2.  Der  Bedarf  an  Ware  in  der  Volkswirtschaft.  141

gezogen,  die  nun  im  Verhältnis  der  Konkurrenz  zueinander  stehen.
Sie  schließen  sich  gegenseitig  aus,  weil  das  Bedürfnis,  das  mit
einem  dieser  Güter  befriedigt  worden  ist,  für  die  anderen  derselben
Verwendungsreihe  nicht  mehr  in  Betracht  kommt.  Andererseits
kann  auch  der  Vorrat  eines  Gutes  so  groß  sein,  daß  er  den  durch
ein  bestimmtes  Bedürfnis  gegebenen  Bedarf  wenigstens  zeitweise
überschreitet,  also  verschiedene  Bedürfnisse  befriedigt  werden  können,
die  nun  ihrerseits  in  Konkurrenz  treten.  Wir  haben  eine  Konkurrenz
der  Güter  beim  Nahrungsbedarf,  der  nicht  bloß  mit  Fleisch  und
Brot,  sondern  auch  mit  Kartoffeln  gedeckt  werden  kann,  mir  haben
dann  eine  Konkurrenz  der  Bedürfnisse  bei  Kartoffeln,  die  nicht  bloß
zur  Nahrung,  sondern  auch  zur  Spiritusbrennerei  und  Stärkefabrikation
  verwendet  werden,  wir  haben  schließlich  wieder  eine
Konkurrenz  der  Güter,  weil  Spiritus  nicht  bloß  aus  Kartoffeln,
sondern  auch  aus  Roggen,  Mais,  Obst,  Melasse,  und  Stärke  auch
aus  Weizen,  Mais,  Reis  hergestellt  werden  kann  usw.
Der  der  Konkurrenz  entgegengesetzte  Fall  ist  der  der  gegenseitigen ­
  Abhängigkeit.  Möglicherweise  kann  nicht  bloß  der  Bedarf,
sondern  auch  das  einzelne  Bedürfnis  nicht  mit  einem  einzigen  Gute
gedeckt  werden,  so  daß  verschiedene  Güter  gleichzeitig  verwendet
werden  müssen  und  die  Verwendung  des  einen  die  des  anderen
nach  sich  zieht.  Eine  entsprechende  Analogie  ergibt  sich  auch  bei
den  Gütern,  welche  oft  voneinander  so  abhängen,  daß  eines  ohne
das  andere  nicht  hergestellt  werden  kann.  Dieser  Fall  der  Abhängigkeit ­
  berührt  aber  die  Seite  des  Angebots  und  wird  daher
später  besprochen  werden.
Eine  Abhängigkeit  der  Bedürfnisse  finden  wir  bei  der  künstlichen ­
  Beleuchtung  durch  Petroleum,  Gas  und  Elektrizität,  weil
nicht  bloß  die  Lichtquellen,  sondern  auch  die  entsprechend  angepaßten
Beleuchtungskörper  beigestellt  werden  müssen.  Auf  diese  Taffache
hat  der  amerikanische  Petroleumtrust  Rücksicht  genommen,  indem  er
zur  Erweiterung  des  Petroleumverbrauches  in  China  daselbst  unentgeltlich ­
  Petroleumlampen  an  die  Bevölkerung  verteilen  ließ.
Der  relativ  sehr  hohe  Zuckerverbrauch  in  England,  der  weit
mehr  als  doppelt  so  hoch  ist  als  in  irgendeinem  anderen  europäischen
Staate,  ist  zum  Teil  die  notwendige  Folge  des  hohen  Verbrauches
von  Tee,  der  nicht  bloß  gesüßt  werden  muß,  sondern  auch  süße
Zutaten  (Cakes,  Marmeladen)  erfordert.
Welches  Mißverhältnis  unter  Umständen  durch  diese  Abhängigkeit ­
  zwischen  Angebot  und  Nachfrage  entstehen  kann,  dafür  bietet