(j2  II.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.
mehr  aufwenden  müßte.  Der  internationale  Wert  wird  sich  also
innerhalb  dieser  beiden  Grenzen  feststellen,  denn  10  Ellen  Tuch
werden  in  diesem  Falle  nie  für  mehr  als  20  und  nie  für  weniger
als  15  Ellen  Leinwand  gegeben  werden.  Der  Punkt  dieser  Fixierung
werde  von  den  beiderseitigen  Konsummengen  abhängen,  weil  berücksichtigt ­
  werden  müsse,  daß  nicht  jede  Preisermäßigung  oder  Preiserhöhung ­
  eine  perzentuell  gleiche  Veränderung  der  Konsummenge
nach  sich  ziehe.  Weiteres  müsse  berücksichtigt  werden,  daß  nicht
zwei,  sondern  viele  Länder,  und  nicht  bloß  in  zwei,  sondern  in
vielen  Waren  im  Tausche  stehen,  wobei  ein  Land  auf  das  andere
und  eine  Ware  auf  die  andere  zurückwirkt.  Daraus  lasse  sich  das
Gesetz  der  Gleichung  der  internationalen  Nachfrage  (equation  of
international  demand)  ableiten,  welches  folgendermaßen  lautet:
Das  Produkt  eines  Landes  wird  mit  dem  Produkte  andrer  Länder  zu
einem  Werte  getauscht,  wie  er  notwendig  ist,  damit  der  gesamte
Export  des  Landes  durch  den  Import  genau  gedeckt  wird.  Dieses
Gesetz  sei  nichts  anderes  als  die  Anwendung  des  allgemeinen  Wertgesetzes ­
  von  Angebot  und  Nachfrage.  Da  das  Angebot  des  einen
zugleich  die  Nachfrage  nach  der  Ware  des  andern  sei,  so  könne
man  von  einer  gegenseitigen  Nachfrage  sprechen.
c)  Karl  Rodbertus.
In  scharf  einseitiger  Weise  wurde  die  Arbeitswerttheorie  von
Karl  Rodbertus-Jagetzow  ausgebildet  (1842,  Zur  Erkenntnis
unserer  staatswirtschaftlichen  Zustände),  wobei  es  ihm  aber  weniger
um  die  Feststellung  eines  tatsächlichen  Zustandes,  als  vielmehr  um
die  Konstruierung  einer  idealen  Volkswirtschaft  zu  tun  war.  Er
suchte  nicht  aus  wissenschaftlichen  Untersuchungen  ein  politisches
Ziel,  sondern  umgekehrt  zu  dem  vorgesteckten  politischen  Ziel  die
geeigneten  wissenschaftlichen  Begründungen.  „Das  Hauptziel  meiner
Untersuchungen",  so  sagt  er  selbst,  „wird  sein,  den  Anteil  der  arbeitenden ­
  Klassen  am  Nationaleinkommen  zu  erhöhen  und  zwar
aus  einer  soliden,  den  Einwirkungen  der  Wechselfälle  des  Verkehrs
entzogenen  Grundlage.  Ich  will  diese  Klasse  ebenfalls  an  dem
Fortschritt  der  Produktivität  teilnehmen  lassen,  und  jenes  Gesetz
ausheben,  das  sonst  einst  für  unsere  Zustände  tödlich  werden  dürste,
das  Gesetz  nämlich,  daß  die  Arbeiter,  die  Produktivität  mag  noch
so  sehr  zunehmen,  immer  wieder  durch  die  Gewalt  des  Verkehrs
auf  einen  Lohnsatz  zurückgeworfen  werden,  der  nicht  den  notwendigen
Unterhalt  übersteigt.  .  ."