46

I.  Der  Begriff  des  Wertes.

Resultate  durch  Gedankenkonstruktionen  mit  dem  alten  kaufmännischen
Erfahrungssatz  von  Angebot  und  Nachfrage  in  Einklang  zu  bringen
versucht.  Sie  gerieten  damit  von  selbst  aus  die  deduktive  Methode,
die  für  die  Erklärung  von  Erscheinungen  des  wirtschaftlichen  Lebens
besonders  gefährlich  ist,  weil  sie  isolieren  muß,  wo  es  niemals
etwas  Isoliertes  gibt.  Die  induktive  Methode  kann  freilich  auch
nicht  alle  Schwierigkeiten  bewältigen,  weil  es  ihr  niemals  gelingen
kann,  alles  notwendige  Material  aufzustapeln;  da  gerät  sie  leicht
in  die  Versuchung,  aus  dem  Jahrhunderte  langen  Werden  der
europäischen  Völker  Tatsachen  zusammenzutragen  und  sie  unter  Verzicht ­
  auf  jedes  „Werturteil"  lediglich  als  Bausteine  am  Wegrande
abzulagern,  mit  der  freundlichen  Einladung  an  die  Vorübergehenden,
sich  daraus  ein  Haus  zu  bauen.  Beide  Methoden  sind  notwendig,
jede  zur  Vermeidung  der  Gefahren  der  anderen.  Ricardo  und
Thünen  sind  Meister  der  Deduktion  geworden,  weil  sie  als
Praktiker  begonnen  und  als  Theoretiker  geendet  haben.  Die  Induktion ­
  ist  unentbehrlich,  nur  darf  sie  sich  nicht  in  der  bequemen
Geschichte  verlieren  und  sich  aus  bloße  Kärrnerarbeit  beschränken,
sondern  muß  der  wenn  auch  schwierigen  Gegenwart  unbedingt  den
Vorrang  lassen  und  zu  Vergleichen  und  Urteilen  emporsteigen
können.  Deshalb  erscheint  es  gerechtfertigt,  den  zu  den  bisherigen
Methoden  entgegengesetzten  Weg  einzuschlagen,  zuerst  die  Preisbildung ­
  durch  eine  Analyse  des  kaufmännischen  Ersahrungssatzes
von  Angebot  und  Nachfrage  zu  untersuchen,  um  auf  diesem  Wege
voni  realen  Preis  zum  ideellen  Wert  zu  gelangen.
Die  Feststellung  des  bloß  ideellen  Wertes  hat  trotzdem  nicht
nur  eine  theoretische,  sondern  auch  eine  praktische  Bedeutung.
Zwei  Fälle  kommen  dabei  hauptsächlich  in  Betracht.  In  dem
einen  Falle  handelt  es  sich  um  die  Bewertung  von  marktlosen
Waren,  die  augenblicklich  keinen  Markt  und  demgemäß  keinen  Preis
haben,  aber  zu  Rechnungszwecken  mit  einem  Wert  einzustellen  sind.
Gegenstände  ohne  Markt  überhaupt  können  wohl  einen  Gebrauchswert, ­
  nicht  aber  einen  Tauschwert  und  Preis  aufweisen,  fallen
also  hier  ganz  außer  Betracht.  Manchmal  soll  aber  eine  Ware  bewertet
werden,  die  nur  tatsächlich  keinen  Markt  passiert,  aber  einen  solchen
passieren  könnte.  So  ist  es  eine  wichtige  Frage  der  Buchführung,  wie
innerhalb  eines  landwirtschaftlichen  oder  industriellen  Unternehmens
die  von  einem  Betrieb  an  einen  andern  Betrieb  desselben  Unternehmens ­
  zur  Weiterverarbeitung  gelieferten  Rohmaterialien  oder
Halbfabrikate  zu  berechnen  sind.  Bisher  fanden  vorzugsweise