82  II.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

niemand  zu  arbeiten  und  zu  sparen  braucht.  Nehmen  wir  nun  an,
die  Bevölkerung  wachse  oder  der  Bananenreichtum  schwinde,  so  daß
die  Bevölkerung  zwar  noch  nicht  Pflanzungen  anlegen  muß,  aber
doch  nicht  mehr  die  Früchte  vergeuden  dars.  In  einem  solchen
Falle  wird  man  früher  sparen  und  erst  bei  weiterer  Verschlechterung
der  Lage  auch  arbeiten.  Die  Bedeutung  des  Sparens  tritt  auch
in  dem  Beispiel  hervor,  mit  welchem  Carey  die  Grundrententheorie ­
  Ricardos  bekämpft.  Er  sagt,  daß  die  ersten  Ansiedler,
„die  immer  arm  sind",  nicht  mit  dem  Anbau  der  fruchtbarsten
Ländereien  beginnen,  die  „immer  in  den  Talgründen  liegen  und
deshalb  große  Arbeit  erfordern,  ehe  sie  gelichtet,  drainiert  und  zum
Dienste  des  Menschen  hergerichtet  werden  können",  sondern  mit
dem  Anbau  der  auf  den  Abhängen  bestndlichen  schlechteren,  aber
leichter  zugänglichen  Ländereien.  Die  ersten  Ansiedler  können  eben
arbeiten,  können  aber  noch  nicht  die  Kapitalsgüter  erspart  haben,
deren  Mitwirkung  der  fruchtbarere  Boden  in  solchen  Fällen  erfordert.
Der  einen  Seite  der  wirtschaftlichen  Tätigkeit  muß  sich  also  vorher
noch  die  zweite  zugesellt  haben.  Manche  Nationalökonomen  haben
deshalb  auch  mit  Unrecht  der  Hausfrauentätigkeit  den  Charakter
der  wirtschaftlichen  Tätigkeit  abgesprochen.  Eine  Frau,  die  es  ermöglicht, ­
  den  gleichen  Jahresbedarf  der  Familie  mit  3000,  statt
früher  mit  4000  Kronen  Einkommen  zu  decken,  hat  doch  genau  so
viel  geleistet,  als  wenn  der  Mann  durch  Mehrarbeit  sein  Einkommen ­
  von  3000  auf  4000  Kronen  gesteigert  hätte.  Nehmen  wir
schließlich  zwei  geschlossene  Hauswirtschaften  an,  die  nur  für  den
eigenen  Bedarf  produzieren  und  nur  verbrauchen,  was  sie  selbst  erzeugen, ­
  also  nichts  kaufen  und  verkaufen.  Der  Arbeitsaufwand  in
jeder  dieser  Hauswirtschaften  betrage  jährlich  1000  Arbeitstage.
Die  eine  Hauswirtschaft  verwende  nun  diese  1000  Arbeitstage
ausschließlich  auf  die  Herstellung  von  Genußgütern,  nämlich  Lebensmitteln, ­
  Kleidern  usw.  für  den  unmittelbaren  Bedarf,  die  andere
verbrauche  aber  nur  die  Hälfte  hierfür,  während  sie  die  andere  der
Herstellung  von  Kapitalsgütern,  von  Ackergeräten,  Stallungen  für
das  Vieh  usw.  widmet  und  als  Kapital  aus  das  zweite  Jahr  überträgt. ­
  Im  zweiten  Jahre  stellen  beide  wieder  nur  Genußgüter
her,  die  erste  Familie  solche  im  Werte  von  1000  Arbeitstagen,  die
zweite  aber  in  einem  höheren  Werte,  der  sich  nicht  bloß  aus  der
Summe  von  der  unmittelbaren  Arbeit  von  1000  Arbeitstagen  und
dem  auf  das  Jahr  entfallenden  Kapitalsverbrauch  von,  sagen  wir,
100  Arbeitstagen  ergibt,  sondern  sich  noch  höher  stellen  muß.  Kein