2.  Der  Bedarf  an  Ware  in  der  Volkswirtschaft.  1ZZ
Die  Volkswirtschaft  ist  eine  planmäßige  Fürsorge,  daher
kommt  in  der  gegenwärtigen  Nachfrage  nicht  bloß  der  Bedarf  der
unmittelbaren  Gegenwart,  sondern  auch  der  der  absehbaren  Zukunft
zur  Geltung,  und  zwar  in  doppelter  Weise.  Zunächst  legen  die
meisten  Waren  als  Fertigwaren  einen  längeren  Zirkulationsprozeß
zurück,  der  in  so  viele  Tauschakte  zerfällt,  als  Zwischenhändler
vorhanden  sind.  Jeder  Zwischenhändler  muß  aber  einen  gewissen
Warenvorrat  halten,  muß  also  den  Bedarf  des  letzten  Verbrauchers
antizipieren.  Da  sich  ein  Zirkulationsprozeß  an  den  anderen  anreiht, ­
  so  wird  bei  normalem  Bedarf  der  Zuwachs  an  antizipiertem
Bedarf  durch  den  Ausfall  des  schon  früher  antizipierten  Bedarfs
ausgeglichen,  so  daß  sich  also  die  Nachfrage  nicht  wesentlich  anders
stellen  wird,  als  wenn  sich  nur  der  augenblickliche  Bedarf  geltend
machen  würde.  Sobald  aber  eine  beträchtliche  Steigerung  des
künftigen  Bedarfes  in  Aussicht  steht,  kommt  eine  lebhafte  Bewegung ­
  in  alle  Glieder  der  Zirkulationskette.  Da  wird  sich  bei
den  einzelnen  Zwischenhändlern  der  Zuwachs  an  antizipiertem  Bedarf
höher  stellen  als  der  Ausfall  des  früher  antizipierten  Bedarfs  und
die  Folge  wird  ein  Anschwellen  der  Nachfrage  mit  Rücksicht  auf  den
erst  erwarteten  Bedarf  sein.  Wenn  eine  Stadt  eine  Weltausstellung
veranstaltet,  so  werden  die  Preise  der  Lebensmittel  steigen,  bevor
noch  der  erhoffte  Fremdenzuzug  eintrifft,  weil  die  Kaufleute  Vorräte ­
  halten  und  nur  zu  guten  Preisen  verkaufen  werden.  Die
Kurse  der  Wertpapiere  steigen,  wenn  starker  Kapitalszufluß  erwartet, ­
  und  fallen,  wenn  Geldknappheit  befürchtet  wird.  Unter
Umständen  wird  auch  der  normale  künftige  Bedarf  vorweggenommen,
wenn  dessen  Deckung  durch  eine  bevorstehende  Preiserhöhung  erschwert ­
  werden  soll.  So  hat  in  Österreich  die  Ankündigung  einer
Verbrauchssteuer  auf  Zündhölzchen  eine  plötzliche  Steigerung  der
Nachfrage  gebracht,  die  aber  wieder  abflaute,  als  sich  die  Chancen
des  Steuerprojektes  verschlechterten.  Gerade  diese  Wirkung  hat  in
der  Handelspolitik  zur  Einführung  der  Sperrgesetze  oder  Sperrdekrete ­
  geführt,  durch  welche  eine  geplante  Zollerhöhung  provisorisch ­
  sofort  in  Kraft  gesetzt  wird.
Die  meisten  Waren  unterliegen  aber  außer  einem  Zirkulationsprozeß ­
  als  Fertigware  noch  einem  ebenfalls  in  Tauschakte  gegliederten ­
  Verarbeitungsprozeß,  bevor  sie  als  Fertigware  erscheinen.
Jedes  Rohmaterial  oder  Halbfabrikat  wird  doch  nur  deshalb  gegekauft,
  weil  die  Aussicht  besteht,  daß  das  daraus  verfertigte
Fabrikat  seinen  Verbraucher  findest  Jede  Änderung  in  dieser  Aus-