140

III.  Die  Analyse  des  Tauschwertes.

eiern,  frischen  Blumen  usw.  schon  in  großem  Maßstabe  geschehen
ist.  Auch  die  öffentliche  Qualitätsgarantie,  wie  sie  für  Butter  und
.Käse  in  Holland,  Dänemark  und  Australien,  für  Pflaumen  in
Serbien  usw.  durchgeführt  worden  ist,  steigert  die  Absatzfähigkeit,
weil  der  Massenkonsum  gleichartige  oder  doch  nur  in  wenigen  feststehenden ­
  Qualitätstypen  vorkommende  Ware  bevorzugt.  Ähnlichen
Erwägungen  verdankt  auch  die  Preisunifizierung  ihre  Entstehung,
wie  z.  B.  die  Festsetzung  eines  Einheitspreises  für  Schuhwaren  in
den  großen  Verkaufsgeschästen.  Die  niedrigen  Einheitssätze  für  die
Postbeförderung  und  die  Zonentarife  der  Eisenbahnen  haben  durch
Verbilligung  der  teureren  Leistungen,  aber  auch  infolge  der  leichteren
Orientierung  der  Bevölkerung  die  Inanspruchnahme  der  Transportleistungen ­
  sehr  gefördert.
Eine  künstliche  Beeinflussung  des  Bedarfes,  eine  Manipulation
der  Nachfrage  liegt  ferner  im  Wesen  der  Spekulation  in  dem  eigentlichen ­
  und  volkstümlichen  Sinne  des  Wortes,  die  sich  nicht  bloß
wie  der  Kaufmann  damit  begnügt,  aus  den  tatsächlich  vorhandenen
zeitlichen  und  räumlichen  Preisdifferenzen  Vorteil  zu  ziehen,  sondern
darauf  ausgeht,  diese  Preisdifferenzen  zum  Zwecke  des  Gewinnes
selbst  hervorzurufen.  Eine  besondere  Begünstigung  erfährt  diese
Spekulation  durch  die  Einrichtung  des  Termingeschäftes,  bei  dein
durch  usancenmäßige  Gleichartigkeit  aller  Bedingungen  des  Vertragsabschlusses ­
  eine  so  vollkommene  Vertretbarkeit  der  Ware  erreicht
wird,  daß  dem  einzelnen  Geschäftsabschluß  nur  die  Feststellung  des
Preises  zufällt,  die  Ware  also  selbst  gar  nicht  vorhanden  sein  muß.
Die  an  einer  solchen  Warenbörse  erzielten  Umsätze  in  wirklicher
Ware  bilden  oft  nur  einen  geringen  Bruchteil  der  im  Terminhandel ­
  erzielten  gesamten  Umsätze.  Die  Fingierung  des  Bedarfes,
unter  Unfftänden  aber  auch  die  künstliche  Zurückdrängung  wirklichen
Bedarfes,  kommt  besonders  bei  den  Welthandelsartikeln,  in  erster
Linie  bei  Getreide,  vor.
Sechster  Erfahrungssatz:  Da  die  Bedürfnisse  in
vielfacher  Abhängigkeit  voneinander  stehen,  so  wirkt
der  ursprüngliche  Bedarf  auf  manchen  abgeleiteten
Bedarf  zurück.
Bedürfnis  und  Gut  stehen  selten  in  einem  solchen  Verhältnis
zueinander,  daß  sie  sich  gegenseitig  vollständig  decken.  Die  Gesamtheit ­
  der  Bedürfnisse,  der  Bedarf,  ist  oft  zu  groß  oder  wenigstens
zeitweise  zu  groß,  als  daß  er  ausschließlich  durch  ein  Gut  gedeckt
werden  könnte.  Dann  werden  andere  gleichartige  Güter  heran ­