76  II.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

nicht  mit  den  gegebenen  Grundlagen  der  Volkswirtschaft  (Natur,
Bevölkerung  und  Gesellschaftsordnung)  in  eine  Linie  gestellt  werden.
Marx  gerät  denn  auch  in  seinen  gründlichen  und  scharfsinnigen ­
  Untersuchungen  über  das  Kapital  mehrfach  in  krassen
Gegensatz  zur  Wirklichkeit,  weil  er  seine  Arbeitswerttheorie  zugrunde
legt.  Im  ersten  Bande  kennt  er  nur  den  Unterschied  zwischen  dem
in  Rohmaterial,  Hilfsstosfen,  Maschinen  usw.  angelegten  konstanten
und  dem  für  Arbeitslöhne  verausgabten  variablen  Kapital.  Nur
das  letztere  schaffe  neuen  Wert,  indem  es  sich  nicht  bloß  reproduziert,
sondern  einen  Mehrwert  ergibt,  das  konstante  Kapital  dagegen
gehe  zwar  in  den  Arbeitsprozeß  ein,  im  Verwertungsprozeß  sei  es
aber  gleich  Null,  weil  es  keinen  neuen  Wert  hervorbringt  und  nur
mit  dem  eigenen  Wert  in  den  Wert  des  neuen  Produktes  übergeht.
Eine  Besonderheit  ergebe  sich  bei  den  Arbeitsmitteln,  denn  eine
Maschine  gebe  ihren  Wert  in  dem  einzelnen  Produktionsprozeß  nur
stückweise  ab,  während  sie  im  Arbeitsprozeß  ganz  mitwirkt.  „Ter
Unterschied  von  Arbeitsprozeß  und  Verwertungsprozeß  reflektiert  sich
hier  an  ihren  gegenständlichen  Faktoren,  indem  dasselbe  Produktionsmittel ­
  als  Element  des  Arbeitsprozesses  ganz  und  als  Element  der
Wertbildung  nur  stückweis  in  demselben  Produktionsprozeß  zählt."
Im  zweiten  Bande  sieht  er  sich  bereits  gezwungen,  auf  den  von
der  „Vulgärökonomie"  ausgestellten  Unterschied  von  fixem  und
zirkulierendem  Kapital  einzugehen.  Die  Produktionsmittel,  welche
das  Arbeitsgebiet  nie  verlassen,  das  sie  einmal  betreten  haben,  weil
sie  durch  ihre  Funktion  darin  festgerannt  sind,  wie  Maschinen,
Fabriksgebäude  usw.,  stellen  das  fixe  Kapital  dar,  die  Rohstoffe
und  Hilssstoffe  dagegen,  die  sich  in  einem  Produktionsprozeß  vollständig ­
  verbrauchen,  das  zirkulierende  Kapital.  Letzteres  habe  mit
dem  variablen  Kapital  manche  Ähnlichkeit,  unterscheide  sich  aber
dadurch,  daß  es  nicht  an  der  Bildung  des  Mehrwertes  mitwirkt.
Im  dritten  Bande  läßt  er  das  Kapital  doch  in  den  Verwertungsprozeß ­
  eingehen,  indem  er  zwar  daran  festhält,  daß  es  keine  neuen
Werte  schafft,  aber  zugibt,  daß  es  —  in  der  gegenwärtigen  Gesellschaftsordnung ­
  wenigstens  —  an  den  neugebildeten  Werten
notwendigerweise  Anteil  hat  und  aus  diesem  Wege  den  Warenwert
beeinflußt.  Er  unterscheidet  nunmehr  zwischen  Kostpreis  und
Produktionswert.  Der  Kostpreis  der  Waren  ergebe  sich  aus  dem
Verschleiß  der  Arbeitsmittel,  aus  dem  Aufwand  für  Produktionsstoffe ­
  und  den  Zahlungen  an  Arbeislohn.  Bei  der  Bildung  des
Warenwertes  trete  noch  der  Mehrwert  hinzu,  der  aber  nicht  mit