114  II.  Die  Bestimmung  des  Wertes  nach  den  bisherigen  Theorien.

lich  möglichen  Nutzungen.  Die  Verschiedenheit  von  Individuum  zu
Individuum  gleicht  sich  durch  den  Tauschverkehr  aus,  denn  wenn
auch  jemand  den  Branntwein  deshalb  nicht  für  nützlich  findet,  weil
er  ihn  selbst  nicht  verträgt,  so  doch  deshalb,  weil  er  andere  Güter
dafür  eintauschen  kann  von  anderen,  welche  Branntwein  trinken.
Daraus  geht  aber  auch  hervor,  daß  die  Nützlichkeit  nicht  unter  dem
privatwirtschaftlichen,  sondern  unter  dem  volkswirtschaftlichen  Gesichtspunkt ­
  zu  beurteilen  ist.  Die  Grenznutzentheorie  hat  immer  nur
den  letzten  Verbraucher  im  Auge,  sein  Urteil  über  die  Nützlichkeit
ist  aber  nur  ein  Reflex  des  Urteils,  das  in  der  Volkswirtschaft  besteht. ­
  Mordwaffen,  Gifte/  Tabak,  Opium,  Alkohol  usw.  mögen
dem  letzten  Verbraucher  noch  so  großen  Schaden  bringen,  sie  hören
deshalb  doch  nicht  auf,  auch  vom  Standpunkte  der  Privatwirtschaft
Gegenstände  von  Wert  zu  sein.
Wenn  die  Grenznutzentheoretiker  den  Wert  aus  der  relativen
Begrenzung  des  Gütervorrates  erklären,  so  ziehen  sie  damit  keine
richtige  Scheidelinie  zwischen  Nützlichkeit  und  Wert.  In  beiden  steckt
nämlich  ein  subjektives  Urteil.  Bei  dem  der  Nützlichkeit  sagt  jemand,
daß  ein  äußerer  Gegenstand  durch  seine  Eigenschaften  zur  Bedürfnisbefriedigung ­
  geeignet  ist  und  dadurch  der  menschlichen  Wohlfahrt
dient.  Wenn  er  hier  schon  vergleicht,  indem  er  einen  Gegenstand
nützlicher  nennt  als  einen  anderen,  so  vergleicht  er  gewöhnlich  nicht
die  Gegenstände  selbst,  sondern  die  ihnen  entsprechenden  Bedürfnisse, ­
  von  denen  das  eine  seiner  Größe,  Stärke  und  Dringlichkeit
nach  wichtiger  ist  als  das  andere.  Das  Eisen  ist  nützlicher  als  der
Diamant,  weil  der  Bedarf  nach  widerstandsfähigem  Rohmaterial  in
der  Industrie  wichtiger  ist  als  ein  auf  die  kaufkräftigsten  Schichten
der  Bevölkerung  beschränktes  Luxusbedürfnis.  Eventuell  werden
zwei  Güter  mit  Bezug  auf  dasselbe  Bedürfnis  verglichen.  Beim
Werturteil  handelt  es  sich  auch  um  einen  Vergleich,  aber  der  Vergleichspunkt ­
  ist  verschieden  gewählt:  bei  der  Nützlichkeit  vergleichen
wir  die  Güter  nach  den  verschiedenen  zu  befriedigenden  Bedürfnissen,
beim  Wert  dagegen  in  ihrer  Bedeutung  für  die  Bedürfnisbefriedigung
untereinander,  und  zwar  beim  Gebrauchswert  nach  ihrer  Zugehörigkeit ­
  zum  Bedarf  eines  Wirtschaftssubjektes,  und  beim  Tauschwert
nach  ihrer  Zugehörigkeit  zu  dem  mehrere  Wirtschaftssubjekte  verbindenden ­
  Markte.  Luft,  Wasser  und  Sonnenschein  sind  nützlich,
aber  im  allgemeinen  wertlos.  Die  Grenznutzentheoretiker  sagen,
weil  sie  im  Verhältnis  zu  den  zu  befriedigenden  Bedürfnissen  in
unbeschränkter  Menge  vorkommen.  In  Wirklichkeit  sind  sie  nützlich,