1.  Nachfrage  und  Angebot.

127

Kosten.  Da  die  Herabsetzung  des  Preises  das  wirksamste  Mittel
zur  Vergrößerung  des  Umsatzes  ist,  so  liegt  die  beste  Gewinnmöglichkeit ­
  in  der  Herabsetzung  der  Kosten.  Für  die  Kosten  sind
aber  wieder  die  Preise  sür  die  verschiedenen  Rohstoffe  und  Hilfsmaterialien, ­
  sowie  für  die  Lebensmittel  der  an  der  Produktion  beteiligten ­
  Personen  maßgebend,  so  daß  ein  ganzer  Komplex  von  in
gegenseitiger  Abhängigkeit  stehenden  Gütern  entsteht.
Bedarf  und  Versorgung  erfahren  aber  gleichzeitig  noch  eine
höhere  organische  Zusammenfassung  in  der  Volkswirtschaft.  Auch
hier  ergibt  sich  ein  Gleichgewichtsverhältnis,  das  nicht  bloß  nach
seiner  quantitativen,  sondern  auch  nach  seiner  qualitativen  Zusammensetzung ­
  eine  sehr  verschiedene  Widerstandskraft  entwickeln
kann.  Die  Mißernte  in  einer  wichtigen  Frucht,  z.  B.  in  Kartoffeln, ­
  kann  eine  Störung  hervorbringen,  deren  Wellenbewegungen
sich  in  die  verschiedensten  Kanäle  des  Angebots  und  der  Nachfrage
fortstanzen;  der  Ausfall  verstärkt  vielleicht  die  Nachfrage  nach
Roggen  zur  Brotbereitung,  die  dadurch  verursachte  Verteuerung
der  Lebensweise  der  breiten  Volksschichten  beeinträchtigt  den  Absatz
in  Baumwollgeweben,  der  wieder  bestimmend  ist  sür  den  Geschäftsgang ­
  der  Baumwollspinnerei  und  eines  Zweiges  der  Maschinenindustrie ­
  usw.  Ein  richtiges  Bild  dieses  volkswirtschaftlichen
Gleichgewichts  erhält  man  aber  nicht  durch  bloße  Zusammenfassung
der  Teilmengen,  welche  die  einzelnen  Haushaltungen  bedürfen  und
die  einzelnen  Unternehmungen  herstellen;  denn  es  handelt  sich
nicht  um  ein  statisches,  sondern  um  ein  dynamisches  Verhältnis.
Eine  Wasserkraft  läßt  sich  nicht  bloß  aus  dem  Querschnitte  des
Wasserlaufes  berechnen,  sondern  man  muß  auch  die  Geschwindigkeit
und  Falltiefe  des  Wassers  berücksichtigen.  Es  ist  nicht  gleichgiltig,
ob  eine  bestimmte  Warenmenge  von  wenigen  großen  Fabriken  oder
von  vielen  kleinen  Unternehmungen  der  Hausindustrie  hergestellt
wird.  Das  Angebot  von  Weizen  erhält  man  nicht  dadurch,  daß
man  die  Vorräte  der  Produzenten  und  Händler  zusammenzählt,
denn  auch  bei  gleicher  Vorratsmenge  kann  sich  das  Angebot  täglich,
ja  stündlich  ändern,  je  nachdem  die  Besitzer  verkaufen  müssen  oder
verkaufen  wollen.  Auf  die  Bedeutung  der  Organisation  gegenüber
der  freien  Konkurrenz  wurde  bereits  bei  Besprechung  des  Tauschwertes ­
  verwiesen.  Der  Bedarf  an  Reis  kann  zahlenmäßig  gleich
groß  sein,  je  nachdem  er  von  tausend  Chinesen  für  den  täglichen
Lebensunterhalt  oder  von  einer  Stärkefabrik  zur  Vervollständigung
des  Rohstoffvorrates  gebraucht  wird,  die  Nachfrage  nach  Reis  wird