vollzogen wird, so brauchen die Gedingesätze gar nicht gekürzt zu werden, die Arbeiter verdienen dann trotzdem bedeutendweniger, ­ weil eben die so nötigen Vergünstigungen des Lohnzuschreibens weggefallen sind. Auch diese Benachteiligung erregt ­ die Arbeiter zurzeit sehr. Ter Durchschnittslohn fällt deshalb bei ganz gleicher Leistung. ­ Auf den fisk a lisch enGrubeni ni Revier Gladb e ck wird das Fallen des Durchschnittslohnes ebenfalls zum größten Teile auf das Wegfallen des Zuschreibens zurückgeführt. Da ferner gerade im Gladbecker Revier in den Monaten August und September recht viele Feierschichten hinzukamen, so ist der Rückgang des Durchschnittslohnes bei der jetzigen Kriegsteuerung um so empfindlicher. So wurde uns gemeldet,, daß auf dev fiskalischen Zeche Scholven im Revier 12 Hauerlöhne von 4,70 bis 6,10 Mk. verdient wurden. Auf ZecheMatthias S t i n n e s, Revier 2, fielen Hauerlöhne von 4,38 bis 5,22 Mk., ans Zeche Graf Moltke, Revier I, fielen ebenfalls Hauerlöhne von 5 Mark und wenig darüber. Aus dem Gladbecker Revier gehen uns recht viele Klagen zu über viele und zu hohe Strafen. In einem Bericht heißt es: „Die Strafen sind auf den Hugo-Schächten (Harpen) und den Möller-Schächten (Fiskus) am höchsten. Wegen schlechtem Bergeversatz ­ auf den Möller-Schächten 3 bis 5 Mk., wegen willkürlichen ­ Feierns 2,50 bis 3 Mark." Wir sind die letzten, die willkürliches Feiern in Schutz nehmen wollen. Aber jetzt bei Ausbruch des Krieges, wo in den ersten Wochen die Aufregung über dasAbschiednehmcn vonVerwandten, Freunden und Bekannten groß war, ist manche Schicht versäumt worden, die sonst nicht versäumt worden wäre. Da hätte man wirklich etwas mehr Rücksicht nehmen sollen. Wenn aber die Beamten den Arbeitern bei jeder Beschwerde damit antworten: „Wem es nicht paßt, kann gehen", ja, auf den Prosper-Schächten wurde den Arbeitern noch geantwortet: „Es wird noch schlechter", so trägt das nicht dazu bei, die Gemüter bei dieser schweren Kriegszeit zu beruhigen. Der Betriebsführer von Zeche Moltke III/IV habe zu den Arbeitern gesagt, er könne jetzt Leute genug kriegen, mit goldenen Kneifern kämen sie jetzt um Arbeit anfragen, wem es nicht passe, der solle kündigen. So wird uns berichtet. Braucht man sich bei solchen Vorkommnissen zu wundern, wenn die Arbeiter erregt werden? Gefördert wird im Revier Gladbeck fast überall nur in der Vormittagsschicht. Jugendliche unter 16 Jahren beschäftigt man auch dort unterirdisch. Auf Zeche Scholven und Moltke III/IV wurden uns je 16 Jugendliche angegeben, ebenso mehrere auf den dortigen Stinneszechen.