2.  Der  Bedarf  an  Ware  in  der  Volkswirtschaft.  135

zwingt,  die  dadurch  entstehende  Verteuerung  der  Produktion  durch
eine  Steigerung  des  Wertes  und  Preises  hereingebracht  werden.
Ist  eine  solche  Erweiterung  oder  Verengerung  nicht  oder  nur  in
geringem  Grade  durchführbar,  so  wird  sich  der  Bedarf  als  ein
ziemlich  konstanter  Faktor  geltend  machen,  wird  also  für  die  Wertund
  Preisbildung  in  erhöhtem  Maße  entscheidend  sein.
Wenig  elastisch  ist,  wenn  nur  die  persönliche  Konsumtion  in
Betracht  gezogen  wird,  der  Bedarf  an  Salz,  da  der  Reiche  nicht
mehr  Salz  verzehren  kann  als  der  Arme,  der  Verbrauch  aber  auch
wieder  unter  eine  gewisse  Grenze  nicht  hinabgehen  kann,  da  Salz
zu  den  unbedingt  notwendigen  Genußmitteln  gehört;  in  den  Kulturländern ­
  beträgt  der  Salzverbrauch  ziemlich  konstant  7  bis  8  kg
jährlich  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  berechnet.  Bei  Gewürzen
haben  selbst  die  größten  Preisschwankungen  nur  geringen  Einfluß
auf  den  Verbrauch,  da  sie  in  dem  einzelnen  Haushalte  in  so
kleinen  Mengen  erscheinen,  daß  die  Ausgabe  hierfür  keine  Rolle
spielt.  Wenig  beeinflußbar  ist  aber  auch  der  Verbrauch  in  manchen
ausgesprochenen  Luxusartikeln,  z.  B.  in  Herrenhüten  bestimmter
Marken,  gewissen  englischen  Stoffen  u.  dgl.,  weil  die  wohlhabendste
Schichte  der  Bevölkerung  ihrer  zur  Führung  eines  standesgemäßen
Unterhalts  bedarf,  sie  also  ohne  Rücksicht  auf  die  Preisverhältniffe
anschafft;  dementsprechend  hindert  in  solchen  Fällen  auch  ein  hoher
Einfuhrzoll  nicht  den  Bezug  solcher  Waren  aus  dem  Auslande,
unter  Umständen  vergrößert  sogar  der  dadurch  erweiterte  Preisabstand ­
  zwischen  dem  heimischen  und  dem  fremden  Produkt  die
konventionelle  Nötigung  zur  Anschaffung.  Das  Abonnement  einer
Loge  im  Theater,  die  Erhaltung  eines  eigenen  Automobils  usw.
kann  unter  Umständen  im  Interesse  der  sozialen  Stellung  als  eine
so  notwendige  und  daher  unabänderliche  Ausgabe  erscheinen,  daß
die  Geldmittel  hiezu  an  der  Nahrung  abgespart  werden.
Elastisch  nach  außen  ist  der  Verbrauch  in  Zucker,  denn  als
im  Gefolge  der  Brüsseler  Zuckerkonvention  die  Verbrauchssteuer  in
einigen  Staaten  herabgesetzt  wurde,  nahm  der  Zuckerkonsum  erheblich ­
  zu.  Der  Verbrauch  von  Fleisch  steigert  sich  mit  der
größeren  Wohlhabenheit,  wie  die  Statistik  der  westeuropäischen
Länder  bisher  ergeben  hat;  möglich  aber  ist,  daß  infolge  der
Agitation  gegen  den  übermäßigen  Fleischgenuß  wieder  einmal  eine
Rückbildung  eintritt.  Die  ursprünglichen  Luxusgetränke  Kaffee  und
Tee  haben  sich  stellenweise  in  den  breitesten  Bevölkerungsschichten
eingebürgert.  Fast  unbeschränkt  elastisch  nach  außen  sind  die