5.  Kritik  der  Nutzentheorien.

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Arbeitsleistung  um  den  Preis  erhöhter  Plage  auszudehnen  oder
umgekehrt  einzuschränken".  In  der  entwickelten  Volkswirtschaft
komme  aber  diesem  Umstande  geringe  praktische  Bedeutung  zu,  weil
der  größte  Teil  der  produktiven  Arbeit  durch  Gesetz,  Vertrag,  Herkommen ­
  usw.  fest  bestimmt  ist.  Auch  der  Verschiedenheit  in  der
Intensität  der  Arbeit  vermag  er  keinen  tiefgreifenden  Einfluß  zuzuerkennen. ­
  Es  kommt  aber  auch  hier  nicht  aus  die  Menge  der
aufgewendeten  menschlichen  Arbeit,  sondern  aus  deren  Wirksamkeit
an.  Eine  bestimmte  Menge  von  Genußgütern  kann  mit  hundert
Arbeitskräften,  vielleicht  aber  auch  mit  zehn  Arbeitskräften  unter
Zuhilfenahme  von  Maschinen  erzeugt  werden.  Die  ganze  lange  Geschichte ­
  der  Erfindungen  lehrt  uns  in  jedem  Industriezweige,  wie
sich  die  Menschen  geholfen  haben,  wenn  Not  an  menschlicher  Arbeitskraft ­
  entstand:  sie  erfanden  Maschinen  und  Vorrichtungen.  In
Deutschland  arbeiten  nach  der  Zählung  vom  Jahre  1907  außer
10,7  Millionen  Personen  auch  Motoren  mit  mehr  als  acht  Millionen
Pferdestärken;  eine  Pferdestärke  wird  aber  nach  der  französischen
Dampfmaschinenstatistik  der  Leistungsfähigkeit  von  21  Männern
gleichgeschätzt.  Eine  Vermehrbarkeit  ist  also  praktisch  immer  vorhanden. ­

Bei  einem  beliebig  vermehrbaren  Gütervorrat  schätzt  aber  der
Mensch  die  Bedeutung  der  Teilmengen  nicht  nach  der  Wichtigkeit
der  Bedürfnisse,  zu  deren  Deckung  sie  noch  ausreichen,  sondern  nach
der  relativen  Höhe  des  Vermögens-  oder  Einkommensteiles,  der  für
die  Beschaffung  hingegeben  werden  muß;  der  Gebrauchswert  entsteht
also  durch  Vergleich  der  Bedürfnisbeziehungen  des  betreffenden
Gutes  mit  den  Bedürfnisbeziehungen  der  übrigen  Gütermengen,
über  welche  das  Wirtschaftssubjekt  jetzt  oder  durch  stets  sich  erneuernde ­
  Rechtsansprüche  verfügt.  Den  Robinsonaden,  die  besonders
in  der  deutschen  Nationalökonomie  blühen,  wird  damit  der  Boden
entzogen,  weil  sich  die  wirtschaftliche  Tätigkeit  niemals  in  der
Isolierung  abspielt.  Einer  echten  Robinsonade  verdankt  auch  die
Grenznutzentheorie  ihre  Begründung,  denn  das  charakteristische  Beispiel ­
  beginnt  mit  den  Worten:  „Ein  Kolonist,  dessen  Blockhütte
abseits  von  allen  Verkehrsstraßen  einsam  im  Urwalde  steht,  hat
soeben  fünf  Säcke  Korn  geerntet."  Den  ersten  und  zweiten  bestimme
er  zur  Nahrung,  den  dritten  zur  Mästung  von  Geflügel,  den  vierten
zur  Erzeugung  von  Branntwein  und  den  letzten  zur  Fütterung  von
Papageien  und  bilde  danach  auch  die  Skala  der  subjektiven  Wertschätzungen. ­
  Der  Mensch  der  modernen  Volkswirtschaft  hat  eine