1.  Die  Entstehung  des  Wertes.

9

schaftlichen  Tätigkeit  ein  Verhältnis  von  Angebot  und  Nachfrage
nicht  ausbildet,  kann  aber  unter  Umständen  einen  sehr  hohen  Gebrauchswert ­
  erhalten,  so  z.  B.  für  verschüttete  Bergleute,  weil  das
in  der  Allgemeinheit  herrschende  Verhältnis  von  unbegrenztem  Vorrat ­
  und  begrenztem  Bedarf  für  einzelne  Wirtschaftssubjekte  eine
solche  Veränderung  erfahren  hat,  daß  nicht  jeder  absehbare  Bedarf
gedeckt  erscheint.  Wenn  aber  der  Gebrauchswert  in  diesem  Falle
noch  so  steigt,  so  wird  deshalb  die  Luft  doch  nicht  produziert  und
nicht  verkauft  und  gekauft  werden,  weil  diese  Veränderung
nur  wenige  Wirtschaftssubjekte  betrifft  und  zufälliger  Natur  ist.
Auch  das  Beispiel  von  Böhm-Bawerk  läßt  sich  hierfür  anführen, ­
  durch  das  er  beweisen  will,  daß  nicht  die  Schwierigkeit  der
Erlangung,  sondern  nur  die  Seltenheit  entscheidend  ist.  „Die  Erlangung ­
  guten  Trinkwassers  z.  B.,  das  ein  Bauer  in  einer  Röhrenleitung ­
  zu  seinem  Hause  führt,  mag  andauernd  einen  Aufwand  an
Arbeit  und  Kosten  verursachen,  die  an  den  Bau,  die  Instandhaltung
und  den  Betrieb  der  Leitung  gewendet  werden  müssen.  Bringt  diese
aber  das  gute  Wasser  in  vollem  Überfluß,  so  fällt  es  dem  Bauer
trotzdem  nicht  ein,  mit  dem  Wasser  zu  „wirtschaften".  Der  Fall
liegt  aber  folgendermaßen:  Die  Seltenheit  des  Wassers  hat  für
den  Bauer  einen  Gebrauchswert  geschaffen,  der  zum  Tauschwert
würde,  wenn  Leute  das  Wasser  in  Kannen  zutragen  würden  und
für  jede  Kanne  einen  bestimmten  Preis  bekämen.  Der  Bauer  zieht
es  aber  vor,  eine  Röhrenleitung  zu  bauen,  so  daß  es  zu  einem
Tauschwert  überhaupt  nicht  kommt,  wohl  aber  zu  einem  Kostenwert, ­
  denn  aus  jedem  Hektoliter  Wasser  lastet  ein  wenn  auch  noch
so  kleiner  Teil  der  Abnutzung  des  Kapitalaufwandes.  Wenn  nach
der  Zuleitung  das  Wasser  überaus  reichlich  fließt,  so  sinkt  der  Gebrauchswert, ­
  weil  sich  das  Verhältnis  zum  Bedarf  ändert,  ebenso
wie  der  Kostenwert,  weil  sich  die  gleichbleibenden  Kosten  für  Anlage ­
  und  Erhaltung  der  Röhrenleitung  aus  eine  größere  Zahl  von
Mengeneinheiten  Wasser  verteilen,  beide  können  aber  niemals  ganz
verschwinden,  solange  überhaupt  eine  Röhrenleitung  notwendig  ist.
Die  Möglichkeit  der  Entstehung  eines  Tauschwertes  vermindert  sich
natürlich  in  diesem  Falle.  Die  relative  Seltenheit  ist  also  ein
Mißverhältnis  zwischen  Bedarf  und  Gütervorat  nicht  in  volkswirtschaftlichem, ­
  sondern  in  privatwirtschastlichem  Sinne,  denn  volkswirtschaftlich ­
  sind  fast  alle  Güter  reproduzierbar  oder  wenigstens  ersetzbar. ­
  Sie  schafft  daher  noch  kernen  Wert,  sondern  gibt  nur  den
Anstoß  zu  einer  wirtschaftlichen  Tätigkeit,  die  dann  allein  für  die