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III.  Die  Analyse  des  Tauschwertes.

Lande,  das  bisher  100  Millionen  Pfund  Baumwollgarne  konsumierte,
infolge  neuer  Investitionen  120  Millionen  Pfund  erzeugt  werden,
fo  ist  es  leicht  möglich,  daß  dieses  größere  Quantum,  wenn  man
den  Wert  des  ausländischen  Rohmaterials  abzieht,  nicht  mehr  Wert
darstellt  als  das  frühere  kleinere.  Woher  soll  bei  einem  Entgang  an
Gewinn  oder  Verlust  an  Selbstkosten  die  erhöhte  Kaufkraft  kommen?
Später  hat  man  erkannt,  daß  noch  andere  Momente  als  die
Mengen  der  ausgebotenen  und  gefragten  Ware  in  Betracht  kommen.
Besonders  Hermann  (Staatswirtschaftliche  Untersuchungen,
2.  Aust.  München  1874)  hat  darauf  aufmerksam  gemacht,  daß  Angebot ­
  wie  Nachfrage  „keineswegs  einfache  Vorgänge,  sondern
Resultate  komplexerer  Motive"  sind.  Ans  der  Seite  der  Nachfrage
seien  maßgebend  der  Gebrauchswert  des  Gutes,  die  Zahlungsfähigkeit ­
  der  Begehrer  und  die  anderweitigen  Anschaffnngskosten  des  begehrten ­
  Gutes  oder  die  Konkurrenz  der  Verkäufer.  Das  Schwergewicht
legt  er  dabei  auf  den  Gebrauchswert.  Auf  der  Seite  des  Angebots
seien  maßgebend  die  Produktionskosten  des  Gutes,  die  anderweitigen
Verkaufspreise  oder  die  Konkurrenz  der  Nachfragenden  und  der
Tauschwert  der  Preisgüter  oder  Zahlungsmittel.  Hier  betont  er
ebenfalls  bas  erstangeführte  Moment:  „Können  Güter  in  beliebiger
Menge  zum  Markt  gebracht  werden,  so  sind  die  Kosten  der  nachhaltigste ­
  und  im  Durchschnitt  auch  der  überwiegendste  Bestimmungsgrund ­
  der  Preise".  Insofern  steht  er  noch  unter  dem  Einflüsse  der
klassischen  Nationalökonomie,  geht  aber  einen  bedeutsamen  Schritt
weiter,  indem  er  die  entscheidende  Ursache  der  Preisregulierung
überhaupt  nicht  mehr  auf  der  Seite  des  Angebots  sucht.  „Der  erste
und  wichtigste  Faktor  der  Preise  ist  vielmehr  in  allen  Fällen  die
Nachfrage,  deren  Hauptwurzeln  Bedürfnis,  Bedarf  und  Gebrauchswert ­
  des  Gutes  und  Zahlungsfähigkeit  der  Käufer  sind.  Aus  der
Nachfrage  und  dem,  was  die  Begehrer  für  das  Gut  bieten,  ergibt
sich,  auf  welchen  Betrag  von  Gütern  sie  um  des  Verlangten  willen
zu  verzichten  gedenken,  und  hieraus,  wie  hoch  die  Kosten  der  wenigstergiebigen
  Produktion  sich  belaufen  dürfen,  die  zur  Beschaffung  des
Bedarfes  noch  in  Anwendung  kommen  kann."  Jedenfalls  ist  Hermann ­
  in  einer  dem  modernen  Wirtschaftsverkehr  entsprechenden
Analyse  des  Verhältnisses  von  Angebot  und  Nachfrage  am  weitesten
vorgedrungen.
Ganz  ablehnend  verhält  sich  Friedrich  Julius  Neumann').
')  Handbuch  der  politischen  Ökonomie.  Herausgegeben  von  Schönberg.
4.  Anst.  Tübingen  1896.  Bd.  1.  S.  269  ff.