— 75 — änderte der Vertrauensmann die Tagesordnung bezw. das Thema dahin ab, daß der Referent über Verbandsangelegenheiten ­ sprechen würde. Nachdem die Polizei auf dem dortigen Amt noch Schwierigkeiten machte, indem dem Einberufer gesagt wurde, es sei zu spät, trotzdem noch ziemlich zwei Tage Zeit bis zur fraglichen Versammlung waren, ging der Kassierer Romberg von unserer Zahlstelle Brambauer zum Landratsamt nach Dortmund. ­ Dort wurde nach zweistündigen Verhandlungen und telephonischen Rückfragen die fragliche Versammlung mit den folgenden Bedingungen genehmigt: Erstens dürfe nicht über den Krieg, zweitenss nicht über politische Angelegenheiten und drittens nicht über die Lohnfrage und Teuerungszulagen gesprochen ­ werden. In der Versammlung hat dann auch der überwachende ­ Gendarm noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß er Auftrag habe, nicht über die Lohnfrage sprechen zu lassen. In Essen verbot man eine öffentliche Versammlung am 29. Mai, in welcher der Landtagsabgeordnete Hue reden sollte, vollständig. Da diese Eingriffe nicht nur ganz unberechtigt sind, sondern, statt Beruhigung zu schassen, geradezu den Burgfrieden stören, indem sich die Bergarbeiter über die unberechtigte Rechtlosmachung aufregen, so daß leicht die Allgemeinheit geschädigt werden kann, ersuchen wir ebenso höflich wie dringend, diese Verbote ­ aufzuheben und alle Polizeiämter anzuweisen, solche unberechtigte ­ und schädliche Verbote zu unterlassen. Die Forderung einer Teuerungszulage für die Bergarbeiter ist in Anbetracht der stark erhöhten Kohlenpreise mehr als berechtigt. Die Höhe der geforderten Zulage, 60 Pf. pro i Schicht für Verheiratete und 40 Pf. für Ledige, wäre nur ein ganz geringer Ausgleich für die nieist hundert und mehr Prozent verteuerten Lebensmittel des Bergmanns. Gemüse, Kartoffeln, Speck und sonstiges Schweinefleisch sind meist mehr als doppelt so teuer wie vor dem Kriege. Eine Anzahl Zechen in Westfalen haben ähnlich hohe Zulagen bewilligt. In den Außenrevieren war das fast durchweg ­ der Fall. Aber einige Zechen in Rheinland-Westfalen weigern sich entschieden, nennenswerte Zulagen zu bewilligen. Wo das der Fall ist, wollen und müssen dann die Arbeiterausschüssc in Belegschasts- oder Mitgliederversammlungen über die Verhandlung des Arbeiterausschusses mit der Zechenverwaltung berichten. Die von uns hingesandten Referenten wirken nicht aufhetzend, sondern im Gegenteil. Sie setzen den Leuten auseinander, ­ daß zur Zeit das Streiken nicht angängig ist, daß die Arbeiter ihre berechtigten Forderungen nur aus friedlichem Wege vertreten und erreichen können. Wo solche Versammlungen stattfanden, sind die Arbeiter nicht erregter geworden, sondern