72  IT.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.
unterscheidet  bei  den  Grundbegriffen  zwischen  dem  rein  ökonomischen
Standpunkt,  der  sich  aus  dem  Verhältnis  des  Menschen  zur  äußeren
Natur  überhaupt  ergibt,  und  dem  historisch-rechtlichen  oder  sozialen
Standpunkt,  der  die  Einzelmenschen,  Klassen,  Völker  in  ihren  Beziehungen ­
  zu  einander  betrachtet,  und  meint,  daß  Gebrauchswert
und  Tauschwert  keine  Korrelate  sind,  weil  der  erstere  ein  rein  ökonomischer ­
  und  der  letztere  ein  historisch-rechtlicher  Begriff  ist.  Im
System  der  freien  Konkurrenz  gravitiere  der  Dauerpreis  der
Einheit  einer  Produktenmenge  nach  der  Höhe  der  jeweilig  gesellschaftlich ­
  notwendigen  einzelwirtschastlichen  Produktionskosten,  bezw.
im  Zeitverlaufe  die  Vorgänge  betrachtet,  der  betreffenden  Reproduktionskosten. ­
  Als  Kosten  sei  anzusehen  die  gesellschaftlich  notwendige ­
  Menge  an  Arbeitsivert,  nach  den  normalen  Vergütungssätzen ­
  (Löhnen,  Gehalten)  berechnet,  jedoch  unter  Hinzufügung  der
notwendigen  Vergütungen  für  Unternehmer  und  Kapital.  Die
Dauer  des  Prozesses,  in  welchem  sich  die  Produktionskosten  in  der
Praxis  im  Preise  durchsetzen,  sei  aber  häufig  eine  lange,  da  sich
viele  Hindernisse  entgegenstellen,  wie  die  Schwierigkeit  des  Wechsels
von  Betrieb  und  Kapitalsanlage,  stellenweise  verminderte  Konkurrenz, ­
  ungleiche  Profitrate  usw.
3.  ttritik  der  ttoftentheorien.
a)  Spezielle  Einwendungen  gegen  die  Arbeitswerttheorie.
Die  älteren  Vertreter  der  Arbeitswerttheorie  sind  zu  ihren
Folgerungen  durch  eine  Veranschaulichung  primitiver  Wirtschaftszustände
  gelangt,  indem  sie  sich  vorstellten,  daß  in  der  Mühe,  welche
die  Aneignung  eines  Naturstoffes  zum  Zwecke  der  Bedürfnisbefriedigung ­
  verursacht,  der  eigentliche  Ursprung  des  Wertes  zu
suchen  ist.  Den  späteren  Vertretern,  Rodbertus  und  Marx,
schien  aber  diese  Meinung  deshalb  sympathisch,  weil  sie  ihnen  angesichts ­
  der  durch  die  Fabriksindustrie  hervorgerufenen  Umwälzungen
die  Möglichkeit  gab,  zugunsten  der  arbeitenden  Klassen  einzutreten,
die  Theorie  also  bestimmten  wirtschaftspolitischen  Zwecken  dienstbar ­
  zu  machen.  Der  Begriff  der  Arbeit  wurde  dabei  sogar  eingeschränkt ­
  auf  die  physische  Arbeit.  Rodbertus  stellt  das  Reich
der  Natur  und  das  Reich  des  Geistes  gegenüber  und  erblickt  nun
die  wirtschaftliche  Tätigkeit  ausschließlich  in  der  physischen  Anstrengung, ­
  die  notwendig  ist,  um  die  tauglichen  Sachen  aus  der
Natur  herüberzuholen  und  sie  in  die  physische  Unmittelbarkeit  des