88  II  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

gartens,  so  daß  für  den  späteren  Käufer  dem  höheren  Wert  auch
höhere  Produktionskosten  entsprechen,  weil  nunmehr  auch  ein
größerer  Kapitalsaufwand  mitgerechnet  werden  muß.  Doch  auch
bei  vollständig  gleichem  Aufwand  an  Arbeit  und  Kapital  ergeben
sich  Verschiedenheiten  im  Werte,  freilich  nicht  auf  demselben  Markte
zur  selben  Zeit,  wohl  aber  auf  räumlich  oder  zeitlich  auseinanderliegenden ­
  Märkten.  Daß  eine  Fabrik  in  Deutschland  bessere  Preise
erlangt,  wenn  dort  der  Geschäftsgang  günstiger  ist,  als  eine
mit  gleichen  Produktionskosten  arbeitende  Fabrik  in  Österreich-Ungarn,
  ist  eine  so  gewöhnliche  Erscheinung,  daß  sie  keiner  weiteren
Ausführung  bedarf.  Auf  demselben  Markte  verändert  sich  der  Wert
nicht  bloß  für  die  neuankommende,  sondern  auch  für  die  schon  vorhandene ­
  Ware.  Wie  groß  diese  Schwankungen  sein  können,  ersehen
wir  beispielsweise  am  Saazer  Hopsen.  Die  Produktionskosten
werden  mit  70  bis  80  Kronen  für  50  kg  angegeben,  die  niedrigste
Preisnotierung  war  im  Jahre  1834  mit  38  und  die  höchste  im
Jahre  1876  mit  757  Kronen;  auch  die  letzte  Zeit  brachte  große
Überraschungen,  denn  während  der  Preis  im  Jahre  1909  unter  die
Produktionskosten  bis  aus  60  Kronen  herunterging,  schnellte  er
schon  im  Jahre  1911  bis  auf  500  Kronen  (am  11.  August)  hinauf.
Wie  rasch  diese  Schwankungen  sein  können,  zeigt  sich  an  leicht  verderblichen ­
  Waren,  falls  dieser  Mangel  nicht  durch  Konservierung
behoben  wird.  Frische  Blumen  werden  am  Abend  bedeutend  billiger
verkauft,  die  im  Winter  zum  Verkauf  kommenden  Fasane  fallen
mit  dem  Eintritt  milden  Wetters  sofort  im  Preise.  Die  Ursachen
solcher  Veränderungen  liegen  nicht  bloß  in  den  natürlichen,  sondern
auch  in  den  kulturellen  Voraussetzungen  der  wirtschaftlichen  Tätigkeit. ­
  So  haben  alle  mit  dem  Kohlenhandel  und  der  Kohlenproduktion
in  Verbindung  stehenden  Elemente  ungemein  davon  profitiert,  daß
durch  das  Zusammentreffen  von  Holzmangel  und  Industrieaufschwung
  in  Europa  die  Kohle  eine  vordem  ungeahnte  Bedeutung
erhalten  hat.
Deshalb  hat  auch  die  Erklärung  für  den  Wert  des  wichtigsten
Tauschmittels,  nämlich  des  Goldes,  der  Kostentheorie  Schwierigkeiten ­
  bereitet.  Der  heutige  Goldvorrat  ist  das  Werk  von  vielen
Jahrtausenden,  die  Produktion  eines  Jahres  trägt  nur  einen  verschwindend ­
  kleinen  Bruchteil  dazu  bei.  Sollen  die  Kosten  maßgebend
sein,  die  im  Lause  dieser  langen  Entwicklung  tatsächlich  aufgewendet
wurden?  Oder  sollen  die  Kosten  der  jetzigen  Jahresproduktion
für  den  gesamten  Goldvorrat  entscheidend  sein?  Jede  derartige