52  II.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

Wir  haben  daher  drei  Gruppen  von  Werttheorien  zu  betrachten,
nämlich:
1.  jene,  welche  die  Kosten  zum  Ausgangspunkte  nehmen,  die
auf  die  Herstellung  eines  Gutes  aufgewendet  werden;  das  sind  die
Kostentheorien  oder  objektivistischen  Theorien,  die  insbesondere ­
  von  der  klassischen  Richtung  der  Nationalökonomie  gepflegt ­
  wurden  und  vielfach  in  die  historische  Richtung  in  Deutschland ­
  übergegangen  sind,  daher  auch  als  altbritisch-deutsche
bezeichnet  werden;
2.  jene,  welche  den  Nutzen  zum  Ausgangspunkte  nehmen,  den
ein  Gut  zu  stiften  geeignet  ist;  das  sind  die  Nutzentheorien
oder  subjektivistischen  Theorien,  die  in  der  exakten  oder
mathematischen  Richtung  der  neuen  englischen  und  österreichischen
Nationalökonomie  ihre  Vertreter  gefunden  haben,  daher  auch  neubritisch-österreichische
  genannt  werden;
3.  jene  erst  in  Ausbildung  begriffene  Gruppe  von  Theorien,
welche  durch  eine  nach  realistischer  Methode  vorzunehmende  Analyse
von  Angebot  und  Nachfrage  alle  möglichen  Elemente  der  Wertbildung ­
  klarzulegen  suchen;  man  kann  sie  Angebot-  und  Nachfragetheorien ­
  oder  wegen  ihres  methodischen  Gegensatzes  zu  den
bisher  beliebten  deduktiven  Untersuchungen  auch  realistische
Theorien  nennen.
2.  Die  Rostentheorien.
a)  Smith  und  Ricardo.
In  die  wissenschaftliche  Volkswirtschaftslehre  erhielt  die  Kostentheorie ­
  Eingang  durch  Adam  Smith,  der  sie  aber  nur  aus  der
ohnedies  herrschenden  Anschauung  übernahm  und  auch  nicht  weiter
durchbildete.  Er  erklärt  den  Wert  eines  jeden  Dinges  unter  primitiven ­
  Verhältnissen  durch  die  Mühe  und  Beschwerde  des  Erwerbes
(„toil  and  trouble  of  acquiring“),  wobei  er  nach  anderen  Stellen
zu  schließen  beim  Tausche  die  in  der  verkauften  Ware  hingegebene
Arbeitsmenge  mit  der  in  der  gekauften  Ware  erhaltenen  Arbeitsmenge ­
  als  gleich  groß  annimmt.  Mit  fortschreitender  Entwicklung
ändere  sich  aber  das  Verhältnis,  denn  sobald  Grund  und  Boden  in
das  Privateigentum  übergeht  und  sich  Kapital  ansammelt,  erhalte
der  Arbeiter  nicht  mehr  den  vollen  Ertrag  seiner  Arbeit,  gebe  also
mehr  verkörperte  Arbeit  als  er  bekommt,  weil  der  Grundbesitzer
und  der  Kapitalist  einen  Anteil  in  Anspruch  nehmen,  so  daß  sich