3.  Kritik  der  Kostentheorien.

73

Menschen  zu  bringen.  Das  Material  leihe  die  Natur  unentgeltlich
her,  gehöre  also  nicht  unter  die  Kosten,  der  menschliche  Geist  nütze
sich  aber  durch  die  Arbeit  auch  nicht  ab,  sei  also  ebenfalls  nicht
als  Kostenelement  anzusehen.  Auch  Marx  erklärt,  ohne  daß  ihm
die  Darstellung  von  Rodbertus  bekannt  war:  „Die  Arbeit  ist
zunächst  ein  Prozeß  zwischen  Mensch  und  Natur,  ein  Prozeß,  worin
der  Mensch  seinen  Stoffwechsel  mit  der  Natur  durch  seine  eigne
Tat  vermittelt,  regelt  und  kontrolliert.  Er  tritt  dem  Naturstoff
selbst  als  eine  Naturmacht  gegenüber.  Die  seiner  Leiblichkeit  angehörenden ­
  Naturkräfte,  Arme  und  Beine,  Kopf  und  Hand,  setzt  er
in  Bewegung,  um  sich  den  Naturstoff  in  einer  für  sein  eigenes
Leben  brauchbaren  Form  anzueignen."
Diese  Theorie  schaltet  den  zweiten  Produktionsfaktor  neben
der  Arbeit,  nämlich  das  Kapital,  wohl  nicht  aus  dem  Produktionsprozesse, ­
  jedoch  aus  dem  Wertbildungsprozeffe  vollständig  oder  fast
vollständig  dadurch  aus,  daß  sie  ihn  ebenfalls  auf  physische  Arbeit
zurückführt.  Ricardo  weist  dem  Kapital  noch  eine,  allerdings
ganz  untergeordnete  Rolle  bei  der  Wertbildung  zu.  Seiner  Ansicht ­
  nach  wirken  im  modernen  Produktionsprozesse  mit:  lebendige
Arbeit,  in  den  Maschinen  und  sonstigen  Kapitalsgütern  aufgespeicherte ­
  Arbeit,  außerdem  aber  noch  der  in  diesen  Kapitalsgütern ­
  aufgespeicherte  Unternehmergewinn.  Der  eigentliche  Kapitalseinfluß ­
  beschränkt  sich  also  von  vornherein  auf  den  in  den  Kapitalsgütern ­
  aufgespeicherten  früheren  Unternehmergewinn,  der  zwar  auch
als  Unternehmerlohn  ausgelegt  werden  könnte,  in  diesem  Zusammenhange ­
  aber  tatsächlich  nicht  so  aufgefaßt  wird,  da  keinerlei
geistige  Tätigkeit  unter  den  Kostenelementen  erscheint.  Aber  auch
dieser  bescheidene  Kapitalseinfluß  soll  nur  in  Ausnahmsfällen  zur
Geltung  kommen,  nämlich  nur  dann,  wenn  sich  das  Verhältnis
zwischen  stehendem  und  umlaufendem  Kapital  verschiebt  und  gleichzeitig ­
  eine  Änderung  der  Löhne  eintritt,  da  Arbeitslohn  und
Unternehmergewinn  bezüglich  ihrer  Höhe  von  einander  abhängig
sind.  Rodbertus  löst  bereits  die  Kapitalsgüter  restlos  in  Arbeit
auf.  Das  Material  kommt  überhaupt  als  Kostenelement  erst  in
Betracht,  wenn  es  durch  Arbeit  in  Besitz  genommen  ist;  dann  sei
es  aber  nichts  anderes  als  das  Gut  selbst  auf  irgend  einer  seiner
Stufen  der  Vollendung.  Man  müsse  die  das  Gut  unmittelbar
fertigende  Arbeit  mit  der  auf  das  Material  aufgewendeten  Arbeit,
also  die  jetzige  und  die  frühere  Arbeit,  zusammenrechnen.  Auch  der
Teil  des  Werkzeugs,  der  durch  die  Produktion  eines  Gutes  ab-