108  H-  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

Bedürfnisbefriedigung  für  jede  Güterart  mit  einer  fest  gegebenen
Menge  rechnen  muß.  Dies  fall  auch  für  die  Produktivgüter
gelten,  also  jene  Güter,  welche  nicht  der  unmittelbaren  Bedürfnisbefriedigung ­
  dienen,  wie  Mafchinen,  Rohstoffe  ufw.,  denn,  fo  meint
Böhm-Bawerk,  in  der  Kette  der  Produktivgüter  müffe  man
immer  auf  eines  stoßen,  deffen  Menge  begrenzt  ist,  jedenfalls  feien
die  letzten  originärsten  Produktivkräfte,  über  welche  die  Menschheit ­
  verfügt,  die  Bodennutzungen  und  zumal  die  Arbeit,  in  einem
gegebenen  Zeitpunkte  nur  in  begrenzter  Menge  verfügbar,  und  ihr
Wert,  der  sich  nach  dem  Gesetze  des  Grenznutzens  bestimmt,  gehe
dann  durch  den  ganzen  Stufenbau  der  arbeitsteiligen  Produktion
in  immer  mannigfaltigeren  Zusammensetzungen  und  Kombinationen
im  Gewände  der  Kosten  in  den  Wert  der  beliebig  vermehrbaren
Güter  ein  und  über.  Der  Wert  der  beliebig  vermehrbaren  Güter
werde  in  Wahrheit  unter  dem  Zeichen  gebildet,  daß  sie  zusammengenommen ­
  nicht  beliebig  vermehrbar  find  (Böhm-Bawerk  im
Artikel  „Wert"  in,  Handwörterbuch  der  Staatswisfenschaften,
3.  Aust.,  Bd.  VIII,  S.  770).
An  ihrer  Gewaltsamkeit  läßt  diese  Konstruktion  erkennen,  daß
sie  erst  nachträglich  gefunden  wurde,  um  eine  wankend  gewordene
Theorie  zu  stützen.  Die  Produktion  rechnet  aber  praktisch  mit
einem  unerschöpflichen  Fonds  von  Produktivmitteln.  Zwar  kann
ein  Naturprodukt  in  beschränkter  Menge  vorkommen,  aber  niemand
hegt  die  Befürchtung,  daß  es  dem  Erfindungsgeiste  des  Menschen
nicht  gelingen  wird,  in  der  Not  einen  Ersatz  zu  finden.  Seltene
Mineralien  und  Pflanzenstoffe  werden  durch  chemische  Produkte
ersetzt,  wie  wir  dies  beim  Salpeter,  Indigo,  Eisstein,  Kautschuk  usw.
sehen.  Man  weiß,  daß  die  Kohlenvorräte  der  Erde  erschöpfbar  sind,
im  Kohlenpreife  kommt  aber  diese  Tatsache  nicht  zum  Ausdruck.
Das  Verschwinden  wertvoller  Pelztiere  hat  auf  der  Prinz  Eduards-Insel
  im  Osten  Kanadas  zu  einer  umfangreichen  künstlichen  Aufzucht ­
  derselben  geführt.  Beschränkt  ist  ferner  nur  der  Bodenraum,
nicht  aber  die  Bodennutzung,  auf  die  es  doch  ankommt;  die  Industrialisierung ­
  der  Landwirtschaft  in  Dänemark,  Holland,  England ­
  usw.  zeigt,  wie  sehr  sich  hierbei  die  Grenzen  erweitern  lassen.
Die  Arbeit  ist  aber  auch  nicht  aus  eine  bestimmte  Menge  beschränkt.
Böhm-Bawerk  selbst  meint,  daß  diese  universellste  unserer  Produktivkräfte ­
  die  Eigentümlichkeit  ausweist,  „daß  sie  in  gewisser  Hinsicht ­
  nicht  in  fester  Menge  gegeben  ist,  sondern  elastisch  erscheint,
insofern  es  im  Belieben  des  Jndividuunis  liegt,  seine  tägliche