86  II-  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

bloß  für  die  Landwirtschaft,  sondern  auch  für  die  Industrie  das
Gesetz  gilt,  daß  die  Gestehungskosten  durch  die  Erweiterung  der  Produktion ­
  vergrößert  werden.  Wenn  trotzdem  eine  Verbilligung  eintrete, ­
  so  sei  sie  den  Fortschritten  der  industriellen  Technik  zu  verdanken, ­
  aber  mit  deren  Hilfe  hätte  sich  auch  die  unvergrößerte
Produktion  verbilligt.  Diese  Behauptung  ist  aber  ganz  unhaltbar.
Die  technischen  Verbesserungen  verbilligen,  sind  aber  selbst  nur  bei
einer  Vergrößerung  und  Vereinheitlichung  des  Absatzes  möglich,
sind  also  nur  das  Mittel  und  nicht  die  Ursache  der  Verbilligung.
Bei  einer  unvergrößerten  Produktion  wären  sie  praktisch  nicht
möglich  gewesen.  Ein  mechanischer  Webstuhl  leistet  mehr  als  ein
Handstuhl,  kann  aber  eben  deshalb  nur  dann  verwendet  werden,
wenn  der  zu  deckende  Bedarf  an  Geweben  gestiegen  ist.  Bei  einer
unvergrößerten  Produktion  kann  also  die  technische  Verbesserung  nicht
verbilligend  wirken,  weil  sie  nicht  zur  Anwendung  kommen  kann.
Je  mehr  hergestellt  wird,  desto  vollkommener  und  desto  billiger
wird  die  Produktion.  Die  rasch  fortschreitende  Betriebskonzentration ­
  in  Fusionen,  Interessengemeinschaften,  Kartellen,  Trusts  usw.
wäre  widersinnig,  wenn  die  Vergrößerung  der  Betriebe  zu  einer
Erhöhung  der  Kosten  für  die  Produkteinheit  führen  würde.  Somit
bliebe  das  Gesetz  auf  die  Zweige  der  Urproduktion  beschränkt,  bei
denen  die  Unvermehrbarkeit  des  Bodenraumes  der  Vermehrung  der
Erzeugung  scheinbar  unübersteigbare  Grenzen  setzt.  Dazu  ist  vor
allem  zu  bemerken,  daß  dieser  Fall  bisher  auch  nur  künstlich  durch
die  Annahme  eines  isolierten  Wirtschaftsgebietes  konstruiert  worden
ist,  denn  bisher  hat  sich  auf  der  Erde  ein  Mangel  an  verwertbarem
Bodenraum  nicht  fühlbar  gemacht,  weil  neben  den  alten  Produktionsgebieten ­
  immer  neue  entstanden,  die  sogar  im  Vorteil  waren.
Die  Versorgung  der  Welt  mit  Getreide  hat  sich  doch  im  allgemeinen
Verlaufe  nicht  nach  den  höchsten,  sondern  nach  den  niedrigsten  Produktionskosten, ­
  nämlich  denen  der  neuzugewachsenen  überseeischen
Exportländer  gerichtet.
Wenn  also  auch  vorläufig  ein  Unterschied  zwischen  Gütern  mit
zunehmenden  und  solchen  mit  abnehmenden  Produktionskosten  nicht
gezogen  werden  kann,  weil  jede  Vermehrung  der  Produktion  die
Möglichkeit  einer  Verbilligung  in  sich  birgt,  so  ist  doch  wenigstens
theoretisch  die  Beantwortung  der  Frage  wichtig,  ob  nicht  dann  die
Produktionskosten  in  der  Landwirtschaft  und  anderen  Zweigen  der
Urproduktion  steigen  werden,  wenn  einmal  die  gesamte  Erdoberstäche
ausgenützt  wird,  so  daß  eine  räumliche  Erweiterung  nicht  mehr