80  II.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

erschöpft,  denn  sie  ist  aus  dem  Wege,  ein  für  die  menschliche  Bedürfnisbefriedigung ­
  geeignetes  Gut  zu  schaffen,  bei  einer  Zwischenstation
stehen  geblieben,  hat  also  die  volle  Kraft  ihrer  Produktivität  erst
zu  erweisen.  Welche  Erklärung  gibt  es  aber  für  eine  solche  über
den  ersten  Produktionsprozeß  in  einen  späteren  hinausreichende
Produktivität,  wodurch  unterscheidet  sich  dem  Ursprünge  nach  eine
solche  über  mehrere  Produktionsprozesse  reichende  Produktivität  von
jener,  die  sich  in  einem  einzigen  erschöpft?  Man  erinnere  sich,  daß
die  Ursache  der  Entstehung  wirtschaftlicher  Güter  anfangs  in  der
Mühe  und  Anstrengung  gesucht  wurde,  welche  auf  die  Beschaffung
derselben  aufgewendet  wurde.  Diese  Mühe  und  Anstrengung  identifizierte ­
  man  später  mit  Arbeit  und  schließlich  mit  bloß  physischer
Arbeit,  aber  mit  Unrecht.  Rodbertus  meint,  daß  nur  die  Arbeit
in  Betracht  kommt,  welche  die  außerhalb  des  Bereiches  des  Menschen
befindlichen  Naturstoffe  in  die  physische  Unmittelbarkeit  zum  Menschen
bringt.  In  Wirklichkeit  handelt  es  sich  immer  weniger  uni  eine
bloße  Aneigung,  als  vielmehr  um  eine  immer  kompliziertere  Umformung ­
  der  Naturstoffe  zum  Zwecke  der  menschlichen  Bedürfnisbefriedigung. ­
  Dabei  ist  nicht  bloß  physische,  sondern  in  iminer
höherem  Grade  auch  geistige  Arbeit  nötig.  Das  ist  nicht  ein  bloßer
Unterschied  in  der  Intensität,  wie  Rodbertus  sagt,  „von  der  einfachsten ­
  Handlung  der  Okkupation,  von  dem  bloßen  Handausstrecken
nach  einer  Frucht  oder  dem  Aufheben  eines  Steines  bis  zu  jener
komplizierten  Krastanstrengung,  die  eine  Dampfmaschine  produziert."
Hier  wirken  in  inniger  Verbindung  und  ungleicher  Mischung  zwei
aus  verschiedenen  Quellen  stammende  Tätigkeiten  zusammen,  die
physische  und  die  geistige.  Rodbertus  behauptet,  der  Anteil  des
Geistes  an  der  Produktion  sei  nie  ein  Aufwand.  „Die  Idee,  die
er  zum  Gute  leiht,  ist  so  wenig  beschränkt  und  vernutzbar,  als  seine
Leitung  der  Arbeit.  Beide  sind  nach  wie  vor  dieselben  geblieben."
Danach  wäre  das  Verhungern  für  Erfinder  ein  gerechtes  Los,  denn
ihre  Straft  hat  sich  nicht  abgenutzt  und  rechtfertigt  daher  auch  keinen
Ersatzanspruch  an  die  Menschheit.  Die  Gehirntätigkeit  nützt  sich
aber  in  derselben  Art  ab  und  nicht  ab  wie  die  Muskelkraft,  sie  ermüdet
zeitweise,  wird  wieder  regeneriert  und  stirbt  mit  dem  Menschen  ab.
Wenn  jemand  mit  einem  Werkzeug  oder  einer  Maschine  das  Zehnfache ­
  oder  Hundertfache  dessen  herstellt,  was  er  früher  ohne  diese
Hilfe  in  derselben  Zeit  hervorgebracht  hat,  so  hat  er  seine  Produktivität ­
  gesteigert,  aber  weniger  durch  die  in  dem  Werkzeug  oder
der  Maschine  verkörperte  physische,  als  vielmehr  geistige  Kraft.