1.  Nachfrage  und  Angebot.

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Die  Behauptung,  daß  Angebot  und  Nachfrage  den  Preis  bestimmen,
schließe  einen  logischen  Fehler  in  sich,  weil  man  sich  nicht  vorstellen
könne,  „daß  z.  B.  die  Begehrsintensität  oder  die  Zahlungsfähigkeit
gewisser  Personen  hier  größer  sei  als  eine  gewisse  Warenmenge
oder  gewisse  Personenzahl  dort".  Diese  verschiedenartigen  Dinge
werden  aber  nur  in  ihrer  Wirkung  auf  die  Preise  verglichen,  so
wie  man  sehr  verschiedenartige  Lichtquellen,  wie  Kerzen,  Petroleum,
Gas,  Elektrizität,  hinsichtlich  ihrer  Leuchtkraft  vergleicht,  so  wie  man
auch  die  Arbeitsleistung  des  fließenden  Wassers,  der  Dampfspannung
und  des  elektrischen  Stromes  in  derselben  Krafteinheit  (Pferdestärke)
ausdrückt.  Neumann  behauptet,  durch  einen  solchen  Vergleich
wäre  nichts  gesagt,  denn  „die  Nachfrage  überwiegt  das  Angebot"
heiße  dann  nur:  „es  überwiegen  zum  Steigen  des  Preises  anlaßgebende ­
  Momente"  und  umgekehrt.  Es  sei  doch  selbstverständlich,
daß  ein  Ding  sinkt,  wenn  die  zum  Sinken  desselben  führenden
Momente  stärker  sind  als  die  in  entgegengesetzter  Richtung  wirkenden
und  umgekehrt.  Um  die  Feststellung  der  momentanen  Gesamtwirkung, ­
  die  ohnedies  im  Preise  deutlich  zum  Ausdruck  kommt,
handelt  es  sich  aber  gar  nicht,  sondern  vielmehr  um  die  Feststellung
der  einzelnen  Momente,  die  zu  einer  Preiserhöhung  oder  Preisermäßigung ­
  geführt  haben  und  voraussichtlich  auch  in  Zukunft  führen
müssen.  Die  üblichen  Zusätze  zu  zahlreichen  Börsennotizen,  welche
angeben,  daß  die  Nachfrage  nicht  voll  befriedigt  werden  konnte
oder  zu  dem  notierten  Kurse  noch  Ware  angeboten  blieb,  sind  für
den  gegenwärtigen  Preis  gegenstandslos,  wichtig  aber  für  die
künftige  Preisgestaltung.  Die  Analyse  von  Angebot  und  Nachfrage
soll  uns  nicht  in  den  Stand  setzen,  den  Preis  zu  berechnen,  sondern
uns  die  Mittel  geben,  den  Preis  seiner  Entstehung  nach  zu  erklären.
Neumann  kritisiert  auch  die  übliche  Annahme,  derzufolge  die
Preise  sinken,  wenn  das  Angebot  größer  ist  als  die  Nachfrage,  und
steigen,  wenn  letztere  das  Angebot  überwiegt.  Das  sei  nur  „unter
übrigens  gleichen  Umständen"  der  Fall,  was  sehr  selten  zutreffe,  da
Änderungen  in  einer  der  erwähnten  Richtungen  fast  immer  auch
Wandlungen  in  einer  anderen  Beziehung  zur  Folge  haben,  welche
die  erwähnten  Wirkungen  durchkreuzt.  Deshalb  könne  man  von
den  erwähnten  Änderungen  nur  sagen,  daß  sie  die  Tendenz  haben,
in  gewissen  Richtungen  Preisänderungen  nach  sich  zu  ziehen.  Man
habe  sich  also  vor  der  Annahme  zu  hüten,  „daß  der  Preis  in  die
Höhe  gehe,  wenn  die  Nachfrage  ,größer'  sei  als  das  Angebot,  sinke,
wenn  letzteres  die  Nachfrage  Überwiege'  usw.".  In  diesen  bean-