130

III.  Die  Analyse  des  Tauschwertes.

selbst  austrinken  kann,  so  sind  doch  die  Verhältnisse  des  Verkäufers
nicht  gleichgiltig;  seine  Kapitalskraft  z.  B.  wird  entscheiden,  ob  er
rasch  verkaufen  muß  oder  warten  kann,  also  auch  den  Preis  beeinflussen. ­
  Ferner  werden  sich  die  übrigen  konkurrierenden  Verkäufer ­
  geltend  machen.  Der  Mangel  des  subjektiven  Gebrauchswertes
hat  demnach  nicht  die  absolute  Übermacht  der  Kauspartei  zur  Folge.
Zweiter  Erfahrungssatz:  Der  wirksame  Bedarf
wechselt  mit  dem  Markte  nicht  bloß  in  territorialer,
sondern  auch  in  handelstechnischer  Hinsicht.
Für  eine  Ware  bestehen,  wie  bereits  ausgeführt  wurde,
meistens  mehrere  Märkte  gleichzeitig,  die  entweder  bloß  territorial ­
  nebeneinander  liegen  oder  auch  handelstechnisch  ineinander
geschachtelt  sind.  Die  Verschiedenheit  der  Großhandelspreise  und
Detailhandelspreise  ist  demnach  eine  prinzipielle,  denn  beide  bilden
sich  aus  verschiedenen  Märkten.  Eine  Berechnung  der  Zwischenhandelsgewinne ­
  durch  Gegenüberstellung  ist  ebenso  wenig  gerechtfertigt ­
  wie  das  Verlangen  nach  einer  Parallelbewegung  beider,
weil  auf  jedem  Markt  nicht  bloß  die  Kosten  der  Produzenten  und
Händler,  sondern  noch  zahlreiche  andere  Momente  ausschlaggebend
sind.  So  ist  z.  B.  der  Bedarf  des  letzten  Verbrauchers  vielfach
ein  stoßweiser  und  dann  viel  dringender  als  der  des  Händlers.
Der  Händlerpreis  für  Armeerevolver  wird  nicht  so  rasch  steigen
als  der  Detailpreis,  wenn  eine  plötzliche  Kriegsgefahr  die  Offiziere
zur  Deckung  ihres  Bedarfes  zwingt.  Im  Jahre  1913  wurde  in
Bayern  durch  einen  Bericht  des  Ministeriums  festgestellt,  daß  die
Viehpreise  gegenüber  dem  Vorjahre  überall  gefallen,  die  Fleischpreise ­
  dagegen  an  allen  Orten  und  zum  Teil  erheblich  gestiegen
sind.  Über  die  Gewinne  der  Fleischhauer  ist  damit  nichts  entschieden, ­
  weil  die  Erhöhung  der  Detailpreise  auch  durch  den  Übergang ­
  des  letzten  Verbrauches  aus  bessere  Qualität,  durch  größere
Ansprüche  auf  Ladenausstattung,  Zustellung,  durch  stark  anschwellenden ­
  Fremdenverkehr  u.  dgl.  verursacht  sein  kann.  Da  der
letzte  Verbrauch  sehr  empfindlich  ist  und  bei  plötzlich  starken  Preiserhöhungen ­
  leicht  zurückgeht,  so  wird  er  manchmal  vom  Detaillisten
  im  eigenen  Interesse  geschont;  die  Preiserhöhung  wird  dann
nur  allmählich  durchgesetzt  und  kann  auf  diese  Weise  erst  in  einem
Zeitpunkt  zur  vollen  Geltung  kommen,  in  welchem  die  Großhandelspreise ­
  schon  wieder  rückläufig  sind.
In  dem  Ineinander  der  Märkte  kann  wieder  ein  Nebeneinander ­
  entstehen,  weil  der  Großhandel  verschiedene  Kleinhändler