3.  -Kritik  der  Kostentheorien.

79

Zu  großen  Ungereimtheiten  kommt  Marx  auch  bei  der  Behandlung ­
  des  Kaufmannskapitals,  welches  sich  im  Gegensatz  zu  dem
industriellen  Kapital  in  dem  an  den  Produktionsprozeß  anschließenden ­
  Zirkulationsprozeß  der  Ware  betätigt.  Dasselbe  schafft  seiner
Überzeugung  nach  weder  Wert  noch  Mehrwert,  nimmt  aber  doch
an  der  Bildung  der  jährlichen  Durchschnittsprofitrate  teil,  indem  es
einen  mit  dem  industriellen  Kapital  gleichberechtigten  Anspruch  aus
den  Gewinn  erhebt,  den  das  industrielle  Kapital  durch  Ausbeutung
der  menschlichen  Arbeitskraft  allein  hervorgebracht  hat.  Er  selbst
muß  zugeben,  daß  im  Gange  der  historischen  Entwicklung  gerade
umgekehrt  das  kommerzielle  Kapital  zuerst  die  Preise  der  Waren
beeinflußt,  ursprünglich  also  der  kommerzielle  Profit  den  industriellen
Prosit  bestimmt  hat  (Bd.  III,  1,  S.  271).  Das  Handelskapital  in
überwiegender  Herrschaft  stelle  aber  überall  ein  System  der  Plünderung ­
  dar;  in  der  modernen  Gesellschaft  beherrsche  die  Industrie
den  Handel  (Bd.  III,  1,  S.  314  u.  315).  Es  ist  jedoch  nicht
einzusehen,  warum  die  moderne  kapitalistische  Produktionsweise  das
Handelskapital  zu  einem  bloßen  Parasiten  verwandeln  soll,  warum,
nur  das  Industriekapital  zu  plündern  versteht  und  das  Handelskapital ­
  nur  von  der  Plünderung  des  anderen  lebt.
Da  dem  Handel  die  Kraft  der  Wertschaffung  abgesprochen
wird,  so  wird  seine  Nützlichkeit  negativ  dadurch  erklärt,  daß  er  die
„unproduktiven  Funktionen"  übernimmt,  welche  der  Reproduktionsprozeß ­
  der  Waren  in  sich  einschließt.  Die  weitere  Konsequenz  ist
eine  sonderbare  Unterscheidung  zwischen  industriellen  Lohnarbeitern,
welche  Mehrwert  schaffen,  und  kommerziellen  Lohnarbeitern,  welche
dem  Kaufmann  bloß  die  Aneigung  des  von  der  Industrie  geschaffenen ­
  Mehrwertes  ermöglichen  (Bd.  III,  1,  278).  Der  Kaufmann ­
  habe  keinen  Einfluß  auf  die  Warenpreise.  „Es  kann  nichts
alberner  sein  als  die  gangbare  Vorstellung,  daß  es  vom  Kaufmann
abhängt,  ob  er  viel  Ware  zu  wenig  Profit  oder  wenig  Ware  zu
viel  Profit  auf  die  einzelne  Ware  verkaufen  will.  Die  beiden
Grenzen  für  seinen  Verkaufspreis  sind  einerseits  der  Produktionspreis ­
  der  Ware,  über  den  er  nicht  verfügt,  andererseits  die  Durchschnittsprofitrate, ­
  über  die  er  ebenso  wenig  verfügt."  Danach
wäre  die  Überlegenheit  der  modernen  Großbetriebe  im  Detailhandel,
der  Warenhäuser  und  Konsumvereine,  ein  unlösbares  Rätsel.
Die  in  den  Kapitalsgütern  aufgespeicherte  Arbeit  hat  in  der
Herstellung  von  Produktionsmitteln  (Halbfabrikaten,  Werkzeugen,
Maschinen  usw.)  ihre  Produktivität  zwar  betätigt,  aber  noch  nicht