1.  Nachfrage  und  Angebot.

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nicht  bloß  von  der  vorhandenen,  sondern  auch  von  der  kommenden
Warenmenge,  der  Weizenpreis  also  nicht  bloß  von  dem  Weizen  der
verflossenen,  sondern  auch  von  dem  der  künftigen  Ernte  beeinflußt
wird.  Bei  einer  öffentlichen  Lieferung  konkurrieren  häufig  überhaupt ­
  nur  erwartete  und  nicht  vorhandene  Warenmengen,  so  daß
also  nach  Neumanns  Ansicht  der  Nachfrage  kein  Angebot  gegenüberstünde. ­
  Die  schließlich  als  „Verbandspreise"  erwähnten  Mitgliedsbeiträge ­
  von  Vereinen  und  Genossenschaften,  die  angeblich  „von
Angebot  und  Nachfrage  gar  nicht  berührt"  werden,  sind  gar  keine
Preise,  da  bei  ihnen  ebenso  wie  bei  den  Steuern  Leistung  und
Gegenleistung  nicht  in  ein  bestimmtes  Wechselverhältnis  gesetzt
werden.
Böhm-Bawerk  sagt,  daß  der  Konkurrenzkampf  die  Preisbildung ­
  in  eine  Zone  drängt,  die  nicht  bloß  zwischen  die  subjektiven
Werffchätzungen  der  Grenzpaare  fällt,  sondern  gleichzeitig  auch  jene
ist,  in  der  Angebot  und  Nachfrage  gerade  quantitativ  im  Gleichgewichte ­
  stehen.  Die  letztere  Formulierung  sei  ebenso  richtig  wie
die  erste,  nur  sei  sie  „insofern  weniger  ausdrucksvoll,  als  sie  auf
die  Höhenlage  der  maßgebenden  Zone  nur  auf  einem  Umweg  hinweist", ­
  ferner  sei  sie  weniger  zweckmäßig,  weil  die  proteusartige
Vieldeutigkeit  der  Ausdrücke  „Angebot  und  Nachfrage"  unzählige
Irrungen  und  Mißgriffe  veranlaßt  hat.
Die  maßgebenden  Preistheoretiker  haben  also  die  Erklärung
des  Preises  aus  Angebot  und  Nachfrage  nicht  grundsätzlich  abgelehnt,
sondern  nur  zu  imbestimmt  gefunden  und  daher  einen  einheitlichen
Bestimmungsgrund  gesucht,  der  eben  je  nach  der  wirffchaftlichen
Entwicklung  der  Zeit  verschieden  ausfiel.  Darin  zeigt  sich  die
Relativität  der  Preistheorien,  daß  sie  innerhalb  des  immer  und
allgemein  geltenden  Rahmens  von  Angebot  und  Nachfrage  verschiedene ­
  Einflüsse  als  wichtig  erkennen,  einmal  die  Produktionskosten, ­
  so  lange  der  Schwerpunkt  auf  der  Seite  des  Angebots,
einmal  den  Grenznutzen,  so  lange  der  Schwerpunkt  auf  Seite  der
Nachfrage  liegt.  Ausgabe  der  heutigen  Wissenschaft  muß  es  sein,
den  Rahmen  abzustecken,  innerhalb  dessen  sich  alle  auf  Tauschwert
und  Preis  bezüglichen  Einflüsse  geltend  machen  können,  dann  aber
jene  Einflüsse  zu  zeigen,  die  nach  der  derzeitigen  wirffchaftlichen
Entwicklung  tatsächlich  in  Geltung  sind.  Der  Rahmen  gilt  allgemein, ­
  die  Erfahrungssätze  aber  werden  sich  ändern.