68  II.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

sondern  vielleicht  zwölf  Stunden  arbeiten  zu  lassen.  Die  erste
Hälfte  des  Arbeitstages  deckt  bereits  den  Lohn,  die  zweite  Hälfte
des  Arbeitstages  aber  schafft  dem  Kapitalisten  einen  Mehrwert,
nämlich  einen  Ertrag  auf  Kosten  des  Arbeiters.
Die  lebendige  Arbeit  habe  eine  doppelte  Aufgabe,  denn  sie  müsse
nicht  bloß  Wert  zusetzen,  sondern  auch  Wert  erhalten,  nämlich  den
Wert,  der  durch  frühere  Arbeit  geschaffen  wurde  und  nun  in  Form
von  Produktionsmitteln  in  den  Produktionsprozeß  übergeht.  Rohmaterial ­
  und  Hilfsstoffe  (Kohle,  Schmieröl  usw.1  geben  ihren
Gesamtwert,  die  Arbeitsmittel  (Werkzeuge,  Maschinen,  Gebäude
usw.)  dagegen,  da  sie  sich  nur  allmählich  abnutzen,  nur  einen  Teilwert ­
  an  den  neuen  Produktionsprozeß  ab.  Der  Teil  des  vorgeschossenen ­
  Kapitals,  der  sich  in  Produktionsmitteln  überhaupt
(Rohmaterial,  Hilfsstoffe,  Arbeitsmittel)  umsetzt,  verändert  aber
seine  Wertgröße  im  Produktionsprozesse  nicht,  denn  er  überträgt
sich  nur  aus  den  Wert  des  neuen  Produktes.  Marx  nennt  ihn
das  konstante  Kapital.  Der  in  Arbeitskraft  umgesetzte  Teil  des
vorgeschossenen  Kapitals  reproduziert  aber  nicht  bloß  sein  eigenes
Äquivalent,  sondern  noch  einen  Überschuß,  den  Mehrwert.  Er
heißt  daher  variables  Kapital.  Das  vorgeschossene  Kapital  0  zerfalle ­
  also  in  das  konstante  Kapital  c  (für  Produktionsmittel)  und
in  das  variable  v  (für  Arbeitskraft).  Der  am  Ende  des  Produktionsprozesses ­
  resultierende  Warenwert  sei  dann  c  +  v  +  m,  tto  m  den
Mehrwert  bezeichnet.  Der  Mehrwert  in  ist  aber  bloß  die  Folge
der  Wertveränderung  im  variablen  Kapital  v,  von  dem  konstanten
Kapital  e  könne  man  hiebei  absehen.  Das  Verhältnis  des  Mehrwerts ­
  zur  Arbeit  sei  die  Rate  des  Mehrwerts.  Den  Kapitalisten
interessiere  aber  nicht  dieses  Verhältnis,  sondern  das  Verhältnis
des  Mehrwerts  zu  dem  gesamten  Kapitale  ^  das  sei  die  Profitrate. ­
  Infolge  der  verschiedenen  organischen  Zusammensetzung
des  Kapitals  (e  :  v)  müßte  sich  der  Profit  in  den  verschiedenen
Produktionszweigen  sehr  ungleich  stellen,  aber  infolge  der  Konkurrenz, ­
  welche  das  Kapital  aus  der  Sphäre  mit  niedriger  Prositrate ­
  in  eine  solche  mit  höherer  Profitrate  drängt,  ergibt  sich  ein
Durchschnittsprosit,  der  dann  jedem  Kapital  zugerechnet  wird,  auch
wenn  es  selbst  nicht  zur  Bildung  des  Mehrwertes  beigetragen  hat.
Nach  Marx  entsteht  der  Mehrwert  nur  im  Produktionsprozeß,
nicht  in  dem  sich  anschließenden  Zirkulationsprozeß  der  Ware,  so