74  II.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

genutzt  wird,  lasse  sich  auf  Arbeit  reduzieren,  denn  er  sei  gleich
dem  aliquoten  Teil  der  ganzen  Arbeit,  welche  das  Werkzeug  gekostet ­
  hat.  Einen  gleich  radikalen  Standpunkt  nimmt  auch  Marx
ein.  Seiner  Ansicht  nach  bezweckt  die  Arbeit  die  Herstellung  eines
Gebrauchswertes,  das  Produkt  sei  „ein  durch  Formveränderung
menschlichen  Bedürfnissen  angeeigneter  Naturstoff"  (Bd.  I,  5.  Ausl.,
S.  143).  Als  Rohstoffe,  Hilfsstoffe,  Maschinen  usw.  erscheinen
die  hergestellten  Produkte  zugleich  als  Arbeitsgegenstände  für  einen
neuen  Produktionsprozeß.  Der  Arbeiter  setzt  dem  Arbeitsgegenstande
  durch  Zusatz  eines  bestimmten  Quantums  von  Arbeit  neuen
Wert  zu.  Diese  Arbeit  sei  eine  doppelseitige:  in  einer  Eigenschaft
schaffe  sie  Wert,  in  einer  anderen  erhalte  oder  übertrage  sie  Wert.
„Es  ist  also  eine  Naturgabe  der  sich  betätigenden  Arbeitskraft,  der
lebendigen  Arbeit,  Wert  zu  erhalten,  indem  sie  Wert  zusetzt,  eine
Naturgabe,  die  dem  Arbeiter  nichts  kostet,  aber  dem  Kapitalisten
viel  einbringt,  die  Erhaltung  des  vorhandenen  Kapitalwerts"
(S.  169).  „Gleich  jedem  andern  Bestandteil  des  konstanten
Kapitals,  schafft  die  Maschinerie  keinen  Wert,  gibt  aber  ihren
eigenen  Wert  an  das  Produkt  ab,  zu  dessen  Erzeugung  sie  dient."
Die  Maschine  gehe  zwar  ganz  in  den  Arbeitsprozeß,  aber  immer
nur  teilweise  in  den  Verwertungsprozeß  ein,  denn  sie  setze  nie  mehr
Wert  zu,  als  sie  im  Durchschnitt  durch  ihre  Abnutzung  verliert.
Daher  finde  eine  große  Differenz  statt  zwischen  der  Maschine  als
wertbildendem  und  produktbildendem  Element.  Ziehe  man  von
Werkzeugen  und  Maschinen  den  täglichen  Durchschnittsverbrauch
ab,  dessen  Wert  sie  dem  Produkt  zusetzen,  „so  wirken  sie  umsonst,
ganz  wie  ohne  Zutun  menschlicher  Arbeit  vorhandene  Naturkräste".
„Erst  in  der  großen  Industrie  lernt  der  Mensch  das  Produkt
seiner  vergangnen,  bereits  vergegenständlichten  Arbeit  auf  großem
Maßstab  gleich  einer  Naturkrast  umsonst  wirken  zu  lassen"  (S.  352).
Nach  der  Arbeitswerttheorie  ist  der  Wert  einer  Ware  durch  die
auf  sie  verwendete  gesamte  Arbeitszeit  bestimmt,  aber  diese  Arbeitszeit ­
  sei  eine  gegenwärtige  und  vergangene.  Nur  die  lebendige
Arbeit  schaffe  neue  Werte,  denn  der  Wert  der  vergangenen  Arbeit
werde  in  gleicher  Größe  auf  das  Produkt  einfach  übertragen,  Nun
ist  doch  das  Endziel  aller  Produktion  die  Herstellung  eines  für  den
menschlichen  Konsum  geeigneten  Genußgutes.  Wenn  jemand  seine
Arbeit  auf  die  Herstellung  eines  zum  menschlichen  Konsum  noch
nicht  geeigneten  Gutes,  eines  Halbfabrikates,  eines  Werkzeugs,
einer  Maschine  verwendet,  so  hat  er  sein  Ziel  noch  nicht  erreicht,