70  II.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

intensiver  sein  als  komplizierte.  Man  müsse  daher  strenge  unterscheiden ­
  zwischen  Quantum  Arbeit  und  Quantum  Arbeitszeit;  nicht
das  letztere,  sondern  das  erstere  bestimme  den  Wert.  Zwar  berücksichtige ­
  Marx  stellenweise  die  Produktionskrast,  indein  er  erklärt:
„Die  Wertgröße  einer  Ware  wechselt  direkt  wie  das  Quantum  und
umgekehrt  wie  die  Produktionskrast  der  sich  in  ihr  verwirklichenden
Arbeit."  Unter  Produktionskraft  verstehe  er  aber  nicht  bloß  die
inneren  Einflüsse,  die  in  der  Arbeitsintensität  zum  Ausdruck  kommen,
sondern  auch  die  äußeren  Einflüsse,  wie  insbesondere  Vervollkommnung ­
  der  Produktionswerkzeuge  und  Organisation  der  Arbeit.  Die
Wertgröße  stehe  aber  nicht  im  umgekehrten,  sondern  im  direkten
Verhältnisse  zur  Arbeitsintensität.  (Dieser  Zwiespalt  erklärt  sich
eben  daraus,  daß  Marx  unter  Wertgröße  bloß  die  Dauer  der
Arbeitszeit,  Buch  dagegen  das  Arbeitsquantum  versteht.)  Die
äußeren  Einflüsse  wirken  auf  die  Wertgröße  nur  insofern  ein,
als  sie  die  Menge  der  zur  Herstellung  einer  Ware  notwendigen
Arbeit  vermindern  und  andererseits  den  Wert  um  die  Abnützung
des  Produktionsmittels  vergrößern.  Das  sei  aber  nur  eine  Erklärung
der  Tatsache  selbst,  nicht  eine  Bestimmung  der  Wertgröße,  die  sich
weder  aus  die  natürliche,  noch  auf  die  technische  Produktivkraft  der
Arbeit  zurückführen  lasse.
Die  meisten  neueren  Nationalökonomen,  welche  sich  der  klassischen ­
  Kostentheorie  anschlossen,  suchen  deren  Einseitigkeit  zu  mildern
und  kommen  dabei  bezeichnenderweise  immer  auf  ein  „höheres"
oder  „allgemeineres"  Gesetz  von  Angebot  und  Nachfrage,  welches
das  Produktionskostengesetz  in  sich  schließt.  Alfred  Marshall
(Principles  of  Economics,  London  1890,  5.  Ausl.  1907;  Teutsche
Übersetzung  nach  der  4.  Aufl.  Stuttgart  und  Berlin  1905)  verteidigt ­
  Ricardo,  indem  er  darauf  hinweist,  daß  dieser  den  Wert
nicht  lediglich  aus  die  Produktionskosten  zurückgeführt  habe,  sondern
auch  den  Gewinn  und  die  Verwendungsdauer  des  Kapitals  berücksichtigt ­
  habe.  Auch  die  Nützlichkeit  habe  er  nicht  übersehen.  Er
bestreite  nur,  daß  ein  Gut  wertvoll  sei  in,  Verhältnis  seiner  Nützlichkeit. ­
  „Das  wäre  richtig",  so  schreibe  er  in  einem  Briefe  an
Malthus,  „wenn  nur  die  Käufer  den  Güterwert  zu  bestimmen
hätten,  dann  ließe  sich  in  der  Tat  erwarten,  daß  alle  Menschen
für  die  Dinge  einen  Preis  zu  zahlen  bereit  wären,  der  ihrer  Wertschätzung ­
  der  Dinge  entspricht.  Tatsächlich  aber  haben  die  Käufer
bei  der  Preisregulierung  am  wenigsten  dreinzureden.  Sie  geschieht
ganz  durch  die  Konkurrenz  der  Verkäufer  "  „Es  ist  das  Angebot,