5.  Kritik  der  Nutzentheorien.

105

hervorgeht.  Vor  allem  wirkt  die  traditionelle  Wertschätzung  des
Marktes  fort,  so  daß  durch  das  Austreten  neuer  oder  das  Wegfallen ­
  alter  Interessenten  ihre  subjektive  Wertschätzung  nicht  in
vollem  Maße  wirksam  werden  kann.  Ferner  schneiden  sich  nicht
bloß  die  Güterkreise  verschiedener  Wirtschaftssubjekte,  sondern  auch
die  Interessentenkreise  verschiedener  Güter,  so  daß  sich  nicht  bloß
zwischen  den  Preisen  für  Güter  derselben  Bedürfnisgattung,  sondern
auch  zwischen  Lebensmittelpreisen,  Preisen  für  Textilwaren,
Wohnungsmieten  usw.  die  lebhaftesten  Wechselwirkungen  ergeben.
Nehmen  wir  das  Beispiel  Böhm-Bawerks  mit  dem  Pferdemarkt. ­
  Er  entwirft  folgendes  Schema  für  die  auf  einem  Pferdemarkt ­
  erscheinenden  Käufer  und  Verkäufer:
Kauflustige:  Verkauflustige:

Aj  schätzt  sein  Pferd  =  300  fl.  8,  schätzt  sein  Pferd  ==  100  fl.

-A-2

„

„

„

=  280

62  tt

„

„

--  110  ..

a 8

„

„

„

-----  260

„

B 3  „

„

„

=  150  „

A 4

„

„

„

=  240

„

b 4  „

„

„

=  170  „

a b

„

„

„

-----  220

„

b 6  .,

„

„

=  200  „

a 6

„

„

------  210

Be  „

„

„

-----  215  „

A 7

„

„

„

-----  200

„

b 7  „

„

„

-----  250  „

A-8

„

„

„

180

„

Bs  „

„

„

--  260

A-9

„

„

-----  170

„

Ajo

„

„

„

-----  150

„

Aj  schätzt  also  das  zu  kaufende  Pferd  auf  300  fl.,  wird  aber  nicht
diesen  Preis  bieten,  sondern  auf  die  niedrigeren  Angebote  seiner
weniger  tauschfähigen  Konkurrenten  warten.  Analog  wird  auch  B,,
der  schon  zu  einem  Preis  von  110  fl.  verkaufen  könnte,  die  höheren
Preisforderungen  feiner  Mitbewerber  abwarten.  Bis  150  fl.
können  alle  zehn  Kauflustigen  mitbieten,  dann  aber  treten  die
mindest  tauschfähigen  Bewerber  einer  nach  dem  andern  zurück.
Bei  150  fl.  scheidet  notgedrungen  A 10 ,  bei  170  fl.  A 9 ,  bei  180  fl.
Ag,  bei  200  fl.  A 7  aus  der  Bewerbung  aus.  Mit  den  steigenden
Preisgeboten  wächst  aber  gleichzeitig  auf  der  anderen  Seite  die
Zahl  jener  Verkauflustigen,  für  welche  die  Teilnahme  am  Tausch
ökonomisch  möglich  wird.  Bei  einem  Preise  von  210  fl.  kann  es
zu  einem  Geschäftsabschlüsse  kommen,  weil  sich  Verkauflustige  und
Nachfragende  in  gleicher  Zahl,  nämlich  zu  fünf  gegenüberstehen,
weil  nunmehr  alle  Käufer  befriedigt  werden  können  und  ihr  Überbieten ­
  daher  ein  Ende  nimmt.  Der  Abschluß  muß  aber  noch  nicht