B.  Der  Tauschwert.

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gemeinschaft  zusammenschließen,  ferner  die  in  Deutschland,  Österreich ­
  und  der  Schweiz  verbreiteten  Tarifverträge  zwischen  Organisationen ­
  der  Arbeitgeber  und  Arbeiter  usw.  Alle  diese  Schöpfungen
sind  keinen  Augenblick  im  Zustande  der  Ruhe,  sondern  in  beständiger
Bewegung.  Namentlich  innerhalb  der  dauernden  Vereinigungen
kämpfen  die  Mitglieder  um  einen  möglichst  großen  Anteil  an  den
gemeinsamen  Vorteilen,  so  daß  sich  Zusammenschluß  und  Zusammenbruch ­
  oft  sehr  rasch  ablösen,  wie  dies  namentlich  die  Geschichte  der
Kartelle  erweist.  Dann  konkurrieren  auf  demselben  Arbeitsgebiete
zuweilen  mehrere  Vereinigungen  oder  Koalitionen.  Es  fei  nur  an
den  Kampf  der  sozialdemokratischen  gegen  die  „gelben"  Gewerkschaften ­
  und  an  den  Gegensatz  zwischen  dem  radikalen  Syndikalismus ­
  und  dem  kompromisfreundlichen  Sozialismus  in  Frankreich
erinnert.  Schließlich  gelingt  es  kaum  jemals,  alle  Interessenten
zum  Anschluß  zu  bewegen,  weshalb  ein  beständiger  stampf  gegen
die  Außenseiter  zu  führen  ist,  der  sich  zu  einem  ganzen  System
des  Organisations-  oder  Koalitionszwanges  ausgebildet  hat').
Dieses  außerordentlich  bunte  und  kaleidoskopartig  wechselnde
Bild  dieser  Organisationen  zur  Marktbeherrschung  läßt  bereits  erkennen, ­
  daß  es  sich  hier  uni  eine  neue  Entwicklung  handelt,  welche
darauf  abzielt,  anstelle  der  einstigen  regulierten  und  der  undurchführbaren ­
  freien  die  organisierte  Konkurrenz  zu  setzen.  Die  Notwendigkeit ­
  hierzu  hat  sich  aus  der  Erweiterung  aller  Märkte  durch
den  inodernen  Verkehr  und  aus  der  Befreiung  von  der  staatlichen
Gebundenheit  ftüherer  Zeiten  ergeben,  denn  nunmehr  wirken  zwei
Ursachen  störend  auf  das  Gleichgewicht  zwischen  Angebot  und
Nachfrage,  nämlich  die  Zunahme  der  Schwierigkeiten  einer  Marktübersicht ­
  und  das  stärkere  Anwachsen  des  Anlagekapitals  gegenüber ­
  dem  Betriebskapital.  Eine  Produktion,  welche  nicht  wie  das
mittelalterliche  Handwerk  auf  Bestellung,  sondern  wie  die  moderne
Industrie  auf  Lager  arbeitet,  baut  sich  nicht  aus  einen  sichergestellten,
sondern  nur  auf  einen  wahrscheinlichen  Konsum  auf.  Dieser  hängt
nicht  von  der  Produktion,  sondern  vom  Einkommen  ab,  so  daß
also  in  letzterem  Falle  Erzeugnisse  übermäßig  lange  auf  Lager
bleiben  können,  obzwar  Bedarf  vorhanden  ist,  weil  eben  die  Verbraucher ­
  zur  Zeit  nicht  über  das  Einkommen  verfügen,  um  sie  bezahlen ­
  zu  können.  Freilich  wird  schließlich  alles  verbraucht,  was
erzeugt  wurde,  allzu  große  Lager  drücken  aber  naturgemäß  die

y  Fritz  Kestner,  Der  Organisationszwang.  Berlin  1912.
Gruntzel,  Wert  und  Preis.  3