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        <title>Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges</title>
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Bei einer demnächst vorzunehmenden Preiserhöhung der 
Kaliprodukte, die durch den Gesetzgeber in Aussicht steht, ist den 
Kaliarbeitern eine abermalige Teuerungszulage von 30 bis 70 
Pfennigen pro Schicht in Aussicht gestellt, so daß in kurzer Zeit 
die Kaliarbeiterschaft bei höheren Löhnen eine Gesamtteuerungs 
zulage von 0,80 bis 1,30 Mark pro Schicht erhalten wird. In 
der „Industrie", Fachzeitung für Kohlen-, Kali- und Erzbergbau, 
wird von Werksbesitzern mitgeteilt, daß sich die Ernährungs 
kosten eines Kriegsgefangenen pro Kopf und Tag auf 2,08 Mark 
belaufen. Hierbei handelt es sich um Massenzubereituug der 
Speisen, die sich bekanntlich wesentlich billiger stellt, als im Ein 
zelhaushalt. Es kommt hierbei die enorme Teuerung zum 
Ausdruck. 
Wir gestatten uns, darauf hinzuweisen, daß die Werke ihren 
freien Arbeitern doch mindestens das zum Leben zukommen 
lassen müssen, was einem Gefangenen notwendig gewährt wird. 
Das ist in der Erzindustrie im Nassauer Revier jedoch vielfach 
nicht der Fall. Der Durchschnittslohn im Revier Nassau-Wetzlar 
betrug für sämtliche Arbeiter im 2. Quartal 1916 nur 3,61 Mk. 
Die Haueclöhne betrugen im 2. Quartal 1915 (für die nachfol 
genden Quartale sind die Löhne nicht mehr veröffentlicht worden) 
3,80 Mark gegen 3,78 Mark im 1. Quartal 1914, standen mithin 
im 2. Quartal 1916 nur 2 Pf. höher wie im 1. Quartal 1914. 
Der durchschnittliche Arbeitsverdienst eines Arbeiters im Revier 
Nassau-Wetzlar betrug in der Zeit vom 1. Juli 1914 bis 1. Juli 
1916 1034 Mark, dagegen in derselben Zeit vor dem Kriege 
vom 1. Juli 1913 bis 1. Juli 1914 — 1089 Mark. Im Kriegs 
jahr stand also der Lohn noch um 55 Mark niedriger wie vor dem 
Kriege. Der sehr oft gemachte Einwand, für die Bergarbeiter- 
schaft des Reviers Nassau-Wetzlar rechtfertige sich ein niedriger 
Lohn, da sie durch Landwirtschaft und Viehzucht eine bessere 
wirtschaftliche Grundlage habe, kann heute nicht mehr geltend 
gemacht werden. Bei den heutigen Dünger-, Kleinvieh- und 
Futterpreisen sowie dem Futtermangel ist es dem kleinen Mann 
unmöglich, mit einigem Erfolg noch Vieh zu füttern. Man 
gelnde Viehhaltung, Düngermangel und horrende Düngerpreise 
lohnen aber auch den Ackerbau für den kleinen Mann nicht mehr. 
Zum Schlüsse erlauben wir uns noch, auf einen besonderen 
Mißstand der Grube Quäck und Florentine hinzuweisen. Die 
Arbeiter empfinden es bei dieser teueren Zeit als einen beson 
deren Mangel, daß auf dieser Grube keine Abschlagszahlung 
gewährt wird. In einer am Sonntag, den 21. Mai d. I., statt 
gefundenen Versammlung wurde u. a. mitgeteilt, daß ein Ar 
beiter, der zum Heeresdienst einberufen, den Grubenverwalter 
Herrn Kaldenbach, flehendlich um 10 Mark Vorschuß gebeten</div>
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