2.  Der  Bedarf  an  Ware  in  der  Volkswirtschaft.

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2.  Der  Bedarf  an  Ware  in  der  Volkswirtschaft.
Erster  Erfahrurigssatz:  Nicht  der  Bedarf  überhaupt, ­
  sondern  nur  der  wirksame  Bedarf  ist  von
Eins  luß.
Der  Bedarf  an  Ware  in  der  Volkswirtschaft  kommt  nicht  in
seiner  Gesamtheit  zur  Geltung,  sondern  nur  der  Bedarf  jener
Wirtschaftssubjekte,  welche  genügend  Tauschgüter  besitzen,  um  die
zur  Erlangung  der  betreffenden  Ware  notwendigen  Opfer  bringen
zu  können.  Alle  vorhandenen  Lager  von  Kleidern  und  Schuhen
würden  gewiß  nicht  hinreichen,  um  alle  bedürftigen  Menschen  zu
bekleiden,  wenn  sie  umsonst  gegeben  würden.  Da  es  aber  im
Wesen  des  Tausches  liegt,  daß  ein  Wertobjekt  gegen  ein  gleichwertiges ­
  anderes  gegeben  wird,  so  kommt  es  häufig  zu  einer  Erscheinung, ­
  die  schon  zu  vielen  nachdenklichen  Betrachtungen  Anlaß
gegeben  hat:  auf  der  einen  Seite  klagen  Erzeuger  und  Händler
über  Unverkäuflichkeit,  auf  der  anderen  Seite  die  Verbraucher  über
Mangel.  Überfluß  und  Not  können  gleichzeitig  nebeneinander  bestehen, ­
  weil  die  Unzulänglichkeit  der  Kaufkraft  den  Ausgleich  nicht
gestattet.  Was  die  Menschen  brauchen,  aber  nicht  kaufen  können,
ist  nur  ruhender  Bedarf,  der  zu  einem  wirksamen  Bedarf  erst  wird,
wenn  sich  die  Kaufkraft  des  Wirtschaftssubjektes  so  erhöht  oder
der  Wert  der  Ware  so  senkt,  daß  sich  beide  in  einem  Punkte  treffen.
Die  Veränderung  der  Kaufkraft  kann  sich  entweder  quantitativ
durch  eine  Erhöhung  des  Einkommens  überhaupt  oder  auch
qualitativ  durch  eine  Verschiebung  der  Bedürfnisse  ergeben,  indem
frühere  Bedürfnisse  aus  dem  wirksamen  Bedarf  ausscheiden  und
dadurch  neuen  Platz  machen.
Schon  Adam  Smith  hat  darauf  aufmerksam  gemacht,  daß
für  den  Preis  nur  die  Nachfrage  jener  entscheidet,  welche  den
„natürlichen  Preis"  der  Ware  zu  zahlen  gewillt  sind.  Er  nennt
dies  die  wirksame  Nachfrage  (kKaetual  demand).  Übermäßig  betont ­
  wird  die  Bedeutung  derselben  durch  B  öh  m  -  B  «werk l ).
Heute  werde,  so  sagt  er,  meist  durch  berufsmäßige  Produzenten
und  Händler  verkauft,  für  welche  der  subjektive  Gebrauchswert
also  fast  Null  ist.  Daher  werde  praktisch  die  Preishöhe  durch  die
Wertschätzungen  der  Kaufpartei  allein  begrenzt  und  bestimmt.
Wenn  nun  auch  der  subjektive  Gebrauchswert  entfällt,  weil  z.  B.
der  Branntweinfabrikant  den  von  ihm  erzeugten  Brantwein  nicht
tz  Kapital  und  Kapitalzins.  Bd.  II.  S.  231  ff.
Gruntzel,  Wert  und  Preis.

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