3.  Kritik  der  Kostentheorien.

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Mittel  des  Vertriebs.  In  der  Landwirtschaft  ist  infolge  der  Verschiedenheiten ­
  des  Ernteaussalles  und  wegen  des  innigen  Zusammenhanges ­
  der  Produktionszweige  (z.  B.  der  Viehzucht  und  des  Ackerbaues ­
  wegen  der  Düngerproduktion)  und  der  Produktionsperioden
(z.  B.  Rückwirkung  des  Anbaus  von  Hülsenfrüchten  auf  die  folgenden ­
  Jahre)  so  unmöglich,  daß  sich  das  österreichische  Ackerbauministerium ­
  entschlossen  hat,  zur  Begründung  des  Zollschutzes  nicht
einen  Vergleich  der  Produktionskosten,  sondern  eine  Rentabilitätsberechnung ­
  der  landwirtschaftlichen  Betriebe  vorzunehmen.
Auch  bei  den  Eisenbahnen  sind  die  Versuche,  die  Selbstkosten
der  Transportleistungen  zu  berechnen  und  auf  dieser  Grundlage
zur  Ausstellung  gerechter  Tarife  zu  gelangen,  gescheitert.  Etwa
drei  Viertel  aller  Ausgaben  gelten  als  unabhängig  von  der  Menge
und  Art  der  Transportleistung,  weil  sie  zur  Verzinsung  und  Tilgung
des  Anlagekapitals,  sowie  zur  Deckung  der  allgemeinen  Betriebskosten ­
  dienen.  Aber  auch  bezüglich  des  Restes  ist  es  unmöglich,  eine
den  tatsächlichen  Betriebsverhältnissen  entsprechende  Aufteilung  auf
den  Personen-  und  Güterverkehr  und  auf  die  innerhalb  dieser  beiden
Abteilungen  bestehenden  unzähligen  Verkehrsarten  vorzunehmen.
Zwar  werden  durch  Division  der  gesamten  Ausgaben  durch  die
Zahl  der  Kilometer  in  der  Beförderung  von  Personen  und  Waren
Durchschnittssätze  für  den  „Personenkilometer"  oder  den  „Tonnenkilometer" ­
  angegeben,  jedoch  eignen  sich  dieselben  nur  zu  allgemeinen
Vergleichen  der  Leistungen  verschiedener  Unternehmungen  und  sagen
nichts  über  die  tatsächlichen  Kosten  der  einzelnen  Leistung.
Die  Ungleichheit  der  Produktionskosten  ist  allerdings  schon  in
der  klassischen  Nationalökonomie  berücksichtigt  worden,  aber  nur  für
einen  Teil  der  Güter.  John  Stuart  Mill  hat  dargelegt,  daß
bezüglich  jener  Güter,  deren  Produktion  nur  mit  einem  erhöhten
Aufwand  von  Arbeit  und  Kapital  vermehrt  werden  kann,  die  Preise
so  hoch  steigen  müssen,  daß  auch  dem  letzten  für  die  Nachfrage
noch  notwendigen  Produzenten  die  Kosten  ersetzt  werden,  daher  der
Wert  bestimmt  wird  durch  die  Kosten  derjenigen  Gütermenge,  die
bei  der  herrschenden  Nachfrage  noch  mit  Erfolg  produzierbar  ist.
Dieses  sogenannte  Gravitationsgesetz  der  Preise  blieb  wesentlich
auf  die  Erzeugnisse  der  Landwirtschaft  und  des  Bergbaues  eingeschränkt, ­
  weil  nur  diese  wegen  der  natürlichen  Beschränktheit  des
Bodens  als  nicht  beliebig  vermehrbar  gelten.  Erst  neuestens  haben
die  Grenznutzentheoretiker  die  Behauptung  aufgestellt'),  daß  nicht

')  Richard  Schüller,  Schutzzoll  und  Freihandel.  Wien  u.  Leipzig  1905.