48  I.  Der  Begriff  des  Wertes.  5.  Der  Preis.
lich  der  Kurswert,  ist  in  der  Regel  viel  höher,  weil  er  außerdem
von  der  Spielsucht  der  Bevölkerung  auf  der  einen  und  von  der
Zahl  und  Beliebtheit  aller  Spielgelegenheiten  abhängt.  Bei  Aktien
spricht  man  von  einem  wirklichen  Wert,  wenn  der  Kurs  durch
spekulative  Eingriffe  zeitweilig  hinaufgetrieben  oder  herabgedrückt
ist,  und  berechnet  ihn  aus  der  Kapitalisierung  des  Ertrages  unter
Berücksichtigung  der  Zukunftschancen.  Von  einem  Grundstück  oder
Unternehmen  wird  der  Ertragswert  festgestellt,  indem  man  nach
Analogie  der  Geldrente  den  Ertrag  kapitalisiert.  Wenn  ein  Wertpapier, ­
  das  jährlich  eine  Rente  von  40  Kronen  abwirft,  mit  1000  Kronen
bezahlt  wird,  so  gibt  man  auch  den  Wert  jeder  Einkommensquelle,
aus  der  jährlich  40  Kronen  stießen,  mit  1000  Kronen  an.  Dabei
wird  eben  äbsichtlich  davon  abgesehen,  daß  anderen  Objekten  als
den  Wertpapieren  auch  die  Möglichkeit  einer  direkten  Bedürfnisbefriedigung ­
  innewohnt.  So  gewährt  der  Grundbesitz  gewisse  Annehmlichkeiten ­
  des  Landlebens  und  dem  kleinen  Landwirt  außer  der
Rente  auch  eine  Arbeitsgelegenheit,  der  Hausbesitz  namentlich  in  kleinen
Städten  ein  größeres  Ansehen  usw.  Diese  Einflüsse  hängen  von
persönlichen  Empfindungen  und  sozialen  Anschauungen  ab.  Daß
sie  aber  fast  niemals  vollständig  fehlen,  zeigt  sich  darin,  daß  bei
Grundstücken  regelmäßig  zwischen  dem  nach  der  Geldrente  berechneten ­
  Ertragswert  und  dem  nach  den  tatsächlichen  Grundpreisen
geschätzten  Verkehrswert  unterschieden  wird.
Schließlich  ist  noch  die  Eigentümlichkeit  zu  erklären,  daß  im
Börsenverkehre  für  ein  Wertpapier  oder  eine  Ware  gleichzeitig
zwei  Preise  notiert  werden,  ein  niedrigerer,  zu  welchem  gekauft,
und  ein  höherer,  zu  welchem  verkauft  wird  („Geld"  und  „Ware").
In  diesem  Falle  treffen  nämlich  örtlich  und  zeitlich  zwei  verschiedene ­
  Märkte  zusammen,  der  Engrosmarkt,  auf  welchem  die
Banken  Käufer,  und  der  Detailmarkt,  auf  welchem  sie  Verkäufer
sind.  Wenn  nun  auch  die  Banken  die  Papiere  von  jedem  Besitzer
ankaufen,  so  werden  sie  doch  für  dieses  Geschäft  niedrigere
Übernahmspreise  anwenden  oder  konstruieren.  Oft  wird  aus  einer
einheitlichen  Börsennotierung  eine  künstliche  Spannung  zwischen
Kaufpreis  und  llbernahmspreis  erzeugt.  Die  innige  Berührung
zwischen  dem  Engrosmarkt  und  dem  Detailmarkt  läßt  diese
Spannung  als  eine  herkömmliche  und  beständige  erscheinen.