2.  Der  Kostenwert.

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können  nicht  immer  bis  an  das  Ende  ihrer  natürlichen  Lebensdauer
im  Betriebe  bleiben,  weil  sie  oft  durch  neuere  verdrängt  werden,
erworbene  Patente  können  durch  andere  Erfindungen  entwertet
werden,  Jndustriegeleise  können  durch  Kündigung  seitens  der  Bahn
oder  Änderungen  in  dem  Fabriksunternehmen  plötzlich  ihren  Wert
verlieren  usw.  In  den  Kostenwert  tritt  nicht  die  technische  Abnutzung, ­
  sondern  die  höhere  wirtschaftliche  Wertverminderung  ein,
bei  der  aus  die  raschere  Entwertung  Rücksicht  genommen  wird.
Sie  erfolgt  in  der  Form  einer  perzentuellen  Abschreibung  vom
Werte  der  verschiedenen  Teile  des  Anlagekapitals  und  ist  mangels
sicherer  Unterlagen  ziemlich  willkürlich;  nicht  selten  wird  sie  zum
Gewinn  in  Abhängigkeit  gebracht,  indem  in  guten  Jahren  mehr
abgeschrieben  wird  als  in  schlechten.  Die  Zinsen  für  das  geliehene
Kapital  gehören  nicht  zu  den  eigentlichen  Produktionskosten,  aber
als  Anteil  am  Unternehmergewinn  zun:  Kostenwert.
Eine  eigentümliche  Entwicklung  weisen  die  Vertriebskosten  auf.
Unter  primitiven  Verhältnissen,  solange  der  Weg  vom  Produzenten
zum  letzten  Verbraucher  über  viele  Zwischenglieder  führt  und  aus
irgend  welchen  Gründen  riskant  ist,  sind  sie  sehr  hoch,  vermindern
sich  dann  mit  stärkerer  Zusammendrängung  des  Absatzes  und
größerer  Gleichmäßigkeit  der  Produktion,  erfahren  eine  neuerliche
Erhöhung  bei  schärferem  Wettbewerb  gleichartiger  Unternehmungen,
um  bei  fortschreitender  Betriebskonzentration  durch  Kartelle,  Trusts
usw.  wieder  abzunehmen.  Diese  verschiedenen  Stadien  sehen  wir
heute  nach  der  besonderen  Eigenart  der  Produktionszweige  neben
einander  bestehen.  Beispiele  für  die  anfänglich  sehr  hohen  Vertriebskosten ­
  finden  wir  bei  landwirtschaftlichen  Erzeugnissen,  die
dem  Verderben  ausgesetzt  sind  und  einen  stark  zersplitterten  Absatz
aufweisen.  Bei  der  Versorgung  europäischer  Großstädte  selbst
aus  nahe  gelegenen  landwirtschaftlichen  Betrieben  werden  Milch
und  Fleisch  oft  um  100  °/o,  Obst  und  Gemüse  um  200  bis  400  %
verteuert.  Das  amerikanische  Ackerbauministerium  hat  auf  Grund
von  Erhebungen  in  78  Städten  Nordamerikas  ermittelt,  daß  die
Farmer  von  dem  Konsumentenpreis  bei  Milch  und  Geflügel  kaum
50  °/o,  bei  Eiern  69  °/o,  bei  Kohl  48  bis  55  %,  bei  Äpfeln  56
bis  60  °/o,  bei  Zwiebeln  28  und  bei  Orangen  20  bis  59  °/o  erhalten. ­
  Einen  besonders  krassen  Fall  berichtete  die  ungarische
Agrarkorrespondenz  im  Jahre  1913  aus  einer  Gegend  mit  guter
Pflaumenernte;  während  dort  den  Produzenten  nur  0,5  Heller  für
den  Liter  geboten  wurden,  zahlten  die  Konsumenten  in  Budapest
Gruntzel,  Wert  und  Preis.  2