18 Ein allgemeiner Rückgang der Durchschnittslöhne, ist auch dort zu beobachten. Tie Kohlenpreise sind teilweise noch gesteigert. Die Löhne fallen gewaltig, die Lebensmittel werden bedeutend teurer und fast in jeder Familie gibt es Angehörige zu unterstützen, weil der Ernährer ini Felde steht. Die meisten Zechen haben mit den Arbeitern vereinbart, allmonatlich Opfer für die Familien der Kriegsteilnehmer zu bringen. Wenn aber die Löhne bei der Teuerung so gewaltig zurückgeschraubt werden, können viele Arbeiter nicht mehr auskommen. Opfer für die Familien der Krieger zu bringen, sind sie dann nicht mehr tu der Lage. Das alles trägt dazu bei, Unzufriedenheit und Mißstimmung zu erzeugen, ­ die bereits so weit gesteigert waren, daß man uns mit Streik drohte, wenn nicht Abhilfe geschaffen wird. Wir bitten deshalb Ew. Erzellenz, bei den Arbeitgebern durchzusetzen, daß nicht mehr die Unzufriedenheit durch Lohnkürzungen, ­ Schichtverlängerungen usw. gesteigert wird. Die Zechen haben in letzter Zeit fast durchweg sehr reiche Gewinne abgeworfen, so daß die Unternehmer jetzt , meist ganz gut ein Opfer bringen können. Die Kohlen gehen noch gut ab. Der Staat, das Reich sind gut zahlende Abnehmer, weshalb auch die Arbeiter über die jetzige Verschlechterung ihrer Lage ganz besonders unzufrieden sind. Es gibt ja auch eine ganze Anzahl Zechen, die keine Lohnkürzungen vornahmen. Es geht demnach, wenn nur der gute Wille da ist. Wir wären Ew. Erzellenz sehr dankbar, wenn es durch energisches Eingreifen gelänge, diejenigen ­ Werke, die Verschlechterungen vorgenommen haben, davon ­ abzubringen. Aber nicht nur im Ruhrrevier geht man mit Lohnreduzierungen und Schichtverlängerungen vor, sondern auch in anderen preußischen und deutschen Revieren ist das der Fall. So in N i e d e r s ch leiten, wie ich am 25. September schon mündlich mit berichtete. Durch einen Schlepperstreik ist eine Lohnkürzung in Hermsdorf bereits beigelegt. Die Unterbeamten sollten sie selbständig und irrtümlich angekündigt haben. Darüber, ob das glaubhaft ist, wollen wir kein Wort weiter verlieren. Die Sache ist beigelegt und das genügt. Ebenso ist der Streit im Nenloder Revier, wo Ueberschichtenzwang zu Differenzen führte, beigelegt. ­ Aber im allgemeinen wird noch in beiden Revieren über Lohnherabsetzungen geklagt. Namentlich darüber, daß man die Abschlagszahlung herabsetzt und die bisher wöchentliche Abschlagszahlung ­ in eine monatliche umgewandelt hat. Wir bitten dringend, den so schon am schlechtbezahltesten Kohlenbergleuten Niederschlesiens beizustehen.