106  II-  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.
erfolgen,  denn  die  Hartnäckigkeit  der  Verkäufer  kann  den  Preis
noch  steigern,  aber  nur  bis  220  fl.,  weil  dann  der  fünfte  Käufer
ausscheiden  würde,  was  wieder  ein  gegenseitiges  Unterbieten  der
Verkäufer  zur  Folge  hätte.  Die  Zone  der  Preisbildung  verengere
sich  weiter  dadurch,  daß  bei  einem  Preise  von  215  fl.  ein  sechster
Verkäufer  auftreten  wird,  so  daß  also  die  schließliche  Preisfestsetzung
innerhalb  der  Grenzen  von  210  und  215  fl.  erfolgen  wird.  Wie
spielt  sich  aber  der  Vorgang  in  Wirklichkeit  ab?  Vor  allem
herrscht  aus  jedem  Markte  bereits  ein  Preis,  denn  ein  Markt  ist
erst  vorhanden,  wenn  mehrere  Wirtschastssubjekte  in  stetigen
Tauschbeziehungen  zu  einander  stehen.  Der  Kauflustige  kennt  bereits ­
  den  Preis  eines  Pferdes  der  gewünschten  Qualität  oder  erkundigt ­
  sich  um  ihn  und  überlegt  nun,  ob  er  zu  diesem  Preise
kaufen  kann  und  soll,  das  heißt,  ob  sein  Gebrauchswert  höher  ist
als  der  gegebene  Tauschwert.  Weder  die  Käufer,  noch  die  Verkäufer ­
  kommen  mit  einer  derartigen  Skala  von  Wertschätzungen,
weil  sie  als  geschäftskundige  Leute  für  den  Tauschwert  ungefähr
die  gleiche  Schätzung  haben  und  nur  bezüglich  des  Gebrauchswertes
differieren.  Diese  Differenzen  im  Gebrauchswert  —  das  sind  die
subjektiven  Werffchätzungen  —  können  dadurch,  daß  sie  das  Angebot ­
  oder  die  Nachfrage  verstärken  oder  abschwächen,  den  Tauschwert ­
  beeinflussen,  aber  niemals  von  Grund  aus  bilden.  Der  Einfluß ­
  beschränkt  sich  ferner  auf  die  Differenzen,  wenn  und  insoweit
sie  in  Preisanboten  ihren  Ausdruck  finden,  denn  die  Marktbesucher
kommen  nicht  mit  nackten  Seelen,  und  was  sie  verschweigen,  wirkt
nicht  mit.  Da  die  Wertschätzungen  nicht  alle  und  nicht  gänzlich
bekannt  sind,  ist  es  auch  unrichtig,  dem  obersten  tauschfähigsten
Paar  unter  den  ausgeschlossenen  Bewerbern  eine  besondere  Rolle
zuzuweisen.  Woran  soll  man  den  ausgeschlossenen  tauschfähigsten
Bewerber  erkennen,  besonders  auf  einem  Pferdemarkt?  Wie  soll
aber  dieses  Wirtschastssubjekt,  das  niemand  kennt,  über  den  Preis
entscheiden?  Die  Konstruktion  einer  besonderen  Zone  zwischen  dem
letzten  Käufer  und  Verkäufer  uud  dem  tauschsähigsten  der  ausgeschlossenen ­
  .Kaufs-  und  Verkaufsbewerber  ist  also  ein  Gedankengebilde, ­
  das  sich  nicht  in  die  Wirklichkeit  umsetzen  läßt.
Daß  die  Überleitung  des  subjektiven  Wertes  zum  objektiven
Tauschwert  nicht  möglich  ist,  geht  übrigens  aus  den  Darlegungen
Böhm-Bawerks  selbst  ziemlich  deutlich  hervor.  Er  sagt,  die
Zone,  in  welche  der  Konkurrenzkampf  die  Preisbildung  drängt,  sei
dieselbe,  „in  der  gerade  ebenso  viel  Ware  feil  als  zu  kaufen  be-