104  II.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

der  sonst  nichts  besitzt,  eine  größere  Bedeutung  haben  als  in  der
Hand  desjenigen,  der  eine  Erbschaft  von  100000  Mark  gemacht
hat,  so  resultiert  dieser  Unterschied  doch  nicht  aus  dem  Tauschverkehr,
sondern  aus  der  Verschiedenheit  der  Vermögensverhältnisse,  denn
jede  Ausgabe,  gleichgültig  ob  in  Geld  oder  in  Waren,  wird  privatwirtschaftlich ­
  nach  dem  Verhältnis  geschätzt,  in  welchem  sie  zu  den
Vermögens-  oder  noch  besser  zu  den  Einkommensverhältnissen  des
betreffenden  Wirtschastssubjektes  steht;  die  zehn  Rubelscheine  repräsentieren ­
  in  dem  einen  Falle  100  %,  in  dem  anderen  Falle  nur  0,01  °/o
des  Nutzungsvermögens.  Durch  die  Subjektivierung  verwandelt
Böhm-Bawerk  den  Tauschwert  aus  einem  Wert  im  Tausch  in
einen  Wert  für  den  Tausch,  der  aber  nur  Gebrauchswert  sein  kann.
Wenn  er  selbst  zugibt,  daß  zwischen  subjektivem  und  objektivem
Tauschwert  eine  ungeheure  Kluft  besteht,  so  ist  es  doch  nicht  richtig,
diese  Kluft  nur  durch  den  Wechsel  der  Eigenschastsworte  subjektiv
und  objektiv  anzudeuten,  während  die  im  Hauptwort  verschiedenen
Begriffe  des  subjektiven  Gebrauchswertes  und  subjektiven  Tauschwertes ­
  eng  zusammengehören  sollen.  In  Wirklichkeit  liegt  auf  der
einen  Seite  der  Kluft  der  gesamte  Gebrauchswert,  auf  der  anderen
der  gesamte  Tauschwert,  so  daß  die  Subjektivierung  nur  einen  mißlungenen ­
  Versuch  darstellt,  den  Tauschwert  auf  die  andere  Seite
hinüberzuziehen.
Die  Unrichtigkeit  dieses  Vorgehens  zeigt  sich  auch  bei  der  Erklärung ­
  der  Preisbildung.  Der  Preis,  so  behauptet  er,  ist  die
Resultante  der  auf  einem  Markt  sich  treffenden  Wertschätzungen
von  Käufern  und  Verkäufern.  Er  stellt  sich  also  vor,  daß  der
Tauschwert  dort  entsteht,  wo  sich  die  Güterkreise  verschiedener
Wirtschaftssubjekte  schneiden.  Diese  Auffassung  wird  für  die  Anfänge ­
  der  wirtschaftlichen  Entwicklung  maßgebend  sein,  solange  noch
Eigenproduktion  und  Eigenverbrauch  vorherrschen,  unter  den  heutigen
Verhältnissen  aber,  unter  denen  in  erster  Linie  für  den  Markt
produziert  wird,  ist  nicht  so  sehr  das  Wirtschaftssubjekt  der
Krystallisationspunkt  der  Beziehungen  zur  Bedürfnisbefriedigung
als  vielmehr  das  Gut,  das  nunmehr  zur  Ware  wird.  Aus  den
vielfältigen  Beziehungen,  die  eine  Ware  zur  Bedürfnisbestiedigung
einer  unbegrenzten  Zahl  von  Wirtschastssubjekten  besitzt,  ergibt  sich
ein  selbständiges  Dasein,  das  von  subjektiven  Wertschätzungen  der
momentanen  Käufer  und  Verkäufer  immer  weniger  beherrscht  wird,
sie  vielmehr  in  ein  Verhältnis  der  Unterordnung  zwingt.  Zwei
Gründe  sind  es,  aus  denen  diese  Selbständigkeit  des  Tauschwertes