34

I.  Der  Begriff  des  Wertes.

weitere  Produktion  herab.  Überdies  ist  der  Konsum  einerseits  beharrlicher ­
  als  die  Produktion,  denn  nur  die  letztere  treibt  der
Stachel  des  Gewinnes  an,  während  der  erstere  gleich  den  Preisen
und  Löhnen  ein  gewaltiges  Trägheitsmoment  in  sich  birgt,
andererseits  verändert  er  sich  mit  dem  Einkommen  nicht  bloß  der
Quantität,  sondern  auch  der  Qualität  nach,  so  daß  er  in  manchem
Erzeugnis  bei  einer  Einkommenserhöhung  nicht  bloß  nicht  zunimmt, ­
  sondern  unter  Umständen  sogar  ganz  aufhört.  Der  einzelne
Produzent  weiß  nicht,  wie  sich  der  Konsunr  gestalten  wird,  weiß
aber  auch  nicht,  wie  seine  übrigen  Konkurrenten  den  Markt  gleichzeitig ­
  mit  ihm  beschicken  werden.  Er  schätzt  bloß,  spekuliert.  Nun
neigen  die  Menschen  zu  Übertreibungen  sowohl  in  Augenblicken
froher  Hoffnung,  als  auch  in  solchen  trüber  Verstimmung.  Kommt
eine  aufsteigende  Konjunktur  mit  guten  Gewinnen,  so  will  jeder  einen
möglichst  großen  Anteil  daran  bekommen,  indem  er  möglichst  viel
Kapital  in  Gebäuden,  Fabriken,  Maschinen  usw.  investiert,  denn
das  größere  Anlagekapital  sichert  ihm  von  vornherein  eine  bessere
Position.  Kommt  aber  ein  Rückschlag  in  der  Konjunktur,  so  drückt
ihn  gerade  dieses  größere  Anlagekapital  zu  einem  Sklaven  seines
Produktionszweiges  herab,  denn  es  ist  nicht  zurückziehbar;  Fabriksgebäude ­
  lassen  sich  nur  in  dem  seltenen  Falle  der  Lage  in  einer
großen  Stadt  verwerten,  gebrauchte  Maschinen  sind  nur  als  Mtmetall
  zu  verkaufen.  Eine  Einschränkung  der  Produktion  bringt
aber  eine  Verteuerung  mit  sich,  weil  sich  die  gleichbleibenden  Generalkosten ­
  (Verwaltung,  Kapitalszinsen,  Kohle  usw.)  aus  eine  geringere
Zahl  von  Produkteinheiten  verteilen.  Eine  Steigerung  der  Produktion ­
  eröffnet  dagegen  die  Möglichkeit,  durch  die  weitere  Ermäßigung ­
  der  auf  die  einzelne  Produkteinheit  entfallenden  Generalkosten ­
  die  Konkurrenten  zu  verdrängen.  Der  Konsumrückgang  wird
für  den  Produzenten  unschädlich,  wenn  er  mit  einem  entsprechenden ­
  Zuwachs  seines  Anteiles  an  der  Bedarfsdeckung  verbunden
ist.  Die  Überproduktion  heilt  sich  also  nicht  selbst,  sondern  verschärft ­
  sich  sogar,  bis  eine  gemeinsame  Organisation  dem  Rennen
ins  Verderben  ein  Ende  bereitet.  Wenn  die  meisten  Krisentheoretiker ­
  entweder  mit  Sar&gt;  und  Ricardo  die  Möglichkeit  einer
allgemeinen  Überproduktion  überhaupt  leugnen,  weil  Erzeugnisse
nur  mit  Erzeugnissen  oder  Diensten  gekauft  werden,  wobei  das
Geld  nur  vermittelt,  so  daß  jede  Produktion  auch  eine  Nachfrage
ist,  oder  mit  Malthus,  Sismondi  und  Rodbertus  die
Möglichkeit  eines  Mißverhältnisses  nur  deshalb  zugeben,  weil  dem