkehr  mit  Nordamerika  oder  zwischen
zwei  Hafenplätzen  bis  zu  1500  Seemeilen.  Für  andere  und
weitere  Strecken  sind  es  8  Fr.  für  Briefe  und  Karten  und  1  Fr.
für  andere  Sendungen.  Man  kann  auf  1  kg  durchschnittlich
100  Briefe  rechnen,  neuerdings  (nach  der  Briefgewichtserhöhung)
etwas  weniger  (vielleicht  80—90).
Tatsächlich  werden  aber  von  den  meisten  Ländern,  da  sich
Leistung  und  Gegenleistung  oft  ausgleicht  und  Guthaben  von
        <pb n="286" />
        247

1000  Fr.  unberücksichtigt  bleiben  sollen  (Art.  4,9),  Landtransitgebühren ­
  gar  nicht  mehr  erhoben.  Auch  bestehen  für  den  Seetransit ­
  oft  wohlfeilere  Glebühren  nach  Vereinbarung.
Für  einzelne  Briefschaften,  die  nicht  in  Beuteln  oder
Paketen  an  andere  Länder  übergeben  werden,  sondern  als  sog.
offener  Transit  (Art.  4,4)  gehen,  zahlt  man  6  Centimes  (4,8  Pf.)
für  jeden  Brief;  für  Postkarten  und  andere  Sendungen  dagegen
2 1 /ä  Centimes  (2  Pf.)  für  das  Stück.  Die  Grösse  des  Transits
wird  nach  gewissen  periodischen  Feststellungen  (alle  6  Jahre
4  Wochen  lange  Zählungen)  ermittelt  und  danach  verrechnet.
Absendeland  und  Bestimmungsland  befördern  und  bestellen  ihre
gegenseitigen  Briefe  umsonst  und  rechnen  darauf,  dass  Dienst
und  Gegendienst  sich  ausgleichen.
Angrenzende  Länder  haben  im  Wechsel  verkehr  natürlich
keinerlei  Transitgebühren  zu  bezahlen.  Deshalb  sind  vielleicht
auch  aus  diesem  Grunde  Postvereine  mit  ermässigtem  Porto  in
erster  Reihe  zwischen  angrenzenden  Ländern  entstanden.
Was  ist  nun  ein  Postverein?  Wir  wollen  uns  für
unsere  Zwecke  dahin  verständigen,  dass  ein  Postverein  dann
vorliegt,  wenn  verschiedene  Länder  sich  in  bezug  auf  das  Porto
als  ein  einheitliches  Verkehrsgebiet  behandeln.  Das  trifft  ja
nun  auch  für  den  Weltpostverein  zu.
Aber  innerhalb  dieses  gibt  es  Sonderpostvereine,  die  sich
namentlich  seit  dem  Ende  des  vorigen  Jahrhunderts  immer  zahlreicher ­
  entwickelten.  Und  ihnen  allen  war  gemeinsam,  dass  sie
ein  wohlfeileres  Porto  als  das  des  Weltpostvereins  vereinbarten.
Ihr  Entstehen  war  ein  Zeichen  dafür,  dass  das  1875  eingeführte
Weltporto  bereits  als  viel  zu  hoch  empfunden  wurde.  Bei  manchen
dieser  Sonderpostvereine  gelten  die  ermässigten  Taxen  für  alle
Briefpostsendungen  (Briefe,  Karten,  Drucksachen  usw.),  bei
manchen  nur  für  Briefe  oder  andere  Dinge 1 ).  Die  meisten
wenden  im  Wechsel  verkehr  die  inländischen  Taxen  an,  manche
haben  aber  ein  höheres  Vereinsporto  vereinbart,  das  jedoch  wohlfeiler ­
  ist  als  das  Weltporto.  Bisweilen  sind  wegen  der  Münzx
 )  Vgl.  hierzu  den  Artikel  „Weltpost-Briefporto“  in  der  „Deutschen
Verkehrs-Zeitung“  1899,  Nr.  22  (S.  277—278)  und  „Kolonial-  und  Marinebriefe“, ­
  ebenda,  Nr.  20,  S.  255  und  256.
        <pb n="287" />
        248

Verschiedenheiten  und  der  abweichenden  Gewichtseinheiten  merkliche ­
  Unterschiede  vorhanden.  Manchmal  sind  diese  Postvereine
auch  nur  einseitig,  so  dass  der  eine  Staat  nach  dem  andern  das
Inlandsporto,  dieser  aber  das  Weltporto  anwendet.
Doch  besonders  kennzeichnend  ist  immer,  dass  das  ermässigte
  Porto  aus  dem  einen  Land  in  das  andere  oder  in  die
anderen  gilt  oder  umgekehrt,  auch  wenn  einige  Unterschiede  bestehen. ­
  Wenn  diese  Begriffsbestimmung  auch  noch  nicht  vollkommen ­
  ist,  sie  genügt  uns  einstweilen.
Man  kann  die  bestehenden  Sonderpostvereine  in  verschiedene
Gruppen  teilen;
A)  Erstlich  Nachbarpostvereine,  Vereine  von  aneinander
grenzenden  Ländern,  gewöhnlich  solche,  die  in  regen  Beziehungen ­
  miteinander  stehen  oder  ganz  oder  teilweise
eine  gleichsprachige  Bevölkerung  haben.  (Vgl.  S.  252—261).
B)  Zweitens  Grenzbezirks  -  Postvereine,  die  entweder
nur  für  den  geradlinigen  Abstand  bis  zu  30  km  (von
Orten  diesseits  zu  Orten  jenseits  der  Grenze)  oder  für
ganze  Grenzgebiete  (Provinzen)  oder  teils  für  ein  ganzes
Land  einerseits  und  ein  kleineres.Grenzgebiet  andererseits
ein  billigeres  Porto  als  das  des  Weltpostvereins  ansetzen.
Eigentlich  gehören  ja  auch  diese  Grenzvereine  unter  den
weiteren  Begriff  der  Nachbarpostvereine.  (S.  261  f.).
C)  Drittens  Postvereine  der  Kolonialreiche,  also
des  Mutterlandes  mit  seinen  oft  weit  entfernten
überseeischen  Kolonien,  sei  es  nun  mit  allen  oder
nur  einem  Teil,  oder  sei  es  auch  nur  eine  Anzahl
Kolonien  untereinander  (S.  263  ff.).  Hierher  kann  man
auch  die  Schiffe  und  Kriegsschiff  e,  die  schwimmenden ­
  Kolonien  eines  Landes,  rechnen,  soweit  sie  im  Verkehr ­
  mit  dem  Heimatreich  ein  wohlfeileres  oder  das
Kolonialreichsporto  gemessen. 2 )  Auch  die  fremden
2 )  Man  findet  näheres  über  diese  und  ähnliche  Fragen  im  amtlichen
„Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  (Berlin)  1902,  S.  706—708:  „Portovergünstigungen
  in  fremden  Ländern  für  Postsendungen  von  und  an  Militärpersonen“ ­
  (Übersicht  über  das  Militärporto  in  den  verschiedenen  Staaten,
auch  von  Kriegsschiffen).  Ferner  ,  Archiv  f.  P.  u.  T.“  1903,  S.  183—187:
        <pb n="288" />
        249

Postämter  in  weniger  geordneten  Ländern  könnte  man
liier  in  die  Kolonien  einreihen,  zumal  wenn  sie  dem
wohlfeileren  Kolonialportobereicli  angeschlossen  sind.  Ich
ordne  sie  a,ber  einem  anderen  Gesichtspunkte  unter  (S.300f.).
D)  Viertens  Postvereine  entfernter  (überseeischer)
selbständiger  Länder,  also  Vereine  von  Staaten,  die
durch  Meere  oder  Meeresteile  oder  ganze  Ozeane  voneinander ­
  getrennt  sind,  ohne  im  Verhältnis  von  Mutterland ­
  und  Kolonie  zueinander  zu  stehen.  Durch  Vermittlung ­
  der  fremden  Postanstalten  in  China  und  Marokko
werden  auch  diese  beiden  Länder  mit  entfernten  anderen
Ländern  in  ein  Postvereins-Verhältnis  gebracht  und
daher  mit  jenen  fremden  Postämtern  ebenfalls  dieser
Gruppe  (D)  zugerechnet  (S.  277-—312).
Die  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  glaubte  noch  1899  (Nr.  20
vom  2.  Juni,  S.  278)  nicht  daran,  dass  „der  Gedanke  eines  Ozean-Penny-Portos
  oder  gar  einesWelt-Penny-Portos  in  absehbarer
Zeit  Aussicht  auf  Verwirklichung“  habe  und  hielt  es  „für  ausgeschlossen, ­
  dass  in  naher  Zeit  engere  Vereine  mit  ermässigten
Brieftaxen  auch  zwischen  entfernt  voneinander  liegenden,  völlig
selbständige  Wirtschaftsgebiete  bildenden  Ländern  abgeschlossen
werden  sollten“,  „namentlich  wegen  der  erheblichen  finanziellen
Bedeutung  einer  solchen  Reform,,.  1903  (S.  300)  äusserte  sie
sich  ebenfalls  noch  ähnlich.
Aber  bloss  ein  paar  Jahre,  all  den  geäußerten  Bedenken  zum
Trotz  —  und  der  grosse  Stein  ist  bereits  schönstens  im  Rollen.
Neu-Seeland  undMexiko,  Spanien  und  die  portugiesischen  Kolonien,
Italien  und  Ägypten,  England  und  Amerika,  Deutschland  und
Amerika  —  das  Ozean-Penny-Porto  ist  verwirklicht  und  das  Welt-Penny-Porto
  naht  im  Sturmschritt,  um  den  ganzen  Erdball  zu
erobern.  Wie  weit  es  schon  vorgerückt,  mit  nahen  Grenz-  und
Nachbarpostvereinen  beginnend,  zu  weltumspannenden  Kolonialreichspostvereinen ­
  über  weite  Meere  vorrückend,  doch  noch
„Weitere  Entwicklung  des  Festverkehrs  mit  den  deutschen  Kriegsschiffen
irn  Auslande“,  und  1907,  S.  G83  —085:  „Neuerungen  imPostverkehr  der  deutschen ­
  Kriegsschiffe  im  Auslände“  (vom  1.  Oktober  1907  ab  dem  Kolonialporto ­
  angegliedert,  auch  für  den  York  ehr  nach  Österreich-Ungarn,  Bosnien-Herzegowina
  und  Luxemburg).
        <pb n="289" />
        250

innerhalb  der  Reichsgrenzen,  und  nun  schon  über  die  Ozeane  von
Grossstaat  zu  Grossstaat  springend  und  bald  ganze  Weltteile  verbindend, ­
  das  soll  die  hier  folgende  Darstellung  dieser  Vereine
zeigen.  Die  immanente  Weltvernunft  bahnt  sich  auch  im  Weltportowesen ­
  unaufhaltsam  ihren  Weg,  und  das  Penny-Porto  ohne
Rücksicht  auf  jede  Entfernung  und  auf  alle  Landesgrenzen  und
Meere  dringt  vor  bis  zu  seiner  äussersten  Folgerichtigkeit  und
Zweckmässigkeit,  entsprechend  dem  vorgeschrittenen  AVelthandel
sowie  dem  Menschen-  und  Geistesverkehr  der  Zeit.
Diese  Übersicht  über  die  ungeheure  Ausbreitung  und  Zahl
der  vorhandenen  Sonderpostvereine  wird  zeigen,  dass  es  sich
nur  noch  um  eine  kurze  Frist  bis  zur  vollen  Verwirklichung
des  neuen  Weltportos  handeln  kann.
Eine  deutliche  und  klare  Übersicht  fehlte  noch  bisher. 3 )
Denn  zu  ihr  gehört  Nebeneinanderstellung  des  inneren
Portos,  des  Weltpostportos  und  des  Vereinsportos,  auch
in  vergleichbaren  Münzwerten  ausgedrückt,  sowie  Grösse  und  Einwohnerzahl ­
  jedes  einzelnen  Postvereins.
Ich  habe  mich  der  unendlichen  Mühe  unterzogen,  diese
Daten  zusammenzustellen,  weil  ich  das  zur  Erkenntnis  der  Notwendigkeit ­
  einer  Reform  im  Sinne  des  Welt-Penny-Portos  für
besonders  förderlich  hielt.
Der  jetzige  Wirrwarr  von  Ausnahmetarifen  bedarf  zweifellos ­
  einer  baldigen  Neuordnung  und  Einheitlichkeit.  Das  ist  die
Lehre,  die  diese  Zusammenstellungen  geben  werden.  Aus  den
8 )  Das  dicke  Werk  des  Internationalen  Bureaus  des  Weltpostvereins
in  Bern:  „Becueil  de  renseignements  sur  l’organisation  des  administrations
de  l’Union  et  sur  leurs  Services  internes“  (Berne  1890)  ist  leider  sehr  unvollständig ­
  (Südamerika  fehlt  fast  ganz).  Die  neuere  Ausgabe,  die  ich  noch
nicht  einzusehen  Gelegenheit  hatte,  wird  wohl  auch  nicht  vollständig  sein.
O.  Sieblists  verdienstliches  Buch  „Die  Post  im  Auslande“  (3.  Aufl.  1900)
ergänzt  es,  Ist  aber  z.  B.  bei  Südamerika  auch  sehr  lückenhaft;  und  ohne
tabellarische  Anordnung  der  Tarife,  erfordert  es  ein  langes  Studium,  wenn
man  eine  Übersicht  erlangen  will.  Die  Auslands-  und  Postvereinstarife
habe  ich  sehr  darin  vermisst.  Die  beiden  letzteren  bringt  dagegen  die  Berner
Publikation  „Becueil  de  renseignements  d’intdret  gdnöral  concernant  Texecution
  de  la  convention  principale“  (Juli  1907).  Nur  fehlt  leider  die  tabellarische ­
  Nebeneinanderstellung  der  Sondertarife  mit  den  Weltposttarifen
und  den  internen  Tarifen  darin.
        <pb n="290" />
        I

dankenswerten  amtlichen  Publikationen  des  Berner  Bureaus  kann
man  hierfür  wohl  die  Hauptdaten  schöpfen,  aber  doch  erst  nach
wochenlanger  Arbeit  und  unter  Hinzuziehung  anderer  Quellen
sieh  ein  klares  Bild  machen.  Das  tut  aber  auch  den  meisten
Fachleuten  noch  not,  so  dass  diese  Arbeit  vi  lleieht  nicht  ganz
nutzlos  sein  wird.
In  der  Reihenfolge  der  einzelnen  Vereine  war  es  schwer,
ein  festes  Prinzip  durchzuführen.  Ich  bitte  es  daher  nicht
zu  suchen.  Ich  habe  mich  zugleich  bemüht,  sofern  ich  das  feststellen ­
  konnte,  die  Entstehungszeit  der  verschiedenen
Postvereine  anzugeben.  Leider  liess  mich  die  mir  hier  zm
gängliche  Fachliteratur  dabei  oft  im  Stich.  Um  jedem  Leser
die  oft  sehr  erwünschte  Möglichkeit  zu  schaffen,  die  Angaben
nachprüfen  oder  mehr  über  die  Sache  erfahren  zu  können,  habe
ich  zugleich  ausgiebig  auf  meine  Quellen  verwiesen.  Das  wird
denen,  die  später  einmal  dieses  Gebiet  weiter  ausbauen,  vielleicht
von  Wert  sein.  Ich  begnügte  mich  meist  mit  den  zuverlässigsten
deutschen  Fachschriften  und  den  amtlichen  Publikationen  des
Berner  Bureaus.  Die  Amtsblätter  aller  fremden  Postverwaltungen
direkt  zu  studieren,  war  unmöglich,  aber  auch  überflüssig.  Allerdings ­
  mögen  in  der  Berner  Publikation  von  1907  manche  Angaben ­
  schon  veraltet  sein.  Für  Berichtigungen  etwaiger  Ungenauigkeiten ­
  und  Ausfüllung  von  Lücken  wäre  ich  dankbar.
Die  statistischen  Zahlen  über  Grösse  und  Bevölkerung  der  verschiedenen ­
  Länder  habe  ich  vorwiegend  den  Hübnerschen
geographisch  -  statistischen  Tabellen  entlehnt,  wenn  sie
auch  manchmal,  besonders  bei  den  Kolonialgebieten,  vom
Gothaer  Hofkalender  abweichen.  Doch  auf  kleine  Unterschiede
kommt  es  uns  hier  nicht  an.  Die  Bevölkerung  Deutschlands
betrug  1908  nach  dem  Statistischen  Jahrbuch  für  das  Deutsche
Reich  bereits  63  Millionen.
Die  Grössenzahlen  dieser  Postvereine  sind  in  einem  früheren
Kapitel  (S.  36  ff.)  bereits  übersichtlich  nebeneinandergestellt  und
deshalb  hier  nicht  überall  wiederholt  worden.
Jetzt  die  Übersicht  über  die  Vereine!
        <pb n="291" />
        A.  Nachbarpostvereine.

1.  Der  DeutsdvOesterreichische  Postverein.
(Seit  dem  1.  Juli  1850.)')

Mitglieder:

qkm:

Mill.  Einw,

Deutsches  Reich

...  540  777

63

Oesterreich

...  300  000

27,8

Ungarn  •  .  .

.  .  .  324  851

20,5

Bosnien  und  Herzegowina  .  .  .

...  51  028

1,7

Gesamtgebiet:  1  216  656  qkm  113  Mill.  Einw.
a)  Vereinsporto:
Das  Inlandsporto  der  betreffenden  Länder  für  Briefe,  Postkarten,
Drucksachen,  Warenproben,  Postpakete.
Gegenwärtig:

/  bis  20  g  10  Pf.  oder  10  Heller  (=  8,5  Pf.)
\  „  250  „  20  „  „  20  „  (=  17  „  )

Postkarten:

5  Pf.

oder  5

Heller

(=  4,25  Pf.)

bis

50  g

3  Pf.

oder  3  Heller  (  =

2,55  Pf.)

r&amp;gt;

100  „

5  „

n  ^

r&amp;gt;

(=4,25

  „  )

Drucksachen:

«

250  „

10  „

„  10

M

(=8,50

  „  )

n

500  „

20  „

„  20

yi

(=17

  „  )

1000  „

30  „

„  30

(==25,50

  „  )

b)  Weltpostvereinsporto:
Briefe:  20  g  20  Pf.  oder  25  Heller  (21,25  Pf.);
weitere  20  g  je  10  Pf.  oder  15  Heller  (=  12,75  Pf.)
Postkarten-,  10  Pf.  oder  10  Heller  (=  8,5  Pf.)
Drucksachen:  je  50  g  5  Pf.  oder  5  Heller  (=  4,25  Pf.)
J )  Vgl.  den  gut  orientierenden  Jubililumsartikel:  „Der  Deutsch-Oesterreichische
Postverein 11  in  der  „Deutschen  Verkehrs-Zeitung 1 "  (Berlin  1900),  S.  45B—455.
Ferner  Stephan,  Geschichte  der  preussischen  Post  (Berlin  1859),  S.  588—557,  und
„Archiv  für  Post  und  Telegraphie 11  (Berlin  1900),  S.  486f.  Viel  Material  über  die
Vorgeschichte  des  Vereins,  die  Broschürenliteratnr,  die  Verhandlungen  und  Beschlüsse
der  Postkongresse  hei  seiner  Gründung  findet  man  teilweise  in  Herrfeldts  „Archiv
für  das  Postwesen 11  (Frankfurt  1829—1846)  und  besonders  in  Vogtherrs  „Wochenblatt
für  das  Transportwesen“  (Frankfurt  a.  M.  1846—1856).
Das  Fürstentum  Liechtenstein  (159  qkm  mit  9650  Einwohnern),  postalisch  mit
Oesterreich  vereinigt,  gehört  mit  zum  Deutsch-Oesterreichischen  Postverein.
Oesterreich  und  Ungarn  bilden  wiederum  ihrerseits  einen  engeren  Postverband; ­
  über  die  neueste  Begebung  vgl.  „D.  Verkehrs-Ztg.“  1908,  S.  244.  (Siehe  auch
O.  Sieblist,  Die  Post  im  Auslande,  Berlin  1900,  3.  Aufl.,  S,  12—13.)
        <pb n="292" />
        253

2.  Der  DeutsctvLuxemburgische  Postverein.
(Seit  dem  1.  Oktober  1902.) 2  3 J
Mitglieder:  qkm:  Mill.  Einw,:
Deutsches  Reich  510777  63
Grossherzogtum  Luxemburg  .  ,  .  .  .  2  585  0,25
Gesamtgebiet:  543  363  qkm  63,25  Mill,  Einw.
Vereinsporto:
Das  deutsche  Inlandsporto  für  Briefe,  Postkarten,  Drucksachen,
Warenproben,  Geschäftspapiere.
In  Luxemburg  werden  für  10  Pf.  I2V2  Centimes,  für  5  Pf.  0  Centimes,
für  3  Pf.  4  Centimes  gesetzt.
Der  innere  luxemburgische  Tarif  (Postkarten  5  Pf.,  Drucksachen  für  je  50  g
1—2  Centimes,  Briefe  10  Centimes  für  15  g)  weicht  vom  Vereinsporto  ab.

3.  Der  OesterreiclvUngarisclvMontenegrinischePostverein,
(Seit  1871  und  1895.) s )
Mitglieder:  Oesterreich,  Ungarn,  Montenegro  (9080  qkm,  228  000  Einw  ).

Vereinsporto:  dem  Inlandsporto  ähnlich.

Aus  Oesterreich-Ungarn:
Briefe  bis  15  g  .  .  .  .  10  Heller
Postkarten  5  „

Aus  Montenegro:
Briefe  bis  15  g  10  Para
Postkarten  .  5  Para  (=  5  Centimes)

4.  D  er  Oesterreich-'Ungarisch-'Serbische  Postverein.
(Seit  1868  und  1894.) 4 )
Mitglieder:  Oesterreich,  Ungarn,  Bosnien,  Herzegowina,  Serbien  (48  303  qkm;
2,74  Mill.  Einw.).
Vereinsporto:
Aus  Oesterreich-Ungarn:  Briefe-,  15  gr  10  Heller.
Postkarten  (aus  Ungarn):  5  Heller.
Aus  Serbien  nach  Ungarn:  Briefe:  15  g  10  Para  (=  Centimes).
Postkarten-,  5  Para  (=  Centimes);  (beides  zugleich ­
  interne  Taxen.)
Aus  Serbien  nach  Oesterreich:  Briefe  15  g  15  Para  (=  Centimes).

2 )  Vgl.  Archiv  für  Post  und  Telegraphie  (Berlin  1902),  S.  46—48  und  704—706.
Luxemburg  gehörte  übrigens  vom  1.  Januar  1852  bis  1.  Mai  1878  schon  einmal
zum  Deutsch-Oesterreichischen  Postverein,  während  es  jetzt  bloss  mit  Deutschland  im
Verein  steht.  Vgl.  J.  P.  Reis,  Histoire  des  postes  etc.  (Luxemburg  1897),  S.  249  und  280,
und  Stephan,  Geschichte  der  preussischen  Post,  S.  525;  ferner  ,,D  e  u  t  s  ch  e  Verkeil  r  s  -
Zeitung“  1900,  S.  453  f.  und  1902,  S.  450  f.
3 )  Uehereinkommen  vom  25.  Mai  1871  und  Erneuerung  vom  10.  April  1895  usw.
4 )  Uehereinkommen  vom  14.  Dezember  1868  und  vom  26.  Mai  1894  usw.
        <pb n="293" />
        254

5.  Der  SerbisclvBulgarische  Postverein.
Mitglieder:  Serbien;  Bulgarien  (96  345  qkm;  4  Mül.  Eiuw.).
Vereinsporto:
Aus  Bulgarien:  Aus  Serbien:
Briefe-,  15  g.  10  Stotinki  (Centimes)  Briefe-,  15  g  .  .  15  Para  (Centimes)
Postkarten  5  Sto.  Drucksachen:  50  g  .  .  .  .  5  Para.
Drucksachen  etc.-.  50  g  .  .  .  5  „  Der  interne  bulgarische  Tarif
Zeitungen-,  50  g  ......  1  „  für  Briefe  beträgt  15Centimes  (15g),
der  serbische  10  C.

6.  Der  BulgarisdvRumänische  Postverein.
Mitglieder;  Bulgarien;  Rumänien  (431  353  qkm;  6,7  Mill.  Einw.).
Vereinsporto  (dem  internen  Briefporto  gleich);

Aus  Rumänien:
Briefe-.  15  g.  .  15  Bani  (Centimes)

Aus  Bulgarien;
Briefe-,  15  g  .  15  Stotinki  (Centimes)

7.  Der  PortugiesisclvSpanische  Postverein.
Mitglieder:  qkm:  Mill.  Einw.:
Portugal  92  575  5,42
Portugies.  Kolonien  (ohne  Macao  und  Timor)  .  .  2  073  619  6
Spanien  (ohne  Guinea  und  Goldküste)  504  903  19,6
Republik  Andorra  452  0,005
Gesamtgebiet:  2  671  549  31,025
Vereinsporto  (im  wesentlichen  dem  Inlandsporto  gleich):

Aus  Spanien:
Briefe-,  15  gr  .  .  .  .  10  Centimes
Postkarten  5  „
Drucksachen  usw.  :50  g  2  „
Zeitungen:  50  g  .  .  .  1  „

Aus  Portugal  und  Kolonien:
Briefe:  15  g  25  Reis

Postkarten  .
Drucksachen  usw.  :50g.
Zeitungen;  50  g.  .  .  .

10  „
2  Van

(10  Reis  =  4,53  Pf.  Metallwert,  3,6  Pf.  fakt.  Papierwert.)
Diese  Tarife  gelten  nicht  nur  für  beide  Stammländer  (Spanien  und  Portugal
mit  den  Inseln),  sondern  im  wesentlichen  (bis  auf  den  internen  Brieftarif) ­
  auch  nach  und  von  den  auswärtigen  Besitzungen;  aus
Spanien  nach  den  portugiesischen  Kolonien  oder  umgekehrt, ­
  aber  stets  nur  auf  dem  Wege  über  Portugal.
Die  Weltportosäfze  Portugals  und  Spaniens  sind:  Briefe-.  20  g  50  Reis
oder  25  Centimes  (weitere  20  g  30  R.  oder  15  C.);  Postkarten-,  20  R.
oder  10  C.;  Drucksachen  usw.:  50  g  10  R.  oder  5  C.
Der  innere  spanische  Drucksachen-  und  Zeitungstarif  ist  noch  billiger  als
der  Vereinstarif.
        <pb n="294" />
        255

8.  Der  BelgisclvNiederländische  Postverein.
(Seit  dem  1.  Juli  1892.) 5 )

Mitglieder:  qkm:  Mill.  Einw.:
Belgien  29  455  .  7,24
Niederlande  33  078  5,70
Gesamtgebiet:  62  533  12,04

VereinspoHo  (bülier  als  das  Inlandsporto):

Aus  Belgien:
Briefe  15  g  ....  20  Centimes
Drucksachen  15  g  .  .  2
»  50  g  .  .  5  „
Zeitungen  40  g  .  .  .  2  „
„  100  g  .  .  .  5  „

Aus  Holland:

Briefe  15  g  ...

.  10

Cents

Drucksachen  15  g  .

1

11

,1  50  g  .

•  2V*

11

Zeitungen  40  g  .  .

1

11

„  100  g  .  .

■  2Vs

11

Postkarten  und  Drucksachen  im  Kuvert  ohne  Ermäs_sigung  der  Weltportosätze.
1  Centime  =  0,81  Pf.  1  Cent  —  1,687  Pf.

9.  Der  BelgischdLuxemburgische  Postverein.
(Seit  dem  22.  Mai  1867.) *  5  6 )
Mitglieder:  Belgien  und  Luxemburg.
Vereinsporto:
Briefe:  15  g  20  Centimes;  Drucksachen  (unter  Streifband  oder  offen,  aber
niclit  im  Kuvert):  50  g  2  Centimes.  Seit  dem  1.  Juli  1909  gelten  die
Inlandstaxen  für  Briefe  (10  C.  je  20  g)  und  Postkarten  (5  C.)  [vgl,  „D.
Verk.-Ztg.“  1909,  S.  395].
Im  übrigen  Weltpostvereinsporto.
10.  Der  Skandinavische  Postverein.
(Seit  dem  1.  Juli  1892.) 7 )

Mitglieder:  qkm;  Mill.  Einw.
Dänemark  (mit  den  Par-Oeern  und  Grönland) 8 )  .  2  210  134  2,6
Schweden  447  861  5,3
Norwegen  322  987  2,3

Gesamtgebiet:  2  980  985  10,2
5 )  Postvertrag  vom  23.  Juni  1892.  Vorher,  am  10.  Juli  1888,  schon  ein  Uehereineinkommen
  (vom  1.  August  1888  in  Kraft)  über  Drucksachen  und  Zeitungen.  (Vgl.  Union
postale  1888,  S.  156).
fi )  Nachher  erneuerte  und  teilweise  abgeänderte  Abkommen  vom  19.  Juni  1875  u.  a.
Vgl.  Reis,  Histoire  dos  postes  (Luxemburg  1897],  S.  280  f.  Im  Grenzverkehr  teils  noch
billigere  Taxen.  —  Auch  für  einen  be]gisoh-französischen  Postverein  (mit  einem
Briefporto  von  15  Centimes  statt  25  Centimes)  trat  die  französische  Presse  unlängst
wiederholt  ein.  (Vgl.  Deutsche  Verkehrs-Zeitung  1906,  S.  501).  Doch  machten  die  Regierungen ­
  finanzielle  Bedenken  dagegen  geltend.
7 )  Vgl.  „L’Union  postale“  1893,  S.  179  und  1895,  S.  96.
8 )  Auch  Grönland,  2169  750  qkm,  davon  88100  gletscherlos,  mit  12000  Einw.,  gehörte ­
  bisher  mit  dazu  zu,  obwohl  das  in  der  neuesten  Publikation  des  Berner  Bureaus
nicht  mehr  ausdrücklich  gesagt  wird,  wie  1902.
        <pb n="295" />
        256

Vereinsporto:  der  innere  Tarif.
Briefe  bis  20  g  (15  g  Dänemark)  10  Oere  (11,25  Pfg.);  bis  125  g  20  Oere;
bis  250  g  30  Oere.  (Schwerere  Briefe  nach  der  Weltposttaxe.)  Post,
karten  ’5  Oere  (5,62  Pf.).  Drucksachen  usw.  zum  Weltposttarif  (5  Oere
je  50  g).
Weltposfvereinsporto:
Briefe:  20  g  20  Oere,  weitere  20  g  je  10  Oere;  Postkarten:  10  Oere  usw.

11.  Der  Nordamerikanische  Postverein.
(Seit  1875  und  1885) 9  *  *  *  *  *  15 )

Mitglieder:  qkm:
Die  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika  (nebst
den  Kolonien:  Puerto  Pico,  den  Philippinen,
Marianen,  Samoa  usw.)  9  727  036
Canada  9  897  571
Mexico  1  987  201
Republik  Cuba  118  833
Republik  Panama  87  480

Gesamtgebiet:  21818  121

Mill.  Einw.:

91,8
6
13,6
1,95
0,34
113,69

9 )  Der  südamerikanische  Postverein.
Man  kann  in  gewissem  Sinne  auch  von  einem  südamerikanischen  Postverein
reden.  Allerdings  nur  cum  grano  salis.
Mit  Ausnahme  Chiles  stimmen  die  südamerikanischen  Republiken  nämlich  darin
überein,  dass  sie  zum  Weltporto  noch  einen  besonderen  Seeportozuschlag  erheben,
der  allerdings  verschieden  hoch  ist  und  nicht  immer  alle  Arten  von  Sendungen  trifft.
Im  Nachbarverkehr  unter  einander  fällt  dieser  Zuschlag  meist  weg;  da  gilt  also
das  niedrigere  Porto  des  Weltpostvereins.
Dieser  Portozuschlag  für  besonders  weite  Seestrecken  darf  nach  Artikel  5,  §  2
des  Weltpostvertrags  höchstens  betragen:  für  Briefe  (einfach)  25  Centimes,  für  Postkarten ­
  5  0bntim.es  und  für  andere  Sendungen  (je  50  g)  6  Centimes.
Aus  Argentinien  z.  B.  zahlt  man  für  Briefe  (15  g)  nach  Brasilien,  Chile?
Uruguay,  Paraguay  und  Bolivien  12  Centavos,  nach  andern  Ländern  aber
15  Centavos.  (1  argentin.  Centavo  =  1 /i 00  Peso  =  in  Gold  nominell  0,405  Pf.;  nach  der
faktischen  Papierwährung  aber  nur  0,178  Pf.)
Ausserdem  haben  einige  südamerikanische  Staaten  noch  besondere  Vereinbarungen ­
  getroffen.
In  Peru  werden  periodische  Presserzeugnisse  des  Inlands  portofrei
auch  nach  Bolivien  befördert;  ebenso  (aus  Peru)  Korrespondenzen  an  die  Behörden
von  Argentinien,  Bolivien,  Brasilien  und  Ecuador.
Bolivien  befördert  portofrei  Korrespondenzen  an  die  Behörden  Perus  und
Presserzeugnisse  nach  Peru,  Chile,  Ecuador.
Aus  Argentinien  gehen  Briefschaften  an  die  Behörden  Perus  ebenfalls  unentgeltlich. ­

Beiläufig  sei  hierbei  bemerkt,  dass  in  Columbien,  Chile,  Bolivien  und
Paraguay  Zeitungen  überhaupt  portofrei  befördert  werden.
Auch  in  Costa  Rica,  Guatemala,  Honduras,  Salvador  ist  das  der  Fall.
Nur  Zeitungen  im  Ortsverkehr  werden  in  der  Regel  nicht  unentgeltlich  expediert.
Das  oben  erwähnte  Zu  Schlags  porto  wird  auch  in  Zentralamerika  und
manchen  andern  Ländern  für  Ausländsbriefe  über  weite  Seestrecken  erhoben.
        <pb n="296" />
        257

Die 1  Vereinigten  Staaten  und  Canada  stehen  schon  seit  dem  1.  Februar
1875  in  einem  Postvereinsverhältnis  auf  Grundlage  des  Inlandsportos 10  *  *  *  *  *  *  17 );
Mexico  und  die  Union  etwa  seit  1885 11 ).
Geldsorten.  In  Canada,  den  Vereinigten  Staaten  und  Panama  Gold-Dollar
zu  100  Cent;  1  Dollar  (Gold)  =  4  M  19,8  Pf.;  1  Cent  =  4,198  Pf.
1  mexican.  Dollar  (zu  100  Centavos)  seit  1901/05  gesetzlich  =  2  M  10  Pf.
Gold;  also  1  Centavo  =  2,1  Pf.  In.Cuba  Pesos  (Dollars)  von  etwa
2Va  M  Wert.
Vereinsporto  (den  internen  Tarifen  entsprechend;  geringe  Abweichungen):
Union  und  Canada.  Briefe:  jede  Unze  (28,34  g)  2  Cents  (8,4  Pf.);  Postkarten: ­
  1  Cent  (4,2  Pf.);  Zeitungen  (an  regelmässige  Bezieher);  1  Cent
pro  Pfund  (453  g),  sonst  1  Cent  für  je  4  Unzen  (113  g);  andere
Drucksachen:  1  Cent  für  je  2  Unzen.
Mexico  (nach  der  Union,  Cuba,  Canada).  Briefe:  je  15  g  5  Centavos  (10,5  Pf.);
Postkarten:  2  Centavos  (4,2  Pf.);  Drucksachen  und  Warenproben:  je  100  g
1  Centavo  (2,1  Pf.);  Zeitungen:  je  500  g  2  Centavos.
Weltposlvereinsporto:
Union  und  Canada.  Briefe:  die  erste  Unze  5  Cents,  weitere  Unzen  je
3  Cents;  Postkarten:  2  Cents;  Drucksachen  usw.:  je  2  Unzen  1  Cent.
Mexico.  Briefe:  20  g  10  Centavos  (21  Pf.),  auch  weitere  20  g  je  10  Centavos.
Postkarten:  4  Centavos  (8,4  Pf;);  Drucksachen:  50  g  je  2  Centavos  (4,2  Pf.).

12.  Der  britische  Antillenpostverein.
Mitglieder:  Die  britischen  kleinen  Antillen  (Leewards-Inseln  oder  Inseln
über  dem  Winde):  Antigoa,  Dominica,  St.  Christoph,  Montserrat,  Nevis,
Virgin  Islands.  Gesamtgebiet:  etwa  1798  qkm  mit  0,132  Million.  Einw.
Vereinsporto:
Briefe:  1  Penny  (SV-^Pf.)  für  ! /a  Unze  und  Va  Penny  (4 1 /,!  Pf.)  für  jede  weitere
halbe  Unze  (statt  1  Penny  für  jede  weitere  V2  Unze,  wie  das  sonst
nach  England  und  den  britischen  Kolonien  der  Fall  ist).
Vielleicht  ist  neuerdings  das  Briefgewicht  auch  schon  erhöht.  Ich  weiss
es  nicht.

10 )  Vgl.  Archiv  für  Post  und  Telegraphie  (Berlin)  1870.  S.  61.  Damals  war  das
interne  Briefporto  noch  3  Cents  für  1 / 2  Unze.  Auch  für  andere  Sendungen  (Karten,
Drucksachen,  Warenproben)  galt  schon  der  innere  Tarif.
n )  Vgl.  Union  postale,  1885,  S.  36.  Im  Archiv  für  Post  und  Telegraphie  1887,
S.  556  f.  ist  ferner  eine  Uebereinkunft  der  Union  mit  Mexico  vom  31.  Juni  1887  erwähnt,
■wonach  diese  Länder  sich  für  geschlossene  Briefpackete  freien  und  unentgeltlichen
Transit  im  Verkehr  miteinander  und  mit  fremden  Staaten  zu  Lande  und  auf  den  subventionierten ­
  Seepostlinien  gewährleisten,  auch  für  den  Transit  aus  fremden  Gebieten.
Vgl.  auch  Archiv  für  Post  und  Telegraphie  1906,  187  f.,  (Briefportoentwicklung).  -  -  Cuba
hat  eine  selbständige  Postvelnvaltung  (vgl.  Union  postale,  1901,  S.  185  und  183—185).

17
        <pb n="297" />
        258

13.  Der  südafrikanische  Postverein.
(Seit  dem  1.  Januar  1898.) 12 )

Mitglieder;  qkm;  Milk  Einw.:
Britisch:  Kapkolonie  717388  2,50
„  Natal  (mit  Sululand)  ......  93  676  1,15
„  Orangeflusskolonie  125  200  0,39
„  Transvaal  .  .  .  304  913  1,40
„  Rhodesia  1  507  300  1,50
Portug.:  Mozambique  (mit  GasaLorenzo  usw.)  761  100  2,30
Gesamtgebiet  3  509  577  9,24

a)  Vereinsporto  (zugleich  das  innere  Porto):
Briefe:  Jede  */ ä  Unze  (14,17  g)  1  Penny; 13 )  Postkarten:  */ 2  Penny  (4,25  Pf.);
Drucksachen,  Warenproben,  Geschäftspapiere:  je  2  Unzen  (56,7  g)  */ 2 d;  Warenproben ­
  mindestens  1  d;  Zeitungen:  nur  Id  für  je  4  Unzen.
In  Portugiesisch  Stid-Ostafrika  entsprechend:
Briefe:  25  Reis;  Drucksachen  usw.:  Je  50  g  5  Reis;
Postkarten:  10  Reis;  Zeitungen:  50g  2 x / 2  Reis.
(10  Reis  =  4,53  Pf.  Metallwert  und  3,6  Pf.  fakt.  Papierwert.)
b)  Weltpostvereinsporto:
Briefe:  Transvaal  und  Siidrhodesia:  die  erste  x / 2  Unze  2 x / 2  d,  jede  weitere
Va  Unze  l'/a  d;  Nordrhodesia,  Natal,  Kapland,  Oranje  jede  x / 2  Unze
2*/ a  d;  Mozambique:  20  g  50  Reis,  weitere  20  g  je  30  Reis.
Postkarten:  1  d  (20  Reis).  Drucksachen  x / a  d  (10  Reis).

14.  Der  australische  Postverein.
(Etwa  seit  1891.) ,4 )
Mitglieder;  qkm:
Der  australische  Bundesstaat  (mit  Britisch-Neuguinea.
  Tasmanien  und  den
Macquarie-,  Howe-  und  Norfolkinseln)  7  929  009

Neu-Seeland  (mit  Inseidependenzen  .  .  .  271  166
die  Eidjiinseln  .  .  20  045

Gesamtgebiet:  8  220  220

Milk  Einw.;

4,1
0,95
0,125
5,775

12 )  Vgl.  L’Union  postale  (Bern).  1898,  S.  129—132  und  1899,  S.  174—78.  Ferner  „Archi  v
f.  Post  u.  Telegraphie“  (Berlin),  Jahrgang  1900,  S.  293—298  („Der  südafrikanische  Postverein“). ­
  —  Rhodesia  trat  dem  Pennyporto  für  Südafrika  und  dem  Postverein  erst  vom
1.  Jan.  1903  ah  bei  (Union  postale  1904,  S.  165).  Bis  auf  den  Oranjefreistaat  gewähren  sich
die  südafrikanischen  Länder  gegenseitig  unentgeltlichen  Transit.  lieber  die  Vorgeschichte
siehe  auch  Archiv  für  Post  und  Telegraphie,  1899,  S.  792  ff.  und  1900,  S.  295.
13 )  In  der  Zusammenstellung  des  Internationalen  Bureaus  (Bern)  vom  Juli  1907
wird  1 / 2  Unze  angegeben,  so  wie  oben;  doch  da  England  etwa  seit  dem  1,  Okt.  1907  das
Briefgewicht  für  den  Verkehr  mit  den  Kolonien  von  1 j-&amp;gt;  auf  1  Unze  (Porto  1  Penny)  und
der  Weltpostverein  es  von  15  auf  20  g  erhöht  hat,  so  wird  vermutlich  wohl  auch  in  Südafrika ­
  schon  die  volle  Unze  gelten.  Vgl.  Deutsche  Verkehrszeitung  1908,  S.  520.
14 )  Ueber  seine  Entstehung  vgl.  Archiv  für  Post  und  Telegraphie  (Berlin)  1891,
S.  335  f.  Auf  den  Postkonferenzon  zu  Melbourne  (1889)  und  Adelaide  (1890)  brachten  die
        <pb n="298" />
        259

Vereinsporto  (Stand  vom  Juli  1907),
im  Wesentlichen  dem  eiuzeistaatlichen  Inlandsporto  gleich:
Briefe:  je  V 2  Unze  (14,17  g)  2  Pence  (17  Pf.);  Postkarten:  1  Penny  (8V a Pf.);
Drucksachen,  Geschäjtspapiere,  Warenproben:  1  d  je  2  Unzen  (56,7  g),
Drucksachen-Maximnm  4  Pfund,  Warenproben  und  kleine  Pakete  (mit
Waren)  1  Pfund  (453  g);  Bücher:  1  d  für  je  4  Unzen  (113,3  g),  Maximum
3  Pfund;  Zeitschriften  und  Zeitungen:  */ 2  d  (4,25  Pf.)  für  jedes  Exemplar
bis  zu  10  Unzen  (283,4  g),  darüber  ^d-  je  4  Unzen;  Zeiliingspakete  vom
Verleger  1  d  pro  Pfund;  (aus  Neu-Südwales  und  Neuseeland  auch
Kartenbriefe  zu  1V 3  d,  statt  2  d).
Hie  und  da  bei  den  Drucksachentarifen  einige  Unterschiede  der  einzelnen
Staaten.
Weltporto  (siehe  Anmerkung  14):
Für  Briefe  2*/ 2  d,  für  Karten  und  Drucksachen  bei  weiten  Seestrecken  Seeportozuschläge.

Im  übrigen  hat  Australien  in  seinem  Post  Vereinstarif  sämtliche  Arten  *  1  *  *  *  S.

australischen  Festlandsstaaten,  die  sich  vorher  wie  fremde  Länder  behandelten,  einen
Postvereinsvertrag  zustande,  der  1891  und  1892  revidiert  wurde.  Die  Grundsätze  dos
Weltpostvereins,  dem  sie  seit  dem  1.  Oktober  1891  angehören,  kamen  darin  auch  zur
Geltung.
Das  australische  Postvereinsporto  wurde  schon  damals  so  festgesetzt:
Briefe  2  Pence  (17  Pf.)  für  jede  halbe  Unze  (11,17  g);  Postkarten  1  d  (8 1 / 2  Pf.);
Bücher  1  d  für  je  4  Unzen  (118,8  g):  andere  Drucksachen  1  d  für  je  2  Unzen  (56,7  g);
Zeitungen  besonderer  Vorzugspreis.  Das  Weltporto  beträgt  ja  für  Briefe  2  '/ 2  d  ( 1 / 2  Unze);
Postkarten  1  d  und  eventuell  1 j-&amp;gt;  d  Seeportozuschlag;  Drucksachen  usw.  1 / 2  d  für  2  Unzen,
doch  oft  ebenfalls  1 / 2  d  Seeportozuschlag.
Der  Vereinstarif  glich  im  wesentlichen  dem  innern  Tarif  der  Einzelstaaten.  So
ist  es  auch  heute  noch.
Schon  1891  wurde  das  Pennyporto  auf  der  Konferenz  zu  Sydney  angestrebt,  aber
nicht  durchgesetzt.
Mit  dem  Zusammenschluss  der  australischen  Festlandsstaaten  zu  einem  Staatenbund
  (1.  Januar  1901)  wurde  ein  einheitliches  Bundespostwesen  geschaffen,  das  am
1.  März  190.1  ins  Leben  trat  (vgl.  Archiv  für  Post  und  Telegraphie  1908,  S.  88—94:  „Postnnd
  Telegraphengesetz  des  australischen  Bundes“)  und  seit  dem  1.  Dezember  1901  einem
neuen  Postgesetz  unterlag,  worin  die  Posttaxen  allerdings  nicht  geregelt  sind.
Auch  eine  einheitliche  australische  Bundespostmarke  wird  geschaffen  werden.
Einstweilen  geben  die  Einzelstaaten  aber  noch  für  einige  Jahre  besondere  Marken
heraus,  da  danach  die  Grösse  des  Verkehrs  und  der  Massstab  für  die  künftige  Verteilung ­
  der  Ueberschüsse  festgestellt  werden  soll  (vgl.  Deutsche  Verkehrs-Zeitung  1908,
S.  406).  Der  Bund  hat  auch  (seit  1908)  für  den  Verkehr  nach  Europa  eine  besondere
Postdampferlinie  (nach  Brindisi)  mit  2 1 / 2  Millionen  Mark  jährlich  (125000  &amp;lt;£)  subventioniert ­
  (Deutsche  Verkehrs-Zeitung  1906,  S.  393).
Zum  australischen  Postvereiu  gehören  ausser  dem  Festland  noch  Britisch-Neu-Guinea,
  Tasmanien,  Neu-Seeland  (mit  selbständiger  Postverwaltung),  die  Fidji-Inseln
und  die  Neuen  Hebriden.
Ein  ganzer  Weltteil  ist  somit  postalisch  geeint.  —  Vom  1.  April  1905  ab  gilt
auch  von  England  nach  Australien  das  Pennyporto  für  Briefe  p/a  Unze);  umgekehrt;
aus  Australien  nach  England,  zahlt  man  freilich  noch  2  Pence,  da  das  Inlandporto
noch  2  d  beträgt  (vgl.  Deutsche  Verkehrs-Zeitung  1905,  S.  17c).  Neuerdings  (Okt,  1907)
ist  wohl  auch  das  Briefgewicht  in  diesen  Verkehrsbeziehungen  von  1 / 2  auf  1  Unze  erhöht
worden.

17*
        <pb n="299" />
        260

Briefpostsendungen  zu  verzeichnen,  nicht  bloss  Briefe,  wie  das  Imperial-Penny
  Postage  des  gesamten  britischen  Weltreiches.
Neu-Seeland  seinerseits  unterhält  wieder  mit  England  und  Canada
eine  Art  Sonderpostverein,  ein  Sonderporto  in  bezug  auf  Zeitungen-.
1  d  für  jede  Zeitung  (Zeitschrift)  ohne  Rücksicht  auf  das  Gewicht.
Und  Mexico,  ein  fremdes  fernes  Land,  behandelt  es  in  bezug  auf
Briefe  als  Inland:  1  Penny  für  V-2  Unze.  Das  ist  aber  ein  einseitiges
Verhältnis,  da  von  Mexico  nach  Neuseeland,  soviel  ich  ersehen  kann,
der  Weltportosatz  angewendet  wird.

15.  Der  ostindische  Postverein.

Mitglieder:  qkm:  Mill.  Einw.:
Britisch-Indien  (mit  Aden) 15 )  4  809  104  295,2
Ceylon  65  996  4
Portugiesisch-Indien  3  658  0.5

Aus

Gesamtgebiet:  4  878  758  299,7
Vereinsporto  (das  interne  indische  Porto): 16 )
Britisch-Indien:  Briefe-,  bis  1  Tola  (11,60  g)  , / 2  Anna  (4,25  Pf.),
-über  1—3  Tola  1  Anna  (8Vs  Pf.),  weiter  je  3  Tola  (35  g)  1  Anna;
Postkarten-,  1 / i  Anna  (2,12  Pf.);  Bücher  und  Warenproben:  &amp;gt;/ a  Anna
(4,25  Pf.)  je  lOTolas  (116g);  eingetragene  Zeitungen:  1 / t Anna  (2,12  Pf.)
bis  6  Tolas  (70  g),  6  —  20  Toläs  V 2  Anna,  weiter  je  20  Tolas  ’/a  Anna.
Aus  Ceylon;  Briefe:  5  Cents  (=  9,6  Pf.  Wert)  jede  Unze  (28,34  g);  Drucksachen: ­
  2  Cents  (3,85  Pf.)  4  Unzen  (116  g),  je  2  Unzen  (56,79  g)

mehr  2  Cents.
Aus  Portugiesisch-Indien:  Briefe  (einfach)  0  Reis);  Postkarten:  3  Reis;
Drucksachen:  je  50  g  4 , / 3  Reis;  Warenproben:  100  g  9  Reis,  weiter
je  50  g  4Va  Reis.
Britisch-Indien  steht  sonst  ja,  wie  alle  Kolonien  Englands,  noch  im  Pennyporto-Postverein, ­
  also  Briefe  nach  Grossbritannien  oder  englischen
Besitzungen  zahlen  1  Anna  (l  Penny)  Porto.
Das  indische  Weltporto  nach  dem  Auslande  beträgt  2 1 / 2  Annas  oder  Pence
für  die  erste  Unze  und  U/a  Anna  für  jede  weitere  Unze  (28,3  g);
Postkarten:  1  Anna;  Drucksachen  usw.:  ! /ä  Anna  (2  Unzen).

16.  Der  malaiische  Postverein  (in  Malakka).

Mitglieder:  qkm:  Mill.  Einw.:
Die  Straits  Settlements  (Singapore  usw.)  ....  3952  0,61
Die  föderierten  malaiischen  Schutzstaaten  .  .  .  88  000  1,12
Die  Insel  Labuan  (bei  Borneo)  78  0,01
Gesamtgebiet:  91  930  1,74

15 )  Die  britisch-indische  Post  verwaltet  auch  den  Postdienst  in  Aden,  Birma  und
unterhält  Postanstalfen  in  Zanzibar,  am  persischen  Golf,  in  Arabien,  Belutschistan,
Bagdad  und  Basra.  Auch  Sokotra  gehört  zu  Indien.
lß )  1  Rupie  —  1 /j5  £  -  -  I  s  4  d,  also  16  d  —  lo  Anna  1,36  Mark.  1  Anna  1  Penny
(8 l / 2  Pf.).  1  Tola  11,66  g.
        <pb n="300" />
        261

Vereinsporto:
Briefe;  3  Cents  (etwa  6  Pf.)  für  je  2  Unzen  (56,7  g);  Postkarten:  1  Cent;
Drucksachen:  1  Cent  für  3  Unzen  (85  g),  je  2  Unzen  mehr  1  Cent
(=  1,93  bis  2,10  Pf).
(Die  Silberdollars,  nominell  4,2  M,  hatten  dort  1905  nur  einen  faktischen
Wert  von  1,93  M.  Auch  mexikanische  Dollars  (2,1  M  Wert)  kursieren ­
  dort.)
Weltporto:
Briefe:  8  Cents  1  Unze,  jede  weitere  Unze  5  Cents;  Postkarten:  3  Cents;
Drucksachen:  1  Cent  jede  Unze.

17.  Der  Postverein  von  Hongkong.

Mitglieder;  qkm:
Hongkong  mit  Pachtgebiet  1  053
Canton  (engl.  Postamt)
Macao  (portugies.)  10

Mill.  Einw.:
0,57
0,90
0,06

Gesamtgebiet:  1,53
Vereinsporto  (1  Cent  =  1,93  bis  2,10  Pf.  Vgl.  S.  298):
Briefe:  2  Cents  (etwa  4,2  Pf.)  jede  V2  Hnze  (14,17  g).  (Briefe  aus  Hongkong
nach  England  und  seinen  Kolonien,  nach  Ägypten  und  China  4  Cents
je  Va  Unze.)
Weltporto:
Hongkong:  10  Cents  1  Unze,  6  Cents  jede  weitere  Unze;  Postkarten:  4  Cents;
Drucksachen:  jede  Unze  2  Cents.

18.  Der  Postverein  Russlands  mit  China.
(Vgl.  S.  3ll  f.).
19.  Die  Postvereine  Chinas  mit  Korea  und  Indo-'China.
(Vgl.  S.  311,  310.).

B.  Grenzverkehrs-Postvereine.
Bei  einer  Anzahl  von  Ländern  bestehen  entsprechend  der
Zulässigkeit  nach  Artikel  20,3  des  Weltpostvertrags  besondere
Abkommen  mit  den  Nachbarstaaten,  wonach  im  Glrenzverkehr
vom  Inland  nach  dem  Ausland  auf  30  km  geradlinigen  Abstand
vom  Absendungs-  bis  zum  Empfangspostamt  Portoermässigungen
Platz  greifen  dürfen.  Gewöhnlich  gilt  für  solche  Beziehungen
das  innere  oder  sonst  ein  ermässigtes  Porto  statt  des  AVeltportos,
meistenteils  jedoch  nur  für  Briefe.  In  Deutschland  gab  es  1899 1 )
*)  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs  -  Zeitung“  1899,  Nr.  22,  S.  277  (in  dem
Artikel  „Weltpost-Briefporto“,  der  auch  in  Kürze  auf  die  bestehenden  Postvereine ­
  eingeht).
        <pb n="301" />
        262

allein  für  den  Verkehr  mit  der  Schweiz  275  deutsche  Postanstalten, ­
  die  die  Grenztaxen  anzuwenden  in  der  Lage  waren.
Einige  Länder  haben  auch  ermässigte  Taxen  mit  ganzen
angrenzenden  Teilen  anderer  Länder,  z.  B.  Rumänien  mit  der
angrenzenden  österreichischen  Provinz  Bukowina  (10  441  qkm
mit  788  000  Einwohnern),  die  Entfernungen  von  etwa  100  km
aufweist.  Ebenso  Spanien  mit  dem  daran  grenzenden  britischen
Gibraltar  (833  qkm  mit  24  000  Einwohnern).
Solche  Grenzverkehrs-Postvereine  (vgl.  S.  34  f.)  haben
folgende  Länder:
1.  Deutschland  im  Verkehr  mit  Belgien,  Holland,  Dänemark
und  der  Schweiz.
2.  Dänemark  (30  km)  mit  Deutschland  (Briefporto  10  Oere  für
je  20  g,  Minimum  für  Warenproben  und  Geschäftspapiere ­
  8  Oere).
3.  Belgien  mit  Deutschland,  Frankreich,  Luxemburg,  Holland.
4.  Holland  mit  Belgien  und  Deutschland.
5.  Luxemburg  mit  Belgien  (Briefe  10  Centimes  je  15  g,  Drucksachen ­
  2  Centimes  je  50  g).
6.  Frankreich  mit  Belgien,  Spanien,  der  Schweiz.  (Im  Verkehr
mit  der  Schweiz  und  Belgien  10  Centimes  für  15  g,
mit  Spanien  15  Centimes  für  15  g).
7.  Spanien  mit  Frankreich  und  Gibraltar  (engl.).  (Im  Verkehr
mit  Frankreich  Briefe  15  Centimes  je  15  g;  nach  Gibraltar ­
  der  interne  spanische  Tarif:  Briefe  10  Centimes
je  15  g,  Karten  5  Centimes,  Zeitungen  Centime
je  35  g,  andere  Drucksachen  und  Geschäftspapiere
V*  Centime  je  10  g,  Warenproben:  Kollektionkartons
2  Centimes  je  20  g,  Einzelstücke  5  Centimes  je  20  g).
8.  Gibraltar  mit  Spanien  (Briefe  1  Penny  1  Unze,  Postkarten
Va  Pbnny).  (Nach  ganz  Spanien).
9.  Die  Schweiz  (30  km)  mit  Frankreich,  Deutschland,  Oesterreich ­
  (10  Centimes  für  je  20  g).
10.  Oesterreich  mit  der  Schweiz  (30  km)  und  die  österreichische
Bukowina  mit  Rumänien.
11.  Rumänien  mit  Oesterreichs  Provinz  Bukowina  (Briefe
15  Centimes).
12.  Hongkong  mit  Macao  und  Canton  (China).  (Vgl.  S.  261).
        <pb n="302" />
        263

C  Kolonialreichs  -  Postvereine.
In  der  letzten  Zeit  ist  die  auffallende  Erscheinung  zutage
getreten,  dass  die  Kolonialstaaten  der  Erde  grosse  Postvereine
des  Mutterlandes  mit  den  weitverstreuten  Kolonien  gebildet
haben,  so  dass  inf  ganzen  Gebiet  eines  solchen  Reiches  nicht
das  Weltpostvereinsporto,  sondern  ein  niedrigeres,  besonderes
Porto  gilt,  gewöhnlich  das  interne  Porto,  sei  es  nun  für  Briefe
allein,  wie  im  britischen  Weltreich,  oder  sei  es  auch  für  die
andern  Briefpostsendungen,  für  Postkarten,  Drucksachen,  Warenproben ­
  und  Gescliäftspapiere.
In  manchen  Ländern  galt  schon  längst  der  interne  Tarif
auch  für  einen  Teil  der  Kolonien,  z.  B.  Frankreich  und  Algier,
Italien  und  Erythräa  oder  Dänemark,  die  Färöer  und  Grönland.
Im  letzten  Jahrzehnt  aber  ist  diese  postalische  Tarifeinheit  nahezu
auf  alle  Kolonien  ausgedehnt  worden,  auch  da,  wo  diese  sich
grosser  Selbständigkeit  erfreuten  und  eigene,  ganz  unabhängige
Postverwaltungen  besassen.  Die  Erkenntnis,  dass  der  Weltposttarif ­
  noch  viel  zu  teuer  sei,  um  ganz  ungehinderten  Verkehr  zu
ermöglichen,  ist  dabei  natürlich  ausschlaggebend  gewesen,  wenn
auch  oft  politische,  nationale  und  imperialistische  Gedanken
mitgespielt  haben  mögen.
Besonders  diese  Entwicklung  hat  dazu  geführt,  dass  das
Porto  des  Weltpostvereins  jetzt  in  der  wunderlichsten  Weise
durchbrochen  ist,  dass  also  das  billige  Inlandsporto,  z.  B.  etwa
das  englische  Penny  -  Porto,  wie  mit  Polypenarmen  den  ganzen
Erdball  umfasst,  dass  wiederum  von  vielen  anderen  Kolonialreichen ­
  aus  gleiche  Polypenarme  eines  anderen  billigen  Inlandsportos, ­
  etwa  des  französischen  10  -  Centimes  -  Portos  oder  des
deutschen  10  -  Pf.  -  Portos,  die  Welt  umschlingen,  dass  die  so
billigen  Briefbeförderungsstrecken  parallel  laufen  oder  sich  bei
den  Antipoden  berühren  und  kreuzen,  und  dass  die  dicht  beisammenliegenden ­
  oder  aneinandergrenzenden  Mutterländer  oder
deren  Kolonien  sich  dennoch  gegenseitig  als  postalisches  Ausland ­
  behandeln  und  mit  einem  zwei-  bis  zweieinhalbfach  so
hohen  Porto  belegen.  Diese  eingerissene  wunderliche  Buntscheckigkeit
  muss  wieder  aufhören;  es  müssen  Brücken  geschlagen ­
  werden  von  Land  zu  Land,  von  Kolonie  zu  Kolonie,
        <pb n="303" />
        264

von  Seepost  zu  Seepost,  von  Landpost  zu  Landpost,  und  ein
neues,  niedriges,  etwa  dem  -durchschnittlichen  inneren  Tarif
gleiches  Porto  muss  wieder  Einheitlichkeit  in  den  Weltpostverein
bringen.  Das  postalische  Ausland  muss  endlich  zum  postalischen
Inland  werden.  Das  ist  das  letzte  und  nächste  Ziel.  AVenu  man
sieht,  wie  gewaltig  gross  die  bereits  vorhandenen  Kolonialpostvereine ­
  sind,  und  wie  klein  daneben  die  übrigbleibenden  isolierten
Länder,  so  wird  diese  Forderung  doppelt  berechtigt  erscheinen.
Die  nachstehende  Uebersicht  über  die  Kolonialpostvereine
und  ihre  Grösse  und  Einwohnerzahl  soll  das  näher  veranschaulichen ­
 1 ).  Russland,  die  Türkei  und  Japan  rechne  ich  wegen
ihres  ausgebreiteten  Länderbesitzes  auch  zu  den  Kolonialreichen.
Man  wolle  sich  nun  gewärtig  halten,  dass  der  ganze  Weltpostverein ­
  Ende  1907  nach  den  Angaben  des  Internationalen  Bureaus
114  Millionen  Quadratkilometer  mit  1151  Millionen  Einwohnern ­
  zählte,  ohne  Abessinien  (800  000  qkm  mit  8  Milk  Einw.),
das  erst  am  1.  Kov.  1908  beitrat,  und  Ende  1908  waren  es  114,3
Mül.  qkm  und  1166,7  Mill.  Einw. 2 ).  Und  nun  sehe  man  einmal  zu
wie  gewaltige  Gebiete  innerhalb  jener  114  Millionen  Quadratkilometer, ­
  nämlich  solche  von  20—30  Millionen  Quadratkilometer  n
schon  als  einheitliche  Postgebiete  dastehen  und  nur  noch  der
gegenseitigen  Verbindung  harren,  um  von  neuem  ein  zusammenhängendes, ­
  einheitliches  Ganzes  zu  bilden:  das  Welt-Penny-Porto-Gebiet,
  das  neue  Gebiet  des  Inlandsportos.
*)  Leider  fehlt  es  noch  an  einer  zusammenhängenden  wissenschaftlichen
Darstellung  der  Entwicklung  dieser  Kolonialpostvereine  und  der  Postvereine ­
  überhaupt.  Doch  findet  man  einiges  wenige  darüber  in  Aufsätzen  der
„Deutschen  Verkehrs-Zeitung“  1890,  Nr.  20  („Kolonial-  und  Marinebriefe“, ­
  S.  255—256),  und  1899,  Nr.  22  („Weltpostbriefporto“,  S.  277
bis  279).  lieber  den  Stand  des  Portos  der  vorhandenen  Sonderpostvereine
kann  man  sich  unterrichten  in  dem  bereits  erwähnten,  vom  Internationalen
Bureau  des  Weltpostvereins  im  Juli  1907  herausgegebenen  Heft  „Recueil
de  renseignements  d’interet  general  concernant  l’execution  de  la-  Convention
principale  du  26.  Mai  1906“.  Leider  sind  die  Angaben  über  die  Sondertarife ­
  nicht  neben  dem  Weltporto  tabellarisch  und  übersichtlich  zusammengestellt, ­
  sondern  in  hinten  angehängten  Anmerkungen  enthalten,  deren
Exzerpierung  viel  Mühe  und  Zeit  erfordert.  Auch  fehlen  vergleichbare
Münz  wertb  erechuungen.
2 )  Heber  Abessinien  vgl.  „Archiv  f.  P.  u.  T.“  1908,  S.  581  und  „L’Union
postale“  1908,  S.  192.
        <pb n="304" />
        265

Neben  diesen  grossen  Gebieten  gibt  es  natürlich  auch  viele
kleinere,  aber  die  grossen  überwiegen  bereits.
Werfen  wir  nun  einen  Blick  auf  diese  Kolonialreichspostvereine ­
  und  ihr  Porto:

I.  Der  dänische  Kolonialreichs'Postverein.
Mitglieder:  qkm;  Mül.  Einw.:
Dänemark  38  985  2,59
Die  Färöer  1  399  0,016
Grönland  2  169  750  qkm,  davon  bewohnbar  und
gletscherfrei  88  100  0,012

Summa:  128  481  2,62
Gesamtgebiet  mit  ganz  Grönland:  2  210  134
Island  (104  785  qkm  mit  78  470  Einw.)  und  Dänisoh-Westindien
(359  qkm  mit  30  527  Einw.)  stehen  noch  ausserhalb  des  Postvereins,  obwohl
sie  wegen  der  drohenden  Entfremdung  vom  Mutterlande  erst  recht  dazu
gehören  müssten.

Vereinsporto,  dem  Inlandsporto  entsprechend:
Briefe:  10  Oere  (11,25  Pf.)  15  g,  20  Oere  125  g,  30  Oere  250  g  (schwerere
Briefe  15  Oere  für  je  20  g);  Postkarten-.  5  Oere  (5,62  Pf);  Geschäftspapiere-. ­
  mindestens  10  Oere  (100  g).
Weltporto:
Briefe:  20  Oere  (20  g),  weitere  20  g  je  10  Oere;  Korten:  10  Oere;  Drucksachen ­
  usw.:  5  Oere.
Schweden  und  Norwegen  bilden  mit  diesem  dänischen  Postverein
wiederum  einen  besonderen  skandinavischen  Postverein,  wie  bereits
erwähnt  (S.  255).

2.  Der  italienische  Kolonialreichs'Postverein.
Mitglieder:  qkm;  Mill.  Einw.:
Königreich  Italien  286  682  33,64
Erythräische  Kolonie  110  000  0,28
Somaligebiet  mit  Benadir  und  Hinterland  .  .  .  380  000  0,38
Gesamtgebiet:  776  682  34,30
Vereinsporto  (nur  für  Briefe),  dem  Inlandsporto  gleich 1 :)
Briefe:  15  Centesimi  =  12,15  Pf.  für  15  g  (in  Italien  und  Erythräa).
In  Benadir  entsprechend  lV 2  Anna  =  lV 2  Penny  (12,75  Pf.).
r )  In  Italien  wurde  das  inländische  Briefporto  erst  vom  1.  September  1905  ab
von  20  auf  15  Centesimi  herabgesetzt  (vgl.  „D.  Verk.-Ztg.“  1905,  S.  429).  Die  Grösse  von
Erythräa  wird  im  Gothaer  Hofkalender  (1909)  mit  180  000  qkm  angegeben,  in  Hübners
Tabellen  (1908)  mit  110000.
        <pb n="305" />
        26G

Weltporto:
25  Centesimi.
Die  Kolonie  Erythräa  wird  schon  längst  von  der  Post  des  Mutterlandes ­
  mitverwaltet  und  hatte  schon  einige  Jahre  vor  dem  britischen  Kolonialporto ­
  von  1898  ermässigte  Taxen 2 ).  Dem  Weltpostverein  gehören  Benadir
und  Erythräa  erst  vom  1.  Juli  1904  ab  an 3 ).  lieber  den  Postverein  Italiens
mit  Albanien,  Greta,  Aegypten  und  Tunis  wird,  an  anderer  Stelle  berichtet ­
  (S.  277  f.).

3.  D  er  britische  Kolonialreichs'Postverein.
(Seit  Weihnachten  1898.)

Mitglieder:

qkm:

Mül.  Einw.:

a)

Grossbritannien  und  Irland

314  869

44,6

h)

Britische  Besitzungen  in

Europa  (Mittelmeer)

328

0,24

Asien

5  184  015

302,51

Australien  und  Ozeanien

8  257  333

5,99

Amerika

10  340  672

8,31

Afrika

5  774  844

31,14

c)

Aegypten  (türk.  Vasallenstaat  unter  brit.  Einfluss) ­
  mit  dem  Sudan  (ägypt.  -  engl.  Condominium)


3  029  668

14,52

Gesamtgebiet:

32  901  729

407,31

Vereinsporto,  das  sog.  Imperial  Penny  Postage  (nur  für  Briefe):
Briefe-,  1  Penny  (8Va  Pf)  für  jede  1 / 3  Unze  (=  14,17  g).  Neuerdings  mit
einigen  Ausnahmen  1  Penny  für  jede  Unze  =  28,34  g 4  * ).  Dieses
Yereinsporto  gilt  aus  Grossbritannien  oder  Aegypten  nach  den  Kolonien ­
  und  nach  Aegypten  oder  unter  den  Kolonien  im  Verkehr  miteinander ­
  oder  mit  Aegypten  und  England.  In  Canada  beträgt  es
entsprechend  2  Cents  (=  8,4  Pf.),  in  Britisch  -  Indien  1  Anna
(=  1  Penny),  in  Ceylon  6 / 10l)  Rupie  (=  8,IG  Pf.),  in  Singapore  und
Hongkong  4  Cents  (mexikanisch  oder  ostasiatisch)  =  8—8,4  Pf.  Nur
aus  Australien  nach  England,  Aegypten  und  den  britischen  Kolonien ­
  zahlte  man  bisher  und  zahlt  man  auch  jetzt  wohl  noch  2  Pence
(17  Pf.),  dem  australischen  Inlandsporto  entsprechend,
während  in  umgekehrter  Richtung  nur  1  Penny  erhoben  wird.
2)  „Archiv  f.  P.  u.  T.“  1899,  S.  792.
«)  Vgl.  „Union  postale“  1904,  S.  188.
4 )  Vgl.  „D.  Verk.-Ztg.“  (Berlin)  1908,  Nr.  41,  S.  520.  Der  Zeitpunkt,  wann  diese  neue
Gewichtserhöhung  aut'l  Unze  stattfand,  war  anscheinend  der  1.  Oktober  1907,  wo  ja  auch
im  internationalen  Verkehr  20  g  als  einfaches  Briefgewicht  in  Kraft  traten,  ln  England
wird  statt  dessen  eine  Unze  (28,84  g)  angosotzt.  Dem  „Archv  f.  P.  u.  T,"  1908,  S.  379,  ist
ebenso  zu  entnehmen,  dass  diese  Gewichtserhöhung  auf  1  Unze  am  1.  Oktober  1907  Platz
griff  und  mit  einigen  Ausnahmen  allgemein  im  Verkehr  mit  den  Kolonien  eingeführt
wurde.  Für  Warenproben,  Drucksachen  und  Geschäftspapiere  gilt  im
britischen  Kolonialreichsverkehr  ein  erhöhtes  Meistgewicht  (2 1 ..,  kg).
        <pb n="306" />
        —  267  —

Das  britische  Weltporto  beträgt  bekanntlich  2Va  d  für  1  Unze  und  l l / 2  d
für  jede  weitei'e  Unze.
In  Indien  ist  das  Inlandsporto  ( 1 / 2  Anna  =  */a  Penny  für  jede  Unze)
übrigens  noch  weit  wohlfeiler  als  das  Penny-Porto  des  britischen  Gesamtreiohs.

Dieses  grossbritische  Welt-Reichs-Penny-Porto  trat  am  1.  Weihnachtstage ­
  (25.  Dezember)  1898  in  Kraft,  nachdem  vorher  im  Juni  und  Juli  desselben ­
  Jahres  eine  Konferenz  von  Vertretern  der  britischen  Postverwaltungen
stattgefunden  hatte.  Das  Unterhausmitglied  Heimiker  Heaton  hatte  viel
dafür  agitiert  und  wurde  nun  von  englischen  Zeitungen  als  neuer  Rowland
Hill  und  Robert  Peel  gefeiert 5  6 ).  Ja,  die  Stadt  Canterbury,  sein  Wahlkreis,
verlieh  ihm  das  Ehrenbürgerrecht  und  überreichte  die  Urkunde  in  einer
kostbaren  Kassette 0 ).  Da  vorher  viele  englische  Kolonien  nicht  bloss  das
viel  höhere  Weltporto  {•2 1 / 2  d),  sondern  daneben  noch  das  gleich  hohe  Zuschlagsporto ­
  für  weite  Ueberseestrecken  anwandten,  so  war  diese  Portoherabsetzung ­
  in  der  Tat  bedeutend  (oft  von  5  auf  1  d).
Die  Kapkolonie  trat  erst  am  1.  September  1899  dem  Imperial  Penny
Postage  bei 7 ),  Rhodesia  am  1.  Januar  1903,  Neü-Seeland  am  1.  Januar  1901,
Australien  vom  1.  April  1905  ab,  doch  wie  gesagt  so,  dass  das  Penny-Porto
wohl  aus  England  und  den  Kolonien  nach  Australien  gilt,  aus  Australien
dahin  aber  noch  2  d  gezahlt  werden 8 ).  Aegypten,  das  am  1.  Januar  1898
sein  internes  einfaches  Briefgewicht  von  15  auf  30  g  erhöhte  (Inlandsporto 1
5  Milliemes  =  10  Pf.),  ist  am  15.  Dezember  1905  dem  grossbritischen  Penny-Porto
  -Verein  beigetreten,  erhebt  aber,  der  Landesmünze  entsprechend,
5  Milliemes  oder  10  Pf.,  doch  in  diesen  Verkehrsbeziehungen  für  je  20  g
(Gewichtssatz  des  Weltpostvereins).
Das  interne  englische  Penny-Briefporto,seitdemlO.Januar  1840
bekanntlich  1  Penny  für  1 / a  Unze,  erfuhr  seitdem  zwar  keine  Aenderung  des
einfachen  Geldsatzes,  wohl  aber  wurde  das  einfache  Briefgewioht  später  auf
1  Unze  und  am  22.  Juni  1897  gar  auf  4  Unzen  (113,35  g)  erhöht.  So  ist  also  zu
unterscheiden  zwischen  dem  englischen  Penny-Porto  für  das  Inland  (4  Unzen)
und  für  das  britische  Gesamtreich  (1  Unze,  kurz  vorher  noch  1 / 2  Unze),  woneben ­
  dann  das  2 1 / a -Penny-Porto  (1  Unze)  für'  den  Weltpostverein  besteht
England  war  zwar  nicht  das  erste  Land,  das  auch  im  Verkehr  mit
fernen  Kolonien  das  Inlandsporto  einführte,  denn  Frankreich,  Italien  und
Dänemark  hatten  es  schon  vorher  mit  einem  Teil  ihrer  Schutzgebiete,  aber
bei  England  trat  diese  Massregel  wegen  der  Grösse  und  Wichtigkeit  seines
Ländergebiets  zuerst  auffallend  in  die  Erscheinung,  und  bis  auf  Australien
und  Südafrika  umfasste  das  neue  britische  Heichsporto  schon  von  Anfang
5 )  Vgl.  den  Aufsatz  „Die  Portotariformässigungen  Englands  mit  seinen  Kolonien“
im  „Archiv  f.  P.  u.  T. u  (Berlin)  1899,  S.  7t)2—-794,  und  den  Artikel  „Kolonial-  und  Marinebriefe“
  in  der  „D.  Verk.-Ztg.“  1899,  Nr.  20,  S.  255  ff.
c )  Vgl.  „D.  Verk.-Ztg. u  1899,  S.  276.
7 )  Vgl.  Archiv  f.  P.  u.  T.  1902,  S.  363.
8 )  Vgl.  „D.  Verk.-Ztg.“  1905,  S.  176,  und  „Archiv  f.  P.  u.  T. u  1902,  S.  421  ff.
        <pb n="307" />
        268

an  (1898)  so  gut  wie  alle  Kolonien.  Das  englische  Beispiel  wirkte  ferner,
vorbildlich  auf  andere  Kelche,  z.  B.  auf  Deutschland  (1899).  .
Dass  manche  englische  Kolonien  untereinander  noch  besondere  engere
Postvereine  bilden,  die  nicht  bloss  das  Briefporto  betreffen,  ist  an  anderer
Stelle  erwähnt  (Südafrika,  Australien  usw..  vergi.  S.  258).  Einzelne  haben
auch  untereinander  noch  ein  ermässigtes  Zeitungsporto 9 ).  Von  diesen
Einzelheiten  soll  hier  jedoch  abgesehen  werden.
Zu  erwähnen  wäre  noch,  dass  das  allbritische  Kolonial-Penny-Porto
auch  gilt  im  Verkehr  mit  geschlossenen  Briefbeuteln  zwischen  England
und  englischen  Kriegsschiffen  und  für  Briefe,  die  auf  offener  See
in  einem  britischen  Schiff  nach  England  oder  seinen  Kolonien  (nebst
Aegypten)  aufgegeben  werden.
lieber  den  Postverein  mit  China  vergi.  S.  309.

4.  D  er  niederländische  Kolonialreichs-'Postverein.

(Im  jetzigen  Umfang  seit  dem  1.  Januar  1899.)

Mitglieder:  qkm:
Holland  .  .  .  .  ,  33  079
Holländisch-Westindien  und  Guayana  130  231
Holländisch-Indien  1  520  628
Holländisch-Neuguinea  394  789

Mill.  Elnw. :
5,67
0,13
37,72
0,24

Gesamtgebiet;  2  078  727  43,76
Die  ermässigten  Vereinstaxen  gelten  nur  für  den  direkten  Seepostverkehr ­
  zwischen  Holland  und  den  Kolonien.

Vereinsporto
(billiger  als  das  Weltporto,  doch  teurer  als  das  Inlandsporto  Hollands):
Briefe-.  10  Cents  (17  Pf.)  für  je  20  g  (Antillen  und  Guayana  je  15  g);  Postkarten ­
  (ohne  Ermässigung  des  Weltportos):  5  Cents  (8,5  Pf.);  Drucksachen, ­
  Warenproben,  Geschäftspapiere-.  2  Cents  (3,4  Pf.)  für  je  50  g.

Weltporto:
Briefe-,  20  g  li'/a  Cents  (weitere  20  g  je  7Vs  C.);  Drucksachen  usw.-.  2’/o  Cents
je  50  g.
Inlandsporto:
Einfache  Briefe  (15  g)  5  Cents;  Postkarten-,  2*/ a  Cents;  Drucksachen-,  je  1  Cent
für  25  g  (bis  100  g),  schwerere  noch  billiger.
Die  vorstehenden  Angaben  über  das  Vereinsporto  sind  der  neuesten
Zusammenstellung  (Kecueil  de  renseignements  d’interet  general  etc.)  des
Internationalen  Bureaus  des  Weltpostvereins  zu  Bern  (S.  75)  vom  Juli  1907
entlehnt,  die  allerdings  unvollständig  zu  sein  scheint.
Im  Widerspruch  dazu  steht  aber  die  folgende  Mitteilung  aus  der
amtlichen  Zeitschrift  des  Weltpostvereins,  „L’Union  postale“,  1901,  Nr.  9

9 )  Vom  1.  Mai  1907  ab  gilt  im  Verkehr  zwischen  England  und  Canada  einstweilen ­
  für  4  Jahre  auch  ein  billiges  Zeitungsporto:  1  Penny  für  jedes  Pfund  (453  g),
aber  nur  im  direkten  Seeverkehr  mit  Postschiffen,
        <pb n="308" />
        269

(S.  147),  wonach,  schon  seit  dem  1.  Januar  1899  für  den  direkten  Seepostverkehr ­
  zwischen  Niederland  und  Indien  das  Porto  für  Briefe  und  Postkarten ­
  auf  die  Hälfte  ermässigt  wurde,  „so  dass  Briefe  statt  10  Cents  für  je
lö  g  nur  5,  Postkarten  statt  5  nur  2*/ 3  Cents  zu  entrichten  haben.  Es
sind  das  dieselben  Sätze,  welche  bisher  für  Soldatenbriefe  aus  der  Heimat
nach  dem  Kolonialgebiete  erhoben  wurden.“  Drucksachen  mittels  der  direkten
Seepost  dürfen  bis  zu  5kg(statt2)  schwersein.  Das  Briefge  wicht  ist  unbegrenzt.
Hiernach  würde  also  für  Briefe  und  Postkarten  bereits  seit  1899  der
interne  holländische  Tarif  gelten,  wofern  seitdem  nicht  etwa  eine  Portoerhöhung ­
  stattgefunden  hat.  Ermässigungen  im  niederländischen  Kolonialverkehr ­
  überhaupt  waren  —  wie  das  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“
von  1899  (S.  792)  mitteilte  —  schon  „einige  Jahre“  vorher  eingeführt,  also
schon  vor  dem  britischen  Kolonialpostverein  (seit  Ende  1898).
5.  Der  französische  Kolonialreichs'-Postverein.
(Im  jetzigen  Umfange  seit  dem  1.  Januar  1899.)
Frankreich  (mit  Algier,  Tunis  sowie  den  übrigen  afrikanischen  Kolonien,
Madagaskar,  Indochina,  Westindien,  Cayenne,  Neu-Caledonien  und  allen
übrigen  französischen  Schutzgebieten).
Gesamtjrebiet:  6  484  2-13  qkm  mit  87,2  Millionen  Einwohnern.
Vereinstarif  (dem  Inlandsporto  gleich):
Briefe  (Inlandsporto):  10  Centimes  (8,1  Pf.)  für  je  15  g;  Geschäftspapiere
wie  im  Weltpostverein:  5  Centimes  für  je  50  g,  aber  nur  10  Centimes
als  Minimum  (statt  25).
Der  Tarif  gilt  im  Verkehr  von  Frankreich,  Algier,  Tunis  und  dem
französischen  Postamt  in  Tripolis  einerseits,  mit  den  übrigen  französischen
Kolonien  und  Niederlassungen  andrerseits  (aber  auch  für  die  Kolonien
untereinander).
Frankreichs  Inlandstarif  gilt  schon  seit  sehr  langer  Zeit  auch  im
Verkehr  mit  Algier,  doch  erst  seit  dem  1.  Januar  1899, 10 )  kurz  nach  Einführung ­
  des  englischen  Kolonialpennyportos  trat  auch  das  allgemeine  französische ­
  Kolonialreichsporto  in  Kraft,  anfangs  15  Centimes  für  15  g,  seit
dem  16.  April  1906  aber  nur  noch  10  Centimes,  da  an  diesem  Tage  die
letzteHerabsetzung  des  inländischen  französisohenBriefportos  wirksam  wurde. 11 )
Dieser  Kolonialtarif  gilt  auch  für  Briefe,  die  an  Bord  französischer ­
  Postschiffe  auf  hoher  See  nach  Frankreich  oder  den
französischen  Kolonien  und  nach  Tripolis  aufgeliefert  werden,
wenn  sie  nicht  im  Einzeltransit  noch  ein  fremdes  Land  zu  passieren  haben.'-)
Ueber  den  Postverein  mit  China  und  Marokko  findet  man
Näheres  unten  (S.  310,  311).
10 )  Vgl.  „Archiv  f.  Post  u.  Telegr.“  1899,  S.  792,  und  „D.  Verkehrs-Ztg.“  1899,  S.  52,
sowie  „Union  postale“  1901,  S.  35.
1! )  Vgl.  „D.  Verkehrs-Ztg.“  1906,  S.  102.
32 )  „D.  Verkehrs-Ztg. u  1906,  S.  264.  Deutschland  erhob  bisher  für  Briefe,  die  aufhoher
See  nach  Deutschland  oder  deutschen  Kolonien  aufgeliefert  worden,  stets  das  Weltporto, ­
  ausgenommen  hei  Kriegsschiffen.
        <pb n="309" />
        270

6.  Der  deutsche  Kolonialreichs'Postverein. 13 )
(Seit  dem  I.  Mai  1899)
Deutschland  mit  seinen  Schutzgebieten  (Afrika;  Kamerun,  Togo,  Südwestund
  Ostafrika:  Neuguinea,  den  zahlreichen  Südseeinseln,  Samoa;  Kiautschou).

Mitglieder:  qkm:  Milk  Einw.:
Deutschland  ,  540  777  68
Schutzgebiete  2  653  104  12,4
Gesamtgebiet:  3  193  881  75,4

Vereinsporto:
Der  innere  deutsche  Tarif  (vgl.  oben  S.  252),  nicht  nur  für  Briefe,
sondern  auch  für  die  anderen  Briefpostsendungsarten:  Postkarten,
Drucksachen,  Warenproben  und  Geschäftspapiere.  Für  letztere  Jedoch
das  internationale  Meistgewicht  von  2  kg  (60  Pf.),  statt  1  kg,  wie  im
Inlande.  Auch  für  den  Verkehr  mit  deutschen  Kriegsschiffen
im  Auslande  und  in  den  Kolonien  gelten  diese  internen  Sätze.
Durch  den  Postkongress  von  Washington  (1897)  waren  die  Transitgebühren ­
  vom  1.  Januar  1899  ab  herabgesetzt  worden;  dadurch  wurde  die
Einführung  der  neuen  Kolonialtarife  begünstigt,  wie  es  hiess.
Das  deutsche  Kolonialreichsporto  (10  Pf.  20  g;  20  Pf.  250  g)  ist,  wenn
auch  nicht  für  einfache  (das  Pennyporto  =  8,5  Pf.  für  28,34  g),  so  doch
für  schwerere  Briefe  besonders  wohlfeil  und  gewährt  eben  die  internen
Sätze  auch  für  die  übrigen  Briefpostsendungen.
Einfache  Mannschaftsbriefe  von  und  nach  den  deutschen  Kriegsschiffen ­
  haben  übrigens  einen  Ausuahmetarif  und  kosten  10  Pf.  für  60  g
gemäss  einer  Vereinbarung  mit  der  P.eichsmai'ineVerwaltung,  die  dafür  eine
jährliche  Pauschalvergütung  von  10  100  M  bezahlt. 14 )
lieber  Deutschlands  Postvereine  mit  Marokko  und  China  Näheres
unten  (S.  295.  307).
7.  D  er  nordamerikanische  Kolonialreichs'Postverein
der  Union.’ *  5 )
(Seit,  dem  1.  Mai  1900.)
Er  umfasst  die  Vereinigten  Staaten  mit  Alaska,  Hawaii,  Portorico,  den
Philippinen  und  Sulu-Inseln,  Guam,  Samoa  (Tutuila)  usw.
Gesamtgebiet:  9  727  036  qkm  mit  91,79  Millionen  Einwohnern.  Mit  Cuba  und
Panama:  9  933  349  qkm  und  94,24  Millionen  Einwohnern.
13 )  lieber  die  Entwicklungsgeschichte  und  den  Stand  der  deutschen  Posteinrlchtungen
  in  den  deutschen  Schutzgebieten  unterrichtet  vortrefflich  die  Arbeit:
„Deutsche  Post-  und  Telegrapheneinrichtungen  in  den  Kolonien  und  im  Auslande“  (mit
5  Kartenskizzen)  von  H.  Herzog  im  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  19DD,  S.  38-49
u.  05  —88  Ferner  vergleiche  man  den  Aufsatz:  „Die  Taxermässigungen  im  Kolonial-  und
Marineverkehr  Deutschlands“  im  Archiv  für  Post  und  Telegraphie  D99  S.  886f.  und  den
Artikel:  „Kolonial-  und  Marinebriefe“  in  der  „Deutschen  Vorkehrs-Zeitung“  1899  (Nr.  20),
S.  255f.  —  Der  Gothaer  Hofkalender  (19C9)  gibt  für  die  Schutzgebiete  nur  2  596  520  qkm  an.
Näheres  über  die  deutschen  Marinebriefe  im  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“ ­
  lh97,  S.  653  ff.;  1908,  S.  188—187,  und  1907,  S.  688—684.  lieber  die  Porto  Vergünstigungen ­
  in  fremden  Ländern  für  Postsendungen  von  und  an  Militärpersonen  siebe  „Archiv
für  Post  und  Telegraphie“  1902,  S.  706—7C8.
r ')  Portorico,  Guam  und  die  Philippinen  wurden  nach  dem  Kriege  mit  Spanien
        <pb n="310" />
        271

Vereinsporto  (der  Inlandstarif):
Briefe:  2  Cents  (8,4  Pf.)  jede  Unze  (28,34  g);  Postkarten:  1  Cent  (4,2  Pf.);
Drucksachen:  1  Cent  (4,2  Pf.)  für  je  2  Unzen  (56,7  g);  Zeitungen:  1  Cent  je
4  Unzen  (113  g),  an  regelmässige  Bezieher  1  Cent  je  ein  Pfund  (453  g).
Weltporto  (vgl.  S.  256  f.).  Briefe  5  Cents  nsw.
Der  Vereinstarif  gilt  auch  im  Verkehr  der  Union  oder  ihrer  abhängigen
Gebiete  mit  Mexico,  Canada  und  den  Republiken  Cuba  und
Panama.
Ueber  den  Postverein  der  Union  mit  China  Näheres  unten  (S.  312).
8.  Der  portugiesische  Kolonialreichs'Postverein.
Mitglieder;  qkm:  Mill.  Einw,:
Portugal  (mit  den  Azoren  und  Madeira)  .  .  92  575  5,42
Portugals  sämtliche  Kolonien  (in  Afrika,
Vorderindien,  China)  2  089  879  7,25

Gesamtgebiet;  2  182  454  12,07
Ueber  die  Zeit  der  Entstehung  ist  mir  nichts  bekannt  (aus  den  deutschen
Fach  zeit  schri  f  ten).
Vereinsporto  (im  wesentlichen  dem  Inlandsporto  gleich):
Briefe:  (15  g)  25  Reis  (=  9  Pf.  Papierwert);  Postkarten:  10  Reis  (=  3,6  Pf);
Drucksachen  usw.:  5  Reis  (=  1,8  Pf.)  je  50  g;  Zeitungen:  2V2  R-  (=0,9Pf.)je50g.
Weltporto:
Briefe:  50  R.  (20  g);  Postkarten:  20  R,.;  Drucksachen:  10  R.  (50  g).
Portugal  mit  seinen  Kolonien  steht  zugleich  zu  Spanien  (aber  ohne  die
spanischen  Kolonien  im  Golf  von  Guinea)  im  Postvereinsverhältnis
(vgl.  S.  254);  die  portugiesische  Kolonie  Macao  im  besonderen  wieder
mit  China,  und  die  Kolonie  Mozambique  (portug.J  mit  Südafrika
(vgl.  S.  258,  261).
9.  Der  japanische  Kolonialreichs'Postverein. 10 )
Gesamtgebiet  (mit  Koi'ea).  .  .  .071  122  qkm  mit  61,97  Mill.  Einwohnern
Darunter:  Korea  (Schutzstaat)  .  .  218  200  „  „  9,67  „  „
Formosa,Vulcan-u.Pescadoresinseln  34  348  „  „  3,13  „  „
Japanisch  Sachalin  32  348  „  „  0,01.  „  „
Kwantung  3162  „  „  0,42  „  „  *  S.
der  Union  einverleibt  und  die  Inlandstaxen  für  den  Verkehr  dahin  (auch  nach  Cuba)
wurden  schon  während  dos  Krieges  wenigstens  für  Soldatenbriefe  und  bald  darauf
(1900,  1  Mai)  allgemein  eingeführt.  Vgl.  „Union  postale“,  1900,  Nr.  11,  S.  171—175  und  1901,
S.  188  ff.  Cuba  hat  seit  dem  20.  Mai  1902  wieder  eine  eigene  selbständige  Postverwaltung
(„Union  postale“  1904,  S.  58).
16 )  Ein  Aufsatz  „Die  japanische  Post“  in  der  „Deutschen  Verkehrs-Zeitung“  1902,
S.  306  —  807  gibt  einen  kurzen  gut  unterrichteten  Ueherhlick  über  die  Entwickelung  dos
japanischen  Postwesens  der  letzten  25  Jahre,  mit  mancherlei  statistischen  Daten.  Im
„Archiv  f.  Post  und  Tel.“  1897,  S.  685—93,  782—40  und  751—59  brachte  ein  längerer  Aufsatz  ;
        <pb n="311" />
        272

Die  unlängst  eroberten  und  einverleibten  Gebiete  sind  allerdings
weniger  als  Kolonien,  denn  als  neue  Teile  des  Inselreiches  anzusehen;  aber
im  Grunde  handelt  es  sich  hierbei  bloss  um  Worte.  Ferne  abhängige
Gebiete  sind  immer  mehr  oder  weniger  als  Kolonien  anzüsprechen.
Vereinsporto  (das  interne  japanische  Porto):
Briefe:  iS  Sen  {=  6,3  Pf.  Gold)  für  je  4  Momme  (=  lüg);  Postkarten:  1  1 / a Sen
(=  3,15  Pf.);  Drucksachen:  2  Sen  (=  4,2  Pf.)  für  je  30  Momme  (112  g);
Zeitungen:  ermässigte  Taxe.
Japan  hat  seit  1897  Goldwährung.  1  japan.  Yen  (Dollar)  =  2,092  M
(Kurs  Berlin:  2,06  M),  1  Sen  (Cent)  =  2,092  Pf.
Mit  China  steht  Japan  imPostvereinsverhältnis  durch  seine  dortigen
Postanstalten  (vgl.  S.  301  ff.,  311),  wobei  das  interne  japanische  Briefporto
(3  Sen)  gilt,  auch  von  China  her. 11 )  Koreas  Post  wird  ganz  von
Japan  verwaltet  und  bildet  mit  ihm  eine  Gebietseinheit,  wie  man
der  Anmerkung  auf  S.  45  näher  entnehmen  kann.
10.  D  as  russische  Postgebiet  (mit  den  Vasallenstaaten).

Bestandteile  :

qkm

Mill.  Einw.

Das  europäische  Russland  mit  Polen  und

Finnland

444

123,20

Das  asiatische  Russland  (Kankasien,  Sibirien

•  u.  Zentralasien)

1  ö  654

283

26,14

Russ.  Vasallenstaaten  (Chiwa  n.  Bucharal

265

000

2.00

Gesamtgebiet:  22  296  727  151,34

„Post  u.  Telegraph  in  Japan“  v.  J.  R  o  n  g  e  ausfüllrlichere  Mitteilungen  über  Entwickelung
und  Organisation  des  japanischen  Postwesens,  Früher  gab  es  in  Japan  auch  Postanstalten ­
  fremder  Länder,  doch  schon  1874  wurden  die  amerikanischen,  1879  die  englischen ­
  und  1880  die  französischen  Postämter  in  Japan  geschlossen,  nachdem  dieses
Reich  am  1.  Juni  1877  dem  Weltpostverein  beigetreten  war.  In  O.  Sieblists  Buch  „Die
Post  im  Aus  lande“  (3.  Auf1.1900,  Berlin)  ist  bekanntlich  auch  ein  Kapitel  (S.  881—91)
Japans  Pos  teinricht  ungen  und  Tarifen  gewidmet.  Vgl.  auch  die  „Union  postale“,  1900,
S.  145-52,  „Die  Entwickelung  des  japanischen  Postwesens“.  Viele  wichtige  Tatsachen
aus  der  Geschichte  des  japanischen  Postwesens  und  seiner  internationalen  Beziehungen
findet  man  auch  in  dem  Aufsatz  „Post  und  Telegraphie  in  Japan“  im  „Archiv  für
Post  und  Telegraphie“  1906  S.  268—  270.  Im  April  1876  er  öffnete  Japan  sein  erstes
Postamt  in  China,  nämlich  in  Shanghai,  und  im  Dezember  1876  eins  in  Korea  (in
Fusan).  Ende  1902  bestanden  in  Korea  schon  in  10  Städten  japanische  Postämter
(ebenda  S.  264).  Vgl.  Anmerkung  auf  S.  45.
17 )  Wenn  in  der  „Deutschen  Verkehrszeitung“  1906,  S.  378,  berichtet  wird  (nach
anderen  Quellen  allerdings),  das  chinesische  Briefporto  nach  Japan  (schlechthin)  betrage
8  Cents,  so  ist  das  vermutlich  doch  wohl  mit  der  obigen  Einschränkung  zu  verstehen,
denn  in  derselben  „D.  Verkehrs-Ztg.“  1908,  S.  853,  wird  später  nur  gesagt,  dass  für  den
Briefverkehr  der  japanischen  Postanstalten  (in  China)  mit  Japan  die  Taxen  des  innern
japanischen  Verkehrs  gelten.  Japan  hat  20  eigene  Postanstalten  in  China  und  30  in  der
Mandschurei  (vgl.  S.  801).  —  Eine  ausführliche  Darstellung  der  japanischen  Postverhältnisse ­
  vom  japanischen  Generaldirektor  des  Post-  und  Telegraphenwesens
findet  man  auch  in  dem  Werke  „Unser  Vaterland.  Japan“  (Leipzig  1904,  Seemann,
deutsche  Ausgabe,  S.  588—599),  herausgegeben  von  A.  Stead.
        <pb n="312" />
        18

273

Das  gewaltige  russische  Postgebiet  kann  man  bei  Aufzählung  der  Kolonialreichs-Postvereine ­
  nicht  wohl  übergehen,  da  es  sich  über  zwei  Weltteile ­
  ausdehnt  und  viele  angegliederte  Länder  umfasst,  wenn  diese
auch  nicht  Kolonien  im  Sinne  anderer  Staaten  darstellen,  sondern
meist  dem  Einheitsstaat  unmittelbar  unterstellt  erscheinen.
Das  früher  selbständige  Postwesen  Finnlands  wurde  aufgehoben,  und
vom  1.  Mai  1891  ab  sind  in  Finnland  auch  die  russischen  Taxen  und
Postwertzeichen  eingeführt.  Mit  Ablauf  des  Jahres  1900  wurden  die
finnischen  Marken,  die  noch  für  Finnland  und  das  Ausland,  aber  nicht
mehr  nach  Russland  galten,  ganz  beseitigt  und  durch  russische  ersetzt. 18 )
Das  russische  Porto  (Inlandsporto):
Briefe:  jedes  Lot  (12%  g)  7  Kopeken  (=  15,12  Pf,);
Postkarten:  3  Kop.  (=  6,48  Pf.);  Drucksachen:  je  4Lot  (51  g)  2  Kop.  (=4,32  Pf.);
Warenproben:  je  4  Lot  3  Kop.  (6,48  Pf.);  Oeschäftspapiere:  12  Lot  (153  g)
7  Kopeken  (15,12  Pf.).
Weltporto:
Briefe:  10  Kopeken  (21,6  Pf.)  je  15  g;  Postkarten:  4  Kopeken  (=  8,64  Pf.);
Drucksachen  usw.:  2  Kop.  (=  4,32  Pf.)  je  50  g.
Auffallend  ist  die  Höhe  des  russischen  Inlandsportos  für  Briefe
und  das  Verhältnis  zum  Weltporto.  In  andern  Ländern  macht
das  Inlandsporto  meist  nur  40—50  %  des  Weltportos  aus,  in  Russland
70%.  In  England  kosten  100  g  8’/ 2  Pf.,  in  Deutschland  20  Pf.,  in
Russland  noch  1  M  20  Pf.  Die  russischen  Drucksachen  sind  im  Inlande
ebenso  teuer,  wie  nach  dem  Auslande.  Eine  baldige  Reform  kann
sicherlich  nicht  ausbleiben.

11.  Das  türkische  Postgebiet.

Bestandteil^:  qkm:  Mill.  Einw.:
Europäische  Türkei  169  317  6,13
Türkisch-Kleinasien,  Armenien,  Kurdistan,  Syrien,
Mesopotamien,  Arabien  1  766  800  16,90
Türkisch-Afrika  (Tripolis  mit  Bengasi) 19 )  .  .  .  .  1  051  000  1,00
Gesamtgebiet:  2  987  117  24,03

Is )  Vgl.  den  Artikel  „Das  Postwesen  in  Finnland“  im  „Archiv  f.  Post  u.  Tel.“
(Berlin)  1902,  S.  461—487.
“)  In  der  Stadt  Tripolis  gibt  es  eine  italienische,  eine  französische  und
eine  türkische  Postanstalt  und  in  der  Küstenstadt  Bengasi  (mit  türkischer  Briefpost)
  eine  italienische  Postagentur.  Das  sind  alle  Postanstalten  des  ganzen  Landes
Tripolis.  Vgl.  „Archiv  f.  Post  u.  Tologr.“  1907,  S.  665—669:  „Tripolitanien  und  seine  Vor.
kehrsverhältnisse“  von  G.  Bennert.  Im  übrigen  gibt  es  in  der  Türkei  5  deutsche,
5  italienische,  6  britische,  20  französische,  24  russische  und  35  österreichische ­
  Postanstalten  in  ebenso  vielen  verschiedenen  Städten  des  Beiches.
Nacli  Zeitungsmeldungen  hat  die  Türkei  die  Aufhebung  der  österreichischen
Postämter  in  die  Bedingungen  der  Abtretung  Bosniens  und  der  Herzegowina  mit  aufgenommen. ­
        <pb n="313" />
        274

Wegen  dex -  zerstreuten  Lage  seiner  Reichsteile  in  drei  Weltteilen
rechne  ich  die  Türkei  hier  auch  zu  den  Kolonialreichen.
Das  türkische  Inlandsporto  (dem  Weltporto  gleich):
Briefe:  je  15  g  1  Piaster  =  nominell  18,44  Pf.,  Silbei'piaster  minderwertig;
Postkarten:  20  Para  (Vs  Piastex-)  =  9,22  Pf.;  Drucksachen,  Warenproben, ­
  Geschäftspapiere:  10  Para  ('/ 4  Piaster)  =  4,61  Pf.  für  je  75  g
zwischen  Küstenorten  und  50  g  zwischen  Postoi'ten  des  Innern.
Weltporto:
Einfache  Briefe:  1  Piaster  =  40  Para  (18,44  Pf.);  Postkarten:  Vs  Piaster
=  20  Para  (9,22  Pf.);  Drucksachen:  V 4  Piaster  =  10  Para  (4,61  Pf.)
je  50  g.
Auch  in  der  Türkei  ist  das  inländische  Poi’to  ungewöhnlich  hoch,
nämlich  dem  Weltporto  gleich,  und  wird  zweifellos  bald  reformiert  werden
müssen,  zumal  jetzt,  wo  im  Auslands  verkehr  vieler  anderer  Länder  schon
das  Pennyporto  (8Vs  Pf-)  gilt.
1  türk.  Pfund  (100  Goldpiaster)  =  18,44  M;  1  Piaster  =  40  Para
=  18,4  Pf.;  1  Sllhermedschidie  =  19  Goldpiaster  (gesetzlich)  =  3,40  M.
1  türk.  Pfund  demnach  105,26  Piaster  in  Silhermedschidie.  1  Silherpiaster
=  17,5  Pf.  In  Kleinasien  und  Afrika  minderwertige  Silherpiaster.
Durch  Tripolis  und  Albanien  steht  die  Türkei  im  Postveieinsverhältnis
  mit  Frankreich  xuxd  Italien  (vgl.  S.  277,  278).

D.  Postvereine  entfernter  fremder
Überseeischer  Länder  (Ueberseepostvereine).
Nachdem  wir  zuerst  die  Nachbar-Postvereine  sowie  die
Drenzbezirks-Postvereine  angrenzender  Länder  und  dann
die  Postvereine  der  Kolonialreiche  mit  ihren  weit  zerstreuten
Schutzgebieten  betrachtet  haben,  bei  denen  die  postalische  Einheit ­
  als  Correlat  der  Reichseinheit  gewissermassen  natürlich  erscheint, ­
  wollen  wir  jetzt  viertens  die  Postvereine  entfernter, ­
  selbständiger,  fremder  Länder,  insbesondere  überseeischer ­
  d.  h.  durch  Meeresteile,  Meere  oder  weite
Ozeane  getrennter  Staaten  betrachten.  Auch  hier  ist  die
Entwickelung  der  letzten  Zeit  schneller  vorwärts  geeilt,  als  man
selbst  in  fachmännischen  und  amtlichen  Kreisen  noch  vor  kurzem
glaubte.  Die  halbamtliche  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  ein
gut  unterrichtetes  und  reichhaltiges  Postfachblatt,  hielt  noch
1899,  wie  schon  oben  erwähnt  (S.249),  Postvereine  mit  ermässigten
Brieftaxen  „zwischen  entfernt  von  einander  liegenden,  völlig
selbständige  Wirtschaftsgebiete  bildenden  Ländern“  in  „naher
        <pb n="314" />
        275

38*

Zeit“  für  „ausgeschlossen.“  Aber  auch  1903  noch 1 ),,  bei  Wiedergabe ­
  des  amerikanischen  Postverwaltungsberichts  mit  der  erneuten
Empfehlung  einer  Briefporto-Herabsetzung  für  den  Verkehr  der
Vereinigten  Staaten  mit  den  grossen  europäischen  Handelsstaaten,
besonders  Grossbritannien,  Deutschland  und  Frankreich,
von  5  Cents  (20  Pf.)  auf  2  Cents  (8,4  Pf.),  meinte  sie,  „dass
diese  Anregung  vorerst  keine  Aussicht  auf  Verwirklichung  hat,“
zumal  solange  in  Europa  die  Länder  und  Nachbarländer  untereinander ­
  an  dem  Weltpostsatze  (5  Cents  oder  25  Centimes  oder
20  Pf.)  festhielten.
Doch  solche  Postvereine  entfernter  selbständiger  Gebiete
haben  wir  jetzt  schon  eine  stattliche  Anzahl,  ja  man  muss  über
ihre  Menge  eigentlich  staunen.  Auch  die  meisten  Postfachleute
hatten  wohl  bisher  in  der  Hegel  kein  klares  und  umfassendes
Bild  davon,  selbst  wenn  ihnen  die  Notizensammlung  in  dem
Heft  des  Berner  Bureaus  über  die  Ausführung  des  Weltpostvertrags ­
  vorlag.  Ich  habe  der  besseren  Klärung  wegen  jedes
Land  mit  allen  seinen  Postvereinen  besonders  aufgeführt.  Das
gibt  über  die  Beziehungen  ein  viel  deutlicheres  Bild.  Dass  ich
dabei  vieles  wiederholen  musste,  liegt  auf  der  Hand,  ist  aber
kein  Nachteil,  sondern  dient  der  Sache  vielmehr  als  Vorzug.
Auch  hier  war  ein  gutes  Prinzip  für  eine  bestimmte  Reihenfolge
schwer  zu  finden.  Die  rein  chronologische  Ordnung  versagt
ebenso,  wie  die  geographische.  Ich  bitte  daher,  sich  mit  den
Tatsachen  zu  begnügen.  Eine  grosse  Rolle  in  diesen  PoStvereinen
  spielen  die  Postämter  gewisser  fremder  Staaten
in  türkischen  Gebieten,  in  Marokko  und  in  China.  Denn
durch  diese  Postämter  wird,  wenn  sie  im  Verkehr  mit
der  Heimat-  ein  ermässigtes  Porto  geniessen,  das  betreffende ­
  fremde  Land  in  ein  Po  st  Vereins  Verhältnis
hereingezogen:  es  wird  in  mehr  oder  weniger  hohem  Grade,
teilweise  oder  so  gut  wie  ganz  ein  mit  dem  fremden  Land  zusammenhängendes ­
  einheitliches  Postgebiet  mit  einem  hin-  und
herwärts  geltenden  einheitlichen  ermässigten  Porto.  Dass  der
Verkehr  durch  eine  ausländische  Postverwaltung  vermittelt  wird,
ändert  nichts  an  dem  Tatbestand  eines  Postvereins,  auch  wenn
*)  Vergl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1903,  S.  306  (19.  Juni,  Nr.  25)-
        <pb n="315" />
        276

nebenbei  eine  eigene  Postverwaltung  noch  besteht.  Welcher
Unternehmer  die  beiden  Länder  durch  ein  billiges  Porto  verbindet, ­
  ist  gleichgültig.  Es  können  beide  Staaten  das  tun,  es
kann  aber  auch  einer  allein  das  vollbringen.  Auch  eine  private
Postunternehmung  könnte  solche  Postvereine  schaffen,  wie  ja
früher  z.  B.  die  Thurn  und  Taxis’sche  Post  den  Anschluss  verschiedener ­
  südwestdeutscher  u.  a.  Staatsgebiete  an  den  deutschösterreichischen
  Postverein  vermittelte.
Wir  werden  sehen,  dass  diesen  fremden  Postanstalten  in
Bezug  auf  die  Schaffung  überseeischer  Postvereine  eine  grosse
Bedeutung  zukommt.  Bisher  hat  man  die  hier  entwickelten
neuen  Gesichtspunkte  nur  nicht  zur  Geltung  gebracht.
Anscheinend  liegt  die  Entstehung  mancher  dieser  meergetrennten ­
  Postunionen  auch  schon  weiter  zurück.  Sie  sind  aber
offenbar  selbst  in  Fachkreisen  nicht  recht  in  ihrer  grundsätzlichen ­
  Tragweite  gewürdigt  worden.
Wir  werden  hier  Postvereine  von  näher  und  weiter  von
einander  entfernten  Ländern  finden,  von  Staaten,  die  durch  ganze
Ozeane  getrennt  sind,  die  ganz  eigene,  selbständige,  grosse  Wirtschaftsgebiete ­
  bilden.  Aber  wir  werden  zu  unserem  Erstaunen
sehen,  dass  einige  dem  Weltpostverein  noch  nicht  einmal  angehörende ­
  Länder  mit  vielen  fremden  Postanstalten  durch  diese
gerade  in  eine  besonders  vorteilhafte  Postvereinsstellung  im
Verkehr  mit  den  wichtigsten  Reichen  der  Welt  gelangen,  so  dass
man  z.  B.  wegen  der  ungeheuren  Grösse  des  Gebiets  von  einem
neuen  besonderen  chinesischen  Weltpostverein  neben  dem
alten  Weltpostverein  sprechen  kann,  den  der  erstere  an  Einwohnerzahl ­
  sogar  übertrifft.  Das  ist  ein  ganz  wunderlicher  Zustand.  Die
nähere  Schilderung  der  wenig  bekannten  Postzustände  in  Marokko
und  China  wird  übrigens  manchem  Leser  vielleicht  erwünscht
und  nützlich  sein  (vgl.  auch  oben  S.  53,  57  f.  und  die  Grössenangaben ­
  des  Gebiets  dieser  Vereine,  S.  52  u.  59).
Auch  die  einseitigen  Post  vereine  sind  hier  dargestellt,
wo  das  billige  Porto  nur  in  einer  Richtung  angewandt  wird.
Die  Abkommen  Amerikas  mit  England  und  Deutschland
habe  ich  ebenfalls  ausführlicher  behandeln  zu  müssen  geglaubt,
schon  wegen  ihrer  Wirkung  und  voraussichtlichen  Tragweite.
Im  übrigen  bitte  ich,  nun  die  Vereine  selber  näher  zu  studieren.
        <pb n="316" />
        277

1.  Italiens  Postvereine
a)  mit  Tuuis  (früher  türkischer,  seit  1881  französischer  Schutzstaat),
h)  mit  Tripolis  und  Beng'liasl  [Barka]  (türkischer  Besitz).
c)  mit  Albanien  und  Epirus  (Türkei),
d)  mit  Kreta  (unter  Oberhoheit  der  Pforte,  hat  aber  kürzlich  den  Anschluss
an  Griechenland  erklärt).
e)  mit  Aegypten,  Yizekönigtum  (türkischer  Vasallenstaat,  unter  britischem
Einfluss).
Italien,  das  auch  für  die  kleine  Republik  San  Marino  die  Post  besorgt,
unterhält  in  Tripolis,  Albanien  und  Kreta  eigene  Postanstalten,  und
steht,  da  für  diese  Verkehrsbeziehungen  ein  billigeres  als  das  Weltporto
gilt,  mit  diesen  Ländern  oder  ihren  Teilen  demnach  in  einem  Postvereinsverhältnis. ­

Mit  Tunis  sowie  mit  Aegypten  und  dem  Sudan  bildet  es  bezüglich
des  Briefportos  einen  vollständigen  Postverein,  ohne  dort  eigene  Postanstalten
zu  besitzen.
Das  billige  Porto  (das  interne  Porto)  gilt  zum  Teil  auch  im  Verkehr
der  Vereinsmitglieder  mit  den  italienischen  Kolonien.  Wir  wollen  diese
einzelnen  Postvereine  nun  näher  behandeln.
a)  Italiens  Postverein  mit  der  Regentschaft  Tunis.
(Seit  1898.)
Tunis  (167  400  qkm  mit  1  828  89ü  Einwohnern)  hat  ein  eigenes  wohlgeordnetes
  Postwesen,  mit  381  Postanstalten  (1906);  früher  von  der  französischen ­
  Post  verwaltet,  ist  es  seit  1888  selbständig. 1 )  Pür  den  inneren
Verkehr  hat  es  schon  vor  einer  Reihe  von  Jahren  das  Porto  von  10  Centimes ­
  (8  Pf.)  eingeführt,  das  in  Frankreich  erst  am  10.  April  1906  in  Kraft
trat.  Vorher  waren  es  dort  (in  Frankreich)  15  Centimes.
Das  Vereinsporto  zwischen  Tunis  und  Italien  —  nur  für  Briefe  —  beträgt
20  Centimes  oder  Centesimi,  (16,2  Pf.)  für  15  Gramm,  statt  der
25  Centimes  des  Weltportos.
b)  Italiens  Postverein  mit  Tripolis  und  Benghasi  (Barka). 2 )
In  Tripolis  und  Benghasi  (1  051  000  qkm  mit  1  Million  Einwohnern)  sind
zwei  italienische  Postämter  (vgl.  S.  265),  die  den  Postverein  herstellen:  Italien
mit  den  Kolonien  Erythräa  und  Benadir  sowie  den  italienischen  Postämtern

*)  Näheres  über  die  Postverhältnisse  in  Tunis  in  der  „Deutschen
Verkehrs-Zeitung“  1906,  S.  276.  Ferner  „Archiv  für  Post  und  Tel.“  1901,
S.  84—87,  „Das  Post-  und  Telegraphenwesen  in  Tunis“.  Siehe  auch  die
„Statistique  generale“  des  Internationalen  Bureaus  in  Bern.
2 )  Vgl.  „Archiv  für  Post  und  Tel.“  1907,  S.  665  ff.  „Tripolitanien  und
seine  Verkehrsverhältnisse“.  In  Tripolis  ist  auch  ein  französisches  und  ein
türkisches.  Postamt  vorhanden.
        <pb n="317" />
        278

im  Auslände  (Albanien,  Kreta)  einerseits  und  Tripolis  mit  Benghasi  (ital.
Postämter)  andererseits.
Vereinsporto  (das  interne  italienische  Porto  für  Briefe):
15  Centesimi  oder  (für  Benghasi)  30  Paras  =  %  Piaster  (=  nominell  13 x / 2  Pf.;
faktischer  Wert  geringer).  Vgl.  8.  265.
c)  Italiens  Postverein  mit  Albanien  und  Epirus  (Türkei).
Italien  unterhält  auch  eigene  Postämter  in  türkisch  Albanien
(Vilajet  Skutari,  10  800  qkm  mit  294  000  Einw.)  und  Epirus  (Vilajet  Janina,
17  900  qkm  mit  527  000  Einw.),  wo  an  der  Küste  viel  italienisch  gesprochen
wird.  Diese  Postämter  liegen  in  den  albanischen  Städten  Skutari  (20  000
Einw.)  und  Durazzo  (7000  Einw.),  dem  alten  Dyrrhachium,  sowie  in  der
recht  tief  landeinwärts  gelegenen  epirotischen  Stadt  Janina  (30  000  Einw.).
Dadurch  stehen  diese  Gebiete  im  Postvereinsverhältnis  mit  Italien
und  seinen  Kolonien  sowie  seinen  übrigen  Postämtern  im  Auslande  (Tripolis,
Kreta).
Das  Vereinsporto  beträgt  15  Centesimi  (12  Pf.)  für  den  Brief,  entsprechend
dem  inländischen  italienischen  Porto;  in  den  türkischen  Gebieten  sind
es  30  Para  (=  13'/ 2  Pf.)
d)  Italiens  Postverein  mit  Kreta
(8618  qkm,  310  000  Einw.).
In  der  Küstenstadt  Kanea  (25  000  Einw.)  auf  Kreta  besteht  ein
italienisches  Postamt,  das  den  Postverein  Kretas  mit  Italien,  Erythräa,
Benadir,  Tripolis,  Albanien  und  Epirus  (italienische  Postämter)  herstellt.
Vereinsporto:  15  Centesimi  (12  Pf.)  für  den  einfachen  Brief.
e)  Italiens  Postverein  mit  Aegypten. 3 )
(1906.)
Neben  England  und  Aegypten  hat  sich  auch  ein  Postverein  Italiens
und  seiner  Kolonien  mit  Aegypten  (1341  Postanstalten)  gebildet;  auch  nur
in  bezug  auf  das  Briefporto.
qkm:  Milk  Einw.:
Italien  286  682  33,44
Erythräa,  Somali,  Benadir  490  000  0,68
Aegypten  (mit  Sudan)  .  .  .  ■  ,  .  ,  3  029  668  14,51
Gesamtgebiet:  3  806  350  48,63
Vom  ägyptischen  Auslandsbriefverkehr  fielen  1906  gegen  28%  auf
den  Verkehr  mit  England,  11  %  auf  den  mit  Frankreich  und  Algier  und  8  %
auf  den  mit  Italien,  während  erst  6,6  %  auf  den  deutschen  Verkehr  fallen.
3 )  Vgl.  „Recueil  de  renseignements  etc.“  (Berner  Publikation),  1907.
Ferner:  „Deutsche  Verkehrszeitung“  1907,  436—37:  „Zur  Geschichte  des
Postwesens  in  Aegypten“  und  1906,  S.  542,  verschiedene  Bemerkungen  und
statistische  Daten  über  die  ägyptische  Post.  Siehe  auch  die  Berner  Statistik.
        <pb n="318" />
        27!)

Vereinsporto  (internes  Porto);  Briefe  aus  Italien  je  15  g  15  Centesimi
(12,15  Pf.);  an s  Aegypten  je  20  g  5  Milliemes  (10  Pf.).
Weltporto:  25  Centesimi  oder  10  Milliemes  (20  Pf.).

2.  Die  überseeischen  Postvereine  der  Türkei
(Albanien,  Epirus,  Tripolis)
a)  mit  Italien  und  seinen  Kolonien
mittels  der  italienischen  Postämter  in  Albanien,  Epirus  und  Tripolis-Benghasi,
  die  im  Verkehr  mit  Italien  und  seinen  Kolonien  das  inländische
italienische  Briefporto  anwenden  (vgl.  S.  277  f.),  aber  auch  mittels  des  türkischen
Vasallenstaats  Aegypten  (vgl.  S.  280)  und  —  bisher  wenigstens  —  durch
Kreta  (ital.  Postamt);
b)  mit  Frankreich  und  seinen  Kolonien
mittels  des  französischen  Postamts  in  Tripolis,  für  das  im  Verkehr  mit
Frankreich  und  seinen  Kolonien  das  10  Centimes-Porto  gilt  (vgl.  S.  280);
c)  mit  China
mittels  des  französischen  Postamts  in  Tripolis,  das  zum  internen  französischen ­
  Brieftarif  —  10  Centimes  —  mit  den  französischen  Postanstalteu
Chinas  verkehrt  (vgl.  S.  269,  301  f.).
Diese  Postvereine  beziehen  sich  also  nur  auf  Teile  der  Türkei  im
Verkehr  mit  fremden  Postanstalten  entfernter  Länder.  Von  Albanien  nach
Italien  (Otranto)  beträgt  der  kürzeste  Abstand  doch  noch  etwa  75km  (über  das
Adriatische  Meer),  von  Sizilien  nach  der  Küste  von  Tunesien  etwa
150  km,  nach  der  Küste  von  Tripolis  etwa  450km,  von  Italien  nach
Kreta  etwa  600  km  und  nach  Aegypten  über  1100,  insbesondere  nach
Alexandrien  1500  km  Luftlinie.

3.  Die  Postvereine  Aegyptens  mit  fernen  überseeischen
Ländern.
a)  Der  Postverein  Aegyptens  (nebst  dem  Sudan)  mit  England  und  seinen
Kolonien  (ausser  Britisch-Nord-Borneo  und  Neu-Fundland).
(Seit  dem  15.  Dezember  1905.)
Der  türkische  Vasallenstaat  Aegypten  ist,  wie  schon  anderweit  erwähnt ­
  wurde  (S.  266  f.),  dem  britischen  Imperial  Penny  Postage  beigetreten.
Das  ist  natürlich,  da  das  Land  unter  britischem  Einfluss  steht  und  im
weiteren  Sinne  oft  unter  die  englischen  Kolonien  gerechnet  wird.  Den
Sudan  beherrschen  England  und  Aegypten  gemeinsam.
        <pb n="319" />
        280

Vereinsporto  (nur  für  Briefe):  5  Milliemes  (10  Pf.)  für  je  20  Gramm  (aus
Aegypten)  oder  1  Penny  für  jede  Unze  (aus  den  britischen  Gebieten). 4 )
b)  Der  Postverein  Aegyptens  (nebst  dem  Sudan)  mit  China.
Durch  die  britischen  Postanstalten  in  China,  nach  und  von  denen
auch  für  Aegypten  das  Pennyporto  gilt,  wird  ein  solcher  Postverein  hergestellt. ­
  Aber  auch  für  das  Innere  Chinas  besteht  in  jedem  Palle  ein  Vorzugstarif ­
  vor  dem  Porto  des  Weltpostvereins.  Denn  wenn  ein  Brief  aus
Aegypten  nach  Shanghai  und  den  anderen  Postorten  Chinas  mit  einem
britischen  Postamt  .10  Pf.  (5  Milliemes)  kostet,  so  würde  er  auch  bei  Weiterversendung ­
  mit  der  chinesischen  Beichspost  nach  Orten  des  Landes,  wo  es
britische  Postämter  nicht  gibt,  nur  einen  Zuschlag  von  4  Pf.  (soviel  beträgt
das  chinesische  Inlandsporto:  2  Cents)  erfordern,  also  insgesamt  14  Pf.
kosten,  statt  20  Pf.  oder  25  Centimes;  und  aus  dem  Innern  Chinas  über  ein
dortiges  britisches  Amt  nach  Aegypten  wären  es  bloss  1  Penny  (8 l / 3  Pf.)
-f-  4  Pf.  =  12 1 /*  Pf-  Vorausgesetzt  natürlich,  dass  der  Brief  in  China  zweimal ­
  aufgegeben  wird.
c)  Der  Postverein  Aegyptens  mit  Italien  und  seinen  Kolonien.
Vereinsporto  (nur  für  Briefe):  aus  Italien  und  Erythräa  15  Centesimi
(=  12,15  Pf.)  für  je  15  g;  aus  Aegypten  5  Milliemes  (=  10  Pf.)  für
je  20  g;  aus  Benadir  (ital.)  D/ 2  Anna  (=  l'/a  Penny  =  12 3 / 4  Pf.).
Weltporto:  25  Centesimi  oder  10  Milliemes  (20  Pf.).
Das  italienische  Inlandsporto,  früher  20  Centesimi,  beträgt  seit
dem  1.  September  1905  auch  15  Centesimi;  das  ägyptische  5  Milliemes  (10  Pf.).
4.  Spaniens  Postverein  mit  den  portugiesischen  Kolonien
(nebst  Portugal)  und  Marokko.
Das  Nähere  ist  bereits  oben  gesagt  (S.  254).

5.  Frankreichs  Postvereine  mit  entfernten  überseeischen
Ländern.
a)  Frankreichs  Postverein  mit  Tripolis  (Türkei).
Frankreich  mit  seinen  Kolonien  steht  durch  das  französische  Postamt
in  Tripolis  (türkisch)  im  Postverein  mit  diesem  Lande  (vgl.  S.  279,  269).
b)  Frankreichs  Postverein  mit  Marokko.
(Vgl.  S.  293,  294.-)
4 )  Aegypten  erbot  sich  nach  der  Postuniou  mit  Grossbritannien  nebst
Kolonien  auch  anderen  Staaten  gegenüber,  auf  der  Basis  der  Gegenseitigkeit
das  interne  Briefporto  im  Wechsel  verkehr  einzuführen.  Aber  ausser
Italien  hat  sich  bisher  kein  Land  weiter  dazu  verstanden  (vgl.  S.  13).
        <pb n="320" />
        281

c)  Frankreichs  Postverein  mit  China.
Dieser  wird  vermittelt  für  Frankreich  und  seine  Kolonien  durch  die
französischen  Postämter  im  Chinesischen  Reiche  (vgl.  S.  301  ff.).
6.  Die  Postvereine  der  nordamerikanischen  Union
mit  fernen  überseeischen  Ländern,
a)  Der  Postverein  der  Union  mit  der  Republik  Cuba.
„Der  Postdienst  in  Cuba,  der  seit  dem  spanisch-amerikanischen  Kriege
unter  der  oberen  Leitung  der  Postverwaltung-  der  Vereinigten  Staaten  durch
amerikanische  Postbeamte  wahrgenommen  wurde,  steht  seit  dem  ‘20.  Mai  1902
nicht  mehr  unter  der  Kontrolle  der  amerikanischen  Postverwaltung,  sondern
Cuba  bildet  seitdem  ein  selbständiges  Postgebiet,  dessen  Postverhältnisse
ausschliesslich  durch,  die  Landesregierung  geregelt  werden.“ 0 )  Von  der
Südspitze  Floridas  liegt  Cuba  noch  etwa  225  km  entfernt,  während  z.  B.  Frankreich ­
  und  England  an  der  schmälsten  Stelle  des  Kanals  nur  etwa  35  km
weit  voneinander  abliegen.  AVie  schon  an  anderer  Stelle  erwähnt  (S.  256  f.),
gelten  im  Verkehr  der  Union  mit  Cuba  die  amerikanischen  In]  andstax  en.
b)  Der  Postverein  der  Union  mit  der  Republik  Panama.
(Vgl.  S.  256  f..)
c)  Der  Postverein  der  Union  mit  China
(seit  dem  1.  Juni  1903)
vermittels  des  amerikanischen  Postamts  in  Shanghai  nebst  einigen  anderen
Orten,  für  welches  im  Verkehr  nach  und  von  den  Vereinigten  Staaten  das
interne  amerikanische  Porto  gilt  (vgl.  S.  302).
d)  Der  Postverein  der  Union  mit  England.
(Seit  dem  l.  Oktober  1908.)
Vereinstaxe  für  Briefe-,  jede  Unze  (=  28,3-1  g)  1  Penny  (8,5  Pf.)  oder
2  Cents  (8,4  Pf.).  Näheres  darüber  S.  283  ff.
e)  Der  Postverein  der  Union  mit  Deutschland.
(Vom  1.  Januar  1909  ab.)
Vereinsporto  für  Briefe:  10  Pf.  für  je  20  g  oder  2  Cents  (8,5  Pf.)  für  jede
Unze  (28,34  g),  jedoch  nur  für  den  direkten  Seeverkehr.  Näheres  S.  287  ff.
7.  Cubas  Postvereine  mit  Mexico,  denVereinigten  Staaten,
Panama  und  Canada  (und  China?).
'  Näheres  darüber  ist  schon  oben  gesagt  (3.  256  f.).
Cuba  und  die  Union  könnte  man  jedoch  allenfalls  auch  noch  in  die
Nachbarpostvereine  einreihen.  Allerdings  liegt  es  von  Florida  noch  225  km
ab.  Wenn  die  Insel  formell  auch  eine  selbständige  Republik  ist,  so  gilt
sie  doch  als  amerikanisches  Schutzgebiet.
5 )  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1903,  S.  306  (nach  dem  Jahresbericht
des  amerikanischen  Generalpostmeisters).

'  •  -  -*■  -‘'Z'*  “
        <pb n="321" />
        282

8.  Panamas  Postvereine  mit  den  Vereinigten  Staaten
(nebst  Kolonien),  mit  Cuba,  Mexico  und  Canada  (China?).
Die  frühere  Provinz  Columbiens  Panama,  seit  1903  losgetrennt  und
eine  selbständige  Republik  bildend  (87  480  qkm  mit  340  000  Einw.,  in
der  Stadt  Panama  28  000  Einw.,  in  Colon  3000),  hat  den  Vereinigten  Staaten
von  Nordamerika  gegen  Entschädigung  einen  15  bis  18  km  breiten  Landstreifen, ­
  zu  beiden  Seiten  des  75  km  langen  Kanals  belegen,  zur  Ausübung
der  vollen  Souveränität  abgetreten.  Die  a  m  e  r  i  k  a  n  i  s  c  h  e  P  o  s  t  v  e  r  w  a  11  u  n  g
hat  sich  beeilt,  auf  diesem  Gelände  eigene  Postanstalten  zu  eröffnen
(bis  1004  in  9  Ortschaften:  Cristobal,  Gatun,  Bohio,  Gorgona,  Matachin,
Emperador,  Culebra,  La  Boca  und  Ancon).  Vorläufig  wurden  die  Postmarken ­
  des  Freistaats  Panama  mit  dem  Ueberdruck  „Kanalzone“  hier
verwandt. 6 )
Wenn  also  auch  dieses  der  Union  gehörige  Stück  Panamas  als  Kolonie
aufzufassen  ist,  so  steht  die  Republik  vom  Isthmus  doch  andererseits  auch
mit  Mexico,  Cuba  und  Canada,  drei  weit  entfernten  Ländern,  im  Postvereinsverhältnis. ­
  Denn  nach  den  Angaben  im  „Recue-il  de  reuseignemeuts“
des  Berner  Bureaus  (1907,  S.  7,  Spalte  18)  steht  nicht  bloss  die  amerikanische ­
  Kanalzone,  sondern  die  ganze  Republik  Panama  in  der  Postnnion
mit  den  Vereinigten  Staaten,  mit  Cuba,  Mexico  und  Canada.
Vereinsporto:  der  innere  Tarif  der  Union  (vgl.  S.  257).
9.  Mexicos  Postvereine  mit  entfernten  Ländern:
a)  mit  der  Republik  Cuba  (vgl.  S.  281,  250  f.).  Kürzeste  Entfernung  (bei
Yucatan)  200  km.
b)  mit  Panama  (vgl.  S.  282).  (1250  km  Abstand.)
c)  mit  Canada  (vgl.  S.  257).  (1800  km  Abstand.)
d)  mit  Neuseeland  (vgl.  S.  283):  einseitiges  Penny-Porto  von  Neuseeland
nach  Mexico  (etwa  7000  km),  umgekehrt  jedoch  Porto  des  Weltpostvereins. ­

e)  Nachbarpostverein  mit  den  angrenzenden  Vereinigten  Staaten
(nebst  Kolonien)  (vgl.  S.  256  f.).
10.  Der  Postverein  Japans  (und  Koreas)  mit  China.
Durch  die  50  japanischen  Postanstalten  in  China,  die  im  Verkehr  mit
Japan  das  interne  japanische  Briefporto  (3  Sen  oder  Cents  =  6,3  Pf.)
anwenden,  wird  das  Chinesische  Reich  in  ein  Postvereinsverhältuis  zum
Japanischen  Inselreich  gerückt.  Näheres  darüber  S.  301—303.
Die  japanischen  Hanptinseln  —  die  südlichsten  —  sind  an  der  nächsten
Stelle  noch  etwa  800  km  und  selbst  Formosa  noch  150  km  von  der  Festlandsküste ­
  Chinas  entfernt.  Ueber  Korea  vgl.  S.  45.

6 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1904,  S.  415.
        <pb n="322" />
        283

11.  Der  einseitige  Postverein  Neuseelands  mit  Mexiko.
(Anscheinend  seit  1902.)
Neuseeland  erklärte  sich  bekanntlich  bereit,  im  Verkehr  nach  allen
Ländern  das  Penny-Porto  für  Briefe  anzuwenden,  wofern  nicht  gegenseitig,
so  doch  wenigstens  einseitig.
England  und  die  eng'lischen  Kolonien  nebst  Aegypten  gingen
darauf  ein,  gegenseitig.  Die  Schweiz  duldete  wenigstens  zeitweilig  Penny-Briefe
  aus  Neuseeland,  wendete  aber  selbst  das  Weltporto  dahin  an
(20  C.  oder  2 ! / 3  Pence).
Nur  Mexiko  scheint  dauernd  dieses  einseitige  neuseeländische  Penny-Porto
  (1  Penny  für  jede  Va  Unze)  gutgeheissen  zu  haben,  wie  aus  der  öfter
erwähnten  Berner  Zusammenstellung  von  1907  (S.  68  u.  74)  hervorgeht.
Das  neuseeländische  Weltporto  ist  ja  2'/a  d  (21 8 /4  Pf.),  das
mexikanische  10  Centavos  (21  Pf.).  Neuseelands  Inlandsporto,  1  d
Va  Unze,  gilt  seit  den  1.  November  1906  auch  für  4  Unzen.  (Union  postale,
1909,  8.  8.)
Jedenfalls  ist  das  eine  Pennyportobeziehung  zweier  sehr  ferner  fremder
Staaten  (etwa  7000  km  Abstand).
Neuseeland  hat  für  Zeitungen  nach  England  und  Cauada  übrigens
auch  noch  einen  Sondertarif:  1  Penny  pro  Nummer  ohne  Rücksicht  auf
das  Gewicht.
12.  Portugals  einseitiger  Postverein  mit  Brasilien.
Dieser  Postverein  bezieht  sich  nur  auf  Zeitungen  und  scheint  auch  einseitig ­
  zu  sein  (vgl.  „Recueil“  S.  75).
Zeitungen  und  Zeitschriften'  von  Portugal  nach  Brasilien  zahlen  nicht
das  Weltporto  von  10  Reis  (=  nominell  4,12  Pf.;  Papiergeld  3,6  Pf.),  sondern
nur  5  Reis  (1,8  Pf.)  für  je  50  Gramm,  entsprechend  dem  internen  portugiesischen ­
  Drucksachentarif.
13.  Die  Postvereine  Englands  mit  fernen  überseeischen
Ländern.
a)  Der  Postverein  Englands  nebst  den  Kolonien  mit  Aegypten,
einem  entfernten  türkischen  Vasallenstaate,  der  allerdings  unter  britischem
Einflüsse  und  britischer  Kontrolle  steht.
Vereinsporto:  ans  England  usw.  das  Penny-Porto  (8 1 / a Pf.),  aus  Aegypten
ö  Milliemes  (10  Pf.).  (Vgl.  S.  280.)
b)  Der  Postverein  Englands  nebst  den  Kolonien  mit  China,
vermittelst  der  12  britischen  Postämter  in  China,  die  im  Verkehr  mit
England  und  seinen  Kolonien  sowie  mit  Aegypten  bei  Briefen  das  Penny-Porto
  anwenden.  (Vgl.  8.  266  f..  279.)
c)  Der  Postverein  Grossbritanniens  (und  Canadas)  mit  den  Vereinigten
Staaten  von  Nordamerika.
(Seit  dem  1.  Oktober  1908.)
        <pb n="323" />
        284

Der  englische  Generalpostmeister  teilte  dem  Untexhause  am  3.  Juni
1908  mit,  dass  die  Postverwaltung  der  Vereinigten  Staaten  von  Amerika
den  britischen  Vorschlag,  das  Briefporto  im  gegenseitigen  Verkehr  auf
1  Penny  oder  2  Cents  herabzusetzen,  angenommen  habe. 7 )  Beide  Länder
liegen  etwa  5000  km  von  einander  entfernt  und  werden  durch  8—JO  tägige
Dampferreisen  verbunden.
England  zählt  314  869  qkm  mit  44,6  Mill.  Einwohnern
Die  Vereinigten  Staaten  (ohne
Portorico  und  die  Philippinen,
Marianen  etc.)  9  420  670  „  „  84,2  „  „

Das  Inlandsporto:

Gesamtgebiet:  9  735  339  qkm  mit  128,8Mill.  Einwohnern
Das  neue  Vereinsporto  (nur  für  Briefe)  beträgt:
.  ,  TT  , ()Q  ,,  ■.  )  aus  England  1  Penny  (8,5  Pf.)
für  jede  Unze  (28,3  g)  |  ^  Amei  - ka  2  Cmts  (8&amp;gt;4  „  }
Das  Weltporto  beträgt  für  die  erste  Unze  2 l /a  d  oder  5  Cents,  für  jede
weitere  Unze  1  '/a  d  oder  3  Cents.
in  England:  4  Unzen  (113,2  g)  1  Penny,
je  2  Unzen  mehr  1 / ä  Penny;
in  Amerika  und  Canada:  jede  Unze  2  Cents
(8,4  Pf.).
Da  Canada  (9  897  571  qkm,  6  Mill.  Einw.)  mit  den  Vereinigten
Staaten  längst  einen  Postverein  bildet  (Brieftaxe  2  Cents),  so  ergibt  sich,
dass  England,  Canada  und  die  Union  jetzt  für  das  Briefporto  ein  einheitliches ­
  Postgebiet  darstellen.  Dessen  Gebietsgrösse  beläuft  sich
also  auf  19  633  110  qkm  mit  134,8  Millionen  Einwohnern.
Nach  den  bisherigen  Berichten  gehören  sonst  die  Schutzgebiete  —
Cuba  wurde  allerdings  mit  erwähnt  —  noch  nicht  zu  diesem  Verein,  doch
etwa  seit  Juni  1909  kam  Hawai  hinzu  (vgl.  Union  postale,  1909,  S.  95
und  1908,  174).
Die  englische  Postverwaltung  schätzte  den  Ausfall  infolge  der  neuen
Portoermässigung  auf  130  000  £  (2,6  Millionen  Mark).  Nach  der  Berner
Statistik  gingen  1906  aus  England  nach  der  Union  16,2  Millionen  frankierte
Briefe,  die  bisher  2  Va  Pence  brachten  und  künftig  nur  1  Penny  einbringen.
100  000  £  wären  also  theoretisch  wohl  schon  genug  gerechnet.

Dieses  englisch-amerikanische  Abkommen  hat  die  europäische,  besonders ­
  auch  die  deutsche  und  französische  Presse  viel  beschäftigt,  weil
nunmehr  zwei  grosse,  verkehrsreiche,  selbständige,  weit  von  einander  entfernte
Industrie-  und  Handelsstaaten  ein  einziges  Postgebiet  bilden  und  andere
Länder  zur  Nachahmung  dieses  Beispiels  aufzufordern  schienen.
Weit  entfernte  fremde  Länder,  die  einen  Postverein  bilden,  gab  es
indessen  doch  schon  vorher.  Also  darin  allein  lag  noch  nichts  Neues.  Man
denke  nur  an  die  Postvereine  Italiens  xfi.it  Ägypten,  Spaniens  mit  den
portugiesischen  Kolonien  (und  Portugal),  Neu-Seelands  (einseitig)  mit

7 i  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1908,  Nr.  24  (vom  12.  Juni),  S.  345.
        <pb n="324" />
        285

Mexiko  u.  a.  Aber  liier  waren  es  zwei  so  wichtige  Handelsreiche  mit
grosser  Bevölkerung.
In  Frankreich  und  England  wirkten  Handelskreise  für  ein  ähnliches
Abkommen  wie  das  englisch-amerikanische, 8 )  und  in  Deutschland  forderten
zahlreiche  Artikel  der  Presse  im  Verkehr  mit  Amerika  das  gleiche  (vgl.  S.  16).
Die  französische  Postverwaltung  soll  (nach  der  „Times“) 9 )
schon  etwa  Ende  März  1908  dem  britischen  Generalpostamt  für  den  Wechselverkehr ­
  beider  Länder  ein  Briefporto  von  je  15  Centimes  oder  lV 3  Pence
vorgeschlagen  haben,  doch  letzteres  erklärte,  wegen  des  unfehlbar  sich  ergebenden ­
  finanziellen  Ausfalls  sei  es  zurzeit  nicht  in  der  Lage,  der  Anregung ­
  näher  zu  treten.
In  einer  Zuschrift  an  die  „Times“ 10 )  wandte  sich  der  englische
Generalpostmeister  gegen  die  in  der  Presse  geäusserte  Ansicht,  dass
die  Mehreinnahme  infolge  einerYerkehrssteigerung  nach  Portoherabsetzungen
ohne  weiteres  eine  Reineinnahme  bedeute.  Im  letzten  Jahrzehnt  seien  die
Briefsendungen  Englands  um  50°/ 0  und  die  Einnahmen  um  43%  oder
5  &amp;gt;/ 4  Millionen  £  gestiegen.  Doch  zugleich  seien  die  Ausgaben  um  4  Millionen ­
  £  (oder  49  %''  gewachsen.  Nach  seinem  Betriebsbericht  (1907/8)
hat  sich  in  demselben  10jährigen  Zeitraum  das  Verhältnis  der  Einnahmen ­
  zu  den  Ausgaben  um  4%  verschlechtert,  wovon  3%  auf
Besoldungsaufbesserungen  und  1%  auf  Portoermässigungen
(auch  die  im  Kolonialverkehr)  zu  rechnen  seien. 11 )
Wenn  die  Postsendungen  anwüchsen,  müsse  man  das
Sortier-  und  Bestellpersonal  vermehren,  die  Diensträume  vergrössern,
  die  Verkehrsmittel  vermehren  und  die  Transitentschädigungen ­
  an  Eisenbahnen  und  Schiffsgesellsohaften  entsprechend ­
  steigern.  Alljährlich  nähmen  die  Betriebskosten  um  180000  «£
(3,6  Millionen  Mark)  zu,  bei  aussergewohnlichen  Verkehrssteigerungen
infolge  von  Portoherabsetzungen  aber  in  entsprechendem  Masse. 12 )
Hiernach  scheint  der  Generalpostmeister  also  ein  weiteres  Anwachsen
und  Erleichtern  des  Verkehrs  fast  als  Unglück  anznsehen,  das  schliesslich
zum  Bankrott  der  Postverwaltung  führen  muss.
Allein  ganz  so  schlimm  wird  es  doch  wohl  nicht  sein.  AlsRowland
Hill  1837  das  interne  Peni^-Porto  vorschlug,  wandte  der  damalige  englische
Generalpostmeister  dagegen  ein,  das  ganze  Grundstück  des  Hauptpostamts
würde  nicht  gross  genug  sein,  um  die  Briefe  und  Beamten  zu  fassen,  die
infolge  der  zu  gewärtigenden  Verkehrszunahme  notwendig  werden  würden.
8 )  Schon  am  12.  Juni  meldete  die  „D.  Verk.-Ztg.“  1908,  S.  345,  über
solche  Bestrebungen.
9 )  Vgl.  „D.  Verk.-Ztg.“  1906,  Nr.  26  (vom  26.  Juni),  S.  364.
10 )  Vgl.  „D.  Verk.-Ztg.“  1908,  Nr.  30  (vom  24.  Juli),  S.  497.
n )  Vgl.  „D.  Verk.-Ztg.“  1908,  Nr.  41  (vom  9.  Oktober),  S.  520.
12 )  Vgl.  auch  „D.  Verk.-Ztg.“  1908,  S,  444f.,  wo  aus  einem  längeren  Bericht ­
  des  englischen  Geueralpostmeisters  ähnliche  Aussprüche  wiedergegeben ­
  werden.
        <pb n="325" />
        286

Hill  aber  entgegnete:  „Ich  bin  sicher,  dass  Eure  Lordsohaft  keinen
Augenblick  darüber  zweifelhaft  sein  wird,  ob  sich  in  diesem  grossen
Handelsreiche  die  Grösse  des  Postamts  nach  der  Korrespondenz  oder  die
Korrespondenz  nach  der  Grösse  des  Postamts  zu  richten  hat.“ 18 )
Damals  wurde  das  Porto  von  durchschnittlich  6—7  Pence,  im  Maximum
waren  es  17  Pence,  auf  1  Penny  für  den  Gesamtverkehr  des  Inlands  herabgesetzt; ­
  jetzt  aber  handelt  es  sich  bloss  um  Herabsetzungen  von  ‘2,'/%  auf
1  Penny  beim  Verkehr  nach  dem  Auslande,  der  nur  etwa  70  Millionen
Briefe  zählt,  neben'  2700  Millionen  Briefen  des  Inlandsverkehrs  und  etwa
37  Millionen  nach  den  Kolonien  (1906).  Und  trotz  der  Penny-Porto-Reform
von  1840  und  des  Kolonial-Penny-Pprtos  von  1898  ist  der  Überschuss  der
englischen  Post  jetzt  der  höchste  von  allen  Postverwaltungen  der  Welt
(128  Millionen  Pranken,  nach  der  Berner  Statistik  für  1906).
Der  ehglisohe  Generalpostmeister  erinnerte  ferner  auch  daran,  dass
er  nicht  selbständig  vergehen  könne,  sondern  das  Schatzamt  hinter  ihm
stehe,  das  bei  Reformen  wesentlich  mitzusprechen  habe,  und  meinte,  dass
die  Ausdehnung  des  Penny-Portos  auf  den  Verkehr  mit  Frankreichin ­
  absehbarer  Zeit  (within  a  limited  time)  nicht  möglich  wäre. *  14 )
Es  sei  aber  sehr  befriedigend,  dass  nun  wenigstens  im  Verkehr  Englands
mit  allen  englisch  sprechenden  Völkern  das  gleiche  Briefporto  gelte.
Beiläufig  gesagt,  wurde  auch  im  Schweizer  Ständerat  beantragt,
im.  Verkehr  mit  England  das  Briefporto  von  25  auf  20  Centimes  zu  ermässigen.
  Der  Bundesrat  hielt  es  jedoch  für  untunlich,  nach  dem  entfernten ­
  England  billigere  Taxen  festzusetzen,  als  nach  den  angrenzenden
Nachbarländern. 15 )  Doch  sei  eine  gegenseitige  Grenzverkehrsverbilligung
bei  der  italienischen  Postverwaltuug  angeregt  worden.  Ob  England  einer
Portoverbilligung  mit  der  Schweiz  geneigt  sei,  wäre  dazu  auch  ungewiss.
Bis  jetzt  bezieht  sich  das  neue  Penny-Porto-Abkommen  Grossbritanniens ­
  und  der  Union  nicht  auf  die  britischen  Kolonien,  von  Canada
abgesehen  (und  von  Hawai  amerikanischer  Seits),  das  schon  bisher  mit  den
Vereinigten  Staaten  im  .Postverein  stand.  Es  würde  nun  nahe  liegen
und  auf  gar  keine  finanziellen  Schwierigkeiten  stossen,  wenn
auch  der  gesamte  englische  Kolonialbesitz  mit  der  Union  den
ls )  The  life  of  Sir  Rowland  Hill,  London  1880,  1,  293,  294.
14 )  1906  gingen  aus  England  nach  Frankreich  11,65  Millionen  frankierte
Briefe.  Wenn  diese  statt  2*/ ä  d  nur  je  lV 2  d  bezahlten,  so  würde  das  theoretisch
eine  Mindereinnahme  von  etwa  1  Million  Mark  sein.  Bei  der  Penny-Porto-Reform
  von  1840  aber  handelte  es  sich  um  einen  Ausfall  von  22  Millionen
Mark,  zu  einer  Zeit,  da  der  Überschuss  nicht  104  Millionen  Mark  betrug,
wie  heute,  sondern  33  Millionen  Mark,  so  dass  der  damalige  Ausfall  (1840)
66  %  des  Überschusses  verzehrte,  während  bei  einer  Portoermässigung  nach
Frankreich  heute  bloss  1  %  in  Frage  käme,  und  bei  einer  allgemeinen  Herabsetzung ­
  für  das  ganze  Ausland  etwa  7  %  (7  Millionen  Mark)  auf  dem  Spiel
ständen,  von  allen  Verkehrssteigerungen  abgesehen.  Neuere  Zahlen  siehe  S.179,
vgl.  auch  S.  105—106,  Anmerk.  16 )  „D.  Verk.-Ztg.“  1908,  Nr.  32,  S.  424.
        <pb n="326" />
        287

Penny-Porto-Verkehr  eröffnete.  Wenn  man  jetzt  sclion  von  Neuseeland ­
  nach  Mexiko  nur  einen  Penny  bezahlt,  so  wäre  ein  gleiches
für  ganz  Australien  im  Verkehr  mit  den  Vereinigten  Staaten  noch  natürlicher, ­
  aber  ebenso  für  Indien  usw.
Da  dieser  Wechselverkehr  zurzeit  nur  sehr  klein  ist,  so  wäre  der
etwaige  Ausfall  gar  nicht  nennenswert.  Ägypten  schickte  1906  nur  215  000
frankierte  Briefe  nach  Nordamerika  (V.  St.),  Britisch  -  Indien  159  000,
Australien  etwa  275  000,  Neu-Seeland  bloss  1385,  und  der  Verkehr  aus  der
Union  in  diese  Länder  würde  vielleicht  ebenso  gross  sein,  rund  700  000
Briefe.  Die  Ausfälle  kämen  also  gar  nicht  in  Betracht;  dagegen  würde  der
weiteren  Ausbreitung  des  Welt-Penny-Portos  damit  ein  erheblicher  Dienst
geleistet  werden.  Denn  dieses  Beispiel  würde  nicht  ohne  Polgen  bleiben.

14.  Die  Postvereine  Deutschlands  mit  fernen  überseeischen
Ländern.
a)  Der  Postverein  Deutschlands  nebst  den  Kolonien  mit  Marokko
(seit  dem  15.  November  1907),
vermittelst  der  14  deutschen  Postanstalten  in  Marokko,  die  im  Verkehr  mit
Deutschland  und  seinen  Schutzgebieten  im  wesentlichen  den  inneren
deutschen  Tarif  für  Briefpostsendungen  aller  Art  anwenden.  (Näheres
darüber  S.  293,  295  }
b)  Der  Postverein  Deutschlands  nebst  den  Kolonien  mit  China
(seit  dem  1.  Juli  1908),
vermittelst  der  14  deutschen  Postanstalten  in  14  Städten  Chinas  (ohne  Einrechnung ­
  Kiautschous),  die  im  Verkehr  mit  dem  Deutschen  Reich  und
seinen,  Kolonien  sowie  mit  den  deutschen  Postämtern  Marokkos  das  interne
deutsche  Briefpostporto  benutzen.  (Vgl.  S.  301,  307  f.)
c)  Der  Postverein  Deutschlands  mit  den  Vereinigten  Staaten.
(Vom  1.  Januar  1909  ab.)
ftebietsgrösse:  540  777  -j-  9  420  670  =  9  961  447  qkm.
Einwohnerzahl:  63  -f-  84  =  147  Millionen  Menschen.
Am  3.  Dezember  1908  brachten  die  Zeitungen  die  überraschende  und
erfreuliche  Mitteilung,  dass  Deutschland  und  die  Vereinigten  Staaten  von
Nordamerika  ein  Abkommen  geschlossen  hätten,  wonach  vom  1.  Januar  1909
ab  das  Briefporto  im  direkten  gegenseitigen  Seeverkehr  auf
10  Pf.  für  je  20  g  (aus  Deutschland)  oder  2  Cents  (8,4  Pf.)  für  jede
Unze  (28,34  g)  (aus  Amerika)  festgesetzt  wird.
Bei  Briefen,  die  über  Prankreich  oder  England  gehen  und  dann
gewöhnlich  noch  Holland  oder  Belgien  passieren,  bleibt  das  Weltporto  von
20  Pf.  für  die  ersten  20  g  und  10  Pf.  für  weitere  20  g  oder  5  Cents  (21  Pf)
für  die  erste  Unze  (28,34  g)  und  3  Cents  (12,6  Pf.)  für  jede  weitere  Unze
bestehen,  entsprechend  den  Sätzen  des  "Weltpostvertrags  (1906)  von  25  und
15  Centimes.
        <pb n="327" />
        288

2  Cents  für  jede  Unze  sind,  wie  erwähnt,  zugleich  das  innere  Porto
der  Union,  in  Deutschland  dagegen  10  Pf.  für  20  g  und  20  Pf.  für  250  g.
Die  Schnellpostdampfer  des  Norddeutschen  Lloyd  fahren  in  etwa
7  Tagen  von  Bremerhaven  nach  New  York  (über  Southampton  und  Cherbourg),
die  Schnelldampfer  der  Hamburg-Amerika-Linie  von  Cuxhaven  ebenso  in
7—9  Tagen,  während  die  langsameren  Dampfer  beider  Gesellschaften
10—12  Tage  brauchen.  Diese  Seestrecke  Bremerhaven—New  York  ist
3611  Seemeilen  (=  6687  kml,  die  Eoute  Cuxhaven—New  York  3609  Seemeilen ­
  lang,  der  südliche  Kurs  sogar  noch  um  etwa  00  Seemeilen  länger,
dagegen  die  direkte  Fahrt  Bremerhaven—New  York  3470—3590  Seemeilen.
Die  Bremer  Schnelldampfer  fahren  nach  dem  Sommerfahrplan  alle  Woche,
ebenso  die  Hamburger.  Gewöhnlich  fährt  ein  Hamburger  Schnelldampfer
immer  zwei  Tage  nach  einem  Bremer  Dampfer,  dann  nach  fünf  Tagen
wieder  ein  Bremer  und  zwei  Tage  später  wieder  ein  Hamburger.  Wenn
dieser  eben  abgegangen  ist  und  dann  ein  Brief  mit  einem  langsameren
Dampfer  (10—-12  Tage  Fahrt)  mitgeht,  so  kommt  er  in  der  Regel  wohl
besser  weg,  als  wenn  er  fünf  Tage  liegen  bleibt.  Die  deutsche  Reichspost
wird  auch  für  Briefe  im  direkten  Seeverkehr  nach  New  York  stets  die
schnellste  Verbindung  wählen,  doch  nötigenfalls  mit  Bummeldampfern,
wenn  diese  früher  ankommen.  Im  Winter  fahren  die  Postdampfer  allerdings ­
  seltener.  Die  „Leitübersicht“  der  Reichspost  für  den  üeberseeverkehr
gab  für  Januar  nnd  Februar  1909  (S.  28)  folgende  Abfahrtstermine  für  den
direkten  Seeverkehr  mit  ermässigtemBriefporto  von  Cuxhaven  (C.)  und  Bremerhaven ­
  (B.)  nach  New  York  an;  den  5.  Januar  (von  B.),  9.  (von  0.),  16.  (O.),
19.  (B.),  26.  (C.),  2.  Februar  (B.),  6.  (C.),  9.  (B.),  16.  (B.),  20.  (B.),  27.  (C.),
9.  März  (B.).  Mit  Ausnahme  des  9.  Februar  boten  die  übrigen  Dampfer  (seit
dem  2.  Februar)  zugleich  die  schnellste  Beförderungsgelegenheit.  Das  macht
etwa  6  Fahrten  im  Monat.  Im  Sommer  sind  es  9  Fahrten  monatlich.
Die  halbamtliche  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  (1908,  Nr.  50  [vom
11.  Dezember],  S.  623—625)  teilte  übrigens  in  einem  längeren  Artikel  über
diese  Portoherabsetzung  mit,  dass  es  die  deutsche  Regierung  war,  die  die
Initiative  zu  diesem  Abkommen  mit  Amerika,  das  ja  seine  Geneigtheit
schon  früher  einmal  bekundet  hatte  (vergl.  S.  8  n.  9),  ergriffen  hätte,  schon
im  Sommer,  gleich  nachdem  das  englisch-amerikanische  Abkommen  bekannt
wurde  (am  3.  Juni).  Das  ist  sicherlich  dankbar  anzuerkennen,  schon  im
Hinblick  auf  die  Tragweite  der  Massregel.
Es  kann  auch  nicht  weiter  verwunderlich  sein,  wenn  England  diesen
bemerkenswerten  Schritt  zuerst  machte,  da  in  der  Union  ein  meist  gleichsprachiges
  grosses  Volk  lebt,  von  dem  doch  nur  ein  kleiner  Teil  deutsch
ist  (2,6  Millionen  reichsgebürtige  Deutsche  und  7—8  Millionen  überhaupt
deutscher  Herkunft).
Auch  dagegen,  dass  zunächst  nur  die  Briefe  des  direkten  Seeverkehrs
das  wohlfeile  Porto  gemessen,  hätte  ein  Durchschnittsbriefschreiber  nicht
viel  einzuwenden.  Diese  Einschränkung  ist  übrigens  von  der  amerikanischen
Verwaltung  vorgeschlagen  worden,  und  zwar  um  an  Transitgebühren
zu  sparen.
        <pb n="328" />
        289

19

Ans  Deutschland  nach  der  Union  gehen  jetzt  bereits  etwa  46  %  der
ahgesandten  Briefe  anf  dem  direkten  Seewege,  54%  aber  über
Frankreich  und  England,  weil  dieser  Weg  infolge  der  bestehenden
Schiffsfahrpläne  und  Anschlüsse  der  schnellere  ist. 10  *  *  *  *  *  * )  Ob  dieses  Verhältnis
auch  künftig  bestehen  bleibt,  ist  allerdings  sehr  fraglich,  da  es  vielen  Briefschreibern ­
  gar  nicht  darauf  ankommt,  wenn  der  Brief  4—5  Tage  später
eintrifft.  Die  Reichspostverwaltung  behielt  sich  Veröffentlichungen  darüber
vor,  in  welcher  Weise  die  Briefe  mit  Leitvermerken  zu  versehen  sind,
wenn  sie  nur  den  direkten  Seeweg  wählen.  Eine  Verfügung  darüber  ist
dann  bald  erfolgt. 17 ;
l0 )  So  gibt  die  „D.  Verkehrs-Zeitung“  1908,  Nr.  50  an.  —  Im  Jahre  1905
waren  an  der  Beförderung  der  Deutschen  Post  nach  New  York  die
nachstehenden  Dampfschiffahrtslinien  mit  folgenden  Anteilen  beteiligt  (Postarchiv ­

  1906,  S.  302):
Norddeutscher  Lloyd  34,4  %
Hamburg-Amerika-Linie;
a)  Schnelldampfer  ll,ö-%\
b)  andere  Dampfer  2,2  %/  1  ”
Deutsche  Dampfer  also  48,1  %
Cunard-Linie  .  *  0,8%
White-Star-Linie  12,7  %
Amerlcan-Linie  38,4  %

fremde  Dampfer  also  51,9%
Die  Post  aus  England,  Spanien  und  Portugal  nach  den  Vereinigten
Staaten  geht  vorzugsweise  mit  den  aus  Queenstown  (Südirland)  abfahrenden
Dampfern;  die  Post  aus  dem  übrigen  Europa  dagegen  erhält  ihre  Weiterbeförderung ­
  ebenfalls  mit  den  von  der  deutschen  Post  benutzten  Dampferverbindungen ­
  (vergl.  „Archiv  f.  Post  u.  Tel.“  1906,  S.  302),  Ueber  die
transatlantische  Briefpostbeförderung  der  Vereinigten  Staaten  vergl.  „Archiv
f.  Post  u.  Tel  “  1906,  S.  327  und  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1908,  S.  312.
Die  amerikanische  Post  Verwaltung  zahlt  den  subventionierten  Postdampfern,
die  die  Post  befördern  müssen,  für  jede  zurückgelegte  Meile  eine  Vergütung
von  2 / 8  bis  4  Dollars,  je  nach  der  Geschwindigkeit.  Nicht  subventionierte
amerikanische  Schiffe  erhalten  für  die  Postbeförderung  eine  Entschädigung,
die  der  Summe  der  Seetransitgebühren  und  des  amerikanischen  Inlandsportos ­
  entspricht,  also  1,60  Dollar  für  jedes  Pfund  (453  g)  Briefe  und  Postkarten ­
  und  8  Cents  für  Drucksachen  usw.  Fremde  Schiffe  dagegen  erhalten
nur  44  Cents  und  4 7 / 2  Cents  pro  Pfund  (d.  h.  5  Franken  und  50  Centimes  pro  Kilogramm), ­
  dem  Seetransitporto  entsprechend.  1905  erhielt  der  Norddeutsche
Lloyd  von  der  Union  168  931  Dollar,  die  Hamburg-Amerika-Liuie  61439
Dollar.  Die  gesamten  Vergütungen  an  Schiffe  betrugen  2'/ 2  Millionen  Dollar.
17 )  Im  „Amtsblatt  des  Reichs  -  Postamts“  Nr.  73,  datiert  vom
23.  Dezember  1908,  ist  diese  Verfügung  wegen  der  Leitvermerke  für  die
Taxherabsetzung  erschienen.  Es  heisst  da;  „Für  die  Leitung  und  Taxierung
der  Briefe  nach  den  Vereinigten  Staaten  von.  Amerika  ist  der  etwaige
        <pb n="329" />
        Das  neue  Porto  gilt  auch  für  Briefe,  die  auf  direkt  verkehrenden ­
  deutschen  Postdampfern  zwischen  Deutschland  und  Amerika  auf
hoher  See  nach  einem  der  beiden  Länder  aufgegehen  werden.
Von  Hawaii,  das  den  einverleibten  amerikanischen  Territorien  der
Union  zugehört,  konnte  man  eigentlich  annehmeu,  dass  es  auch  diesem
Postverein  mit  Deutschland  angehöre.  Doch  ist  das  erst  vom  1.  August  1909
ab  der  Pall  („Dtsch.  Verk.-Ztg.“,  1909,  Nr.  30,  S.  406.).
Die  „Deutsche  Verkehrs  -  Zeitung“  wies  nun  zur  Begründung  der
Beschränkung  auf  die  Briefe  des  direkten  Seeverkehrs  zwischen  Deutschand
  und  Amerika  auf  die  Transitgebühren  hin.  Beim  direkten
Verkehr  zahle  man  bloss  die  Seetransitgebühren  oder  Vergütungen  an  die
Schiffahrtsgesellschaften,  beim  Verkehr  über  Holland  und  England  oder  über
Belgien  und  Frankreich  aber  noch  die  Landtransitgebühr  für  zwei
Länder,  also  3  Franken  (2,40  M)  für  jedes  Kilogramm  Briefe,  so  dass  auf
jeden  durchschnittlich  13,6  g  schweren  Brief  4,08  Centimes  oder
3,26  Pf.  kämen.  Die  Seetransitgebühr  aber  mache  durchschnittlich ­
  4,89  Pf.  für  den  Brief  (teils  4,  teils  5  Fr.  für  1  kg).  So  kommen
also  beim  direkten  Seeverkehr  4,89  Pf.,  beim  Weg  über  Belgien  und  Frankreich ­
  (Cherbourg  etc.)  aber  noch  3,26  Pf.  mehr,  zusammen  also  8,15  Pf.
Transitgebühr  arrf  jeden  Brief  nach  Amerika.  Bei  einem  Porto
von  insgesamt  10  Pf.  behalte  die  Post  im  ersteren  Falle  doch  noch  5,11  Pf.

Leitvermerk  des  Absenders  massgebend.  Es  empfiehlt  sich,  dass  die
Briefe  von  den  Absendern  mit  einem  Leitvermerk,  z.  B.  „über  Frankreich
oder  England“,  „schnellster  W T eg“,  „über  Bremen  oder  Hamburg“,
„direkter  Weg“  versehen  werden  .  .  .  Briefe  nach  den  Vereinigten
Staaten  ohne  Leitvermerk  des  Absenders  sind,  wenn  der  in  Freimarken ­
  verrechn  ete  Betrag  über  den  Betrag  des  Frankos  für  den  direkten
Weg  hinausgeht,  auf  dem  schnellsten  W 7 ege,  bei  geringerer  Frankierung
oder  im  Falle  der  Nichtfrankierung  auf  dem  direkten  Wege  abzusenden.“
Die  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  (1909,  Nr.  3  vom  15.  Januar,  S.  25)
berichtete:  „Dem  am  5.  d.  M.  (Januar)  von  Bremerhaven  abgegangenen
Dampfer  „Prinz  Friedrich  Wilhelm“,  dem  ersten,  mit  dem  die'  nach  dem
ermässigten  Satze  von  10  Pf.  für  je  20  g  frankierten  Briefe  nach  den  Vereinigten ­
  Staaten  von  Amerika  befördert  werden  konnten,  sind  2'6  Postsäcke ­
  nach  den  Vereinigten  Staaten,  die  etwa  35  000  Briefe  enthielten,
zugeführt  worden.  Unter  den  früheren  Verhältnissen  wären  mit  diesem
Dampfer,  der  von  einem  später  von  Southampton  abgehenden  Dampfer  der
American  Line  überholt  wird,  überhaupt  keine  Briefe  zu  befördern  gewesen.“
Im  Publikum  glaubte  man  übrigens  vielfach  irrtümlich,  dass  auch  für
andere  Sendungen,  als  Briefe,  eine  Portoermässigung  Platz  gegriffen  habe,
denn  es  waren  in  den  ersten  Januartagen  aus  allen  Teilen  Deutschlands
4000  Postkarten  beim  Bremer  Postamt  1  (für  Amerika)  eingegangen,  die
statt  mit  10  Pf.  nur  mit  5  Pf.  frankiert  waren.  So  weit  sind  wir  jedoch
noch  nicht
        <pb n="330" />
        291

von  der  Portoeinnahme,  im  letzteren  Falle  (über  Belgien  und  Frankreich)
aber  nur  1,80  Pf.
Beim  Wege  aus  Amerika  nach  Deutschland,  wo  das  amerikanische
Porto  nur  2  Cents  oder  8,40  Pf.  beträgt,  bleiben  der  Post  im  letzten  Falle
nur  0,20  Pf.  Portoeinnahme  übrig.  Die  ,,D.  V.-Z“  schreibt  dann  weiter:
„Dass  mit  solchen  minimalen  Beträgen  die  Selbstkosten  auch  nicht  annähernd ­
  gedeckt  werden,  bedarf  keines  Beweises;  auch  der  bei  der
direkten  Beförderung  verbleibende  Betrag  von  rund  0  Pf.  für
den  Brief  deckt  nicht  die  Selbstkosten.  Für  den  Wissenden  wirkt
hiernach  der  in  der  Presse  so  beliebte  Hinweis  darauf,  dass  der  Verkehr
riesig  wachsen  und  so  den  Ausfall  decken  werde,  geradezu  komisch,  denn
mit  der  Zunahme  der  Briefe  steigt  auch  der  Aufwand  an
Transitgebühren,  teils  sogleich  durch  die  Zahlungen  an  die  Reedereien,
teils  bei  der  nächsten  periodischen  Feststellung  der  zwischen  den  einzelnen
Postverwaltungen  zu  zahlenden  Vergütungen.  Und  so  würde  es  da
gehen,  wie  bei  dem  bekannten  intelligenten  Kaufmann,  der  bei
Eröffnung  seines  Geschäfts  unter  den  Selbstkosten  verkarrfte
und  zur  Begründung  sagte:  ,Die  Menge  muss  es  bring-en 1 .  Welt-Penny-Porto
  und  Rentabilität,  das  ist  überhaupt  eine  sehr  kitzliche
Frage,  über  die  am  leichtesten  die  gänzlich  unbefangenen  Leute  hinwegkommen! ­
  Unter  diesen  Umständen  kann  es  nicht  verwunderlich  erscheinen,
dass  bei  der  gegenwärtigen  Finanzlage  auch  die  deutsche  Postverwaltung
es  für  angezeigt  erachtet  hat,  die  Portoermässigung  auf  den  direkten  Weg
zwischen  den  beiderseitigen  Häfen  zu  beschränken.“
Diese  vorläufige  Beschränkung  war  begreiflich,  wenn  auch  nicht  verschwiegen ­
  werden  darf,  dass  Hamburger  Kaufleute  bereits  über  die  langsame
Beförderung  und  die  Bevorzugung  der  englischen  Konkurrenz  geklagt  haben.
Doch  auch  Holland  beschränkt  sein  billiges  Kolonialporto  nach  Niederländisch-Indien
  auf  den  direkten  Postdampferweg.  Wer  Eile  hat,  wird  gern
10  Pf.  mehr  bezahlen.  Aber  auf  die  übrigen  Ausführungen  Hesse  sich  doch
vieles  erwidern,  das  die  Sache  in  einem  ganz  anderen  Lichte  erblicken
lässt.  Schon  an  anderer  Stelle  (S.  78f.,  166)  wurde  eingehend  darüber  gehandelt.
Ich  will  hier  in  Kürze  nur  einen  Satz  wiederholen,  den  ich  am
20.  Juli  1908  in  den  „Mitteilungen  des  Handelsvertragsvereins“  (Nr.  11/13,
S.  101)  in  einem,  auch  ein  deutsch-amerikanisches  Abkommen  empfehlenden
Artikel  („Das  transatlantische  Pennyporto“)  hinstellte:  „Das  Briefporto
für  die  verschiedenen  Beförderungsstrecken  verschieden  zu
berechnen,  je  nach  den  Selbstkosten,  das  ist  doch  ein  längst
überwundener  Standpunkt.  Sonst  müsste  man  auch  im  inländischen ­
  Verkehr  so  verfahren,  wo  in  verkehrsarmen  Gegenden,
auf  dem  Lande  und  im  Gebirge  schon  die  Personalselbstkosten
oft  bei  weitem  nicht  g-edeckt  werden  durch  das  Briefporto.
Deshalb  soll  auch  im  überseeischen  Weltverkehr  davon  abgesehen ­
  werden,  dass  das  Porto  in  jedem  Falle  die  Kosten  jeder
Honte  decken  müsse.“

io 1 -
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        Aus  Deutschland  nach  der  Union  gingen  1906  rund  12,20  Millionen
frankierte  Briefe,  aus  dem  Reichspostgebiet  (d.  h.  Deutschland  ohne  Bayern
und  Württemberg)  ebendahin  9,94  Millionen;  1907  waren  es  11,88  Millionen
(aus  dem  Reiohspostgebiet).
Umgekehrt  schickte  die  Union  nach  dem  Reichspostgebiet  nur
7,4  Millionen  Briefe.
Wenn  nun  bei  der  Hälfte  der  Reichspostbriefe  künftig  je  10  Pf.
weniger  eingehen,  so  wurde  das  eine  theoretische  Einbusse  von  etwa
600  000  M  sein  Bei  fest  subventionierten  Dampferlinien,  die  bei  einem
Mehrverkehr  von  Briefen  keine  höheren  Vergütungen  erhalten,  würde  eine
Verkehrssteigerung  natürlich  auch  wirkliche  Mehreinnahmen  der  Post  ergeben.
Wie  sich  die  Briefe  künftig  auf  den  direkten  Seeweg  und  die  andern
Wege  verteilen,  ist  freilich  nicht  vorauszusehen.  Da  die  Zahl  der  Briefe
ans  Deutschland  nach  den  amerikanischen  Schutzgebieten  und  Besitzungen
nur  sein -  gering  ist  (nach  Portorico  17  720,  Panama  15  980,  Cuba  118  650,
Philippinen  33  640,  Südseeinseln  20  650)  und  umgekehrt  wohl  noch  geringer,
so  wäre  zu  wünschen,  dass  das  neue  billige  Porto  gegenseitig
auch  für  die  beiderseitigen  Kolonien  gelte,  sofern  sie  über  das
Mutterland  oder  auf  direktem  Seewege  erreichbar  sind.  Denn  der  Ausfall
käme  hier  kaum  in  Betracht;  dem  unaufhaltsam  kommenden  Welt-Penny-Porto
  würden  aber  die  Wege  dadurch  zweifellos  nur  weiter  geebnet
werden,  und  der  deutsch-amerikanische  Postverein  würde  dann  vollständig
und  lückenlos  dastehen.

15.  Marokkos  Postvereine
a)  mit  Spanien;
b)  mit  Gibraltar  (England);'
c)  mit  Frankreich  nebst  Algier  und  Tunis;
d)  mit  Tripolis  (Türkei);
e)  mit  Deutschland  nebst  Kolonien;
f)  mit  China.
Das  Sultanat  oder  Kaiserreich  Marokko  (456  000  qkm  mit  etwa  7  Milk
Menschen)  hat  keine  eigene  ordentliche  Reichspost,  sondern  bloss  eine
Botenanstalt  der  Regierung,  hie  und  da  einige  private  Postunternehmungeu
und  dann  44  Postanstalten  fremder  Staaten  mit  regelmässig  und  ziemlich
häufig  gehenden  Postkursen,  die  zwar  vorwiegend  zur  See,  aber  auch  mittels
Landbotenposten  alle  Küstenstädte  miteinander  sowie  die  wichtigeren  Städte
im  Innern  verbinden.’ 8 )  Die  Küstrnstrecke  ist  etwa  700  km  lang.  Die
Küstenstädte  sind  folgende:  Tetuan,  Tanger  (20  000  Einw.),  Larache
(15  000  Einw.),  Rabat,  Casablanca,-  Mazagan,  Saffi  und  die  südlichste,
Mogador  (20  000  Einw.).  Die  nördlichen  Binnenstädte:  Alkassar  (9000  Einw.),
Pez  (150  000  Einw.),  Meknes  (50  000  Einw.);  im  Süden  Marrakesch  oder  18
18)  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1900,  S.  112  —  116  („Postbeförderung ­
  in  Marokko“).
        <pb n="332" />
        293

Marokko  (50  000  Einw.).  In  allen  diesen  11  Städten  sind  deutsche  Postanstalten,' ­
 9 )  deren  erste  1899  in  Tanger  errichtet  wurde.  Ihr  Gesamtverkehr ­
  machte  1906  rund  1  402  000  Briefsendungen  aus.  Ein  handeltreibendes ­
  Elernen*-  in  Marokko  sind  besonders  auch  die  150  000  Juden,  die
eigene  Viertel  in  den  Städten  haben.
Doch  schon  früher  als  deutsche  Postanstalten  gab  es  in  Marokko
französische,  spanische  und  englische  Postämter,  die  sämtlich
eigene  Boteneinrichtungeil  und  Postkurse  haben.  Die  englischen  Postämter
werden  von  Gibraltar  unterhalten.  Diese  fremden  Postaustalten,  insgesamt ­
  44,  gelten  als  dem  Weltpostverein  angeschlossen.  Marokko  selbst
gehört  ihm  ja  noch  nicht  au,  ebenso  wie  China.  Die  deutschen  und  französischen ­
  Posten  benutzten  oft  gegenseitig  ihre  Boten,  nämlich  an  den
Tagen,  wo  eigene  Boten  nicht  gehen  oder  kommen.
Ehedem  wurden  im  Verkehr  der  fremden  Postämter  mit  ihrem  Mutterlande ­
  oder  dem  Auslande  natürlich  die  Portosätze  des  Weltpostvereins  angeweudet.
  Doch  seit  längerer  Zeit  schon  gelten  für  Briefsendungen
zwischen  Spanien  und  den  spanischen  Postanstalten  in  Marokko
sowie  für  Briefe  zwischen  Gibraltar  und  den  britischen  Postanstalten
Marokkos  ermässigte  Portotaxen.  Am  1.  Oktober  1907  folgte  auch
Frankreich  diesem  Beispiel  und  wendet  seitdem  für  Briefsendungen  im
Verkehr  von  Frankreich,  Algier,  Tripolis  und  Tunis  mit  den  französischen
Postämtern  in  Marokko  den  inneren  französischen  Tarif  au.  Bald  darauf,
am  15.  November  1907,  hat  auch  Deutschland  im  Verkehr  mit  den
deutschen  Postanstalten  Marokkos  im  wesentlichen  die  internen  deutschen
Taxen  eingeführt; 20 )  diese  gelten  aber  auch  im  Verkehr  der  deutschen
Kolonien  mit  Marokko  und  seit  dem  1.  Juli  1908  auch  zwischen  den
deutschen  Postämtern  in  Marokko  und  in  China. *  20  21 )
Für  die  weiteren  französischen  und  englischen  Kolonien  scheint  noch
der  Weltposttarif  nach  und  von  Marokko  zu  gelten.
Betrachtet  man  diese  postalischen  Beziehungen  des
Sultanats  näher,  so  ergibt  sieb,  dass  Marokko,  obwohl  dem
Weltpostverein  noch  gar  nicht  angehörend,  tatsächlich  doch
in  einem  bevorzugten  Postvereinsverhältnis  mit  Gibraltar,  mit
Spanien,  mit  Frankreich  nebst  den  nordafrikanischen  französischen ­
  Schutzgebieten  und  endlich  auch  mit  Deutschland
nebst  allen  seinen  Kolonien,  aber  —  vermittelst  der  14  ostasiatischen

10)  Vgl.  die  Deutsche  Reichspoststatistik  für  1906,  S.  7  u.  68.  lieber
die  Entwicklung  der  deutschen  Postanstalten  in  Marokko  vgl.  „Deutsche
Verkehrs-Zeitung“  1899,  S.  610—612;  1900,  S.  401;  1901,  S.  389—390;  1903,
S.  266.  Ferner  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1903,  S.  80—83  (mit
Kartenskizze).
20 )  Näheres  hierüber  in  der  „Deutschen  Verkehrs-Zeitung“  1907,  Nr.  40,
S.  554  und  im  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1907,  Nr.  24,  S.  750.
21 )  Vgl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1908,  Nr.  13,  S.  389.
        <pb n="333" />
        294

deutschen  Postämter  —  auch  mit  China  steht  und  sich  des  billigen,
internen  Portos  an  Stelle  des  teureren  Weltportos  erfreut.
Die  oben  genannten  marokkanischen  Städte  mit  fremden  Postanstalten
dürften  etwa  400  000  Einwohner  zählen.  In  Fez  lebten  1901  bloss  6  Deutsche
und  9  andere  Europäer,  in  Alkassar  kein  einziger  Deutscher,  In  Mekues
überhaupt  kein  Europäer, 22 )  aber  in  allen  drei  Städten  gibt  es  deutsche
Postanstalten,  in  Meknes  auch  eine  französische.  Der  Gothaer  Hofkalender
für  1909  (,S.  872)  gibt  die  Gesamtzahl  der  Fremden  im  Marokkanischen
Reiche  für  1904  mit  8883  an  (davon  6813  Spanier,  1027  Briten,  784  Franzosen ­
  und  169  Deutsche).  Und  daneben  5—8  Millionen,  nach  andern
7  Millionen  Eingeborene.  Man  kann  also  wohl  sagen:  die  Marokkaner  erfreuen ­
  sich  eines  billigen  Postvereinsportos  im  Verkehr  mit  6  fremden
Ländern.  Sie  können  in  Tanger  oder  Fez  nach  Belieben  bald  das  englische
oder  spanische,  bald  das  deutsche  oder  französische  Postamt  benutzen.  Sie
haben  bereits  ein  Pennyporto  nach  benachbarten  xrnd  fernen  fremden  Staaten,
wie  andere  es  meist  noch  nicht  haben.  Zur  Veranschaulichung  wollen  wir
diese  verschiedenen  Beziehungen  im  einzelnen  vorführen.  Es  bestehen  also
folgende  Postvereine  hier:
a)  Marokkos  Postverein  mit  Spanien.
Vermittelt  durch  die  9  spanischen  und  zugleich  durch  die  9  britischen
Postanstalten  in  Marokko. 23  * )
Vereinsporto:  der  innere  spanische  Tarif  (vgl.  S.  254'.  Da  jedoch
Gibraltar  mit  Spanien  im  Postverein  steht,  so  vermitteln  seine  Postämter
in  Marokko  auch  den  Verkehr  nach  Spanien  zum  Vereinstarif  (Briefe:
1  Penny).
b)  Marokkos  Postverein  mit  Gibraltar  (England).
Vermittelt  durch  Gibraltars  britische  Postanstalten  (9)  in  Marokko.
Vereinsporto:  nur  für  Briefe  —  1  Penny  (statt  2 l / a )  =  S 1 /.,  Pf.
c)  Marokkos  Postverein  mit  Frankreich,  Algier  und  Tunis.
(Seit  dem  I,  Oktober  1907.)
Vermittelt  durch  die  12  französischen  Postanstalten  in  Marokko.
Vereinsporto:
Briefe:  10  Centimes  oder  Centimes  (=  8,1  Pf.)  für  je  15  g;  Postkarten;
10  Centimes  (also  ohne  Ermässigurg  des  Weltportosatzes);  Drucksachen ­
  (unter  Streifband):  15  g  2  Centimes  oder  Centimos;  Drucksachen
im  Couvert  oder  als  Karte:  mindestens  5  Centimes  (=  4,05  Pf.  ;  Waren-22

 )  „D.  Verkehrs-Ztg.“  1901,  S.  390.
23 )  Siehe  „Eecueil  de  renseignements  concernant  l’execution  de  la
Convention  etc.“  (vom  Berner  Bureau)  1907,  S.  70.
        <pb n="334" />
        295

proben  und  Geschäftspapiere',  je  50  g  5  Centimes  (ohne  die  Mindesttaxe ­
  von  10  Centimes). 24 )
d)  Marokkos  Postverein  mit  Tripolis  (Türkei).
(Seit  dem  1.  Oktober  1907.)
Durch  die  12  französischen  Postanstalten  in.  Marokko  und  das  französische ­
  Postamt  in  Tripolis  (vgl.  S,  279  f.)  stehen  Marokko  und  Tripolis  in
einem  Postvereinsverhältnis,  da  das  interne  französische  Porto  (vgl.  S.  269)
in  diesen  Verkehrsbeziehungen  augewendet  wird.  Ob  auch  für  den  Verkehr
der  französischen  Postämter  in  der  .  europäischen  und  kleinasiatischen  Türkei
mit  Marokko  dasselbe  Porto  gilt,  ist  mir  nicht  bekannt.  Es  ist  jedoch
mög’ich.  Aus  der  Berner  Publikation  geht  es  nicht  ganz  deutlich  hervor.
e)  Marokkos  Postverein  mit  Deutschland  und  seinen  Kolonien.
(Vom  15.  November  1907  ah.)
Br  wird  vermittelt  durch  die  erwähnten  deutschen  Postanstalteu  in
Marokko,  die  sich  in  14  marokkanischen  Städten  befinden. 25 )
Vereinsporto  (dem  deutschen  Inlandstarif  fast  gleich) 26 ):
Briefe:  bis  20  g  lOCeutimos  (=  8,1  Pf.)  oder  10Pf.,bis  250  g  2.5  Cent,  oder  20  Pf.;
Postkarten:  5  Centimes  (=  4,05  Pf)  oder  5  Pf.;  Drucksachen  und
Geschäftspapiere:  wie  in  Deutschland,  nur  in  Marokko  stets  ebensoviel
Centimes  wie  in  Deutschland  Pfennige.  Meistgewicht  jedoch  2  kg  (nicht
1  kg),  Taxe  60  0.  oder  60  Pf.;  Warenproben:  250  g.  10  C.  oder  Pf.,  350  g
20  C.  oder  Pf.
Innerer  Tarif  Marokkos
(d,  h.  Porto  der  deutschen  Postanstalten  Marokkos  im  Verkehr  unter  einander).
Briefe:  bis  20  g  10  Centimes  (8,1  Pf.);  bis  50  g  20  C.  (=  16,2  Pf.);  bis  250  g
25  0.  (==  20,25  Pf.).  Die  übrigen  Sendungen  ebenso  wie  das  Vereinsporto. ­

24 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1907,  S.  554.  In  den  fremden
Postämtern  wird  meist  der  spanische  Franken  (Peseta)  zu  100  Centimes
(Centimes)  den  Portosätzen  zugrunde  gelegt.  Marokko  selbst  hat  Silberwährung ­
  (Piaster  zu  100  Centavos,  nominell  4,72  M,  Silberwert  1905:  2,16  M),
2ä )  Das  amtliche  „Postbuch  für  Berlin“  vom  Oktober  1908  (S.  255)  gibt
nur  11,  deutsche  Postämter  (beim  Abschnitt  Postanweisungen)  in  Marokko
an.  Ich  weiss  nicht,  ob  jetzt  infolge  der  bisherigen  Wirren  des  Landes
zeitweilig  bloss  so  viele  in  Betrieb  sind  oder  ob  nur  diese  II  es  sind,  die
einen  Postanweisungsdienst  haben.  In  Alkassar  und  Meknes  gab  es,  obwohl ­
  da  deutsche  Postanstalten  bestehen,  diesen  Dienstzweig  1903  noch
n  oht  (vgl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1903,  S.  83.)
26)  Yg.p  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1907,  S.  554.  —  Der  spanische
Franken  (1  Peseta  =  100  Centimes),  nominell  81  Pf.,  hat  als  Papiergeld  nur
den  Wert  von  etwa  64  Pf.;  doch  schwankt  er  natürlich.  Spanien  hat  noch
Doppelwährung,  Marokko  Silberwährung.
        <pb n="335" />
        —  296  —
Das  obige  deutsche  Vereinsporto  gilt  aber  auch,  wie  gleich  näher  ausgeführt
  wird,  von  den  deutschen  Postanstalten  in  Marokko  nach  denen  in
China  und  umgekehrt.
f)  Marokkos  Poslverein  mit  China.
(Vom  15.  November  1907  ab.)
Dadurch,  dass  die  14  deutschen  Postanstalten  in  Marokko  und  ebenso
14  in  China  im  Wechselverkehr  im  wesentlichen  das  deutsche  Inlandsporto
für  alle  Arteii  Briefpostsendungen  anwenden,  wie  eben  oben  angegeben,
stehen  auch  diese  beiden  dem  Weltpostverein  noch  gar  nicht  angehörenden
Reiche  schon  in  einem  Postvereinsverhältnis  mit  einander  und  gemessen
ein  ermässigtes  Vorzugsporto  vor  dem  Weltporto.  Ein  Brief  aus  Marokko
nach  Peking,  Shanghai  oder  Canton  kostet  nur  10  Centimes  oder  8  Pf.,
wenn  er  dorthin  an  das  deutsche  Postamt  geht.  Aber  selbst,  wenn  er  etwa
mit  der  chinesischen  Reiohspost  in  das  tiefste  Innere  Chinas  weitergesamdt
würde,  so  würde  das  hinzukommende  chinesische  Inlandsporto  für  Briefe
in  Höhe  von  ‘I  Cents  (=  4  Pf.)  das  Gesamtporto  doch  bloss  auf  12  Pf.
steigern,  während  das  Weltpostvereinsporto  20  Pf.  oder  25  Centimes  beträgt.
Es  leuchtet  also  ein,  wie  bevorzugt  China  und  Marokko  heute  in
bezug  auf  die  Höhe  des  Weltportos  dastehen.
Dass  man  dem  Handel  damit  die  Wege  ebnen  will,  ist  gewiss  nur
lobenswert, 27 )  Aber  der  sehr  viel  grössere  Handel  der  europäischen  Staaten
27 )  Das  amtliche  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  (1907,  S.  750)
schrieb  bei  Mitteilung  des  neuen  Portos:  „Der  Briefverkehr  der  deutschen
Postanstalten  in  Marokko  hat  im  Jahre  1906  in  der  Richtung  nach  dem
Reichspostgebiete  381  250  und  in  umgekehrter  Richtung  75  110  Sendungen
ausgemacht.  Es  darf  angenommen  werden,  dass  die  Taxherabsetzung
  eine  Zunahme  des  deutsch-marokkanischen  Briefverkehrs ­
  zur  Folge  haben  und  dazu  beitragen  wird,  die  wirtschal'tli ­
  dien  Interessen  Deutschlands  in  Marokko  zu  fördern.“
Nach  der  Reichspoststatistik  für  1906  beförderten  die  deutschen  Postanstalten ­
  Marokkos  insgesamt  (einschliesslich  des  marokkanischen  Inlandsverkehrs) ­
  1  401  900  Briefsendungen  (929  200  aufgegebene  und  472  700  angekommene), ­
  ferner  24  225  Postanweisungen  (Wert:  4  085  325  M),  4020  Pakete
und  43  038  Zeitungsnummern.  —  Aus  ganz  Deutschland  (d.  h.  Reichspostgebiet ­
  nebst  Bayern  und  Württemberg)  gingen  (nach  der  Berner  Statistik
für  1906)  an  die  deutschen  Postanstalten  in  Marokko  89  060  Briefpostsendungen ­
  (41  170  fr.  Briefe,  13  720  Postkarten,  12  330  Drucksachen,  2590
Warenproben,  1220  Geschäftspapiere  usw.).  —  An  die  fremden,  dem  Weltpostverein ­
  angeschlossenen  Postanstalten  Marokkos  insgesamt  gingen  aus
Oesterreich  24  410  Sendungen  (darunter  12  730  fr.  Briefe  und  5120  Karten),
aus  Belgien  17  004  Sendungen  (darunter  9880  Briefe),  aus  Aegypten
7620  Sendungen  (4970  fr.  Briefe),  aus  Frankreich  (an  die  nichtfranzösischen
Postämter  Marokkos)  20  615  Sendungen  (9463  fr.  Briefe),  aus  England
172  213  (86  303  Briefe),  aus  Italien  31  242  Sendungen  (23  450  Briefe),  aus
        <pb n="336" />
        297

untereinander  oder  mit  so  vielen  wichtigen  anderen  Ländern  darf  doch  wohl
beanspruchen,  dass  er  nicht  wesentlich  ungünstiger  gestellt  werde  und  dass
er  dieselbe  postalische  Meistbegünstigung  auch  in  seinen  andern  Verkehrsbeziehungen
  geniesse,  wie  das  Reich  der  Mitte  und,  das  .  Land  des  Magzen
sie  bereits  besitzen.

16.  Chinas  Postvereine
a)  mit  Deutschland  und  seinen  Schutzgebieten;
b)  mit  England  und  seinen  Kolonien;
o)  mit  Aegypten  fnebst  dem  Sudan);
d)  mit  Frankreich  und  seinen  Kolonien;
e)  mit  Tripolis  (Türkei);
f)  mit  Japan  (nebst  Korea);
g)  mit  Marokko;
h)  mit  Russland;
i)  mit  den  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika.
Das  grosse  „Reich  der  Mitte“  (11  138  880  qkm  mit  330  MUL  Einw.)
steht  zwar  mit  seiner  eigenen  Reichspost  ebenso  wie  Marokko  immer  noch
ausserhalb  des  Weltpostvereins,  hat  aber  den  Weltpostkongress  schon  zweimal ­
  beschickt  und  hofft,  bis  znm  nächsten  Kongress  seinen  Beitritt  anmelden
  zu  können,  weshalb  ihm  auf  seinen  Wunsch  das  Protokoll  zur
Unterzeichnung  des  Weltpostvertrages  offen  gehalten  wurde. 28 )
Schon  seit  undenklichen  Zeiten  hat  China  zweierlei  Arten  von  Postanstalten:
  eine  Staatskurierpost,  der  Leitung  des  Kriegsministers  unterstehend, ­
  und  eine  Unmasse  von  Privatposten,  die  meist  von  Kanfleuten
und  Handelsgesellschaften  betrieben  werden. 29 )
Die  alte  Staatspost  befördert  nur  Regierungsbriefschaften  und  Sendungen ­
  au  Behörden.  Ihre  Unterhaltungskosten  sind  sehr  hoch  —  etwa
3  Millionen  Haiknan-Taels  (=  19,2  Milk  M  Silber  oder  etwa  10  Milk  M
Kurs-Goldwert)  —  doch  hat  man  sie  nie  durch  Mitbefördernng  der  Privatkorrespondenzen ­
  zu  vermindern  gesucht.
Neuerdings  ist  daneben  noch  eine  Kaiserlich  Chinesische  Reichspost ­
  für  den  allgemeinen  Verkehr  des  eigentlichen  Chinas  nebst  der
Holland  3302  Sendungen  (1846  Briefe),  ans  Portugal  16  404  (0706  Briefe),
ans  der  Schweiz  11219  Sendungen  (4212  Briefe),  aus  Tunis  (überhaupt
nach  Marokko)  28  692  (9072  Briete),  ans  der  Türkei  1826  (1041  Briefe),  ans
Algier  029  (208  Briefe),  aus  französisch  Indo-China  1118  (468  Briefe)  und
Im  übrigen  nur  wenige,  garnicht  nennenswerte  Zahlen.
2S )  Vgl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  (Berlin)  1906,  S.  434f  (in
dem  Aufsatz  :  „Verhandlungen  n.  Beschlüsse  des  Postkongresses  in  Rom“,  1906).
29)  Vgl.  den  Aufsatz  „Das  Postwesen  in  China“  im  „Archiv  für  Post
und  Telegraphie“  1906,  S.  103  —  112  und  die  für  das  Tarifwesen  wichtigen
ergänzenden  Bemerkungen  dazu  in  der  „Deutschen  Verkehrs-Zeitung“
1906,  S.  373.
        <pb n="337" />
        298

Mandschurei  und  Mongolei  (docli  noch  ohne  Tibet  und  Turkestan)  entstanden, ­
  die  aus  den  um  1860  sich  entwickelnden,  besonders  vom  Generalzollinspektor ­
  Hart  ausgebildeten  Seezollposten  hervorging  und  1896  mit
Unterstützung  der  Regierung  für  das  ganze  Reich  organisiert  wurde,  so
dass  1901  zwar  erst  176,  1904  aber  schon  1819  Reichs-Postanstalten,  1906
dann  schon  1626  und  Ende  1907  gar  bereits  2541  Postämter,  die  meisten
in  den  Küstengebieten  und  am  Jangtse,  gezählt  wurden,  die  sich  über
alle  Provinzen  ausbreiten  und  in  allen  wichtigeren  Städten  angelegt  sind.
Briefsendungen  jeder  Art,  Postanweisungen  und  (seit  1898;  auch  Pakete  werden
von  ihr  befördert, 30 )  sowohl  nach  dem  Inlande  wie  nach  und  vom  Auslande. ­
  Freimarken  sind  längst  üblich.
Der  inländische  Tarif  der  chinesischen  Reichspost,
seit  1897  wiederholt  geändert,  wurde  im  September  1901  folgendermassen
festgesetzt: 31 )
30 )  Näheres  über  den  „Postpaketdienst  in  China“  und  seine  Tarife
findet  man  schon  in  der  „Deutschen  Verkehrs-Zeitung“  1839,  S.  182  f.  Die
letzte  Statistik  der  chinesischen  Postämter  findet  man  im  „Archiv  für  Post
und  Telegraphie“  1908,  S.  291.
8t )  In  China  zahlt  man  mit  Silber  (aber  öfter  auch  schon  mit  Gold)
nach  Gewicht  (Tael).  1  Tael  (Gewichtsmass)  =  37,78  Gramm:  für  Silber
(in  Canton)  jedoch  37,573  g;  1  Haikuan-Tael  (Regierungs-Tael)  —  38,246  g.
Bei  dem  Preise  von  60 7 /s  Pence  für  1  Unze  Standard-Silber  hat  ein
Haikuan-Tael  den  Wert  von  6,68  Mark  D.  R.  W.  (6  sh  6Va  d).
Der  Londoner  Wechselkurs  von  1906  ergab  aber  durchschnittlich  nur
einen  Wert  von  3  sh.  iP/s  d,  der  Berliner  Kurs  3  M  35  Pf.  (1905:  3,07  M).
—  1  Tael  Silber  =  1600—1700  Käsch  (Scheidemünze).
An  der  ganzen  ostasiatischen  Küste  kursiert  aber  hauptsächlich ­
  der  mexikanische  Dollar  als  Zahlungsmittel.  Daneben
auch  neuerdings,  doch  selten,  chinesische  Dollarstücke.
1  mexikanischer  Dollar  oder  Peso  (zu  100  Centavos)  in  Silber  war
nominell  4,396  M  wert.  Aber  nach  dem  faktischen  Silberwert  z.  B.
schon  im  Jahre  1900  nur  2,05  M.
Seit  1904/05  ist  nun  der  mexikanische  Dollar  in  Mexiko  gesetzlich ­
  auf  2  M  10  Pf.  in  Gold  festgelegt,  und  es  werden  da  Goldmünzen
(5  und  10  Peso)  geprägt.
Auch  Japan  hatte  bis  1897  den  Silberdollar  oder  Yen  (zu  100  Sen
oder  Cents),  nominell  4,37  M,  faktischer  Silberwert  damals  (1897)  1,97  M.
Seit  1897  wurde  aber  die  Goldwährung  eingeführt.
I  Gold-Yen  japanisch  =  2  M  9,2  Pf.  (Kurswert  in  Berlin  meist
2  M  6  Pf,),  (Vgl.  Hübners  geograph.  statistische  Tabellen.)
Nach  dem  früheren  starken  Preissturz  des  Silbers  hielt  sich  der
mexikanische  Dollar  an  der  ostasiatischen  Küste,  in  China,  längere
Zeit  hindurch  auf  der  Höhe  von  etwa  2  Mark.  Im  November  1900  stieg
er  bis  auf  2,23  M,  sank  Ende  1901  bis  auf  1,95  M,  Ende  1902  bis  auf  1,70  M,
        <pb n="338" />
        299

Briefe:  jede  Va  Unze  (14,17  g)  2  Cents  (4  Pf.);  Ortsbriefe  1  Cent  (2  Pf.); 82 )
Postkarten  (auch,  im  Ortsverkehr):  1  Cent  (2  Pf.}.
Zeitungen:  je  2  Unzen  (56,68  g)  1  Cent  (2  Pf  1;  im  Ortsverkehr  &amp;gt;/a  Cent  (1  Pf.);
Andere  Drucksachen,  Warenproben  und  Geschäftspapiere:  3  Unzen  185  g)
2  Cents  (4  Pf);  im  Ortsverkehr  1  Cent  (2  Pf.);
über  3  bis  8  Unzen  (226,72  g)  5  Cents  (1.0  Pf  );  im  Ortsverkehr  2  Cents
(4  Pf.);
über  8  bis  10  Unzen  10  Cents  (20  Pf,);  im  Ortsverkehr  4  Cents  (8  Pf.);
16  bis  32  Unzen  15  Cents  (30  Pf);  im  Ortsverkehr  8  Cents  (!6Pfi;
32  bis  64  Unzen  30  Cents  (60  Pf.);  im  Ortsverkehr  15  Cents  (30  Pf.).
Die  zahllosen  Privatposten  werden  möglichst  der  Reichspost  ungegliedert ­
  und  die  alte  Staatskurierpost  ist  auf  manchen  Linien  bereits
abgelöst.  1904  bedurfte  die  neue  chinesische  Reichspost  noch  eines  jährlichen
Zuschusses  von  720  000  Haikuan-Taels  (4,6  Mill.  M.  Silber),  der  jedoch  zur
Hälfte  zu  ihrem  weiteren  Ausbau  benutzt  wird.  1901  wurden  erst  10 l /a,
1904  wurden  66  Millionen,  1905  aber  76  Millionen  chinesische  Reichspostsendungen
  befördert,  daneben  9  Millionen  Briefe  mit  Dampfern  auf
Rechnung  der  Privatposten. 83 )
China  hat  mit  vielen  Staaten  des  Auslandes  (1900  mit  Frankreich, ­
  1903  mit  Japan,  1904  mit  Britisch-Indien  und  Hongkong,  1905  mit
Deutschland  und  Natal)  Postverträge  abgeschlossen  und  befördert
nach  dem  Weltpostvereinstarife  frankierte  Briefe  und  Postkarten ­
  aus  anderen  Ländern  allgemein  ohne  Nachtaxe  an  die
Empfänger  in  China.
Andere  Sendungen  aus  dem  Auslande,  also  Drucksachen  asw.,  nach
Orten,  die  mit  Eisenbahnen  oder  Dampfern  nicht  zu  erreichen  sind,  uuterim
  Februar  1903  sogar  bis  auf  1,66  M,  stieg  im  Oktober  bis  auf  2,02  M
und  ging  unter  Schwankungen,  als  die  grosse  Geldkrise  sich  auch  in  Ostasien ­
  geltend  machte,  im  November  1906  bis  auf  2,39  M,  im  Dezember  auf
2,38  M.  (So  war  es  bei  der  Gouvernementskasse  in  Kiautschou.)  (Vgl.  die
Denkschrift  betreffend  die  Entwickelung  des  Kiautschou-Gebietes,  Nr.  268
der  Reichstagsdrucksachen  der  I.  Session  1907.)
In  Hongkong  hatte  der  Dollar  1905  den  Wert  von  1,93  M.
Somit  kann  man  beim  Brieftarif  für  einen  Cent  (in  China)
nur  rund  2  Pf.  oder  2,1  oder'  2,3  Pf.  rechnen,  nicht  wie  beim  nordamerikanischen ­
  Dollar-Cent  4,2  Pf.  (1  Dollar  in  der  Union  =  4  M)  19,8  Pf.).
Ein  Nachlassen  der  Geldkrise  dürfte  ja  wohl  auch  schon  wieder  eingetreten ­
  sein.
Näheres  über  die  chinesischen  Geld-  und  Währungsverhältnisse  findet
man  auch  im  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  (Berlin),  Jahrgang  1900,
S.  582  bis  585  und  1908,  S.  505—510  („Währung  und  Währungsreform  in
China“  von  J.  Wiese).
82 )  Früher  betrug  das  Briefporto  auch  für  Fernbriefe  nur  1  Cent.
33 )  In  Hübners  Tabellen  (1908,  S  53)  werden  für  1906  schon  insgesamt
114,4  Millionen  chinesischer  Postsendungen  angegeben.
        <pb n="339" />
        300

liegen  einem  Zuschlag  in  der  Höhe  des  Inlandsportos,  das  ja  aher  sehr
niedrig  ist.
Für  Sendungen  aus  China  nach  dem  Auslande  gelten  bereits ­
  die  Normalsätze  des  Weltportos.  Das  chinesische  Eelchspost-Briefporto
  nach  Ländern  des  Weltpostvereins  beträgt
10  Cents  (20  Pf.)  für  4 / 2  Unze  (14.17  g\  nach  Japan  jedoch  nur
3  Cents  (6  Pf.). 34 )
Nun  bestehen  aber  in  China  seit  längerer  Zeit  —  in  Shanghai 35 )  bereits ­
  seit  1864  —  Postämter  fremder  Länder,  besonders  zahlreich  in
den  Vertragshäfen.  Ihre  Beseitigung  wurde  schon  Ende  -der  achtziger
Jahre  vom  Seezolldirektor  Hart  beantragt,  aber  nicht  erreicht;  sie  haben
sich  vielmehr  seit  1897  noch  weiter  entwickelt,  sogar  bis  ins  Binnenland,
und  vermitteln  auch  den  Verkehr  mit  dem  Anslande.  Diese  fremden  Postanstalten ­
  sind  meist  auch  dem  Weltpostverein  angeschlossen.
Sie  hatten  natürlich  für  den  internationalen  Verkehr  dementsprechend  die
Weltportosätze  eingeführt.  Diese  galten  vorher  auch  im  Verkehr  mit
dem  Mutterlande.
In  der  letzten  Zeit  sind  nun  aber  für  diese  Beziehungen  der  fremden
Postämter  mit  dem  Ursprungslande  die  Kolonialreichstarife,  im  wesentlichen ­
  also  die  Inlandsportosätze  des  Mutterlandes  eingeführt
worden.  Die  Postanstalten  dieser  Beiche  in  China  werden  demnach  gewissermassen
  auch  als  Kolonien  angesehen  und  postalisch  so  wie  diese
behandelt.
Die  Kolonien  mit  dem  Mutterlande  bilden  aber  Postvereine,  d.  h.  ein
einheitliches  Verkehrsgebiet  mit  einheitlichem  Porto  für  dessen  ganzen  Bereich, ­
  Daher  kann  man  ebensogut  sagen,  auch  China  ist  zu  jenen
fremden  Ländern  in  ein  Postvereinsverhältnis  eingetreten;  es
bildet  Postvereine  mit  ihnen  und  lässt  im  Wechsel  verkehr  einen  gegenüber  84

84 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1906,  S.  373.  —  Aus  der  „Deutschen ­
  Verkehrs-Zeitung“  1908,  S.  353,  geht  dagegen  hervor,  dass  dieses  ermässigte
  Porto  doch  wohl  nur  im  Verkehr  der  japanischen  Postanstalten  in
China  mit  Japan  gilt.
35 )  In  Shanghai  hat  Deutschland  ein  rei  chseigenes  Postgebäude,
das  am  15.  Mai  1905  fertiggestellt  wurde.  Es  liegt  ganz  nahe  dem  chinesischen ­
  und  in  der  Mitte  zwischen  dem  französischen  und
britischen  Postamt,  zwei  Minuten  von  den  Dampferanlegeplätzen  am
Wangpoofluss,  in  der  Hauptgeschäftsgegeud,  an  der  Ecke  der  Futschauund
  Szechuan-lload.  Hier  ist  zugleich  der  Sitz  der  Kaiserlich  Deutschen
Postdirektion,  der  alle  deutschen  Postämter  in  China  und  Kiautschou  unterstehen. ­
  Am  16.  August  1886  war  in  Shanghai  übrigens  die  erste  deutsche
Postanstalt  entstanden,  mit  der  Ankunft  des  ersten  Beichspostdampfers
(vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1905  Nr.  31,  S.  361).  Auch  ein  amerikanisches, ­
  japanisches  und  russisches  Postamt  gibt  es  hier  (vgl.
„Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1904,  S.  515).
        <pb n="340" />
        301

dem  Weltporto  bedeutend  ermäßigten  Tarif  zu.  Das  ist  aber  der  Tatbestand
eines  Sonder-Postvereins.
Nicht  nur  die  Fremden  in  den  Yertragshäfeu,  auch  die  Chinesen
jener  zahlreichen  (69)  Städte  Chinas  mit  fremden  Postanstalten  (104)  können
sicli  dieses  verbilligte  internationale  Porto,  das  Postvereinsporto,  zunutze
machen.  Ja,  noch  .mehr,  selbst  nach  den  entlegensten  Orten  Chinas  ohne
fremde  Postanstalteu  kann  man  aus  Amerika,  England,  Japan,  Frankreich,
Deutschland  Briefe  zu  einem  ermässigten  Tarif  versenden,  wenn  man  sie
durch  die  chinesische  Reichspost  weiter  befördern  lässt,  falls  der  Bestimmungsort ­
  ein  fremdes  Postamt  nicht  aufweist.  Man  muss  sie  dann
durch  eine  Privatperson  neu  aufgeben  lassen,  aber  vielleicht  besorgt  das
auch  eins  der  fremden  Postämter.  Dann  kommt  z.  B.  zum  Porto  von
10  Centimes  =  8  Pf.  aus  Paris  nach  Shanghai  oder  Peking  bloss  noch  das
interne  chinesische  Poito  von  2  Cents  ==  4  Pf.  hinzu,  so  dass  die  Gesamtkosten ­
  12  Pf.  betragen.  Auch  chinesische  Privatposten  besorgen  vielleicht ­
  die  Weiterbeförderung.
Da  China  noch  kein  au'gebildetes  Briefpostmonopol  des  Staates  hat
und  überall  zahllose  chinesische  Privat-Postanstalten  aufweist,  so  sind  die
fremden  Postämter  vorläufig  auch  nicht  wohl  anzufechten,
Solcher  Postanstalten  fremder  Staaten,  die  dem  Weltpostverein ­
  mit  angehören,  gibt  es  in  China  zurzeit  104,  die  sich  auf
69  Städte  oder  Ortschaften  des  Reiches  verteilen;  im  eigentlichen
China  74  Postanstalten  in  39  Städten  und  in  der  Mandschurei  30  Postanstalten ­
  in  ebenso  vielen  (30)  Städten  oder  Orten.  Ausserdem  gibt  es  da
aber  noch  andere  fremde  Postanstalten,  die  dem  Weltpostverein  noch  nicht
heigetreten  sind,  besonders  russische  Die  Mehrzahl  der  fremden  Postanstalten
  fällt  auf  die  32  Vertragshäfen  und  Küstenstädte  Chinas,  aber
viele  sind  auch  schon  tief  im  Innern,  in  der  Mandschurei,  an  der  Strasse
von  Peking  nach  Kiachta  (zum  Baikalsee)  und  weit  landeinwärts  in  Soliautung
  oder  noch  weiter  am  Jangtsekiang  und  in  der  Dsungarei,  an  der
russischen  Grenze  bei  Tnrkestan.  Deutsche  Postanstalteu  gibt  es  in
China  in  14  Städten,  natürlich  abgesehen  von  den  7  Postanstalten  in
7  Orten  des  deutschen  Kiantschou-Pachtgebiets. 30 )  Britische  Postaustalten
  finden  sich  in  12  Städten,  natürlich  auch  von  Hongkong,  das
britischer  Besitz  ist,  abgesehen.  Französische  Postanstalten  gibt  es
in  18  chinesischen  Orten:  10  von  diesen  Postanstalten  werden  aber  nicht
direkt  von  Frankreich,  sondern  von  der  Postverwaltung  von  Französisch-Indo-Chiua
  (Tongking)  unterhalten.  Japan  weist  50  Postanstalten  auf,
nämlich  20  Postanstalteu  im  eigentlichen  China  und  30  in  der  Mandschurei.
Russland  hat  10  Postämter  im  chinesischen  Reich,  die  dem  Weltpostverein
3(i )  Vgl.  Statistik  der  Deutschen  Reichspost  für  1900,  S.  7  und  S.  70.  —
lieber  die  Entwicklung,  Organisation  und  Lage  der  deutschen  Postanstalteu
in  China  unterrichtet  näher  ein  mit  Kartenskizzen  versehener  längerer  Aufsatz ­
  von  H.  Herzog  im  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1903,  S.  83—88.
Kiau'schous  Postwesen  wird  ebenda  S.  74—77  behandelt.
        <pb n="341" />
        302

abgeschlossen  sind,  aber  sehr  viel  mehr,  die  es  noch  nicht  sind.  Schon  im
Jahre  1900  wurden  nach  einer  Meldung  der  „Times“  russische  Postämter ­
  in  60  chinesischen  Städten  gezählt. 87 )  Auch  führte  Russland
die  Aufsicht  über  die  grosse  Poststrasse  von  Kiachta  (südlich  des  Baikalsees) ­
  über  Urga  durch  die  Mongolei  (Wüste  Gobi)  und  über  Kalgan  nach
Peking  und  Tientsin,  wo  wöchentlich  eine  Briefpost  und  monatlich  eine
Paketpost  verkehrte,  die  auch  schon  von  anderen  europäischen  Ländern  benutzt ­
  wurden.  Russische  Postanstalten  bestanden  auch  schon  in  Tschuguschak
und  Kuldscha,  in  der  chinesischen  Dsungarei  (an  der  Westgrenze  Chinas),
und  weitere  Postanstalten  gab  es  in  und  bei  Port  Arthur.  In  Ostchina,  an
der  Eisenbahn  in  der  Mandschurei  wurden  damals  neue  russische  Postanlagen ­
  vorbereitet,  die  aber  nach  dem  Kriege  mit  Japan  vermutlich  japanisch ­
  geworden  sind.
Die  Vereinigten  Staaten  vo  n  Nordamerika  endlich  unterhalten
eine  Postanstalt  in  Shanghai, 38 )  die  den  Briefpostaustausch  der  Union  mit
der  wichtigen  Handelsstadt  Shanghai  und  einigen  anderen  Städten
Chinas  vermittelt. 39 )

87 )  Siehe  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1900,  S.  238  f.  Vgl.  auch
„Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1899,  S.  568  f.
38 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1903,  S.  306  Bericht  des  amerikanischen ­
  Generalpostmeisters).  Im  Jahre  .1901,02  hatte  dieses  Shanghaier
Postamt  eine  Einnahme  v.  n  3336  Dollar  und  erfordert;  noch  300  Do  lar
Zuschuss.
39 )  Die  zum  Weltpostverein  angemeldeten  fremden  Postanstalten ­
  im  eigentlichen  China,  ohne  die  der  Mandschurei  mit  ihren
30  japanischen  Postanstalten  in  30  Orten,  verteilen  sich  folgendermassen
auf  die  chinesischen  Städte,  wobei  die  amerikanischen  abgekürzt  mit
einem  a,  die  britischen  mit  einem  1),  die  deutschen  mit  einem  d,  die  französischen ­
  mit  einem  f,  die  von  Französisch-Indochina  verwalteten
mit  fl,  die  japanischen  mit  j  und  die  russischen  mit  r  angegeben
werden.  (Der  Stern  *  bedeutet  Vtrtragshafen,  die  Zahl  rechts  gibt  die
Einwohm  r  an  nach  Hübners  Tabellen.)

Amoy  (b.  d,  f,  j)
Port  Bayard  (fi)  ......

114  000

Uebertrag  2  580  000
Lin  Kung  Island  bei  Wti-:,!

 Canton  (.b,  (1,  fi,  j)  .  .  .  .
*Futschau  (b,  d,  f,  j)  .  .  .

900  000

heiwei  (b)  .

—

624  000

*Mongtsen  (fl)

15  000

*Hankau  (b,  d,  f,  j,  r)  .  .

530  ( l 00

“'(Nanking  id.  j)

261  000

Hoihau  auf  der  Insel  Hainan
(b,  h)

*Newshwang  (j)
*Ningpo  (b,  f)

74  000
260  000

Hlangtschau  (j)

350  000

*Pakhoi  fl)  .

20  000

Itschan  (d)

50  000

Peking  (d,  f,  j,  i

)  1  000  000

Kalgan  (r)

—

Potsi  (fl)  .  .  .

—

Kinschang  (j)

—

*Shanghai  (a,  b,

d,  f,  j,  r)  .  651  000

Kuldscha  (r;

12  000

Schanhaikwan  (j

)

Kwangtsohauwan  (fi)  .  .  .

—

Schasi  (j)  .  .  .

85  000

Summa  .  .

2  580  000

Summa  .  .  5  546  000
        <pb n="342" />
        —  303  —

Die  Zeitpunkte,  wann  diese  fremden  Staaten  im  Verkehr  ihres  Landes
oder  Kolonialreiches  mit  ihren  eigenen  Postanstalten  in  China  den  internen
oder  Kolonialtarif  einführten,  habe  ich  aus  den  mir  zur  Verfügung  stehenden
Quellen  nicht  überall  feststellen  können.  Ein  umständliches  und  zeitraubendes ­
  Forschen  in  allen  fremden  Postbetriebsberichten  schien  mir  aber
nicht  notwendig.  Ich  teile  hier  deshalb  nur  mit,  was  ich  weiss.
Russland  wandte  schon  im  Jahre  1900  —  vielleicht  aber  noch
früher  —  das  interne  Briefporto  im  Briefwechsel  mit  seinen  eigenen  Postanstalten ­
  im  chinesischen  Nachbarreiche  an. 40 ')
Die  Vereinigten  Staaten  tun  das  mit  ihrem  Briefsendungsaustäusch
  seit  dem  1.  Juni  190i!. 41 )
Da  England,  Frankreich  und  Japan  Schutzgebiete  in  oder  bei
China  haben,  mit  denen  sie  im  Kolonialpostverein  standen,  so  lag  es  für
sie  nahe,  dasselbe  zu  tun,  schon  im  Interesse  des  Handels.
Deutschland  folgte  schliesslich  diesem  Beispiele  am  1.  Juli  1908. 42 )
Für  diese  fremden  Länder  mag  die  Unterhaltung  der  Postanstalten
in  China  auch  kein  sonderliches  Opfer  sein,«dehn  die  Briefe  aus  dem  Mutterland ­
  und  den  Kolonien  zu  ihnen  müssen  zu  Hause  Porto  bezahlen,  aber
auch  die  Briefe  in  umgekehrter  Richtung,  aus  China  zurück,  bezahlen  ihr
Porto  an  die  Postkasse  der  fremden  Postanstalt,  also  des  Mutterlandes,  das
sie  unterhält.  Wenn  das  Porto  jetzt  auch  weit  geringer  ist,  als  das  des
Weltpostvereins,  es  kommt  im  ganzen  doch  annähernd  auf  dasselbe  heraus;
einmal  für  die  Hinbriefe  20  Pf.  oder  für  Hin-  und  Rückbriefe  2  mal  je  10  Pf.
Soweit  China  überhaupt  nennenswerte  Briefpostbeziehungen  mit  dem
Auslande  unterhält,  kann  es  jetzt  das  billige  Porto  benutzen.  Das  gilt  nicht
nur  für  die  70  000  Fremden  im  Lande,  sondern  für  alle  Chinesen.  Auch  die
des  weitern  Innern  können  ja  einen  Brief  ins  Ausland,  z.  B.  nach  Frankreich ­
  —  selbst  wenn  sie  vorher  4  Pf.  (das  interne  Porto)  bis  in  die  nächste

Uebertrag  5  540  000

*Su  tschau  (j)  500000
»Swatau  (b.  (1,  j)  65  000
»Tientsin  (b,  &amp;lt;1,  f,  j,  r)  .  .  750  000
»Tschangscha  (j  I  ‘230  000
Tschekam  (fi)
Tschifu  (b,  (1,  f,  j,  r)  .  .  .  100  000
»Tschingkiang  («I,  j)  .  .  .  170  000
»Tschongking  (fi)  .  .  .  .  .  702  000

Summa  .  .  8  063  000

Uebertrag  8  063  000

Tongku  fj)  —
Tsinanfu  ;d)  —
Tschuguschack  (r)  ....
Urga  U')  40  000
Urumtzy  t)  ■
Weihsien  (d)  —
»Wuhu  (j)  123  000
Yünnanfu  (fi)  —
Summa  .  .  8  226  000

In  diesen  39  Städten  Chinas  mit  fremden  Weltpostanstalten
leben  also  8  bis  9  Millionen  Menschen,  und  mit  den  30  Städten  der
Mandschurei,  die  japanische  Weltpostanstalten  haben,  vermutlich  etwa
10  Millionen  oder  mehr.  Die  Städte  ohne  Angabe  der  Einwohnerzahl
—  für  die  meine  Quelle  versagte  —  sind  meist  klein.
40 )  Vgl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  Jahrgang  1900,  S.  ‘239.
41 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1903,  Nr.  25,  S.  306.
4ä )  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1908,  S.  353  f.
        <pb n="343" />
        Stadt  mit  einem  fremden  Postamt  bezahlen  —  für  8  Pf.  weiter  schicken
lassen,  sie  brauchen  also  statt  des  Weltportos  von  20  nur  12  Pf.  anzuwenden.
Demnach  braucht  man  nicht  zu  sagen,  nur  die  10  Millionen  Chinesen
in  den  Städten  mit  fremden  Posten  genössen  eine  Vorzugsstellung,  nein,
so  ziemlich  das  ganze  Reich  von  B30  Millionen  geniesst  sie. 43 )  Wenn  viele
4S )  Von  der  Gesamtbevölkerung  Chinas  (330  Millionen)  fallen
übrigens  319,5  Millionen  auf  das  eigentliche  China  ('/a  des  ganzen  Areals),
5,5  Millionen  auf  die  Mandschurei,  nur  1,85  Millionen  auf  die  grosse  Mongolei, ­
  1  Million  auf  die  Dsungarei  und  Ostturkestan  und  2,2  Millionen  auf
Tibet  und  Kukunor.
Fremde,  meist  Europäer,  lebten  1904  in  den  chinesischen
Vertragshäfen  nur  27  227,  und  1602  fremde,  meist  europäische
Firmen  waren  da  vorhanden.  Nach  der  Natio,.alität  waren  es  5981
Engländer  (436  englische  Firmen),  9139  Japaner  (650  Firmen),  1871
Deutsche  (173  Firmen),  1374  Franzosen  (67  Firmen),  3220  Amerikaner
(106  Firmen),  308  Russen  (21  Firmen),  3387  Portugiesen  (36  Firmen),
278  Spanier  (32  Firmen),  286  Belgier  (6  Firmen),  366  Italiener  (22  Firmen),
209  Niederländer  (15  Firmen),  205  Oesterreicher  (205  Firmen),  198  Dänen
(11  Firmen),  308  Skandinavier  (9  Firmen)  und  97  andere  (3  Firmen).
Im  deutschen  Pachtgebiet  von  Kiautschou  (501  qkm)  mit  32  000
Menschen  leben  (1906)  1225  Europäer;  im  englischen  Hongkong  (79  qkm)
mit  dem  Pachtgebiet  (974  qkm)  und  in  Weiheiwei  (738  qkm)  zusammen
568  058  Menschen,  davon  2  %  Europäer  (11  300),  1  °/ 0  Inder,  97  %  Chinesen.
Man  ersieht  hieraus,  wie  wenige  Europäer  bloss  als  Benutzer ­
  der  fremden  Postämter  überhaupt  in  Betracht  kommen
können  und  wieviele  Chinesen  neben  ihnen.  Im  neuen  Gothaer
Hofkalender  (1909,  S.  665)  werden  für  1907  in  den  Vertragshäfen  09  852
Fremde  und  2595  fremde  Firmen  angegeben,  nämlich  9205  Engländer
(490  Firmen),  3553  Deutsche  (239  Firmen),  2201  Franzosen  (99  Firmen),
3188  Portugiesen  (57  Firmen),  2972  andere  Europäer  (178  Firmen),  45  610
Japaner  (1416  Firmen),  2862  Amerikaner  (116  Firmen)  und  261  andere
(1  Firma).
In  denselben  fremden  Ländern,  die  in  China  eigene  Postanstalten ­
  unterhalten,  lebten  dagegen  Chinesen:
in  Deutschland  im  Jahre  1900  bloss  514  geborene  Chinesen  und
1905  367  chinesischer  Staatsangehö:igkeit;  von  den  britischen  Ländern
(von  England  abgesehen)  in  Indien  (1901)  11,7  Millionen  Menschen  indisch-chinesischen ­
  Spraohstammes;  in  den  Straits  Settlements
(Malakka,  Singapore)  49  000  Chinesen,  viele  auch  in  den  Malaiischen
Schutzstaaten,  in  Sarawak  und  Brunei  (N.  W.  Borneo),  in  Australien, ­
  Neuseeland,  Jamaica,  Südafrika  und  Mauritius;  von  den
französischen  Ländern  (Frankreich  selbst  ausser  Acht  gelassen)  in
Indo-China  (Tonkin,  Annam,  Cochinchina  etc.)  300  000  Chinesen  (und
10  000  Europäer)  und  wohl  zahllose  andere  das  Chinesische  Redende  unter
der  Gesamtbevölkerung  von  15  Millionen,  ferner  in  Neukaledonien  und
        <pb n="344" />
        305

Orte  und  Provinzen  postalisch  noch,  schlecht  verbunden  sind,  so  trifft  dasselbe
ja  auch  in  Russland,  Nordamerika  und  Australien  zu.  Trotzdem  gelten
diese  Länder  vollständig  an  den  Weltpostverein  angeschlossen  und  nicht
etwa  nur  mit  den  Teilen  und  Städten,  die  Postämter  haben.
Tahiti;  in  Japan  gibt  es  eine  reichliche  Zahl  Chinesen  (12463),  ebenso  in
Russlands  ostsibirischen  Städten;  in  den  Vereinigten  Staaten  zählte
man  (1897)  Ü9  000  Chinesen  (0,2%  der  Bevölkerung);  auf  den  Philippinen ­
  100  000.  In  San  Francisco  erscheinen  5  chinesische  Zeitungen,  deren
Setzer  —  beiläufig  gesagt  —-  mit  11  000  verschiedenen  Schriftzeichen  vertraut ­
  sein  müssen  (vergl.  ,,D.  Verk.-Ztg.“  1903,  S.  289).
Hiernach  kommen  also  der  Möglichkeit  nach  etwa  13  Millionen ­
  ausserhalb  Chinas  lebende  Chinesen—•  die  Zahl  der  Chinesen
französischer  Reiohsa-ngehörigkeit  in  Indo-China  war  in  meinen  Quellen
(Hübner)  nicht  angegeben  —  für  den  Briefwechsel  mit  dem  Chinesischen ­
  Reiche  in  Betracht,  natürlich  nur  soweit  sie  schreiben  und
lesen  können.  Doch  soweit  sie  zu  den  10  Millionen  Chinesen  in  den  69
Städten  Chinas  mit  den  104  fremden  Postanstalten  Beziehungen  haben,
werden  sie  sich  dieser  gewiss  ausgiebig  bedienen,  besonders  wenn  das
Porto  als  Vereinsporto  billiger  ist  als  das  des  Weltpostvereins  und  der
direkte  Verkehr  mit  der  chinesischen  Reichspost  (Weltportosätze).
Europäer  in  China  einschliesslich  Kiautschou  und  Hongkong  gibt
es  nur  etwa  30  000.  Natürlich  werden  diese  die  europäischen  Postanstalten
daselbst  am  meisten  benutzen,  doch  den  Chinesen  stehen  sie,  wie  gesagt,
ebenso  zur  Verfügung  zum  Briefwechsel  mit  ihren  Landsleuten  im
fernen  Auslande.  Deshalb  kann  man  mit  Recht  sagen:  China  steht
bereits  im  Postvereinsverhältnis  zu  Russland,  Deutschland,
England,  Frankreich  und  Amerika  mit  ihren  Besitzungen  sowie
mit  Japan.  Denn  fast«alles,  was  in  China  internationalen  Briefwechsel ­
  überhaupt  führt,  lebt  wohl  meist  in  den  69  Städten
mit  fremden  Postanstalten,  die  im  Verkehr  mit  den  Heimatsländern ­
  und  deren  Kolonien  den  internen  Tarif  anwenden.
Von  Interesse  dürfte  noch  eine  Statistik  des  auswärtigen  Briefverkehrs ­
  nach  Chinas  dem  Weltpostverein  angeschlossenen  Pbstanstalten
  der  fremden  Länder  sein,  einmal,  weil  sie  die  verhältnismässige ­
  Regsamkeit  der  Beziehungen  der  handeltreibenden  fremden  Nationen
anzeigt  und  dann,  weil  sie  auf  einen  ungefähr  gleich  hohen  Verkehr
in  der  Richtung  aus  China  schliessen  lässt,  dessen  eigener  Reichspostverkehr ­
  (190ö)  insgesamt  erst  7ö  Millionen  Sendungen  (wohl  meist
interne)  ausmacht,  neben  9  Millionen  Privatpostbriefen  mit  Dampfern,
von  den  privaten  sonstigen  Fern-  und  Ortsbriefen  jedenfalls  abgesehen.
Nach  der  Berner  Spezial-Statistik  des  Weltpostvereins  für  1906,  wo
Russland,  Canada  und  die  Union  leider  stets  fehlen,  wurden  aus  nachstehenden ­
  Ländern  an  die  fremden  Weitpostanstalten  in  China
frankierte  Briefe  und  Briefsendungen  aller  Art  (überhaupt)  geschickt ­
  (in  Tausenden):

20
        <pb n="345" />
        306

Da  13  Millionen  Chinesen  im  Auslande  leben,  so  stehen  die  fremden
Postämter  auch  in  noch  viel  höherem  Masse  der  chinesischen  Korrespondenz
zur  Verfügung  als  der  der  europäisch  zivilisierten  Völker.  Denn  13  Millionen
und  330  Millionen  bieten  an  sich  —  wenigstens  in  der  Zukunft  —  grössere
Korrespondenzmöglichkeiten  als  die  70  000  Fremden  und  deren  Heimatsländer.
Wenn  diese  Möglichkeit  auch  jetzt  noch  nicht  ausgenutzt  wird,  so  ändert
das  nichts  an  dem  tatsächlichen  Zustande  der  wohlfeilen  Verkehrsmöglichkeit.
Einstweilen  ist  der  gesamte  Postverkehr  Chinas  zwar  noch  sehr  schwach
(76  Millionen  Sendungen),  der  nach  dem  Anslande  im  Verhältnis  dazu  aber
schon  sehr  gross  (10%  etwa).  Doch  Chinas  Festverkehr  steigt  auffallend
schnell,  er  ist  in  5  Jahren  um  das  Siebenfache  gewachsen.

Deirtschland  .  .  .

a)  aus
Briefe

Chinas  Post  Vereins!  ändern:
313  Briefpostsendungen

überhaupt

569

(davon  an  die  deutschen ­
  Postanstalten ­
  in  China  ausser
Kiautschou  .  .  .

7?

270

77

75

482)

England

564

1147,5

Britisch-Indien  .  .

106

152

Sarawak  (Borneo)  .

77

1,5

7?

1,8

Australien  .  .  .  .

57

96

Aegypten  .  .  .  .

75

4

77

77

8,3

Oranje-Kolonie  .  .

77

2

"  77

77

2,5

Frankreich  ....

77

64

203

Algier

77

1

1,3

Franzos.-Indochina  .

77

156

77

7?

223

Japan

7?

1766

77

•
77

4533

Summa:

Briefe

3033,5

Briefpostsendungen

überhaupt

6936,7

b)  aus  anderen  Ländern  (soweit  die  Sendungen  mindestens  1000  erreichen):

Oesterreich  .  .  .

Briefe

65

Briefpostsendungen

überhaupt

116

Ungarn

77

7

7?

77

15

(Belgien

77

22

77

57

Holland

77

11

77

77

23

Dänemark  ....

13

21

Norwegen  .  .  .  .

77

22

77

52

Schweden  ....

77

8

77

77

21

Schweiz

20

43

Italien

10

23

Griechenland  .  .  .

1

1,3

Türkei

3

3,8

Portugal

7?

7?

77

5,5

Mexiko

77

79

Peru

77

49

7?

77

50

Niederländ.  Indien  .

36

49

Macao  (portug.)  .  .

7?

22

77

77  '

24

Summa:

Briefe

367,7

Briefpostsendungen  überhaupt

583,6

Insgesamt  (a  und  b);

Briefe

3401,2

Briefpostsendungen

überhaupt

7520,3

Wenn  man  noch  Russland  und  die  Vereinigten  Staaten  von
Nord-Amerika  hinzurechnet,  kann  man  also  gut  3%  bis  4  Millionen
        <pb n="346" />
        307

Jedenfalls  kann  man  also  sagen:  China,  das  Reich  der  330
Millionen,  steht  durch  die  fremden  Postämter  und  durch  deren
neue  Tarifherahsetzungen  nun  mit  den  grössten  fremden  Staaten
im  Postvereinsverhältnis  und  zwar  in  einem  erstaunlich  weiten
Umfang:  nämlich  mit  Deutschland,  England,  Frankreich,  aber
zugleich  mit  deren  Kolonien,  ferner  mit  Japan,  Russland  und  den
Vereinigten  Staaten.  Alsdann  durch  die  deutschen  Postämter  (vielleicht
auch  noch  durch  andere)  zugleich  mit  Marokko,  wo  es  ebenfalls  deutsche
Postanstalten  gibt;  ebenso  durch  die  englischen  mit  Aegypten  und  durch
die  französischen  mit  Tripolis  (Türkei).
Welches  Land  in  der  Welt  wäre  sonst  so  bevorzugt,  dass  es  fast  nacli
allen  grossen  Staaten  der  Erde  und  deren  Kolonialgebieten  für  einen
Penny  oder  einen  ähnlichen  Betrag  des  Inlandsportos  Briefe  verschicken
kann?  Bei  manchen  dieser  Länder  gilt  hier  übrigens  der  interne  billige
Tarif  auch  für  andere  Briefpostsendungen.
Es  ist  doch  eigentlich  eine  wahre  Ironie  des  Schicksals,  dass  gerade
China  diese  Vorzugsstellung  geniesst,  während  es  nicht  einmal  dem  Weltpostverein ­
  angehört.  Es  bildet  sozusagen  einen  chinesischen  Weltpostverein ­
  für  sich.
Auf  die  Dauer  ist  es  jedenfalls  ein  unhaltbarer  Zustand,  wenn  die
einander  naheliegenden  oder  angrenzenden  Länder  und  Ländchen  im  kleinen
Europa  für  einen  Brief  im  Wechselverkehr  noch  25  Centimes  oder  Heller
oder  2*/ 2  Pence  oder  20  Pfennig  entrichten,  während  man  aus  dem  fernen,
fernen  China  nach  den  wichtigsten  Reichen  der  alten  und  neuen  Welt  mit
ihren  gesamten  überseeischen  Besitzungen  nur  10  Centimes  oder  1  Penny
oder  noch  weniger  bezahlt.
Ich  will  im  weiteren  nun  die  Postvereine  Chinas,  d.  h.  der  fremden
Postanstalten  in  China  hier  einzeln  etwas  näher  behandeln.
a)  Chinas  Postverein  mit  Deutschland  und  seinen  Schutzgebieten. 44 )
(Seit  dem  1.  Juli  1908.)
Die  14  deutschen  Postanstalten  in  China  und  die  7  Postanstalten  im
deutschen  Kiautschougebiet  haben  für  den  Weltverkehr  mit  dem  Ausland
Briefe  und  7  V 2  bis  8  Millionen  Brief  Postsendungen  aller  Art
rechnen,  die  nach  den  fremden  Postanstalten  Chinas  gehen,  und
auf  ungefähr  ebenso  viele  schliessen,  die  von  ihnen  nach  jenen
Ländern  kommen.  Diese  Summe  würde  etwa  10%  des  Gesamtverkehrs ­
  der  chinesischen  Reichspost  entsprechen  und  ist  im  Verhältnis ­
  zu  ihrem  Inlandsverkehr  hoch,  denn  bei  Deutschland  macht  der
Briefpostverkehr  nach  dem  Auslande  nur  6,7  %  der  Inlandssenduhgen  aus,
bei  England  4,6%,  bei  Russland  9%,  bei  Japan  2%  (1906).  —  Der  Verkehr
nach  Kiautschou  (7  deutsche  Postanstalten),  der  oben  nicht  eingerechnet
ist,  betrug  1906:  aus  Deutschland  488  000  Briefe  und  908  000  Briefpostsendungen ­
  überhaupt,  aus  Japan  9000  und  18  000,  aus  Belgien  1400  Sendungen, ­
  aus  Holland  1000  und  1700.
u )  Vgl.  hierzu  und  zum  Folgenden  die  Mitteilung  im  „Archiv  für

20*
        <pb n="347" />
        308

die  Sätze  von  1  0  Cents  (20  Pf.)  für  20  g  bei  Briefen  (weitere  20  g  je  6  Cents
=  12  Pf.),  4  Cents  (8  Pf.)  für  Postkarten  und  2  Cents  (4  Pf.)  für  je  50  g
Drucksachen  usw.
Diese  Sätze  galten  erst  kürzlich  noch  auch  im  Verkehr  mit  Deutschland ­
  und  seinen  Kolonien.  Nur  im  gegenseitigen  Verkehr  hatten  die
deutschen  Postanstalten  in  China  und  Kiautschou *  45 )  auch  bisher  schon  einen
ermässigten  Tarif  für  Briefsendungen,  der  dem  chinesischen  Inlandstarif
ähnlich  war.

Post  und  Telegraphie“  (Berlin)  1908,  Nr.  13,  S.  389,  und  ■  den  Artikel
„Verbilligung  der  Brief-  und  Zeitungsversendung  mit  den  deutschen  Postanstalten ­
  in  China“  in  der  „Deutschen  Verkehrs-Zeitung“  1908,  Nr.  25,  S.  353
bis  354,  wo  auch  eine  Statistik  des  betreffenden  Verkehrs  zu  finden  ist.
Auch  die  Reichspoststatistik  (1906)  bringt  diese.
45 J  Aus  dem  deutschen  Schutzgebiet  Kiautschou,  wo  7  deutsche
Postämter  vorhanden  sind,  bezahlt  man  im  Verkehr  nach  Deutschland  und
den  deutschen  Kolonien:

für  Briefe
„  Postkarten
„  Drucksachen;
Geschäftspapiere
(mindest.  250  g)
„  Warenproben
(mindest.  250  g)

(  bis
\  *

I

20  g

4

Cents

(etwa

8  Pf.)

250  „

8

11

(  „

16

11

)

2

11

(  „

4

51

)

50  „

1

11

(  „

2

55

)

100  „

2

15

(  „

4

11

)

250  „

4

11

(  „

8

11

)

500  „

8

51

(  „

16

11

)

1000  „

12

11

(  „

24

15

)

2000  „

24

11

(  „

48

15

)

250  „

4

11

(  „

8

11

)

350  „

8

15

(  „

10

55

)

im  Aufbau  dem  inneren

deutschen  Tarif,

nur  sind  die  Sätze  überall  um  etwa  25%  niedriger.  (Vgl.  Berner,  Publikation ­
  über  die  Ausführung  des  Weltpostvertrages,  S.  59.)
Die  chinesische  Reichspost  hatte  bis  1906  in  der  Provinz
Schantuug  (33  Millionen  Einwohner)  schon  in  allen  Verwaltungsstädten
Postanstalten  errichtet.  Den  drei  Hauptpostämtern  Tschifu,  Kiautschou
und  Tsinanfu  unterstehen  46  Postämter,  199  Postagenturen  und  66  Markenverkaufsstellen.
  Dazu  kamen  1906  noch  die  Postanstalten  in  Fangtse  und
Poschan,  am  Sitze  der  Kohlengruben  der  Schantung-Bergbau-Gesellschaft.
(Nr.  268  der  Beichstagsdruoksachen,  I.  Session  1907,  S.  29.)

Nach  der  deutschen  Reichspoststatistik  für  1906  (S.  68)  wies  das
Schutzgebiet  Kiautschou  im  Jahre  2  877  900  Briefsendungen  auf,  1419  900
aufgegebene  uud  1  458  000  angekommene,  die  deutschen  Postanstalten  im
übrigen  China  aber  1  497  600,  davon  611  600  aufgegebene  und  886  000  angekömmene.
  Hier  ist  natürlich  der  Orts-  und  Nachbarverkehr,  auch  der
deutschen  Postanstalten  untereinander,  mitgerechnet.  Bisher  war  dieser
Verkehr  übrigens  matt  und  nahm  wenig  oder  gar  nicht  zu,  wie  sonst  überall, ­
  sondern  er  ging  noch  zurück.  1904  betrug  die  Gesamtzahl  der  Sendungen
nämlich  1  727  100  und  1905  waren  es  1  599  400,  1906  dann,  wie  eben  erwähnt,
1  497  600.  Die  neue  Portoermässigung  war  also  durchaus  ein  Bedürfnis.
        <pb n="348" />
        309

Seit  dem  l.Juli  1908  sind  nun,  wie  bereits  erwähnt,  die  deutschen
Postämter  in  Chü  a  ebenso,  wie  Kiautschou  es  schon  vorher  war,  in  den
Bereich  des  deutschen  Kolonialreichsportos  einbezogen  worden,  so
dass  also  für  Briefe,  Postkarten,  Drucksachen,  Warenproben  und  Geschäftspapiere ­
  im  wesentlichen  der  inländische  deutsche  Tarif  gilt.  (Vgl.
oben  S.  252.)
Vom  1.  Januar  1909  ab  gilt  auch  der  inländische  deutsche
Postzeitungstarif  für  diese  Beziehungen,  ebenso,  wie  bisher  schon  für  die
anderen  deutschen  Kolonien.  Die  bisherigen  Transitgebühren  werden  dem
Bezugspreis  nicht  mehr  hinzugereohnet.
Zu  beachten  ist  ferner,  dass  auch  die  deutschen  Postanstalten
in  Marokko,  die  seit  dem  15.  November  1907  ebenfalls  in  das  deutsche
Kolonialreichsporto  einbezogen  wurden,  jetzt  mit  China  d.  h.  den  deutschen
Postanstalten  in  China  im  Postvereinsverhältnis  stehen  und  im  beiderseitigen
Wechselverkehr  der  deutsche  Inlands-  oder  Kolonialtarif  gilt.  (Vgl.  S.  295.)
Das  amtliche  (vom  Deutschen  Reichspostamt  herausgegebene)  „Archiv
für  Post  und  Telegraphie“  (1908,  S.  389)  schrieb  bei  Mitteilung  dieser
Neuerungen:  „Der  Briefverkehr  zwischen  Deutschland  und  den
deutschen  Postanstalten  in  China,  der  bisher,  unter  der  Geltung
der  Weltpostvereinstaxen,  nicht  besonders  lebhaft  war  —  im  Jahre  1906
sind  in  der  Richtung  aus  dem  Reichspostgebiete 46 )  428  090  und  in  umgekehrter ­
  Richtung  243  730  Briefsendungen  versandt  worden  —  wird  infolge ­
  der,  Gebührenherabsetzung  voraussichtlich  eine  nicht  unwesentliche ­
  Steigerung  erfahren.“
Das  ist  um  so  mehr  zu  erwarten,  als  ja  doch  in  Asien  die  Inlandstarife ­
  überhaupt  meist  viel  billiger  sind  als  in  Europa,  z.  B.  für  einfache
Briefe  in  China  2  Cents  (4  Pf.),  in  Japan  3  Sen  (6,3  Pf.),  in  Siam
4  Atts  (nominell  16  Pf.,  faktischer  Wert  (1906)  aber  etwa  8  Pf.),  in  derselben
Provinz  aber  bloss  2  Atts  (4  Pf.),  und  in  Britisch-Indien  x /a  Anna
(=  V 2  Penny  oder  4,25  Pf.).  Da  stellt  der  Tarif  des  Weltpostvereins  also
das  drei-  bis  vierfache  der  Inlandstaxe  dar  und  muss  von  der  Bevölkerung
als  Susserst  teuer,  drückend  und  verkehrshinderlich  empfunden  werden.
b)  Chinas  Postverein  mit  England  und  seinen  Kolonien 47 ).
Auch  die  12  englischen,  d.  h.  die  vom  Postamt  in  Hongkong  abhängenden ­
  und  in  China  eingerichteten  britischen  Postanstalten  gehören
dem  Penny-Porto-Verein  Grossbritanniens  und  seiner  Kolonien  an.
Damit  steht  also  China  zu  ihnen  sowie  zu  Aegypten  im  Postvereinsverhältnis, ­
  das  sich  aber  nur  auf  Briefe  bezieht.
48 )  d.  h.  Deutschland  ohne  Bayern  und  Württemberg,  welche  ja  selbständige ­
  Posten  und  Postgebiete  haben.
47 )  Vergl.  Reoueil  de  renseignements  .  .  .  concernant  l’execution  de  la
Convention  principale  du  26.  Mai  1906  (vom  Internationalen  Bureau  des
Weltpostvereins  zu  Bern.  Datiert  Juli  1907),  S.  34,  35  und  70.
        <pb n="349" />
        310

Das  Vereinsporto  beträgt  für  jede  halbe  Unze  4  Cents  (8  Pf.)  oder
—  umgekehrt  —  1  Penny  (8 1 / a  Pf.).  So  war  es  nach  dem  Stande  vom
Juli  1907.  Ob  das  Briefgewicht  auch  für  diese  Beziehungen  schon  auf
1  Unze  erhöht  ist,  weiss  ich  nicht  gewiss.
Hongkong  (englische  Kolonie)  und  die  britischen  Postanstalten
in  China  haben  im  Verkehr  mit  dem  übrigen  China  denselben  Tarif
(4  Cents  =  8  Pf.  für  1 / 2  Unze).
Von  Hongkong  und  dem  britischen  Postamt  in  Canton  nach
Macao  (portugiesisch)  gilt  ein  Tarif  von  nur  2  Cents  (4  Pf.)  für  Va  Unze,
von  den  übrigen  britischen  Postanstalten  Chinas  nach  Macao  sind  es
5  Cents  (10  Pf.)  für  1 / 2  Unze.
Das  Weltporto  dagegen  beträgt  10  Cents  (20  Pf.)  für  eine  Unze  und
6  Cents  (12  Pf.)  für  jede  weitere  Unze  (englisch:  2*/a  und  l'/a  Pence).
Aber  auch  Zeitungen  von  den  britischen  Postanstalten  Chinas
und  Hongkongs  nach  China,  Macao,  Korea 48 ),  Japan  (mit  Formosa),
Niederländisch  und  Britisch  Indien,  Ceylon,  Timor  und  den
Stralts  Settlements,  Siam,  den  Philippinen,  Australien,  Neuseeland ­
  und  Canada  gemessen  ein  ermässigtes  Porto:  2  Cents  (4  Pf.)
für  je  4  Unzen  (113  g),  statt  2  Unzen,  wie  der  Weltportosatz  ist.
Somit  steht  also  China  in  dieser  Hinsicht  gewissermassen  auch  in
einem  Postverein  mit  Korea 48 ),  Siam,  Niederländisch  Indien  und  den
amerikanischen  Philippinen.  Jedenfalls  haben  die  Chinesen  sowie
die  Europäer  in  China  wiederum  den  Vorzug,  auch  für  den  Briefverkehr
nach  dem  ganzen  britischen  Weltreich  das  billige  Pennyporto  statt  des
teuren  Weltportos  benutzen  zu  können  und  erfreuen  sich  teilweise  auch
eines  billigen  Zeitungsportos.
c)  Chinas  Postverein  mit  Aegypten.
Wie  eben  vorausgeschickt,  erfreut  sich  China  mit  Hilfe  der  12  britischen
Postanstalten  innerhalb  seiner  Grenzen  auch  des  billigen  Pennyportos  für
Briefe  nach  und  von  Aegypten.
d)  Chinas  Postverein  mit  Frankreich  und  seinen  Kolonien.»
Auch  Frankreich  und  seine  Kolonie,  Französisch  Indo-China,  unterhalten ­
  schon  seit  einiger  Zeit  im  chinesischen  Reich  18  eigene  Postanstalten 49 ),
für  deren  Verkehr  mit  dem  Mutterlande  und  allen  französischen  Kolonien
das  inländische  Briefporto  oder  Kolonialporto  gilt:
Briefe  10  Centimes  (8,1  Pf.)  für  je  15  Gramm;  Geschäftspapiere  zahlen  wohl
das  Weltporto  (5  Centimes  je  50  g),  aber  als  Minimum  nur  10  statt
25  Centimes.
48 )  lieber  Koreas  Postwesen  vergl.  Union  postale  1900,  S.  79—81.  Es
ist  am  1.  Januar  1900  dem  Weltpostverein  beigetreten  und  später  von  Japan
übernommen  worden  (8.  45).
4!) )  Nach  Sieblist,  „Die  Post  im  Auslande“,  3.  Aufl.  1900,  S.  47,  gab  es
damals  in  China  erst  vier  Postorte  mit  französischen  Postämtern.
        <pb n="350" />
        311

e)  Chinas  Postverein  mit  Tripolis  (Türkei).
Die  französischen  Postanstalten  in  China  und  in  Tripolis  verkehren
zum  inländischen  französischen  Briefporto,  so  dass  damit  auch
China  und  Tripolis  in  ein  Postvereinsverhältnis  kommen  (vgl.  S.  279).
f)  Chinas  Postverein  mit  Japan  (und  Korea).
Durch  die  50  japanischen  Postanstalten  in  China  und  der  Mandschurei,
die  im  Verkehr  mit  Japan  und,  wie  ich  annehme,  auch  mit  den  von  Japan
verwalteten  Postanstalten  Koreas  den  inneren  japanischen  Posttarif  auwenden, ­
  steht  das  Reich  der  Mitte  auch  im  Postvereinsverhältnis  zum
Reich  der  aufgehenden  Sonne. 50 )
Der  Brieftarif  ist:  3  Sen  (6,3  Pf.)  für  je  15  g  (statt  10  Cents  oder
Sen  =  20  Pf.  des  Weltportos).
Ob  auch  für  Karten,  Drucksachen  usw.  der  innere  Tarif  gilt,  habe
ich  nicht  feststellen  können.  Es  scheint  aber  so.  (Vgl.  S.  45,  272.  282,  302).
g)  Chinas  Postverein  mit  Marokko.
(Vom  1.  Juli  1908  ab). 51  52 )
Beide  Länder,  obwohl  noch  ausserhalb  des  Weltpostvereins  stehend,
werden  doch  durch  das  interne  deutsche  Porto  für  alle  Arten  Briefpostsendungen ­
  postalisch  miteinander  verbunden,  da  in  beiden  deutsche  Postanstalten ­
  eingerichtet  sind.  (Vgl.  S.  296).
Vielleicht  können  aber  beide  Länder  ebenso  auch  mit  Hilfe  von  Postanstalten ­
  anderer  Staaten,  die  gleichzeitig  hier  wie  dort  vorhanden  sind,
wohlfeiler  als  zum  Weltposttarif  verkehren.  Genau  weiss  ich  das  nicht.
Briefe  kosten,  statt  25  Centimes  oder  20  Pf,  aus  Marokko  nur
10  Centimes  (8,1  Pf.),  aus  China  aber  10  Pf.  oder  5  Cents  (mit  der
deutschen  Post).
h)  Chinas  Posfverein  mit  Russland.
(Schon  vor  1900.)
Auch  die  russischen  Postanstalten  in  China  wenden  im  Verkehr  mit
dem  russischen  Reiche  die  zum  Teil  allerdings  recht'hohen  Taxen  des  inländischen ­
  Posttarifs  Russlands  an  (vgl.  S.  273) 62 ),  der  für  Briefe  7  Ko60 ­

 )  Im  Jahre  1876  wurden  zuerst  japanische  Postämter  in  China  sowie
arrch.  in  Korea  eingerichtet.  (Vgl.  S.  584  des  Buches  „Unser  Vaterland
Japan“,  Abschnitt:  Postwesen.  Leipzig  1904.)  Ende  1902  hatte  Japan  in
Korea  10  eigene  Postämter.  Am  1.  April  1905  übernahm  Japan  dann
überhaupt  das  ganze  koreanische  Postwesen  und  verschmolz  es  mit  seinem
eigenen  Postbezirk  (vgl.  „D.  Verkehrs-Zeitung“  1905,  S.  269  und  365,  vgl.
auch  „Archiv  f.  Post  u.  Telegraphie“  1906,  S.  264,  wo  die  Orte  Koreas  mit
japanischen  Postämtern  angegeben  werden.)
51 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1908,  S.  353.
52 )  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1908,  S.  354.  „Archiv  f.  Post  u.  Telegraphie“ ­
  1908,  S.  389.
        <pb n="351" />
        312

peken  =  15  Pf.  beträgt,  also  fast  4  mal  so  teuer  ist,  wie  das  Porto  der  chinesisolren
  Reichspost  (2  Cents  =  4  Pf.).  Immerhin  ist  er  wohlfeiler,  als
das  Weltporto  (10  Kopeken  =  21,6  Pf.).  Daraus  ergibt  sich  aber  ein
russisch-chinesischer  Postverein.
Im  Jahre  1900  zählte  man  schon  in  60  Städten  Chinas  russische  Postanstalten ­
 63 ),  besonders  an  der  Linie  Kiaohta—Peking—Tientsin,  aber  auch  in
Shanghai,  Tschifu,  Hangtschau,  Tschuguschak  und  Kuldscha  (an  der  Grenze
der  Dsungarei).  Weitere  Postämter  in  Ostohina  waren  geplant;  auch  bei
Port  Arthur  bestanden  solche.  Schon  damals  galt  das  innere  russische  Briefporto ­
  (7  Kopeken).
i)  Chinas  Postverein  mit  den  Vereinigten  Staaten.
(Seit  dem  1.  Juni  1903.) M )
Die  Union  unterhält  ebenfalls  Postanstalten  in  China,  mit  denen  sie
zum  inneren  Tarif  verkehrt  (vgl.  S.  281,302),  nämlich  in  Shanghai  eine
Postagentur,  die  auch  den  Verkehr  mit  einigen  anderen  Orten  des  chinesischen ­
  Reiches  vermittelt.  Demnach  bilden  also  Nordamerika  und  verschiedene ­
  Teile  Chinas  ein  einheitliches  Verkehrsgebiet,  d.  h.  einen  Postverein.
Das  innere  Briefporto  in  Amerika  beträgt  2  amerikanische  Cents  (8,4  Pf.)
und  ist  zugleich  Vereinsporto;  aber  auch  für  Postkarten  und  Drucksachen ­
  scheint  der  innere  amerikanische  Tarif  zu  gelten  (vgl.  S.  271).
Das  amerikanische  Weltporto  beträgt  5  Cents  (21  Pf.)  für  Briefe.
Der  chinesisch-amerikanische  Verein  starif  gilt,  wie  es  scheint,  auch  nach
den  auswärtigen  amerikansichen  Besitzungen.  Ob  auch  nach  Cuba  und
Panama  oder  gar  zugleich  nach  Mexico  und  Canada,  den  Postvereinsgenossen ­
  der  Union,  das  genau  festzustellen  war  mir  einstweilen  nicht
möglich.  Wenn  aber  die  chinesischen  Postämter  Amerikas  von  der  Union
als  Inland  aufgefasst  werden,  so  müssten  sie  eigentlich  auch  ebenso  mit
Mexico  und  Canada  im  Postverein  stehen.  Wenn  amerikanische  Briefe  nun
für  8,4  Pf.  von  Amerika  nach  Shanghai  in  China  gelangen,  so  können  sie
für  4  Pf.  Zuschlag  auch  weiter  nach  allen  chinesischen  Postorten  befördert
werden.  Das  macht  12,4  Pf.  zusammen,  während  das  amerikanische  Weltporto ­
  von  5  Cents  21  Pf.  ausmaoht.  53  *  *

53 )  Vgl.  „Archiv  f.  Post  u.  Telegraphie“  1900,  8.  238f.
64 )  Siehe  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1903,  S.  306.  Vorher  galten  die
Weltpostvereinstaxen.
        <pb n="352" />
        313

Vom  Verfasser  des  Buches  „Weltporto-Beform“  sind  früher  erschienen ­
  :
Die  Memoiren  des  Grafen  Ernst  von  Münnith.
Nach  der  deutschen  Originalhandsohrift  herausgegeben  sowie  mit
einer  Einleitung  und  einer  Biographie  des  Verfassers  versehen  von
Arred  Jürgensobu.
Stuttgart  1896.  Verlag  der  J.  G-.  Cotta’schen  Buchhandlung  Nachfolger.
8°.  242  Seiten.  (Preis  5  Mark).
Das  „Berliner  Tageblatt“  (1896,  5.  Januar)  schreibt  in  seiner  Anzeige
des  Buches:
„Preunden  der  russischen  Kaisergeschichte  aus  dem  vorigen  Jahrhundert ­
  ist  durch  diese  sorgfältige  Veröffentlichung  der  verloren  geglaubten, ­
  nicht  unwichtigen  Memoirenhandschrift  ein  grosser  Dienst
erwiesen  worden.  Aber  auch  die  Premide  der  Kulturgeschichte  überhaupt ­
  werden  an  der  Lektüre  des  treuherzigen  Erzählers  ihre  ungetrübte
Freude  haben.  Der  bedeutsamste  Teil  der  Denkwürdigkeiten  liegt  in
der  genauen  Darstellung  des  Sturzes  des  allmächtigen  Günstlings  der
Kaiserin  Anna,  des  Herzogs  Biron  von  Kurland,  die  sich  wie  ein  Eomankapitel
  liest,  und  in  der  ausführlichen  Schilderung  des  Charakters  der  genannten ­
  russischen  Herrscherin.“
Das  „Hamburger  Fremdenblatt“  schrieb  u.  a.;
„Die  Arbeit  ist  so  zusammengestellt,  dass  sie  allen  wissenschaftlichen
Ansprüchen  genügt;  ein  reiches,  in  Anmerkungen  gesammeltes  Material,
ein  Namen-  und  Sachregister  und  namentlich  auch  die  beigegebenen
Stammtafeln  geben  der  Ausgabe  einen  hohen  Wert.  Eine  über  50  Seiten
lange  bibliographische  Einleitung  in  die  Memoiren  zeigt  uns  den  Herausgeber ­
  als  einen  Forscher,  der  genau  mit  der  russischen  historischen
Literatur  des  18.  Jahrhunderts  vertraut  ist.  Der  Herausgeber,  der
schon  durch  andere  historisch-wissenschaftliche  Arbeiten  sich  einen
Namen  gemacht  hat,  wird  durch  diese  neue  sorgsame  Edition  der
Gelehrtenwelt  aufs  Neue  den  Beweis  seiner  Fähigkeit  als  Historiker
dartun.’'
In  der  russischen  Zeitung  „Rüsskija  Wjedomostji“  (Moskau  1896,  No.  120
vom  2.  Mai)  wird  das  Werk  vom  Historiker  Prof.  Alex.  Brückner,  dem
Verfasser  der  Geschichte  Peters  des  Grossen  und  Katharinas  II.  in  der
Onckensohen  Sammlung,  in  einem  längeren  Aufsatz  ausführlich  besprochen.
Es  heisst  da  u.  a.  bei  Erwähnung  des  bekannten  Feldmarschalls  Münnich
(Vaters  des  Grafen  Ernst  M.):
„Es  gibt  auch  andere  Werke  des  Feldmarschalls,  die  ein  wertvolles
Material  darstellen.  Auf  ihre  Bedeutung  wurde  besonders  eingehend
von  Arved  Jürgensohn,  dem  besten  Kenner  der  Geschichte  Münnichs,
in  verschiedenen  Arbeiten  hingewiesen.  Er  lenkte  aber  atreh  die  Aufmerksamkeit ­
  auf  den  Sohn  des  berühmten  Feldherrn,  der  am  russischen
Hofe  wichtige  Aemter  bekleidete  und  Augenzeuge  der  Staatsumwälzungen ­
  war.'  Nach  längerem  Suchen  entdeckte  Herr  Jürgensohn  endlich
die  deutsche  Originalhandschrift  seiner  Memoiren.  Diese  Entdeckung
entbehrt  nicht  der  Bedeutung.  Man  kann  nicht  leugnen,  dass  es  Herrn
Jürgensohn  mit  der  Herausgabe  dieses  wertvollen  Denkmals  gelungen
ist,  der  russischen  Historiographie  einen  wesentlichen  Dienst  zu  leisten.
        <pb n="353" />
        314

Hierbei  bekundet  Herr  J.  eine  ungewöhnliche  Belesenheit  und  kommt,
dank  seiner  kritischen  Methode,  zu  ganz  sicheren  Ergebnissen.  Die
Ausgabe  des  Herrn  J.  ist  ein  würdiges  Denkmal  jenes  ehrenhaften  und
tüchtigen  Mannes.“
Die  „Tägliche  Rundschau“  (Berlin  1896,  No.  14,  vom  17.  Januar,  Beilage)
schreibt  in  einem  vier  Spalten  langen  Auszuge  dieser  Memoiren  zum  Eingang:
„Man  darf  es  wohl  einen  glücklichen  historischen  Bund  nennen,  dass
die  Nachforschungen  eines  genauen  Kenners  der  russischen  Geschichte.
Arved  Jürgensohns,  nach  der  deutschen  Originalhandsohrift  der  Aufzeichnungendesjüngeren ­
  Münnich,  Sohnes  des  aus  Oldenburg  gebürtigen
russischen  Generalfeldmarschalls,  kürzlich  von  Erfolg  gekrönt  worden
sind.“

(Anonym)
Zur  Wim  des  Paketportos  io  Deutschland  und  Dsterreich-Ungarn.
Kritische  Streifzttge  und  positive  Vorschläge  mit  genauer  Berechnung  der
finanziellen  Wirkungen.
Leipzig  1898.  Br.  Willi.  Grunows  Verlag.  192  Seiten  gr.  8°.  (2  Mark).
Inhalt:  I.  Zur  Kritik  des  Postpaketportos.  II.  Reform  wünsche  und  Portovergleiche. ­
  III.  Das  Ein-Kilo-Porto  (15  u.  30  Pf.).  IV.  Portoeinnahme  und
Paketverteilung  nach  Gewicht  und  Entfernung.  V.  Ein  Sechs-Zonentarif
mit  regelmässiger  Progression.  VI.  Der  radikale  zweizonige  Pakettarif  (je
5  kg  25  oder  50  Pf.).  VII.  Die  Wirkungen  des  neuen  Tarifs  bei  der  Reichspost. ­
  VIII.  Württemberg  und  Bayern.  IX.  Oesterreich-Ungarn.  X.  Die
Paketreform  von  1873.  XL  Die  Mehrausgaben  infolge  der  Paketreform  von
1873.  XII.  Mindereinnahmen  aus  der  Versicherungsgebühr  und  dem  Wertbriefporto. ­
  XIII.  Die  Unterbilanz  des  Paketdienstes.  XIV.  Die  Vorausbezahlung ­
  des  Bestellgeldes.  XV.  Die  Pake'tauflieferung.  XVI.  Eisenbahntarife ­
  und  Postporto.  XVII.  Postwagenrechnung  und  Gepäckdefizit.
Urteile  der  Presse:
Die  „Zeitung  des  Vereins  deutscher  Eisenbahn-Verwaltungen“  widmet
dem  Buch  zwei  lange  Aufsätze  von  17  Spalten  (in  No.  75  und  No.  77  des
Jahrgangs  1898)  aus  der  bekannten  Beder  des  Eisenbahndirektors  de  Terra,
in  denen  es  u.  a.  heißt:
„Selten  ist  ein  Gegenstand  so  gründlich,  mit  so  umfassender  Sachkunde ­
  und  mit  solch  staunenswertem.  Bleisse  bearbeitet  worden.  Die
vorliegende  Schrift  des  leider  ungenannten  Verfassers,  der  augenscheinlich ­
  in  den  Reihen  der  höheren  Postbeamten  zu  suchen  ist,  kann  sich
dem  Besten  an  die  Seite  stellen,  das  unsere  Bachliteratur  auf  diesem
Gebiete  aufzuweisen  hat.  Jeder,  der  für  den  behandelten  Gegenstand
irgend  welches  Interesse  hat,  wird  aus  dem  klar  und  fliessend  geschriebenen, ­
  auch  dem  Laien  verständlichen  Buche  reiche  Belehrung  und
Anregung  schöpfen.  Doppelt  wertvoll  ist  es  natürlich  für  den  Bachmann, ­
  dem  es  vielfach  ganz  neue  Gesichtspunkte  erschliesst.“
Das  „Berliner  Tageblatt“  (Jahrgang  1898,  No.  353)  bespricht  das  Werk
in  einem  Leitartikel  und  sagt:
„Das  Buch  sei  allen  Beteiligten,  sowohl  in  der  Postverwaltung  wie
im  Publikum  aufs  dringendste  empfohlen,  denn  es  ist  geeignet,  eine
neue  Aera  in  unserem  ganzen  Verkehrsleben  einzuleiten,  wenn  die
darin  gemachten  Vorschläge  auf  fruchtbaren  Boden  fallen.“
        <pb n="354" />
        —  315  —

Die  „Bayerischen  Verhehrsblätter“,  Organ  des  Bayerischen  Verkehrsbeamtenvereins
  (Jahrg.  1898,  No.  16,  S.  133f.),  besprechen  das  Buch  in  einem
längeren  Aufsatz  und  bemerken  dazu:
„Die  Bedeutung  desselben  ist  ja  hoch  erhaben  über  diejenige  einer
blossen  Gelegenheitsschrift.  Der  reiche  Inhalt  bildet  einen  wertvollen
Beitrag  zur  wissenschaftlichen  Darstellung  und  zur  Geschichte  der
Tarif-  und  Portoreformen.  Niemand  wird  die  Schrift  bei  Seite  legen,
ohne  ein  lebhaftes  Interesse  für  den  behandelten  Gegenstand  gewonnen
zu  haben.  Wir  wünschen  dem  Buch  nicht  allein  viele  Leser,  wir
wünschen  auch,  dass  die  in  demselben  gemachten  Vorschläge  und  Anregungen ­
  auf  fruchtbaren  Boden  fallen.  .  .“  „Wohl  noch  niemals  sind
private  Portoreformvorschläge  mit  so  eingehenden  und  ausführlichen
statistischen  Argumenten  über  voraussichtliche  Mehr-  oder  Mindereinnahmen ­
  begleitet  worden.  .
Der  „Hambnrgische  Korrespondent“  (1898,  No.  449)  schreibt  in  einem
längeren  Aufsatz  darüber:
„Dass  der  ungenannte  Verfasser  in  den  Kreisen  der  höheren  Postbeamten ­
  zu  suchen  ist,  darüber  wird  ein  aufmerksamer  Leser  der  sehr
beachtenswerten  Schrift  keinen  Augenblick  im  Zweifel  sein.  Nicht
allein  die  umfassende  Sachkunde  und  das  eingehende  'Verständnis
sprechen  dafür  .  .  .“

Die  Einführung  billiger  Ein-Kilo-Pakete,  die  das  Buch  u.  a.  anregte ­
  und  die  seitdem  wiederholt  von  neuem  gefordert  wurde,  hat  der
Staatssekretär  v.  Podbielski  der  Hamburger  Handelskammer  schon  am
19.  Dezember  1898  in  Aussicht  gestellt  (vgl.  Hamburger  Fremdenblatt,  1898,
No.  ‘298,  2.  Beilage).  Ebenso  die  Vorausfrankierung  des  Bestellgeldes.

(Anonym)
Die  Frage  eines  deutsch-niederländischen  Postvereins.
Mit  genauer  Berechnung  der  finanziellen  Wirkungen  für  die  beiderseitigen
Postverwaltungen.
Anhang:  Ein  Postverein  mit  der  Schweiz.
Berlin  1900/1901.  Verlag  von  Gose  &amp;amp;  Tetzlaff.  8°.  28  Seiten.  (Preis  60  Pf.).
Die  „Bayerische  Verhehrszeituug“  (Jahrgang  1902,  No.  2,  vom  20  Januar)
schrieb:
die  obige  Frage  wird  hier  „mit  einer  Klarheit  und  Sachkenntnis
behandelt,  dass  es  eine  Freude  ist,  dem  Ideengang  des  Autors  Seite  für
Seite  zu  folgen  und  sich  von  ihm  von  der  Zweckmässigkeit  eines
engeren  Anschlusses  der  beiden  Nachbarstaaten  in  postalischer  Beziehung
überzeugen  zu  lassen.  Da  überdies  in  dem  Werkchen  die  Verkehrsbeziehungen ­
  zu  andern  Nachbarstaaten  behandelt  und  eine  Fülle  schätzbaren ­
  Materials  in  den  Kreis  der  Betrachtung  gezogen  ist,  so  verdient
es  in  hervorragendem  Masse  die  Beachtung  der  Behörden,  wie  jedes
einzelnen  Verkehrsbeamten.“
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        316

Der  Verfasser  der  Broschüre  hatte  am  28.  und  29.  März  1900  schon
in  einem  längeren  Artikel  in  den  Münchner  Neuesten  Nachrichten  (No.  147
und  148)  einen  Postverein  mit  Holland  angeregt  und  diese  Idee  in  dem
Werke  dann  eingehender  ausgearbeitet.  Zugleich  wurde  ein  Postverein  mit
der  Schweiz  empfohlen.  Der  Reichskanzler  Fürst  Biilow  sprach  damals  in
einem  Briefe,  der  durch  die  Presse  ging,  seine  Sympathie  mit  dem  Gedanken ­
  aus.  Es  ist  bisher  aber  bloss  ein  Postverein  mit  Luxemburg  (am
1.  Oktober  1902)  zustandegekommen,  der  in  der  Broschüre  nur  andeutungsweise ­
  empfohlen  worden  wg,r.

Im  Verlage  von  C.  Heymann  zu  Berlin  erschienen  (1906.  5  M):
Patentgesetzgebnng  und  Eriinderschicksale
von  Arved  Jürgensohn  (Berlin—Friedenau).
Inhalt:  I.  Autorrecht  und  Erfinderschutz.  —  II.  Die  Zweckwidrigkeit
hoher  Patentgebühren.  —  III  Allerhand  Erfinderschicksale  (Gutenberg,
Stephenson,  Siemens,  Krupp,  Edison,  Hughes,  Auer,  Phil.  Reis  usw;).  -
IV.  25  Jahre  deutscher  Patententwickelung.  —  V.  Die  wirkliche  Lebensdauer ­
  der  Patente  und  ihre  Bedeutung  (Amerikas  Patente;  deutsches
Gegenbild;  Autor  und  Verleger,  Erfinder  und  Industrieller;  Volksverluste;
technische  Angestellte;  Kleinindustrie  und  Handwerk;  neue  Statistik).  —
VI.  Motive  und  Reichstagsreden  von  1877  (mit  kritischen  Randbemerkungen).
Pressstimmen  über  das  Buch.
Hamburger  Fremdenblatt  (1906,  No.  64):  „Ich  glaube,  man  sagt  nicht  zu
viel,  wenn  man  das  Werk  Jürgensohns  ein  aufsehenerregendes  nennt,
wenigstens  verdient  es,  Aufsehen  zu  erregen.  Sein  reiches  Material  ist
nicht  nur  für  Fachleute  bestimmt,  sondern  besitzt  höchstes  Interesse
für  alle  .  .  .  Zwischen  den  Abschnitten  .  .  .  befindet  sich  ein  Abschnitt,
dessen  Stoff  direkt  aus  der  Fülle  des  Lebens  gegriffen  ist,  ein  Buch
der  Romane  und  Tragödien,  das  Buch  der  Erflnderschicksale.  Der  Verfasser ­
  hat  hier  eine  Anzahl  von  wahrheitsgetreuen  Romanen  aus  Schicksalen ­
  von  Erfindern  und  ihren  Erfindungen  zusammengestellt,  und
man  darf  behaupten,  daß  es  kaum  einen  fesselnderen  Lesestoff  gibt.“
B.  /.  am  Mittag  (Berlin  1907,  24.  4.):  „  .  .  ein  Buch,  in  dem  er  in  glänzendster ­
  Weise  den  Nachweis  führt,  in  wie  tragischer  Weise  unsre  schlechte
Patentgesetzgebung  in  das  Schicksal  der  Erfinder  eingreift  .  .  Trotz
all  dieser  Tragik  weiss  ,).  dem  Gegenstände  eine  durchweg  unterhaltende ­
  und  vielfach  sogar  humoristische  Seite  abzugewinnen,  so  dass
sich  das  Ganze  wie  eine  Art  kulturhistorischer  Novellensammlung  liest.“
Berliner  Tageblatt  (1906,  18.  4.):  „  .  .  in  überaus  fesselnder  Weise  geschrieben ­
  ....  angelegentlichst  zu  empfehlen.“
Frankfurter  Zeitung  (1907,  16.  6.):  „  .  .  .  reichlich  mit  Beispielen  aus  der
Praxis  durchsetzt,  fesselnd  behandelt  .  .  .  auch  Nichtfachleuten  als  anregende ­
  Lektüre  empfohlen.“
Centralblatt  der  Hütten-  und  Walzwerke  (1900,  Nr.  31):  „Mit  einer  erfrischenden ­
  Deutlichkeit  und  Unverblümtheit  werden  hier  die  Kinder  beim
richtigen  Namen  genannt  .  ,  .  alles  wird  bewiesen  .  .  .  Allen  empfehle
ich  das  J.’sche  Buch  aufs  wärmste  .  .  .  Alle  Gegner  des  Gesetzes  sollten
sich  das  Buch  unbedingt  auschaffen,  denn  es  ist  ein  Genuss,  dasselbe
zu  lesen  und  gibt  wertvolle  Unterlagen  für  weitere  Arbeiten.“
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        317

Erit.  Blatt,  f.  Sossialwissenscll.  (1906,  472  f.):  „  .  .  geistreicher,  sehr  sachkundiger ­
  Autor  .  .  besonders  verdienstliche  Schrift  .  .  Ich  scheide  von
dem  gutgeschriebenen  Buche  mit  lebhaftem  Dank.“
Prof.  H.  De  mb  arg  widmete  dem  Buch  einen  zustimmenden  Artikel  in  der
Deutschen  Juristen-Ztg.  (1907  Nr.  1).
Patentanwalt  Carl  Pieper,  der  Urheber  der  Internationalen  Patentunion,
schrieb  („Blinde  Regierungen“  1906,  4  u.  31):  „.  .  .  unbestritten  klassische
Weise  .  .  .  famose  neue  Arbeit.“
Reichstagsabgeordneter  ISnrlage  (Reichsgerichtsrat)  widmete  dem  Buch  und
seinem  Inhalt  längere  Ausführungen  in  der  Reichstagssitzung  vom  18.
April  1907  bei  der  Beratung  des  Patentamts-Etats.  (Vgl.  Stenogr.  Bericht.)

Ferner  erschien  von  Arred  Jürgensolin  eine  Denkschrift:
„Pie  Fatentiebühren“
in  seiner  Eigenschaft  als  Referent  der  Patentkommission  des  „Deutschen
Vereins  für  den  Schutz  des  gewerblichen  Eigentums“,  veröffentlicht  in  den
von  diesem  Verein  herausgegebenen  Drucksachen  für  den  Düsseldorfer
Patentkongress  1907  („Vorschläge  zur  Reform  des  Patentrechts“,  II.  Teil.
S.  85—123;  Berlin  1907,  C.  Heymanns  Verlag).
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        309

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Seit  dem  l.Juli  1908  sind  mm,  wie  bereits  erwähnt,  die  deutschen
’’ostämter  in  China  ebenso,  wie  Kiantschou  es  schon  vorher  war,  in  den
lereich  des  deutschen  Kolonialreichsportos  einbezogen  worden,  so
ass  also  für  Briefe,  Postkarten,  Drucksachen,  Warenproben  und  Geschäftsapiere
  im  wesentlichen  der  inländische  deutsche  Tarif  gilt..  (Vgl.
'  ben  S.  252.)
Vom  1.  Januar  1909  ab  gilt  auch  der  inländische  deutsche
'ostzeitungstarif  für  diese  Beziehungen,  ebenso,  wie  bisher  schon  für  die
»aderen  deutschen  Kolonien.  Die  bisherigen  Transitgebühren  werden  dem
ezugspreis  nicht  mehr  hinzugerechnet.
Zu  beachten  ist  ferner,  dass  auch  die  deutschen  Postanstalten
*j-  1  Marokko,  die  seit  dem  15.  November  1907  ebenfalls  in  das  deutsche
v  .olouialreichsporto  einbezogen  wurden,  jetzt  mit  China  d.  h.  den  deutschen
Dstanstalten  in  China  im  Postvereinsverhältnis  stehen  und  im  beiderseitigen
Jechselverkehr  der  deutsche  Inlands-  oder  Kolonialtarif  gilt.  (Vgl.  S.  295.)
Das  amtliche  (vom  Deutschen  Reichspostamt  herausgegebene)  „Archiv
i r  P° st  und  Telegraphie“  (1908,  S.  389)  schrieb  bei  Mitteilung  dieser
Buerungen:  „Der  Briefverkehr  zwischen  Deutschland  und  den
jutschen  Postanstalten  in  China,  der  bisher,  unter  der  Geltung
|r  Weltpostvereinstaxen,  nicht  besonders  lebhaft  war  —  im  Jahre  1906
ad  in  der  Richtung  aus  dem  Reichspostgebiete 48 )  428  090  und  in  um-■»‘kehrter
  Richtung  243  730  Brief  Sendungen  versandt  worden  —  wird  indge
  der  Gebührenherabsetzung  voraussichtlich  eine  nicht  unwesentliche ­
  Steigerung  erfahren.“
Das  ist  um  so  mehr  zu  erwarten,  als  ja  doch  in  Asien  die  Inlandsrife
  überhaupt  meist  viel  billiger  sind  als  in  Europa,  z.  B.  für  einfache
’iefe  in  China  2  Cents  (4  Pf.),  in  Japan  3  Sen  (6,3  Pf.),  in  Siam
Atts  (nominell  16  Pf.,  faktischer  Wert  (1906)  aber  etwa  8  Pf.),  in  derselben
"pvinz  aber  bloss  2  Atts  (4  Pf.),  und  in  Britisch-Indien  l /a  Anna
c  Va  Penny  oder  4,25  Pf.).  Da  stellt  der  Tarif  des  Weltpostvereins  also
s  drei-  bis  vierfache  der  Inlandstaxe  dar  und  muss  von  der  Bevölkerung
!  äusserst  teuer,  drückend  und  verkehrshinderlich  empfunden  werden.
b)  Chinas  Postverein  mit  England  und  seinen  Kolonien 47 ).
»  Auch  die  12  englischen,  d.  h.  die  vom  Postamt  in  Hongkong  abugenden
  und  in  China  eingerichteten  britischen  Postanstalten  gehören
^  tn  Penny-Porto-Verein  Grossbritanniens  und  seiner  Kolonien  an.
Damit  steht  also  China  zu  ihnen  sowie  zu  Aegypten  im  Postreinsverhältnis, ­
  das  sich  aber  nur  auf  Briefe  bezieht.
48 )  d.  h.  Deutschland  ohne  Bayern  und  Württemberg,  welche  ja  selb-|^,
  ndige  Posten  und  Postgebiete  haben.
47 )  Vergl.  Recueil  de  renseignements  .  .  .  concernant  l’execution  de  la
ivention  principale  du  26.  Mai  1906  (vom  Internationalen  Bureau  des
ältpostvereins  zu  Bern.  Datiert  Juli  1907),  S.  34,  35  und  70.
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