97 Zeit mehrfach Klagen über niedrige Löhne, schlechte Behandlung und ungenügende Beköstigung zugegangen. Nach den uns gemachten Mitteilungen sollen die russischen Arbeiter 80 Prozent des von ihren deutschen Kameraden ver dienten Lohnes erhalten. Diese Vereinbarung ist jedoch seitens der benannten Zechenverwaltung nicht immer eingehalten worden, wie aus den im August an die russischen Arbeiter gezahlten Löhnen hervorgeht. Es wurden Löhne gezahlt an Verheiratete von 2,70 bis 5,20 Mark. Dem russischen Arbeiter Isaak Böhm wurde von seinen deutschen Kameraden, mit denen er zusammen arbeitete, gesagt, sie verdienten diesen Monat gut, gemeint war der Monat August, bei 80 Prozent bekäme er 6 Mark pro Schichte Am Lohntag erhielt Böhm jedoch nur 2,70 Mark pro Schicht. Böhm ist 26 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Von dem russischen Arbeiter Brockmann wird uns mitge teilt, daß dieser ebenfalls nur 2,70 Mark pro Schicht erhalten habe, während sein deutscher Kamerad 6,60 Mark verdient hätte. Aehnliche Fälle sind uns noch mehr mitgeteilt worden. Von dem verdienten Lohn wird den verheirateten Arbeitern ein Teil zur Unterstützung ihrer in der Heimat verbliebenen Familien einbehalten und nach dort gesandt. Außerdem wird für Menage 1,80 Mark und für Schlafgeld 20 Ps. pro Tag berechnet und vom Lohn in Abzug gebracht. Reicht der eben angeführte Lohn noch nicht einmal aus zur Unterstützung der Angehörigen, für Menage und Schlafgeld, so kann erst recht keine Rede davon sein, für Wäsche und Kleidung zu sorgen. Trotzdem sind die russischen Arbeiter nach § 4 der Hausordnung ihres Unterkunftsraumes verpflichtet, jeden Samstag für reine Wäsche zu sorgen, andernfalls sie in Strafe genommen werden. Was die Behandlung anbetrifft, so haben Steiger Wolf und der Betriebsführer von Prinzregent zu Klagen Anlaß gegeben. Als ein russischer Arbeiter bei Steiger Wolf in höflichem Tone am Schalter vorsprach, es fehle ihm eine Schicht, er habe 10 Schichten verfahren und nur 9 seien ihm angerechnet worden, tagte Wolf: „Mach, daß du weg kommst, ich spreche nicht mit Juden." AIs der Arbeiter sich nicht abweisen ließ, kam Steiger Wolf aus der Steigerstube, packte den Arbeiter an der Brust und stieß ihn zurück. In einem anderen Falle kam, ein russischer Arbeiter, nachdem er 24 Schichten verfahren hatte, zu dem Be triebsführer und bat diesen um Vorschuß. Anstatt Vorschuß zu geben, steckte der Betriebsführer den Arbeiter zur Tür hinaus und trat mit dem Fuß nach ihm. Auch wird, wie eingangs erwähnt, über ungenügende Be köstigung geklagt. So sollen die russischen Arbeiter in letzter