54  II.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

niemals  aber,  was  Tuch  an  sich  nach  einem  immer  und  überall
gleichen  Maßstabe  wert  ist.  Das  relative  Mengenverhältnis  bestimmt ­
  sich  aber  nach  der  Menge  der  auf  beide  Waren  aufgewendeten
Arbeit;  wenn  Tuch  doppelt  so  viel  gleichartiger  Arbeit  erfordert
als  Leinwand,  dann  ist  eben  Tuch  doppelt  so  viel  wert  als  Leinwand.
Eine  Komplikation  entsteht  dadurch,  daß  zur  Herstellung  einer  Ware
auch  Werkzeuge,  Maschinen,  Baulichkeiten  usw.,  kurz  Kapitalsgüter
aufgewendet  werden,  die  sich  nicht  in  einem  einzigen  Produktionsprozeß ­
  verbrauchen,  sondern  länger  dauern,  daher  in  jedem  Produktionsprozesse ­
  nur  mit  einem  Teile  ihres  Wertes  verbraucht
werden.  Da  diese  Kapitalsgüter  aber  selbst  nichts  anderes  als
Verkörperungen  von  Arbeitsleistungen  sind,  so  läßt  sich  daraus
folgern,  daß  ein  mit  Hilfe  von  Maschinen  u.  dergl.  hergestelltes
Gut  nach  der  Arbeitsleistung  bewertet  wird,  die  unmittelbar  oder
mittelbar  aufgewendet  worden  ist.  Dadurch,  daß  der  Besitz  der
Arbeitskraft  und  der  Besitz  der  Kapitalsgüter  auf  verschiedene  Personen ­
  verteilt  und  demgemäß  auch  von  dem  neugeschaffenen  Werte
ein  Teil  auf  die  Mitwirkung  des  Arbeiters  und  ein  Teil  auf  die
Mitwirkung  des  Kapitalisten  gerechnet  wird,  erleidet  der  relative
Wert  keine  Veränderung,  denn  seine  Schwankungen  können  im  allgemeinen ­
  nur  aus  der  Verschiedenheit  der  aufgewendeten  mittelbaren ­
  und  unmittelbaren  Arbeitsmengen  stammen.  Einen  bescheidenen
Einfluß  leitet  Ricardo  auch  aus  der  Verschiedenheit  in  der  Zusammensetzung ­
  des  Kapitals  ab,  das  seiner  Definition  nach  umlaufendes ­
  ist,  wenn  es  sich  schnell  abnützt,  oder  stehendes,  wenn  es
einer  langsamen  Abnützung  ausgesetzt  ist.  Seine  Ansicht  wird  vielleicht ­
  an  folgendem  Schema  klarer  werden:
Wert
Kapital  Unternehmergewinn
umlaufendes  Kapital  stehendes  Kapital
für  Arbeitslöhne  für  Rohstoffe.
Der  Wert  bestimmt  sich  nach  der  Arbeitsmenge,  die  aber  in
der  heutigen  Entwicklung  sowohl  in  der  Form  der  unmittelbaren,
als  auch  der  mittelbaren  Arbeitsleistung  bezahlt  oder  doch  auf
Lohn  umgerechnet  zu  werden  pflegt,  daher  gleichzeitig  einen  Kapitalsauswand ­
  darstellt.  Ein  solcher  Kapitalsaufwand  wird  nur  vorgenommen, ­
  wenn  ein  Unternehmergewinn  (pi-otit)  in  Aussicht  steht,
so  daß  der  Gesamtwert  einer  Ware  nicht  bloß  das  aufgewendete
Kapital  ersetzen,  sondern  auch  einen  solchen  Gewinn  enthalten  muß