134

III.  Die  Analyse  des  Tauschwertes.

sicht  muß  also  auf  die  augenblickliche  Nachfrage  in  den  Rohmaterialien
oder  Halbfabrikaten  zurückwirken.  Wenn  in  einem  Lande  mit
starker  landwirtschaftlicher  Bevölkerung  ein  günstiges  Wetter  eine
gute  Ernte  verspricht,  so  ist  auf  einen  starken  Absatz  in  Baumwollwaren
  zu  rechnen,  der  wieder  die  Nachfrage  nach  Bauntwollgarnen
steigert;  auf  diese  Weise  entsteht  ein  merkwürdiger  Zusammenhang
zwischen  schönem  Wetter  und  dem  Geschäftsgang  der  Baumwollspinnerei. ­
  Komplikationen  der  auswärtigen  Politik  können  die
Kriegsrüstungen  beschleunigen  und  daher  in  einer  unmittelbaren
Steigerung  der  Eisenpreise  ihren  Ausdruck  finden.  Der  Ausbruch
des  russisch-japanischen  Krieges  brachte  keine  Deroute,  weil  man
ihn  erwartete,  andrerseits  blieb  der  Aufschwung  nach  dem  südafrikanischen ­
  und  russisch-japanischen  Kriege  aus,  weil  man  auf
Grund  früherer  Erfahrungen  diese  Wirkung  als  eine  sichere  vorweggenommen ­
  hatte.  Von  dein  künftigen  Bedarf  hängt  aus  denselben ­
  Gründen  auch  die  gegenwärtige  Nachfrage  nach  Kapitalsgütern ­
  ab.  In  Deutschland  erhöhten  sich  in  der  Periode  der
steigenden  Getreidepreise  um  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  die
Grundstückspreise  nicht  im  selben  Verhältnis,  sondern  viel
rascher,  weil  man  an  eine  Fortsetzung  der  steigenden  Tendenz
glaubte,  bis  Mitte  der  Siebzigerjahre  der  unerwartete  Rückschlag
kam.  Die  Unsicherheit  des  künftigen  Bedarfes  vermindert  wieder
die  Nachfrage  nach  Jnvestitionskapitalien  seitens  der  Luxusindustrien, ­
  so  daß  gerade  ausgesprochene  Luxusartikel,  wie  Kunstblumen, ­
  Schmuckfedern,  Spitzen  u.  dgl.  auf  die  ärmlichste  Heimarbeit ­
  angewiesen  sind.
Vierter  Erfahrungssatz:  Die  Nachfrage  hängt
auch  von  der  Elastizität  des  Bedarfes  ab,  der  sich  bei
verschiedenen  Gütern  in  verschiedenem  Grade  erweitern ­
  oder  verengern  läßt.
Mit  der  größeren  Elastizität  des  Bedarfes  fällt  und  mit  der
geringeren  Elastizität  steigt  die  Widerstandskraft  dieses  Faktors
gegenüber  den  anderen  Faktoren  der  Wert-  und  Preisbildung.  Läßt
sich  der  Bedarf  nach  einem  bestimmten  Gute  erweitern,  ist  er  also
elastisch  nach  außen,  so  wird  sich  durch  eine  Vergrößerung  der
Produktion  und  eine  entsprechende  Verminderung  der  Produktionskosten ­
  eine  Senkung  des  Wertes  und  Preises  bewirken  lassen.
Läßt  sich  ein  solcher  Bedarf  leicht  verengern,  ist  er  also  elastisch  nach
innen,  so  wird,  wenn  die  Verminderung  der  absoluten  oder  relativen
Kaufkraft  der  Bevölkerung  zu  einer  Verringerung  der  Produktion