8

I.  Der  Begriff  des  Wertes.

nicht  Arbeit  und  Kapital  zum  Zwecke  der  Produktion  aufgewendet
hat,  die  also  nur  nach  Analogie  der  Kapitalsgüter  geschätzt  werden,
wie  die  menschliche  Arbeitskraft,  Grund  und  Boden,  Rechte  und
Verhältnisse.  Das  Motiv  des  Tausches  ist  der  Gebrauchswert,
der  sich,  wenn  es  wirklich  zum  Tausche  kommen  soll,  höher  stellen
muß  als  der  Tauschwert.  Wir  sehen  also  ein  kontinuierliches  Ansteigen ­
  vom  Kostenwert  zum  Tauschwert  und  schließlich  zum  Gebrauchswert. ­
  Der  Vergleich  ist  trotz  der  Verschiedenheit  der
Maßstäbe  dadurch  möglich,  daß  das  Geld  auch  als  Träger  von
Kostenwert  und  Gebrauchswert  erscheint,  indem  es  den  einzelnen
Wirtschaftssubjekten  als  Einkommen  zufließt,  das  sich  wieder  in
Nutzunqsvermögen  (Konsumtionsfond)  und  Erwerbsvermöqen
(Kapital)  scheidet.
Seit  Ricardo  ist  meist  die  Seltenheit  als  jenes  Moment
bezeichnet  worden,  welches  den  Wert  aus  dem  weiten  Bereiche  der
Nützlichkeit  heraushebt.  Auch  der  Vertreter  der  gegensätzlichen
Gruppe  von  Werttheorien,  Böhm-Bawerk,  erklärt:  „Damit
Wert  entsteht,  muß  sich  zur  Nützlichkeit  auch  Seltenheit  gesellen;
nicht  absolute,  sondern  relative  Seltenheit  im  Vergleiche  zum  Bedarf ­
  nach  Gütern  der  betreffenden  Art."  Im  Gegensatz  dazu  stehen
jene  Volkswirte,  welche  als  das  entscheidende  Kriterium  der  „wirtschaftlichen" ­
  und  „wertvollen"  Güter  die  Schwierigkeit  der  Erlangung,
die  Notwendigkeit  eines  Arbeitsaufwandes  u.  dgl.  ansehen.
Böhm-Bawerk  meint,  daß  sie  damit  „einen  sekundären  statt
des  wahrhaft  entscheidenden  primären  Bestimmungsgrundes"  nennen,
denn  erst  dann,  wenn  Güter  relativ  selten  sind,  unterziehen  wir  uns
der  Arbeit  und  sonstigen  Mühen  der  Erlangung.  Die  Erklärung
dieses  Zwiespaltes  wird  bei  der  Betrachtung  unserer  Gliederung
ziemlich  einfach.  Das  Ziel  der  Produktion  ist  die  Herstellung  eines
Gebrauchswertes.  Der  Gebrauchswert  bestimmt  sich  nun,  da  er
an  den  anderen  Verbrauchsgütern  desselben  Wirtschaftssubjektes
gemessen  wird,  tatsächlich  nach  dem  Verhältnis  der  zur  Verfügung
stehenden  Gütermenge  zu  dem  für  die  Gegenwart  und  die  nächste
Zukunft  sicherzustellenden  Güterbedarfe,  das  man  mit  relativer
Seltenheit  bezeichnen  kann,  wenn  diese  Gütermenge  nicht  im  Übermaße ­
  vorhanden  ist.  Der  Gebrauchswert  ist  also  die  Voraussetzung
des  Tauschwertes  und  des  Kostenwertes,  aber  diese  Weiterentwicklung ­
  ist  keine  notwendige,  sondern  nur  eine  mögliche  Folge.  Die
Lust  hat  keinen  Kostenwert,  weil  sie  nicht  produziert  zu  werden
braucht,  hat  auch  keinen  Tauschwert,  weil  sich  mangels  einer  wirt ­