3.  Kritik  der  Kostentheorien.

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Erklärung  versagt,  weshalb  denn  hier  gewöhnlich  doch  zu  dem
Verhältnis  von  Angebot  und  Nachfrage  Zuflucht  genommen  wird,
auf  welchem  eben  der  vom  Kostenwert  wesentlich  verschiedene  Tauschwert ­
  beruht.  Auch  Adolf  Wagner  erklärt,  daß  der  Goldwert
nicht  von  den  Kosten,  sondern  von  Angebot  und  Nachfrage  abhängt;
der  so  bestimmte  jeweilige  Wert  entscheide  dann  darüber,  zu  welchen
Produktionskosten  noch  Bergwerke  behufs  Gewinnung  neuen  Produkts ­
  betrieben  werden  können  st.  Der  Tauschwert  bestimmt  also
in  diesem  Falle  den  Kostemvert  und  nicht  umgekehrt.
8.  Produktionskosten  werden  aufgewendet,  ohne
daß  Werte  entstehen,  und  Werte  entstehen,  ohne  daß
Produktionskosten  aufgewendet  werden.
Ein  Aufwand  von  Arbeit  und  Kapital  erfolgt  zwar  niemals,
ohne  daß  die  Entstehung  eines  Wertes  beabsichtigt  wäre,  in  manchen
Fällen  wird  aber  die  Absicht  doch  nicht  erreicht,  weil  eben  der
Wert  nicht  mit  diesem  Aufwande  zusammenhängt.  Bei  der
Fabrikation  von  Modeartikeln,  wie  Damenhüten,  verschiedenen
Konsektionswaren,  Spitzen,  Glasperlen  u.  dgl.  kommt  es  sehr
häuftg  vor,  daß  infolge  eines  jähen  Umschwungs  der  Mode  ein
mit  großen  Kosten  hergestelltes  Warenlager  plötzlich  wertlos  wird.
Ein  staatlicher  Festungsbau  hat  auch  nur  solange  Wert,  als  er  für
die  Verteidigung  des  Landes  notwendig  ist;  hat  sich  nun  bei  der
Vollendung  des  Baues  die  politische  Konstellation  dauernd  geändert,
so  repräsentieren  diese  Werke  keinen  Gebrauchswert,  ja  sie  können
sogar  von  Nachteil  sein,  wenn  sie  die  Ausdehnung  einer  im  raschen
Wachstuni  begriffenen  Stadt  behindern.
Ungleich  wichtiger  find  die  Fälle,  in  denen  ein  Wert  ohne
Produktionskosten  entsteht.  Ohne  die  Voraussetzung  einer  wirtschaftlichen ­
  Tätigkeit  ist  er  freilich  nicht  möglich,  wohl  aber  kann
zu  einer  geringfügigen  Erzeugung  oder  Spartätigkeit  ein  außerordentlich ­
  starker  Einfluß  der  gegebenen  Grundlagen,  namentlich
der  fozialen  Verhältnisfe,  hinzutreten.  Hierher  gehören  vor  allem
die  Seltenheits-  oder  Liebhaberwerte,  die  wir  bei  alten  Gemälden,
Münzen,  Porzellanftücken  u.  dgl.  finden.  Die  Meinung  der  klassischen ­
  Nationalökonomie,  daß  in  diesen  Fällen  nur  die  Seltenheit,
nämlich  die  Unmöglichkeit  der  Vermehrung,  verteuernd  wirkt,  ist
einseitig,  weil  sie  die  Ursache  ausschließlich  auf  die  Seite  des  Ani)

  Adolf  Wagner,  Sozialökonomische  Theorie  des  Geldes  und  Geldwesens. ­
  Leipzig  1909.  S.  221.